Von Cheney zu Trump

The american nightmare

Autor: Winfried Wolk
Datum: 08. April 2017

Nun ist er tatsächlich und endlich auch angekommen im US-amerikanischen und somit auch im westlichen Establishment, der bisher so sehr gescholtene Unhold, Frauenverächter und noch Schlimmeres, der den American Dream „all is possible“ wörtlich genommen und sich den ameri- kanischen Präsidententhron mit dem Einsatz einer größeren Geldsumme gekauft hat. Allerdings gehörte er nicht zu der Mannschaft, die so etwas auch durfte und so wurde der „Neue“ erst ein- mal rund um die Uhr und wochen-, ja monatelang in allen „wichtigen“ Medien der westlichen Welt zur Sau gemacht. Aber das ist nun vorbei. Nun hat er bewiesen, dass er verstanden hat, wie das Spiel laufen soll. Anders als sein Vorgänger, der, vielleicht durch den vorschnell verliehenen Friedensnobelpreis etwas gebremst, die Umsetzung der Regime-Change-Strategie für Syrien sträflich vernachlässigte und sich lediglich auf anonyme Drohnenmorde konzentrierte. Dabei war doch bereits ein ähnlicher Anlass für einen militärischen Angriff mit Hilfe des türkischen Geheimdienstes konstruiert worden, den der Friedensnobelpreisträger aber versäumte. Der Regime Change in Syrien war übrigens bereits Anfang der 90er Jahre von Paul Wolfowitz in Aussicht gestellt worden.


Nun stehen nicht nur die amerikanischen Friedensfreunde um McCain, sondern auch alle west- europäischen Spitzenpolitiker, einschließlich der deutschen, endlich wieder geschlossen hinter dem amerikanischen Präsidenten. Die Welt ist also wieder in Ordnung. Und auch Saudi Arabien, über dessen Kriegsverbrechen im Jemen erst vor wenigen Tagen Spiegel online berichtete, des- sen bisheriges, äußerst fragwürdiges Engagement im Syrienkonflikt aber auch nicht vergessen werden sollte, hält den Raketenangriff auf Syrien für eine „mutige Aktion“. Auch der israelische Ministerpräsident unterstützt diese Entscheidung völlig, lässt er doch gleichfalls syrische Einrichtungen bombardieren. Und das polnische Parlament erklärte sogar ganz aktuell die USA zum Garanten des Weltfriedens.

Wie kommt es nun zu dieser nahezu radikalen Kehrtwendung in der internationalen Einschätzung des Donald Trump? Wenn wir uns die Liste der in den verschiedenen US-amerikanischen Strategieschmieden agierenden politischen Strippenzieher ansehen, ist der Name Trump dort nicht zu finden. Die in den maßgeblichen Think-Tanks wie „The Project for the New American - Century“ oder „American Enterprise Institute (AEI)“ entscheidend agierenden Figuren sind ganz andere. Ihre Namen sind Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, Richard Perle, Jeb Bush oder Robert Kagan, um nur einige zu nennen. Sie hatten es wahrscheinlich nicht so gern, dass sich dieser Außenseiter in ihr Spiel drängte. Immerhin hatten sie ja schließlich die hegemo- niale Politik der USA für die nächsten Jahrzehnte unter dem Aspekt des „American Exceptiona- lism“ strukturiert und wollten sich das einträgliche Geschäft nicht kaputt machen lassen. (Obama hatte dieses Glaubensbekenntnis am 28. Mai 2014 vor Kadetten der Militärakademie West Point ziemlich präzise definiert:

„Ich glaube an den amerikanischen Exzeptionalismus mit jeder Faser meines Seins. Was uns jedoch exzeptionell macht, ist nicht unsere Fähigkeit, uns über internationale Normen und den Rechtsstaat hinwegzusetzen, es ist unsere Bereitschaft, die- se mit unseren Handlungen zu bekräftigen“ (Quelle: commondreams.org/news/2014/14/2015/))

Schon 1991 hatte Paul Wolfowitz, ehemaliger Vize-Verteidigungsminister, ehemaliger Präsident der Weltbank, Chefstratege der Bush-Regierung und Vordenker der neuen Weltordnung, im gerade ablaufenden 1. US-Krieg im Irak in einem Gespräch mit dem US-General Wesley Clark er- klärt, dass dieser Krieg gezeigt hätte, „dass wir unsere Truppen in der Region des Nahen Osten einsetzen können und die Sowjets werden uns nicht mehr stoppen.“ Nun hätten die USA „ungefähr fünf oder zehn Jahre Zeit bekommen, um all die sowjetischen Klientel-Regime zu beseitigen: Syrien, den Iran, den Irak, bevor die nächste große Supermacht uns herausfordert.“
(Qelle: http://library.fora.tv/2007/10/03/Wesley_Clark_A_Time_to_Lead)
Warum eigentlich eine Neuordnung der Welt? Warum eine Neuordnung des Nahen Ostens? War- um dieses permanente Regime-Change-Programm? Warum müssen die USA unbedingt die uni- laterale Macht sein, die nichts und niemanden neben sich duldet, wie das Paul Wolfowitz in ei- nem Essay für das konservative Blatt „The National Interest“ schreibt, wo er sogleich auch droht: „Unsere Freunde werden beschützt werden, unsere Feinde bestraft. Und jene, die Unter- stützung verweigern, werden bedauern, so gehandelt zu haben.“


Der Einblick in Dick Cheneys Karriere, den uns Wikipedia übermittelt, gibt einen gewissen Aufschluss über die wirklichen Triebkräfte, die sich hinter der so schön aufgebauten Kulisse vom „Schutz der Menschenrechte“, der versprochenen „Freiheit“ und der gerühmten „westlichen Werte“ verbergen.

1969 startete Cheney seine politische Laufbahn als Mitarbeiter der Nixon-Regierung. Er wurde persönlicher Assistent von Donald Rumsfeld. Präsident Gerald Ford machte ihn zu seinem Assistenten und zum Stabschef des Weißen Hauses und Bush senior zum Verteidigungsminister. In diese Zeit fallen der erste Irak-Krieg sowie die amerikanischen Interventionen in Somalia und Panama. In seinem politischen Amt veranlasste Cheney eine entscheidende Änderung im Logis- tics Civil Augmentation Program. Die US-Army ließ bis dahin nämlich weltweite Infrastrukturprojekte, wie den Bau von Flughäfen und Gefängnissen und die Verpflegung der Soldaten von immer unterschiedlichen zivilen Firmen ausführen. Cheney aber wollte, dass diese Aufträge künftig an nur eine Firma vergeben werden. Er beauftragte die Haliburton-Tochter Kellogg - Brown & Root, die Plausibilität einer solchen Entscheidung zu prüfen, was dazu führte, dass die- ses Unternehmen dann auch die alles entscheidende Ausschreibung gewann. Und Cheney wurde 1995 Aufsichtsratsvorsitzender und CEO dieses Großunternehmens.
In den fünf Jahren seiner Tätigkeit für Halliburton, in die auch der Balkan-Krieg mit umfangreichen Regierungsaufträgen für Halliburton sowie lukrativen Aufträgen im Zusammenhang mit dem „Oil-for-Food“-Programm für Irak fällt, stieg der Auftragswert der Projekte für die Regie- rung von 1,2 Milliarden auf 2,3 Milliarden US-Dollar. Halliburtons Kerngeschäft ist nämlich auch der Handel mit Erdöl und die Energieversorgung und -förderung.


1997 gründete Cheney mit Donald Rumsfeld die Denkfabrik „Project for the New American Century“. Diese Denkfabrik lehnt eine multipolare Welt ab, statt dessen wird eine unipolare Welt unter US-amerikanischer Führerschaft angestrebt, die durch dauerhaft weltweite Militärstütz- punkte und dem Einsatz aller Mittel, einschließlich der militärischen, gesichert und auch ohne Absprache oder Rücksichtnahme auf Verbündete, die UNO, Verträge und sonstige Rechtsverbindlichkeiten durchgesetzt werden soll.


Im Januar 2001 wurde Dick Cheney Vizepräsident unter George W. Bush, wo ihm eine energische Amtsführung mit großer Einflussnahme auf die Regierungsentscheidungen nachgesagt wird. Während seiner Vizepräsidentschaft wurde Halliburton im Rahmen des Restore Iraqi Oil - Programms mit Arbeiten im Wert von etwa 2 Milliarden US-Dollar beauftragt, ohne dass eine Ausschreibung der Regierung stattgefunden hatte. Zwar trat Cheney, nachdem er für das Amt des Vizepräsidenten aufgestellt worden war, offiziell als CEO von Halliburton zurück und verkaufte einen großen Teil seiner Anteile, doch erhielt er noch im Juli 2004 Abfindungszahlungen von Halliburton, die auch für den Wiederaufbau im Irak hoch dotierte Aufträge der US-Regierung bekommen hatten.

Cheneys Beispiel, der mit seinem gleichzeitigen Engagement in den wichtigsten Strategie- schmieden (seine Frau Lynn ist maßgeblich bei AEI tätig), in den unterschiedlichen, hohen politischen Ämtern und in der Führung eines weltweit agierenden Unternehmen beeindruckend das herrschende System verkörpert, scheint die Frage zu beantworten, warum die US-amerikanische Politik so aussieht, wie sie aussieht. Und Cheney ist nur einer aus einer verschworenen Gemein- schaft, die an den entscheidenden Stellen sitzen oder gesessen habe und an den entsprechenden Strippen ziehen. Vielleicht, so denke ich mir, haben die natürlich weiterhin funktionierenden Mechanismen der jahrzehntelang eingespielten Machtstruktur dem neuen, bisher ungeliebten Präsidenten mittlerweile klar gemacht, wie das Spiel zu spielen ist. Die Gewinne, die aus den kriegerischen Abenteuern zu ziehen sind, dürfen nämlich nicht geschmälert werden. Trump hat also Nachholebedarf, er muss nun liefern. Der Raketenangriff auf Syrien ist der Beweis, dass er offensichtlich verstanden hat. Ich frage mich nun besorgt, was wohl seine nächste Aktion sein wird.

Übrigens sind alle hier aufgeführten Informationen problemlos für jeden im Internet zu finden.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 09. April 2017 schrieb marie becker:

Neuordnung der Welt....leere Räume schaffen , alles vorhandene zerstören um anschließend, unsern Vorstellungen folgend , neues besseres aufzubauen... Ideen, die in den Thinktanks damals den pseudowissenschaftlich anmutenden, brutalen Methoden durch falsch verstandene Psychoanalyse entliehen, auf Politik übertragen wurden.
Schockstrategie nannte es Naomie Klein in ihrem hoch interessanten Buch, auf das ich hinweisen möchte...

mein Dank an Uli für die Beleuchtung der Hintergründe in der Gesellschaft der " Eliten" in den USA;

Namen, die aktuell in Medien kaum mehr genannt werden, obwohl sie für das gesamte Elend im nahen und mittleren Osten und in Nordafrika stehen. letztendlich auch für alle Terrorakte, die inzwischen überall die Welt durchziehen.


Am 09. April 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Wir werden die USA nicht los. "Die Geister, die ich rief, besonders nach 1945 sind immer dabei, und der Marshall Plan, der bei jeder Gelegenheit aufs Butterbrot geschmiert wird, war nichts anderes, als eine riesengroße Finanzspritze für das amerikanische Kapital. Und solange ist es nicht her, dass wir die letzte Rate an den Kriegstreiber Nr. 1 zurückgezahlt haben.
Ein gefährlicher Anspruch, den die USA immer schon hatten,und der sich auf wundersamen Art und Weise, besonders brutal, wie ein Mensch eben nur werden kann, der in gesellschaftlichen Verhältnissen lebt, wo das Recht des Stärkeren gilt, widerspiegelt. Für die USA trifft eben genau dieses zu, denn sie sind überzeugt, dass sie tun und lassen können, was sie wollen, weil sie es können, und keiner bremst sie so wirklich. Sie sind Räuber und Piraten, und Russland ist ihnen ein besonderer Dorn im Auge, und ich bewundere, was eher selten ist, die Russische Föderation, aber im besonderen Präsident Putin, und den ungewöhnlich, souveränen, klugen und immer auf Deeskalation bedachten Außenminister Lawrouw Wie behalten diese Frauen und Männer Russlands die Nerven ? Sie haben es mit Ideologen, der übelsten Sorte zu tun. Was geschieht, wenn die Vernunft nicht mehr die Oberhand behält ? Wenn wir in dem Karussel bleiben, dass sich immer schneller dreht ? Trump unterscheidet sich nicht wesentlich von den anderen verkommenen Gestalten; nur dadurch, dass er mit der Skrupellosigkeit, mit der er und seinesgleichen reich geworden sind, alles was ihnen nicht passt, mit noch mehr Gewalt, Überheblichkeit und der Verachtung des Menschen unter den amerikanischen Stiefel zwingt. Die "Schmuddelkinder" Kapitalisten sind nicht beliebt, aber sie machen die Drecksarbeit rücksichtsloser, und letztendlich wird das auch von ihnen erwarte, weil es von ihnen verkörpert wird, die Hand an der Knarre. Die Geschichte zeigt uns, dass der Kapitalismus nicht abgewählt werden kann, und sicherlich ist es naiv und blauäugig von vielen gewesen, anzunehmen, dass ein Trump die alten stinkenden Rohre, mit dem Dreck, dem Blut, der Not und des Verlustes unendlich vieler Menschen reinigen würde.. Er ist mindestens genau so korrupt und charakterlos, wie die meisten seiner Vorgänger. Letztendlich hat er nie einen Hehl aus seiner Verachtung denen gegenüber gemacht, die die Welt mit anderen Augen betrachten. Nun ist er selber Beute derer, die er wochenlang an den Pranger gestellt hat, und sie haben ihn da, wo sie ihn haben wollten; und die westliche Welt jubelt.Was für ein erbärmlicher Haufen von kriegsgeilen Hetzern.
Wenn es zum Krieg kommen sollte, wird er in Mitteleuropa stattfinden, und nicht, in den USA; die sind, wie immer oder meistens, dafür verantwortlich, haben aber ausreichendes, speichelleckendes am Rockzipfel hängende unselbständiges Bodenpersonal, die, in die Wüste geschickt werden sollten. Ich hoffe sehr, dass Präsident Putin, angesichts des eklatanten Verstoßes gegen das Völkerrecht die Nerven behält. Nicht auszudenken, wenn er sie verlieren würde. Was mag in den Herzen und Köpfen der russischen Völker vor sich gehen, wenn sie die Szenarien, die ihnen zugemutet werden, vor sich sehen ?.Ein russischer Freund sagte einmal: "Sie mögen uns nur, wenn besoffen sind." Die Völker Russland haben unendliches Leid, besonders durch das faschistische Deutschland erfahren müssen, und eine Kanzlerin, die sich immer und überall an die Seite der USA stellt, und deren völkerrechtswidrige Kriege, gegen wen auch immer, unterstützt macht es wieder. Sie weigert sich die hohe moralische Schuld Deutschlands anzuerkennen, und die russischen Völker als Teil Europas, und als unsere Nachbarn, die uns immer wieder die Hand reichen, anzunehmen.Die Völker Russlands werden zum wiederholten Mal ihrer Würde und ihrer Rechte als Menschen und Teil Europas, beraubt.
Ein interessanter Artikel, der die Informationen gebracht hat, und die Entwicklung, rückblickend nachvollziehbar hat werden lassen.
Vielen Dank.

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