Trump redet mit Putin

Eine unglaubliche Tatsache!

Autor: Winfried Wolk
Datum: 24. Juli 2017

Es ist einfach nicht zu glauben, was mir Spiegel online am 19. Juli in einem umfänglichen Artikel mitteilte. „Zwischen Donald Trump und Wladimir Putin hat es beim G20-Gipfel ein zweites Gespräch gegeben“ steht in fetten Lettern über dem Artikel und ich spüre das Entsetzen des Autors über diese unglaubliche Tatsache. Zwar, so dachte ich immer, sollte G20 eigentlich ein Gesprächsformat der 20 wichtigsten Menschen der Welt sein, aber es darf da wohl nicht jeder mit jedem reden. Jedenfalls auf keinen Fall der amerikanischen Präsident mit dem russischen. Genau diese Meinung vertritt auch der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses im US-Repräsentantenhaus. Für ihn ließen die Berichte über das zweite, bislang unbekannte Gespräch der beiden Präsidenten in Hamburg „gleich mehrere Alarmglocken schrillen. Trump sei den Amerikanern unbedingt eine Erklärung schuldig“.


Sicherlich wäre es völlig in Ordnung gewesen, wenn Trump in bewährter Cowboy-Manier den Colt gezogen und den verdammten Russen vom Stuhl geballert hätte, als mit ihm zu reden. Denn, wir wissen es alle doch ganz genau: Der Russe hatte heimtückisch gerade letztens die musterhaft- demokratische amerikanische Wahl manipuliert. Mir ist zwar nicht ganz klar, wie passiert sein soll, dass Putin so auf die Schnelle 50% der amerikanischen Wähler überzeugen konnte, Donald zu wählen und nicht Hillary. Vielleicht hatte er ja alle Telefonnummern der amerikanischen Wähler auf seinem Handy und hat einfach mal angerufen. Immerhin hat genau das Erdogan in der Nacht des Putsches in der Türkei erfolgreich praktiziert. Aus dem Stand und einfach so konnte der mit jedem seiner Staatsbürger telefonieren und ihn zum Widerstand gegen die Putschisten auffordern.

Allerdings habe ich bisher nicht gehört, dass auch Putin ein solches technisches Wunder vollbracht hätte. Auch nicht, dass Putin ein russisches Wahlkampfteam in die USA geschickt hat, um Donald zum Wahlsieg zu verhelfen, wie es weiland in den 90er Jahren die US-Amerika- ner im Jelzin-Wahlkampf getan hatten. Damals galt es, Jelzin erneut ins Präsidentenamt zu hieven, denn die US-amerikanischen Großkonzerne wollten doch unbedingt ihren Zugriff auf die begehrten russischen Ressourcen ungehindert ausbauen, was nur mit Jelzin möglich war. So berichtete der Spiegel am 15. Juli 1996, dass die amerikanischen Wahlhelfer „ausgestattet mit Wagen, Chauffeur und zwei Leibwächtern, die Suite 1120 im (Moskauer) President-Hotel okkupierten“, von wo aus sie durch den Einsatz von „Wahrheitsschwadronen“ und der Investition von einer halben Milliarde Dollar den drohenden Erfolg des Gegenkandidaten Sjuganow verhinderten (www.spiegel.de/spiegel/print/d-8947088.html).


Irgendwie muss Putin seine Wahlkampfmanipulation viel raffinierter und unauffälliger angestellt haben. Obwohl wir es ganz genau wissen, können unsere freien Medien nur über eventuell mögliche, höchstwahrscheinlich zu vermutende, russische Eingriffe berichten. Das tun sie allerdings täglich. Und dass der von uns und unseren US-amerikanischen neokonservativen Freunden so wenig geliebte amerikanische Präsident trotz all dieser auf der Hand liegenden, erdrückenden Fakten nun auch noch mit diesem Putin redet, dafür ist er nicht nur den amerikanischen Wählern eine Erklärung schuldig, sondern natürlich auch uns und der ganzen Welt.


Die Meldung, die Spiegel online dann am 20. Juli diesen Jahres verbreitete, erschreckte mich ein weiteres Mal. Ich erfahre die empörende Tatsache, dass der US-Präsident Trump laut einem Bericht der „Washington Post“ die verdeckten Waffenlieferungen der CIA an syrische Rebellen, die gegen die Regierung von Baschar al-Assad kämpfen, hat stoppen lassen (http://www.spiegel.de/ politik/ausland/donald-trump-stoppt-waffenlieferungen-an-syrische-rebellen-a-1158794.html). Die CIA hatte 2013 unter dem damaligen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Barack Obama ein verdecktes Programm mit Waffenlieferungen begonnen, um die vielen angeworbenen terroristischen Kämpfer gegen Assad zu unterstützen. „Putin hat gewonnen“ steht da in fetten Lettern geschrieben und ich spüre die immense Enttäuschung, die aus jedem dieser Buchstaben tropft. Sollte nun tatsächlich durch eine unbedachte Entscheidung das jahrelange Blutvergießen, das maßlose menschliche Leid, die erfolgreiche Zerstörung eines Landes und seiner Städte, die einst zur kulturellen Wiege der Menschheit gehörten, einfach so vorbei sein?

Kann ein amerikanischer Präsident ein von seinem Vorgänger, einem Friedensnobelpreisträger initiiertes, bislang fast schon erfolgreiches Programm einfach abbrechen, nur um dem Russen einen Gefallen zu tun? Dabei ist doch die Neuordnung des Nahen Osten noch nicht vollständig abgeschlossen, die Ressourcen noch nicht völlig in den Händen der US-amerikanischen Weltbeherrscher, wie es die Herren Wolfowitz, Kagan, Barnett und all die anderen Neokonservativen schon 1991 so fein und präzise geplant hatten. Wenn in Syrien tatsächlich Frieden einziehen sollte, wäre das wirklich ein herber Rückschlag für die Demokratie, die Welt und für unsere zu verteidigenden Werte. Einige Stunden später jedoch beruhigte mich dann eine zweite Meldung im gleichen Medium. Ich erfah- re, dass in einem Hinterhalt von „Rebellen“ die radikal-islamische Gruppe „Armee des Islam“ mindestens 28 Soldaten von Assads Streitkräften getötet hat (http://www.spiegel.de/politik/aus- land/syrien-rebellen-toeten-nahe-damaskus-dutzende-soldaten-a-1158913.html).

Das Blutvergießen geht also trotz der auf dem G20-Gipfel zwischen Putin und Trump vereinbar- ten Waffenruhe und der Entscheidung des US-Präsidenten, keine Waffen mehr an die in Syrien agierenden terroristischen Kämpfer zu liefern, unvermindert weiter. Die Kapazitäten der von den USA so großzügig ausgestatteten Waffenarsenale der Terroristen reichen offensichtlich noch eine ganze Weile. Und sicher wird auch die CIA Mittel und Wege finden, das große Programm zur Befriedung Syriens weiter voranzutreiben, verdeckt und streng geheim, wie sie das immer bei solchen, die US-amerikanische Vorherrschaft sichernden Aktionen tun. Die gewaltigen Investitionen, mit der die Führungsmacht der freien Welt den Umsturz in Syrien seit mehr als fünf Jahren anheizt, sind also nicht verloren. Damit werden auch wir noch eine lange Zeit die Gelegenheit haben, Menschlichkeit zu beweisen und diejenigen, die im Ergebnis dieses großartigen Programms ihr Land verlassen müssen, weil sie dort ihre Lebensgrundlagen verloren haben, ihr Leben aber bewahren wollen, mit freundlichen Willkommenskulturgesten begrüßen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 31. Juli 2017 schrieb Hella-Maria Schier:

Ja, sie sind wirklich Schätzchen, unsere Mainstream-Journalisten, in ihrer teilnahmsvollen Art sich zu sorgen, dass die Gefahr einer nuklearen Konfrontation mit Russland abnehmen könnte.


Am 30. Juli 2017 schrieb Uschi Peter:

Wieder eine nette "Tatsache". Danke Uli für die Veröffentlichung und danke an Winfried Wolk!
Nicht nur der Hass auf Putin ist grenzenlos, auch der US-Präsident Trump soll möglichst gestürzt werden. Und geht er nicht freiwillig, hat man ja noch die Option Kennedy. In sat1 ist jetzt eine "Umfrage" zu lesen: Wann geht Donald Trump? Eigentlich eine Frechheit unserer Medien, sich immer in die Belange anderer Staaten einzumischen. Gegen jeden, der sich dem westlichen Establishment widersetzt, wird scharf geschossen. Im Moment kämpft unsere Journaille an 3 Fronten: Putin, Trump und Iran (da ist keine Person greifbar wie seinerzeit Ahmadinedjad). Man mag über andere Staatsmänner / -frauen denken wie man will, aber über die sollen ihre eigenen Völker urteilen.


Am 25. Juli 2017 schrieb Karola Schramm:

Es sind nun mal Scheiß-Spiele, die Medien und Politiker gemeinsam spielen und zusammenschweißen. Die Spiele des Feindbildes. Da sucht man sich den, der am meisten nach Frieden und Gerechtgkeit ruft, nach Toleranz und Partnerschaft und natürlich auch nach einer guten staatlichen Daseinsfürsorge für alle. Einer, der die staatlichen Aufgaben und staatliches Eigentum nicht einfach an private Investoren verschärbelt, sondern die Sache selber in die Hand nimmt und so seine Wirtschaft und die Gewinne in den Staatshaushalt fließen lassen will.
Putin ist so einer. Er hat viel Faules übernommen und musste Vieles rückabwickeln. Zurück in die Hände des Staates.
Also ein Mann mit Charakter und Sinn für die Bevölkerung.
So einer ist schnell isoliert im Kreis der Politiker und ihrer starken Hintermänner-und Frauen, die das anders sehen. Die dann nur noch Politik unter der Ägide der Groß-Industrien, Banken und ihrer Förderer machen und denen das Wohl der Bevölkerung nicht interessant genug ist. Das gibt keinen Thrill.

Trump ist nun einer, der einerseits weiß, was er will oder wollte, nämlich Präsident der USA werden damit sein heimlich angeschlagenes Ego aufpoliert wird - und in zweiter Linie die drangsalierte Arbeiterschaft zu retten. Die Millionen Amerikaner, die man zwar in Kriege, auch völkerrechtswidrige, jagen kann, jedoch von der arroganten und hochmütigen Elite nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gegönnt wird, wollte er die Würde zurückgeben.

Die dritten Mitspieler sind die großen Mediengruppen, die es wissen wollen. Wie kann man Menschen so manipulieren, dass sie es nicht merken ? Sie alle arbeiten mit hochkarätigen Psychologen und Wissenschaftlern zusammen, deren Fachgebiet es ist, die Gehirne der Menschen zu waschen.

Die Medien, hier zu Lande, haben per Gesetz eine Verpflichtung frei und unabhängig Informationen für die Bevölkerung bereit zu stellen. Sie tun es, jedoch nur im Sinne der Regierung. Die Presse gehört Merkel und der Regierung. Im ganzen deutschen Land.

Journalisten sind zu Handlangern von Demagogen mutiert und wenn sie es nicht sind, werden auch sie unter Strom gesetzt, damit sie es werden.

Das Blutvergießen, so lese ich, geht also weiter und keine Hoffnung in Sicht ?

Wenn die Mehrheit der Menschen in jedem Land der Welt seelisch-geistig unter das Niveau von Tieren gerutscht sind, weil Werte, Bildung, Gewissen und die Achtung vor dem Leben und der Kultur anderer Länder, wegfallen, und sie einmal Blut geleckt haben, dann können sie nicht anders als weiter töten und unterdrücken.

Jede Affenhorde hat Regeln und ist humaner, als eine Gesellschaft, deren Anführer kein Gewissen, keinen Mut und keinen Charakter und dabei die Macht in ihren Händen haben.


Am 24. Juli 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Der irrationale Hass auf Russland, die Respektlosigkeit, die Dämonisierung, die Entmenschlichung der russischen Völker, und ihres Präsidenten erinnert an Goebbels Propaganda.
Beschämend, das das Echo der Faschisten, auch auf Deutschlands Straßen in den Herzen und Köpfen vieler Völker nach hallt, ist Russland in Deutschland immer wieder, das, was es im Faschismus gewesen ist:der "Untermensch," und es ist an der Tagesordnung, und wird tagtäglich in und durch die Medien im Land auf gefährliche Art und Weise als "Wahrheit" verbraten. Subtil, immer beliebig, offen lassen, keine Fakten, sondern Unsicherheiten schaffen, in einer unsicheren Zeit, ist die Devise.
Menschen brauchen Sicherheiten, und viele werden den verkommenen Medien Glauben schenken, weil sies wollen, und weil es der bequemste Weg ist, das kleine Leben, obwohl es knallt und kracht in der Welt, neoliberal, weiter zu leben.
Eine Weltanschauung, die auf Konkurrenz, Neid, Wettbewerb, Egoismus beruht, beeinflusst die Entwicklung der Menschen in einer Gesellschaft , und verhindert werden soll, dass die russischen Völker als das gesehen werden, was sie sind: Menschen, mit all ihren Träumen, Sorgen, Nöten und ihrer Freude, ihrer Liebe, und auch der Erinnerung an die, die sie im Kampf gegen den Faschismus schmerzlich, bis Heute vermissen.
Die USA, die größten Kriegstreiber aller Zeiten sind an fast jedem Krieg, direkt oder indirekt, beteiligt, und treten die Menschenrechte, und die Selbstbestimmung der Völker mit Füßen, und wollen alles und jeden unter ihre Stiefel bringen.
Was sollte ich denen sagen, die im Strudel der Geschichte vergessen werden; die, die mit aufrechtem Gang gegen den Faschismus gekämpft haben? Was würden die denken, wenn sie die Schlagzeilen, besonders die gegen Russland sehen könnten ? Auf ewig werde ich den russischen Völkern verbunden bleiben. Was haben wir nach der Zerschlagung des Faschismus wirklich gelernt ?
Die Medien, die in dieses Horn blasen, und das sind nicht wenige, machen sich mitschuldig, weil sie keine klare, eindeutige und dem Frieden verpflichtende Haltung haben, und somit werden sie weiterhin auf die Gesellschaft los gelassen, um ihr Unwesen zu treiben, und die Lüge wird zur Wahrheit.
Gut zu Lesen, verständlich, nachvollziehbar, und somit auch Einzuordnen. Vielen Dank.


Am 24. Juli 2017 schrieb Alexander Kocks:

Als ich Ende der 90iger Jahre die Einseitigkeit der westliche Propaganda zum Jugoslawienkrieg erlebte, dachte ich, dass eine solche Kampagne nicht mehr zu steigern und zu überbieten sei. Das war ein Irrtum. Ich habe seither in der Syrienkrise und seit Trump lernen müssen, dass der Phantasie, dem Einfallsreichtum und der Manipulationsbereitschaft unserer Medien keine Grenzen gesetzt sind.
Am Bedrückendsten für mich ist die Tatsache,
dass die Medien in der überwiegenden Mehrheit anscheinen freiwillig "auf Linie sind" und nicht einmal von höheren Mächten ausgerichtet werden müssen.



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