Schafft sich die LINKE selber ab ?

Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern

Autor: Peter Kroh
Datum: 08. September 2016

Der Autor wohnt in Neubrandenburg und lebt seit den 80er Jahren in Mecklenburg-Vorpommern. Er war Hochschullehrer und lange Jahre Mitglied der LINKEN.

Schaut man sich die Erst-und Zweitstimmen der Linken in Mecklenburg-Vorpommern von 1990 bis 2011 an, ist zum einen sichtbar, dass sie die Meinung der Wähler und Wählerinnen über die Ergebnisse der Regierungsbeteiligung (1998-2006) reflektieren. Zum anderen wird sichtbar, dass man manch einzelnen Kandidaten / einzelne Kandidatin schon im Parlament sehen möchte, der Partei aber insgesamt nicht allzu viel zutraut. Vor allem aber wird erkennbar, dass die LINKE 2016 noch weit unter das das Niveau von 1990, als schärfste ideologische Diffamierung und politische Ausgrenzung Normalität waren, ) zurückgefallen ist.

Weder aber gibt es heute eine politische Ausgrenzung noch einen ideologischen Meinungskampf wie damals. Woher also der Rückgang ?

Äußerungen der LINKEN, die sog. Flüchtlingskrise und ein bundespolitischer Trend seien Ursache der verheerenden Niederlage der LINKEN, kommen nur zustande aufgrund der seit langem anhaltenden partiellen Realitätsblindheit der Partei.

Die Hauptursache sehe ich darin, dass die LINKE ihr Alleinstellungsmerkmal seit langem verloren hat, sich bei anderen Parteien politisch-inhaltlich anbiedert (siehe Hartz-Gesetze, NATO) und schon lange ihre kritischen Positionen, mit denen sie einst aus der SED und z.T. noch aus der PDS heraus angetreten war, aufgegeben hat.
Viele (zu viele) Abgeordneten der PDS/der LINKEN flohen nach und nach ins Lager derjenigen, die von den bestehenden Verhältnissen profitieren, sie erhalten wollen und also verteidigen. Eigentlich (!) jedoch wollten sie die Verhältnisse verändern! Die Verhältnisse aber sind geblieben, das Verhalten von LINKEN hat sich geändert.

Wer unbedingt in die Regierung will, der muß – früher oder später - verschweigen, was dem hinderlich ist. Er wird aufhören jene zu kritisieren, mit denen er – irgendwann, aber am besten möglichst bald - zusammenarbeiten muss. Dazu wird er über Jahre und Jahrzehnte (niemals in „einem großen Sprung“, das würde Anhänger vergrätzen) sich den Standpunkten, Floskeln und Parolen der schon Regierenden anpassen. Der langjährige Linken-Wähler wird zu diesem Zweck mit Themen, Statements, Slogans, Plakaten abgelenkt, seine Aufmerksamkeit wird auf Nebensächliches gelenkt. Reden, Presserklärungen etc. von PolitikerInnen der Linken verschweigen / verbergen so a) worum es eigentlich geht: / Arm gegen Reich, Unten gegen Oben / und b) worum es ihm /ihr wirklich geht :/Mitregieren/.

Klar sozialistische und den realen Klassenkampf analysierende Positionen wurden schon seit langen und werden immer deutlicher ad acta gelegt. [ABER: Auf die Frage, was er für den zentralen Konflikt unserer Zeit hält, hat der selbstbewußte Kapitalist und Dollar-Milliardär, Warren Buffet im Interview mit der New York Times 2010 gesagt: „Der Klassenkampf natürlich, Reich gegen Arm, und meine Klasse, die Reichen, die gewinnen gerade.” (“There’s class warfare, all right,” Mr. Buffett said, “but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.”)]
Die politische Grundhaltung der LINKEN gleicht daher dem Kind, das sich selbst die Augen zuhält und dem anderen zuruft: „Du siehst mich nicht!“. Ernsthaft gesagt: In der Politik der LINKEN werden gesellschaftliche Zustände akzeptiert, die von links denkenden und wertenden, also systemkritischen Menschen, eindeutig als inakzeptabel angesehen werden.

Die LINKEN wirken durch ihren Verzicht auf realistische Benennung der herrschenden Zustände mit an einem Traumziel der Mächtigen in Wirtschaft und Medien und der politisch Regierenden seit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland: eine oppositionelle gesellschaftlichen Kraft verhindern und das vorhandenen Protestpotentials in der Bevölkerung in den real existierenden Kapitalismus überführen.

Die Früchte dieser Entwicklung erntet die AfD. Sie punktet bei den sogenannten „kleinen Leuten“. Sie stützt sich auf Vorurteile, Fehlurteile, dumpfe Parolen, Stammtisch-Stimmungen, Menschenverachtung. All das hat sowohl soziale (politische, ökonomische) als auch ideelle, geistige Ursachen. Wo real erlebte Ausgrenzung, Diskriminierung, Verarmung (also erlebter, erlittener Klassenkampf einer Seite !) einher geht mit fehlendem politischen Wissen, da entwickelt sich Dummheit, Hass, Gewalt. Menschen, die die Ursachen ihrer Misere nicht kennen, werden nicht demokratisch aktiv, sondern eher gewalttätig.

Keiner der LINKEN sagt, jede Regierung jedes Staates ist stets „nur“ der geschäftsführende Ausschusses der herrschenden Klasse. Alle sagen: „Regierungsverantwortung“. Gibt es aber nicht auch eine
„Oppositionsverantwortung“? Und hat die LINKE nicht auch Verantwortung für eine außerparlamentarische Opposition?

Welcher LINKE-Politiker entlarvt die verlogenen Parolen der Regierenden? Z.B. die Behauptungen, Kriegseinsätze seien Menschenrechtspolitik; die Marktwirtschaft sei eine soziale; die Verschärfung von Überwachung und Kontrolle diene der Sicherheit und Freiheit; die Russen würden uns bedrohen, weswegen die NATO mehr Truppen an die russische Grenze verlegen und die US-Navy im Schwarzen Meer und in der Ostsee kreuzen müsse;...

Das Wahlergebnis in MV zeigt - wie zuvor in Sachsen-Anhalt - (und bald in Berlin?), dass auch in der LINKEN die umfassende, 26 Jahre andauernde neoliberale Manipulation wirksam ist. Ein Anfang war in den 1990er Jahren, die verbale Akzeptanz der radikalen (Sozial-)Kürzungen als „Sparen“.
Kernthese dieser auch „Gehirnwäsche“ genannten Herrschaftsstrategie der planmäßigen Verdummung: Es gibt keine Alternative zu dem, was wir politisch machen. (Am deutlichsten sichtbar und gesellschaftspolitisch am nachhaltigsten wirksam wurde diese Manipulation in der schlimmen Agenda 2010 und den damit verbundenen Hartz-Gesetzen.)

Die Reduzierung der eigenen Ziele auf reformerische Überlegungen aller Art geht bei vielen LINKEN einher mit dem Irrglauben, wirkliche soziale Reformen ließen sich in Kooperation mit den Mächtigen und den Regierenden durchsetzen [ „Reform“ ist laut aktuellem Duden: „Verbesserung des Bestehenden ] Völliger Irrsin ist darüber hinaus, die bei einigen LINKEN vorhandene Vorstellung, wenn man erst an der Regierung sei, könne man die „richtigen“ sozialistischen Ziele ja wieder hervorholen und verwirklichen. Die öffentliche Meinung würde das sofort als gebrochene Wahlversprechen und Täuschung der Wähler geißeln. Vor allem ist es eine Illusion, weil die (beim Mitregieren vorgefundenen) Verhältnisse das Verhalten bestimmen. Nicht der neue (linke) Minister verändert das Amt, sondern das Amt verändert den Mensch, der jetzt Minister ist. Kennt nicht jeder politisch Interessierte dafür genügend Belege?

Weil die Politik der LINKEN seit zweieinhalb Jahrzehnten darauf verzichtet hat, mit Marx und mit eigenem Nachdenken alle „Verhältnisse, unter denen der Mensch ein elendes, entwürdigtes, verachtetes, entfremdetes Wesen ist“ zu kritisieren, geht ihr gesellschaftspolitischer Einfluß langsam, aber sichtbar immer mehr zurück.Die Ideen der LINKEN werden keine materielle Gewalt, weil sie die Massen nicht ergreifen.
So, wie es „ein bißchen Schwangerschaft“ nicht gibt, so gibt es auch nicht „ein bißchen Klassenkampf“. Jede Schwangerschaft verläuft gleichwohl stets von Frau zu Frau sehr differenziert. Und jeder Klassenkampf verläuft von Land zu Land und zu unterschiedlichen historischen Zeiten in sehr differenzierten Formen. Dennoch ist das eine eben Schwangerschaft und das andere eben Klassenkampf. Es muß also so benannt werden, will man die Realität korrekt abbilden.

Eine realistische Kritik, also eine, die Verhältnisse beseitigen will, unter denen viele Millionen Menschen entwürdigt, verachtet, entfremdet werden, ist insofern höchst aktuell. Werden doch die Verhältnisse, die das bewirken immer radikaler, schamloser, empörender. (Dazu eine total unvollständige Aufzählung, jeder möge ergänzen: innere Sicherheit durch immer mehr Überwachung in der Öffentlichkeit und im Internet; Nichtbewältigung des staatlichen NSU-Versagens; Fallpauschalen im Gesundheitswesen; fehlende Lehrer an Schulen; Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte; steigender Rüstungshaushalt und hunderte Milliarden zur Bankenrettung, aber zunehmende Kürzungen bei Jugend und Kultur: faschistoide Tendenzen in Teilen der politischen Öffentlichkeit (von Rassendiskriminierung im Innern bis zum Stillschweigen über ähnliche Tendenzen nicht nur, aber besonders deutlich u.a. in Ungarn, der Ukraine und der Türkei )

Die LINKEN sind infolge ihrer Politik ebenso mitverantwortlich an weiter sich ausbreitender Resignation unter den Linken wie an der Zementierung und dem Ausbau der sozialen Spaltung unserer Gesellschaft. Vermutlich wollen das die meisten Abgeordneten der LINKEN nicht. Aber unabhängig von ihrem Wollen bewirken sie es objektiv!
Erfolge linker Politik sollten ab dem 5.9.2016 nicht daran gemessen werden, wie eine (Landes-)Regierung die Mittel verteilt. Gemessen werden sollte daran, ob der Anteil der Vielen am gesellschaftlichen Reichtum zu Ungunsten der Mächtigen, der Repräsentanten, der Führer zunimmt.
Politische Erfolge (auch, aber nicht allein und nicht zuerst bei Wahlen!) im Interesse der Ausgebeuteten, Abhängigen, Ausgegrenzten erfordern deshalb die kritische Analyse der grundlegenden Spaltung in unserer Klassengesellschaft und darauf aufbauend den Entwurf eines anderen, lebenswerten, enkeltauglichen Gesellschaftsmodells.

Die LINKE steht vor der Alternative: Entweder schafft sie eine deutliche Kurskorrektur oder sie schafft sich selber weiter ab.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 10. Oktober 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Dieser Kommentar kommt natürlich etwas spät - aber muss man bezüglich der Linken und auch der AfD nicht auch mal ein bisschen mehr um die Ecke denken, als z.B.àlles- nur-Satire schreibt?
Manches scheint sonst recht widersprüchlich, wäre schön, die Widersprüche mal nicht mehr dauernd zu ignorieren.
Die AfD ist keineswegs ein Lieblingskind des öffentlichen Mainstream, wie Rechte es allgemein eben n i c h t sind. Jeder hat doch Angst als rechts gesehen zu werden. Wenn Rechts salonfähig wäre, könnte man kaum eine Nazi-Keule gegen Linke einsetzen. Wer rechts ablehnt, ist voll mainstream-konform, oder etwa nicht?
. Und der Mainstream ist kapitalistisch orientiert
Also wie geht das zusammen, muss man sich doch fragen.

Sicher ist eine Rechtspartei immer eine gute Waffe gegen Linke, auch heute noch.
Aber ist Nationalismus heute das Z i e l der Eliten? Meiner Information nach, nicht! Auch Marx und Lenin prophezeiten, dass der Spätkapitalismus die nationalen Grenzen abschaffen werde, und das deckt sich mit allem, was ich aus verschiedenen Quellen über sie erfahre und an Tendenzen beobachte.
Warum wird dieser Widerspruch nirgendwo intellektuell thematisiert?
Rechts und Links brauchen ein update.

Der Antinationalismus verbunden mit stark betontem Lifestile-Individualismus der Linken lässt sich demnach in der heutigen Phase, vielfach viel besser für die eigentlichen Ziele der Eliten instrumentalisieren als rechte Vaterland-oder Blut und Bodenmentalität mit all ihrer Bindungsbetontheit.
Vor allem, wenn die Linken es nicht merken (wollen).
Das Kapital hat kein Vaterland und es hat keine Zeit und keinen Spielraum mehr, sich mit nationalen Besonderheiten und störrischen und unberechenbaren Regierungen groß auseinanderzusetzen. Das sind heute Handelshemmnisse.
Den Eliten schwebt viel mehr die sog. Neue Weltordnung vor, die Auflösung der Nationen in einem technisch hochmodernen neofeudalen Faschismus. Orwells Welt, nur noch moderner. Dafür gibt es viele Quellen und Zitate und es macht auch einiges verständlicher.
Der Begriff "national" soll zunehmend getilgt werden, angeblich geht das sogar bis zur Abschaffung des Begriffs "Nationalmannschaft" beim Fußball. Die Bürger spüren die Windrichtung, auch wenn über solche Dinge kaum offen debattiert wird.
Es ist nicht verwunderlich, wenn als Gegenreaktion auf die von oben verordnete und betriebene Abschaffung der nationalen Identitäen, so etwas wie die "identitäre Bewegung" entsteht". Ohne das wäre sie wahrscheinlich nicht entstanden.
Wann wird sich endlich mal jemand offen und kritisch damit beschäftigen?
Linke anderer Länder, wie die Friedensaktivistin und Autorin Diana Johnstone ("Die Chaos-Königin" über H- Clinton) thematisieren diese linke Erkenntnislücke, aber in Deutschland ist man ein Nazi-Sympathisant oder Verschwörungsspinner , wenn man von so etwas spricht.
Die Linke zieht mit der Ausrede, das sei "nationalistisch" rechts, keine deutliche Trennungslinie zwischen ihrem Internationalismus und dem der Kapitaleliten und das schafft Raum für Unterwanderung und propagandistische Verdrehung en masse.
Infiltration hat hier sicher eine Rolle gespielt, die Betonung immer mehr weg vom Antikapitalismus auf den Aspekt des Nationalismus zu legen ,dabei hilft die Schwachstelle der Deutschen ja auch ungemein, und wer unerwünschte kritische Stimmen pauschal ins rechte Lager verweist, wird diesem viele Menschen zuführen. Zumindest das müsste doch jeder sehen!
Des noch immer wirksamen gesellschaftlichen Tabus wegen wirkt die Nazi-Keule darüber hinaus als Selffulfilling prophesy, weil sie letztlich nur die übrig lässt, die wirklich Nazis sind und denen dieser Ruf nichts ausmacht.. .

Ich glaube auch, dass die AfD ein Konstrukt der Eliten ist. Eindeutig ist, dass sie ein sich- nach- links-wenden der Bevölkerung verhindern soll. Aber Strategien der Eliten haben nie nur eine Funktion.
Die AfD soll vermutlich auch eine Rechts-Wendung verhindern, die den Interessen der Eliten zuwider liefe und die sie nicht genügend kontrollieren könnten
.Das könnte z.B. eine radikale Rechts-Partei sein, die den Nato und EU-Austritt fordert. Solche gibt es ja meines Wissens auch, und solche Wünsche sind in der Bevölkerung verbreitet.
Es gibt auch Rechtsradikale, die dem Staat mehr Macht einräumen wollen. Auch eine solche Rechtspartei käme den Privatisierungsbestrebungen ungelegen. Rechte sind normalerweise auch Anti-Globalisten - das kann den heutigen Eliten kaum dienlich sein, oder?

Also schafft man schnell eine Rechts-Partei, die den Bedürfnissen der Mächtigen keine Steine in den Weg wirft und so unerwünschte Tendenzen nicht verstärkt, lässt es aber erst so aussehen. Im Parteiprogramm der AfD ist dann von Austritt aus Nato oder EU nicht mehr die Rede.
In meinen Augen ist ein großer Teil der sehr offen bis subtilen und sehr machtvollen antinationalen Kampagne von den globalistischen Interessen der Multis gelenkt und nicht von einer sozialistischen Internationale mit deren Zielen sie, vom Antinationalismus abgesehen, nichts gemeinsam hat. Wo überhaupt gibt es denn eine sozialistische Internationale, die den Interessen der Eliten entgegentreten könnte? Da wäre ich doch sehr skeptisch, wenn jemand unbedingt die Nationalstaaten abschaffen will.


Am 15. September 2016 schrieb Heidi Schmid:

"Die Propagandaschau" - man kann nicht vorsichtig genug sein, wer sich als
brauner Trittbrettfahrer outet und etwas Gutes wie die Rationalgalerie schlecht aussehen lässt.
Herzliche Grüße und ein Mitbringsel vom frühen Abend per Digitalcamera.


Am 09. September 2016 schrieb Peter Meiser:

Stachel schreibt:
Herr Kroh hat mit vielem recht. Er macht es sich aber etwas zu einfach, wenn er die Linken in der Linkspartei alle in einen Topf steckt..

In der Linkspartei gibt es viele die den Fehdehandschuh des Bartschischten- flügels(FDS) aufgenommemn haben.
.
Überall dort wo die PDS bzw.die Partei DIE LINKE mit in ein Koalitionsbett eingestiegen war bzw. die SPD tolerierte verlor sie sie regelmäßig dramatisch an Stimmen, weil sie sich am Inhalt des eigenen schwachen Wahlprogramms versündigte.. Wenn Genossen der Linkspartei diese Erfahrungen in Deutschland negieren, sollten sie wenigstens die Erfahrungen anderer ehemaliger starker europäischer Linksparteien zur Kenntnis nehmen, welche ihre linken Positionen teilweise peu a peu Aufgaben und sich so selbst marginalisierten und den Rechten das Feld überliesen
Bei den nachsten Wahlen in Griechenland wird die europäische Linke wiederum negativen Erfarungen machen. müssen.

Ps. Beim G8 in Rostock wurde mir im wahrsten Sinne des Wortes das Polizeigesetz, welches mit den Stimmen der PDS (Stellvertretender Ministerpräsident war Holter) verabschiedet wurde "um die Ohren gehauen". und das völlig grundlos.


Am 09. September 2016 schrieb Petra Hammesfahr:

Dass Sie eine mögliche Diskussion zur historischen Entwicklung der DDR nicht zulassen wollen finde ich befremdlich. Gerade Ihre Site, die von West- wie Ost-Bürgern gleichermaßen gelesen wird, würde sich dazu hervorragend eignen.

Antwort von U. Gellermann:

An einem Beispiel will ich deutlich machen, wie kompliziert das ist: Wer kennt schon die Stalin-Note von 1952 zur „Lösung der Deutschen Frage“? Dort war eine vereintes, neutrales und entmilitarisiertes Deutschland vorgeschlagen. Noch im Parteiprogramm der SED 1963 war die Konföderation der beiden deutschen Staaten mit dem Ziel der Wiedervereinigung vorgesehen. Hätte „der Westen“ auf Stalin und die SED gehört, hätte es keine DDR gegeben wie auch keine BRD. Auch aus dieser Verweigerungshaltung des Westens erklärt sich die Abschottung der DDR. Und das ist nur eine brutale Kurzfassung eines historischen Teil-Kontextes, den man aufarbeiten müsste, um die DDR zu begreifen. Diese Aufarbeitung würde nicht nur viel Platz kosten, der in der Galerie für Aktuelles gebraucht wird. Sondern auch erhebliche Kraft für die Moderation/Redaktion dieses Themas. Das leiste ich nicht.


Am 09. September 2016 schrieb Alles nur Satire:

Lieber Herr Kroh,
eine klare, verständliche Wortwahl, die den Niedergang der sozialen Ideen der einstmals einzig verbliebenen Partei gegen Neoliberal nur allzu deutlich beschreibt (und beklagt).

Ich selbst habe keinerlei Verbindung zu irgend einem Parteimitglied der Linken, muss mir anhand von Blogs, Aussagen und Handlungen der Protagonisten selbst ein Bild machen.

Seit März 2016, nach den 3 zeitgleichen Landtagswahlen, habe ich mit der Linken, als die mir bis dahin einzig verbliebene Hoffnung auf politische, soziale, gesellschaftliche Verbesserungen in Deutschland, abgeschlossen.
Ich bin von diesem "toten Gaul" abgestiegen.

Der Bundesparteitag in Magdeburg hat mir gezeigt, das viel zu viele Top-Kräfte sich bereits vom Kapital haben vereinnahmen lassen. Reden von Riexinger, Bartsch und Kipping waren für mich eine politische Bankrotterklärung.

Das sind keine Sozialisten mehr, sondern Polit-Manager.
Einzig Frau Wagenknecht traue ich noch zu, das Parteiprogramm der Linken zu vertreten, davon nicht abweichen zu wollen.

Obwohl ich keinerlei Verbindungen zu Personen aus der LINKEN habe, also niemals aus 1er Hand bloggen/berichten konnte, habe ich Gedanken, ähnlich den Ihren, in meinem kleinen Blog in 2 bis 3 Beiträgen geäußert.

Ich vermute hinter dem rasanten >>Aufstieg<< der AfD einflussreiche Kreise des Kapitals, die mit ser viel Geld, Verbindungen, politischem Know-How und Massenpsychologie die AfD entstehen ließen, für den Wechsel zu national, völkisch, rechts verantwortlich sind und für mediale Dauerpräsenz sorgten. Die AfD ist keine plötzlich entstandene >>Volksbewegung<<, sondern ein Retortenbaby des Kapitals.

Sie haben beschrieben, warum die AfD mit völkisch, national, den unerträglichen rechten Parolen bei den von der neoliberalen Politik dauerignorierten Bürgern punktet. Natürlich ist das so und natürlich werden diese Wähler erst viel später merken, das sie wieder einmal beschissen wurden, wieder einmal dem neoliberalen Feind auf den Leim gegangen sind.

Die AfD ist kein Feind des Kapitals, das waren Rechte noch nie.

Sie saugt erfolgreich Wähler vom linken Teil ab, gleich Schwächung der linken Kräfte in Deutschland insgesamt.

Sie mobilisiert sogar Nichtwähler, weil sie ein leicht verständliches Feindbild präsentiert. Ausländer, Asylsuchende, Flüchtlinge, die sich hier bei uns noch weniger wehren können, als die abgehängten deutschen Wähler, und deren Anteil wird immer größer, dafür sorgt der neoliberale Kapitalismus.

Die AfD ist eine der geschicktesten politischen Schachzüge des Kapitals und die LINKE hat keine Antwort.
Die hatte sie aber noch nie wirklich besessen.

Sie hat es seit 1990, seit PDS-Zeiten immer unterlassen, ihr Programm vorzustellen, dort zu erklären und wählbar zu machen, wo es nötig gewesen wäre. Vor den Jobcenter, vor den Tafeln, in den sogenannten no-go-areas. Tag für Tag, reden, zuhören, Aufklärung über neoliberal betreiben und die linke Alternative vorstellen.

Und dabei mal Marx/Engels/Bebel-Zitate hinten anstellen. Die taugen für Debattierzirkel, damit kann man keinem HARTZ-Sklaven kommen. Sprüche hören diese Menschen jeden Tag im HARTZ-KZ.

In Deutschland, einem Land dessen Bürger mehrheitlich Sozialismus, sozial, human, Toleranz ablehnen, sich lieber von neoliberalen Kräften kaputt machen lassen, wäre dieser Weg der einzig vernünftige Weg gewesen. Plakate und Wahlstände können sich CXU, spd noch leisten. Weil diese Parteien mediale Präsenz zugeteilt bekommen. Die LINKE nicht.

Linke Politik ist nicht verkaufbar wie Waschmittel, denn es muss zu viel tief verinnerlichte Ablehnung bei den Menschen überwunden werden. Das kostet Zeit und Kraft.

Wo die AfD mit einem simplen Ausländer raus punktet, bedarf es viel mehr Überzeugungskraft von Linken, um zu entkräften, das es nicht Ausländer raus heißen muss, sondern ?Neoliberale an die Kette?.

Wirtschaftliches handeln ja, aber keine völlig unkontrollierte Machtübernahme von kapitalistischen Regeln. Aber auch das haben die meisten LINKEN nicht klar transportieren können.

Den Stallgeruch von SED, STASI und Staatskapitalistischer (im BILD Jargon: sozialistischer) Misswirtschaft haben PDS und LINKE nie ablegen können.
Und jetzt gehen sie den Weg von spd und Grünen.

Antwort von U. Gellermann:

"Sie (die LINKE) hat es seit 1990, seit PDS-Zeiten immer unterlassen, ihr Programm vorzustellen, dort zu erklären und wählbar zu machen, wo es nötig gewesen wäre.“

Die Anfänge der Linkspartei/PDS waren geprägt von Abwehrkämpfen gegen die Treuhand. Einer der Höhepunkte war der Streik/Hungerstreik der Kali-Kumpels in Bischofferode. Da, und an anderen Fronten der Sozialkämpfe war auch Gregor Gysi vor Ort. Die Partei hatte damals wie heute Beratungsbüros für Hartz-Vier-Opfer. Vor allem im Osten der Republik ist sie ein gewachsener Teil der Bevölkerung. Das hindert sie leider nicht an der Spitze dem Dienstwagen-Syndrom zu erliegen.

Ähnlich kurz gefasst ist Ihre Meinung/Kenntnis zur/über die DDR. Sie auf die paar Stichworte zu reduzieren, lässt die Gründung aus den antifaschistischen Exil ebenso weg, wie die Zweiteilung der Welt, der Versuch der jungen SED die nationale Wiedervereinigung anzustreben und die Mauer als Scheitern eben dieser Politik und der Einbindung in die Außenpolitik der Sowjetunion. Aber das wäre ein Thema für ein Wochenendseminar. Und das wird nicht auf den Seiten der RATIONALGALERIE stattfinden, sagt ihr Redakteur.


Am 09. September 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Die Existenz der Linken, kann sich nur aus der gesamtgesellschaftlichen Notwendigkeit erschließen.
"Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben." Lenin, Was tun ?
Die heutige LINKE, über die hier gesprochen wird ist keine wirkliche LINKE.
Wer sich links nennt, geht ein hohes Maß an gesellschaftlicher Verantwortung ein.
Wer nicht konsequent dem roten (im wahrsten Sinne des Wortes Faden folgt, und wieder und wieder die Frage der Macht- und Kräfteverhältnisse mit der sozialen Frage stellt macht sich nicht nur überflüssig, sondern verrät, die, die sie aus der Notwendigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse heraus gewählt haben.
Sie hocken vereint mit denen am Honigtopf, der mit dem "Gürtel enger schnallen" Parolen, besonders von denen gefüllt wird, die dieses tagtäglich tun, wie bereits an anderer Stelle gesagt.
Links sein heißt: Mutig, und das mit Leib und Seele umzusetzen, wofür man gewählt wurde, mit dem Bewusstsein über Gesellschaft, menschliche Entwicklung, Solidarität, Völkerverständigung, Abzug aller Soldaten, egal wo. Keine Waffenlieferungen, um nur einige Kernforderungen einer wirklichen Linken zu nennen.
Kämpfen muss man können, und für die einstehen, die alleine zu schwach sind.
Sie sind weit weg von der Basis, von der sie so gerne reden. Das die Sozialdemokratie, die Arbeiterklasse verraten hat wird niemals vergessen werden können. Die Agenda 2010 hat der SPD den berechtigten Dolchstoß verpasst.
Diese Linkenzeitgeistpolitiker haben doch überhaupt keine Ahnung von dem, was in dieser Gesellschaft wirklich los ist. Sie haben es sich gemütlich gemacht, und den Komfort, den das System bietet liebend gerne angenommen, um alles wofür sie angetreten sind, über Bord zu werfen. Sie verraten die Arbeiterklasse, sie verraten die, die in den Lagern der Nazis geschunden und gequält wurden für ihren Mut, ihre Aufrichtigkeit, ihre Solidarität. Sie verraten die Oktoberrevoltion. Viele bei den Linken sehen Russland als Feind an. Eine wirkliche Schande. Vom Hof sollen sie gejagt werden. In den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen, in den Hospizen, in den Familien, die 3 manchmal vier Jobs haben, um über die Runden zu kommen, Angehörige, die mit den alten Eltern überfordert sind und werden. Alles schreit nach einer linken Antwort.
ES geht aus meiner Sicht, nicht nur darum, die einzusammeln, die unzufrieden sind. Echte gesellschaftliche Veränderungen sind nötig; und genau da, und nur da ist die Berechtigung für eine LINKE. Die Lebensverhältnisse der arbeitenden Menschen im Land zu verändern muss auf der roten Fahne stehen. Und immer die Systemfrage stellen, darum geht es.
Sicherlich ist es um einiges schwieriger Systemänderungen im bestehenden System einzufordern, doch wenn sie sich zum Teil dessen machen ist das ganz großer Mist. Im System zu sein, und nicht zwangsläufig dessen Teil zu sein setzt Erkenntnis, Analyse und zu wissen, wo denn die politische Reise hingehen soll, voraus.
Wir brauchen keine Komfortlinke, die sich mit denen gemein macht, die auf allen Ebenen bekämpft werden müssen.
Sollen in die Apo gehen; da gibts dann keine Privilegien, dafür aber das wahre Leben.
Sicherlich gibt es einige Linke, die sich genau für das einsetzen; doch es müssen mehr werden.


Am 08. September 2016 schrieb altes Fachbuch:

@p. kroh
beeindruckende klare worte!!
nach überzeugender analyse der verhältnisse und dem zusammenhang zwischen dem agieren der linken und dem wähler"zuspruch" interpretiere ich das mal als NACHRUF!! aus der entwicklung kommt doch die linke nicht mehr raus!
altes wählerpotenzial, welches oft nur traditionell wählt, wird wegsterben. und die jungen sind bei "eventmäßigen widerstandstruppen" unterwegs (occupy, attac, schwarzer block, ...), die nur außerparlamentarisch interessiert sind und einzelziele im blick haben!

ein nachruf auch deshalb, weil die LINKE das strategische ziel (beseitigung der ausbeutung) aufgegeben hat, und damit sich taktische überlegungen erübrigen!!
meine befürchtungen wachsen an, dass erst ein großer gesellschaftlicher zusammenbruch (1929,1945) mit viel elend sowohl die LINKEn als auch die wählerschaft zur besinnung kommen lassen!!


Am 08. September 2016 schrieb Manfred Ebel:

Kroh zeigt mit dem Finger auf die reale LINKE, das Verrätertum allerorten, ideologische Demenz, die realen sozialen und kapitalistischen Zustände, auf eigentlich allbekannte politökonomische Ursache-Wirkungsverhältnisse, auf historische Parallelen, auf absehbare, notwendige Folgen.
Vieles von dem, was Kroh beschreibt und unzweifelhaft benennt, war hier schon diskutiert worden. Ich darf an Demokratie- oder Parlamentarismus-Auffassungen erinnern.

Mit Nachdruck stukt Kroh unsere Nasen rein in die Quellen, Bestandteile und Primärliteratur des M/L. Er beweist deren vollständige Bestätigung.

Man müsste jetzt mal ... Eigentlich ... Bin ich nicht schon zu alt?... Weiß ich denn genug? ... Was kann man schon tun? ... Hannemann - ... Die anderen drei Finger der Hand weisen auf ...

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