Querfront verstorben

Otto-Brenner-Stiftung spendiert Beerdigung

Autor: U. Gellermann
Datum: 10. September 2015

Wie aus dem Nichts waren sie im letzten Jahr auf den Straßen: Die "Montagsmahnwachen". Die Angst vor dem Krieg in der Ukraine, der einen Krieg mit Russland wieder möglich zu machen schien, trieb Menschen zur politischen Aktion, die sich bisher eher wenig politisch betätigt hatten. Diese spontane, schwer einzuschätzende Bewegung versetzte klassische und leider auch alternative Medien in tiefen Schrecken. Um dieses Schreckens Herr zu werden, wurde eine wundersame Schublade aufgezogen: "Querfront" hieß sie. Und in ihr sollten angeblich Rechte und Linke einträchtig nebeneinander liegen. Damit war die Bewegung in den Nazi-Verdacht gestellt und alle, die sich ihr näherten, besudelt. Das lähmte die klassische Friedensbewegung mitten in der akuten Kriegsgefahr und das war, ablesbar in den Medienreaktionen, für die Herrschenden auch gut so.

Vorläufiger Schlusspunkt dieser miesen, kaum begründeten Diffamierungskampagne war eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung, dem Think-Tank der IG Metall. Unter dem Titel „Querfront“ – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks" rührte ihr Autor, Wolfgang Storz, den rechten Jürgen Elsässer und den alternativen Ken Jebsen zusammen, gab noch ein paar Prisen Willy Wimmer, CDU-Politiker, Wolfgang Gehrke, Bundespolitiker der Linkspartei, Reiner Braun, Repräsentant der Friedensbewegung und Albrecht Müller, Herausgeber des Online-Portals „Nachdenkseiten“ hinzu, und fertig war die Suppe, die Jupp Legrand von der Brenner-Stiftung mit dieser fürchterlichen Skizze bedenkt: "Je mehr Parteien, Verbände, Stiftungen,Initiativen, politische Akteure oder soziale Gruppen ohne Filter oder Vermittlung durch Dritte ihr Publikum direkt im Netz suchen und je erfolgreicher sie dabei sind, desto stärker zerfällt das, was eine funktionierende Demokratie so dringend benötigt: eine gemeinsame Öffentlichkeit." Aha, wenn mehr Menschen als zuvor sich am öffentlichen Gespräch beteiligen, zerfallen Öffentlichkeit und Demokratie laut Brenner-Stiftung gemeinsam.

Dieses sonderbare Verständnis vom demokratischen Diskurs wurde jüngst schmallippig zurückgezogen: "Dr. Wolfgang Storz, Autor von „`Querfront´ – Karriere eines politisch publizistischen Netzwerks“, online gestellt als Arbeitspapier 18 der Otto Brenner Stiftung, hat uns gebeten, das Arbeitspapier (zumindest vorläufig) aus dem Netz zu nehmen" liest man auf der Site der Stiftung. So schweigsam kann Öffentlichkeit hergestellt werden. Aber vorher hatten sie alle schon eine öffentlliche Meinung: Die der Brenner-Stiftung. Von der FRANKFURTER RUNDSCHAU über TAZ, BERLINER ZEITUNG, TAGESSPIEGEL, DIE ZEIT und dem DEUTSCHLANDFUNK, bis zu den sich als irgendwie links verstehenden "BLÄTTERN FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK: Erneut stellte die deutsche Medienfront unter Beweis, dass sie weder sauber recherchieren kann noch pluralistisch ist.

Schon zu Beginn des als Studie verkleideten Pamphlets wird eine Umfrage der Berliner TU zu den Mahnwachen als Beweis für die Querfront von Nazis und Linken zitiert, die genau diese These nicht hergibt. Zwar behauptet die Umfrage der Berliner TU über die Mahnwachen: "Besonders antiamerikanische und verschwörungstheoretische, aber auch antizionistisch-antisemitische und autoritäre Einstellungen haben eine teils große Verbreitung." Aber wenn es dann zu den realen Zahlen kommt, schrumpft die "teils-Verbreitung" auf ein primitives Vorurteil: Nur 1,5 Prozent der Befragten kann Antisemitismus attestiert werden (in der Gesamtbevölkerung 5,1 Prozent), ein rechtsextremes Weltbild wird bei 0,8 der Mahnwachenteilnehmern diagnostiziert, während es in der Gesamtbevölkerung bei 5,6 Prozent nachgewiesen wird. Man darf also den schönen Fall einer Meinungsstudie feststellen, die auf einer Meinungsstudie fusst, die sich beide als wissenschaftlich ausgeben.

Doch selbst beim Rückzug des Brenner-Pamphletes aus der Öffentlichkeit klingt noch die Musik der Manipulation, wenn der Autor behauptet, dass er die Vorwürfe des "Rechtspopulismus, Antiamerikanismus, Antisemitismus" nur referiert, aber nicht bewertet. Da er die Vorwürfe nicht kritisch untersucht, bleiben sie an denen hängen, die er mit ihnen bewirft. Typisches Beispiel ist dieser Satz: "Zeigt dies nun, wie nahe sich „Attac“-Vertreter und Rechtsradikale, Jürgen Elsässer und Links-Politiker Wolfgang Gehrcke sind?" Da Storz seine Frage nicht beantworten mag, bleiben "Attac" und der LINKE Gehrcke natürlich im selben Topf wie der Rechtsradikal Elsässer. Der Autor beglückt uns in seinem Abgesang dann noch mit Frank Walter Steinmeier: "Das Meinungsspektrum draußen im Lande ist oft erheblich breiter als in den Medien". Das soll als Beleg für die Intensität der Debatte um die Mainstream-Medien gelten. Dass Storz den selben Steinmeier zitiert, der eine Sprechanweisung zum Ukraine-Krieg an die Bundestagsabgeordneten herausgegeben hat, eine unsägliche Anweisung zur Begrenzung der Meinungsfreiheit, mag er nicht erwähnen. So wird der Querfront-Studie nur ein Armenbegräbnis spendiert: Arm an Worten, arm an Argumenten, bar jeder Entschuldigung denen gegenüber, die man diffamiert hatte.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 18. September 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

Zu Lutz Jahoda:
"Es steht zwar nicht im "Kapital"
Doch sind wir Linken da eigen
Wir legen Wert aufs Ritual
Dass wir uns vorerst tief verneigen
Vor Engels und vor Karl Marx"

Mal was Grundsätzliches:
Ich verneige mich vor niemandem. Ein spielerisch angedeutetes Knickschen müsste für das Ritual reichen. Marx und Engels hatten mit vielem recht, aber sie haben sich nach meinen Eindruck nicht genug, wenn überhaupt, mit Freud und Jung unterhalten, typisch "männliche" Denkweise, die alle erhellenden Erkenntnisse von Wirtschaftslehre über Psychologie bis zur Quantentheorie schön säuberlich trennt, in Schubladen sortiert und versiegelt und behauptet, dass eine hätte nichts mit dem anderen zu tun. Klar doch, die unterschiedlichen Teile eines Puzzles haben nichts miteinander zu tun und wenn man jedes in einem Extrakästchen verstaut und weiter in Einzelteile zerlegt, kommt man bestimmt weiter....Den Eigenschaften des Faktors Mensch , Individuum, immerhin alleiniger Bestandteil ihres Betrachtungsgegenstandes, des Kollektivs, oben wie unten, widmeten sie nicht viel Aufmerksamkeit, was ziemlich unwissenschaftlich ist: An diesen Unbekannten scheiterte bisher ihr Experiment. Sie haben einerseits den Machttrieb, andererseits die materielle Gier und das Freiheitsbedürfnis des Menschen nicht in Rechnung gestellt und,dass das Bewusstsein - allgemein, nicht dogmatisch - eben doch erst wachsen muss, um das Sein positiv verändern zu können. Für mich müsste sich eine Revolution aus dem freien natürlichen Lebensgefühl ergeben, das gilt es zu fördern, nicht von oben aufgesetzt nach einer Berechnung in einem System.




Am 18. September 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

"Je mehr Parteien, Verbände, Stiftungen,Initiativen, politische Akteure oder soziale Gruppen ohne Filter oder Vermittlung durch Dritte ihr Publikum direkt im Netz suchen und je erfolgreicher sie dabei sind, desto stärker zerfällt das, was eine funktionierende Demokratie so dringend benötigt: eine gemeinsame Öffentlichkeit." - So so. Da kommen bei mir sofort Assoziationen aus alten finsteren Zeiten von der "einzig gültigen Lehre der katholischen Kirche" die als offizieller Vermittler zwischen Mensch und Gott allein dem unbedarften Suchenden den Weg in die Erlösung zeigen darf. "Zu Gott nur über uns" - alternativlos. Alles andere und eigenständiges Suchen nach spiritueller Erleuchtung war Irrlehre ist Ketzerei,. modern "Verschwörungstheorie". Immer wenn man Angst hat, dass das erklärte Glaubensdogma einer kritischen Beleuchtung des eigenen Verstandes nicht standhält, flüchtet man anscheinend zu solch mittelalterlichen Methoden. Ich stelle mir eine diesbezügliche Spiegel Titelstory vor mit einem finsteren Inquisitor auf dem Cover und zitternden Fehlgeleiteten nebst diversen Folterinstrumten davor, mit dem prägnanten Aufreißer "Die Rückkehr der Inquisition?" .. naja, zu dieser Story kommt es bestimmt nicht, obwohl sie sich toll verkaufen ließe. Die "Zeit" brachte allerdings kürzlich anscheinend etwas zum Thema freie Meinungsäußerung in dem Sinn "Trauen Sie sich noch alles zu sagen?" - leider hatte ich keine Gelegenheit es zu lesen und zu sehen, ob es da wirklich um oben genannte Zusammenhänge ging.


Am 12. September 2015 schrieb Stefan Westermann:

@Hella-Maria Schier
Der Begriff "Verschwörungstheorie" wurde, laut Matthias Bröckers, anläßlich dem Mord an JFK erfunden. Damit sollten alle Fragen welche sich in diesem Zusammenhang stellen als außerhalb der Diskussionsgrenzen stehend gebrandtmarkt werden.

Sie möchten das sich ein anspruchsvolles und seriöses Medium diesem Begriff widmen?
Also - die Nutzer sollen ihre Opfer über eine ihrer Waffen aufklären?
Werden sie nicht.
Vielleicht sollten sie sich abseits von sogenannten "anspruchvollen" und "seriösen" Medien" in Kenntnis setzen.
Zb. bei Noam Chomsky oder Barnay über die Funktion der "freien" Medien in den westlichen Gesellschaften.
Dann werden sie sich allerdings über diesen seltsamen Begriff nicht mehr wundern.

@wurzelzwerg
Anders als WURZELZWERG suggerieren möchte hatte Elsässer, außer das er 1-2 mal als Sprecher tätig war, nichts mit dem Aufstieg der Montagsmahnwachen zu tun.

Das gilt gleichermaßen für Ken Jebsen.

Aber der "Beitrag" vom Zwerg steckt ja insgesamt voller Lügen.

Am besten ist allerdings der Schluß
"nein, das überzeugt mich nicht."

Vielleicht sollte sich der Wurzelzwerg mal richtig informieren und nicht seine schrägen Interpretationen und Phantasie seine Wahrnehmungs trüben lassen und damit Jutta Ditfurth nacheifern wollen.


Am 12. September 2015 schrieb Albrecht Storz:

[Hinweis: Namensgleichheiten sind Zufall]

Wolfgang Storz zitiert in seiner Antwort auf die Kritik von Albrecht Müller/ Nachdenkseiten aus seinem eigenen "Arbeitspapier" die Worte:

"Autor und Stiftung sind sich der begrenzten Reichweite der Studie und ihrer Erkenntnisse bewusst. Wir verstehen diese Recherche als eine erste Annäherung an ein aktuelles Phänomen, das noch einer tiefer gehenden Analyse bedarf.?"

https://www.otto-brennerstiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/Aktuelles/AP18/2015_09_04_Stellungnahme_zu_Albrecht-Mueller_WEB.pdf

Damit meint er wohl die Kritik im Wesentlichen abschmettern zu können ("es ist ja alles erst mal vorläufig", äquivalent zu: "hab ich doch alles gar nicht so gemeint"). Das ist wohl die niedrigste Stufe des intellektuellen Austausches. Wenn das alles so nicht gemeint war, wäre es wohl besser ungeschehen geblieben. Eine Institution und ein ehemaliger Chefredakteur sollten doch etwas weitsichtiger agieren können. Die sich jetzt daran entzündende Debatte kann ich nicht als Gewinn ansehen, da es weiß Gott, genug anderes gäbe, mit dem man sich stattdessen beschäftigen sollte.

Was Wolfgang Storz mit diesem Armutsargument überhaupt nicht aufgreift, ist sein in die Welt geworfene Behauptung eines "politisch-publizistischen Netzwerks". Leider ist alleine diese Überschrift schon genug des Übels. Die Existenz eines Querfront-Netzwerkes herbeizufantasieren, in einer Schrift die von der bisher als renommiert geltenden Otto-Brenner-Stiftung herausgegeben wird, dient schon ausreichend dem Zweck alle in dem Papier erwähnten Personen und Organisationen in den Augen vieler der Gewerkschaft oder linken Ideen nahestehenden Personen zu desavouieren oder zumindest fragwürdig zu machen. Dessen soll sich ein ehemaliger Chefredakteur nicht bewusst sein?

Er spricht in seinem Vorwort von einem "Phänomen" [des Querfront-Netzwerkes]. Damit macht er eine Tatsachenbehauptungen über etwas, dessen Existenz und Ausprägung er dann später angeblich erst untersucht haben will. Die Behauptung eines Netzwerkes bleibt aber bis heute ohne jeden Beleg, wird aber trotzdem weiter als Tatsache behauptet. Alles in allem ist nicht nur dieses Arbeitspapier, sondern auch der Umgang mit der Kritik daran eine Beleidigung des Verstandes.

Ist denn niemand von den Verantwortlichen Manns genug, sich einfach dafür zu entschuldigen und insbesondere zu erklären: "Die Behauptung eines Querfront-Netzwerkes in dem Papier von Wolfgang Storz ist ohne jede Grundlage."


Am 12. September 2015 schrieb Wiliam Marsch:

Zu Jebsen: die Diskusion erreicht langsam Bild Niveau - "hat Kleber tatsächlich Tränen in den Augen bei der Anmoderation und wenn welchen Hollywood Trick wendete er an "... Das Netz sagt mir: Glycerin .........

Ich finde dass er interessante Gesprächspartner hat. Poppla, Pohlmann, WW,... ect ppp. Darüber finde ich keine Erwähnung oder Kritik. Finde das macht er gut. Was er in seiner Freizeit macht ist eine andere Sache und darüber kann man diskutieren. Wobei ich seinen Auftritt in der Schule in Göppingen selbst meinen Kindern als Beitrag empfohlen habe.

@ Uli. Naja, die Herrmann... ich will sie nicht verteidigen und unerklärt ins R.eck stellen. Fakt ist: die Erossion der MSM wurde schon 2006 an ihr recht sichtbar. Sie tritt halt für ihre Position ein. Man macht aus einem Haflinger keinen Lipizzaner. Auch das muss der Souverän aushalten.


Am 11. September 2015 schrieb S. Hauptkorn:

@ Wurzelzwerg

Man sollte Trolle wie Sie eigentlich ignorieren, denn sie wollen nur nerven und spalten, eins möchte ich dennoch loswerden:

Ein Grund, "dass sich viele Montagsmahnwachen-Teilnehmer anschließend dem lautstärkeren Original, nämlich der rassistischen Pegida-Bewegung oder der AfD, zugewandt haben" (was überhaupt erst einmal zu beweisen wäre) könnte sein: es gibt zu viele Hetzer wie Sie es sind.

Warum suchen Sie sich nicht einfach eine andere Plattform zum stänkern? Z. B. Ihr Fenster am Wohnzimmer, um falsch parkende Autofahrer zurechtzuweisen.

Antwort von U. Gellermann:

Dass sich die Montagswachen der Pegida zugewandt hätten, ist natürlich nur eine Behauptung des Giftzwergs.


Am 11. September 2015 schrieb eliza macek:

Solange sich diese, ach so "zivilisierte Welt"
selbst auf intelektuellem Niveau immer noch um rechts od. links, schwarz od, weiß, Mist od.
Scheiß herumschwurbelt, ziehen die geistigen
Lenker ihre Gschichten locker durch.
Kapierts doch endlich mal, es geht um Alles oder Nichts. Mittlerweile weiß ich nicht mehr, ob mir das Nichts nicht lieber wäre.




Am 11. September 2015 schrieb Ewald Dieter Tünderligeti:

Seit Jahren verfolge ich die Aktivitäten des Herrn Jebsen , mir ist echt schleierhaft wie manche Leute behaupten können das der Mann ein Rechter oder gar Antisemit ist.
Wenn Herr Jebsen ein Rechter ist ,was bitte schön sind dann die Herrn Scheuer und Seehofer? Wenn man heute eine andere Meinung als der Mainstream vertritt wird man ganz schnell als rechter, Antisemit, Verschwörungstheoretiker
oder gar als Putinversteher diffamiert.Und schon ist man gebrandmarkt ,und viele Leute machen sich nicht mal die mühe selber über die diffamierten Personen zu recherchieren ,sondern plappern nur das nach was in Bild,SZ,FAZ und der gleichen,über die Leute so geschrieben wird!


Am 10. September 2015 schrieb Herr Wurzelzwerg:

Dieser Beitrag versucht augenscheinlich, Lars Mährholz, Ken Jebsen und die von ihnen und Jürgen Elsässer initiierten Montagsmahnwachen zu Vorkämpferidolen für den Frieden hochzustilisieren. Der Beitrag lehnt sich dabei an ähnliche im Internet kursierende Beiträge an, den deutschnationalen, im politischen Irgendwo etablierten Ken Jebsen und seine Montagsmahnwachen als beachtenswerte Initiative für den Frieden zu propagieren. Dass Jebsen sich neben all dem demagogischen Gerede über die jüdischen Banker, die Rothschilds und die FED, die für alles Elend der Welt verantwortlich seien, auch darüber auslässt, dass es heute kein Rechts und kein Links mehr gibt, weil wir doch alle für den Frieden sind, was übersetzt heißt, es gibt keinen Klassenkampf mehr ? das zumindest verortet ihn, selbst dann, wenn er es gut und ehrlich meint, letztlich in dem Spektrum, wo sich nicht jeder gerne aufhält: unter rechten Demagogen und Verschwörungstheoretikern, die zum Beispiel behaupten, die BRD sei kein Staat, sondern eine US-Kolonie, die deutschen Banken und Konzerne seien am zweiten Weltkrieg unschuldig usw. Nähme man diesen ganzen Quatsch ernst, wäre es wohl besser, sich lieber einen Strick zum Strangulieren zu besorgen, als auf den Wetterbericht von morgen zu warten. Diese Jebsensche Friedensbewegung steht weder für Frieden, auch wenn das lauthals beteuert wird, noch für irgendwelche Progressivität, und da ist es auch kein Wunder, dass sich viele Montagsmahnwachen-Teilnehmer anschließend dem lautstärkeren Original, nämlich der rassistischen Pegida-Bewegung oder der AfD, zugewandt haben, nachdem die Montagsmahnwachen mangels Masse eingeschlafen sind.

Der Beitrag macht offensichtlich den Versuch, Ken Jebsen und die Friedensmahnwachen vom Vorwurf der Querfront freizusprechen.
Ken Jebsen, der strahlende Friedensheld ? nein, das überzeugt mich nicht.

Antwort von U. Gellermann:

Die Wahrheit ist: Sie will ich nicht überzeugen. Und ich veröffentliche Sie auch nur als ein Muster kleinbürgerlicher Ignoranz, das sich hinter einem Marxismus-Leninusms versteckt, den Sie nicht verstanden haben.


Am 10. September 2015 schrieb Lutz Jahoda:

Es steht zwar nicht im "Kapital"
Doch sind wir Linken da eigen
Wir legen Wert aufs Ritual
Dass wir uns vorerst tief verneigen
Vor Engels und vor Karl Marx
Wir wissen wohl, das ist was Arg´s
Für alle Zweifler ein Grund zum Stöhnen
Daran, so meine ich, sollten die sich gewöhnen.


Am 10. September 2015 schrieb Heinrich Triebstein:

Es gibt aus dem Frankreich der 1960er Jahre eine Karikatur, die Jesus rechts und Marx links mit Boxhandschuhen ausgestattet zeigt. In der Mitte einen Herrn mit Hut, der ihnen sagt: Haut euch!
Alexis der Tocqueville (1805-1859) sagt zu dem Thema: "Einem Despoten fällt es leicht, seinen Untertanen zu verzeihen, dass sie ihn nicht lieben. Vorausgesetzt, dass sie einander nicht lieben."
Noch ein Zitat, diesmal von Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916): "Wir sind in Todesangst, dass die Nächstenliebe sich zu weit ausbreiten könnte, und richten Schranken gegen sie auf - die Nationaliäten."
Was für Frau von Eschenbach damals die Natonalitäten waren, ist heute die "Kontrakurrenz". (Konkurrieren heißt MITeinander laufen, also Wettbewerb. Dieser setzt Regeln voraus, die für alle gelten.
Unter den heutigen Umständen gilt nur eine Regel: Der Gewinner nimmt alles. Zum Beispiel: Die Organe der Regelüberwachung, Polizei und Justiz werden personell ausgedünnt (Überschrift Schlanker Staat, der sich durch Steuererlass für die Reichen hat arm machen lassen), Bürgerinnen und Bürger sehen sich einer zunehmenden Unischerheit ausgesetzt. Sicherheit für Besitz und Eigentum wird durch private Sicherheitsdienste gewährleistet. Deren Kosten stecken dann in den Preisen, die für Güter und Dienstleistungen von den Vielen zu zahlen sind..
Und damit die Vielen nicht auf die Idee kommen, sich zusammenzutun, müssen die Spaltpilzkulturen gefüttert werden.
Da gibt es auf einmal ein Hell-Deutschland und ein Dunkel-Deutschland. Und Politiker, die ihre vom Volk auf Zeit verliehene Macht in den Dienst von Herrschaft gestellt haben, reden von `Pack´ und `Mob´. Friedrich Nietzsche war da weiter. Von ihm stammt das Wort: "Pöbel unten, Pöbel oben! Was ist heute noch `Arm´ und `Reich!´"

Seit Joseph Stiglitz 2011 das Eine Prozent identifiziert hat, von dem die Wirtschaft und Politik kontrolliert werden, tun sich Perspektiven auf, die geistlose Spalterei und das noch geistlosere Sich-spalten-lassen zu überwinden. Die Occupy-Leute in ihrem Überschwang zogen den Schluss, also sind wir die 99 Prozent. Hardt und Negri schlagen vor, diese 99 Prozent politisch handhabbar zu machen, indem sie unterscheiden in: die Verschuldeten, die Vernetzten, die Verwahrten und die Vertretenen. Sie alle haben eines gemeinsam: Ihre demokratische Selbstbestimmung wird ihnen vorenthalten.

Positiv gewendet: Die viel zahlreicheren gegen die `gidas’ Herzlichne Dank für die Zuschidemonstrierenden Bürgerinnen und Bürger könnten einen nächsten Schritt tun und sagen, WOFÜR sie sind. Die Sorgen der gidas und aller anderen Gruppen könnten behoben werden, wenn "die da oben" gefordert werden, ihrem Amtseid entsprechend Schaden vom Volk zu wenden und seinen Nutzen zu mehren. Robert (Vater, Keynesnianer) und Edward (Sohn, Philosoph) Skidelsky nennen in ihrem Buch "Wie viel ist genug?" sieben Basisgüter, die allen Menschen zugänglich zu machen sind: Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft und Muße.


Am 10. September 2015 schrieb Manfred Ebel:

Herr Ion,
ich verbürge mich dafür, dass z.B. Uli ein Friedenskämpfer ist.
Auch, und wenn es noch so gefährlich ist, muss man z.B. Russland seine militärische Macht zugestehen.
Gegen Krieg und Kriegstreiber Front zu machen ist ganz offenbar nötig.
In diesem Sinne halte ich Ihre wichtigtuerische Auslassung hier für spalterisch.


Am 10. September 2015 schrieb Hans Ion:

"FRONT machen" gegen den KRIEG, das klingt genauso doppeldeutig wie FRIEDENS-"KÄMPFER"! "FRONT & KÄMPFER" sind KRIEG;
vorerst in der BRD-AG "nur" BÜRGER-"KRIEG"!


Am 10. September 2015 schrieb Rita Heise:

Vielleicht ist die Metall-Stiftung ja zu Verstand gekommen. Das würde uns allen helfen.


Am 10. September 2015 schrieb Ingrid Giebel-Hoppe:


Ich hätte gern stichhaltige Begründungen, die beweisen können, dass Jürgen Elsässer ein "Rechter" ist, und...... wodurch zeichnet sich ein "Rechter" aus, nennen Sie mir die konkreten Kriterien.

Antwort von U. Gellermann:

Wer z. B. diese Positionen bezieht:
Zur Bewegung Hooligans gegen Salafisten: „Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich einen von HoGeSa zur nächsten Demo für Frieden und Souveränität einladen.“
"Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert"
Und wer Thilo Sarrazin und Eva Herman als Hauptreferenten für eine seiner Konferenzen engagiert, der ist ein Rechter.


Am 10. September 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

Nimmt denn kein anspruchsvolles Medium den seltsamen Begriff "Verschwörungstheoretiker" mal aufs Korn, mit dem wir jetzt seit Beginn der Ukraine-Krise so permanent genervt werden? Für mich hat es sich damit schon als Unwort des Jahres 2014 beworben, aber das hat anscheinend niemand so gesehen. Das Wort scheint so gut zu funktionieren und seinen Zweck zu erfüllen, die Bürger am Nachdenken zuhindern , dass sie dies schon bei der Betrachtung des Wortes selbst aufgeben, sonst kämen ihnen Fragen wie diese: " Soll das heißen, dass es keine Verschwörungen gibt? .....dass man den Mächtigen stets vertrauen soll, obwohl man sie als Demokrat doch eigentlich kritisch beobachten soll? - Haben sich denn nicht schon viele "Verschwörungstheorien" als wahr erwiesen? - Klingt das nicht ein bisschen nach der Diffamierung von "Ketzern" und "Hexen" in überwundenen Geschichtsperioden?....Ist das Interessante an Theorien nicht vor allem, ob sie stimmen oder nicht?..........
Obwohl der Begriff so blödsinnig ist, wird er weiterhin auch von den seriösesten Medien unreflektiert verwendet. Er ist eine der Wortwaffen gegen die Meinungsfreiheit die auf die mangelnde geistige Selbständigkeit und Selbstvertrauen der Bürger bauen. Nächste Stufe ist der "Antisemit", nicht in tatsächlicher Bedeutung des Wortes, sondern als Unterstellung an Kritiker des Bankensystems und der US-Politik und so offensichtlich zu deren Schutz, nicht dem der Juden, denen es doch eher schaden dürfte, wenn so wieder mal eine Gedankenverbindung von Judentum und großem Geld ins Bewusstsein suggeriert wird. - Und wieso darf man eigentlich nicht anti-amerikanisch sein, wenn die Amerikaner so viel Mist bauen und sich unbeliebt machen, sind sie doch selbst schuld! Imperien werden nicht geliebt, alles kann man nicht haben.-
Viele verwirrt, dass sich, anders als früher links und rechts jetzt bei manchen Demos meist ungewollt (seitens der Linken) auf der Straße begegnen. Wobei Linke aber auch früher oft israelkritisch waren und pro-palästinensisch, ohne dass man das damals antisemitisch nannte, so weit ich mich erinnere!
Das scheint mir ein weiterer Hinweis darauf, dass der derzeitige stark ausgeweitete Gebrauch des Begriffes wenig mit Holocaust-Sensibilität und Schutz der Juden zu tun hat, sondern diese Thematik nur benützt um kritische Aufmerksamkeit von Finanzmächten bzw. geopolitischen Hintergründen abzulenken.
Den rechts-links Drehwurm erkläre ich mir vereinfacht damit, dass die hauptsächliche, mächtigste Bedrohung derzeit vom angeblich mittigen neoliberalen mainstream ausgeht, der aber eigentlich auch rechts ist,nämlich tendenziell faschistisch, soz, der internationale Faschismus des internationalen Kapitals.
Der Bürger verbindet aber "rechts" immer mit "nationalistisch". Das ist ein folgenreicher Denkfehler, der dem mainstream sehr gelegen kommt, er positioniert sich also, zumindest propagandistisch, energisch und empört gegen die Rechtsnationalisten, das "rechte Pack", das er geradezu erfinden müsste, wenn es das nicht schon gäbe und rückt sich selbst so in der öffentlichen Wahrnehmung nach links, in die Mitte.
Prompt wird dann auch Kritik am Machtapparat der EU und Europa-Skepsis gerne gleich als rechtspopulistisch verschrien, auch dann, wenn es eher um Kritik an der neoliberalen Struktur und mögliche Auswege daraus geht. Systemkritiker gelten als Linksradikale oder Rechte, die steckt man soweit als möglich in einen Topf und der Rest sind nicht ernst zu nehmende "verträumte Spinner", zu denen auch niemand gezählt werden möchte.Dass linke und rechte Proteste gegen den mainstream (mal "internationaler Faschismus" genannt) . unterschiedliche Motive haben, linke gegen den Faschismus und rechte gegen das Internationale, fällt dann dem Durchschnittsbürger gar nicht mehr auf und leider gibt es zur Zeit keine bekannten Intellektuellen, die diesen Knoten auflösen, der viele Linke verwirrt und nötigen Widerstand aufspaltet.
Und dass das so gut funktionieren kann, hat aus meiner Sicht viel damit zu tun, dass die Geschichte des 3.Reichs viel mehr geistig tabuisiert wurde, als durchdrungen und aufgearbeitet. Über emotionale Affekte geht es selten hinaus. Ich fand dieses Adorno-Zitat: Ich fürchte mich nicht so sehr vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten - Theodor W. Adorno


Am 10. September 2015 schrieb S. Hauptkorn:

Ich hatte den Herren Legrand und Storz am 02.09. ein E-Mail diesbezüglich geschickt - inkl. einiger Fragen. Natürlich kam bis heute keine Antwort. Ich muss gestehen, dass ich es etwas frech und provozierend geschrieben habe.
Hier ein Auszug daraus:

...ich bin fassungslos über Ihre sogenannte "Studie" "Querfront - Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks", durch die versucht wird die friedensfordernde und -fördernde Gegenseite zu den üblichen kriegshetzenden und verlogenen Medien, Think Tanks und sonstigen Institutionen zu denunzieren.

Mir bleiben dazu lediglich einige Fragen:

1. wer ist der Auftraggeber dieser Studie?
2. wieviel Geld, oder welche sonstigen Gegenleistungen haben Sie für diese Veröffentlichung erhalten?
3. war es das Wert dafür Ihre Menschlichkeit und Ihr Gewissen zu verkaufen?
4. können Sie noch ruhig schlafen?


Am 09. September 2015 schrieb Manfred Ebel:

Man kann teilnehmen am Front-Machen gegen Krieg und Unterdrückung oder man kann sehenden Auges ins Verderben schliddern.
Erfreulich ist, dass die Massen zunehmend aktiver werden. Diese Aktivität kann anfangs nur einigermaßen chaotisch sein und sich im Prozess formieren.
Da haben wir mal konkret, was es heißt, sich prinzipiell auf den kleinsten gemeinsamen Nenner "Friedenssicherung" einzulassen.
Nichts desto trotz sind deren Gegner aller Couleur brandgefährlich, erfahren und geschickt. Ja, sie haben unübersehbare Erfolge, die Massen zu spalten.
Die Individuen sind wieder selbst gezwungen, ihren Verstand und ihr Herz zu befragen. Um im geliebten Pluralismus zurechtzufinden, sollte man immer die Frage nach den Ursachen stellen, bis man eine in sich schlüssige Antwort und Handlungsmaxime hat. Die Hilfsfragen sind bekannt: "Wem nützt es?" "Was ist Ursache, was Folge?"
Nicht immer gelingt die schlüssige Überlegung. Dann helfen nur die Gewissheit (sic!), dass die Gegener der Massen in ihrer Verkommentheit lügen, diffamieren, verzerren, verunglimpfen, wie man es nicht für möglich halten kann. Und man muss beachten, dass eben so mancher minderbemittelte Experte in seiner unerschütterlichen Selbstüberzeugung auch noch seinen eklektischen Mist verbreitet. Statt sich auf so genannte offizielle Studien, Umfragen, Meldungen, Zitate zu verlassen, muss man grundsätzlich mindestens Täuschungsabsicht annehmen und sich mehr auf sein Herz verlassen als auf die Spielarten des Lügengebäudes.
Vor allem muss man etwas tun, sich einreihen gegen das Übel.
Jedenfalls werden die absichtlichen oder fahrlässigen Spaltungsversuche nicht weniger.
Zur weiteren Illustration dieser Hinweis:
https://www.youtube.com/watch?v=Q7wR6ga3zxU

Kürzlich...

22. September 2016

Nach den Duma-Wahlen

Die Russen machen alles falsch
Artikel lesen

08. September 2016

Schafft sich die LINKE selber ab ?

Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
Artikel lesen

25. August 2016

Amnesie im Nahen Osten

Das neue Syrien kommt aus Wilmersdorf
Artikel lesen

22. August 2016

Erstmals seit dem Kalten Krieg

Bürger sollen Vorräte für zehn Tage anlegen
Artikel lesen

28. Juli 2016

Akute "Sonderlage dahoam"

München zwischen Amok-Panik und Terror-Angst
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen

DIE WAFFEN NIEDER!

Kooperation statt NATO-Konfrontation - Abrüstung statt Sozialabbau

DEMONSTRATION IN BERLIN

8. Oktober 2016
Auftakt: 12.00 Uhr

Alexanderplatz/Ecke Otto-Braun-Straße


www.friedensdemo.org
Bundesausschuss Friedensratschlag | Kooperation für den Frieden | ViSdP: Laura von Wimmersperg, Friedenskoordination Berlin