Mutti der Kompanie

Bundeswehr soll familienfreundlicher werden

Autor: Wolfgang Blaschka
Datum: 13. Januar 2014

Nachdem sich Mutti Merkel nicht um alles kümmern kann, hat sie leyenweise die Ursula als Dienstherrin über die Bundeswehr delegiert, bevor die dereinst ihre Nachfolgerin werden kann. Nachdem Frau Beimler aus der Lindenstraße nicht mehr als Mutter der Nation zur Verfügung steht, musste anderweitig für Ersatz gesorgt werden. Wer wäre da besser geeignet als die zweite Frau im Staate mit eingebauter wetterfester Stahlhelmfrisur? Den Soldaten und Soldatinnen soll es eine Freude bereiten und ein Pin-Up im Spind wert sein. Endlich bekommen sie einen ordentlichen, familienverträglichen Job mit Gleitzeit, Teilzeit, Elternzeit, mit dreizehntem Monatsgehalt und Weihnachtsgeld, Schlechtwetterzulage und zivileren Umgangsformen vielleicht demnächst sogar. Ein Job wie jeder andere, nur eben besser, gerade für Eltern und solche, die es werden wollen. Vorausgesetzt, sie haben ein Faible für Strampelanzüge in Olivgrün.

Vorbei die Zeiten, als der Spieß die Manschaftsdienstgrade ruppig anraunzen konnte: "Schütze Meyer, Hand vom Sack!" Künftig könnte es heißen: "Ach, wären Frau Gefreite mal eben so nett, die Munitionskiste nach vorne zu tragen?" Aber gern doch. "Wenn Sie mir Ihren Helm kurz ausborgen wollten, es regnet. Ich möchte mir ungern meine Frisur ruinieren". Schon wäre das Arbeitsklima so attraktiv, dass an Schnuppertagen selbst hartgesottene Taliban in die Dienste der Besatzerarmee eintreten würden, sofern neben dem Haarnetz nach der Dienstvorschrift auch ein Bartnetz zulässig wäre. Da wäre Musik drin in der Vision einer durchhumanisierten Armee, die noch dazu mit umweltfreundlichen 3-Liter-Panzern patrouillieren würde, um die kahlen Hochebenen ihrer Besatzungsterritorien nicht zu zerklüften. Kuscheln am Hindukusch! Mit tuffigen Wattebällchen. Zumindest aber mit lustigen Luftballon-Spielen im Tarnnetz auf deutschen Kasernenhöfen.

Soweit ist es noch nicht ganz, aber in diese Richtung sollte es gehen nach dem Willen der siebenfachen Vorzeigemutter, die jetzt die fesche Kriegsministerin gibt. Vorderhand könnte immerhin mehr Standortsicherheit für die Lebensplanung (zumindest bis zum berufsbedingt vorzeitigen Ableben) garantiert werden durch weniger willkürliche Versetzungen, mehr Kinderbetreuung in den Kasernen und eventuell Spielplätze direkt neben dem Exerzierplatz, damit Papi oder Mami die kleinen Bamsen beim Stammstehen besser im Blick haben, und die Kleinen beim Marschieren den Eltern mit Papphelmen hinterherdackeln können. Die Truppenübungsplätze ließen sich zu riesigen Abenteuer-Spielplätzen für Groß und (Oberst) Klein um- und ausbauen.

Tatsächlich ist so etwas ähnliches bereits vorgesehen: Im "Gefechstsübungszentrum“ (GÜZ) in der Colbitz-Letzlinger Heide in der Altmark nahe Magdeburg. Dort entsteht auf einem riesigen Gelände des Rüstungskonzerns Rheinmetall für 100 Millionen Euro derzeit die Phantomstadt "Schnöggersburg" mit allem, was zu einer Stadt "in Zielgebieten“ dazugehört: Regierungsviertel, Industriegebiet, eine komplette Altstadt, Moscheen und Kirchen, Krankenhäuser, mit einem Elendsviertel und insgesamt 20 km Straßen, U-Bahn, Kanalisation und einem künstlichen Fluss. Sogar ein Autobahn-Teilstück zwischen zwei Ausfahrten wird detailgetreu angelegt mit Verkehrskreiseln und allem Drum und Dran.

Laut Kommandantur soll es eine Modellstadt werden, wie sie "überall auf der Welt stehen könnte“. Künftige Kriege und Aufstandsbekämpfung sollen hier möglichst "realitätsnah“ im gemeinsamen Rollenspiel von Luft- und Bodenmilitärtrupps geübt werden. Soldaten der Bundeswehr-Bodentruppen, die in den Kriegseinsatz gehen, werden an 250 Tagen im Jahr in zweiwöchigen Trainingskursen unter "realistischen Bedingungen“ auf den Häuserkampf vorbereitet. Das Gelände soll zu Übungszwecken auch anderen Armeen der NATO- und EU-Staaten dienen. Da kommt Freude auf in Kinderherzen, auch wenn Kindersoldaten noch nicht direkt im Gefecht mitspielen dürfen. Krieg ist noch längst kein reines Kinderspiel.

Allerdings muss erst die allgemeine Sicherheitslage verbessert werden, das geht natürlich vor. Ursel weiß sich genau den Rat, den ihr Vorgänger noch als 500-Milliarden-Loch hinterließ: Da müssen endlich Aufklärungsdrohnen her. Nur zum Schutz der Soldaten, versteht sich, als Einstieg, das klingt wesentlich menschenfreundlicher als Kampfdrohnen oder gar Killerdrohnen. Die kommen später. Fragt sich nur wozu. Ist der Luftraum über Deutschland so stark gefährdet? Müssen deutsche Kasernen und Schießplätze etwa gegen Feindeinwirkung aus der Luft gesichert werden?

Oder gehört das einfach zur humitären Kriegsführung unter familienfreundlichen Bedingungen, dass der treusorgende Papa während der Überwachung der Hausaufgaben seiner Kinder nebenher am Computer einer afghanischen Familie das Licht ausbläst, die das Pech hat im selben Haus zu wohnen, in dem auch eine als Zielperson zum Abschuss freigegebene "Führungsfigur des Terrors" residiert? Es könnte auch ein kleines Dorf sein oder eine Hochzeitsgesellschaft, die der Vater ins Visier nimmt, während er dem Sohnemann, der unbedarft fragt: "Krieg ich ein Bonbon?" Manieren beibringt: "Wie heißt das?!" Großes Rätselraten. "Das heißt: Humanitäre Aktion ich bitte ein Bonbon!"

Im Endstadium des Projekts könnten die Kinder zur Nachwuchsförderung sogar an die Einsatzorte ins Ausland mitgenommen werden, um frühzeitig ins Militärische hineinzuwachsen und den fertigen Erwachsenen beim Brunnenbauen und Frauenbefreien zuzugucken. Tage der Offenen Tür am Hindukusch mit Dingo-Fahren und Minenausbuddeln wären der Renner. Viele Kinder aus nicht militärischen Elternhäusern würden flehentlich krähen: "Papiii, Mamiii, warum seid ihr nicht beim Bund!?" Der Fritz von der Soldatenfamilie nebenan hatte letztens seine Mom in die Luft fliegen gesehen. Jetzt ist er der Held im Kindergarten.

Dass es mit der Menschenfreundlichkeit der GroKo im zivilen Sektor noch nicht so ganz klappt, musste die Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) schmerzlich erfahren, als ihr kühner Vorschlag, für Eltern die 32-Stundenwoche einzuführen, pauschal abgebügelt wurde. Immer-noch-Regierungssprecher Steffen Seibert ließ im Namen seiner Chefin kühl ausrichten, sie habe da lediglich einen "persönlichen Debattenbeitrag" gebracht. Damit war die Diskussion vom Tisch. Wahrscheinlich müssen junge Eltern künftig eben die Uniform anziehen, um optimale Bedingungen für die Nachwuchs-Aufzucht zu genießen. Die Armee als Kinderparadies hätte dann auch weniger Rekrutierungsprobleme. Die Ursel denkt durchaus strategisch.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Januar 2014 schrieb aka beka:

Ich lach nicht so oft - aber "Spielplätze für Groß und (Oberst) Klein" - das ist genau mein favorisierter blödsinniger Humor. Danke! Gnihihi ...


Am 14. Januar 2014 schrieb Otto Bernad:

Danke, wie immer Brillant!
Amüsant führt zum Nachdenken.
Mein erster Gedanke zum "Gefechtsübungszentrum bei Magdeburg"war, (bestimmt auch bei vielen anderen Lesern): "Ich stelle mir gerade die Frage, warum für veranschlagte 100 Millionen Euro ein Gefechtsübungszentrum bei Magdeburg als Stadt nach westlichem Vorbild mit allem Drum und Dran entsteht." (Zitat aus Kommentar Wolfgang Heger). Danke, dass sich ER die Frage nicht verkniffen!
Meine Achtung!


Am 14. Januar 2014 schrieb Brigitte Queck:

Der Beitrag "Mutti der Kompanie" ist brilliant geschrieben.
Nur ist es eben nicht mit solchen, wenn auch notwendigen Glossen wie diesen, getan.
STÄNDIGER PROTEST UND AUFKLÄRUNG AUF DER STRASSE SIND ANGESAGT, SOLANGE DIE NOCH ERLAUBT SIND !!
Oder woll´n die Deutschen wieder einmal warten, bis es zu spät ist ?
Schaut mal unter: www.muetter-gegen-den-krieg-berlin.de


Am 14. Januar 2014 schrieb Dirculez:

Ja die Bundeswehr braucht freundlichere Schnittstellen nach INNEN! Die rauhbeinigen Flecktarn-Kollegen verschrecken ja nur das Personal in unserer großen Firma und denken vielleicht im Zweifelsfall zu engstirnig oder praktisch und jetzt wo die Idiotie der Monopoly-Banken und ihren getarnten fürsprechenden Kasperpuppen an essentiellen Strategiepunkten, in der Wirtschaft, immernoch weiter ihren Raubbau charismatisch erzwingen, da muß die Gegenmaßnahme, gegen das eventuell aufgescheuchte Batteriehuhn, schon mal freundlich, bei Milch und Keksen eingeleitet werden, wir brauchen eingeweihte Gutmenschen die der Spaltung zwischen Arm (Schuldig) und Reich (Unschuldig) entgegen kommen, die das Netz der Kontrolle feinmaschiger und sanfter gestalten, Repräsentanten und Spitzel vielleicht :) Eigentlich ist das ja schon alles da, die Dekadenz, die Profilneurose, der höchste Titel einer steilen Hierarchie, so kann das Ego stets den gemeinschaftlichen Nutzen ausblenden, wenn eine bestimmte politisch korrekte Meinung doch die wertvolle Existenz beweist, die doch so weit über jeglicher Form von Humanität privilegiert ist, das beste für jeden anderen Menschen erkennen zu können und schlechte Schicksale ihren Opfern als Schuld anzulasten denn jeder kann einen einfach und gut finanzierten Weg gehen, er darf sich nur nicht mit Dingen befassen die neben seinem eingeschränkten Horizont liegen und das Wunder der Arschkriecherei ist ein besonderes Lebensglück des universellen Gehorsams zur Geldquelle hin! Erziehung und Gleichschaltung mit geheuchelten Werten und Tugenden, aus alten Ideologien extrahiert, keimfrei abgekocht und als Werkzeug neu in den gutmütigen Roboter implementiert. Opfer muß man nur genügend weit in ihrer eigenen Schuld als versunken betrachten, dann kann man sie problemlos aus der Doppelmoral heraus eliminieren! Sanfter und verlogener, doch ähnlich wie die Church of Satan ihre Jünger darauf trainiert hat, ihr Mitgefühl abzuschalten, Moral und Nächstenliebe als Relikte der Steinzeit zu erkennen, um als humane Krebszellen gegeneinander und gegen das Kollektiv, gewinnbringend, mal alleine und mal in kleinen Gruppen zu agieren, jeder nach Möglichkeit seiner Investitionsgewalt, persönlicher Lust und eigenem Geschmack!
Denken tut der Fernseher, das Radio, das Videospiel, dort sind Sympathiefiguren die das Notwendige vorleben und uns mit schillernden Persönlichkeiten konditionieren, selber zu denken fühlt sich schon an wie der eingeschlafene Fuß, man kann es keinem erzählen, es könnte wertvolle Beziehungen gefährden, man weiß nicht so recht ob man auf dem stehen kann, was die kognitive Denkfähigkeit aus den Geschehnissen weltweit interpretieren würde, umso besser wenn eine gleichgeschaltete Sympathiefigur den Vorgang nochmal so beschreibt, das alle Gutmenschen die gleiche Programmierung erhalten und keiner mit eigenen Interpretationen im Regen stehen muß. Und so ist das neue Modell für den Krieg im Inneren eigentlich ein Kinder-Verkehrsgarten, selbst wenn dort eine täuschend echte Puppe, die aussieht wie du, gejagt wird, dann bedeutet das nur, das ein High-Tec Taliban sich deines Aussehens bemächtigt hat denn diese Klabautermänner können überall aus dem Gulli, aus der Kiesbox und sogar aus deiner Keksdose springen und du würdest dich wundern was passiert wenn plötzlich das Geld nix mehr wert ist, weil der Realwert von allem verzockt wurde und sich kein eckiges Rad mehr drehen kann, dann wärst du froh wenn dich jemand fest bindet und die Schmerzen lindert, die der Verlust von Privateigentum, was eigentlich nur eine Vision war, bewirken kann. Dieses Monopolyspiel zockt eben auf alles was ein Batteriehuhn gebrauchen kann, es muß alles haben, aber nur geliehen darf es sein und am anderen Ende türmen die Kapitalmessies ihre Schätze auf und ersticken fast in dem ganzen Schutt, während der Rest in einer Zigarrenschachtel Platz findet, so verwirrt diese Zeilen klingen mögen so sehr ist es nur die nüchterne Betrachtung jener Exponentialfunktion des Zinseszins, metaphorisch negiert, um sein Gegengewicht in den Fokus zu lenken! Des kleinen Mannes Stabilität und Arbeitskraft, auf die endlos weiter gezockt wird!
Vordergründig sind wir schlaue und extrem zuversichtliche Optimisten und zwar restlos ALLE! Immer die gleiche "Leyer", ob inkompetentes Geschwätz zum Schutze vor dem Internet, oder als Laufmasche in unserem Sicherungsnetz, diese Sympathiefigur kann nur stark eingetrübte dekadente Horizonte beglücken, die auch mit auf dem Rücken des kleinsten Zahnrads reiten.

Dirculez


Am 13. Januar 2014 schrieb HMA Tornow:

Es ist schon bezeichnend, wie vorschnell doch in unserem Lande geurteilt und vorverurteilt wird.-
Da wird die Dame von der Leyen nur wenige Tage nach ihrem Amtsantritt schon verrissen. Auch als Nichtanhänger der derzeitigen Ministeriege, ist für mich doch die, üblicherweise zugestandene, 100 Tage Schonfrist immer eine faire Chance für die Regierung und die Amtsträger.
Im Falle der neuen Bundeswehrministerin, scheint es doch eher um das Machogehabe vieler Kritiker zu gehen. (Eine Frau in dem letzten Männerbollwerk) Die vorgetragenen Ideen der Ministerin scheinen doch bei den Betroffenen gut anzukommen und machen m.E. auch Sinn, wenn man sie vergleicht, mit den seit langem praktizierten Familien-Sozial-Leistungen großer Unternehmen.
Das aber die eigene Ministerriege sich über höhere Ausgaben für diese Leistungen so offensichtlich beschwert, ist insofern unverständlich, als Frau von der Leyen wohl in das Haushaltsbuch mit den oft verschleierten Ausgaben des Ministeriums, Einblick erhalten hatte und durch Umschichtung das Vorhaben ohne neue Mittel zu beantragen, verwirklichen könnte, wie sie eindeutig bemerkte.

Was mich immer besonders frustriert, sind die Kritiken von Amtsträgern, die besonders für ihre nicht immer nachvollziehbaren Nebeneinkünfte bekannt sind; " Wer selbst im Glashaus . . . "


Am 13. Januar 2014 schrieb Wolfgang Heger:

Ich stelle mir gerade die Frage, warum für veranschlagte 100 Millionen Euro ein Gefechtsübungszentrum bei Magdeburg als Stadt nach westlichem Vorbild mit allem Drum und Dran entsteht.
Sieht so auch die typische Stadt in Afghanistan, Kongo, Uganda oder Sudan aus?
Wird dort der Einsatz in Wüsten und Savannen vorbereitet?
Für welche Einsätze will man dort ansonsten trainieren?
Viel realitätsnäher kann doch dort der Einsatz gegen die eigene aufständische Bevölkerung des europäischen Einheitsstaates geprobt werden.
Nur so, für den Fall von Unruhen, etwa nach dem Zusammenbruch des Finanzsystems oder bei Schwierigkeiten der Energieversorgung.
Aber vielleicht sollte ich mir die Frage besser verkneifen.

Kürzlich...

23. Juni 2016

Bekenntnisse eines Fussball-Flüchtlings

Anpfiff oder Abpfiff, das ist hier die Frage
Artikel lesen

20. Juni 2016

Die Große Flucht

Von den Ursachen, den Hintergründen und den Konsequenzen
Artikel lesen

16. Juni 2016

Gellermann: Agent Moskaus

Wie Boris Reitschuster ein altes Weltbild recycelt
Artikel lesen

06. Juni 2016

Dilma und die repräsentative Demokratie

Brasilien: Kein Putsch ohne die Hilfe der USA
Artikel lesen

30. Mai 2016

Feige Schweine von Rechts

Gauland: "Ich habe mich an keiner Stelle über Boateng geäußert"
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen