Heiser vom Film

Ein Lied vom Verschwinden

Autor: U. Gellermann
Datum: 01. Februar 2011
-----
Filmtitel: Das Lied in mir
Regie: Florian Cossen


Wenn ich mal nach Michelstadt komme, in dieses Nest im Odenwald, wo Jessica Schwarz ein Café besitzt, dann werde ich dessen Tür aufmachen, dreimal Bravo! rufen und dann nix wie raus, weil mir das dann doch zu peinlich ist. Aber so ein Bravo, nach dem subtilen und zugleich glänzenden Auftritt der Schwarz im Film "Das Lied in mir", muss dringend gesagt werden. Auch dem Michael Gwisdek, der schon in manchen Filmen die Neigung hatte ganz weit vorne an der Rampe zu spielen aber in dieser Arbeit sehr feinfühlig und behutsam auftritt, darf man ein Bravo zurufen. Und was soll man nur zu Florian Cossen brüllen, der gleich mit seinem ersten Spielfilm eine anrührendes Debut vorlegt? Man kann von diesem Film heiser werden.

Langsam nur entdeckt die Sportlerin Maria (Jessica Schwarz) auf dem Flug zu einem Wettkampf nach Chile, dass ihre deutschen Eltern nicht ihre Eltern sind. Ein spanisches Kinderlied steigt in ihr auf, aber sie kann gar kein Spanisch. Sie ist auf einem Zwischenstop in Buenos Aires gelandet und tief verunsichert. Obwohl sie weiter will, bleibt sie. Das macht Ihren Vater (Michael Gwisdek), der ihr und sein Handy wie eine Nabelschnur nutzt, besorgt. So sehr, dass er aus dem tief verschneiten Deutschland mal eben nach Buenos Aires fliegt, um seine Tochter zu beruhigen. Denkt man.

Maria, deren Verunsicherung weit genug reicht, um wissen zu wollen, was mit ihr ist, entdeckt, dass die Frage lauten muss: Wer sie ist? Langsam und doch mit beachtlichem Schnitttempo, führt uns der Film durch die argentinische Metropole und in die Zeit der Diktatur, die Zeit, in der mehr als 30.000 Menschen verschwanden: Gefoltert, ermordet, aus dem Flugzeug in den Rio de la Plata geworfen. Marias Eltern gehören zu denen, die man bis heute "die Verschwundenen" nennt, so als könne man sie suchen und finden. Was Maria findet, ist die Schwester ihrer Mutter, Onkel, Tante, Großmutter und sogar noch eine Liebe.

Was Maria anfänglich nicht findet, ist ein Zugang zu ihrem Vater, der sie offenkundig als kleines Kind, als er in Argentinien gearbeitet hat, mit nach Deutschland genommen hat. Dieses zähe Ringen von Vaterliebe und Verschweigen, von Tochterliebe und Misstrauen, das macht "Das Lied in mir" aus. Auch, dass es lange rätselhaft bleibt, warum Marias Vater so beharrlich darüber schweigt, unter welchen Umständen er Maria mit nach Deutschland genommen hat. Wer die Lösung wissen will, muss nur ins Kino gehen. In Michelstadt gibt es übrigens keins. Man muss schon die zwei Kilometer bis Erbach fahren.

Der Film kommt am 10. 2. 2011 in die Kinos.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 01. Februar 2011 schrieb Svantje Meyer:

Ihre Begeisterung für Frau Schwarz kennt ja kaum Grenzen. Ein Fan?

Antwort von U. Gellermann:

Ja.

Kürzlich...

23. April 2018

THE KING – Mit Elvis durch Amerika

Vom Tellerwäscher zum Millionär
Artikel lesen

16. April 2018

Ein Chemiker zu Chemie-Waffen

Der Westen ist in Syrien eindeutig der Aggressor
Artikel lesen

23. März 2018

Intellektuelle für AfD

Verstärkung für die Heimatschutz-Armee
Artikel lesen

16. März 2018

Das ND macht in Schweinejournalismus

Antisemitismus-Behauptung als Diffamierung
Artikel lesen

05. März 2018

Seppuku der SPD

Nicht wehrlos, einfach nur ehrlos
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen