Gurken für Cude

Umwege des Vergnügens

Autor: U. Gellermann
Datum: 25. September 2012
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Buchtitel: Bücher Grütze
Buchautor: Both Cude
Verlag: trafo

Er nennt sich Botho Cude, nach jenem Stamm der "Botokuden", dessen Name umgangssprachlich eine rohe Person mit schlechtem Benehmen bezeichnet. Nichts liegt ihm ferner als das: Er ist literarisch hoch gebildet, die Sage geht er habe zwischen zwölf und dreissig mehrbändige Lexika auswendig gelernt und könne den Leuten von Wikipedia jederzeit aus dieser oder jener Patsche helfen. Längst könnte er ein reichsweit bekannter Literaturkritiker sein, dem Ranicki nicht das Wasser reichen könnte, würde Botho Cude nicht seine kostbare Zeit beim Schachspielen vertrödeln und sein Talent an die RATIONALGALERIE vergeuden, jenes Nischen-Magazin im Internet, für das er seit dem Jahr 2008 immer wieder Literaturkritiken und zuweilen auch Glossen schreibt. Nun hat er seine gesammelten Artikel in ein Buch gefüllt. "Bücher Grütze" heißt es und camoufliert mit dem Begriff Grütze jene graue Masse, von der Cude mehr mit sich rumträgt als mancher, der mit dussligen Fragen einfache Menschen zu Millionären salbt.

"Seitdem die Schweinegrippe grassiert, fragt man sich wieder einmal, ob es wirklich sinnvoll war, Amerika zu entdecken", so beginnt eine seiner Rezensionen und der Leser könnte fragen, wo er denn hin will, der Cude, wo er doch dem Artikel ein Zitat von Immanuel Kant vorangestellt hatte, was gemeinhin auf schwerste Bildung deutet. Und unser Botho lässt sich, wenige Zeilen später nicht lumpen und steuert auf den Gegenstand seiner Betrachtungen zu: "Die Humboldts sind das Sensationellste, was das preußische Genom zur Menschheit beigesteuert hat." So isser, der Rezensent: Macht ein wenig Zick, um hinter dem nächsten Zack in schönster Direktheit die Brüder Humboldt mit Moses und Aaron zu vergleichen. In höchster Verehrung, versteht sich. Wenn Cude dann mit einem "Fein gemacht, Manfred Geier!" den Autor einer Humboldt-Biografie lobt, dann darf man sicher sein, dass er ein kluges, reiches Buch vorlegt.

Wenn er nicht vom Zick zum Zack kommt, nutzt Botho Cude gern den Weg vom Hölzchen zum Stöckchen. Aber es handelt sich bei ihm natürlich um kunstvoll geschnitzte Edelhölzer. Wie im Fall der Berliner S-Bahn, jenem notorisch defekten Instrument des Berliner Missvergnügens. Cude ist sich sicher, dass die permakaputte S-Bahn nur ein Test ist, um die Leidensfähigkeit der Menschheit zu prüfen. Auf dem Weg zu dieser These beleidigt er gekonnt und mit Genuss: Die BILDZEITUNG, den SPIEGEL, die CDU (und die SPD, die GRÜNEN, die LINKE, die PIRATEN) und wer sonst noch im Weg seiner Wut steht. Sein philosophierendes Artikel-Ende mündet in dem Satz: "Wenn der einfache Mensch das aushält (die genanten Gruppen und Umstände), kann man auf den Einsatz der Bundeswehr getrost verzichten." Cudes Umwege führen immer zu Erkenntnissen und mitten durchs Vergnügen.

Manchmal, in den stillen Abendstunden, wenn Botho hinter den sieben Bergen die Treppe seines Hauses putzt und einem Anfall von Romantik erliegt, dann lässt er den Putzeimer fallen und schreibt über Ernst Jünger. Der sei nun mal der Größte aller Zeiten, größer als Mann (Thomas) oder Brecht oder Grass, oder so. Aber damit der Leser nicht auf Cudes Anfall reinfällt, zitiert er den Herrenschreiber im Original: "Es gibt im Strom der Zeit, in diesem unaufhörlichen Werden, das uns umgibt, Augenblicke, in denen wir rasten und plötzlich erkennen, daß etwas geworden ist." Das wollte Cude anscheinend, dass sich der Poseur Jünger selbst entlarvt, wenn er antikisierend die Zeit als Strom beschreibt, das Werden beschwört das einfach nicht aufhören kann, um dann zu einem ETWAS zu kommen, so kostbar und selten, dass es EETWAAS ausgesprochen werden muss.

Botho Code soll jüngst bei einem Schachturnier im Spreewald ein Fass Gurken gewonnen haben. Wir (kein pluralis majestatis, sondern die Meinung der gesamten Redaktion) erwarten, dass er diese Gurken der "Stiftung zum klaren Wort" zuführt. Die würde ihn dann umgehend damit auszeichnen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 26. September 2012 schrieb Arno Jäger:

Wenn das Buch so gut ist wie die Rezension, dann kaufe ich es.


Am 25. September 2012 schrieb Hannes Steinbrecher:

Das ist doch wohl eindeutig eine Gefälligkeitsrezension!

Antwort von U. Gellermann:

Was soll ich machen: Ds Buch gefällt mir.

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