Gauck geht, Bartsch kommt

Linkspartei in der Koalitions-Warteschleife

Autor: U. Gellermann
Datum: 20. März 2017

Man sitzt in der Nähe des Berliner Info-Radios, denkt an nichts Böses und hört die Abschiedskränze rauschen, die dem abdankenden Bundespräsidenten Gauck hinterhergeworfen werden. Und dann, plötzlich, die Stimme von Dietmar Bartsch, dem Vorsitzenden der LINKEN-Fraktion im Bundestag, zum scheidenden Gauck : „Er hat dem Amt Würde zurückgegeben“. Häh? Der Mann, von dem die Formel der neuen deutschen Verantwortung stammt? Der Mann, der Auslandseinsätze keinesfalls ausschließen wollte, sondern mahnte, “den Einsatz militärischer Mittel als letztes Mittel nicht von vornherein zu verwerfen". Der vor der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg den zynischen Satz abließ: "Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen." Dieser Front-Pastor soll dem Amt die „Würde zurückgegeben“ haben?

War es nicht der falsche Pastor, der, als er noch der Behörde vorstand, die seinen Namen trug, pünktlich für Stasi-Denunziationen sorgte, wenn Wahlen anstanden? Der vom Rassisten Thilo Sarrazin behauptete, der habe „Mut bewiesen“ und ein „bestehendes Problem offen angesprochen“. Der nach der Bankenkrise den Deutschen mitteilte, die „Antikapitalismusdebatte ist unsäglich albern". Der sich in einem Interview mit dem Deutschlandfunk selbst die Krone aufsetzte: „Vielleicht machen sich nicht alle Menschen bewusst, dass die höchste Repräsentanz einer Republik, einer Demokratie doch mindestens so viel Ehrerbietung verdient, wie es ein gekröntes Haupt verdient." Und der dem schmutzigen Afghanistankrieg seinen Segen erteilte: "Ich finde den Einsatz nicht gut, aber erträglich und gerechtfertigt." Dieser unerträgliche Schwätzer und dumm-stolze Vertreter einer übergroßen Koalition der Selbstzufriedenen, wird von einem Funktionär der Linkspartei mit dem Begriff „Würde“ vergoldet.

Von Dietmar Bartsch ist bekannt, dass er gern ernste, getragene Sätze formuliert, die der eigenen, eingebildeten Würde entsprechen sollen. Weniger bekannt, nahezu in Vergessenheit geraten, ist ein Satz von ihm über die Hartz-Vierer aus dem Jahr 2011. Bartsch hatte sich gerade auf den Weg gemacht für den Parteivorsitz zu kandidieren, als er in der Berliner Insel-Galerie auf die Frage, wie er sich denn die vielen widerstreitenden Meinungen und Fraktionskämpfe in der Linkspartei erkläre, einen interessanten Blick in seine Psyche ermöglichte: Da in Zeiten schlechter Wahlergebnisse die Mandate knapper seien, würden sich die Abgeordneten der Linkspartei um die Posten streiten wie "die Hartz-Vierer um den Alkohol". Die Wahl zum Parteivorsitz verlor er dann.

Das ist der ganze Bartsch: Verächtlich gegenüber denen ganz unten, und schleimig gegenüber denen weit oben. Der Mann steht dem rechten Flügel der Linkspartei vor. Da sammeln sich jene Truppen, die unbedingt in eine Regierungskoalition auf Bundesebene wollen. Koste es, was es wolle. Da soll es doch auf so ein bißchen Gauck-Pinselei nicht ankommen.
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Wegen der vielen Nachfragen der Link zur Radio-Sendung (in das Gauck-Foto klicken):

http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/int/201703/17/109808.html


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 25. März 2017 schrieb Helene+Ansgar Klein:

Wenn Sie, Dietmar Bartsch, mit derart unverantwortlicher Lobhudelei: „Er [Gauck] hat dem Amt Würde zurückgegeben“ Stimmen für DIE LINKE gewinnen wollen, dann - leider - Gute Nacht!


Am 22. März 2017 schrieb marie becker:

mein Kommentar zum Abtritt ?

nur ein chanson von Reinhard Mey:

"Die Zeit des Gaucklers ist vorbei"

heute kann man es lächelnd zitieren, ohne Melancholie


Am 22. März 2017 schrieb Edgar Mohr:

Bartsch : Gauck.

Barschel, Bartsch, Barschel (?). Mal mit, mal ohne B: austauschbare Dienstwagengesichter, leider in Führungsposition der Linken - und die sind daher nicht wählbar. Müssen wir uns wohl im realexistierenden Kapitalismus an den nächsten Kanzlerkandidaten halten:
http://www.berliner-zeitung.de/politik/-sieht-besser-aus-als-merkel--serdar-somuncu-ist-kanzlerkandidat-der-partei-25228964


Am 22. März 2017 schrieb Ernst Blutig:

Mitten im Wahlkampf jemanden wie Bartsch als "linken Spitzenkandidaten" zu bezichnen ist ene bewusste Irreführung des Wählers.

Bartsch ist Kandidat, meinetwegen auch ein spitzer, aber mit Aktionen wie die Bartsch´se diskreditiert man nichtn ur sich selbst als Linker sondern zieht die gesamte linke Bewegung mit rein und macht sie sogar noch im Nachgang nach Wahlen diskreditierbar, selbst WENN man davon ausginge, daß Bartsch da, angeblich, eine strategische Position einnimmt, die irgendwelche Wählerstimmen/-positionen einfangen will oder soll, die Rechnung geht nicht auf, denn:

Sowas nennt sich UNGLAUBWÜRDIGKEIT und ist das Grundübel nicht nur der Politik, sondern der gesamten Gesellschaft. Ein Vertrauensverlust, nicht nur der Person, sondern vor allem der politischen Ziele und Inhalte.

Ich bezeichne das auch gerne als sozialdemokratisierte Glaubwürdigkeit der Charaktermaske.

Was der eenen Partei sin Clement, is der annern sin Bartsch.


Am 22. März 2017 schrieb Thomas Nippe:

Stimmt, Uli. Sehe ich genauso. Die LINKE ist schon ein gutes Stück auf dem Weg zur zweiten SPD gegangen. "Links" sollte sich in erster Linie als Bewegung verstehen. Eine parlamentarische Präsenz mag dabei nicht schaden. Aber eben nur so!


Am 21. März 2017 schrieb altes Fachbuch:

@u.gellermann
ich wünschte, sie könnten zum bartsch ebenso großzüging und tolerant sein, wie zum weizsäcker-clan.
ein lippenbekenntnis zum 8. mai gereicht ihnen zur rehabilitierung des TUN's dieser sippe zur NS-zeit??
bartsch hat nichts geTAN: in zeiten von personalquerelen innerhalb der PdL hat er sich zu einem "blöden" vergleich hinreißen lassen (pussy grabbing lässt grüßen:)
nun ist er wie wir froh, den gauck los zu sein und "milde gestimmt, ...bescheingt er eine solide amtszeit... und würde fürs amt....bla bla!!" ein nachruf eben wie es sich gehört am noch offenen grab, eher ein dürftiges arbeitszeugnis, aber sicher keine laudatio.
zur ganzen biografie von frau kreutzer gehört auch, dass sie nach personalquerelen im essener raum die PdL verlassen hat?! meinen respekt für ihr engagement hat sie dennoch!
als betroffene hartzer bezeichne ich die den leistungsbezug überlebenden menschen. keine funktion macht einen mit uns gemein!!!

Antwort von U. Gellermann:

Sippe klingt mir nach Sippenhaft. Immerhin „beging“ von Weiszäcker Fahnenflucht.
Gauck hingegen hat sich bei der Eröffnung der Ausstellung „Spuren des Unrechts“ in Torgau geweigert, dem Wehrmachtsdeserteur, ehemaligen Häftling und Todeskandidat in Torgau, Ludwig Baumann, das Mikrophon zu überlassen. Das nennt Bartsch eine „solide Amtszeit“.

Das ist doch schön, dass Frau Kreuzer Ihren Respekt hat. Obwohl Sie die „PdL verlassen“ hat. Geht´s noch?


Am 21. März 2017 schrieb Roland Krast:

Vielen Dank, Herr Gellermann, für den Artikel!
Ausgerechnet die "Linke" in Person von Herrn Bartsch sondert einen solchen Stuss über den endlich aufhörenden unglaublich lächerlichen Pfarrer als Ex-Präse ab.
Eine unangenehmere Figur, um nicht "eklig" zu schreiben, hatten wir in der Geschichte der BRD noch nie! Selbst durch nachlassende Gehirntätigkeit der Kritik preisgegebene Menschen wie der vergangenheitsbelastete Lübke war nicht eine solche Fehlbesetzung wie Gauck.
Das will etwas heissen!


Am 21. März 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

@Frank Horn
.....der Überbringer bringt das, was von Bartsch laut und deutlich zu vernehmen ist in dem Artikel zum Ausdruck. Wird von ihnen dafür kritisiert, weil er genau das wiedergibt, und auch wiedergeben muss, was nun mal in der Republik von einigen so verzapft wird. Das ist die Aufgabe des politischen Journalisten, der es ernst damit meint, und uns aufrichtig und gewissenhaft mindesten zweimal wöchentlich mehr als gut informiert. Wir können ihm dafür nicht oft genug danken.
Sie natürlich nicht. Vielleicht nach einigem Nachdenken? Und mit "rechts" sind sie mir viel zu schnell und zu unüberlegt mit der Frage: "Wem nutzt es.? Die Schlüsse sind falsch, die sie ziehen. Vor allem nutzt es den vielen Lesern und Schreibern, sich mit diesen Informationen genauer überlegen zu können, wen sie denn wählen wählen,denn die "Katze im Sack" sollte es nicht sein.
Mich stört es wirklich, dass unreflektiert und ohne näheres, inhaltliches Eingehen nix mehr kommt.
Bisschen mehr sollte es sein, um konkret darauf reagieren zu können.
Meckern und Nörgeln kann wirklich jeder.


Am 21. März 2017 schrieb altes Fachbuch:


jetzt hat der bartsch auch noch den von weizäcker gelobt!
übertrage ich jetzt mal die logik des artikels analog, dann hofiert die PdL wehrmachtsoffiziere mit Eisenem Kreuz und sicher kriegsverbrecher/nazis??

hat bartsch in den 4 1/2 jahren nach diesem fauxpas auch noch was anderes zum thema hartz IV gesagt?

als betroffener hartzer habe ich dem bartsch schon lange vergeben, sogar auf ihn angestoßen:)
nichtbetroffene scheinen da einen anderen frust mit sich 'rumzuschleppen!

Antwort von U. Gellermann:

Die damalige Koordinatorin der Bundesarbeitsgemeinschaft Hartz IV (BAG Hartz IV) in der Linkspartei Susanne Kreuzer hat ihm offenkundig nicht verziehen, wie man weiter unten lesen kann. Und wer den von Weiszäcker, der erstmalig in der West-Geschichte das Jahr 45 offiziell als „Befreiung“ bezeichnete, mit dem Kriegs-Verantwortungs-Gauck vergleicht, muss schon politisch und historisch blind sein. Oder eben ein Bartsch-Fan. Das kommt auf das Gleiche raus.


Am 21. März 2017 schrieb Frank Horn:

Mitten im Wahljahr machen sie einen der linken Spitzenkandidaten schlecht. Das hilft Schulz und der AfD. Das ist nicht links, das ist rechts.

Antwort von U. Gellermann:

Habe ich dem falschen Pastor mitten im Wahljahr "Würde" bescheinigt? Sich schlecht machen kann Bartsch ganz alleine.


Am 20. März 2017 schrieb H.C. Hoffer:

Will mich nicht mit fremden Federn schmücken, aber auf einen sehr, sehr guten Kommentar 'zum stasibegünstigten' Gauck hinweisen:
Jürgen Roth in der jW :
https://www.jungewelt.de/artikel/305232.ein-eiskalter-untertan.html

Wenn es solche Satire und Sarkasmus nicht gäbe, bliebe einem nur die pure Verzweiflung oder der Strick !
(Noch ein unfrommer Wunsch hinterher:
Möge diese Canaille vergessen werden und keiner seiner gedenken !!!)

Antwort von U. Gellermann:

Aber als Hilfs-Kasper ist Bartsch auch nicht schlecht.


Am 20. März 2017 schrieb Doris Gänger:

Kann Gauck nicht Bartsch mitnehmen? Vielleicht als Ruhestand-Assistenten? Bartsch hätte sein Auskommen und einen Dienstwagen. Und Gauck hätte einen der liebedienert. Und die Linkspartei wäre um einen Führungs-Hohlkopf ärmer. Das könnte für alle Beteiligten bereichernd sein.


Am 20. März 2017 schrieb Hans Rebell-Ion:

Gerade will ein guter Bekannter von mir wissen "Wen soll ich wählen?" Meine Antwort: Egal wen Du wählst, keiner kann den galoppierenden Untergang des Kapitalismus aufhalten!!!
Mir geht?´s mit meiner bewussten(!) gesunden Trauer über den schrecklichen Zustand der Zivilisation noch(!) relativ gut!
In der globalen Krisenzeit wird die mehr oder weniger laute Sehn-SUCHT nach einem „starken Mann“ immer gefährlicher - das war historisch immer so wenn eine "Hoch-Kultur" auf den Untergang zusteuerte!
Jetzt frage ich euch "Kommentatoren": Wen könnt ihr mir zur Wahl 2017 empfehlen?


Am 20. März 2017 schrieb Wolfgang Oedingen:

@Johannes M. Becker Privatdozent Dr.
ich, Wolfgang Oedingen, zurück vom
täglichen Einkauf, frage mich ernsthaft
was will der Privatdozent Dr. uns an dieser
Stelle sagen?
Au secours, s'il vous plait


Am 20. März 2017 schrieb Lutz Jahoda:

WIE BETRACHTEND MAN ES AUCH NIMMT:
DIE ABSICHT BEMERKEND, VERSTIMMT.
(nach dem Anhören des peinlichen
Interviews)

Gebricht es nun auch den Linken an Sicht?
Herr Bartsch, wo bleibt Ihr Betrachtungsgewissen?
Wulff wurde einst aus dem Amt gebissen
und war, wie wir wissen, der Schlechteste nicht.

Wulff sprach dem Übel nicht nach dem Munde,
wie es Her Gauck bedauerlich tat.
Nun macht das große Lob die Runde.
Vielleicht auch bald für Glyphosat?


Am 20. März 2017 schrieb Michael Kohle:

Aha, verstehe! Die Würde des Menschen ist also etwas anderes als die Würde des Amtes. Die des Menschen soll bekanntlich unantastbar sein. „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Der Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist da sehr präzise.
Macht man sich schlau über diese hehre, sakrosankte Menschenwürde, über die rechtsphilosophische, über die philosophische und über die verfassungsrechtliche erst recht, wird einem ganz schön schwindelig. Am eingängigsten erscheint mir wohl die Konkretisierung der Menschenwürde durch einen Psychiater - Wurmser von Namen, das passt. Er versteht die Scham als Hüterin der menschlichen Würde. Mit der Sicherung von Ehre, von Selbstachtung des Individuums jedenfalls kann diese Würde nichts zu tun haben, denn sonst müssten Agenda 2010 und HartzIV als schamlose Machwerke erkannt und verdammt werden. In Grund und Boden geschämt, nein, davon habe ich nicht mal was vom Mister OHP gehört. Und vom neuen Würdenträger im höchsten Amte schon gar nicht. Und der müsste es doch wahrlich wissen. Denn der hat dafür Sorge getragen, dass ein weiterer Grundgesetzpassus, der vom „Eigentum verpflichtet", peinlichst und penibel zum Ansatz gebracht wird, endlich einmal. Beim Antragstellen für ALGII, Donnerwetter, da ist es plötzlich unumgänglich, dass die Verpflichtung, das pekuniäre Lebenswerk mit zu berücksichtigen, auch umgesetzt wird. Wie hat ein Herr Bartsch nur davon erfahren, dass da so manche Villa mit integriertem Weinkeller offenzulegen und zu versilbern ist? Da trifft sich wohl stattdessen die gesamte Elite der Hartz Vierer regelmäßig im unterschlagenen Keller der Wahl und führt sich die schnöden, dem Staate entzogenen edlen Tropfen - im Abgang trocken, eine Note von unreifen Spätbrombeeren bietend - selbst zu.

Die Würde des Amtes wieder zurück gegeben? Erst einmal bedeutet das wohl, dass da ein, zwei Vorgänger des Freiheitspapstes bei der Ausübung des Amtes gehörig geschludert haben müssen. Ansonsten hätte eine Würde ja nicht abhanden kommen können. Sinniert man nun darüber nach, was wohl von den einst eifrig von Friede, Liz und Gniffke reichlich zusammen getragenen Unsäglichkeiten der Amtswürde besonders abträglich gewesen sein muss, kommt man allerdings weniger ins Schwitzen, als wenn man sich in die Ganglien des Herrn Bartsch versetzt, und darüber hirnt, womit wohl der Bundespastor die Würde des Amtes wieder hergestellt haben mag. Seine tollen Sprüche zu Freiheit, Verantwortung für Mord und Totschlag und was weiß ich sonst noch, können es, sollten es hoffentlich nicht gewesen sein. Dass er - wie einst ein Louis Quatorce in dessen Stile ?l?état c?est moi? - seine Mätresse zur First Lady küren konnte, auch nicht. Was mich allerdings zu einer Fragestellung führt, die mit Würde nüscht zu tun hat. Wer bekäme denn nach dem Ableben des Sonnenpräse i.R. die üppige Apanage? Frau Schadt oder doch die Frau im gesetzlichen Ehestand? Oder gar beide - Skandal? Eine populistische Frage, zugegeben! Nö, neidisch bin ich nicht.

Was mich automatisch zu einer weiteren Überlegung bringt. Nicht nur wegen der Kostenersparnis: wäre es nicht anzuraten gewesen, einfach die Argumente vom letzten Jahr zu recyceln? Wie oft wurde uns seinerzeit die "Beiwohnung" als leistungsschaffende Maßnahme verkauft. Mit allen erfüllten Hillary-Vorzügen - wer könnte die jemals vergessen - hätte es doch der ?Frau? Schadt wunderbar dazu gereicht, sich dem höchsten Amt im Staate zu opfern. Frau Schadt als erste Frau im Amte und Joachim G. als First Husband? Das wär?s doch gewesen. Nicht mal ein Umzug hätte angestanden.

Womit wir beim eigentlichen Thema angekommen wären. Beim Untertitel: die Linkspartei in der Koalitions-Warteschleife. Zum Einen: jeder, der schon mal seine Stunde über Mainhattan verbrachte und die Geschlechtertürme deutscher Banken aus allen vier Himmelsrichtungen bestaunen durfte, weiß: Warteschleife bedeutet auch, irgendwann kommt der Abstieg doch.
Ob der feuchte Traum von Bartsch und die Nachtmar vom CSU-Scheuer wahr wird oder nicht (two r or not two r), hat weniger mit deren geistreichen Sprüchen zu tun, sondern ist abhängig von der performance, zu der Martin Sch. weiterhin fähig sein wird, wie erfolgreich er dem teutschen Volke seine Hütchenspielertricks vorführen darf. Hundert Prozent Parteitagsdelegierte einzusacken, das mag ja noch angehen. Das bedeutet aber noch lange nicht, die bundesweiten Ohrensessel-Gewerkschafts-Oldies überzeugen zu können, wenns ans Regieren mit der Linken, den Immernochkommunisten zusammen gehen soll. Dazu bleibt mir nur übrig, den Totenkönig aus dem Herrn-der-Ringe zu zitieren: "Der Weg ist versperrt. Er wurde angelegt von jenen, die tot sind. Und die Toten halten ihn.“ Und ob König Martin schafft, was König Aragorn II noch vermochte, ich wage es zu bezweifeln.


Am 20. März 2017 schrieb Andreas Schell:

Oh - nein, einen Beleg für den "CIA-Vorwurf" gibt es natürlich keinen. Da ist wohl die Tastatur mit mir durchgegangen. Aber ist denn CIA etwa schlimm? Ist doch ein offizielles Organ unserer Freunde und Beschützer. Schlimmer als die allgegenwärtigen Verschlagwortungen und Schubladisierungen, die sich Politiker und Staatsoberhäupter so tagtäglich gegenseitig um die Ohren hauen? Zum Beispiel so Quatsch wie ausgerechnet Sahra Wagenknecht hülfe ausgerechnet der AfD in die Schuhe?

Ich mildere ab: im Interesse der CIA handelt, wer in unserem Land einer Regierung anschließen will, für die die Fortsetzung der deutschen NATO-Beteiligung eine nicht verhandelbare Tatsache ist. Im Falle der Grünen und der Linkspartei erfolgt das gegen die pazifistischen Ideale, an die sich die Parteibasis, zumindest in Teilen, noch gut erinnern kann. Die Linke und die Grünen sind entweder im Joschka Fischer'schen Sinne dabei und verraten alles, wofür ihre Partei, als sie das noch tat, je gekämpft hat, oder parteiinterne Kräfte sorgen für ordentlich Reibung zwischen rechtem und linkem Parteiflügel. Weil: gewählt wird nur, wer sich einig ist (Drehbuch der GroKo-SPD: 100% für Schulz).

Dass die CIA bei der Meinungsbildung in anderen Ländern in eindeutig anti-pazifistischer Richtung mitwirkt, Zwietracht sät, NGOs betreibt und Entscheider schmiert, ist bloß ein hartnäckiges Gerücht - Verzeihung dafür.


Am 20. März 2017 schrieb Andreas Schell:

Danke für das RBB-Zitat. Bartschens Würde-Vergleich Gaucks mit dessen Vorgängen ist fast noch krasser. Kann sich noch jemand erinnern, wie und wieso Köhler und wieso Wulff aus dem Amt gegangen sind? Genau: wieso Köhler wirklich fällig war, ist unklar, nur wusste Köhler im Gegensatz zu Wulff zur rechten Zeit, wo die Reißleine ist. Vermutlich hat Köhler, genau wie sein Nachfolger Wulff, irgendwas angestellt, das den Mächtigen nicht gefallen hat. Das hat Gauck ganz sicher nicht, insbesondere auch nicht mit seinem Spruch "die Eliten sind gar nicht das Problem - die Bevölkerungen sind das Problem" https://www.youtube.com/watch?v=bfhxVkjQm3Q . Dieses Zitat ist das Gegenteil der (Amts-) Würde eines Bundespräsidenten. Wer weiß - vielleicht mag Gauck nicht mehr, weil er's einfach nicht mehr aushält? Sein Nachfolger kann das ganz sicher besser. Ich meine Lobbyinteressen lächelnd vertreten.

So oder so: Bartsch ist bei der CIA, genau wie die Grünen Özdemir und Göring-E. Im Unterschied zu ihrer Kollegin Katja Kipping wissen die drei das auch, und die Medien sorgen dafür, dass kein zu schlechtes Licht auf die so mühsam installierten Gestalten fällt. So wie bei Schulz. Allein: Regierungsbeteilgung gibt's halt nur für 100% Loyalität ("Nibelungentreue") zum Großkapital. Die ist dann bei Grün und Links basisbedingt doch nicht gegeben. Blöd aber auch.

P.S. Wieso hat die Linke eigentlich einen rechten Flügel???

Antwort von U. Gellermann:

Ist der CIA-Vorwurf zu belegen?


Am 20. März 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Die Linkspartei...........
Nun gebührt dir erstmal ein Dank diesen wirklich, wie ich finde, folgenschweren, unerträglichen und menschenverachtenden Satz von Bartsch hier zum Ausdruck zu bringen.
Nicht tragbar für eine linke Partei, deren Berechtigung, sich nur aus den gesellschaftlichen Verhältnissen heraus ergibt, um die Arbeits- und Lebensverhältnisse genau eben dieser Menschen, zu verbessern. Diese geknechteten Frauen und Männer bescheren denen, die mit soviel Verachtung auf sie herunter schauen, einen gesichertes und mit Privilegien voll gestopftes Leben. In der Hölle sollt ihr Schmoren, besonders der, dem zum Abschluss seiner Amtszeit der Zapfen gestrichen wurde; diesem Schwätzer, Dampfplauderer, Kriegstreiber mit seinem Ohrfeigengesicht. Gauck.
Nun, und Bartsch ist dort zuzuordnen, die dem System, besonders nach 1989 mehr als genehm waren. Eine linke Partei, ohne revolutionäre Theorie ist ratz fatz vom System vereinnahmt, und von daher nie eine wirkliche Bedrohung für den Kapitalismus. Herr Bartsch: "Wie tief muss man sinken ?" Genau denen in den Rücken zu fallen, die sie, in der Hoffnung gewählt haben, ihre Lebensverhältnisse zu verbessern ?
Diese Menschen haben sie mit dieser tonnenschweren Aussage verraten, in dem sie ihnen die Würde genommen haben. Der olle Beck, sPD, sitzt Heute warm und trocken in irgendeiner Stiftung, (Sohn einer Arbeiterfamilie) hat auf einer Kirmes vor Jahren ähnliches von sich gegeben. Wer die Arbeiter verachtet, und das hat sich nach den Hartz Gesetzen deutlich verschlimmert, ist mehr als zu kritisieren, denn, die Abgehängten, die Erniedrigten und Geknechteten sind unsere Mitmenschen, und sie gehören zu uns, und sie brauchen unsere Solidarität, denn es ist nicht einzusehen, dass sie dafür bestraft werden, weil ein unmenschliches System, wie Gauck es befürwortet, weil er ein elender Nutznießer dessen ist, und die Suppe von denen ausgelöffelt wird, denen die Lebensperspektiven geklaut werden auch noch für dumm verkauft. Arbeit ist mehr, als den Lebensunterhalt zu sichern, und keine Arbeit ist mehr, als die Abwesenheit von Arbeit, weil oft mit schweren Folgen für die Menschen, die Ausgrenzung, Missachtung und Verachtung im täglichen Leben erleben müssen. Manche Menschen können diese Situation nicht ertragen, und wirkliche Hilfe können auch Familien nicht immer geben.Therapien, es gibt wirklich sinnvolle, können nur an der einen oder anderen Stelle ein Pflaster kleben, doch die Wunden darunter eitern weiter, und können nicht heilen, weil dieses nur möglich werden kann, wenn die Frage der Macht- und Kräfteverhältnisse mit der sozialen Frage konsequent gestellt wird. Der Kapitalismus fordert diese "Menschenopfer" ein, und wer da mit macht, ist nix besser.


Am 20. März 2017 schrieb Grit Weiss:

Wie hat Bartsch den damals auf Ihre Veröffentlichung seines widerlichen Hartz-Vier-Zitat geantwortet?

Antwort von U. Gellermann:

Herr Bartsch ließ über DIE WELT zum Zitat verbreiten: "Das ist Unsinn". Als habe er diesen Satz nie gesagt.


Am 20. März 2017 schrieb Johannes M. Becker, Privatdozent Dr.:

Ich lese, lieber Uli,
diesen Beitrag, zurück aus den tiefen Bergen, erst jetzt.

Sehr verdienstvoll, all diese unsäglichen und sehr bewußt vertretenen Dummheiten und die gesamte Kriegstreiberei dieses Pfaffen noch einmal zusammengetragen zu haben.

Merci vielmals!


Am 20. März 2017 schrieb Susanne Kreuzer:

Ich war damals Koordinatorin der Bundesarbeitsgemeinschaft Hartz IV (BAG Hartz IV) in der Linkspartei. Dietmar Bartsch hat niemals eine Antwort auf unsere Nachfrage gegeben, wie er zu so einem entwürdigenden Satz über Menschen in Notlagen und Armut kommt, wie - um die Posten streiten wie "die Hartz-Vierer um den Alkohol". - Und jetzt der unglaubliche Satz über Gauck. Das spricht für sich.


Am 20. März 2017 schrieb altes Fachbuch:

also, ich habe die quelle jetzt zweimal überlesen, und könnte dem bartsch das zitat "Er hat dem Amt Würde zurückgegeben" nicht in den mund legen!
ohne nachzukarten sagte bartsch: "Gaucks Amtszeit sei "solide" gewesen,.... Doch bei einem Thema, das Gauck biografisch sehr nahe liegen müsste, sei er hinter den Erwartungen zurückgeblieben."
bartsch auch noch als "einstigen" scharfen kritiker darzustellen, ist famos und bezeichnend für die quelle:)
das nahe liegende thema war gaucks nazierziehung in seiner sippe.

hoffentlich lesen alle die quelle!
gibt es auch eine ähnlich gute für die zweite behauptung??

Antwort von U. Gellermann:

Man muss die Quelle hören, nicht lesen (auf das Lautsprecher-Symbol im Gauck-Foto klicken wenn man den Link geöffnet hat). Moderator ca. Minute 00:38: „Gibt es etwas womit Joachim Gauck auch Sie überzeugt hat?“ - Bartsch, ca. Minute 00:44 : „Ich will auch ganz klar sagen, dass Joachim Gauck Verdienste im Amt errungen hat. Er hat dem Amt Würde zurückgegeben.“

Bei seinem Satz über die Hartz Vierer saß ich selbst in der betreffenden Versammlung. Neben weiteren mehr als 20 Leuten.- Bartsch versuchte später meinen Artikel dazu zu dementieren. Ich habe ihm damals angeboten auf Gegendarstellung zu dringen. Er hat das Angebot nicht angenommen.

http://www.rationalgalerie.de/schmock/dietmar-bartsch.html


Am 19. März 2017 schrieb Hans Betram:

Können Sie den unglaublichen Gauck-Satz von Herrn Bartsch auch beweisen?

Antwort von U. Gellermann:

Na klar:

http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/int/201703/17/109808.html

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