Freie Welt, freie Presse

Wann erschiesst sich Putin?

Autor: U. Gellermann
Datum: 24. Juli 2014

Russland, das wissen die Deutschen aus ihren Medien, das ist das Reich der Finsternis. Vor allem die Sender und Zeitungen dort sind so unfrei und unterdrückt, dass sich keine kritische Stimme mehr erhebt. Das ist im freien Deutschland, auch das scheint der Durchschnittsdeutsche zu wissen, völlig anders. Außer manchmal. Aber dann geht es um die Freiheit anderer. Beispiel im Ukraine-Fall: Da wissen alle wesentlichen Medien im Land inzwischen wer den Abschuss des malaysischen Flugzeugs zu verantworten hat: Der Russe, zumindest der Pro-Russe. Zwar ist bisher nicht einmal der Abschuss endgültig bewiesen, geschweige wer denn abgeschossen hat. Aber das macht nichts. Wenn sich die völlig freien und pluralen Medien mal entschieden haben, dann kann nur der Russe schuld sein. Beweise? Nebbich.

Inmitten langer Artikel und Kommentare, die mit langen Fingern auf den vorgeblich schuldigen Putin, der "einen großrussischen Traum träumt" und jetzt aber endlich zumindest mit Sanktionen zu bedenken ist, findet sich in der FAZ eine erstaunliche Medienlese aus russischen Zeitungen und Sendern. Zum Abschuss des malaysischen Flugzeuges titelt die Zeitung KOMMERSANT (150.000 Auflage): "Die Trümmer der Boeing fallen auf Russland" und weist so Russland Schuld zu. Die mit 600.000 Exemplaren Auflage bedeutende russische Zeitungen, NOWAJA GASETA, schreibt sogar "Wir verkünden Trauer" und die FAZ beschreibt die GASETA als "kremlkritisch". Und schließlich wird von einem Radio-Sender namens ECHO MOSKWY berichtet, der in Moskau 600.000 Hörer täglich erreicht und in den Regionen immerhin 1,5 Millionen. Dieser Sender sendet tatsächlich: "Ein zweites Lockerbie, durch uns veranstaltet". Ist der Chefredakteur schon verhaftet? Nein. Ist wenigsten der Eigentümer erschossen? Das wird schwer werden, gehören doch fast 70 Prozent des Senders der Firma GAZPROM und dieses Unternehmen, glauben wir dem deutschen Durchschnittsmedium, gehört dem Staat, also Putin. Nach deutscher Medienlogik muss der sich jetzt selbst erschießen.

Weil wir, wie die deutsche Mehrheit glaubt, so plurale und die Russen nur diese Einheitsmedien haben, hat sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG während des Krim-Konfliktes von ihrer monatlichen, bezahlten Beilage RUSSLAND HEUTE getrennt. Es hätte ja sein können, dass sich in dieser deutschsprachigen Zeitung aus Moskau eine andere Meinung zum Krim-Konflikt gefunden hätte als die in der SZ-FAZ-BILD-ZEIT-Melange oder gar im ARD-ZDF-Eintopf. Am konsequentesten pluralistisch war die hochmögende, hochintellektuelle und total ausgewogene ZEIT. Sie kündigte die Zusammenarbeit mit ihrem freien Russland-Korrespondenten Moritz Gathmann. Denn der hatte auch schon mal für RUSSLAND HEUTE geschrieben. Da kann der ZEIT-Leser nur froh sein, dass dieser Agent Putins nicht mehr für ZEIT-Online arbeitet. Der wäre wahrscheinlich so infam gewesen in der Sache des malaysischen Flugzeugs die Frage nach den Beweisen zu stellen. Aber Zweifel verträgt der ZEIT-Leser nicht, denkt die Reaktion fürsorglich.

Der Chef aller westlichen Demokraten, Barack Obama, ist offenkundig ein Absturz-Experte. Deshalb hat er jüngst in der ARD die ukrainischen Separatisten angeklagt: Die hätten die Leichen von der Absturzstelle weggebracht, das sei eine Kränkung der Angehörigen. Diese, bei den in der Ost-Ukraine zur Zeit herrschenden Sommer-Temperaturen, völlig unsinnige Anklage, löst bei der ARD keine Frage nach dem Verstand des US-Präsidenten aus. Nein, sie titelt diesen Beitrag aus der öffentlich-rechtlichen Anstalt wie es sich für eine Anstalt gehört: "Obama nimmt Putin bei Aufklärung von MH17-Absturz in die Pflicht". Die Pflicht zu anständigem Journalismus hat sich längst aufgelöst.

Der Mangel an ernstzunehmender Recherche in der Ukraine-Russland-Frage im düsteren deutschen Medienwald rührt auch daher, dass die USA für grundsätzlich demokratisch und Russland prinzipiell für undemokratisch gehalten wird. Wer das verinnerlicht hat, braucht keine Recherche, keine Fakten mehr. - Neben der Frage nach der "freien Presse" ist auch die Frage nach den "freien Wahlen" entscheidend. Die Antwort des Mainstreams sagt : Die US-Wahlen sind frei, die Russischen Wahlen unfrei. Was zu prüfen ist. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen in den USA gab es letztlich nur noch zwei Kandidaten auf dem nationalen Stimmzettel: Obama und Romney. In innenpolitischen Fragen unterschieden sich die beiden in Nuancen. Bei außenpolitischen Themen eher gar nicht. Obama erzielte deutlich mehr Wahlkampfspenden als Romney. Damit war die Wahl entschieden. Die anderen Kandidaten, unter ihnen Jill Stein von den US-Grünen, wurden in den wesentlichen Nachrichten am Wahlabend erst gar nicht mehr erwähnt.

Im "autokratischen" Russland standen neben Putin vier weitere Kandidaten zur Wahl. Und sie wurden am Wahlabend auch erwähnt. Der kommunistische Kandidat erzielte sogar 17,38 Prozent der Stimmen. Und während seine außenpolitischen Postionen denen Putins ähneln, sind seine innenpolitischen Forderungen fundamental konträr. Das drittbeste Ergebnis erreichte Michail Prochorow mit immerhin noch 8,8 Prozent. Der verfügt über ein Vermögen von 18,5 Milliarden Dollar und musste schon deshalb keine Spenden sammeln. Dem Mann gehört der amerikanische NBA-Basketball-Verein "Brooklyn Nets". Wie heftig die amerikanischen Medien schäumen würden, wenn ein US-Präsidentschaftskandidat Besitzer von Dynamo-Moskau wäre, nicht auszudenken. Wahrscheinlich würde solch ein Agent Moskaus aus Gründen der nationalen Sicherheit erst gar nicht zur Wahl zugelassen. Vergleicht man also die beiden Wahlkämpfe, dann könnte glatt der Eindruck entstehen, die Wahlen in Russland seien vielfältiger und demokratischer als die in den USA. Aber das kann nicht sein. Es steht ganz anders in der Zeitung.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 04. August 2014 schrieb Ralf Thielken:

Es ist schon interessant, wie kurz die Gedankengänge von Faschismus zu DDR verlaufen, wenn auch mit mulmigem Gefühl. Ausdruck ideologischer Durchdringung? Was ist Staatssozialismus, außer ein ideologischer Kampfbegriff, von dem es zum Nationalsozialismus eben nicht weit ist?
Nebenbei: Kommunisten wurden schon verfolgt und umgebracht, da war an Stalin noch nicht zu denken.
Das Verschwinden der DDR hatte viele Ursachen, die Informationspolitik ihren Bürgern gegenüber spielte da keine entscheidende Rolle, denn Hofberichterstattung, unkritischen Journalismus, Berufsverbot, Bespitzelung, Wahlen, bei dem das System nicht zur Wahl stand, all das gab es auf beiden Seiten. Was bleibt übrig, um vor der Geschichte das Urteil zu fällen: Gut oder Böse? Nach Brecht ist es: ..?die Lüge. Die tote DDR wird täglich geschändet.
Deshalb: Danke, Herr Wurzelzwerg, für den richtigen Einwand. Danke, Reyes Carrillo für das nette Loblied auf das kleine Ländchen.
Ich erinnere gern an James Baldwin:
Zeit ist nicht Geld, Zeit ist Zeit. Ein Mensch ist ein Mensch, mein Bruder, und ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen.


Am 27. Juli 2014 schrieb curti curti:

Die von den Pre$$tituierten ausgehende Perversion drückt sich vorbildhaft in nur einem Satz aus, der soeben auf SPON in Vorankündigung zum morgigen SPIEGEL stand:

"Nach dem Ab­schuss von MH17 wächst der Druck auf die EU, Russ­land zu iso­lie­ren und eine wei­te­re Es­ka­la­ti­on zu ver­hin­dern."

Klingt wie eine Anleitung, den Brandherd mittels Benzin zu löschen und zwar obwohl die "Herren" der Anleitungsschreiber -und vermutlich auch die Schreiber selbst-. nur allzu gut wissen das man damit das Gegenteil dessen bewirkt was vorgegeauckelt wird. Allerdings sind diese im Regelfall nicht Opfer der absehbaren Katastrophe!

Die pro-amerikanischen Putschisten nebst kleptooligarchem Führer sind per se die Guten, alles andere Terroristen und Putin wird aus newseek bereits zum Pariah erklärt. Soweit sind wir mittlerweile im Zeitalter der "Aufgeklärtheit", von zig weiteren Brandherden umrandet, die medial und politisch mehr oder weniger nach dem gleichen Schema propagiert werden.

Als Wort zum Sonntag einen Clip aus der 3sat-Kulturzeit. Der unsägliche Recchtsaußen Tina Mendelsohn, das ist die welche vor kurzem auch fähig war als Vorspann zu einem Chudorkoswki-Interview eine Rochade mittels Erdogan und Putin zu vollziehen, allerdings um einen Dritten in besserem Licht erscheinen zu lassen. Der wiederum sagte dann im Interview ganz keck, daß es vor Putin keinerlei Oligarchen in Rußland gab. Wohnen die alle in der Villa Kunterbunt bzw. gehen die vielmehr davon aus, daß das Publikum meschugge ist?

Abgerutscht ist sie einige Tage vorher bei Bazon Brock und mit ihr der heuchlerische Medien- und Politrummel. Hat aber leider nicht geholfen, weder Tina noch dem Rest!

http://www.youtube.com/watch?v=c5gmLk-OzDk


Am 27. Juli 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Lieber Herr Wurzelzwerg,

ich gebe Ihrer Kritik an meiner Gleichsetzung der argentinischen Medien unter der faschistischen Diktatur Videlas mit der Situation in der DDR umfänglich Recht! Danke, dass Sie mich darauf hinweisen. Ich hatte eh ein mulmiges Gefühl, als ich besagten Satz schrieb.

Ihrer ausholenden Begründung indes mag ich nicht folgen und sie überzeugt mich vor allem nicht. Es scheint also schon so zu sein, dass wir ein unterschiedliches Verständnis von Journalismus haben.

Solch denkwürdige Sätze wie „Wenn für Sie Journalismus heißt, jeder Scheiß muss betuttelt werden dürfen, damit sich die Medien "frei fühlen"…“ oder „Selbstverständlich war die Presse in der DDR von der Partei gelenkt. Sollte sie ihre Feinde zu Wort kommen lassen?“ oder auch „Die Kommunisten der DDR wollten eben nicht die Goebbelsche Machart übernehmen, wie sie im anderen deutschen Staat praktiziert wurde…“ verformen mein Gesicht einfach nur zu einem verblüfften Fragezeichen.
Deshalb: Nein, das lässt eine für mich ideologisch viel zu durchdrungene, auf der anderen Seite wiederum viel zu unkritische Haltung erkennen, die ich – Sie werden es mir nachsehen – nicht mag. Zudem spiegelt sie das Verständnis eines Staatssozialismus wider, der letztlich auch an seinem nicht hinnehmbaren Umgang innerhalb der Informationspolitik seinen Bürgern gegenüber implodierte.

Aber: Die DDR trug natürlich dadurch, dass sie nach dem verlorenen Weltkrieg II eine andere Entscheidung genommen und sich u.v.a. klar gegen den Faschismus gestellt hatte, unglaublich viel Wichtiges, Gutes, Unterstützenswertes, Anziehendes, Sympathisches, Notwendiges usw. usf. in sich, das auf jeden Antifaschisten faszinierend wirkte. Natürlich auch auf mich. Und ich fand und finde die Art und Weise unerträglich und schändlich, wie sie verschwand.


Am 26. Juli 2014 schrieb Reinhard Blomert:

Angesichts der Sanktionen der EU gegen Rußland frage ich mich, wer den
daraus entstehenden Schaden (=entgangener Gewinn) zahlt? Wird es ein
internationales Schiedsgericht geben, das die EU auf Geschäftsschädigung
verklagt? Müssen dann wir Steuerzahler(innen) dann für den entgangenen
Gewinn aufkommen? Das wäre doch die derzeitige internationale Logik...

Antwort von U. Gellermann:

Wunderbare Idee, so wird das TTIP immer nützlicher.


Am 26. Juli 2014 schrieb Caroline Bischoff:

Gar nicht! Mit 16 Milliarden auf dem Konto !!!


Am 26. Juli 2014 schrieb Herr Wurzelzwerg:

@ Reyes Carillo

Neben sehr vielem anderen, das Sie anführen, das man als durchaus klug und überlegt bezeichnen kann, lassen Sie es sich nicht nehmen, auf die Medienpolitik der DDR einzuschlagen und sie - sogar! - mit der des faschistischen Videla-Regimes zu vergleichen:

"Selbstverständlich, wie wir wissen, gab es vor allem in diesen sich sozialistisch oder kommunistisch nennenden Ländern keine freie Presse inkl. natürlich der DDR. Im Gegenteil, der Journalismus war mindestens ebenso gefährdet wir unter der Diktatur Videlas in Argentinien."

Wenn für Sie Journalismus heißt, jeder Scheiß muss betuttelt werden dürfen, damit sich die Medien "frei fühlen" - dann frage ich mich ernsthaft, welches Verständnis von Journalismus Sie haben.

Selbstverständlich war die Presse in der DDR von der Partei gelenkt. Sollte sie ihre Feinde zu Wort kommen lassen? Und dass die Partei da nicht sehr geschickt vorging, ist auch kein Geheimnis. Die Kommunisten der DDR wollten eben nicht die Goebbelsche Machart übernehmen, wie sie im anderen deutschen Staat praktiziert wurde und wie man heute nicht nur im Zusammenhang mit der Ukraine- und Gaza-Frage überdeutlich erkennen kann. Insoweit ist der Partei natürlich ein Vorwurf zu machen, dass sie es nicht verstanden hat, eine massenwirksame sozialistische Medienpolitik zu schaffen.

Aber Ihre quasi Gleichsetzung von sozialistischer DDR und faschistischem Argentinien - das geht mir entschieden zu weit.


Am 25. Juli 2014 schrieb curti curti:

Wenn man früher als Nachkriegsgeneration die Frage an die Generation, die im 3. Reich involviert war, oder an sich selbst stellte, wie es möglich sein konnte den Nazi-Psychopathen auf den Leim zu gehen bis hin zum Hurra des totalen Krieges, so war in der Regel Fassungslosigkeit zu finden. Dies wohlgemerkt vor dem Hintergrund einer Generation, deren Informationspotential aus Zeitung und Radio bestand. Mehr wahr nicht.

Und heute, mit all der Aufgeklärtheit und geradezu revolutionären Informationsquellen, ist es möglich das die Massen sich durch die mediale und politische Propaganda erneut breit und willig schlagen lassen. Ist das nicht völliger Irrsinn was da gegenwärtig rund um die Ukraine-Krise und den MA-Absturz praktikabel ist?

Nachfolgend ein interessanter Artikel aus der Querdenker-Szene, sehr lesenswert:

http://www.mmnews.de/index.php/politik/19209-mh17-warum-verheimlicht

Übrigens - letzte Woche gab es eine interessante Runde bei Will. Da gab es das wahre Amerika, die authentische Denke der dortigen Machthaber, der Einheitspartei mit einem republikanischen und einem demokratischen Flügel, ideal verkörpert durch Andrew B. Denison, der mittlerweile im Olymp angekommen zu sein scheint. Exakt so wie in dieser Runde springen die USA mit den Europäern um und die machen munter weiter Männchen und geben Pfötchen.

https://www.youtube.com/watch?v=xzvLeIs9tzg

P.S. Auf SPON übrigens weiter massive Hardcore-Zensur. Das noch zum Thema "Freie Welt, Freie Presse". Von FAZ, SZ und wie sich die "Qualitätsmedien" alle nennen ganz zu schweigen. Der letzte Schmock ging an jemanden namens Stürmer. Gab da mal ein gleichnamiges Propagandamedium, wäre auch heute wieder erfolgreich, todsicher!


Am 24. Juli 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Wer die Wahrheit geigt, dem schlägt man gern die Fiedel auf den Kopf. Gegenwärtig ist Putin der Geprügelte.
Gestern, am Mittwoch, dem 23. Juli 2014, aus zehntausend Metern Höhe gut auf dem Flughafen Berlin-Tegel zur Erde gelangt und noch rechtzeitig genug, um den Rest der Anne-Will-Gesprächsrunde mir anhören und ansehen zu können, wieviel Platz den wortreichen Schuldzuweisungen eingeräumt wurde und wie wenig Gesprächszeit dem deutschen Bundeswehr-General außer Dienst gegeben war, Vorsicht walten zu lassen hinsichtlich noch nicht voll aufgeklärter Fakten.
Zum Zeitpunkt des Unglücks befand sich ein Erdbeobachtungssatellit der USA über dem Katastrophengebiet. Aber kein einziges Auswertungsbild fand sich bislang für die Öffentlichkeit, auch keine Freigabe der Bandaufzeichnung der Kiewer Flugleitstelle an die Unglücksmaschine, Kurs und Flughöhe zu ändern.
Ich sah und hörte in Wien und in Brünn über RT (Russia Today) auch noch von einem ukrainischen Jagdflugzeug , bestückt mit R-60-Luft-Luft-Raketen, das sich bis auf dreieinhalb Kilometer Abstand dem Malaysischen Passagierflugzeug genähert hatte und dort auch noch nach dem Absturz des Verkehrsflugzeugs verblieben war.
Auch bei Frau Will keine Frage nach der Vorverlegung des Buk-Luftabwehrsystems an die Front, wo doch die sogenannten Separatisten gar keine Flugzeuge besitzen.
Wer hätte auch diese Frage stellen sollen? Der CDU-Mann, der geladen war? - Die Journalistin der "Süddeutschen Zeitung"? Der Vertreter der Kiewer Regierung?
Dem Mann, der Moskau vertrat, hatte es die Sprache verschlagen. Mir schien, als wäre er in der Runde der Einzige, dem die Peinlichkeit schmerzhaft bewusst war, den Tod unschuldiger Fluggäste politisch missbraucht zu sehen.
Es war bereits kurz nach Mitternacht, als mir klar wurde, dass die Ost-Erweiterer mehr als nur sieben Lügen brauchen werden, um wenigstens eine glaubhaft erscheinen zu lassen.
Dass mit Heuchelei gutes Geld verdient werden kann, liefern uns täglich die einseitigen Statements. Die Wahrheit hingegen ging immer schon betteln.


Am 24. Juli 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Und auch hier nochmal vielen Dank, Uli, für dieses schaurige, aber wunderbar geschriebene Destillat über eine gleichgeschaltete, irre gewordene, jede Grenzen der Scham und Peinlichkeit, der Ehre und das Berufsethos sowieso hinter sich lassende Medienlandschaft. Ich habe in meinem ganzen Leben nirgendwo etwas Vergleichbares erlebt! Nur die blutig unterdrückte Presse unter dem Terrorregime von Jorge Rafael Videla in Argentinien in den 70er bis Anfang 80er Jahren des letzten Jahrhunderts fiele mir als westliches und selbst erlebtes Beispiel noch ein. Doch dies war zum einen eine grausame Diktatur und zum anderen, im krassen Gegensatz zu dem, was wir hier erleben, außenpolitisch eher uninteressiert (außer ihrem notorischen Hass gegenüber allen Sozialistisch-Kommunistischen Staaten und Bewegungen zu jener Zeit, s. „Operation Condor“). Selbstverständlich, wie wir wissen, gab es vor allem in diesen sich sozialistisch oder kommunistisch nennenden Ländern keine freie Presse inkl. natürlich der DDR. Im Gegenteil, der Journalismus war mindestens ebenso gefährdet wir unter der Diktatur Videlas in Argentinien.

Diese Presse hier bedarf aber keines blutigen Drucks von Seiten des Staates, sie erledigt die Hofberichterstattung völlig freiwillig, gelenkt freilich von der Handvoll milliardenschwerer Medienkonzerne, die dieses Land journalistisch dominieren.

Aber hat nicht durch die im tiefen Kotau von den Medien begleitete Umformung des Sozialstaats, mit der Ausrufung der „marktgerechten Demokratie“, dem generellen Rückzug des Staates aus jeglicher Mitgestaltung demokratischer Weiterentwicklung, der chauvinistischen Dominierung Europas bei gleichzeitiger Aushöhlung der europäischen Idee, der pathologischen Unterwürfigkeit gegenüber den USA und mit dem damaligen Höhepunkt einer rot-grünen (!) Regierung, sich an einem völkerrechtswidrigen Krieg (Jugoslawien) zu beteiligen der deutsche Sündenfall neuerer Geschichte seinen Ursprung? Ich bin überzeugt davon, dass das Virus, das diesen rhetorischen und blutigen Militarismus in Deutschland, dieses Grölen von einem „Neue-Verantwortung-in-der-Welt-Übernehmen“ aus drei machtbesoffenen Kehlen zu verantworten hat aus dem fernen Chile Pinochets, dem Ursandkasten eines fatalen Experiments kommt, das leise seit Mitte bis Ende der 80er fast unsichtbar dann auch Europa und Deutschland infiziert hat: Der Neoliberalismus. Der Neoliberalismus ist der Allesschlucker des (imperialistischen) Kapitalismus und gleichzeitig sein Allesauskotzer. Natürlich auch Expansionskriege. Und er verseucht Hirne. Kollektiv. Nachweislich.


Am 24. Juli 2014 schrieb Regine Kemper:

Ich gebe zu, dass ich für einen Moment gestutzt habe: Die russischen Wahlen sollen nicht schlechter sein als die amerikanischen? Dann fand ich Ihre Beweisführung sachlich und erhellend. Danke.


Am 24. Juli 2014 schrieb Martin Lechky:

Heutzutage muss man nicht mehr in die Kirche gehen um die "Wahrheit", tagtäglich, vorgebetet zu bekommen. Das übernehmen die Damen und Herren in den Kanzeln der Medienanstalten und Redaktionen. Schliesslich wird aus Unrecht, Recht wenn es nur oft genug als Recht wiedergegeben wird. Der Mensch lernt am besten durch Wiederholungen.

"Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!"

Meine Mutter, 65 Jahre, ist so etwas von unpolitisch, dass kann man sich nicht vorstellen, aber zum Thema Ukraine, welches für sie Russland ist, hat sie dank intensiven Radio hörens eine ganz eigene/ ihre Meinung. Die, dass der Russe der Böse ist. Auf Argumente die dem entgegensprechen reagiert sie, höflich ausgedrückt, etwas unwirsch.

Ähnliches finde ich in meinen Bekanntenkreis wieder. Bedingt durch Desinteresse u./o. Zeitmangel, Arbeit, Familie und Schlaf, wird das konsumiert welches sich ohnehin im Grundrauschen des Lebens wiederfindet. Trifft man sich dann am Wochenende auf ein Bier beginnt eine endlose Diskussion die gerne auch einmal lauter werden kann. Auf Hinweise wie z.B. lest doch mal das und das wird gerne, höflich ausgedrückt, etwas unwirsch reagiert.

Es scheint sich auch niemand daran zu stören das z.B. im MH17 "Disaster" nur Vermutungen geäussert werden - Hätte, Sollte, Könnte usw.. Diese Worte werden irgendwann ausgeblendet und durch ständige Sanktionsandrohnungen werden die Vermutungen als Wahrheit untermauert. "Die Partei, die Partei, die hat immer Recht..."
(Die Partei darf gerne durch Die Merkel, Der Steinmeier, Die v.d.Leyen oder Der Gauck ersetzt werden.)

Wenn es nicht solch ein ernstes Thema wäre, könnte ich versucht sein mich dem anzuschliessen, es macht das Leben und Denken bedeutend einfacher.


Am 24. Juli 2014 schrieb curti curti:

Ein paar Zeilen zu Jakob Augstein (auf SPON -klarer Fall- bislang wegzensiert) zu seinem heutigen Artikel:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/malaysia-airlines-mh17-und-putin-jakob-augstein-ueber-die-schuldfrage-a-982680.html

Schon mal......was von Gewissen gehört oder besser gespürt, Herr Augstein?

Der Artikel ist, gelinde gesagt, bigott und zwar reichlich!

Zwar ist die Kritik zutreffend, aber gleichwohl Linie des SPIEGEL/SPON, munter im Orchester der unsubstantiierten Hetzerei mitzuspielen, reißerische Soli inbegriffen. Übersehen oder schaltet der Miteigner da kurzerhand ab?

Also Herr Augstein, gehen sie mit gutem Beispiel voran und handeln Sie im Sinne des Artikels. Kritische Worte allein sind lediglich ein Trostpflaster, unter dem der Infekt weiter voranmarschiert. Bis zum Exitus!

P.S. Wird morgen wieder mit Scharfmacher Blome gealbert auf phoenix?


Am 24. Juli 2014 schrieb Gaby Schrader:

In einer Demokratie ist der ÖRR zwingend notwendig, damit Bürger ihr Wahlrecht ausüben können. Ähnlich der Parteiendarstellung vor einer bevorstehenden Wahl müssen dazu für jederman verständliche Informationen gerundfunkt werden. Die für Parteienwerbung aufgewendete Zeit hält sich im Rahmen, was hat zum einen den Vorteil hat, daß Parteien ihre Ziele klar formulieren müssen und zum anderen, daß die Auftraggeber (Wähler) sich um ihre Dinge kümmern können. Aus diesem Grund ist dort kein Platz für Kommentierungen, weil er zulasten der eigenen Darstellung geht.
An dieser Stelle findet eine lobenswerte Methode der Informationsverbreitung statt.
Während der Wahlperiode sind die Nachrichten nebst der Zusammenfassung in den Tagesthemen für den Rundfunk verantwortlich.
Natürlich muß im Tagesgeschäft schnellstens entschieden werden, welche Information für den Rundfunk relevant ist. Natürlich versucht man auch hier, den Auftraggeber (Wähler) nicht zu überfordern und muß das Weltgeschehen zwangsläufig eingrenzen. Und natürlich muß der ÖRR gleichgeschaltet sein, damit die Informationen des Ersten nicht anders als beim Zweiten sind.
Der ÖRR ist nunmal der einzige Bezug der Regierung zum Auftraggeber (Wähler) und wäre demnach ausschließlich anteilsmäßig von Regierungsparteien zu betreiben.
Die Qualität der Nachrichten spiegelt sowohl die Verständlichkeit, also den Bezug zum Auftraggeber als auch den eigenen notwendigerweise vorgenommenen Filter der Informationsflut. Bei Nichtgefallen kann mit der nächsten Wahl ebenso darauf Einfluß genommen werden wie auf das Finanzierungsmodell, welches ausschließlich den Auftrag
Informationsversorgung hat.

Unterhaltung über den Rundfunk gehört nicht zu den Aufgaben eines demokratischen Staates.

Wenn ausreichende Informationen beim Empfänger ankommen, entstehen zwangsläufig Gespräche, die keine Kommentarvorlage benötigen.
So entstanden Kultur und Bildung, die von staatswegen zu schützen, zu erhalten, zu fördern sind.
Den Zugang dazu über das Medium ÖRR erreichen zu wollen ist nicht nur auftragsfremd, sondern beinhaltet eine behindernde, da getroffene Vorauswahl und muß an anderer Stelle, im entsprechenden Ministerium zu erfolgen.

Neben der Legislative, Judikative und Exekutive stellen Medien die 4. Gewalt dar.

Die Pressefreiheit sowie die freie Meinungsäußerung gehörte damit von Anfang an zu einem sehr wichtigen Standbein der Demokratie. Schon wegen Interessenskonflikten darf sie nicht durch den ÖRR wahrgenommen werden, da das ansonsten gleichgewichtige Demokratiemodell gestört wäre. Der schnelle technische Fortschritt durch die Nutzung des Internets für jederman bedeutet natürlich eine Herausforderung an die anderen Standbeine.
Da alle Gewalt vom Volk ausgeht, das nun wesentlich erfolgreicher erreicht werden kann, ist ein Schritt mehr in die Umsetzung getan.
Alle Ministerien sind nun ohne Ausnahme gefordert, drängende Herausforderungen selbst zu bewältigen und sie nicht abzutreten. Der demokratische Staat ist ein Dienstleistungsunternehmen für seine Menschen und kann aufgrund des Grundgesetzes jedenfalls nicht wegen einer Konkurrenz pleite gehen.

Dazu paßt auch ein Text zum Thema Abschuß von Zivilisten, der folgendes aussagte:
Wenn die 4. Gewalt ihren Job täte (investigativ heißt das im Fortschrittkurs), dann müßte sie sagen, daß sie mindestens ein Jahr dazu bräuchte.
Das wäre eine vernünftige Aussage und niemand hätte etwas dagegen zu setzen.


Am 24. Juli 2014 schrieb Martina Heimann:

Man könnte darüber verzweifeln: Ringsumher, auch bei sonst gebildeten Leuten, bricht ein Russenhass aus, den ich in Deutschland nicht vermutet hätte. Kein Argument ist zu dumm, keine feige Verweigerung der Wahrheit zu bequem, um dem Land der Opfer deutscher Mordbereitschaft (und ich meine nicht Israel) eine Art Imperialismus zu unterstellen, der bestenfalls eine Reaktion auf den US-Imperialismus ist. Ich bin der RATIONAGALERIE sehr dankbar, dass sie sich in ihrem Kurs der Wahrheitssuche nicht beirren lässt.


Am 24. Juli 2014 schrieb Henner Grabowski:

N-TV berichtete:
"Der Mitschnitt des Funkverkehrs zwischen den Piloten der abgestürzten Passagiermaschine und ukrainischen Fluglotsen befindet sich weiter beim Geheimdienst SBU in Kiew. Es sei unklar, ob und wann die Aufzeichnungen internationalen Experten zur Analyse übergeben würden, sagte ein namentlich nicht genannter SBU-Mitarbeiter am Mittwoch Medien in Kiew zufolge. Die Behörden hätten den Mitschnitt in Dnjepropetrowsk kurz nach dem Absturz am 17. Juli beschlagnahmt, hieß es." Wenn die Norm-Medien doch einmal ihrer Verantwortung nachkämen und die Frage nach diesen Mitschnitten aufwerfen würden: Warum sie nicht veröffentlicht werden und wie viel Tage der Manipulation dem ukrainischen Geheimdienst noch bleiben. Nein, statt dessen wird die durch nichts bewiesene Behauptung vom Abschuss ukrainischer Militärflugzeuge durch Russland posaunt. Ekelhaft.

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