Feindbild Islam

Zehn Thesen gegen den Hass

Autor: U. Gellermann
Datum: 27. November 2011
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Buchtitel: Feindbild Islam - Zehn Thesen gegen den Hass
Buchautor: Jürgen Todenhöfer
Verlag: Bertelsmann

Wer ist Jürgen Todenhöfer? Einer, der siebzehn Jahre für die CDU im Bundestag war. Der zeitweilig als rechte Hand des ziemlich unsäglichen Generalsekretärs der CDU, Bruno Heck, fungierte. Jemand, der im ausgeprägt konservativen Burda-Konzern als stellvertretender Vorsitzender arbeitete. Ein Autor, den der Herrenschreiber von der ZEIT, Josef Joffe, als "Vulgärpazifisten" bezeichnet. Was kann Todenhöfer? Lesen und rechnen. Anders als andere hat er Koran und Bibel gelesen. Und wenn er die Toten im "Anti-Terror-Kampf" zählt, fällt ihm auf, dass die Verluste bei den Muslimen um vieles höher sind als bei denen, die diesen propagieren. Was macht Jürgen Todenhöfer? Nach Lesen und Rechnen schreibt er auf. Heraus kommt das Buch "Feindbild Islam - Zehn Thesen gegen den Hass"

Der Westen ist gewalttätig

In seiner ersten These erinnert der Autor an die Millionen arabischer Zivilisten, die der Westen in den letzten 200 Jahren auf dem Gewissen hat. An die Algerier, die von der französischen Kolonialarmee hingeschlachtet wurden. An die Iraker, die Winston Churchill 1920 wegen eines Aufstandes gegen die Kolonialmacht mit Giftgas bekämpfte. An die mehr als hunderttausend Libyer, die von italienischen Truppen zum Sterben in die Wüste getrieben worden sind. Und er zählt konsequent bis in die Jetztzeit: In Folge der Sanktionen gegen Saddam Hussein kamen über eine Millionen Iraker bereits vor dem letzten Irak-Krieg um, unter ihnen 500.000 Kinder. Der Westen, verkörpert von Madeleine Albright, kommentierte: "We think the price is worth it".

Anti-Terror fördert Terror

"Ein junger Muslim", schreibt Todenhöfer auf, "der regelmäßig Fernsehnachrichten verfolgt, sieht Tag für Tag, Jahr für Jahr, wie im Irak, in Afghanistan, in Pakistan, in Palästina und anderswo muslimische Frauen, Kinder und Männer durch westliche Waffen, westliche Verbündete und westliche Soldaten sterben." Und so rechtfertigt der Autor den Terror einer winzigen muslimischen Minderheit zwar nicht, versucht aber, anders als jene, denen der Terror für ihre politischen Ziele gerade recht kommt, zu verstehen.

Terror ist kein muslimisches Phänomen

Weil das so ist, denkt das schmale Buch an den christlich maskierten Terror der ugandischen "Lord´s Resistance Army" und deren angestrebten Gottesstaat. Auch daran, dass 2010 in der Europäischen Union zwar 249 Terror-Anschläge gezählt wurden. Davon aber nur drei auf "islamistische" Attentäter zurückgingen. Dieses, der Regierungs-Propaganda entgegengesetzte Zahlenwerk, berücksichtigte nicht einmal die rechten deutschen Morde.

Terror gehört vor Gericht

Wer ist bisher für den völkerrechtswidrigen Terror-Angriff auf den Irak vor ein internationales Strafgericht gekommen, fragt Todenhöfer, und zitiert Peter Ustinov, der die westlichen Angriffskriege als "Terrorismus der Reichen" bezeichnet hat. Die Frage nach den Verantwortlichen für den Angriff auf Afghanistan schlösse sich logisch an.

Muslime und Toleranz

Es waren Christen, die den "heiligen Krieg" der Kreuzzüge erfanden. Sie waren es auch, die im Zuge der Kolonialisierung 50 Millionen Menschen in Afrika und Asien umgebrachten. Auch die 70 Millionen Toten im Ergebnis des Ersten und des Zweiten Weltkrieges gehen auf das Konto "christlicher" Länder und deren religiöser und nationalistischer Intoleranz.

Der Koran kennt Nächstenliebe

"Seid gut zu dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde" (Sure 4,36). Ja, es gibt das christliche Gebot der Nächstenliebe. Aber eben auch die Frage Moses im Alten Testament im Ergebnis eines Feldzugs der Israeliten: "Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? Bringt endlich auch die männlichen Kinder um und alle Frauen, die schon mit einem Mann geschlafen haben" (AT, 31,7.15.17). Da konnte es nicht ausbleiben, dass Martin Luther noch nachlegte: "Mit Ketzern braucht man kein langes Federlesen zu machen". Um dann Scheiterhaufen zur Ausrottung der Ketzer zu empfehlen.

Fakten und Fakes

Würde neben den täglichen Tiraden gegen den Iran auch stehen, dass es dort 100 Synagogen gibt, jüdische Schulen, ein jüdisches Krankenhaus und ein den Juden garantierter Parlamentssitz, sprächen die Fakten, die Todenhöfer dokumentiert, gegen die Fakes. Und wenn man über die ungleichen politischen Rechte der Juden im Iran schreibt und zugleich Frage nach den Rechten der arabischen Minderheit in Israel stellen würde oder, noch einfacher, nach den Rechten der muslimischen Minderheit in Deutschland, wäre das schiefe Bild ein wenig gerader.

Vom Wert des Menschen

"Wir können nicht immer wieder in der muslimischen Welt intervenieren. Was wir tun können, ist, sie in Grund und Boden zu bomben", predigt Bill O´Reilly, TV-Idol der amerikanischen Rechten, von keinem Staatsanwalt gestört. Geert Wilders darf den Propheten Mohammed ungestraft einen "Kinderschänder" nennen. Sarrazin behauptet eine angeborene Behinderung unter türkischen und kurdischen Migranten, und kein öffentlicher Ankläger bringt ihn wegen Volksverhetzung vor Gericht. Da bittet Todenhöfer, sich einmal vorzustellen, das dies alles über Christen oder Juden gesagt worden wäre. Jeder weiß, dass in diesem Fall eine wache Justiz eingegriffen hätte.

Muslime gegen Terror

In seiner neunten These fordert der Autor die Muslime auf, den islamistischen Terroristen die religiöse Maske vom Gesicht zu reißen. Und Todenhöfer zitiert Mohammed: "Wer einem Juden oder Christen unrecht tut, dem werde ich am Tag des jüngsten Gerichts entgegentreten."

Politik statt Krieg

Was sollte die dumme Weigerung westlicher Politiker, fragt Todenhöfer, "mit missliebigen Politkern wie Arafat, Assad, Saddam Hussein oder Ahmadinedschad persönlich zu sprechen?" Statt die Position des kleinen Säbelrasslers Sarkozy einzunehmen, nach dem es nur die "iranische Bombe oder die Bombardierung des Irans" gäbe, müsse diese Kriegsrhetorik durch vernünftige Gespräche ersetzt werden. Und was selten gedruckt oder gesendet wird: "Auch der Atomwaffensperrvertrag fordert unmissverständlich die Abschaffung aller Atomwaffen. Die aktuellen Kernwaffenstaaten", fährt der Autor fort, "befinden sich alle im Zustand permanenter Vertragsverletzung."

Ein Buch von nur 64 Seiten. Ich ersetze all jenen Mainstream-Redakteuren, allen führenden Anti-Terror-Poltikern und den Spitzen des Verfassungsschutzes, die nachweisen können, dass sie Todenhöfers Buch gelesen und verstanden haben, den Kaufpreis.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 01. Dezember 2011 schrieb Rüdiger Becker:

Ein langer, aktueller Todenhöfer-Beitrag zu Syrien (http://www.berliner-zeitung.de/politik/syrien-reise-in-ein-verbotenes-land,10808018,11219274.html) bekräftigt Ihre Einschätzung der Person. Derweil übt sich die diensttuende Politik bis weit hinein in die LINKE in stringenter Fortentwicklung tradierter Feindbilder. Gleichzeitig befördert man aus unerklärlichen Gründen auf vielerlei Wegen einen islamistischen Halbmond rund um das südliche Mittelmeer. (Medial werden die neuen Kräfte zur Selbstberuhigung durchweg erst mal als "gemäßigte" oder "moderate" Islamisten eingestuft).
Wenn das Wasser den Verteidigern unserer Freiheit am Hindukusch erst richtig bis zum Hals steht, müssen die Taleban sich vermutlich auch einer solchen Kategorisierung unterziehen lassen. Das wird sie gewiss wandeln.


Am 29. November 2011 schrieb Thomas Nippe:

Sehr gut! Ohne Feindbilder läuft nichts. Das ganze westlich-abendländische "christliche" Kultur- und Zivilisationsgebäude ist darauf aufgebaut. Das läßt sich bis zu den Kreuzzügen zurückverfolgen. Dort nahm das säkulare, politische Projekt des Christentums seinen Anfang. Die Fahrten von Christoph Kolumbus 1491/92 setzten dem noch eins darauf. Rauben, Morden, Plündern, Zerstören etc.pp. Dafür hing dann überall ein Kruzifix mit dem "lieben Heiland" daran. Der spanische Großinquisitor Sepulveda sagte im 16. Jahrhdt.: "Es kann nicht nur Frösche, es muß auch Störche geben." Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur Sprache und Ausdrucksweise. Geist, Mentalität und Denken sind geblieben.

Todenhöfer hat schon vor einigen Jahren ein ähnliches Buch geschrieben mit dem Titel: "Ali, warum tötest Du?" Er hat auf eigene Kosten in einer Plakataktion auf dieses Buch aufmerksam gemacht.


Am 28. November 2011 schrieb Wera Blanke:

Besten Dank für den wichtigen Buchtipp!
Aber wieso bei Bertelsmann - braucht der Mainstream ein Feigenblatt?

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