Eine dreckige Lüge

FAIR GAME: Der Film zum Irak-Krieg

Autor: U. Gellermann
Datum: 19. November 2010
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Filmtitel: FAIR GAME
Regie: Doug Liman

Manchmal kann man die USA lieben. Solch einen seltenen Moment beschert der Film "Fair Game". Ein furioser, blendend gespielter und bestens geschnittener Polit-Thriller, der aus der Wirklichkeit kommt. Es ist alles andere als ein faires Spiel, es ist ein Scheiß-Spiel, das mit der CIA-Agentin Valerie Plame und ihrem Mann, dem Ex-Botschafter Joe Wilson, gespielt wird. Es ist ziemlich kurz vor dem Beginn des zweiten Irak-Krieges, ein Krieg, den George W. Bush unbedingt führen musste: Er hatte, anders als sein Vater, noch keinen Irak-Krieg und außerdem wollte er wiedergewählt werden. Was hilft da besser als ein schöner Krieg? Der macht immer eine prima patriotische Stimmung für die gerade amtierende Regierung.

Schnell und intensiv schildert der Film die Eingangsbedingungen ab: Valerie Plame (Naomi Watts) und Joe Wilson (Sean Penn) sind echte, gute Amerikaner. Sie arbeitet undercover bei der CIA, ist fleißig, begabt und hat die Anerkennung ihrer Vorgesetzten. Ihr Mann, Joe Wilson, war Botschafter unter Bush senior, später beriet er Bill Clinton in außenpolitischen Fragen. Er hat ein Schandmaul, aber seine Treue zu den USA steht außer Frage. Leider braucht auch die beste Öffentlichkeit Gründe für einen netten Krieg, und im Fall des Iraks gibt es keine. Aber immerhin gibt es ein Gerücht, von wem auch immer fabriziert: Der Irak habe 50 Tonnen Uran zur Herstellung von A-Waffen in Niger gekauft. Der Afrika-Kenner Wilson wird nach Niger geschickt, um das Gerücht zu prüfen und findet keine Bestätigung. Das ist die falsche Nachricht für die Bush-Administration.

Parallel tauchen Aluminium-Röhren auf, die nie und nimmer zum Atomwaffenbau genutzt werden können. Aber wenn doch der Präsident und seine Truppe gern möchten, dass man sie dazu nutzen kann? In diesem Ping-Pong-Match der amerikanischen Instanzen, zwischen denen, die sachlich nachweisen, dass die Röhren nichts bringen, und denen, die unbedingt nachweisen wollen, dass die Röhren zu gefährlichen Kriegswaffen mutieren können, hat der Film einen ersten großen Höhepunkt. Der nächste ist der, wenn Valerie Plame definitiv herausfindet, dass die alten Atomanlagen des Irak bereits im letzten Krieg zerstört wurden und die daran mitarbeitenden Wissenschaftler an allem möglich arbeiten, nur eben nicht an einem Atomprogramm. Erneut beweist der Regisseur, Doug Liman, wie er mit dem Kampf der Nüchternen und der Kriegs-Besoffenen, den Zuschauer in eine heftige Atemlosigkeit versetzen kann.

Es ist alles so lange her und wir wissen wie es ausgegangen ist: Die dreckigen Lügner haben sich durchgesetzt. Auch weil der Regisseur das unmissverständlich zeigt, ist der Film ein Lichtblick des amerikanischen Kinos. Wenn er demonstriert wie eine manipulierte Öffentlichkeit das frische Märchen - Plame und Wilson seien Verräter - gerne annimmt, nachdem Wilson die Niger-Uran-Lüge aufgedeckt hat. Wie die Bush-Administration mit der Enthüllung, Plame sei eine CIA-Agentin, dutzende Leben gefährdet. Wie die Ehe der beiden an der Schmutzkampagne gegen das Paar zu zerbrechen droht, und wie dann schließlich ein Mann aus der dritten Washingtoner Ebene vor Gericht kommt, um statt Bush, Rumsfeld und Cheney bestraft zu werden. Das ist groß und gut gemacht.

Dem wuchtigen, fulminanten Film ist nicht anzulasten, dass die Kriegsverbrecher Rumsfeld, Cheney und Bush bis heute vor kein ordentliches Gericht gekommen sind. Soweit kann ein Film leider nicht in die Wirklichkeit ragen, auch wenn er nichts anderes macht als eine wahre Geschichte in Szene zu setzen. Aber es bleibt eine kleine Bitte an die deutsche Fassung: Im Abspann sollte Angela Merkel genannt werden, die damals als Oppositionsführerin den Krieg der USA im Irak nachdrücklich unterstützte. Natürlich vom Schreibtisch aus.

Der Film kommt am 25. November in die Kinos.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 22. November 2010 schrieb Theo Jastram:

Was hat denn Frau Merkel mit dem Film zu tun?

Antwort von U. Gellermann:

Ohne Lügner wie Frau Merkel hätte es keinen Irak-Krieg gegeben. Und ohne diesen Krieg nicht diesen Film


Am 20. November 2010 schrieb Rüdiger Hofmann:

Wenn sie Frau Merkels Befürwortung des Irak-Kriegs erwähnen, sollte sie den tollen Westerwelle aus 2001 nicht vergessen: "Wenn der Bundeskanzler mit der Angst der Menschen vor einem Krieg Wahlkampf macht, dann ist das unanständig." Und auch nicht, dass Joschka Fischer nur durch die Koalitionsdisziplin gebremst wurde, seine Militär-Aussenpolitik auch nach Bagdad zu tragen.

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