Ein Gewehr aus Florida für Paris

Kurz-Kalaschnikow in den USA zum Einzelpreis von 460 Dollar

Autor: Jochen Scholz, Oberstleutnant a. D.
Datum: 16. Dezember 2015

Aus dem Englischen aus der "PalmBeachPost"
übersetzt von Jochen Scholz, Oberstleutnant a. D.

Ein bei dem Pariser Angriff verwendetes Gewehr stammte von der Delray Firma.

DELRAY BEACH —  10 Dezember 2015

Ein Gewehr, das aus dem Arsenal eines in Delray Beach angesiedelten Waffenhändlers stammt, ist bei den Pariser Anschlägen verwendet worden, denen 130 Menschen zum Opfer fielen, teilte der Chef des serbischen Waffenherstellers Associated Press mit..
Die Seriennummer der halbautomatischen M92-Maschinenpistole stimmt mit einer überein, die von der Firma Zastava im Mai 2013 an das Familienunternehmen Century International Arms in Delray Beach geliefert worden war, so die Aussage des Händlers Milojko Brzakovic
Wie die Maschinenpistole von Delray nach Paris gelangte, bleibt unklar. Century-Chef Michael Suchner reagierte am Donnerstag nicht auf Telefonanrufe. Die Türen der Firmenniederlassung in der Congress Avenue südlich der Atlantic Avenue in Delray Beach waren verschlossen, als sich TV-Übertragungswagen am Donnerstag Nachmittag dort einfanden.
Angestellte, die zum Feierabend das Gebäude verließen, verweigerten jeden Kommentar. Sarah Levine, die nebenan arbeitet, sagte: "Ich hatte keine Ahnung, dass so nah irgendetwas mit Gewehren oder Waffenhandel vor sich geht.
Century, ein Käufer und Wiederverkäufer von Militärgewehren, die über den Bedarf produziert wurden, ist einer der größten Waffenhändler der USA. Die Firma hat sich darauf spezialisiert, Waffen außerhalb der USA aufzukaufen und an Händler weiterzuliefern. Die im Palm Beach County ansässige Firma importiert bis zu 25 000 Gewehre jährlich allein von der serbischen Firma, berichtete AP.
Zusätzlich zur Niederlassung in Delray Beach hält Century Bundeslizenzen für Feuerwaffen in Georgia, Vermont, einer Stadt mit 4 700 Einwohnern ungefähr 10 Meilen von der kanadischen Grenze entfernt
Die Vermont-Niederlassung hat die Lizenz, Gewehre zu importieren, zu bauen und Zerstörungswaffen zu importieren, darunter großkalibrige Waffen und panzerbrechende Munition. Das Unterhemen verkauft auch seine eigene Marke, "Rote-Armee-Standard", die in Fabriken hergestellt wird, die aus der Zeit des Kalten Krieges stammen.
Dies ist nicht das erste Mal, dass Century in die Schlagzeilen gerät.
2011 berichtete die Palm Beach Post detailliert, wie die Firma florierte - mit dem Handel von Pistolen, Scharfschützengewehren und Angriffswaffen, zum Teil mit Hilfe "nicht-autorisierter Händler". Die Quellen waren geheime diplomatische Telegramme, die von Wikileaks veröffentlicht worden waren, einer internationalen Organisation, die geheime Informationen öffentlich macht.
Eines dieser geheimen Telegramme zeigte detailliert auf, wie im Kalten Krieg gespendete Gewehre aus der Zeit des 2. Weltkrieges illegal ihren Weg aus einem Lagerhaus der Regierung von Guatemala für 130 Millionen Dollar zur Firma Century Arms fanden.  
Ein israelischer Waffenhändler und häufiger Mittelsmann für Century Arms half bei der Transaktion amerikanischer M-1 Gewehre, wie aus den Telegrammen hervorging.
1987 sagte John Rugg, ein ehemaliger Polizeibeamter und langjähriger Angestellter bei Century Arms vor einem Senats-Ausschuss aus, dass die Firma daran beteiligt war, die Contras in Nicaragua während des Iran-Contra-Skandals in den 1980er Jahren mit Waffen zu versorgen, darunter Raketen und Granaten.
2011 berichtete das "Zentrum für öffentliche Integrität" , dass das in Rumänien produzierte Century Arms Gewehr WASR-10 die Lieblingswaffe des mexikanischen Drogenkartells geworden sei und hunderte von ihnen in den zurückliegenden Jahren mit Verbrechen in Mexiko in Verbindung gebracht worden waren.

Mindestens sieben der in Paris am 13 November benutzten oder danach entdeckten Waffen sind als von einer Firma in Mittelserbien produziert identifiziert worden. Die Mehrzahl wurde vor dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren hergestellt, die meisten sind modifizierte Versionen der sowjetischen AK-47, manchmal auch als Kalaschnikow bezeichnet.
Tatsächlich kauft die Firma Century Arms traditionell Waffen in Osteuropa. 2004 stoppten italienische Behörden zeitweise den Transport von 7 500 AK-47 von Rumänien für Century Arms. Und das "Zentrum für ....."(s. o.) berichtete, dass Century sogar lange vor dem Sturz des kommunistischen Diktators Nikolai Ceausescu bereits intensive Geschäftsbeziehungen in Rumänien hatte.
Century Arms verkauft an Einzelpersonen oder Unternehmen mit einer Bundeslizenz für Feuerwaffen über seine Website, über die der Wiederverkauf an ein Netzwerk von Händlern gesteuert wird.
Tom Cash, ein ehemaliger Sonderermittler der Drogenbekämpfungsbehörde für die Karibik und Florida meint, dass es den Behörden dadurch ermöglicht werde, zurückzuverfolgen, wer das Gewehr gekauft hat.
Der Käufer könne jedoch jedermann sein, weil es keine Beschränkungen für eine solche Lizenz gebe.
William Hartung, ein Politik-Analyst am Center for International Policy in New York stimmt ihm zu, dass es keine Garantie dafür gebe, dass die Waffe in die falschen Hände gerate, auch wenn der Käufer im Besitz einer Lizenz sei. "Manchmal kauft sie jemand mit einer legalen Lizenz, verkauft oder verliert sie" sagte er. "Dafür gibt es Beispiele."
Marc Adler, Präsident der in Bota Ranca ansässigen Consultingfirma Allen Adler sagt, dass das Außerlandesbringen eines Gewehres mit haufenweise Bürokratie und der Genehmigung durch Bundesbehörden verbunden ist.
"Der Export von Feuerwaffen ist intensiv reguliert", sagt Allen, der in Frage stellt, dass die Waffe das Land auf legalem Wege verlassen haben könnte. "Ich kann mir nur vorstellen, dass es auf irgendeine illegale Weise geschah."
Brzakovic, der serbische Vertreter der Firma sagte, dass alle Waffen, die Verbindung zu den Pariser Angriffen haben, legal geliefert wurden, einschließlich derjenigen an Century Arms.
Dieses Gewehr ist eine Version der AK-47, eines militärischen Kampfgewehres. Das Gewehr wurde als Halbautomat geliefert, es ist jedoch nicht bekannt, ob es zu einer automatischen Waffe umgebaut wurde. Die sogenannte "Kurz-Kalaschnikow" steht bei US-amerikanischen Händlern zum Einzelpreis von 460 Dollar zum Verkauf.
Die M92 Maschinenpistole, sagt Brzakovic, "ist eine halbautomatische Waffe für Jagd und Sport....sie kann nicht Dauerfeuer schießen, nur Einzelfeuer, das ist legal in Amerika."
Von den anderen Gewehren im Zusammenhang mit Paris "wurde eine 1993 nach Bosnien verkauft, eine nach Skopje, Mazedonien, im Jahr 1987, eine nach Golubici in der Nähe von Knin (Kroatien) 1987, eine nach Zagreb 1987", sagte er AP
Brzakovic sagte, es wäre falsch, seiner Firma Zastava vorzuwerfen, sie verkaufe Waffen an Terroristen. 
"Hier landeten die Waffen, dort sind die Daten. Zastava kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wohin sie danach gingen," sagte Brzakovic
Aber er stimmte ebenfalls zu, dass es einen unzulässigen Waffenverkauf gegeben haben könnte, nachdem die Waffen legal geliefert worden waren
"Wo immer es Kriege gibt, sind die Möglichkeiten für Mißbrauch größer und die Möglichkeiten da, verdeckte Kanäle für Gewehre aufzumachen. Sie landen dann dort, wo sie nicht landen sollten", sagte er. 
“Wherever there are wars, there are bigger possibilities for abuse and to hide the channels for guns. They end up where they shouldn’t,” he said."

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