Die unbewältigte Sprache des Joachim Gauck

Wie die Deutschen Brasilien mal "niedermachten"

Autor: Daniela Dahn
Datum: 18. August 2014

Reflektiertes Erinnern geht nicht ohne Sprache. Dabei ist es nicht ohne Belang, ob der Sprechende sich zu den Besiegten oder zu den Siegern rechnet.

Im Sport gibt es da, anders als in der Politik, klare Kriterien: 7:1, Deutschland gegen Brasilien. Was für ein demütigendes Ergebnis vor der ganzen Weltöffentlichkeit für die Gastgeber, die oft ein sorgenvolles Dasein fristen. Und sich mit dieser Fußballweltmeisterschaft 2014 so viel Hoffnung auf etwas Freude und Stolz gemacht haben. Brasilien war bereit, aus der Staatskasse viel Geld für die Fußballfans aller Welt zu zahlen. Geld, das im Lande, in dem der Hunger nicht besiegt ist, anderweitig gebraucht worden wäre, wie zahlreiche Proteste bewußt machten.

Wer hierzulande auch nur ein wenig Mitgefühl und Empathie für die Situation in Lateinamerika aufbringt, wird sich gesagt haben, daß ein knapperer Sieg im Halbfinale den an Selbstbewußtsein nicht mangelnden Deutschen auch gereicht hätte. In einem Wettstreit, bei dem es durchaus darauf ankommt, wer sich in der ganzen Welt teuerste Spieler, Trainer, Trainingslager, Ausrüstungen, Lobbyisten, Sportmediziner, Ernährungswissenschaftler und wer weiß was alles, leisten kann. Und bei dem die Brasilianer durch ein gefoultes K.o. ihres besten Spielers schon Pech genug hatten.

Welche Worte fand der deutsche Bundespräsident angesichts dieser Situation? Als es im Endspiel gegen Argentinien knapp wird, gibt er zu: „Ich war so emotional bewegt.“ Daß dies auch die andere Seite gewesen sein könnte, scheint ihm nicht in den Sinn gekommen zu sein: „Das war ein Nervenspiel, ich habe so gezittert und gebebt und mich gefragt: Wo ist die Mannschaft, die Brasilien mit 7:1 niedergemacht hat?“ Niedergemacht? Aus welchem Vokabelheft hat er denn das? Dagegen wurde kein Wort des Respekts oder der Achtung vor der Leistung der Brasilianer oder Argentinier bekannt. Nur ein Dank an Gott, daß es doch noch „geklappt“ hat. Wie sehr die lateinamerikanischen Katholiken mit ihrem Gott hadern mußten, war ihm offenbar egal. Ein Christ ohne Erbarmen?

Die ins Triumphgeheul einfallenden Großmedien ließen das unhinterfragt durchgehen. In den sozialen Netzwerken und Leserkommentaren gab es Unwillen. Auf Spiegel online erklärte ein Blogger, dieses Gauck-Interview sei der „Tiefpunkt des Abends“ gewesen. Angesichts einer getwitterten Fotostrecke von Regierungssprecher Seibert zum Besuch von Merkel und Gauck in Buenos Aires twitterte eine Studentin zurück: „Ich würde die mächtigste Frau der Welt und den klerikalen Kasperl aus dem Osten jetzt lieber in Gaza sehen.“ Breit diskutiert wurden die Flugkosten der Reise angesichts der enormen Staatsverschuldung in Deutschland. Der Papst als Argentinier sei vernünftiger gewesen.

Aber niemand hat, soweit ich sehe, den propagandistischen Gehalt des Wortes „niedermachen“ analysiert. Kein Journalist und kein Blogger hat sich daran erinnert, daß es sich um ein Lieblingswort aus dem „nazistischen Lexikon“ handelt. Victor Klemperer schreibt in seinem „LTI“: „Dem Verbum ´niedermachen´ merkt man die Wut auf den Gegner an.“ In den Heeresberichten sei es zu einer stereotypen Phrase geworden. Dort werde immer wieder darauf hingewiesen, „daß Banden keinen Pardon erhalten; besonders der ständig anschwellenden französischen Résistance gegenüber heißt es eine Zeitlang regelmäßig: soundso viele wurden `niedergemacht´“.

Klemperers Beispiele lassen sich mühelos ergänzen. Der „Führer“ persönlich hat sofort nach dem Reichstagsbrand den führenden Ton angegeben: „Wir kennen kein Erbarmen, wer sich uns in den Weg stellt, wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein Verständnis haben. Jeder kommunistische Funktionär wird erschossen, wo er angetroffen wird.“

Auch die Information Nr. 321/2014 der Bundeszentrale für politische Bildung scheint dem Bundespräsidenten entgangen zu sein. Über die Soldaten der Wehrmacht heißt es dort: „Mit der größten Selbstverständlichkeit sprachen sie von `umlegen, `abknallen und `niedermachen´ . Und zwar in einem Ton, als ob heute jemand von Meetings im Geschäftsleben berichtet.“ Oder eben vom Fußball.
Wie sehr die Sprachregelung auch die Geistlichen erfaßt hatte, läßt sich an der 1940 erschienenen Menge-Bibel ablesen. Luther ließ bis dahin Jesus in einem Gleichnis (Lukas 19,27) auch nicht gerade menschenfreundlich fluchen: „Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir.“ Hermann Menge, der bis zu seinem Tod 1939 Revisionen an seiner Übersetzung vornahm, legte Jesus in den Mund: „Doch diese meine Feinde, die nicht wollten, daß ich ihr König werde, bringt her und macht sie nieder vor mir.“

Niedermachen – nur ein Ausrutscher des emotionalen Pastors Gauck, den man nicht überbewerten sollte? Vielleicht. Wer aber selbst seine Prägungen so stark aus familiären Erfahrungen ableitet, wird nicht überrascht sein, wenn man sich fragt, welche Sprache der kleine Joachim von seinen Eltern, die er NSDAP-Mitläufer nennt, aufgenommen hat. Als Offizier der Kriegsmarine kannte sein Vater die Heeresberichte. Als er nach dem Krieg von einem sowjetischen Kriegstribunal verurteilt wird und für vier Jahre nach Sibirien verschwindet, wird Onkel Gerhard das große Vorbild des siebenjährigen Joachim, die „Richtschnur für sein Leben“. Gerhard Schmitt war zunächst Gruppenführer der SA beim Amt für Ausbildungswesen. Später wurde er Wehrmachtsoberpfarrer für den gesamten Marineabschnitt Ostsee. Auch ihm wird die Lingua Tertii Imperii nicht fremd gewesen sein. Seinen allgegenwärtigen Antikommunismus hat der Onkel jedenfalls über die ganze Zeit als DDR-Kirchenfunktionär gerettet. Joachim Gauck hat ihm immer die Treue gehalten. Als Bürgerrechtler Anfang November 1989 für ein besseres Reisegesetz auf die Straße gingen, hatte der privilegierte Gauck einen dringenderen Termin. Wie schon mehrfach zuvor, reiste er mit Hilfe der Stasi in den Westen. Diesmal zum 80. Geburtstag von Onkel Gerhard. Kein Kind kann für seine Verwandtschaft, aber inzwischen war Joachim groß geworden und für sein Tun und Sprechen selbst verantwortlich.

Als Bundespräsident reist Joachim Gauck nun auffällig oft zu den Stätten, an denen der deutschen faschistischen Greuel gedacht wird. Das ist ehrenwert. Wie Bundespräsident Wulff reiste er nach Yad Vashem. So wie vor Angela Merkel kein Kanzler im KZ Dachau war, war vor Gauck kein Bundespräsident in Oradour-sur-Glane. Eine Spätfolge des angeblich verordneten DDR-Antifaschismus? Oder späte eigene Einsicht? Man würde es gern glauben. An Bescheinigungen für Gaucks Glaubwürdigkeit fehlt es jedenfalls nicht. Oder ist dies geschickte Taktik seiner Berater, die womöglich Äußerungen aus seiner vorpräsidialen Zeit vergessen machen wollen?

Etwa ein Erinnern an seine Rede im Mai 2004 in der NS-Gedenkstätte Torgau, die auch die Opfer des Massakers in Gardelegen ehrt. Noch im April 1945 wurden dort über 1000 lästig gewordene KZ-Häftlinge, ganz nach dem Muster von Oradour, von der Waffen-SS und ihren Helfern bestialisch in einer Scheune verbrannt. Doch Joachim Gauck wollte die Gedenkstätte gleichwertig auch für vermeintliche Opfer des Stalinismus öffnen. Der Zentralrat der Juden und in Torgau von den Nazis inhaftierte Deserteure protestierten vergeblich. Geehrt werden sollten unter anderem die NSDAP-Funktionäre Walter Biermann und Arno Brake, die an dem Kriegsverbrechen in Gardelegen aktiv beteiligt waren und dafür vom sowjetischen Militärtribunal in Torgau zum Tode verurteilt wurden. Daß die nur einen Tag nach dem Massaker in Gardelegen eingetroffenen amerikanischen Truppen vor Entsetzen, wie Augenzeugen schilderten, 20 beteiligte NS-Männer an Ort und Stelle erschossen, erwähnte Gauck selbstredend nicht. Vollstreckte Todesurteile gegen Naziverbrecher sollen stalinistisches Unrecht bleiben. Weshalb auch die Kanzlerin in Dachau tunlichst vermied, die 268 vollstreckten Todesurteile der Amerikaner nach den „Dachauer Prozessen“ gegen die Hauptverantwortlichen im Holocaust zu erwähnen. Selbst nach 70 Jahren bleibt in Deutschland die Erinnerung an die Aufarbeitung von NS-Verbrechen selektiv.

Die Überreste der Kriegsverbrecher Walter Biermann und Arno Brake wurden im Juni 2003 auf dem Hallenser Gertraudenfriedhof mit Stelen und „ewigem Ruherecht“ geehrt. Im gleichen Jahr plädierte Joachim Gauck zugunsten eines neu entfachten Nationalstolzes dafür, nun, da wir unsere Hausaufgaben in Sachen NS-Aufarbeitung hinreichend gemacht hätten, da wir „neurotisch auf der Größe unserer Schuld beharren“, auch daran zu denken, daß nicht alle Täter waren.

In seinem verquasten Vortrag „Welche Erinnerung braucht Europa“ empfand Gauck 2006 das Gedenken an den Holocaust in seiner „Einzigartigkeit überhöht“, fürchtete, es könne „quasireligiös“ werden. Und somit „dem Verstehen“ entzogen werden. Man kann den, auch zum Scheitern verurteilten, Versuch machen, die perfektionierteste Massenmordmaschine der Weltgeschichte erklären zu wollen. Bei diesem Wahn wird immer ein unerklärbarer Rest bleiben. Kann man angesichts dessen den Holocaust gar verstehen? Verstehen setzt eine nachvollziehbare Motivation voraus. Man muß diese dann nicht teilen, aber eben doch verstehen. Christlicher Antijudaismus, die Wurzel des Antisemitismus, wird zur Erklärung hinzugezogen, aber doch nicht zum Verständnis. Gauck sprach sich jedenfalls gegen eine „ewige Hierarchie der verschiedenen Ausprägungen des Bösen“ aus, weil nämlich die Singularität der Shoah das Aufarbeiten der „Schuld an siebzig Jahren Staatsterror unterminieren“ würde, kommunistischem, versteht sich.

Er war für das „Einbringen neuer Leidensschwerpunkte in den europäischen Diskurs“, so die Schuld der anderen, etwa die französische Kollaboration oder die „Orte mit doppelter Erinnerung“, wie Buchenwald, Sachsenhausen oder Torgau. Bei Dachau setzte seine doppelte Erinnerung schon aus, genau wie bei den übrigen 34 Konzentrationslagern auf deutschem Boden, die die Westalliierten zunächst als Gefangenenlager weiterführten. Sehr präsent war ihm dagegen das „lange vernachlässigte Erinnerungsgut: Deutsche als Opfer“. Dieses Thema sei keine Relativierung, sondern „Zeichen geistiger Gesundung“. Da sprach plötzlich ein Sieger der Geschichte.

Klemperer nannte sein Buch im Untertitel: Die unbewältigte Sprache. Er war überzeugt, „die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein – im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen.“

So dürfen wir auch künftig gespannt sein, aus welchem Fettnapf ergebene Redakteure den in Peinlichkeit getunkten Bundespräsidenten nun wieder herausziehen müssen. „Niedermachen“ werden sie ihn nicht. Da können wir beruhigt sein. Nach zwei herbeipolemisierten Rücktritten von Bundespräsidenten hat der Wunschkandidat der wirtschaftstreuen Großmedien nun Narrenfreiheit. Aller guten Dinge sind nicht drei. Das kann sich der Staat nicht leisten. So werden wir weiter die Luft anhalten müssen, wenn unser derzeitiges Staatsoberhaupt, fern von Formulierungshilfen seines Büros, in freier Rede seinen Emotionen freien Lauf läßt.

Der Beitrag erschien zuerst in der Zweiwochenschrift OSSIETZKY
http://www.ossietzky.net/


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 19. August 2014 schrieb Detlev Blanke:

Ich habe selten einen derart guten Kommentar zu unserem Bundespriester gelesen


Am 19. August 2014 schrieb Gideon Rugay:

@Reyes

Du hast aber auch immer was zu meckern :)

Spaß beiseite: Eigentlich sollte der Seitenhieb auch "der Bewusstloseste aller DEUTSCHEN Sportfans" heißen aber Himmelnocheins, die Interpretationsmöglichkeiten von einmal herausposaunten Kommentaren sind ja auch geradezu mannigfaltig...Geschockt bin ich übrigens von Deiner Darstellung des argentinischen Fußball-Chauvinismus. Als Europäer neigt man ja dazu alles "südamerikanische" klischeehaft über einen Kamm zu scheren und von daher dort überall "Samba bzw. Tango-Karneval in Rio/Buenos Aires" (plus Friede, Freude, Eierkuchen) vorauszusetzen..naja , daß man mit den Argentiniern keinen Schabernack treibt und die richtig bräsig werden können wurde mir schon über den seltsamen Falkland-Krieg und Großbritanniens noch seltsameres neo-koloniales Aufbegehren klar....:)...
(Bitte all das mit einem lachenden Auge zur Kenntnis nehmen, das andere tränt heuer ja schon genug...)


Am 19. August 2014 schrieb curti curti:

Das Gute an der Wortsprache besteht darin, daß es selbst geschulten Kontrolleuren dieses Instruments nicht immer gelingt, ihre Gedanken/Absichten dahinter zu verbergen, soweit sie andere haben als die welche sie vorgeben zu vertreten. Geraten diese Akteure z.B. in die emotionale Falle kommt es zum "Verplappern" wie z.B. dem "Niedermachen", der "marktkonformen Demokratie" oder man beklagt allgemein die Misere, "in einer Demokratie leider auf Wähler angewiesen zu sein"!

Dumm gelaufen, könnte man da meinen, aber ist es das wirklich oder ist es nicht vielmehr auch ein Ausloten wie weit man schon vorgedrungen ist in avisiertes Terrain, wie belastbar der Boden bereits ist unter dem eigentlichen Standpunkt. Muß man insoweit auch nicht mehr "gespannt sein, aus welchem Fettnapf ergebene Redakteure den in Peinlichkeit getunkten Bundespräsidenten nun wieder herausziehen müssen".

Ich denke, diese Spannung ist mittlerweile in Entspannung derjenigen übergegangen, die Spannung und Wut als Konsequenz ihrer Wortwahl und ihres Handelns ehemals zu fürchten hatten. Die Tests sind erfolgreich abgeschlossen. Es gibt offensichtlich kein wirksames Regulativ mehr hier in D, aber auch in vielen anderen prima globalisierten Ländern. Bei sportlichen events und dem damit verbundenen nationalen Rauschzustand mag man dies noch als vernachlässigbar, als Ausrutscher einstufen was ein Gauck da von sich gibt oder wie noch unverhohlener die Nationalmannschaft in Berlin verächtlich zu tanzen beliebt. Dabei zeigt sich in beidem deutlich eine abstruse Gesinnung.

https://www.youtube.com/watch?v=4jYuMsFV2ug

Eindeutig und folgenschwer ist es hingegen in der Politik und hier in der Krise, die u.a. auch beinhaltet das nach oben zu kehren, ins Licht zu stellen, was von interessierten Kreises zuvor eher bedeckt gehalten worden ist. Hier hat das Wort nachhaltiges, verbindliches Gewicht, noch mehr die Tat. Nimmt man dazu z.B. die Ukraine-Krise, deren Entstehung und weiteren Ablauf, die Haltungen der Gegenwart, muß man sehr besorgt sein angesichts der weit überwiegenden Worte, der Taten und all der Bilder, die unverkennbar verdeutlichen zu welchem Ergebnis all das führt, klar und deutlich. Und obwohl es schon längst überfällig ist, auf breiter Gegenfronst Fragen zu stellen die beginnen mit den Worten, die Kleinkindern eingetrichtert wird, nämlich "Wer, wie, was - der, die, das - Wieso, weshalb, warum - wer nicht fragt bleibt dumm", werden sie entweder nicht gestellt weil man als Erwachsener tunlichst all das wieder vergessen soll/hat um funktional/dumm zu sein, oder man stellt fest das es kaum noch jemanden gibt der die vielen Fragen beantworten kann/will. Und die weitere Suche nach Antworten -und dies geht heutzutage fast nur noch mittels internet- kommt einer Vollzeitbeschäftigung gleich.
Mitunter stellen sich dabei Überlegungen ein, wie "angenehm" es doch gewesen ist, die Fragen vergessen und (im negativen Sinne) funktioniert zu haben, "dumm" gewesen zu sein, allerdings unter erheblicher Aufgabe des menschlichen Potentials. Der Blick in diesen Abgrund wiederum stabilisiert und baut weiter auf.

Zusammenfassend - In dem Umfeld, in dem wir uns mittlerweile befinden, ist der "Wortschatz aus dem triefenden Fettnapf" dermaßen glatt poliert, das er offen und unverblümt seinen "Siegeszug" antreten kann und dies auch (M)macht. Und anstatt als Erster im Volke den Geist des verankerten Grundgesetzes zu erfüllen, daheim und unterwegs, anstatt intellektuelle Brücken zu bauen, kombiniert man dieses Amt unverhohlen mit den Niederungen seines Charakters, erfüllt seinen persönlichen Hass und düpiert z.B. Rußland bis hin zur Olympiade dort. Dafür front man ebenso ungeniert der Amtseinführung des ukrainischen Präsidenten, dessen Wahl strukturell kaum als demokratisch legitimiert eingestuft werden kann und dessen Regierung unter Gewaltanwendung eingeputscht worden ist durch faschistische Banden, deren Vertreter jetzt in Amt und Würden stehen. Gauck setzt unverkennbare Zeichen, gefolgt vom rechten Wort zur rechten Zeit am rechten Platz - jetzt wieder salonfähig geworden. Das "Niedermachen" gehört zweifelsfrei auch dazu. Die Sprache ist insoweit bewältigt dadurch, daß er sie wieder offen verbreiten kann und überwiegend Zustimmung erhält.

Widerruf - nur von ein paar Ouerulanten, die ewig Gleichen und nicht zu vergessen Gestrigen. nicht der Rede und damit eigentlich auch keines Wortes wert (gelle Gauck, auf zu neuen Ufern, wir reformieren uns zu Tode, s.a. SiKo in M).

Wie sich das anhört ergibt sich in eindrucksvoll aus einem clip, den ich zur Recherche Gauck entdeckt habe, als dieser zum Bundespräsidenten gekürt werden sollte. Ist vor Vertretern einer Unternehmervereinigung in Spanien, fern der Heimat, wo man mal so richtig die Katze oder besser das Wort aus dem Sack lassen kann über die, die anders sind.

https://www.youtube.com/watch?v=Cq0FVDaXITU&feature=related


Am 19. August 2014 schrieb Reyes Carrillo:

@Gideon Rugay

Ich hatte weiter unten schon versucht gehabt, den sehr speziellen südamerikanischen Fußball-Chauvinismus hervorzuheben. Deshalb ist im Vergleich der „deutsche Fußballfan“ mitnichten der „bewusstloseste aller Sportfans“. Ich finde diese Korrektur in der Tat nicht ganz unwichtig, da es zumindest an dieser Stelle (exklusiv Fußball) das arme, geschundene Südamerika, das sich vor plattem, „bewusstlosen“ teutonischen Chauvinismus fürchten müsste nicht gibt und damit der Realität nicht standhält.
Und was den „Weltmeister“ angeht, habe ich mir aus unverdächtiger Quelle sagen lassen, dass zumindest dieser Titel sportlich gesehen - jenseits aller Emotionen – völlig in Ordnung geht.

Dass ich einmal deutschen Fußball, ja Fußball überhaupt und seinen Chauvinismus „verteidigen“, also zumindest gewichten würde, hätte ich für unmöglich gehalten! Doch wer den argentinischen Fußball mit all seinen Widerwärtigkeiten kennt, der sieht in der Tat mit etwas Milde auf die deutschen Auswüchse.

Dem eigentlichen Inhalt deines Kommentars ist freilich völlig zuzustimmen.


Am 18. August 2014 schrieb Gideon Rugay:

Mein Gott, was hat unsere Nationalmannschaft der telegen mitjubelnden Konkubinen-Kanzlerin und dem gauckelnden Grüß-August bloß für einen Bärendienst erwiesen !!
Hätte man nämlich fast befürchten müssen, dass nun selbst der Bewusstloseste aller Sportfans, der deutsche Fußballfan nämlich, die von unseren Polit-Sandmännchen und den "Brot & Spiele"-Funktionären verklebten Äuglein allmählich öffnet, geben "unsere Jungs" den früher so anmutig um den Ball tänzelnden Brasillianern eine Mordspackung und werden auch noch Weltmeister !!!
Da kann man sich als Deutscher wieder über die Reling der Titanic hangeln und stolz am Bug balancierend sich zum "König der Welt" ausrufen bzw. herbeigröhlen !!
Eeeehjooo ! Die nächste Bundestagswahl ist damit jetzt schon in trockenen Tüchern, ganz egal wer nach der "Sprechpuppe mit Raute" RAN darf...


Am 18. August 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Unter Schmerzen der Wahrheit könnte Deutschland gesunden.
Doch noch ist der Mut dazu nicht gefunden.


Am 18. August 2014 schrieb Tor Habita:

"Die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein - im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen."

Armes Deutschland - Da wünscht man sich doch die Erlaubnis, die Nationalhymna like Jimi Hendrix um `69 anders wieder-zu-geba

Jesus war kein Sozialrebell er ist war und bleibt ein Revolutionär ...

Maschiach, der Gesalbte, der von Gott zur Erlösung aller Menschen gesandte Messias - Teil des dreifaltigen Gottes - Gott-Vater Gott-Sohn und Heiliger Geist.

@ Heinrich Triebstein:

Dann könnte die Einsicht wachsen, dass Mahatma Gandhi der glaubwürdigere Revolutionär war:

Zuerst ignorieren sie dich 

dann lachen sie dich aus 

dann bekämpfen sie dich 

dann gewinnst du

gefällt mir ...

Eigentlich müßte der Bundespräsi davon sprechen Mauern einzureißen und Gräben zuüberwinden, dem `Feind´ ein barmherziger Sameriter in der Not zu sein ...

Er sollte davon sprechen, das er mit Gotteshilfe an der Seite der Bürger steht, die die Mauern der Missverständnisse, Vorurteile und Ängste einreißt und einen Schutzwall aus Liebe und Barmherzigkeit baut. --> KEIN Bürger Deutschlands [Europas] braucht Frontex oder die Geheimorganisation "Gladio"...
Wenn das so weitergeht muß ich mich fragen: "Wann melden wir, Heil Gauck? ..."


Am 18. August 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Ihr Artikel untersucht auf ganz hervorragende, detaillierte Weise einen großen Teil des Gauck’schen Vokabulars und setzt es konsequent in die Kontexte seiner eigenen Biografie und der sie einbettenden Zeitgeschichte. Bravo!

Aber warum um aller Welt müssen Sie nun unbedingt den Artikelaufhänger in diesem „einen Verbum: niedermachen“ wählen? (So aufschlussreich diese Untersuchung auch ist.)

Ich bin keine Freundin von Herrn Gauck, im Gegenteil, ich finde ihn unerträglich, peinlich und letztlich, vor allem auch in seinem Duktus, gefährlich. Gauck ist für mich das Paradebeispiel einer sich selbst als intellektuell komplex erlebenden Selbst- und Fremdtäuschung, der in ihrer banalen Realität jedoch eine unfassbare, gefährliche Dummheit und Gemütsschlichtheit zugrunde liegt. Ich bin zudem eine leidenschaftliche Fußballgegnerin, was vor allem den diesem Massensport immanenten Chauvinismus betrifft mitsamt seinem an diesen Sport adaptierten üblichen Vokabular. Weiters war ich von Beginn an gegen diese Weltmeisterschaft in Brasilien, habe aber natürlich auch anerkennen müssen, dass zu diesem Thema zwei Herzen in der Brust jenes Landes schlugen. Als Argentinierin bin ich darüber hinaus innerhalb eines kollektiven Hardcore-Fußball-Chauvinismus sozialisiert worden, dem Deutschland auch mit 1001 kleinen Tango-Götzes nicht einmal das Wässerchen reichen kann. Das Gesagte betrifft selbstverständlich mehr oder weniger das gesamte Fußballgeschehen auf dem lateinamerikanischen Kontinent, natürlich inklusive des brasilianischen Fußball-Chauvinismus. Natürlich auch seitens so mancher Politiker. Hätte das „Schwellenland“ Brasilien das „Dritte-Welt“-Land Kamerun mit z.B. 21:0 Toren besiegt, dann wäre das Land kollektiv in einen Rausch gefallen und die Afrikaner hätten so manchen typischen, wiewohl demütigenden Chauvinismus ertragen müssen. Ob Frau Rousseff dabei mitgemacht hätte, ist freilich zu bezweifeln. Jedenfalls bin ich, was Fußball betrifft völlig desillusioniert.

Sie schreiben: „Was für ein demütigendes Ergebnis vor der ganzen Weltöffentlichkeit für die Gastgeber, die oft ein sorgenvolles Dasein fristen. Und sich mit dieser Fußballweltmeisterschaft 2014 so viel Hoffnung auf etwas Freude und Stolz gemacht haben. Brasilien war bereit, aus der Staatskasse viel Geld für die Fußballfans aller Welt zu zahlen. Geld, das im Lande, in dem der Hunger nicht besiegt ist, anderweitig gebraucht worden wäre, wie zahlreiche Proteste bewußt machten.
Wer hierzulande auch nur ein wenig Mitgefühl und Empathie für die Situation in Lateinamerika aufbringt, wird sich gesagt haben, daß ein knapperer Sieg im Halbfinale den an Selbstbewußtsein nicht mangelnden Deutschen auch gereicht hätte.“

Ich persönlich kann diese Passagen gut verstehen. Auf der anderen Seite zeigt dieser Text aber eine Form der Überempfindlichkeit, die bei den allermeisten Menschen mehr als nur ein Achselzucken für ihre - so wahrgenommene - Naivität, sondern auch Gelächter auslösen wird. Bei Fußballfans sowieso. Ich könnte auch diese Seite verstehen. Sie wollen doch sicher nicht nur eingefleischte Gauck-Gegner erwecken oder eh schon antifaschistische, linke Zeitgenossen in die Initiation zwingen? Ich befürchte aber, dass mit diesen hochsensiblen Messfühlern kein „normaler“ Mensch in diesem Land zum Nachdenken über Gauck und sein Vokabular gebracht werden kann, eher im Gegenteil. Freilich: Schade, schade! Da Sie letztlich ja völlig Recht haben.

Und schließlich ist dieser auf höchste Empfindlichkeit eingestellte Seismograph den Seismographen unserer Gegner so schrecklich ähnlich: Was malträtiert uns der antikommunistische Gegner nicht ständig mit irgendwelchen Begriffen, die dieser oder jene linke Genosse und Genossin irgendwo mal hat fallen lassen? Zu Cuba, zu Castro, zum Kommunismus, zu Dagobert oder zu Donald. Ich erinnere mich da nur an die Zeit der Linken-Vorsitzenden Gesine Lötzsch und ihren an Masochismus grenzenden Dauer-Spießrutenlauf.
Natürlich ist qualitativ beides nicht gleichzusetzen, trotzdem empfinde ich diese enge Nähe zum Instrumentarium des politischen Gegners als unangenehm und wenig hilfreich. Aber gut, Ossietzky und die Rationalgalerie sind – so betrachtet - dann schon die geeigneten Adressen solcherart Sezierens.


Am 18. August 2014 schrieb Hanswerner John :

…man muß schon das irre Geschichtsbild des früheren Pfarrers Joachim Gauck haben,
als Sohn von Nazi-Anhängern (laut Wikipedia war Mutter Gauck schon seit 1932,
sein Vater seit 1934 Mitglied der NSDAP), … um nicht wahrzunehmen,
derzeit in der Welt, in Europa und Deutschland geschieht.
GAUCK kaspert gerade in AFGHANISTAN "um an der deutschen KRIEGS-FRONT unsere FREIHEIT zu verteidigen“ und "predigt" den "MUT-BÜRGERN in Uniform Sieges-Zuversicht!" (=O-Ton GAUCK!)… also MUT zum MORDEN!


Am 18. August 2014 schrieb Heinrich Triebstein:

Ich biete als Kommentar eine Passage aus "Leben ist mehr als Kapital" von Ulrich Duchrow und Franz Hinkelhammert, Oberursel 2002:


"Man weiß, dass in den siebziger Jahren christliche Fundamenalisten der USA ausgewählt wurden, für den Fall bereitzustehen, dass der Präsident den Befehl gebe, den roten Knopf zu drücken, um den Atomkrieg auszulösen. Man wählte die Fundamentalisten aus, weil man sich bei ihnen sicher war, dass sie den Befehl gehorsam ausführen würden. Ja, sie wünschten einen solchen Befehl sogar herbei, weil sie in der Erwartung lebten, dass `Christus kommt´. 
Atheisten verdienen ein solches Vertrauen nicht. Sie kennen nur dieses eine Leben und setzen es daher nicht so enhusiastisch aufs Spiel."


Wenn christliche Fundamentalisten doch endlich zur Kenntnis nähmen, dass der Jude Jesus von der römischen Besatzungsmacht im Zusammenspiel mit dem jüdischen Establishment als Sozialrebell ans Kreuz geschlagen wurde!
Wenn westliche Politik endlich begriffe, dass islamischer Fundamentalismus Folge westlicher Fremdbestimmung ist!


Wenn islamische Fundamentalisten sich der Erkenntnis öffneten, dass sie den Tätern auf westlicher Seite die Chance bieten, sich als Opfer zu begreifen und ihnen damit jegliche Tötungshemmung nehmen. Dann könnte die Einsicht wachsen, dass Mahatma Gandhi der glaubwürdigere Revolutionär war:


Zuerst ignorieren sie dich

dann lachen sie dich aus

dann bekämpfen sie dich

dann gewinnst du



Am 18. August 2014 schrieb Hans-Werner Cybulski:

Das ist ein Satz von erlesener Gemeinheit: "aus welchem Fettnapf ergebene Redakteure den in Peinlichkeit getunkten Bundespräsidenten nun wieder herausziehen müssen." Bravo!


Am 18. August 2014 schrieb Nele Kottenhöfer:

Das ist ein höchst erhellender Artikel über den Bundespräsidenten. Fakten wie jene aus Torgau oder Dachau, wo auch die Amerikaner Nazi-Unrecht unmittelbar bestraften, waren mir bisher nicht bekannt. Und es ist typisch für Gauck und seine Verbündeten, dass solche Fakten aus der Öffentlichkeit verschwinden.


Am 18. August 2014 schrieb Henner Rottenkamp:

Frau Dahns Text ist - wie zu erwarten - blendend formuliert. IhrVerweis auf Victor Klemperer in Zusammenhang mit Gauck war überfällig: Hinter dem öligen Auftritt des Bundespräsidenten verbirgt sich seine Gewaltbereitschaft, die regelmäßig in der "gewachsenen Verantwortung" mündet.

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