Die Hure und Allah

Ein islamischer Schelmenroman

Autor: U. Gellermann
Datum: 26. März 2013
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Buchtitel: Zorngebete
Buchautor: Saphia Azzeddine
Verlag: Wagenbach

Mit Allah reden? Dieses Gespräch sucht die junge Frau aus einem maghrebinischen Dorf fast täglich. Und was sich höchst gläubig anhört ist ein immerwährendes, heftiges Bekenntnis, auch zu Gott, aber mehr noch zu sich selbst, zur armen, unterdrückten und zornigen Hirtin. "Bei uns ist alles haram", sagt Jbara, die Ich-Erzählerin, "Selbst ich bin haram" stellt sie fest, denn die Wege der Frauen im Islam sind mit Tabus gepflastert. In "Zorngebete" der Autorin Saphia Azzeddine wird von einer Frau über die Frauen im Islam erzählt, und der Glaube kommt dabei nicht gut weg. Trotzdem bleibt Allah das Zentrum der jungen Frau, der alles überwölbende Dialogpartner, einer der häufig angebettelt und manchmal auch gescholten wird.

Angeblich hat Allah den Männern die Macht über die Frauen verliehen: Deshalb vögelt Jbara für einen Becher rosa Joghurt mit einem Mann. Das ist, außerhalb der Ehe, natürlich haram, und weil dem Vögeln eine Schwangerschaft folgt, wird die junge Frau zur Ausgestossenen. Doch ein wenig wird sie auch geschubst: Von dem unglaublichen Koffer der von einem Reisebus herunterfällt. Einem Bus, der die fremden Menschen aus dem Westen durch das karge Land der Hirtin transportiert und der voll ist von sagenhaften Sachen aus Amerika: Lipgloss, Paillettentops und Jeans mit Strass-Steinchen: "Im Grunde genommen eine komplette Nuttenausstattung", weiß Jbara.

In der großen Stadt, der ersten Station Jbaras bei ihrer Reise in eine anderen Welt, wird ihr der Nuttenkoffer gute Dienste leisten. Auch wenn ihre Schulung zur Hure eher privat beginnt - ein kleines Zimmer und ein kleines Gehalt bezahlt sie mit regelmäßigen Blowjobs - wird der pinkfarbene String aus dem Koffer, verborgen unter dem Ganzkörperschleier, zum Symbol ihrer neuen Profession werden. "Ich bin jetzt Geschäftsfrau und mein Körper ist mein Büro", meint Jbara, die  zur Luxushure aufgestiegen ist, und sich jetzt Scheherazade nennt, nach jener Geschichtenerzählerin, die in "Tausend und eine Nacht" einen König gewinnt. Märchen gehen meist gut aus, nicht jenes mit Jbara im Mittelpunkt des Romans.

"Wenn das Nichts bei der Unendlichkeit anruft, ertönt das Besetztzeichen", stellt Jbara fest als sie im Gefängnis landet und fleht: "Allah, antworte mir." Obwohl es keinen Anschluss unter dieser Nummer zu geben scheint, versucht sie es immer wieder. Jbara ist eine Simplicia Simplicissisma, deren Krieg mit den Männern länger als dreissig Jahre dauern wird. Die nicht nachlässt in ihrem Ringen mit und um Allah. Der Autorin Saphia Azzadine ist ein islamischer Schelmenroman gelungen der, wenn er denn von den Frauen des Islam gelesen werden würde, Änderungen herbeiführen könnte. Es sind Fragen wie jene, ob denn im Paradies auf hervorragende Frauen "zweiundsiebzig knackige Kerle mit nagelneuen Schwänzen" warten, die eine Sprengkraft bergen, die der Autorin eine Todes-Fatwa eintragen könnte und dem Buch einen bisher unerreichten Umsatz. 


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 26. März 2013 schrieb Heidi Schmid:

Das Buch von Frau Azzedine muss ich unbedingt lesen... aber wie ist das denn - ich bin zuwenig informiert, ist die Wahl der Bücher für Frauen im Islam nicht auch irgendwie reglementiert? So dass sie gegen "ihren Glauben" verstossen, wenn sie so ein Buch lesen?

Das Buch von Daniela Dahn - der Staat, das soziale Unwesen.... kann das sein, dass es noch nicht auf dem Markt ist? Hab letzte Woche vergeblich versucht, es zu kaufen. Allerdings bei amazon, aber die besorgen ja auch alles, was zu verkaufen ist...
NB: obwohl ich bei amazon kaufe, hab ich mich an den Petitionen gegen deren Unternehmensführung beteiligt.

Und ein Blöder ist der Söder, je nach dem, von welcher Seite man das betrachtet... er ist aber auch ein schlauer Bauer, der sich genau den Mitteln zu bedienen weiß (wer keinen Inhalt hat, wird laut und pöbelt), mit denen er seine schwarz-braunen Genossenfreunde bei der Stange hält und befriedigt... faule arbeitsscheue Leute verfügen oftmals über enorme Ideenvielfalt, wie man sich trotzdem sein Scherflein sichert.
Die Kirche hat er sicherlich nicht gewählt, weil er da viel mehr "Druck von oben" gehabt hätte...


Am 26. März 2013 schrieb Svenja Schmidbauer:

Kritisieren Sie mit Ihrer Rezension nun den Islam oder nicht?

Antwort von U. Gellermann:

Mit Religionen, wenn sie nicht politisieren setze ich mich nicht auseinander: Sie sind Privatsache.

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