Die gespaltene Linkspartei

Eine fast solide Analyse von links

Autor: U. Gellermann
Datum: 15. Mai 2012

Mitten in das Abwärtstrudeln der Linkspartei nimmt eine Gruppe aus der LINKEN (Wolfgang Gehrcke, Diether Dehm, Kurt Neumann, Christiane Reymann, Harald Werner) in der "Jungen Welt" zur Lage Stellung. Die Analyse der Autoren ist weitgehend klug und lesbar. An einem Punkt verweigert sie sich die Einschätzung der grausamen Wirklichkeit: Die LINKE ist gespalten. Wesentlich in sogenannte Reformer und antikapitalistische Linke. Und diese Lager sind auch an Spitzen-Personen festzumachen: Einerseits Dietmar Bartsch, dessen inhaltliche Nähe zur Sozialdemokratie Ergebnis eines eitlen Wunsches nach einem "Auch-Dabei-Sein" gestundet ist: Noch einen Artikel, barmt Bartsch, in der "Welt" (der alten, nicht der jungen versteht sich), einmal im "Stern" sein dürfen, mit SPD-Gabriel sogar. Und alle möglichen Gegner der Linkspartei finden ihn einfach prima, weil sie in seinem Gegner, Oskar Lafontaine, zu recht jene Alternative vermuten, die sowohl im Osten wie auch im Westen Wählerstimmen für die LINKE gewinnen kann. Leider ist Lafontaine, der anders als Bartsch tatsächlich links ist, kaum weniger eitel als sein Gegenkandidat. Denn anders ist seine Forderung, man möge ihm den Parteivorsitz, ohne eine "Kampfkandidatur" faktisch garantieren, nicht zu verstehen. Was würde eine Kampfkandidatur - Lafontaine gegen Bartsch - bedeuten? Sie würde in ihrem Ergebnis deutlich machen, was die LINKE wirklich will: Sich als zweite SPD auf Dauer überflüssig machen, oder als Formation gegen die übergroße Koalition, gegen das Kartell der Banken-Liebhaber und der Eingreiftruppen-Unterstützer antreten.

Es wird Zeit, dass sich die LINKE ihrer inhaltlichen Widersprüche bewusst wird und nicht weiter versucht sie zu verkleistern. Zum Artikel:

www.jungewelt.de/2012/05-15/018.phphttp


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. Mai 2012 schrieb André Camphausen:

Ihre Beschimpfung des realpolitischen Flügels der Linkspartei, insbesondere Ihre Kritik an Dietmar Bartsch geht weit über jedes Maß hinaus. Bartsch und die Links-Realos sind die einzigen, die der Linkspartei eine Perspektive geben können. Ohne Zweifel handelt es sich bei der jetzigen, schweren Lage der LINKEN um das Ergebnis eines West-Ost-Konfliktes, der im Osten die Realpolitiker, die Praktiker sieht und im Westen die ideologisierten Wirrköpfe, die keine Aussicht auf gute Wahlergebnisse und reale Beteiligung an Politik erreichen werden.

Antwort von U. Gellermann:

Die Links-Realos hatten in Koalitionen mit der SPD in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin ihre Möglichkeiten, der Linkspartei eine Perspektive zu geben. Sie waren in ihrer Regierungszeit allerdings kaum von der SPD zu unterscheiden und mussten bei den Wahlen nach den Koalitionen erhebliche Verluste hinnehmen. Die Praxis der "Praktiker" in Berlin brachte sie sogar in Gegnerschaft zu einer veritablen Volksbewegung für die Veröffentlichung der Verträge zu Privatisierung der Wasserbetriebe.

Von Dietmar Bartsch stammen Sätze wie: "Die alte radikale Linke hat sich überlebt" und "Antikapitalismus allein reicht nicht" mitten in der schwersten Krise des Kapitalismus seit langem.

Der West-Ost-Gegensatz ist mit Bedacht über interessierte Medien in die Linkspartei hinein getragen. So, als ob zum Beispiel Sara Wagenknecht und andere Linkspartei-Mitglieder mit ähnlichen Positionen aus dem Westen kämen. Dieses dämliche Geografie-Spiel wird allerdings leider von einer Reihe Links-Realos mitgespielt.


Am 16. Mai 2012 schrieb Katharina Schwabedissen:

Deine Analyse zur Linkspartei ist ein wenig arg kurz gegriffen, oder?

Antwort von U. Gellermann:

Das Wort "Analyse" bezieht sich auf den Artikel aus der Jungen Welt. Mein Vorspann fällt in die Rubrik grober Keil.


Am 15. Mai 2012 schrieb Marion Kasper:

Was soll denn an Herrn Bartsch schlecht sein?

Antwort von U. Gellermann:

Wenig. Aber er ist in der falschen Partei. Oder er ist in der richtigen Partei falsch.


Am 15. Mai 2012 schrieb Gunther Fahrenkamp:

Sie publizieren ja geradezu eine "self fulfilling prophecy" wenn sie eine Spaltung der LINKEN vermuten. Ob eine solche Spaltung den Linken (parteiloser Plural) nützen würde ist fraglich.

Antwort von U. Gellermann:

Die LINKE geht gerade den Bach runter. Gegen den Strom schwimmen hülfe.

Kürzlich...

15. Januar 2018

Privat geht vor Staat

Selbstmord der Linkspartei
Artikel lesen

26. Dezember 2017

Yanis Varoufakis: „Die ganze Geschichte"

Ein Blick in den tiefen Staat der Europäischen Union
Artikel lesen

18. Dezember 2017

LINKE gegen LINKE

Zoff um den Zensur-Senator
Artikel lesen

08. Dezember 2017

Rechts-Staat rettet Bürger

Linker Senator muss Babylon freigeben Zensur-Anwalt Klaus Lederer verliert mal wieder
Artikel lesen

01. Dezember 2017

Der Berliner Zensur-Senator

Klaus Lederer bastelt eine Rechtfertigung
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen