Die Echo-Kammern des Schreckens

Ein linkes Podium zur Medienherrschaft
Rating /Lucke/Gellermann zu Springers Erben

Autor: U. Gellermann
Datum: 25. September 2017

Das hatte sich Uli Gellermann so schön gedacht: Er bittet den Kabarettisten Arnulf Rating und den Publizisten Albrecht von Lucke auf ein gemeinsames Podium, um über die Medienmacht zu reden: Wer hat den Springer-Konzern beerbt, wer bestimmt heute das Weltbild der Deutschen, wer ist heute der Takt-Geber für die Manipulations-Melodie? Mit seinem Eingangsstatement stand für den Mann von der Rationalgalerie fest: Es seien die Öffentlich-Rechtlichen, die der Deutschen Meinung bildeten, wie einst Axel Springer und seine Blätter.

Schnell war Arnulf Rating der Auffassung, dass er Gellermanns Auffassung nicht teilt: Längst seien es Facebook und Co, die den Meinungs-Taktstock schwängen. Und die von Gellermann als Manipulationsverstärker angeführte Schein-Objektivität der Anstalten, galten ihm nichts: Wer an die glaube, der sei eher naiv. Über die große Menge der Naiven im Land mochte der höfliche Rating nicht reden.

Auch Albrecht von Lucke sah die neuen Springers eher im Netz: Dort gebe es Fake-Produzenten wie RT Deutsch. Und heute würden in den elektronischen Echo-Kammern der geschlossenen Netzkreise die Meinungen gebildet. Dass auch und gerade die Anstalten und deren private Konkurrenten Millionen in „das“ Netz investiert haben, dass sie dort massiv jene Meinung Zementieren, die sie über tägliche Ausstrahlung schon verbreiten, schien dem Redakteur der Blätter für deutsche und internationale Politik nicht so bedeutend. Auch die Tagesschau-Echo-Kammern auf den Büro Raucher-Inseln und die geschlossenen Kreise der ZEIT- FAZ- oder SÜDDEUTSCHE-Leser in den besseren Cafés, schienen dem Publizisten nicht wesentlich zu sein.

Zuletzt waren die Öffentlich-Rechtlichen aus dem Visier geraten und das schwer beherrschbare Netz erschien als Bedrohung am Horizont. Eine Botschaft, die sich seit Monaten im Mainstream hält. Denn der findet, dass Konkurrenz das Geschäft verdirbt.

Aber sehen Sie selbst:

https://www.youtube.com/watch?v=R3VHuyDJ1HE


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 26. September 2017 schrieb Spargel Tarzan:

Auf das Netz zu schlagen, heißt in den Pudding hauen, es macht vielleicht Spaß, bringt aber nichts, weil der Schlag zu kurz ausgeführt ist.
Was bleibt, wenn man der Argumentation des Herrn Rating folgt, und das Netz abgeschaltet hat, sich aber an der Situation der Presse und Medien nichts ändert: dann bleibt deren Propaganda unwidersprochen, dann ist jeder Vergleichsmöglichkeit der Boden entzogen und es gibt nur noch die Kartellnachrichten, die der geneigte Leser zu schlucken hat.
Das ist der falsche Ansatz, so bringt man das System in genau den Zustand, den die Kartellmedien anstreben.
Das kann ja wohl nicht wahr sein.
Von Herrn von Lucke will ich nichts anderes erwarten, von Herrn Rating schon. Man muß annehmen er segelt unter falscher Flagge und gibt den BND-Spaßvogel und bekommt seine Weihnachtsgratifikation von Friede & Liz.

Das gerade bei Hart aber Fair abgeht, ist die Verweigerung der Aufarbeitung des eigenen Verschuldens, mehr noch, die Negierung des eigenen Handeln und Tuns und darin im Konsens mit der Politik. So wird man das aktuelle Wahlergebnis niemals verstehen. Aber offensichtlich wollen sie nicht, weil sie es auch nicht können. Dies würde Intelligenz voraussetzen


Am 26. September 2017 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh::

DANKE DIR - ULI GELLERMANN!!!!
Artikel wie dieser stärken das Gefühl,
nicht völlig allein dazustehen,
ganz vielleicht sogar DIE Motivation, weiterzumachen.

Die Rational-Galerie - aber auch Sendungen /Zeitgenossen
wie Volker Pispers - absolut suuper
Georg Schramm - Wilfried Schmickler - Urban Priol -
Hagen Rether - Barwasser - DIE ANSTALT -
Christian Ehring & Co - DIE HEUTE-SHOW -
Arnulf Rating .... ja sogar noch e i n i g e ANDERE mehr.
Die Chance, davon zu profitieren...!

Gäbe es diese Möglichkeiten nicht, wäre es wahrlich schlimm
bestellt in diesen wahrhaft tristen Zeiten....
Denn wenigstens sie bieten Orientierungshilfen.
OHNE sie wäre man vollends verloren .....!


Am 25. September 2017 schrieb Vera Langer:

@ SIERA
Im Video zur Veranstaltung zu "Springers Erben" ist allerdings deutlich erkennbar, dass Herr von Lucke eine intellektuelle Fehlbesetzung war. Allein sein Einwand, es gäbe bei den Öffentlich-Rechtlichen immerhin Aufsichtsgremien, beweist seine Null-Ahnung: Dass die Aufsichtsgremien mit den selben Parteibüchern besetzt sind wie die Intendanzen und Chefredaktionen weiß jeder der sich mich dem Thema ernsthaft beschäftigt hat. Auch Luckes Flucht von den Tagesschau-Fakes zu den RT-Deutsch-Fakes zeigt sein bekanntes primitives Muster: Statt über die eigenen Medien zu reden guckt man lieber in andere Länder. So macht Lucke das übliche Mainstream-Spielchen mit, satt mit einer eigenen Meinung in die notwenige Debatte einzutreten. Ärgerlich.


Am 25. September 2017 schrieb SIERA:

Zu Otto Bismark
Stimme Ihren Ausführungen bis auf die letzten zwei Sätze gerne zu!
Immerhin konnte der „unbefangene Zuschauer“ spätestens im Video erkennen,dass ein versierter Journalist wie A.v.Lucke ein Ablenkungsmanöver fuhr, das zeitweise für Verwirrung sorgte. Herr v.Lucke agierte exemplarisch, wie mensch eine angestrebte sachliche Diskussion ruinieren kann, bzw.,es zumindestens darauf anlegt. Allein dem Galeristen ist Dank geschuldet, der die Diskussion immer wieder auf das Thema zurückführte. Was von Herrn v.Lucke offensichtlich vermieden werden sollte ; Herr Rating unterstütze -absichtlich oder aus Unkenntnis der Tatsachen- Luckes Manöver. -Die „gute Absicht“ aufzuklären ,ist nicht gescheitert, bedarf jedoch eines aufmerksamen Zuhörers.
Zu Hans Rebell-Ion
Ja- armes , verar… tes Deutschland ! Aber es gibt erfreulicheweise noch einige gute Kabarettisten:
siehe „Die Anstalt“ vom 19.9.2017 und alles- s. YouTube – von Georg Schramm und Volker Pispers, die uns hoffentlich nicht zu lange auf sie warten lassen!! Wir brauchen SIE!


Am 25. September 2017 schrieb Jean-Theo Jost:

lieber herr gellermann,
ich habe es nicht geschafft zur ihrer veranstaltung mit herrn lucke u. rating zu kommen. jetzt habe ich mir das video angeschaut u. wurde bestätigt in meiner skepsis herrn lucke gegenüber. 

bestimmt 20 jahre lang waren die "Blätter f. dt. u. intern. Politik" meine geistige nahrung. als jedoch vor ein paar jahren die blätter werbung für "Adopt a Revolution" gemacht haben, habe ich mich beschwert. sie haben sich halbherzig entschuldigt u. gaben mir zu verstehen, dass so was nicht wieder vorkommen würde. ca. 6-8 ausgaben später waren wieder flyer von "Adopt a Revolution" dem heft beigelegt worden. seitdem habe ich sie abgestellt.

mir fiel jedoch schon früher auf, dass mit herrn lucke eine richtung eingeschlagen wurde, die mich verwundert hat, denn es erschienen neben – nach wie vor gute –  immer mehr pro-NATO artikel. das blatt ist seit längerem nicht mehr "die insel der vernunft, in einem meer von unsinn", die es lange zeit war.

mich würde interessieren, warum sie herrn lucke eingeladen haben…?

ganz herzliche grüße
jean-theo jost (schauspieler der Berliner Compagnie)

p.s. ihre artikel sind immer ein geistiger genuß!

Antwort von U. Gellermann:

Seit langem suche ich Gesprächspartner in der Linken zum Thema Medienherrschaft. Albrecht von Lucke habe ich auf Podien anderer Veranstalter zu diesem Thema getroffen und er schien mir durchaus kenntnisreich zu sein. Wohl wissend, dass er und ich in manchen Fragen nicht derselben Meinung sind, hatte ich mir von ihm eine streitbare aber fundierte Position versprochen: Streit kann Ein- und Durchblicke ermöglichen. Dass von Lucke so relativ wenig Ahnung mitbrachte hat mich überrascht.

Die Suche geht weiter.


Am 25. September 2017 schrieb Rudi der Ratlose:

@Uli Gellermann
Sag ich doch! Genauso haben es Lenin, Mao und Castro gemacht! Sie haben Abendkurse und Schülernachhilfevereine gegründet. Das waren ja alles ganz begnadete Seminarleiter!

Diese Überzeugung gehört zur Staatsraison! Erhalten Sie sich die! Deutschland baut darauf!


Am 25. September 2017 schrieb Rudi der Ratlose:

Sie haben so recht! Solange das deutsche Volk dermaßen manipuliert wird, ist eine Veränderung der Gesellschaft vollkommen unmöglich und aussichtslos.

Wie leicht hatte es doch Lenin vor hundert Jahren! Kein Fernsehen, kein Rundfunkt, kaum Zeitungen, die die Bevölkerung verdummten. Auch die Kadeten, Sozialrevolutionäre, Menschewiki und anderen Gruppen hatten ideologische kaum etwas entgegenzubringen und schreckten vor Lügen zurück.

Im Vorfeld des Sturms auf das Winterpalais hatten die revolutionären Arbeiter in Abendkursen die Werke von Marx, Engels und Lenin studiert und sich unter Anleitung hochgebildeter Menschen tiefgründig damit auseinandergesetzt. Insbesondere hatten Sie Lenins Pläne zur Errichtung des Sozialismus bis ins Detail besprochen. Und als dann die Aurora ihre Kanonen abfeuerte, wusste jeder, wo sein Platz ist. Ja selbst die Kerenski-Regierung hatte bereits die Kapitulationsurkunde bereitgelegt und die Herren Unternehmer hatten die Übergabeprotokolle für ihre Betriebe schon geschrieben.
Ach, was waren das für herrliche und einfache Zeiten und wie schwer haben wir es heute!

Aber es hilft nichts! Ehe nicht die Masse des Volkes in diesem Land ideologische hinreichend aufgeklärt ist, kann man nichts machen. Das wäre undemokratisch und würde an den Grundfesten unseres westlichen Systems rütteln. Und das wollen wir doch alle nicht, nicht wahr?

Antwort von U. Gellermann:

Nur wenn die Linke (meint keineswegs nur die Partei) die Menschen direkt anspricht, wenn sie ein politisches Bildungsprogramm begönne und den Kampf mit der Medienmacht aufnähme, dann gäbe es Chancen auf Veränderung.


Am 25. September 2017 schrieb Otto Bismark:

Lieber Herr Gellermann,
nun haben Sie den Salat, alles kein Problem. Nicht die Mainstreammedien sind die Manipulatoren, sondern die im Netz. Natürlich nicht die Netzableger der Öffentlich-Rechtlichen, nein, nur die anderen und expressis verbis natürlich RT. Ich will nicht besserwissern, aber es war abzusehen. Daß ein Herr von Lucke die Sonderstellung der Öffentlich-Rechtlichen völlig ignoriert bzw. abstreitet und insbesondere auch deren Einfluß kleinredet, war absehbar. Nicht absehbar war m.E. allerdings, daß ein Kabarettist Rating das alles nicht so schlimm und allgemein bekannt findet. Ich habe den Eindruck, daß der Schwarze Peter Leuten wie Ihnen zugeschoben wurde. Denn der übergangslose Bezug auf fake news durch v. Lucke gerade an der Stelle, an der von dem Appell der 60 die Rede war, zeigt weiter, daß der das Problem nicht verstehen und bewußt ablenken wollte. Denn gerade dieser Appell ist in den von Ihnen kritisierten Medien ebenfalls nahezu totgeschwiegen worden. Ich denke, daß die mit der Veranstaltung verfolgte gute Absicht hier gescheitert ist. Der Eindruck, der beim unbefangenen Zuschauer bleiben dürfte, entschuldigen Sie bitte, ist doch wiederum der, die Urheber der sogenannten fakes im Netz verfälschen die Tatsachen und leider gehören auch Sie dazu.


Am 25. September 2017 schrieb Hans Rebell-Ion:

Armes Deutschland!, selbst bei seinen Kabarettisten ist kein kritischer Verstand mehr vorhanden!

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