Die AfD kämpft für die Reichen

Ein Abgeordneter der LINKEN analysiert

Autor: U. Gellermann
Datum: 10. März 2016

Es sind nicht wenige Wähler, die von der Linkspartei zur AfD gewandert sind. Oberflächlich betrachtet ist das nicht völlig unverständlich: Beide Parteien haben eine kritische Haltung zur EU, beide werden in der formierten Öffentlichkeit als Oppositionsparteien verkauft, beide gelten als Gegner der aktuellen Regierung. Oberflächlich. Dass die AfD trotz ihrer Schein-Opposition mit der NATO befreundet ist, dass ihre Kritik an der EU eher völkisch als sozial ist und ihre Anti-Merkel-Haltung an dem Tag verschwunden sein wird, an dem Mutti die Abtrünnigen wieder unter ihre Schürze nimmt, ist manchem Wähler nicht bewusst. Vor allem aber gelingt es der AfD, sich als Partei der „kleinen Leute“ darzustellen. Mit dieser plumpen Lüge macht der wirtschaftspolitischer Sprecher Fraktion DIE LINKE, Michael Schlecht, MdB ein für alle Mal Schluss.

In seiner jüngsten Erklärung lässt Michael Schlecht die AfD gern und entlarvend selbst zu Wort kommen: „Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry lehnt den Mindestlohn ab. Er sei „neosozialistisch“ und ein „Job-Killer“, ein Ausfluss „realitätsferner Sozialromantik“, schimpfte Unternehmerin Petry. Geringqualifizierten und „Beschäftigten in den klassischen Trinkgeld-Branchen“ drohe durch den Mindestlohn Arbeitslosigkeit und Armut. Dass Niedriglohnbeschäftigte von ihrem Einkommen nicht leben können - dafür hatte die AfD-Unternehmerin eine Lösung: Lasst die Allgemeinheit zahlen! Die AfD ist für staatliche Lohnzuschüsse statt Mindestlohn, für den die Unternehmen aufkommen müssen.“

Auch bei den Steuern weist Schlecht nach, hält es die AfD mit den Reichen: „Steuerpolitisch orientiert sich die AfD nach eigener Aussage an dem Konzept von Paul Kirchhoff. Der hatte vor einigen Jahren einen dreistufigen Steuertarif vorgeschlagen: Der Spitzensteuersatz von 25 Prozent gilt ab einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro. Das heißt: Wer 25.000 Euro verdient, zahlt 25 Prozent. Wer eine Million verdient auch. Das Steuermodell der AfD bevorzugt damit massiv die Reichen, die bisher maximal einen Steuersatz von 45 Prozent bezahlen müssen. Da dem Staat durch sein Konzept Milliarden-Einnahmeverluste drohen, wollte Kirchhoff auch „Steuerprivilegien“ abbauen. Hierzu zählte er übrigens auch die teilweise Steuerfreiheit von Sonn-, Nacht- und Feiertagsarbeit. „Privilegierte“ wie zum Beispiel Krankenschwestern, werden sich freuen!

Gleich ganz abschaffen will die AfD die Erbschaftsteuer – also die Steuer, die nur die Reichsten zahlen müssen. Denn bei ihnen konzentriert sich das große Geld: Die reichsten zehn Prozent der Deutschen halten laut DGB knapp 70 Prozent des gesamten Vermögens, dem reichsten ein Prozent gehört mehr als ein Drittel. Klar, in solchen Kreisen wird viel vererbt. Immerhin mehr als 200 Milliarden jährlich. Davon bleiben gerade einmal sechs Milliarden beim Fiskus hängen. DIE LINKE will, dass gerade Reiche mehr zahlen und so zum Beispiel bessere Bildung finanziert werden kann.“

Der Analyse von Michael Schlecht sollte unbedingt noch die AfD-Mogelei in der EU-Politik hinzu gefügt werden. Gerade die EU-Kritik mündet bei der AfD in ungebremsten Neo-Liberalismus, wenn sie zum Beispiel in ihrem Programm auf der „Schuldenbremse“ beharrt, jenem Instrument, dass Investitionen verhindert und Staaten wie Griechenland ins Elend stürzt und aus dem ökonomischen Tagebuch eines Milchmädchen stammt. Auch wenn im AfD-Programm formuliert wird „Wir unterstützen nachdrücklich die Positionen David Camerons, die EU durch mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung zu verschlanken“, heißt das nichts anderes als Abbau von Arbeitnehmer-Rechten: Damit die kleinen Leute immer schlanker, und die Großen immer fetter werden. Frau Merkel lässt grüßen. Die AfD ist ein asoziales, völkisches Monster. Wer sie wählt, wählt sich selbst ab.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 18. April 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Eigentlich, so als Laie dachte ich manchmal, wenn ich von der nationalistischen bzw. völkischen Gefahr durch die Rechtsparteien hörte - warum die Panik?
Man müsste sich doch da eigentlich einfach zurücklehnen können.
Denn wie, so wunderte ich mich, sollten die Rechten das denn überhaupt schaffen, gegen die Globalisierungs-Interessen des Großkapitals und der internationalen Eliten, deren Weltvision das genaue Gegenteil ist, völkische Nationalstaaten durchzusetzen?
Gegen die Interessen der Finanz-Eliten kann man ja bekanntlich keinen Blumentopf gewinnen -oder vielleicht mit Putins Hilfe, was ja einige argwöhnen..;-)
Die Eliten würden den Rechtsparteien doch bestimmt nicht erlauben, allzu nationalistische Ambitionen durchzusetzen...

Entsprechend kommt die AFD jetzt im Grunde vor allem spießiger und unverhohlener neoliberal daher, unterscheidet sich aber sonst offenbar nicht grundsätzlich vom mainstream, wirkt eher wie dessen altmodischere nicht weichgekochte Variante.
Wahrscheinlich ist sie in Wirklichkeit so etwa auf Schäubles Linie.
Von wegen deutsche, völkische Souveränität von den USA oder Auflösung der EU!
Aber nicht doch, so etwas wüssten CIA u,a. schon zu verhindern und wir bekämen ganz schnell einen regime-change verpasst...

Die USA und das Großkapital wollen definitiv keine souveränen Staaten, die ihre nationalen Interessen wahrnehmen, statt sich den ihren unterzuordnen. Deshalb z.B. hassen sie Putin. Selten wird thematisiert, dass nationalistische Tendenzen wie die Putins z.B. ja auch eine logische Reaktion auf imperiales Verhalten anderer Mächte sind, gegen deren Expansions- und Destabilisierungspraktiken man sich so zu wappnen versucht. Das scheint mir offensichtlich.
- Es wäre also höchstens eine Art Vasallen-Nationalismus, den die Rechten hier erreichen können, als Vorstufe zum EU-Staat?
. Wenn man dem US-Ideologen Barnett glaubt, geht die Vorstellung der Eliten sogar dahin, nationale und kulturelle Bindungen überhaupt abzuschaffen, nicht aus Humanismus, sondern der leichteren Kontrollierbarkeit und Verfügbarkeit wegen.
Wie würde die Reaktion auf solche Strategien aussehen?

Es ist wohl ein Effekt der Propaganda, dass man "rechts" fast nur noch mit den "Rechten" assoziiert. Den offiziellen Rechten sozusagen, auf die man auch, von den Medien ungestraft, schimpfen darf.
So lenkt man gekonnt vom eigenen Rechtssein ab.
Als letztes Jahr die "faulen Griechen" und andere Südeuropäer von Politikern und Medien übel und rassistisch diffamiert wurden, waren die Rechten al la AFD und Pegida kaum herauszuhören aus dem geschlossenen Chor unseres "politisch korrekten" mainstream - und wo waren da die empörten "Nazi"-Rufe, all derjenigen, die jetzt schon jede Frage bezüglich der Flüchtlingspolitik als rechtslastig bezeichnen??
Diffamiert wird jeweils , wer die Politik der Regierung infragestellt! Das allein ist der Maßstab. Deshalb war Rassismus gegenüber den "faulen Griechen" politisch korrekt und nicht "rechts". Merkel hatte Eigeninteresse an den Flüchtlingen, aber das Leid der Griechen ist ihr bis heute egal.
Leute im eigenen Land sind unsere Regierung sowieso egal. Wie z.B. diejenigen Syrer, die mithilfe unserer Waffen in Syrien umkommen.
Zwischen Umarmungs-Willkommen hier und in Syrien zerbomben lassen ist ja schon ein beachtlicher emotionaler Spagat vonnöten.

Die echte gegenwärtige Gefahr des deutschen Nationalismus kommt nach meinem Eindruck aus einer anderen Richtung,als vom sog. "rechten Rand", nämlich von oben.
Von einem Deutschland, dass im Interesse der Konzerne den übrigen EU-Ländern ihre Politik nach deutschen Werten (Spardiktat etc. )diktieren will, davon träumt, sich "wir sind wieder wer" an die Spitze der EU zu setzen und seine "neue Macht und neue Verantwortung" auch kriegerisch in der Welt zu forcieren, verbunden mit Sozialdarwinismus, Rassismus nach Bedarf und mit Demokratie-Abbau im Innern!
Klingt für mich nach Faschismus.
Ist aber die "politisch-korrekte"Linie des mainstream, dazu braucht es noch nicht mal rechtsradikale Parteien. Aber wenn da etwas rechts von einem ist, erscheint man selbst linker.
Man sollte lieber die etablierten Rechten im Anzug fürchten, die sitzen wo die Macht ist, statt mit dem Hexenhammer über Springer-Presse verbildete rustikal tönende Stammtischhelden in der Provinz herzufallen oder über die Omi, der "so viele Fremde auf einmal" ein bisschen unheimlich sind. Aber letzteres ist leider das Lieblingsschlachtfeld so mancher Linker. Dieser Gegner ist halt greifbarer und man will ja auch mal Erfolgserlebnisse.


Am 16. März 2016 schrieb Albrecht Storz:


@Gerhard Wirth

"Die Linke redet zwar ständig von einer gerechteren Umverteilung, doch ein tragbares Konzept ohne die Kapitalflucht der Wirtschaftsmächtigen einzuleiten hat auch die Linke noch nicht vorgelegt."

Mein Tipp: lasst doch die Wirtschaftsmächtigen fliehen (mit ihren Steuern machen sie es ja sowieso schon). Sollen sie doch sehen wo sie auf der Welt deutsche Infrastruktur und Ausbildungsstandards finden - ohne dass dort schon alles von anderen besetzt wäre.
Wirtschaftsmächtige, die das von den Steuerzahlern finanzierte System nur ausnützen und bescheißen brauchen wir nicht wirklich.
Ich halte dieses Argument, das wohl auch in der SPD ("Sozial ist was Arbeit schafft") als wirkungsvolles Volksverdummungsmittel sehr hoch gehandelt wird, für völlig gegenstandslos.
Die Wirtschaftsmächtigen werden aber leider auch eher kämpfen (zB ?Wenn in Amerika ein Klassenkampf tobt, ist meine Klasse dabei, ihn zu gewinnen.? Warren Buffet) als fliehen. Ich würde sogar behaupten: anders als in diesem Krieg befangen kann man die aktuelle Lage hier in Deutschland gar nicht verstehen.
Die "Willkomenskultur" der Bertelsmannstiftung und des BDA ist übrigens ein Puzzle-Steinchen bei diesem Krieg. Viele Linke tappen auch da wieder den Neoliberalen in die Falle. Ähnlich wie schon beim EU-Projekt.


Am 15. März 2016 schrieb Die Kuh der Volksmusik:

Schöner Kommentar von Hr. Schlecht, er übersieht dabei nur, dass die Wahl-Kampagnen der LINKEN seit Jahren eigentlich immer wieder in die Hosen gehen. Sich jetzt an der AfD abzuarbeiten ist zwar löblich, da er die brennenden Fragen anspricht, ist aber zu kurz gesprungen. Die LINKE hat leider das Thema soziale Gerechtigkeit und Ursachen im Wahlkampf seit Jahren vernachlässigt. Ironie a´la "Reichtum für Alle" zieht nicht, weil nicht verstanden. Genausowenig wie unser "Frauenversteher" & "Ich kann, ich will, ich werde"-Mini-Cäsar Gallert in Sachsen-Anhalt (lieber nicht abgekürzt). Wo bleibt die Kampagne der LINKEN, den Leuten mal Alternativen aufzuzeigen oder die Wahrheit vor Augen zu führen?

Einfaches Beispiel für ein Wahlplakat:

Geteiltes Bild... links s/w... Überschrift Deutschland 1931... Abbildung Schlange vor Suppenküche... rechts... bunt Ü: Deutschland 2016 ... A.: Menschenschlange vor Tafel...

Slogan.... Für Soziale Gerechtigkeit....Abschaffung von HartzIV!

Wo ist ein John Heartfield, wenn man Ihn braucht?


Am 14. März 2016 schrieb willi uebelherr:

Der Kommentar von Ute Plaas ist einfach grossartig. Mein Glueckwunsch der Rationalgalerie, solche LeserInnen und KommentatorInnen zu haben. Da kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.


Am 11. März 2016 schrieb Ute Plass:

Die Analyse von Michael Schlecht finde ich nicht schlecht, aber auch nicht direkt gut.
Sich ständig an Motiven anderer Parteien und Gruppierungen abzuarbeiten reicht nicht.
Mir fehlen offene und deutliche Debatten um das, was “echte Demokratie” heißt und wie
Wege zum guten Leben für ALLE aussehen könnten?!
Parteien streben nach Parteienherrschaft und bedienen zwecks Stimmenzuwachs entsprechendes Klientel. Vermutlich ging die Partei DIE LINKE auch deshalb ganz schnell auf Distanz zur eigenen Idee, die Gesine Lötzsch damals wagte laut auszusprechen um über Wege zum Kommunismus zu debattieren?!
Dass Visionen, Utopien, Träume wohl kaum im Dickicht von instrumenteller Macht gedeihen, darüber wäre zu reden gewesen (und ist es immer noch). Das (Reiz) Wort Kommunismus braucht dabei gar nicht im Munde geführt werden, sondern wichtiger wäre Sprech Orte zu schaffen, damit Menschen sich artikulieren und austauschen wie die Wege zum guten Leben für ALLE aussehen könnten.
Denke wie Uli Gellermann, der auch auf außerparlamentarische Opposition setzt, die den Parlamenten Beine machen kann.
Wenn der Wahlerfolg einer AfD mit einem (Negativ)Thema gelungen sein soll, warum
fokussiert sich die Partei DIE LINKE nicht auf zwei-drei konstruktive Kernthemen die alle Menschen betreffen (z.B. Direkte-re Demokratie, repressionsfreie Existenzsicherung für ALLE, Bildung..) und lehrt Menschen sich selbst zu regieren, anstatt den Beweis einer sog. Regierungsfähigkeit antreten zu wollen?


Am 11. März 2016 schrieb Heinrich Triebstein:

Die AfD wächst auf dem Mist, den die NED (Neoliberale Einheitspartei Deutschlands)gemacht hat. Gegen die -gidas standen - außer in Dresden - überall mehr Leute auf der Straße als Anhänger und Mitläufer. Diese Mehrheit könnte eigentlich anfangen zu sagen, WOFÜR sie ist. Denn: Gewählte schwören bei ihrem Amtsantritt NICHT, Banken zu retten, sondern Schaden vom Volk zu wenden und seinen Nutzen zu mehren. Es kann sein, dass ich mich wiederhole, aber der Keynesianer Robert Skidelsky uns sein Sohn Edward, Philosoph, nennen sieben Basisgüter, zu denen ALLE Menschen Zugang haben müssen: Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft, Muße.
Die Grundgesetzartikel 1, 2, 3, 14, 15, 20 und 20a sowie der Artikel 22 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948
(Recht auf soziale Sicherheit) bieten eine Grundlage für alle Verfassungspatrioten, sprich Demokratinnen und Demokraten, um der strategisch blinden und hektisch fehlentscheidenden GroKO Feuer unter ihrem Hauptdenkwerkzeug zu machen.


Am 10. März 2016 schrieb Heinz Schneider:

Natürlich ist gegen Michael Schlechts Analyse nichts einzuwenden. Aber: Zwei Drittel der AfD- Wähler (das-innen kann hier entfallen) wählt diese Partei, weil er mit den Anderen unzufrieden ist. Nur ein Drittel ihrer Wähler identifiziert sich also in irgend einer Weise positiv mit dieser Partei.
Die AfD - Wähler kommen auch überwiegend aus der Mittelschicht, sie sind über 24 und unter 60 Jahre alt. Über 25% Steuersatz fällt bei schon einem zu versteuernden Jahreseinkommen über 17.000? an. Ich fürchte, die richtige Analyse geht ins Leere.

Nun ist vollkommen klar: Im Jahr 2014 ist das Weltsozialprodukt um 3 Billionen US-Dollar gewachsen, das private Finanzvermögen aber um 17 Billionen USD. Da ist mit ein bisschen Korrektur nichts mit Frieden und nichts mit Bekämpfung von Fluchtursachen.

Es hilft aber auch nichts, sich an der AfD abzuarbeiten. Es mangelt eher an nachvollziehbaren, glaubwürdigen und umsetzbaren Politikangeboten von Links.


Am 10. März 2016 schrieb Lutz Jahoda:

URSACHENFORSCHUNG
(auch als Abzählreim zu verwenden)

Auf der morschen Jenseitsmauer
hockt noch immer Adenauer
samt der aufgewärmten Brut,
was uns heut noch schaden tut.

NPD und AfD.
Schmerzen bis zum großen Zeh.
Ach, wie sich die Bilder gleichen:
Keine guten Zukunftszeichen!

CDU und SPD,
Abstieg tat schon immer weh.
Schmerzlich ist es, so zu sühnen,
bitter auch der Weg der Grünen.
CSU - raus bist auch du!
Winke, winke, winke!
Übrig bleibt DIE LINKE!


Am 10. März 2016 schrieb Gerhard Wirth:

Das die AfD stark wurde ist alleine auf die Unfähigkeit der Regierungsparteien zurückzuführen. In Deutschland wird keine Flüchtlingspolitik, sondern ausnahmslos Migrationspolitik betrieben. Flüchtlinge nach den Genfer Konversationen aufzunehmen ist die Pflicht eines jeden Staates und jeder vernünftig denkende Mensch sollte hierbei die Politik unterstützen. Doch Deutschlands verantwortliche Politiker wollen jeden Flüchtling zum Migranten erklären, mit allen verbundenen Sozialleistungen und dauerhaften Bleiberecht. Es ist eine Ideologie die kein Staat auf Dauer verkraften kann. Integration und Migration funktioniert nur mit Quoten, die einem Sozialstaat (falls Deutschland überhaupt noch so zu bezeichnen ist) nicht überbelasten. Natürlich kann bei einer gerechteren Umverteilung der vorhandenen Geldmengen ein größerer Anteil von Flüchtlingen zu Migranten erklärt werden, doch welche Partei will denn überhaupt eine gerechte Umverteilung? Die Linke redet zwar ständig von einer gerechteren Umverteilung, doch ein tragbares Konzept ohne die Kapitalflucht der Wirtschaftsmächtigen einzuleiten hat auch die Linke noch nicht vorgelegt. Aus dieser Angst heraus, dass der Sozialstaat in Deutschland durch eine politisch gewollte Übermigration großen Schaden zugefügt werden kann wählen selbst Personen die normalerweise linke Positionen vertreten die AfD. In der derzeitigen Lage, wie sich die verantwortlichen Politiker zurzeit darstellen, ist es auch keinem zu verdenken. Auch wenn die Ziele der AfD keinesfalls den Vorstellungen des linksorientierten Bevölkerungsteils entsprechen.


Am 10. März 2016 schrieb Alles nur Satire:

@ Reiner Wein (treffender Nick)
Nichts gegen ihre Stellungnahme einzuwenden. Treffende Beschreibung der Mitte (die ich nicht mehr als Mitte, sondern in weiten teilen als Rechts ansehe). Glaube aber trotz ihrer korrekten Einlassungen, das ein großer Teil der AfD-Wähler gerade im Osten, sich aus dem Prekariat rekrutiert.
Für BaWü und RP mögen sie Recht haben. Aber darum geht es ja nicht, sondern um die erschreckende Manipulierbarkeit der deutschen Wähler.


Am 10. März 2016 schrieb nora schmitz-gharbi:

Sie schreiben das es nicht wenige Wähler gibt , die von der Linkspartei zur AfD gewandert sind , die ehemals linken Wähler fühlen sich von den Linken eben nicht mehr vertreten.Es ist traurig nicht der Wähler hat sich von der Links Partei abgewendet sonder die Links Partei vom Wähler. Gleiches gilt für die CDU und CSU. Der SPD verzeiht der Wähler die Agenda 2010 nicht. Die Neoliberale Banksterwirtschaft welche sich die etablierten Parteien gekauft hat tut natürlich ihr übriges dazu. Somit sind dann die Linken Parteien unwählbar als auch die von Lobbyisten gekauften Parteien der politischen Mitte. Ich fürchte die die AfD wird nicht nicht wegen ihrer Inhalte gewählt sondern weil sie politisch unkorrekt ist.
Ähnlich wie bei Trump in den USA, welcher es versteht genau die selben Befindlichkeiten anzusprechen.

Sobald die Linken Parteien sich dazu besinnen wieder die arbeitende, proletarische Bevölkerung zu vertreten könnte die AfD
ziemlich schnell wieder auf den Status einer nicht wirklich ernst zu nehmenden Kleinpartei herabsinken. Es liegt also vor allem bei den Linken Parteien, ob sie ihr ansehen weiter demontieren oder endlich wieder Linke Politik für die Arbeiterschaft machen und deren Interessen vertreten
Die Linke ist heute vor allem auf dem Feld der Identitätspolitik zugange. Jede ethnische, kulturelle oder sexuelle Differenz soll unter staatlichen Schutz gestellt werden - als Kompensation für die Vergehen einer heteronormativen, eurozentrischen Vergangenheit. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass die neue Rechte auf demselben Feld, nur unter entgegengesetzten Vorzeichen, unterwegs ist und in den vergangenen Jahren am ehesten in der identitären Bewegung zu greifen war. Sie ist das Pendant zur Linken.
Die Linke, die nicht mehr Verteilungsfragen in den Vordergrund stellt, sondern den gesellschaftlichen Überbau neu buchstabiert, stellt sich ins Abseits.
Verwirrte Linke fordern die unbedingte Unterstützung der Kanzlerin Merkel, also wohl der Wahl der CDU. Das geht natürlich wenn die Immigranten vs. Ausländerfeinde der Hauptwiderspruch sind und alles andere Nebenwiderspruch, wohl die Sicht der Anti-Deutschen. Nach der Logik des Manifestes ist das "Wir schaffen es" ideologischer Blödsinn - wer ist in der Klassengesellschaft das Wir? Merkel als letzte Hoffnung der Armen?!
Dies gilt für die linken Grünen genauso. Zitat einer Abgeordneten "Ich will überhaupt nicht die Mehrheit der Leute erreichen", weil sie der Meinung ist, die Mehrheit der Bürger ist ohnehin integriert ins System, zudem mehr oder weniger rassistisch und außerdem blöd wie hundert Meter Mischwald - kurzum: verloren für linke Bewusstseinsbildung. All das gilt für das normale LINKEN-Mitglied auch.
Jeder Armutsbericht (Febr. 16) belegt aufs neue: die BRD ist eine Klassengesellschaft; die Schere von arm und Reich geht Jahr für Jahr mehr auseinander, die Zahl der Armen liegt bei 13 Millionen, darunter über 3 Millionen Rentner mit zunehmender Tendenz von Altersarmut. (Von wegen: "Deutschland geht es gut" -Merkel).
Die Basta-Politik ist wieder da. Der Bürger kehrt als Untertan zurück. Das blanke Müssen markiert jenen rhetorischen Knüppel, der aus dem Sack des Machers auf alle Widerspenstigen darnieder fährt. Prioritäten werden gesetzt, nicht erklärt; Maßnahmen ergriffen, nicht kommuniziert. Wir sollten nicht, wir müssen, es kann nicht sein: Wo Ansichten waren, sollen in der Basta-Politik Dienstanweisungen werden. So ist die neue Lust am Befehlen die Kehrseite einer allenthalben beklagten Realitätsverweigerung. Eine Wirklichkeit, die sich der politischen Agenda nicht fügen will, muss für falsch erklärt werden. Aus Meinungsstreit wird Gehorsamspflicht. So trägt am Ende Politik zum Monster AfD bei vom Moralismus zur Amoralität.

Antwort von U. Gellermann:

Mit vielen artikulierten Positionen bin ich einverstanden. Mache aber zart darauf aufmerksam, das ausgerechnet dieser Artikel ein ziemliche klare linke Haltung zur aktuellen Verteilungsfrage aufweist.


Am 10. März 2016 schrieb Burkhard Ohligs:

Mal eine grundsätzliche Frage: Was ist denn überhaupt noch wählbar, solange die "Atlantische Brücke" wie eine Krake in allen Lebensbereichen unsrerer Gesellschaft saugt?
Würde gerne eine Antwort erhalten!

Antwort von U. Gellermann:

Das Wählen wird gern überschätzt, kräftige außerparlamentarische Aktionen für die eigenen Interesse könnten mehr bewegen. Aber da das Parlament nun mal eine Bühne mit öffentlicher Resonanz ist . . wähle ich halt, unlustig. Wahlempfehlungen kann ich nur persönlich geben: Auf Bundeseben wähle ich die LINKE. Immer noch gibt es linke LINKE, die der Unterstützung wert sind. Auf Landesebene (Berlin) wähle ich nichts.


Am 10. März 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Das ist wieder mal ein Artikel der "besonderen Art". Gelungen, informativ , wichtig und zum Nachdenken anregend. Sie überraschen mich mal wieder, U. Gellermann!

Na ja, die Linke. Die Analyse von M: Schlecht ist ja nicht schlecht. Mit der Lnken gibt es ja einige Überschneidungen, doch bin ich mittlerweile nicht mehr sicher, ob die Linke Heute im Bundestag so richtig gut aufgehoben ist, um die Veränderung in der Gesellschaft voranzubringen. Opposition ist für die derzeitige politische Lage sinnvoller. Das die AfD entlarvt wird ist mehr als überfällig. Ich stimme an dieser Stelle mit "Alles nur Satire" überein. es ist brandgefährlich dieses völkische Gedankengut , man weiß doch sehr genau wo dieses hinführen kann. Es waren die gesellschaftlichen Verhältnisse, die die NSDAP haben groß werden lassen. Einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Menschen mögen das. Die AFD muss ernst genommen werden. Man kann es ja auch bald nicht mehr hören und lesen "Wettbewerb und Eigenverantwortung."
Wähler der AFD werden auch und gerade bei denen zu finden sein, die knallharte Wirtschaftsinteressen verfolgen und nicht nur bei denen, die sich über diese Partei ein besseres Leben, was immer das heißen mag, versprechen. Es ist dringend darauf zu achten wer diese Partei mit finanzieren wird. Wessen Interessen werden vertreten? Da kommt mir das Plakat von Staek in den Sinn. "Millionen stehen hinter mir." Sie werden von denen gewählt werden, denen sie wirklich nutzen. Rechts ist wieder gesellschaftsfähig und diese Partei wird still und leise von Leuten gewählt werden, was viele nicht annehmen. Die Linke muss ohne wenn und aber für das Leben, für die sogenannten kleinen Leute usw. offensiv eintreten. Sie muss auf den Zeitgeist pfeifen, denn Demokratie und Menschenrechte sind nicht nur universell und unteilbar, sondern zeitlos. Sie will doch hoffe ich, nicht wie die SPD enden als Fußnote in den Geschichtsbüchern? Die Linke, die ich unterstütze muss sich die Frage gefallen lassen: Wo finde ich linke Politik ? Denn wie an anderer Stelle gesagt wurde: Was treibt denn der Ramelow als Ministerpräsident? Es ist doch nicht zu fassen, dass da wohl auch der NeoLiberalismus zugeschlagen hat. Die Linke muss Farbe bekennen, Haltung und Gegenwind ertragen, denn die Krake wird alles vereinnahmen wollen, was ihr nützlich ist. Der Analyse sollten Taten folgen. Die AfD wird gewählt werden, weil Menschen sich abgehängt fühlen, keine Perspektiven haben, die gesellschaftliche Teilhabe, nur für die gedacht ist, die es sich "verdient" haben. Es ist wirklich beruhigend, dass diese Artikel noch geschrieben werden können. Es erfordert Mut und viele LeserInnen, die ihre Arbeit unterstützen. Ich bin und bleibe eine eifrige und neugierige Leserin.


Am 10. März 2016 schrieb Reiner Wein:

@Alles nur Satire:
Neben der Tatsache, dass "der abgehängte Pöbel" in genau das neoliberale Horn stößt, das unsere Leistungsträger so virtuos vorspielen ("sind eh alle nur zu faul und zu blöd zu arbeiten / Parteiprogramme zu verstehen"), dürften die Armen in diesem Lande (sozial schwach ist die Politik) eher der großen Gruppe der Nichtwähler zuzuordnen sein. Es sind besorgte, alte, gutsituierte, weiße Männer der "Mitte", die diesen ausgegründeten, rechten CDU-Rand wählen. Und ja, die haben was gegen Ausländer UND können keine Programme lesen. Aber sie werden von der Gesellschaft eben nicht als der geistig abgehängte Pöbel wahrgenommen, der sie sind. Solche Vögel sind die Stütze der Gesellschaft, die in ihren SUVs die deutschen Tugenden voranbringen und mit Fleiß, Pünktlichkeit und Ordnung die Deutschland AG aufgebaut haben. DAS ist doch genau das erschreckende an dieser Entwicklung: Weite Teile der Mitte erwarten von der Politik dafür zu sorgen, dass ihre Besitztümer vor all diesen "Wirtschaftsflüchtlingen" (und Kriminellenausländern - ein Wort) geschützt werden. Mit nur etwas deutscher Leitkultur müssten die auch nicht alle mit ihren Smartphones im Mittelmeer ersaufen. Und nicht nur ein Trump fischt nach gleichem Muster. Die Seehofers, de Maizières und Palmers organisieren hier die Wählerschaft für die nächste GroKo.


Am 10. März 2016 schrieb Alles nur Satire:

Diese Typen werden von Typen gewählt, die etwas gegen Ausländer haben. Vom abgehängten Pöbel, der keine Programme lesen kann, will und nicht versteht. Die kapieren nur Ausländer raus. Die NSDAP wurde so auch groß. Ein Trump fischt nach gleichem Muster und wird nur von Killary benötigt, um sie der Mitte (die es nicht mehr gibt) als die bessere Pest erscheinen zu lassen


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