Das Bombenhaus der ARD

Das Erste erfindet mal wieder Nachrichten

Autor: U. Gellermann
Datum: 05. November 2015

Nicht zum ersten Mal müssen die Journalisten Bräutigam und Klinkhammer mit einer Programmbeschwerde die manipulative Praxis von ARD-Aktuell rügen. Erst erfindet die ARD ein von Russen zerbombtes Krankenhaus in Syrien, dann unterdrückt der Sender die Information über die Richtigstellung des russischen Verteidigungsministeriums, um dann zu schlechter Letzt eine Foto-Dokumentation zu verschweigen, die das angeblich zerbombte Krankenhaus unversehrt zeigt. Es gibt Länder, in denen tritt der zuständige Chefredakteur nach solch faustdicken Lügen zurück. Nicht in Deutschland.

Programmbeschwerde  04/11/15
Nachrichtenunterdrückung: Russland widerlegt Behauptungen über Krankenhaus-Bombardements in Syrien
 
Sehr geehrter Herr Marmor,
 
im Zusammenhang mit der auch von ARD-aktuell publizierten Unterstellung, russische Kampfflugzeuge hätten „möglicherweise“ ein Krankenhaus in Syrien bombardiert, legen wir nun eine weitere Programmbeschwerde vor. Diesmal wegen Unterschlagung der Nachricht, dass Russland am 02.11.15 die Beschuldigungen nachvollziehbar und glaubhaft widerlegt hat, mit aktuellen Fotodokumenten, die das angeblich bombardierte Krankenhaus in völlig unbeschädigtem Zustand zeigen:
 
http://de.sputniknews.com/politik/20151102/305362595/syrien-klinik-bomben.html
 
Wir hatten bereits am 23.10.15 Beschwerde wegen der offenkundig irreführenden ARD-aktuell-Darstellung vom 22.10.15 erhoben, russische Flugzeuge hätten in Syrien „möglicherweise“ ein Krankenhaus bombardiert. Bezeichnenderweise lässt sich die beklagte TS-Nachricht in der tagesschau.de-Mediathek mittlerweile nicht mehr aufrufen. Die Seite wurde offensichtlich aus dem Archiv entfernt:
 
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-126281.html
 
Sie ist jedoch auf zahlreichen anderen Internetseiten dokumentiert, z.B. hier:
 
http://www.neopresse.com/medien/ard-luegt-russischen-angriff-auf-syrisches-krankenhaus-herbei/
 
Wir haben weiter am 29.10.15 Programmbeschwerde erhoben, weil ARD-aktuell es unterließ, darüber zu berichten, dass das Verteidigungsministerium in Moskau am 27.10.15 die NATO-Militärattachès einbestellt und ultimativ zur Beweisführung für die westlichen Anschuldigungen aufgefordert hatte, obwohl z.B. die Internationale Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya über die Pressekonferenz des Vize-Verteidigungsministers Antonow berichtet hatte:
http://de.sputniknews.com/militar/20151027/305227054.html
 
Es passt in diese Redaktionslinie, dass ARD-aktuell auch nicht über eine Pressekonferenz in Washington berichtete, auf der das US-Verteidigungsministerium einräumen musste, dass es nur über Presseberichte als „Beweis“ für die Anschuldigung verfügte, Russland habe in Syrien Krankenhäuser bombardiert:
 
https://deutsch.rt.com/amerika/35423-usa-verweisen-auf-presseberichte-als/
 
Am 02.11.15, hat Moskau hingegen Beweise dafür vorgelegt, dass das angeblich zerstörte Krankenhaus in Sarmin nach vollkommen unbeschädigt ist und aufgezeigt, dass es in den übrigen Dörfern, in denen angeblich ebenfalls Krankenhäuser bombardiert wurden, überhaupt keine Krankenhäuser gab.
Nachdem ARD-aktuell zunächst ebenso beweis- wie bedenkenlos verbreitet hatte, russische Kampfflugzeuge seien  „möglicherweise“ verantwortlich für das Krankenhausbombardement und die „bis zu 13 Toten“ in Sarmin (Zielrichtung dieser Beschuldigung: ... Russland als ebenso schuldig dastehen lassen wie die USA wg. deren Kriegsverbrechen in Kundus, sowie Saudi-Arabien wg. seiner Verbrechen in Sadaa, Jemen), besitzt Chefredakteur Dr. Gniffke nun nicht einmal den journalistischen Anstand, über die Gegenbeweisführung Russlands in seinen Sendungen berichten zu lassen.
Widerrufe und Entschuldigungen für falsche bzw. manipulativ-irreführende ARD-aktuell-Berichterstattung unterbleiben in Tagesschau und Tagesthemen sogar dann, wenn Fehler objektiv nicht mehr zu leugnen sind. Nichts kann nach unserer Auffassung die antirussische Schlagseite in der Nachrichtenauswahl von ARD-aktuell nachdrücklicher hervorheben, als die hier nachweisliche selektive Berichterstattung.
 
Wir fordern Sie auf, prüfen zu lassen, ob ein Verstoß gegen die Programmgrundsätze und die Programmrichtlinien des Rundfunk-Staatsvertrags vorliegt.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Friedhelm Klinkhammer, Volker Bräutigam
 
Nachschrift: Allgemeine Erörterung:
 
Nachdem die Ärzteorganisation Médicines Sans Frontières (MFS) seinerzeit mit Foto- und Videodokumenten sowie mit Zeugenaussagen die Krankenhaus-Bombardements und Massaker der USA (Kundus) und Saudi-Arabiens (Sadaa) sofort gemeldet hatte, scheint es jetzt im propagandistischen Interesse „des Westens“ zu liegen, ähnliche Beschuldigungen auch gegenüber Russland zu erheben, und sei die Beweislage dafür auch noch so dürftig und fragwürdig. Wir halten Ausführungen dazu hier für angebracht, um denkbaren Reinwaschungsversuchen des ARD-aktuell-Chefredakteurs ein wenig vorzubeugen, die er unter Rückgriff auf neueste „Nachrichten“ über eine angebliche russische Verstrickung in Völkerrechtsbruch zu unternehmen versucht sein könnte.
Einzige originäre Quelle (29.10. 15) der jüngsten zumindest indirekten Anschuldigungen sind wiederum die MFS:
 
https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/syrien-vertreibungen-nach-eskalierender-gewalt-im-norden
 
Textauszug: „Infolge einer signifikanten Zunahme der Luftangriffe auf Krankenhäuser im Norden Syriens wurden mindestens 35 syrische Patienten und medizinisches Personal getötet und 72 Menschen verwundet. Das berichten Gesundheitsmitarbeiter, die von Ärzte ohne Grenzen in Syrien unterstützt werden. Seit der Eskalation der Angriffe Ende September wurden den ganzen Oktober hindurch zwölf Krankenhäuser in den Provinzen Idlib, Aleppo und Hama gezielt angegriffen. Darunter waren sechs von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Krankenhäuser. Insgesamt mussten sechs Krankenhäuser schließen, von denen drei von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wurden. (...)“
Die Informationen über die bombardierten Krankenhäuser kommen demnach von syrischen „Gesundheitsmitarbeitern“, auf die sich die Organisation stütze, also nicht von  den MSF-Ärzten selbst; über die Verlässlichkeit ihrer Informanten äußern sich die MFS nicht. Die MFS beschuldigen allerdings auch keine der Kriegsparteien direkt.
Kommerzielle Nachrichtensender wie n-tv registrierten das immerhin und machten klar, man wisse nicht, wer die Kliniken bombardierte:
 
http://mobil.n-tv.de/politik/Luftangriffe-zielen-auf-Kliniken-in-Syrien-article16243656.html
 
Dass die Bombardements tatsächlich stattgefunden haben, zog n-tv aber wie alle übrigen Systemmedien nicht in Zweifel. Und der Deutschlandfunk, regierungsfromm wie gewohnt, formuliert sogar so, dass Rezipienten nahegelegt wird, dass russische Flieger die Schuldigen waren
 
http://www.deutschlandfunk.de/aerzte-ohne-grenzen-35-tote-bei-angriffen-auf.447.de.mhtml?drn:news_id=540781
 
Wie die vom „antirussischen Faktor“ noch halbwegs freien Meldungen der „Ärzte ohne Grenzen“ von transatlantisch getrimmten Medien wie SPIEGEL-online  propagandistisch verfärbt werden (ARD-aktuell verfährt methodisch nicht anders), wie missbräuchlich das ist und zu welchen Fehleinschätzungen es beim Rezipienten führt, ist bei Telepolis sehr verständlich beschrieben:
 
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46413/1.html
 
Seriöse Journalisten würden allerdings überhaupt keine Information aus einem Kriegsgebiet a priori als glaubwürdig, objektiv zutreffend und berichtenswert ansehen, auch solche der Ärzteorganisation MFS nicht. Sondern im vorliegenden Falle bedenken: MFS behauptete „zunehmende Bombardements von Kliniken“ in Syrien erst am 29. 10.15 - und im Unterschied zu den sehr konkreten, mit ärztlichen Zeugenaussagen sowie Fotodokumenten belegten Nachrichten über Kundus und Sadaa ohne präzise Orts- und Zeitangaben.
Bemerkenswert: Erst nachdem die USA erwiesenermaßen absichtlich ein Krankenhaus in Afghanistan bombardierten und die Koalition der Saudis in Yemen sich des gleichen Völkerrechtsbruchs schuldig gemacht haben, fällt der Ärzteorganisation auf, dass auch in Syrien Derartiges in den vergangenen Wochen mehrmals passierte. 
Es hätte also der journalistische Grundsatz zu gelten: Für alle Nachrichten über serienweise zerstörte Kliniken in Syrien muss es mindestens eine zweite unabhängige Quelle geben, sonst sind sie nicht verwendbar. Die MFS sind insoweit nicht über alle Zweifel erhaben.
Für sauberen Journalismus gilt: Keine Nachricht weitergeben ist immer noch besser, als eine unbewiesene und möglicherweise falsche Nachricht zu senden.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 08. November 2015 schrieb Rudolph Bauer:

Ich erlaube mir zum Thema ARD etc. folgenden Querverweis: http://www.nachdenkseiten.de/?p=28254


Am 05. November 2015 schrieb Lutz Jahoda:

POSTTRAUMATISCHE
VERBITTERUNGSSTÖRUNG

Prof. Harald Lesch hatte kürzlich bei
"Pelzig hält sich" (ZDF, 23 Uhr am Dienstag, dem 3. November 2015) diesen psychodiagnostischen Bewertungssatz ins Gespräch gebracht, der sich mir erinnernd aufdrängte, nachdem ich Gellermanns Beiträge von heute verinnerlichte.
Ja, da geht in Kreisen der sich beschädigt fühlenden Mainstreamgemeinde tönender und schreibender Zunft seit Wochen bereits ein verbittertes Aufbäumen gegen den Ruf "Lügenpresse" vonstatten. Ein leichtes Spiel damit zu haben bot sich an, weil sich vorwiegend die Montagsdemonstranten damit hervortaten, die alle ungeprüft in die rechte Ecke gestellt wurden. Da tut not daran zu erinnern, dass bereits seit Jahren die lesenswerte Tageszeitung "junge Welt" den Slogan prägte, "sie lügen wie gedruckt - wir drucken, wie sie lügen", woran sich nichts geändert hat, wie festzustellen ist, obschon sich eine neue Strömung abzuzeichnen beginnt. Die Denkfabrikarbeiter der Atlantikbrücke basteln bereits an der
Verwirklichung des Aufrufs, den ich mir in Verse zu kleiden erlaube:

Lasst uns erforderlich böses Vergehen
umformulieren zu humanem Geschehen!
Lasst uns folgender Taktik frönen:
Kurzum, phantasiereich die Dinge zu schönen.

Präsident Obama hat bereits damit begonnen. Nachzulesen auf den Themenseiten 12 und 13 der "junge Welt" Ausgabe von Donnerstag, dem 5. November 2015: "Dankbarkeit der Nation" - Washington interpretiert den Vietnamkrieg um. Mit einem Propagandafeldzug bis 2025 soll der Bevölkerung die größte militärische Niederlage als heldenhafter Einsatz für die moralischen Werte des Landes verkauft werden.


Am 05. November 2015 schrieb Sabine Schiffer:

Danke für den tollen Text!


Am 05. November 2015 schrieb Christel Buchinger:

Danke für dieses sehr gut dokumentierte Beispiel, wie die Herrschaften und ihre Schreiberlinge vorgehen, um die Bevölkerung kriegsbereit zu machen. Was man wissen muss: Ärzte ohne Grenzen sind keine unabhängige Organisation, sondern fest in die westliche Wertegemeinschaft eingebunden - embedded. Insofern war mein erster Gedanke, als ich von der Bombardierung des MFS-Krankenhauses in Kabul hörte: Das war wohl friendly fire. Die Bombardierung konnten sie schlecht verschweigen, haben sich damit aber sicher in der US-Administration unbeliebt gemacht. Mussten also schnell was nachliefern, um die Barbarei gleichmäßig verteilt erscheinen zu lassen.


Am 05. November 2015 schrieb Hans Rebell-Ion:

Als ich 3 Monate jung war, da war die PROPAGANDA-LÜGE "Polen überfallen den Sender Gleiwitz" der Beginn des II. WELTKRIEGES durch DEUTSCHLAND! Heute geht seit 1945 die (west-)deutsche PROPAGANDA schon gegen die RUSSEN! Das nennt man dann wohl - oder besser ü b e l ! - "aus der Geschichte lernen heißt siechen lernen!"


Am 05. November 2015 schrieb Klaus Madersbacher:

"Für sauberen Journalismus gilt: Keine Nachricht weitergeben ist immer noch besser, als eine unbewiesene und möglicherweise falsche Nachricht zu senden."

Diejenigen, die für die Propaganda zuständig und verantwortlich sind, mit der wir kriegsreif gemacht werden sollen, betreiben keinen sauberen Journalismus.

Die dürfen auch gar keinen sauberen Journalismus betreiben, ihre Auftraggeber wollen / können das nicht zulassen.

Am einfachsten wird sein, angesichts dieser Realität das Wort "Journalismus" durch "Propaganda" zu ersetzen. Die in diesem Bereich Tätigen sind dann halt keine Journalisten, sondern Medienhuren, etwas vornehmer ausgedrückt Presstitutes - Soldschreiberlinge, die sich verkaufen.

Einige werden sogar darunter sein, die selbst an das glauben, was sie von sich geben. Das sind dann wohl die Schlimmsten ...

Kürzlich...

25. August 2016

Amnesie im Nahen Osten

Das neue Syrien kommt aus Wilmersdorf
Artikel lesen

22. August 2016

Erstmals seit dem Kalten Krieg

Bürger sollen Vorräte für zehn Tage anlegen
Artikel lesen

28. Juli 2016

Akute "Sonderlage dahoam"

München zwischen Amok-Panik und Terror-Angst
Artikel lesen

25. Juli 2016

Ikone Jesse Owens

Der Film „Zeit für Legenden“
Artikel lesen

16. Juli 2016

Amok in Nizza

Terror auf allen Kanälen
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen

DIE WAFFEN NIEDER!

Kooperation statt NATO-Konfrontation - Abrüstung statt Sozialabbau

DEMONSTRATION IN BERLIN

8. Oktober 2016
Auftakt: 12.00 Uhr

Alexanderplatz/Ecke Otto-Braun-Straße


www.friedensdemo.org
Bundesausschuss Friedensratschlag | Kooperation für den Frieden | ViSdP: Laura von Wimmersperg, Friedenskoordination Berlin