Blind oder verblendet?

Kauder pfeift– Cohn-Bendit tanzt

Autor: Winfried Wolk
Datum: 08. Dezember 2016

Am 6. 12. 2016 verbreiteten der Tagesspiegel, die Welt, der Focus und andere Medien einen Appell von Schriftstellern, die „Schluss mit dem Massenmord in Aleppo“ fordern. „Die Vernichtung der Stadt Aleppo und ihrer Einwohner gehört zu den furchtbarsten Verbrechen, die seit Jahren unter unseren Augen begangen werden,“ schreibt Peter Schneider, mit Daniel Cohn-Bendit einer der Initiatoren eines Aufrufes, der zu einer Demonstration am 7. 12. 2016 vor der russischen Botschaft aufruft. Damit soll „ein kleines Zeichen gegen das dröhnende Schweigen der Zivilgesellschaft zu dem systematischen Massenmord in Aleppo“ gesetzt werden. Damit erfüllen die beiden Herren auch den Wunsch des Chefs der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, der eine Woche zuvor sein Unverständnis geäußert hatte, dass es in Deutschland keine Proteste vor der russischen Botschaft in Berlin gegen den russischen Präsidenten Putin und dessen Syrienpolitik gibt.


Dass gegen Kriege, das damit verbundene Morden, unsägliches Leid und die Zerstörungen der Städte protestiert wird, ist tatsächlich ein ganz wichtiges Signal, das man nicht überhören darf. Jedoch ist schon lange Krieg in Syrien, nicht erst, seit Russland vor etwa einem Jahr dort eingriff. Seit dem Frühjahr 2011 verheeren Kämpfe das Land. Und wie wir wissen, stirbt in jedem Krieg zu allererst die Wahrheit. So ist es auch hier. Dieser Krieg ist ursächlich eben keine Aktion Russlands, wie uns das ein solcher Aufruf vielleicht weismachen möchte. Und in Aleppo gab es lange vor dem russischen Eingreifen Tote, Zerstörung und unendliches Leid. Die Stadt stand nämlich zu Beginn der Auseinandersetzungen loyal zum syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und war von den Unruhen im Land weitgehend verschont geblieben, bis die „Rebellen“ eine Offensive zur „Befreiung“ der bevölkerungsreichen Stadt ausriefen, wie Spiegel online am 23.7.2012 berichtete. Unter der Überschrift: „Aleppo: Rebellen tragen Krieg in Assads Wirtschaftszentrum“ ist im Artikel zu lesen: „Syriens Aufständische setzen ihre Offensive gegen Machthaber Assad fort und versuchen ihn an der empfindlichsten Stelle zu treffen: im Wirtschaftszentrum des Landes, der Metropole Aleppo“. Der Befehl zum Einmarsch in die Stadt Aleppo sei erteilt worden, hatte ein Rebellenkommandeur bekanntgegeben.


Schon 1997 formulierten führende Politstrategen in der neokonservativen amerikanischen Denkfabrik „Project for the New American Century“ die Pläne der USA-Führung für die Neu- ordnung des Nahen Ostens. Unmittelbar nach dem 11. September 2001 gab es dann im Pentagon laut Aussagen des US-amerikanischen 4-Sterne-Generals Wesley Clark ganz konkrete Planungen, die das „Plattmachen“ mehrerer arabischer Länder vorsahen. Genannt wurde neben Irak und Libyen auch Syrien. Um das Vorhaben realisieren zu können, wurden Waffen und Kämpfer ins Land gebracht und Ausbildungscamps in Jordanien und der Türkei eingerichtet. Raniah Salloum schrieb am 26. Juli 2012 bei Spiegel online unter der Überschrift „Intervention: Wie der Westen in Syrien heimlich Krieg führt“ damals noch erstaunlich offenherzig über das breit angelegte Engagement westlicher Länder in Syrien. Sie benennt die militärische Ausbildung syrischer Aufständischer durch britische Spezialeinheiten in Saudi-Arabien und im Irak, benennt die Waffenlieferungen durch die USA, Katar und Saudi-Arabien, den Einsatz US-amerikanischer Drohnen, die Abwerbung hochrangiger syrischer Diplomaten und Offiziere und die Mobilisierung von Spezialeinheiten aus den USA, Großbritanniens, Frankreichs, Jordaniens und Israels.


„Wenn Aleppo fällt, fällt das Regime“ titelte Zeit online am 27. 7. 2012 und unterstrich damit die Bedeutung, die die zweitgrößte Stadt und Wirtschaftszentrum Syriens für den Erfolg des angestrebten Umsturzes hat. „Der Kampf um Aleppo ist die entscheidende Schlacht...“ ist im Artikel zu lesen. Deshalb musste sichergestellt werden, dass die islamistischen Kämpfer „aus allen Teilen der arabischen Welt, aber auch aus Pakistan und Bangladesh... in die Stadt einsickern, um dort gegen die regulären syrischen Streitkräfte zu kämpfen“, wie das die Salzburger Nachrichten am 8. 8. 2012 unter dem Titel „Wir gehen nach Aleppo“ berichtete. Dass dabei die Einwohner dieser Stadt ohne Bedenken zu Geiseln der Freischärler und zu menschlichen Schutzschilden gemacht wurden, störte damals weder Herrn Kauder noch die Initiatoren des jetzigen Aufrufes.

Russland hatte sich sehr früh bemüht, die Syrienkrise zu befrieden. Auch darüber informierten die Medien. In einem Drei-Punkte-Plan, den der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari den Vertretern der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats im Februar 2012 unter- breitete, wurde ein möglicher Weg aufgezeichnet. Trotzdem wiesen die USA, Großbritannien und Frankreich diese Initiative zurück (The Guardian 15.9.2015). Auch andere russische Friedensvorschläge fanden kein Gehör (Tagesschau.de 16. 9. 2015).

Als Russland dann auf Anforderung der legitimen syrischen Regierung am 30. 9. 2015 in die Kämpfe eingriff, reagierten vor allem die USA und Saudi Arabien außerordentlich verärgert, obwohl die US-Regierung zuvor noch signalisiert hatte, dass sie eine Beteiligung Russlands an den Luftangriffen gegen den IS begrüßen würde, wie Spiegel online am 4. 9. 2015 meldete. Bis zum Zeitpunkt des Eingreifens Russlands hatte dieser von westlicher Seite maßgeblich unter- stützte Konflikt bereits 400.000 Menschenleben gefordert, mehr als 11 Millionen Menschen in die Flucht getrieben und unermessliche Zerstörungen angerichtet.

Die Erfolge der mit russischer Unterstützung operierenden Truppen Assads gegen die 2012 in Ost-Aleppo eingedrungenen islamistischen Freischärler scheint jetzt den von den westlichen Staaten gewünschten Regimewechsel scheitern zu lassen. Genau das ist aus meiner Sicht auch der Grund, warum nun eine solche Protestwelle gegen Russland arrangiert wird. Meiner Meinung nach demonstrieren die Schriftsteller aber vor der falschen Botschaft. Die Verursacher und damit Verantwortlichen für diesen Krieg sitzen nicht in Moskau, auch wenn uns das Politiker wie Volker Kauder gern einreden möchten.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 12. Dezember 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Ich mache hier auch noch auf diesen Bericht aufmerksam:
US-Friedensrat- Syrienkonflikt: "Der Westen betreibt massive Propaganda!"
https://www.youtube.com/watch?v=T7tQ5PzAlx8
"Der US-Friedensrat ist nach Damaskus gereist, um sich ein unvoreingenommenes Bild von den Hintergründen des Syrienkrieges zu machen. ? http://www.kla.tv/9185 Rückblickend stellen sie fest, dass sich die Lage in Syrien, wie sie sich ihnen gemäß ihrer unvoreingenommenen und gründlichen Vorortrecherche abzeichnet, in keiner Weise mit der Darstellung der westlichen Medien deckt. "
Dieser Rat besteht aus Amerikanern, ist also kaum "antiamerikanisch"...ach so, seit Trump darf man das ja wieder sein.


Am 12. Dezember 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Die USA haben durch CIA und NGOs
seit Jahrzehnten daran gearbeitet, linke Künstler und Intellektuelle für sich zu gewinnen und für ihre Zecke einzuspannen, wovon u.a. die hier mal wieder genannte Doku "Benutzt und gesteuert - Künstler im Netz der CIA" (Youtube) berichtet
Es ist also nicht zu abwegig gedacht, dass sie damit auch bei Daniel Cohn-Bendit Erfolg hatten..


Am 11. Dezember 2016 schrieb Jurgen Berg:

Die Wirkung des Satzes- "Bis zum Zeitpunkt des Eingreifens Russlands....bereits 400.000 Menschenleben gefordert..." - (im vorletzten Absatz des Artikels) wäre wirksamer am Ende des ersten Absatzes, direkt anschließend an das erwähnte "Unverständnis" des Herrn Kauder. Nicht nur zum besseren Verständnis für Herrn Kauder, sondern auch zum Verständnis über Herrn Kauder.


Am 11. Dezember 2016 schrieb Pat Hall:

Hat sich eigentlich seit 2014 bis zum heutigen Tage irgend etwas verändert oder verbessert ?
Hier im Link
Die Anstalt Verbotene Folge vom 29 04 2014 Klage vor Gericht einstweilige Verfügung
https://www.youtube.com/watch?v=gfZWDUBeOek
nicht verzagen,nur Max Uthof fragen .


Am 10. Dezember 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Punktgenau, ins Herz, allerdings nicht in das Herz von Kauder, Merkel und Co,
die haben nämlich keins. Das sind Steine, und eine Eiseskälte, und der Geruch von Tod, von Tausenden Menschenleben, die diese heuchlerische Bande von USA Speichelleckern verschulden, mit der Genehmigung von Waffenlieferungen in Krisengebiete. In der Hölle sollen sie schmoren, bis zum Sankt Nimmerleinstag.
Danke, Winfried Wok, und Danke an Uli, und an die nicht müde werdenden Herren Bräutigam und Klinkhammer, die immer weiter machen, und den vielen Namenlosen, die für dieses gierige, machtbesessene und skrupellose Pack benutzt werden, und nicht selten, dafür ihr Leben lassen, mit Wertschätzung, Mitgefühl, menschlicher Anteilnahme ihnen einen Namen geben." Und weil der Mensch ein Mensch ist."


Am 10. Dezember 2016 schrieb Ernst Blutig:

Den Fakt, daß man anscheinend daran interessiert ist Russland, und damit auch die Russen, und nicht nur Putin medial zu enthumanisieren ist auch durch einen selffulfilling prophecy begriff wie "postfaktisch" nicht mehr wegzudenken.

"Die Indizien sind erdrückend"
stand heute nach dem gestrigen Kampagnenauftakt bzgl. Doping in Russland in der Zeitung.
Soso...demnächst reichen dann wohl juristisch auch
"Die Verdachtsmomente/Mutmaßungen/Vorurteile sind erdrückend".

H. von Gerlach "Die grosse Zeit der Lüge". Man kann das Buch seit geraumer Zeit nicht oft genug empfehlen.
Auch empfehlenswert ist das Weißbuch der Bundeswehr, denn da steht nämlich genau drin weswegen dieser ganze Medienzirkus aufgefahren wird.
Es geht um den uneingeschränkten Zugriff auf die Resourcen anderer Länder, und da stören Afghanen, Russen, Syrer, Griechen, Menschenrechte und was es sonst noch so gibt, was deutscher Rasse und deutschem Geld im Wege steht beim moneymaking und gegenseitigem bescheissen.

Die Claqueure dieser Politik stehen rechts. Zur Zeit bedeutet das, mit beträchtlicher Vorsicht: rechts von "Die Linke".


Am 09. Dezember 2016 schrieb Pat Hall:

Zu diesem Beitrag habe ich auf einer anderen Seite von Karl Müller eine passende Denkanalyse gefunden :
Der Fisch stinkt doch eigenlich erst vom Kopfe her so die These, also welche Köpfe waren dabei ?
Auch die Merkel weis doch Mehr als sie Zugeben will ?
Hier im Link ,
Warum schweigt Frau Merkel zur Wirklichkeit im Osten Europas ?

Aber warum hat Frau Merkel nichts darüber gesagt, wie es zur heutigen Situation im Osten Europas gekommen ist? Warum nicht erwähnt, dass sich Nato und EU immer weiter in Richtung russischer Grenze ausgebreitet haben und es das strategische Konzept, zumindest das der USA, war, über Russlands Rohstoffreichtum verfügen zu wollen? Nachdem man von seiten der EU und der USA in den neunziger Jahren genau die Kräfte in Russ­land unterstützt hat, die das Land immer weiter geschwächt haben! Wieso hat Frau Merkel nicht gesagt, dass es im Februar 2014 einen von ihrer Regierung unterstützten und gewaltsamen verfassungswidrigen Regierungswechsel in Kiew gegeben hat? Mit dem die überwältigende Mehrheit der russischstämmigen Bewohner der Halbinsel Krim und auch die Mehrheit der russischstämmigen Bewohner im Osten der Ukraine nicht einverstanden waren! Warum zieht sie es erst gar nicht in Erwägung, dass die russische Regierung befürchten musste, dass gewalttätige Anhänger der Aufständischen in Kiew auch in Richtung Krim unterwegs waren, dorthin, wo Russland einen wichtigen Flottenstützpunkt hat? Warum würdigt Frau Merkel mit keinem Wort, dass es dank russischer Truppen gelungen ist, eine gewaltsame Auseinandersetzung auf der Krim zu verhindern? Warum erwähnt sie nicht, dass eine überwältigende Mehrheit der Bewohner der Krim in einer Volksabstimmung für eine Unabhängigkeit von der Ukraine und für eine Mitgliedschaft in der Russischen Föderation gestimmt hat? Und so weiter und so fort.
? und in Syrien?
Beim Nachlesen des ganzen Artikels darf man sich wirklich fragen ,warum die Gesamte Polit-Kaste sich der Wahrheit nicht stellen wollen ?

http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2016/nr-28-6-dezember-2016/warum-ich-unserer-politik-nicht-mehr-vertrauen-kann.html


Am 09. Dezember 2016 schrieb Pat Hall:

Ich wünschte mir dass dieser Beitrag dem V. Kauder im Bundestag vorgelesen werden könnte.
Vielen dank an Wilfried Wolk, dem es gelungen ist die Ursachen des Gemetzels in Syrien zu beschreiben.

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