Ausgesetzte Soldaten

Stell dir vor, es ist Krieg und wir gehen hin

Autor: U. Gellermann
Datum: 19. Oktober 2012

Alle meinen es irgendwie gut, die Bundeswehrsoldaten im ARD-TV-Film "Auslandseinsatz". Man hatte viel von ihm erwartet, ging doch das Gerücht um, er sei die erste, ehrliche, fiktionale Arbeit zum Afghanistankrieg, die ZEIT titelte "Afghanistankrieg zur besten Sendezeit", die FRANKFURTER RUNDSCHAU lobte "Ein Gewinn für die Zuschauer" und die FAZ jubelte: "Stell dir vor, es ist Krieg und wir gehen hin". Und so sind sie dann hingegangen, die uniformierten Aufbauhelfer, die dann leider wegen der ärgerlichen Taliban von ihrer friedlichen Arbeit abgelenkt werden und schießen müssen.

Anfänglich klingt das Drehbuch des Films wie aus dem Poesie-Album des Einsatz-Soldaten abgeschrieben: Max Riemelt stellt den nüchternen, besonnenen Feldwebel Daniel dar, Hanno Koffler gibt den Rambo Ronnie und mit dem gebürtigen Afghanen Emal (Omar El-Saeidi) findet sich rein zufällig ein deutscher Soldat ein, der eine der Landessprachen beherrscht. Damit der Zufall noch zufälliger wird, treffen unsere deutschen Brunnenbohrer im nahe gelegenen Dorf auf Anna (Bernadette Heerwagen), eine deutsche Entwicklungshelferin, die, irgendwie versehentlich, von ihrer NGO allein zurückgelassen worden ist.

Aber dann geht es los: Die Taliban schneiden einem Mädchen aus dem Dorf die Finger ab, weil sie die lackiert hatte, später wird sie noch entführt und die deutschen Soldaten, weil sie doch in Afghanistan nicht nur für die bohrenden Brunnen auch noch für die Befreiung der Frau eintreten, versuchen sie befehlswidrig zu befreien. Es kommt wie es kommen muss, unsere deutschen Jungs, die ja nur ihrem Einsatz, ihrer Mission, ihrem Mandat nachgehen, geraten doch tatsächlich in eine kriegsähnliche Situationen und alles ist nicht mehr so schön wie zu Beginn. Und wer hat Schuld? Die Taliban, versteht sich.

"Auslandseinsatz", erzählt der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios Ulrich Deppendorf, "ist ein wichtiger, längst überfälliger Film. Er zeigt Ängste und Nöte, Zweifel und Grausamkeiten, denen junge Soldaten ausgesetzt sind." Ja, so isses, es geht darum, dass die Soldaten irgendwie in Afghanistan ausgesetzt worden sind. Und mit dieser Prämisse inszeniert dann der Regisseur Till Endemann ein Drama, das tunlichst die Frage vermeidet wie die Soldaten denn dahin gekommen sind, warum die Deutschen diesen Krieg mehrheitlich nicht wollen, und wie sehr er unsere Verfassung beschädigt. "Eine Zensur", sagt das Grundgesetz, "findet nicht statt." Warum auch, wenn es doch die bewährte Selbstzensur gibt?.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 21. Oktober 2012 schrieb Thomas Nippe:

Du hast wie immer recht. Krieg ist inzwischen so normal geworden, daß jedes Nachdenken, jede Reflexion darüber schon wie Hochverrat erscheint. Da greift dann die Selbstzensur, wie Du es zutreffend beschreibst, bzw. die Selbstbeweihräucherung. Es entstehen solche Rambo- und Killermachwerke wie "Schutzengel", in denen Typen wie Til Schweiger ihren großen Soloauftritt haben.
Deutschland 2012, Kommentar überflüssig.


Am 19. Oktober 2012 schrieb Sven Papendieck:

Ich hab den Film auch gesehen. Er beschränkt sich auf einen (!) Aspekt des Afghanistan-Einsatzes: Auf die Bundeswehreinheiten, die sich um den Auf- und Ausbau Afghanistan kümmern. Man sollte den Film also in seinem Thema kritisieren und nicht verlangen, dass er das komplette Afghanistan-Problem schildert.

Antwort von U. Gellermann:

Tatsächlich ist der Film beschränkt: Auf jenen Aspekt, der es scheinbar möglich macht, die Anwesenheit der Bundeswehr in Afghanistan zu rechtfertigen. Aus dieser Beschränkung resultiert ein Verschweigen, das Unrecht möglich macht: Zehn Jahre lang tödlich in einem Land herumirren, in das man nicht eingeladen war und aus dem man abziehen muss ohne irgendetwas Sinnvolles zu erreichen.

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