Am Rand des Zusammenbruchs

Das Leben mit Hartz IV ist eine Katastrophe

Autor: U. Gellermann
Datum: 03. Mai 2012

Der "Kölner Erwerbslosen-Anzeiger" hatte einen Artikel der RATIONALGALERIE zur Situation der Hartz-Vierer übernommen. Er löste eine umfängliche Diskussion aus, die hier in Ausschnitten wiedergegeben wird. Zum Selbstverständnis des "Kölner Erwerbslose in Aktion e. V. (KAES)":

"Erwerbslosigkeit ist weder persönliches Schicksal noch schuldhaftes Vergehen der Betroffenen! Erwerbslose werden zunehmend sozial und finanziell isoliert. Im Rahmen der Selbsthilfe wollen wir einen Beitrag dazu leisten, Interessen im Sinne menschlicher Würde und menschlicher Grundrechte aus der Perspektive eigener Betroffenheit heraus zu artikulieren und selbstbewusst nach außen zu vertreten."

Ausgewählte Beiträge:

1.
In manchen Ländern ist nach einem Jahr Schluss und die Menschen bekommen nichts mehr, z.B. in Griechenland, wie ich hörte…von Asien ganz zu schweigen. Das Perverse sind auch die ca. 17.000 Leiharbeitsfirmen, interessanterweise seit Hartz IV, Leitspruch Fördern und Fordern, und der damaligen rot-grünen Regierungen erst (die auch den Finanzmarkt geöffnet haben), und ich wähle sie immer noch…VW macht Milliarden Gewinne, die halbe Belegung sind Zeitarbeiter, bei BMW ist es ähnlich, geringerer Lohn, sprich geringere Rente. Der Mercedes Boss bekommt 29 Millionen Rente und und und…Wir sollten hier das Jammern und das Anspruchsdenken aufgeben und der Regierenden mal etwas Dampf unter dem dicken Hintern machen. Manche Abgeordnete sind kaum im Bundestag, siehe Gauweiler, weil sie diverse Nebentätigkeiten, sprich Einkommen, haben…


2.

. . . genau, am Rande eines Nervenzusammenbruchs bin ich schon lange. Ich würde mich auch gerne wehren, aber leider bleibt mir durch die alleinige Verantwortung der Kindererziehung und der Sicherung des Lebensunterhaltes (Arbeit) keine Zeit dafür. Zudem sehe ich mein Leben mehr als menschenunwürdig, denn mein Kind kann keinen Sportverein besuchen, bekommt keinen Zuschuss zum Essen. An Klassenfahrten und Ausflügen wird er auch nicht teilnehmen können, denn die bekommen wir leider nicht bezahlt. Wie blöd, nur weil ich arbeite…Ist meine Waschmaschine kaputt, fahre ich mit meinem Kleinkind nach der Arbeit in einen Waschsalon…Hmmm, nur doof das für eine Neuanschaffung mein Verdienst nicht reicht. Für alle die sich bemühen haben ich volles Verständnis, für den Rest gibt es genug Arbeit, sei es ehrenamtlich….



3.
. . . auch ich habe einige Bekannte und Freunde, die Hartz IV “zum Opfer” gefallen sind. Bei einigen weiß ich genau: “Selbst schuld.” Bei den anderen weiß ich genau, dass er keine Schuld trägt. In vielen Diskussionen werden tatsächlich nur die blanken Sätze hingeworfen – und damit argumentiert, dass so mancher nur noch noch wenige 100 Euro übrig hätte, pro Monat, um “zu leben”. Das ist ärgerlich, unschön… und doch… kann ich nicht darum herum, festzustellen, dass weitaus mehr Arbeitende sogar weniger als 100 Euro “zum leben übrig” haben. Denn durch Pendelei und Benzinkosten, durch den Verschleiß des Autos oder die Notwendigkeit andere Ausgaben zu tätigen, fällt die Last häufig derart groß aus, dass man nur nicht selten nur noch arbeiten geht, um sich das Arbeiten gehen leisten zu können. Erstaunlicherweise betrifft das bei weitem nicht mehr nur “Billiglohnsektoren” – entgegen häufiger öffentlicher Darstellungen.
Geht man einfach einmal vom Singlehaushalt mit 1.400 Euro netto aus.
500 Euro Miete
50 Euro Stromkosten
50 Euro Internet, Telefon, TV
60 Euro Autoversicherung
250 Euro Benzinkosten
50 Euro Verschleißteile & Reparaturen Kfz (600 Euro p.a.)
50 Euro Kleidung, Kosmetik, Hygieneartikel
100 Euro Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat, Berufsunfähigkeit, Unfall)
50 Euro Altersvorsorge
——
1160 Euro
bleiben 240 Euro für Konsum und “Leben”.
Sicherlich haben Hartz-IV-Empfänger einen ganz besonder schweren Stand. Sicherlich fallen sie auch nicht wenigen Vorwürfen zum Opfern. Gleichzeitig sollte sich die Politik mehr darum bemühen, die Arbeitslosigkeit zu WIRKLICH zu reduzieren, und Statistiken nicht einfach durch perfide Umverteilungen innerhalb eines Statistik-Töpfchen zu schönen.
 . .

4.
. . . wir sind zu zweit und das Leben mit Hartz4 ist eine Katastrophe. Ich selbst war 17 Jahre lang Mediengestalterin und jetzt mit 44 Jahren und 4 Jahren arbeitslos stellt mich keiner mehr ein. Ich wäre froh wenn ich in dem Kaff wo ich wohne ( bin 2x umgezogen, mit der Hoffnung auf Arbeit) wenigstens eine Putzstelle bekommen könnte. Das Amt zahlt die 405€ Miete. Jeder bekommt dann noch 336€ Unterhalt, das macht zusammen 1077 €. Strom geht ab 62€ und 30 € Flatrat.Ich habe eine Lebensmittelallergie und vertrage kein Weizen, Reis und Kartoffel. Einen Zuschuß für Lebensmittelaufwand wird abgelehnt.Jedem von uns bleiben 290 € für Lebensmittel, die jeder für sich kaufen muß, wegen meiner Allergie. Geld für Kleidung ist meist nicht drin und ich brauch dringenst ein paar Schuhe und eine Hose, da meine demnächst wieder Kaputt ist.Dieser ganze Stress ( mit Sanktionen) hat mich schon 2 Tage in die Klappse gebracht, wegen Nervenzusammenbruch und ich weiß nicht, wo ich die Kraft noch hernehmen soll weiter durchzuhalten.

5.
Unverständlich ist der Sozialneid. Nicht der Hartz IV- Empfänger ist glücklich, er ist mehr als gestraft! Was gibt es Schlimmeres, als sich auf der untersten Ebene abzufinden für den Rest seines Lebens? Betteln zu müssen, am Tropf zu hängen? Im Bewusstsein zu vegetieren, da nie mehr herauszukommen, der letzte Dreck zu sein? Schuldig zu sein, wenn man sich selbst nicht bzw. noch nicht als Vieh, ohne Menschenwert- und Würde verstehen will? Wer vernichtet die Arbeitsplätze, wer treibt die Unternehmen und wodurch in das Ausland, wer liefert sie Konkurrenzkriegen und Wirtschaftsspionage, findigen Anwälten aus? Wer liefert das Volk in Offenbarungseide etc. aus, verhindert, daß Großteile unredlich werden und als Konsumenten auf Dauer wegbrechen? Wer als Unternehmer und Privatperson muß Kreditanträge nicht langfristig aufbauen und berechnen? Und wer hält sich selbst nicht daran, ändert die gesetzlichen Grundlagen, Mwst. unerwartet? Wie viele gingen schon allein dadurch zugrunde, stürzten tief ab durch folgende Entlassungen und Insolvenzen? Kamen um alles und sollen sich mit Hatz IV glücklich schätzen? Neue Ideen und eine Politik, die für das Wohl des eigenen Volkes kämpft- entschlossen und konsequent- das brauchen wir!


6.
Der Beitrag ist in Ordnung. Nicht in Ordnung ist das System. Menschenunwürdige Arbeit, Niedrigstlohnarbeit um jeden Preis überall und auf Kosten der Gesundheit obendrein. Gutverdiener bekommen Dienstwagen, der Billigarbeiter fährt sonst wohin mit eigenem Auto, auf eigene Kosten! Er arbeitet für die Spritkosten. Billiglohnarbeiter werden “aufgestockt”- sie bekommen also genausoviel wie der Hartz IV- Empfänger. Der Staat, der Aussteiger züchtet, kann sich nicht beklagen, wenn er sie dann hat! Menschenwürdige Arbeit für alle muss es heißen und gibt der sogenannte ERSTE Arbeitsmarkt sie nicht her, muß es eben über dem ZWEITEN ermöglicht werden. Warum soll und darf nichts für den Staat direkt dadurch erwirtschaftet werden? Zur Finanzierung von Kinderkrippen und Kindergärten, Schulhorten bspw.? Hier sollte man ansetzen meiner Meinung nach. Aufqualifizierung und alternativen Arbeitsmarkt erschließen, zu menschenwürdigen Löhnen.

7.
Ich sehe das anders! Denn als Sozialarbeiter habe ich täglich mit diesen Menschen zu tun, die sicherlich nichts dafür können, da unser kapitalistisches System so ist. Aber in Wirklichkeit brauchen wir die ALG II Empfänger, denn sie sind wichtige Konumenten für unseren wirtschaftlichen Markt, finanziert durch Steuergelder. Ich selbst arbeite als Alleinerziehende Mutter unterhalb des ALG II Satzes, bei einer 35 Stundenwoche und gebe mein Kind in Massenverwahrungsstätten ab. Es sind eben nicht 374 Euro, sondern schnell mal 1400Euro die das Amt zahlt. Denn leider muss ich von meinem Lohn auch Miete, Strom, Kitagebüren, Versicherungen etc. bezahlen. Mittlerweile wissen ALG II Empfänger nicht mal mehr das sie von ihrem Lohn (wenn sie ihn hätten) auch Miete und Strom zahlen müssten. Denn diese Zahlungen laufen häufig durch Abtrittserklärung vom Amt.




Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 03. Mai 2012 schrieb Marie Wagner:

Ich selbst musste bisher (Gottseidank) nicht von Hartz IV leben. Aber die von Ihnen veröffentlichten Zuschriften zum Thema berühren mich sehr. So eine Leben ist, gemessen am Protz-Reichtum in Deutschland, unerträglich!

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