Akute "Sonderlage dahoam"

München zwischen Amok-Panik und Terror-Angst

Autor: Wolfgang Blaschka
Datum: 28. Juli 2016

Bayern ist scheinbar gerüstet für jeden erdenklichen sicherheitsrelevanten Fall, mit Ausnahme eines Atomkrieges vielleicht. Nur gegen etwas ist nicht nur der Freistaat nicht gefeit: Dass seine Bürger durchdrehen. So wie der strebsame 18-jährige in Deutschland geborene und aufgewachsene Schüler Ali David Sonboly, der sich für Hänseleien, handgreifliches Mobbing und Diebstahl an seinen ehemaligen Mitschülern rächen wollte, indem er sie unter falscher Identität zu einem kostenlosen Essen im Fast-Food-Restaurant einzuladen vorspiegelte, um sie zu töten. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen tötete der "einsame Wolf" wahllos neun andere Menschen und verletzte 27 weitere, 10 davon schwer. Die meisten waren Jugendliche wie er selbst, viele mit Migrationshintergrund.

Einer der wenigen, die eintrudelten, war enttäuscht, dass die angebliche Einladerin nicht zugegen war, und verdrückte sich nach kurzer Begrüßung gleich wieder zum Einkaufen schräg gegenüber. So entkam er der Rache des ehemaligen Mitschülers, der seinem Faible für den norwegischen Nazi-Killer Anders Brevik genau am fünften Jahrestag von dessen Bombenanschlag in Oslo und dem folgenden Massaker auf der Insel Utoya freien Lauf ließ. Doch nicht nur der labile, psychisch kranke und Ego-Shooter-besessene Ali David drehte durch. Ganz München drehte durch. Und die Polizeiführung griff mächtig in die Speichen des ganz großen Rades, das die gesamte Stadt stillstehen ließ: Es herrschte behördlich verordneter Ausnahmezustand, dem 1,5 Millionen Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert waren. Die Staatsmacht saß ihren eigenen Terrorphantasien auf, die Bewohner ihrerseits der geschürten Hysterie. Plötzlich wurde angeblich überall geschossen. Der reale "Counter-Strike" nahm polizeigesteuert seinen unheilvollen Lauf.

Das Rüstungszentrum München verfügt nicht nur über Waffenschmieden zum Export in Krisenregionen, sondern auch über ein polizeiliches Einsatzpotenzial für die "Heimatfront" vom Feinsten. Auch aus dem Umland wurde binnen kürzester Frist alles mobilisiert, was zwei Beine oder vier Räder hatte, nebst Polizeikräften auch aus anderen Bundesländern. Sogar die GSG-9 durfte mit sechs Hubschraubern aus NRW einfliegen. Auch die österreichische Spezialeinheit "Cobra" war mit von der Partie. Insgesamt tummelten sich dann 2300 Einsatzkräfte auf den Straßen im freitäglichen Feierabendverkehr. Dieses Großaufgebot kam an diesem 22. Juli 2016 zur vollen Geltung: Bereits kurz nach dem ersten Alarm um 17.52 Uhr war das Olympia-Einkaufszentrum umstellt; dort waren Schüsse gefallen. Sofort lief die Sicherheitsmaschinerie nach vorgefertigtem Einsatzkonzept "Sonderlage nach Amoklauf" auf Hochtouren, rasant durchdrehend wie die Rotorblätter ihrer Helikopter, im Laufe des Abends bis hoch hinauf zur "akuten Terrorlage".

Die Polizei zeigte, was sie konnte: Eine komplette Millionenstadt lahmlegen, sämtlichen Nahverkehr außer Betrieb setzen, die sofortige Schließung von Restaurants und Geschäften anordnen, den Hauptbahnhof verrammeln, Züge umleiten und vor allem selber herumstehen, nicht zuletzt sich selbst im Weg. Und mehr noch demonstrierte sie, was sie eben nicht konnte: Menschenleben schützen. Das ist die Krux jeder Polizeiarbeit, dass die Ordnungshüter naturgemäß immer erst nach der Tat aufkreuzen, wenn alles Schreckliche passiert ist, um Spuren zu sichern und den Tatort samt umliegender Straßen abzusperren. Das soll kein Vorwurf sein. Es ist Fakt. Was ihnen bleibt, ist eine groß angelegte Polizeiübung unter Realbedingungen, in diesem Fall also eine stadtweite Großfahndung. Dabei kauerte der Attentäter keine 600 Meter nördlich des OEZ versteckt in einer Seitenstraße. Zivilbeamte hatten auf ihn geschossen, jedoch nicht getroffen. Das große Jagdfieber war allerdings schon ausgebrochen. Zeugen wollten an mehreren Stellen Schüsse gehört haben. Darum vermutete man noch zwei weitere inzwischen möglicherweise U-Bahn-flüchtige Komplizen, die es jedoch nicht gab. Es war nur einer. Wie gesagt: Kein Vorwurf an die Ohrenzeugen; das konnte niemand so genau wissen zu diesem Zeitpunkt. Doch die Schüsse am Parkdeck hatte die Polizei selbst abgegeben; das hätte sie zumindest wissen müssen, um entsprechende Meldungen richtig einordnen zu können. Nichts dergleichen. Einmal in der Welt entfalten Gerüchte ihr Eigenleben.

4310 Notrufe gingen an diesem Abend ein, soviel wie sonst an vier ganzen Tagen. In Zeiten grassierender Terror-Hysterie fehlt es nicht an beflissener Mitwirkung seitens der Bevölkerung, die auch am Stachus ("und am Karlsplatz", wie der ortsunkundige Dauerplapperer Thomas Roth im Tagesschau-Livestream noch einen draufsetzen zu müssen glaubte, nicht ahnend, dass beides denselben Ort bezeichnet) in der Innenstadt Schüsse gehört haben wollten und in wilder Panik auseinander stoben, kreischten, weinten, flüchteten. Eine Armada von Polizeifahrzeugen kämpfte sich durch die halbe Stadt. Schutzgepanzerte Spezialkräfte gingen martialisch in Feuerstellung, aber nichts war: Fehlalarm! Also alles wieder zurück zum OEZ mit Blaulicht und Martinshorn. Dort weiteres Rätselraten unter Blaulichtgeflacker. Einige Streifenwagen und Zivilfahrzeuge rasten derweil in Richtung Goetheplatz.

Es kursierte ein Handy-Video, das einen schwarz gekleideten Pistolen-Schützen mit rotem Rucksack zeigte, der auf flüchtende Passanten zielte. Tatsache war, dass er im Lokal bereits vier Menschen und vor dem Eingang zwei weitere tötete, bevor er seine Mordserie im gegenüber liegenden Einkaufszentrum fortsetzte mit weiteren Toten und vielen Verletzten. Zweieinhalb Stunden nach der Bluttat richtete der in die Enge geratene Mörder seine "Glock 17", Kaliber 9 mm gegen sich selbst und drückte ab, bevor Polizeibeamte ihn stellen konnten. Zumindest nicht noch eine Polizei-"Hinrichtung" wie beim Axtmörder aus dem Zug bei Würzburg!

All das wusste die Öffentlichkeit lange Zeit nicht, und die Polizei gab erst spät und nur sehr "vorsichtig" Entwarnung. Stattdessen munkelte man in den Medien weiterhin unablässig von mindestens zwei Flüchtigen, faselte innenministeriell von akuter Terror-Lage und schwadronierte wortreich, aber tatsachenwidrig von "Tätern mit Langwaffen" und eingebildeten Schüssen an mindestens vier anderen Stellen im Stadtgebiet. Hätte das Publikum frühzeitig erfahren, dass sich im OEZ auch mehrere MP-bewaffnete Zivilbeamte herumtrieben, hätten sich die "Langwaffen"-Beobachtungen deutlich relativiert, und das Gerücht von den "drei Attentätern" wäre womöglich gar nicht erst aufgekommen. Erst das Verschweigen "aus taktischen Gründen" heizte die Gerüchteküche so richtig an, und sollte wohl den stadtweiten "Terror"-Zustand legitimieren helfen. Der gezielt belassene Informationsmangel zeitigte krasse Folgen: Eine Touristin stürzte sich in Panik sinnwidrig aus dem zweiten Stock eines Hotels in der Innenstadt. Ein "Experte" nach dem anderen gab nichtssagenden bis unzutreffenden Senf zum Besten, über geschlagene fünf Stunden im Ersten. Selbst der von der Nachrichtenlage elektrisierte Chefredakteur der Münchner Abendzeitung zwitscherte aus dem weit abgelegenen Westend, ebenfalls Schüsse gehört zu haben. Wie durchgeknallt muss eine Gesellschaft sein, um derart hysterisch zu reagieren!

Auch Kriegsministerin von der Leyen witterte umgehend Morgenluft an diesem Abend und brachte allen Ernstes eine Feldjäger-Einheit für den Einsatz im Landesinneren ins Gespräch. Bei mehreren parallel auftretenden Gefahrenlagen an verschiedenen Orten sei so etwas Notstandsartiges vom Grundgesetz doch gedeckt, meinte sie. Wo Militärs doch Fähigkeiten hätten, welche der Polizei nicht zur Verfügung stünden! Dabei ist die Feldgendarmerie nichts anderes als eine Militärpolizei, vielleicht noch etwas ruppiger im Umgang mit Zivilisten. Beim Herbeireden eines Ausnahmezustands war man in Berlin nicht zimperlich. Was ist nur los mit uns, um mit Margot Käßmann zu fragen: "Warten wir jetzt schon auf den Terror?" Und wenn keiner kommt, machen wir ihn selber?!

In Kriegszeiten muss es nicht wundern, dass alles auf "Terror" fixiert ist, wo ihn doch westliche Regierungen permanent produzieren und eskalieren. Ganz ähnlich mögen die Bewohner Ostpreußens gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die "Rache der Russen" erwartet haben im Wissen um deren leidvolle Kriegserfahrungen und in der vagen Ahnung von den deutschen Kriegsverbrechen im Osten. Da erscheint keine Dimension zu ungeheuerlich. Entsprechend grotesk sind die Reaktionen. Der lange Jahre weit weg von zuhause und scheinbar gefahrlos Krieg führende Westen fühlt sich plötzlich völlig unschuldig selbst angegriffen und schlägt in vermeintlich gerechter Selbstverteidigung nach Kräften um sich. Auch gegen sich selbst, mindestens gegen die eigene Bevölkerung.

Doch sogar unter der Annahme eines Terror-Szenarios wie in Paris mutet die Entscheidung der Polizeiführung, die Läden und Clubs zu schließen und U-Bahnen, Trambahnen und Busse zu blockieren und schließlich den S-Bahn- und Fernverkehr zu stoppen, an wie eine Einladung zum vorstellbaren Blutbad an der ratlos und hilflos umherirrenden Bevölkerung, die zwar einerseits öffentliche Plätze meiden und nach Hause gehen sollte, andererseits jedoch ohne öffentliche Verkehrsmittel gar nicht konnte. Selbst Taxis sollten keine Fahrgäste mehr aufnehmen. Wären wirklich mordlüsterne Terroristen entkommen, hätten sich ihnen in der Stadt genügend verängstigte Menschentrauben als "weiche Ziele" dargeboten, die nirgends hineinkonnten, schon gar nicht in ihre entfernt liegenden Wohnungen. Einzelne begaben sich schutzsuchend in Polizeireviere oder naiv gar in die "Höhle des bayerischen Löwen", in die Staatskanzlei: Durchaus lohnende Anschlagsziele allemal im Ernstfall. Die dümmliche Vorstellung, mit einem Allmachtsgriff auf die "Stop"-Taste etwas im Griff zu haben oder verhindern zu können, war so grottenfalsch wie sie fatale Konsequenzen hätte bewirken können: Ein Massaker in der City oder anderswo, welches zumindest indirekt mit zu verantworten gewesen wäre von der Polizei.

Die Menschen am Stachus hatten diese Horrorvision emotional antizipiert und Schüsse gehört, wo keine waren. Ebenso am Isartor und an insgesamt vier verschiedenen Stellen, sogar im Westend. Über dem Marienplatz knatterte ein Polizeihubschrauber, der nichts bewirkte außer Furcht und Schrecken zu verbreiten. Aus dem Hofbräuhaus suchten sich 1500 Gäste in Sicherheit zu bringen, teils in die oberen Stockwerke, teils durch eingeschlagene Fenster nach draußen auf die Straße. Einige warfen die schweren Tische in der Schwemme um und verbarrikadierten sich im Vollrausch ihrer Terrortrunkenheit. Im abgedunkelten Bäckerladen drückte sich verängstigtes Verkaufspersonal an die Wand und ließ niemanden ein. Im Supermarkt am Gärtnerplatz ergriff die Kunden Platzangst; sie konnten nicht raus. Draußen umrundete ein verirrtes Polizeifahrzeug mehrmals das Rondell, als wisse es nicht so recht wohin.

Am Sendlinger Tor schließlich zeigten zwei Beamte im Streifenwagen betont lässig Präsenz bei offener Fahrertür und ostentativ entspannt herausgestelltem Bein. Auf die Frage, was am Stachus los sei, kam die lakonische Antwort: "Keine Ahnung". Auf Nachfrage, ob denn dort abgesperrt sei, wurde der Angesprochene patzig: "Gehen Sie heim! Das hören Sie morgen im Radio. Für sowas haben wir jetzt keine Zeit". Sprach's und stieg aus, um mit seinem Kollegen, die Maschinenpistolen unterm Arm, in den Untergrund abzutauchen. Der "Freund und Helfer" schien so fixiert auf Verbrecherjagd mit Bürgerinformation deutlich überfordert. Wo Blaulicht-Kolonnen ziellos durch nächtliche Straßen irrlichtern, steigt nur der Adrenalinspiegel, nicht der Grad der Besonnenheit.

Feuerwehr- und Notarzt-Fahrzeuge standen bereit. Die Kliniken beorderten alles verfügbare Personal in die Notaufnahmen, gemäß dem Alarmplan "Massenanfall Verwundete". OP-Teams und Spezialisten zur Schockbehandlung wurden informiert. Sie hatten auch ohne "Terror" genug zu tun mit Patienten, die sich in heilloser Flucht verletzten. Die Informationspolitik der Polizei beschränkte sich neben improvisierten Pressekonferenzen weitgehend auf Twitter und die Kowarn-App. Ältere und "analog" lebende Personen hatten davon wenig; sie konnten schlecht fernsehen oder Radio hören auf der Straße. Früher wären da Lautsprecherwagen gefahren. Heute werden nur elektronische Kurzmeldungen herausgeblafft nach dem Motto: Bürger, verpisst Euch, Ihr stört. In diesem Sinne auch "bitte keine Aufnahmen ins Netz stellen!", damit möglichst niemand nichts Genaues weiß, vor allem die flüchtigen Phantome nicht.

Der Polizeiapparat schnurrte sein eigenes Programm und überließ Touristen wie Stadtbewohner sich selbst und ihren Gerüchten. Die schossen ins Kraut, je rücksichtsloser die Polizei über das Ziel hinausschoss und wesentliche Informationen zurückhielt. So hatte sie das in der Silvesternacht bereits geübt mit den Bahnhofssperrungen nach Fehlalarm. Nun also im ganzen Stadtgebiet: Gitter runter und Schotten dicht! So schlicht gestrickt, so menschenverachtend. Ohne die gastfreundliche Hilfsbereitschaft vieler Münchnerinnen und Münchner mittels der "Offenetür"-Inititive wären so manche Pendler und Stadtrandbewohner auf der Strecke geblieben, als hilflose Geiseln einer hirnrissigen "Sicherheits"-Politik, der zuvorderst nur wichtig ist: Stärke demonstrieren, Polizei aufrüsten, reflexhaft nach Gesetzes-Verschärfungen rufen. Anstatt kühlen Kopf zu bewahren, abzurüsten und die Zivilgesellschaft zu stärken mit optimaler Sozial- und Gesundheitspolitik. Wie schon beim Flüchtlings-Empfang erwies sich zivile Selbstorganisation als deutlich hilfreicher denn die staatlichen Gewaltapparat-Muskelspielereien. Die hatten wenig im Griff, am wenigsten sich selbst.

Die Notfall-Pläne der Münchner Polizei jedenfalls taugen nach den Erfahrungen dieser Aktion "Wasserschlag" eher dazu, einen echten Notfall herbeizuführen oder zu -reden. Der mit geschwellter Brust agierende "starke Staat" provoziert genau das, was er zu verhindern vorgibt: Panik, Terrorangst und das beklemmende Gefühl lähmender Ohnmacht gegenüber einer unfassbaren Bedrohung aus der eigenen Gesellschaft heraus, die ihr hausgemachtes Versagen gern nach außen projeziert und von sich abspalten will, sich damit aber zunehmend nur selbst verstümmelt und verroht. Vielleicht ist genau dies das Ziel der Verunsicherungs-Eliten, um sie doch noch kriegstauglich zu machen. Dem allerdings gilt es sich kraftvoll zu widersetzen: Ein labiles und psychisch krankes Volk hatten wir bereits zur Genüge. Da es damals noch keine virtuellen Ballerspiele gab, musste es die halbe Welt ausbaden.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 30. Juli 2016 schrieb Grit Weiß:

Vielen Dank für diesen großartigen Artikel. Wenn man, wie so viele Menschen, die MassenMedienBerichterstattung nicht mehr ungefiltert ertragen kann, ist man sehr dankbar für solche noch dazu sehr unterhaltsamen Einordnungshilfen. Ich bin gespannt, ob und wie die Hysterie weiter geschürt wird. Auch ich vermute dahinter die Absicht, das kriegsunwillige Volk "endlich" von seinem altmodischen Pazifismus zu befreien. Der Schuß könnte allerdings auch nach hinten losgehen, wenn an unserer heilen Welt gerüttelt wird, könnten auch wir bequemen Deutschen plötzlich politisch unberechenbar werden. Beim Lesen mußte ich unwilkürlich an die Kommödie "1941- Wo bitte gehts nach Hollywood?" denken. Eine völlig hysterische Einwohnerschaft, die aus Panik vor einem vermeintlichen Angriff der Japaner halb Los Angeles in Trümmer legt, die Army planlos aber entschlossen mithilft, während der General im Kino Dumbo schaut. Leider ist die Realität weniger lustig. Ich möchte mir das Ausmaß an Chaos das eine Attacke wie in Frankreich hier nach sich zöge nicht im enferntesten ausmalen.


Am 29. Juli 2016 schrieb Andreas Schell:

In Deutschland gibt es Verbrechen. Jedes einzelne davon ist schrecklich. Über die wenigsten erfährt man etwas. Noch viel mehr Menschen sterben bei Unfällen. Gibt es hierzulande überhaupt Tote durch Terror, oder muss man anschließend das Etikett auf die Leichen kleben, damit es so ist? Der Terror ist genau so wichtig, wie ihn Medien und Politiker machen. An diesem Freitag Abend war er extrem wichtig. Der Terror ging an diesem Abend vom Fernsehen, namentlich auch vom öffentlich rechtlichen aus. In der ARD wurde stundenlang sinnlos Panik geschürt, deutschlandweit Angst und Schrecken verbreitet und spekuliert, wo seriöse Information und zweckdienliche Hinweise lokal begrenzt ihren Platz gehabt hätten. Am nächsten Morgen trug Bayern 3 die Emotionen eines irgendwie bombardierten Volkes auf trauriger Musik weiter. Das deutsche Volk wurde aber nicht bombardiert. Ein Täter verursachte bei einem besonders grausamen Gewaltverbrechen zehn Tote, größtenteils Kinder und Jugendliche, ihn selbst eingeschlossen. Für die betroffenen Familien ist das schlimmer, als man es sich vorstellen kann. Für nicht Betroffene ist es vielleicht keine schlechte Idee, mitfühlend, in stiller Einkehr und traurigen Gedanken an die Opfer zu schweigen. Wer unbedingt etwas tun will, könnte sich dafür einsetzen, Produktion und Export von Handfeuerwaffen zu unterbinden.
Es wird aber für eines allerhöchste Zeit: schmeißt doch bitte diese hysterischen Eskalierer aus den Sendeanstalten raus. Bewahrt dort kühlen Kopf. Macht eine Pause, wenn es gerade nichts zu berichten gibt. Und hört vor allem im Bezahlfernsehen auf, in dieser unerträglichen Weise nach mehr davon zu lechzen. Das ist Sache der Sensationspresse. Ein seriöses Gegengewicht wäre hilfreich.


Am 29. Juli 2016 schrieb Benny Thomas Olieni:

Eine ausgezeichnete Darstellung.

Wem nützt die groteske Überreaktion der staatlichen Apparatschiks?

Den Panikmachern und Kriegstreibern.

Schaden und Kosten des übermäßigen Einsatzes trägt die Allgemeinheit.


Am 28. Juli 2016 schrieb Gideon Rugai:

Das erinnert mich irgendwie an den dubiosen Terroranschlag von London im Jahre 2005. Da gab es auch einen angeblichen Terroristen, seltsam passende Terrorübungen und jede Menge Indizien, man hätte geradezu drauf gewartet nach 9/11 die Messer wetzen zu dürfen, ja sogar ein Terroristen-Patsy benutzt zu haben, um der Bevölkerung ein für allemal einzubläuen was die Stunde geschlagen hat.
Meine Güte, zu lesen was im Land der Großkopferten abgeht, wenn es denn tatsächlich mal knallt und mir dabei vorzustellen wie sächsische Kleinbürger mutig Flüchtlingsunterkünfte attackieren, während die Bevölkerung in Nahost tagtäglich "echten" Terror- Krieg zu erleiden hat - ehrlich, da möchte ich den feig-hedonistischen- Post-Wende-Durchschnitts-Teutonen an sich einfach nur noch anspucken.
Könnte er das alles doch jederzeit beenden (wie auch jeder Europäer, Brite, US-Amerikaner) wenn er nur wollen würde.
Aber nein: Er würde wohl zwar wollen (also irgendwie schon), dass sich was ändert, aber nur wenn ansonsten alles so bleibt wie es ist.....


Am 28. Juli 2016 schrieb Lutz Jahoda:

FERNSEH-INSZENIERUNGEN
SELBST GESTALTEN

ARD und ZDF vermittelten an jenem Amok-Abend in München eine brillante Lektion für angehende Unruhestifter und Selbstunterhalter und lehrten damit gar dem Dümmsten unter Dummen, dass es in Zukunft eigentlich nur einer einzigen Person bedürfen wird, um eine Weltstadt lahmzulegen. Dies gelänge sogar, ohne nur eine einzige Person zu verletzen: Ein schnelles Motorrad und ein kaputter Typ mit einer Schreckschusspistole, der in Kürze gleich mehrere Bezirke "bedient", untertaucht, um anschließend genüsslich im Fernsehen sein Werk zu betrachten. Welch ein Ideenvergabe! Danke, liebes Fernsehen!


Am 28. Juli 2016 schrieb Alfred Matejka:

Vielen Dank Wolfgang Blaschka für den ausgezeichneten Bericht von dahoam.Dr.Gniffke könnte doch jetzt den Sonntag Tatort von München aus dem Programm nehmen.Wenn 2300 Polizeieinsatzkräfte im Einsatz sind ,dazu in Zukunft noch die Feldjäger,das ist doch die Real-Show. Und da z.Z.fast täglich irgendwo in Deutschland der Terror wütet,gibt es immer genügend zu sehen.Vorsichtig sollten vor allem die jungen Leute sein,die überall im Lande teils in großen Gruppen auf Pokemonjagd sind.Wenn da mal ein Kracher losgeht ist die GSG-9 sofort zur Stelle.Zum Glück gibt es hier noch keine(aber bald vielleicht)Angriffe durch Drohnen.Da sollte sich jede Hochzeitgesellschaft genau überlegen (vor allem türkische)ob sie ins freie gehen.In Afghanistan wird schließlich die Freiheit verteidigt.Und die Gewerkschaftsvorstände sollten ab sofort bei Warnstreiks auch das Kriegsministerium informieren.Da geht es ja nur um ein bisschen mehr Geld und nicht um den Sturz der Eliten.Kostengünstig ist natürlich,dass der oder die Täter die den Terror hier machen,sich am Schluss selbst erschießen oder direkt vor Ort erschossen werden.Das ist natürlich für den Kameramann eine besondere Aufgabe,das ins Bild zu bekommen.Auf jeden Fall spart man sich die immensen Gerichtskosten ,wie z.B.beim NSU-Prozess in München(passt ja) der bisher 303 Verhandlungstag andauert und bisher über 30 Mio.kostet.Aber da ging es ja nicht um Terror sondern um zehn Einzelmorde,vor allem gegen Moslems, soviel ich weiß.Ja ,dann mal los.Die Hungerspiele können beginnen.


Am 28. Juli 2016 schrieb Manfred Ebel:

Manfred Ebel:
Lieber Wob, dieser Artikel ist bitter nötig! Der gesamte Ablauf, dankenswert von Dir sorgsam recherchiert und zusammengetragen, legt nahe: Nein, wir warten nicht auf den Terror sondern ergreifen die erstbeste und jede Gelegenheit zum Training und zur Machtdemonstration. Wer "wir"? Demonstration wessen Macht? Training wozu?
Wichtig ist, die Stärkung der Zivilgesellschaft einzufordern. Noch wichtiger ist Deine Schlussmahnung und keinen Zweifel daran zu lassen, dass diese Demonstration gegen sich widersetzende Massen gerichtet ist. Auch diese terrorisierenden Rollkommandos kennt Deutschland und die halbe Welt aus deutscher Vergangenheit.
Mitläufer und Büttel gibt es immer genug.
Wir müssen uns kraftvoll widersetzen!


Am 28. Juli 2016 schrieb Menasche Kishon:


Wolfgang Blaschka schildert den Wahnsinn so packend als wäre man in München dabei gewesen! - München ist noch einmal davongekommen. Angenommen es hätte einen echten Terroranschlag gegeben, dann hätten diese Irren ganze Stadtteile platt gemacht. Ursula von der Leyen und ihre Bundeswehr standen auch schon bereit. - Nur zum Vergleich: Die Regierung der USA hat im Jahr 2015 insgesamt 23.144 Bomben auf muslimische Länder abgeworfen, das sind 63,4 Bomben am Tag! https://www.youtube.com/watch?v=lyZjYh-hldU

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