Was uns blüht ist Erika

Menschenrechte im Aggressions-Format

Autor: U. Gellermann
Datum: 15. Dezember 2014

Das deutsche Land - wo wir uns finden wohl unter Linden - gefriert gerade unter dem Marschtritt der Ausländerfeindlichkeit. Xenophobe Gesinnung, anscheinend aus der "Mitte der Gesellschaft", wohlanständiges Bürgertum, nur ein wenig braun gesprenkelt, rottet sich zur Rettung des Abendlandes zusammen: Der Islam bedrohe Europa, erfahren wir von den PEGIDA-Marschierern in Dresden oder in Düsseldorf, von jenen vorgeblichen "Patriotischen Europäern Gegen die Islamisierung des Abendlandes", an deren Spitze ein Ex-Knacki steht und deren Aktivitäten zur Zeit die Spitzen-Meldungen der Medien erreichen.

Obendrauf die sonderbarste aller Parlaments-Parteien, die CSU, die lange und beharrlich forderte, die Ausländer, die fremdländischen, sollten gefälligst untereinander Deutsch sprechen. Hinzu kommt noch die Behandlung von Flüchtlingen im reichen deutschen Land: Mal wie Dreck, dann ein wenig besser, immer schlecht organisiert und durchweg konfuser als zum Beispiel in der Türkei, die das x-fache an Flüchtlingen aufnimmt. Das alles ist fraglos ein Menschenrechtsthema. Und auch um Menschenrechte geht es zur Zeit in einer beschämenden Polit-Posse, ausgelöst von Erika Steinbach: Um den UN-Menschenrechtsrat und Deutschland.

Demnächst sollen die Deutschen die Präsidentschaft des UN-Menschenrechtsrates übernehmen. Eine Ehre, die der Bundes-Gauck schon mit den Worten der Rat sei ein "Ort der Verantwortung" würdigte. Und wann immer Gauck "Verantwortung" sagt, muss man sich Sorgen machen. Im Chor der Verantwortungsträger auch die CDU-Abgeordnete Steinbach, emeritierte Königin der Vertriebenen-Verbände. Eine Frau, die eigentlich nur eine Sorte Flüchtlinge kennt: Deutsche. Und so wußte sie denn auch gleich, wo für die Einhaltung der Menschenrechte dringend gekämpft werden müsse: Weit weg. In Syrien, im Irak und in der Ostukraine.

Nun könnte die Bundesrepublik eine schöne Morgengabe in den UN-Rat einbringen: Das "Deutsche Institut für Menschenrechte". Es wurde im Jahr 2000 vom Bundestag auf den Weg gebracht und müsste, nach den Wünschen der UNO, eigentlich eine gesetzliche Grundlage haben falls es denn den A-Status erreichen wolle. Hat das Institut aber nicht. Damit das der deutschen Rats-Präsidentschaft nicht unangenehm auf die Füße fällt, hat der Bundesjustizminister schnell eine Gesetzesvorlage formuliert, die dem Institut den gewünschten Status verleihen würde. Aber nicht mit Erika Steinbach!

Steinbach ist in der Bundestagsarbeitsgruppe für Menschenrechte und findet, dass sich das Institut zu sehr mit Menschenrechtsfragen im Inland beschäftigt. "Um hier zu einer aussagekräftigen Bewertung der Menschenrechtsgrundlage zu kommen, sollte es (das Institut) sich noch intensiver mit Menschenrechtsverstößen im Ausland befassen." Und so legt sie einen alternativen Gesetzesentwurf vor und schiebt das Thema damit auf die lange Bank der Koalitionsstreitigkeiten.

Menschenrechte im Ausland: Die gehören schon lange zum Instrumentarium der USA und ihrer Verbündeten, um, mittels militärischer Aggressionen, unliebsame Regimes auszuwechseln und liebsame Rohstoffe für sich zu beanspruchen. Im Ausland wollen Steinbach & Co. Verantwortung übernehmen. Im Inland ist doch alles ganz in Ordnung, wenn nur ausrechend Deutsch gesprochen wird. Wie in den USA auch alles in Ordnung ist, von ein wenig Rassismus und ein bisschen Foltern mal abgesehen.

Wer jetzt denkt, Erika Steinbach sei doch eher eine Randfigur, der hätte nur den CDU-Parteitag beobachten müssen, um eines Besseren belehrt zu werden. Die Steinbach gehörte zu den wenigen, die in Angela Merkels Rede lauthals gelobt wurde: Der rechte Rand der CDU braucht seine Streicheleinheiten. Und was ist der Kanzlerin schon das Menschenrecht im Inneren, wenn es doch laufend von Ausländern im Ausland verletzt wird.

"Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein - Und das heißt: Erika". Das hat die Nazi-Reichswehr schon gesungen und die Bundeswehr marschiert noch heute im gleichen Schritt und Tritt des nur scheinbar harmlosen Liedes. Ob die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, vor deren "abrupten" Abzug Frau von der Leyen dringlich warnt, oder die deutschen Truppen, die in den Nordirak marschieren sollen, auch das Erika-Lied singen? "In der Heimat weint um dich ein Mägdelein - Und das heißt: Erika", so klingt das Ende vom Lied. Wenn Erika Steinbach jenes Mägdelein sein sollte, das in der Heimat um den verlorenen Soldaten in Kriegen wegen der Menschenrechte weint, dann ist es nicht sicher, ob für ihn mehr Schrecken im Krieg oder in der Heimat lauert.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 18. Dezember 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Lieber Paul-Wilhelm Hermsen!

Eine Verbeugung muss ich vor Ihnen sofort und ohne jede Umschweife machen: Sie verfügen über eine Art Humor, dem ich in der Tat nicht gewachsen bin.

Trotzdem müssen Sie bitte ertragen, dass ich politisch Herrn Nietzsche im Groben selbstverständlich mit z.B. einer Hayek’schen Denkweise verbinde. Es geht dabei um den Elitebegriff bzw. um dessen Bedeutung. Nietzsches Denken ist voraufgeklärt „atavistisch“, das „natürliche“ Hierarchien unter den Menschen als gegeben sieht und einen – kulturellen - „Herrenmenschen“ herbei sehnt, der sich über die Interessen der Mehrheit erhebend jegliches Selbstverwirklichungsrecht auf Kosten der Allgemeinheit herausnehmen sollte. Nun, und dies steht für mich nun einmal im krassen Widerspruch zum Marx’schen Gleichheitsgedanken.

Aus diesem Grund meine ich, dass wir sehr wohl einen Marxismus und überhaupt jeden Ansatz emanzipatorischen Gleichheitsdenkens dringend brauchen. Herrn Bergoglios Beitrag hierzu halte ich allerdings aus sich selbst heraus für limitiert. Das ändert freilich nichts daran, dass der Mann schon einige bemerkenswerte Dinge gesagt hat.

Recht aber haben Sie mit Ihrer Beobachtung, dass die Theorie als reine Lehre, ja auch mitunter blanke Leere garantiert sinnentleert ins Abseits führt.


Am 17. Dezember 2014 schrieb Pegida-Versteher:

Die Linke soll den Menschen sagen, wer an den Kriegen schuld ist.

Aber das tut sie nicht. Warum???

Antwort von U. Gellermann:

Wer auch immer „die“ Linke ist: Ich bin links und schreibe über Kriegsschuld.


Am 17. Dezember 2014 schrieb Fred Merker:

Falls Sie künftig mit solch aufgeblähten, wichtigtuerischen Beiträgen wie denen des Herrn von Korty die Qualität der Nationalgalerie verschlechtern, werdend Sie mich als Leser verlieren.

Antwort von U. Gellermann:

Zuschriften dieser Länge werden nicht mehr veröffentlicht.


Am 17. Dezember 2014 schrieb Paul-Wilhelm Hermsen:

Liebe Reyes Carrillo,
Sie sind dem humoristischen Teil meiner Ausführungen offensichtlich glatt auf den Leim gegangen. Darüber muss ich wiederum schmunzeln.

Ich könnte das von mir im mittleren Teil meiner Ausführungen karikierte, sogar noch vertiefen. Doch das würde den Rahmen einer mitunter grotesken „Leidensfähigkeit“ nicht nur dieses, sondern jeglichen, ernsthaften Diskussionsforums sprengen.

Anlass für diese nicht ernst gemeinte Einlage, ist die Erfahrung, dass häufig viel zu theoretisch hinterfragt und argumentiert wird. Wir brauchen keinen Marx, keinen Engels, keinen Nietzsche. Das ist in diesem Zusammenhang genau so wenig verständlich, wie der Versuch, neoliberales Wirtschaftsdenken mit Nietzsche und Marx zu verbinden. Bei Nietzsche tappen wir sowieso im Dunkeln, weil wir nicht wissen, ab wann bereits sein durch Syphilis hervorgerufener Persönlichkeitszerfall eingesetzt hat.

Ein anderes Beispiel als das von mir karikierte. Auch das Geschwafel der Wirtschaftsweisen aus den Elfenbeintürmen diverser Akademien bringt für eine vernünftige, artgerechte, Wirtschaftspolitik rein gar nichts. Die aber wäre erforderlich, um eine sich endsolidarisierende Gesellschaft zu vermeiden.
Das immer mal wieder aufflackernde Sich Ergießen in diese oder jene reine Lehre (Leere hat zwar eine gewisse Spannung, führt aber nicht weiter, sondern am Thema vorbei.

Trotzdem - wenigstens Jemand, der mal nachgefragt hat, so dass ich antworten kann. Sonst denken die Stillen im Forum am Ende noch, ich hätte die Syphilis.


Am 17. Dezember 2014 schrieb Aleksander von Korty:

Frau Reyes Carillo und Herr Thomas Olieni,
 
sie haben meinen Betrag zum Gegenstand ihrer Anmerkungen gemacht und so will ich Ihnen antworten, in chronologischer Reihenfolge und entsprechend den Regeln der Höflchkeit, also der Dame zuerst:
 
Das Sie sich selbst der Argumentationsmöglichkeit berauben, Menschen zu zitieren, deren Ansichten sie ablehnenn, ist allein Ihre Angelegenheit und würde ich niemals zum Gegenstand meiner Kritik machen. Dass sie mir allerdings den Vorwurf machen Nietsche zu zitieren, der ihrer Ansicht nach zutiefst reaktionäre Vorstellungen vertrat ist unsachlich und unlauter, da ich deutlich darauf hinwies, dass ich kein Nietzschianer bin. Eigentlich ein unnötiger Hinweis und mehr ist in solchem Zusammenhang auch nicht möglich. Mensch kann bei Verwendung eines Zitates einer beliebigen Person nicht jedesmal eine grundsätzliche Einschätzung seiner gesamten politischen oder philosphischen Auffassungen dazu liefern. Ich zitiere derweilen auch Konrad Adenauer, ohne Mitglied, Anhänger  oder Wähler der CDU zu sein. Und ich hätte selbst auch  keine Bedenken ein Zitat von Adolf Hitler zu verwenden. Das ist legitim und keineswegs politisch anrüchig. Dass sie mich dennoch wegen der Verwendung eines Nietzsche-Zitates kritisieren, grenzt daher schon an Böswilligkeit!
 
Dass sie meine Wortwahl bei der Charakterisierung religiöser Menschen kritisieren, kann ich nachvollziehen. Ich neige bei polemischen Auseinandersetzungen zu drastischer Wortwahl und so bin ich gerne bereit, den von mir verwendeten, diskreminierenden Begriff "grenzenloser Dummheit" durch das Wort "Unvernunft" zu ersetzen. Dazu allerdings stehe ich  uneingeschränkt und wenn sie mir diese, meine Auffassung zum Vorwurf machen, kann ich dazu nur sagen, dass ich damit sehr gut leben kann.
 
Was nun ihre Nicht-Reiseempfehlung und deren Begründung angeht, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ihr offesichtlich gut gemeinter Rat , zumindest bezüglich Kuba, zu spät kommt. Allerdings bin ich auch in dieser Hinsicht anderer Meinung.  Zu Ernesto Cardenal äußere ich mich nicht, da ich ihn bereits 1980 in Düsseldorf erlebt habe und später häufiger wiedertraf und daher auch ein wenig persönlich kenne und ihn sehr schätze.
 
Persönlichkeiten wie Correa, Chavez, Morales und Castro sind selbstverständlich Menschen mit einem ausgeprägten Machtgefühl, ohne dass sie nicht in solche Positionen, die sie inne haben, gekommen wären. Dazu gehört auch eine realistische und tatktisch-kalkulierende Einschätzung der Bewußtseinslage `ihrer´ Völker, die durch die spanische Conquista religiös zutiefst vom reaktionären Kastholizismus geprägt wurden. Gegen diese Prägung ideologisch in konkreten politischen Auseinandesetzunen kurzfristig erfolgreich angehen zu wollen, käme einem politischen Sebstmord gleich. Statt dessen benutzen sie diese Prägung dazu, sie für die eigenen politischen Zielstellungen zu kanalisieren, zeit- und teilweise sogar erfolgreich. Doch solche Vorgehensweisen sind ein zweischneidiges Schwert.
 
Ich kenne ein noch viel  drastischeres Beispiel für solches Vorgehen eines politischen Führers: Die Einbalsamierung und Austellung der Leiche Lenins diente Stalin in ersatzreligiöser Weise zur Nutzbarmachung seiner eigenen Machtinteressen. Das war strategisch und taktisch betrachtet sicherlich in jener Zeit sogar klug, lehne ich aber dennoch ab und es widert mich als Atheist  geradezu an. 
 
Zurück zu den von Ihnen erwähnten lateinamerikanischern Ländern und deren politischen Führern. Ihnen und ihrem selbstständig gewählten politischen Wegen gilt selbstverständlich gegenüber allen  konterrevolutionären Anfeindungen der inneren und äußeren Reaktion und des Imperiums im Norden meine uneingeschränkte Solidarität. Das aber ist keine `blinde´ Solidarität, die sich jede kritische Sicht darauf verkneift. Ganz im Gegenteil. Ich nenne nur ein Beispiel: Ich halte die Tatsache, dass es in Kuba immer noch die Todesstrafe gibt für einen erschreckenden Mangel an zivilisatorischem Fortschritt. Daran ändert auch nichts der Umstand, dass dies vermutlich der Bewußseinslage der Mehrheit der kubanischen Bevölkerung entspricht. Wir konnten ja in diesen Tagen nachlesen, dass eine Mehrheit der GRINGO-Bevölkerung die Anwendung der Folter für legitim und vertretbar hält. Die zivilisatorisch-rückständige Bewußtseinslage von Bevölkerungen kann ja wohl kein Kriterium für Fortschritt sein.
Ich selbst war vor 10 Jahren , kurz nach der Eheschließung zutiefst entsetzt, als ich feststellen mußte, dass meine junge kubanische Ehefrau ebenfalls eine vehemente Befürworterin dieser barbarischen Strafe ist.
 
Als geradezu  politisch albern empfinde ich Ihre Abschlussbemerkung zum Begriff des `Patriotismus´, den sie in zwei gegensätzliche Definitionen einteilen, in den ihrer Meinung nach positiven Patriotismus der erwähnten Länder und den braun-dumpfen Pariotismus in bananendeutschen Landen. Nun wenn wir in politischen Diskussionen immer zwei verschiedene, oder gar gegensätzliche Definitionen eines Begriffes zulassen, dann erübrigt sich damit jede intellektuelle Auseinandersätzung, da durch diese Art der Beliebigkeit, dann niemand mehr wissen kann, wovon die Rede ist. 
 
Also es gibt - auch in Kuba, Bolivien, Ecuador und Venezuela - KEINEN positiven Patriotismus. Auch dort ist er suspekt und ein Produkt politischer Unvernunft. Sie sehen ich vermeide den Begriff `Dummheit´. Denn Patriotismus im Sinne von `positiver Vaterlandsliebe´ ist mindestens irrationaler Unsinn. Ich liebe meine Frau! Ich liebe meine Kinder! Ich liebe meine Eltern! Ich liebe meine heimliche Geliebte! Ich liebe (oder schätze zumindestens) meine Freunde! Ich liebe meinen Hund! Und würde ich Katzen mögen, würde ich sogar meine Katze lieben! Aber ich liebe NICHT mein Vaterland!!!
 
Wie kann ich z.B. 82 Millionen Menschen lieben, die ich fast alle nicht kenne und deren Persönlichkeiten und charakterliche Eigenschaften mir ebenfalls nicht zugänglich oder bekannt sind. Und ich liebe auch keine Gegenden oder Landschaften oder klimatische Gegebenheiten. Ich finde sie angenehm, schön , faszinierend, interessant usw., aber ich liebe sie nicht ! ! !  Und auch die Kunst, Literatur und Kultur des Volkes, dem ich zufällig angehöre, liebe ich nicht, sondern schätze ich sehr. Aber ebenso die Kunst, Literatur und Kultur aller anderen Völker! Und so bleibt es  bei meiner Auffasssung: Patriotismus ist immer irrationale Unvernunft und ich bin und bleibe aus tiefer marxistischer Überzeugung INTERNATIONALIST ! ! !
 
Dazu eine kleine Anekdote von Erich Maria Remarque: Es sitzen zwei Männer in einer Bar und trinken Whisky. Nach einer Weile fragt der Erste den Zweiten: "Sagen sie mal, mögen sie die Amerikaner?" - "Nein", lautet die Antwort des Zweiten! Nach kurzer Pause fragt der Erste wiederum: "Mögen sie die Russen?" - "Nein", kommt erneut die Antwort des Zweiten. Nach einer weiteren Pause fragt der erste wieder: " Und die Engländer, mögen sie die Engländer?" - "Nein", lautet wieder die Antwort. - "Und die Franzosen, mögen sie die Franzosen?" - "Nein!" - " Die Deutschen, die Spanier, die Portugiesen, die Italiener, mögen sie die ?" - Wieder lautet die kurze Antwort: "Nein!" - Es entsteht eine längere Pause, nach der der Erste fragt: "Sagen sie mal, wen mögen sie dann eigentlich?" - Und es kommt prombt die Antwort: "Meine Freunde!!!"
 
Nun zu Ihnen Herr Thomas Olieni:
 
Ich gehe nur auf Ihren ersten und letzten Satz ein:
Ihre Formulierung "spirituell-wesenhafte Dimension der Wirklichkeit" ist nichts weiter als eine leere, inhaltslose Worthülse, die ich deshalb tatsächlich negiere, allerdings nicht, wie sie unterstellen vorschnell, sondern nach reiflicher, rationaler Betrachtung dieser Wortblase. Eine weitere Auseinandersetzung darauf zu verwenden wäre Zeitverschwendung.
 
Ich zitiere Sie: "Die Glaubenskraft, die erforderlich ist, zu glauben, der Mensch und die übrige Natur seien das Ergebnis eines `Urknalles´ und einer darauf folgenden Verkettung von Zufällen, finde ich stets aufs Neue erstaunlich."
 
Selbstverständlich dürfen sie staunen, worüber Sie gerne möchten. Allerdings strotzt diese Aussage Ihrerseits geradezu von unsachlichen Unterstellungen und Behauptungen. Sie bauen sich ihren eigenen Popanz auf um dann wie weiland Don Quixotte dagegen anzukämpfen. Der `Urknall´ bedarf nämlich keineswegs irgendwelcher "Glaubenskraft", sondern gehört inzwischen bei aufgeklärten  Menschen zu den längst physikalisch nachgewiesenen, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Und auch die danach in ca. 15 Milliarden Jahren erfolgten Entwicklungen sind nicht eine "Verkettung von Zufällen", sondern wissenschaftlich nachweisbare Entwicklungen von Gesetzmäßigkeiten, die mensch bei Marx und Darwin nachlesen kann. Anderen Menschen also zu unterstellen, sie würden diese Tatbestände "glauben", also  quasi ersatzlegiöse Verhaltensweisen zeigen, ist Anmassung und Dreistigkeit.
 
Allerdings denke auch ich, dass der so bezeichnete `Urknall´ nicht der Beginn des Ganzen und des Seins sein kann. Dem widerspricht die menschliche Logik. Denn es kann nichts geknallt haben, wenn zuvor nichts war, was hätte knallen können. Und wenn wir Begriffe wie `Ewigkeit´ und `Unendlichkeit´ wirklich ernst nehmen, dann müssen wir sie zwangsläufig in zwei Richtungen denken, in die Dimension der Zukunft, aber auch in die Dimension der Vergangenheit. Was niemals ein Ende hat, kann konsequenter Weise auch niemals einen Anfang gehabt haben.


Am 17. Dezember 2014 schrieb Manfred Ebel:

Herr Olieni,

können Sie gelegentlich erläutern, was "eine individuell fundierte Beziehung zur spirituell-wesenhaften Dimension der Wirklichkeit" ist?
Entschuldigen Sie, aber aus welchem Esoterikberater haben Sie denn das?
"Das Schaudern ist der Menschheit bestes Teil."(Goethe, F II)



Herr Heiducoff,

in vielem stimme ich zu. Nur die Reduktion auf "Veränderungswille" scheint mir zu simpel und auch die "patriotischen Gefühle" wollen sich partout nicht einstellen. Ich beobachte, dass die Kehrseiten des vielgelobten Pluralismus und der unbedingten Meinungsfreiheit die sind, dass sie - mit gewollter voller Absicht! - `teile und herrsche´ praktizieren und die Menschen in ihren Auffassungen und auch hier insbesondere zu wesentlichen Ursachen auseinandertreiben. Und was kann den Herrschenden mehr recht sein?!
Rhetorisch gefragt: Sehen Sie nicht auch, dass jedes Grüppchen mit Veränderungswillen sein Ding machen will, ja nur nicht zusammenschließen bis hin zu ja nur nicht den Kapitalismus (reduziert auf Fußball, sonnabendliches demonstratives Autowaschen und elektronisches Spielzeug) abschaffen?! Fragen Sie doch mal probehalber, wer aus Ihrem Umfeld sich zum Proletariat zählt. 
Es ist ja alles so neu, so anders - gar nicht mehr zu vergleichen ... Marx ist nicht begriffen, er ist totgequatscht.
Das Klassenbewusstsein scheint mir auf den Stand um 1900 zurückgeworfen. -> "Der Untertan"



Am 17. Dezember 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Lieber Paul-Wilhelm Hermsen,
 
könnten Sie dem geneigten Leserrund bitte noch verraten, woher Sie Ihre groteske Nietzsche-Rezeption haben? Von Peter Sloterdijk vielleicht?
Am Zweitbesten gefällt mir übrigens Ihre geradezu wissenschaftlich anmutende Verifikation, dass Nietzsche „kein neoliberaler…“ war, „weil es die zu der Zeit noch nicht gab“. Sie werden mir nachsehen, wenn sich da ein – selbstverständlich - wohlwollendes Schmunzeln um meine Lippen kräuselt. Das Highlight jedoch: „Auch ein Marxist kann sich somit ganz ruhigen Gewissens Nietzsches Fragen und Antworten vorbildhaft aneignen“. Potzblitz!
Hm, wenn ich’s so recht überlege, streichen Sie bitte meine Ausgangsfrage. Ich will´s jetzt eigentlich doch nicht mehr so genau wissen…
 
 


Am 17. Dezember 2014 schrieb Paul-Wilhelm Hermsen:

Nietzsche! Ein großer (Frei)Denker, aber nicht vor dem Herrn, denn er erkannte ihn nicht!
Auch Franziskus spricht nicht in Abneigung von diesem Mann und widmet ihm in seiner Enzyklika "Lumen fidei", einem durchaus lesenswerten Werk, einen kurzen, wenn auch kritischen, konzentrierten Gedankengang zum Thema "Glaube und Wissenschaft".
Diesem Menschen wird auch in sogenannten gebildeten Kreisen nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die er verdient hat. Und - was wichtig ist - er war als staatsfernes Individuum KEIN neoliberaler Blut- und Speichellecker. Denn die gab es zu der Zeit noch nicht. Auch ein Marxist kann sich somit ganz ruhigen Gewissens Nietzsches Fragen und Antworten vorbildhaft aneignen.
Verstand und Glaube als etwas Gegensätzliches zu begreifen, ist vermutlich ein alchemistisches Unterfangen, es als eine Ergänzung zu begreifen, ist vielleicht das einzige, für den so begabten Menschen erkennbare, Perpetuum mobile.


Am 17. Dezember 2014 schrieb Wolfgang Ringel:

Früher kam manches unter die Stiefel, unter Kommiß-Stiefel. Auch die Blume Erika.
Mich treibt die Frage um, was der Menschheit sonst noch alles blüht, wenn sie nicht sofort aus dem Tiefschlaf aufwacht. Uns blüht selbst die Blume Erika nicht mehr.
Was uns aber sonst noch blüht, ich kann diese Frage nicht beantworten. Denn: „Die(se) Antwort weiß ganz allein der Wind…“


Am 16. Dezember 2014 schrieb Jürgen Heiducoff:

Sie wollen Veränderung!
Doch sie müssen sich neu aufstellen, um gegen die wahren Ursachen des Unheils zu agieren

Stetig steigt die Zahl der Menschen in unserem Land, die von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen.
Die einen demonstrieren GEGEN die Gefahr einer politisch tolerierten `Islamisierung des Abendlandes´, andere stellen sich diesen Demos in den Weg und bekennen sich GEGEN Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Fremdenhass.

Andere demonstrieren FÜR den Frieden in Europa und der Welt.
Eines eint alle Lager der Demonstranten: der Wille nach Veränderung. Sie wollen raus aus dem Trott, der diese Gesellschaft fast unbemerkt von einer sozialen Marktwirtschaft zu einer neoliberalen verkommen ließ. 
Sie haben die Geduld und Hoffnung verloren, dass die gewählten Volksvertreter nachhaltige Veränderungen in die Wege leiten. Ihr letztes Mittel im Rahmen der Demokratie ist die Willensbekundung durch öffentlichen Protest.
Die Menschen erkennen die Demontage ihrer Rechte und fühlen sich nicht mehr einbezogen in gesellschaftliche Entscheidungen. Sie spüren den Verlust von Souveränität Deutschlands gegenüber der USA und auch der EU.

Das weckt patriotische Gefühle und den Willen nach Veränderung. 
Doch es sind nicht die vor Krieg, Verfolgung und Elend geflohenen Menschen, die unseren Wohlstand gefährden. Wem nutzt die Auseinandersetzung zwischen den Lagern demonstrierender Bürger aus der Mitte der Gesellschaft? Wem nutzt der Verschleiß der Energie zwischen denen, die annehmen, etwas von Zuwanderern weggenommen bekommen zu können und denen, die sich dieser Gruppe von Demonstranten in den Weg stellen? Es nutzt denen, die nach dem Prinzip `Teile und Herrsche´ die Macht in diesem Land haben. Das sind die Eliten der Großbanken, Konzerne, der Rüstungsindustrie und ihre Erfüllungsgehilfen in Politik und Medien.
Sie allein sind die Architekten sowohl der Kriege in vielen Teilen dieser Welt einerseits, als auch des Sozialabbaus in unserem Land und in den Ländern Europas andererseits.


Nicht der Zustrom von Flüchtlingen in unsere Kommunen ist die Ursachen für das finanzielle Dilemma und die Kürzungen in den örtlichen Sozialkassen. Der Bund verschwendet immer mehr Geld für `Verteidigung´. Durch die einseitige, unparteiische Übernahme von Verantwortung in Krisengebieten und durch die Genehmigung von immer mehr Export von Rüstungsgütern dort hin kommt es zur Ausweitung von Kriegen. Lieferungen von Waffen und Ausrüstung, die Ausbildung von Kämpfern jeweils einer der Bürgerkriegsparteien im Irak, in Syrien, in Afghanistan, in Mali, in Somalia oder im Südsudan führt nicht zur Stabilisierung, sondern zum Anfachen der Flächenbrände. Eben daraus resultieren die steigenden Flüchtlingszahlen. 
Die genannten Eliten profitieren von Bürgerkriegen. Sie tragen die Mitschuld an der Zerstörung jahrtausendealter Kulturen.


Der Hauptfeind unserer frustrierten Bürger sind die neoliberalen Strukturen und Eliten, die sich einen großen Teil der durch den Fleiß der Deutschen erarbeiteten Gewinne aneignen und in den Ausbau ihrer Machtmechanismen investieren. Der Hauptfeind steht im eigenen Land! 
Durch die Vervollkommnung des Überwachungs- und Propagandaapparates soll eben diese Wahrheit verschleiert werden. 
Den Organisatoren von PEGIDA dürfte dies klar sein. Sie äußern sich nicht über ihre wahren politischen Motive, sondern verstecken diese hinter Erscheinungen und Folgen der neoliberalen Politik wie z.B. dem Anstieg des Zustromes von Flüchtlingen. 
Gesellschaftliche Aufklärung sollte der Offenlegung der Kräfte dienen, die den Abbau von Sozialleistungen einerseits und die steigende Zahl von Flüchtlingen andererseits verursachen.
Wenn dies gelingt, sollte es möglich sein, das frustrierte Volk gegen die wahren Quellen des aktuellen Unheils unserer kleinen unsouveränen Welt zu mobilisieren.


Am 16. Dezember 2014 schrieb Benny Thomas Olieni:

An Aleksander von Korty.

Was aus meiner Sicht zu unterscheiden ist, sind Religionen - und eine individuell fundierte Beziehung zur spirituell-wesenhaften Dimension der Wirklichkeit. Die zu negieren, nur weil man sie selbst nicht erlebt hat, ist eine weit verbreitete, aber vorschnelle Handlungsweise.
Organisierte Religiosität (Hirten und Herden) ist etwas, dessen Zeit hoffentlich zuende geht, je nach geistig-seelischer Entwicklung von Menschen und Gesellschaften schneller oder langsamer.
Die Aussage, die sie als selbst-geouteter "Atheist" treffen, Mohamed-Anhänger und Christus-Anhänger würden an denselben GOTT glauben, entbehrt nicht einer köstlichen Komik.
Dazu wird in England die Geschichte eines Atheisten erzählt, den das Schicksal nach Nordirland verschlug.
Als er sich dort als "Atheist" outete, wurde er gefragt: "An welchen Gott glaubst Du nicht, an den evangelischen oder an den katholischen?"
Schlußwort: Die Glaubenskraft, die erforderlich ist, zu glauben, der Mensch und die übrige Natur seien das Ergebnis eines "Urknalls" und einer darauf folgenden Verkettung von Zufällen, finde ich stets aufs Neue erstaunlich.


Am 16. Dezember 2014 schrieb Paul-Wilhelm Hermsen:

PEGIDA, „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, die neue Herausforderung für die westliche Wertegemeinschaft Europas?

Mitnichten!

Sondern ein gesellschaftspolitisches Stück Aas, das von unseren Systemmedien im Dienste der Herrschenden dem gemeinen Volk vor die angeblich geifernde Schnauze geworfen wird, damit es eine Weile beschäftigt ist und die sich selbst überschätzenden, sich selbst als Eliten fehl interpretierenden, Volksverführer wieder glauben lässt, sich darüber als erhaben betrachten zu dürfen.

Man muss die dunkle innere Stimme, die sich hier kund tut, ernst nehmen.
Sie zeugt von der Angst vor einer Herausforderung, die tatsächlich besteht und welche man lösen muss.

Unsere absolutistischen, in jeder Hinsicht versagenden, Politikdarsteller sind hier die Ursache des Übels. Sie breiten ein Füllhorn von Wohlständigkeiten über die brutale Welt des Turbokapitalismus aus, schrecken nicht davor zurück, dieses Monster mit kriegerischen Absichten und Handlungen zu nähren. Sie schädigen massiv unsere Wirtschaft, zerstören Gewerkschaftsstrukturen, kürzen Sozialleistungen aus Kranken- und Rentenversicherungen, senken die Investitionen in Bildung, überlassen die Infrastrukturen von Stadt, Land und Bund immer häufiger der Verwahrlosung.

Derweil ignorieren sie aber Blut saugende Verbrecherkonzerne wie z.B. die Annington, die mit Wuchermieten für Barackenunterkünfte ihr Geld verdient. Sie ermöglichen die Anhäufung von Reichtum auf Seiten gieriger Einzelpersonen, die sich, wie im Fall von Asklepios, zu Lasten der ohnehin schlecht verdienenden Pflegeberufe und auf dem Rücken der zu Pflegenden, ihre privaten Schatzkammern füllen.

Es gibt mittlerweile jede Menge Flüchtlinge in unserem Land. Menschen, welche z.B. vor Kriegen und sonstiger Gewalt in ihren Ländern flüchten, die von eben dieser westlichen Wertegemeinschaft entzündet wurden. Da sind aber auch die inländischen Flüchtlinge, welche dem menschenverachtenden System des faschistischen Kapitalismus zu entfliehen gedenken. Angehörige aller Schichten, welche durch das System ausgekotzt wurden.

Auf der anderen Seite stehen die fetten und nimmer satten Schöpfer und Günstlinge des Systems, deren exorbitante Gehälter und Altersversorgungen durch das gemeine Volk erwirtschaftet werden muss. Diesem Kreis gehören die Politikdarsteller an. Leute, die extrem gut vernetzt sind, immer wieder auf die Füße fallen, solange sie dem System nur folgsam dienen. Lügner und Halunken aller Parteiencouleur, die von ihrer eigenen Volksverblödungspolitik profitieren. Am Beispiel PEGIDA wird erneut deutlich, wie verächtlich und unintelligent diese Leute mit der sich hier abzeichnenden Herausforderung umgehen.

Es ist genug Geld da, um alle anstehenden Probleme in Europa und unserem Land zu lösen und auch den aus- und inländischen Flüchtlingen eine vernünftige Ausbildung, eine sittsame Bleibe und ein Leben in Würde, wie es der weltweit seinesgleichen suchende Artikel 1 unseres Grundgesetzes fordert, ermöglichen zu können.

Doch dieses Geld wird verprasst, um zum Kasino verkommene Banken zu retten und um die demnächst, nach CETA, TTIP und TISA, ins Haus stehenden Schadensersatzklagen großer Konzerne bezahlen zu können, wenn diese sich, durch Standards und Gesetze bedingt, außerstande sehen, ihre vergifteten Produkte unter das europäische Volk bringen zu können.

Zur Zeit wird vehement daran gearbeitet, unsere nicht vorhandene militärische Stärke wiederzubeleben. Wir müssen doch mit halten, an der Spitze der neu kolonialisierenden Waffenhändlerstaaten. Und da sind natürlich Feindbilder sehr nützlich, gleich ob Putin, ISIS oder Salafisten. Alles wird über denselben Kamm geschoren, und alles ist gleich Terror.

Der wahre Terror ist ein Alien im Körper westlicher Arroganz und Hybris, geformt von gerissenen Idioten, die immer noch nicht verstehen wollen, dass wir alle in einem Narrenschiff sitzen und singend auf einen grandiosen Wasserfall zu fahren.

Und selbst beim Sturz in die Tiefe, wenn die Fetten schneller fallen als die Ausgemerkelten, wird man rufen: „Pax Et Gloria In Deus, Amen!“


Am 16. Dezember 2014 schrieb Ela Dörflinger:

@Frank Moor

Natürlich ist es Unsinn, wenn das Wort Weihnachtsmarkt in Wintermarkt geändert wird. Aber ebenso natürlich heißen die Märkte in Nürnberg, Augsburg oder München immer noch "Christkindlmarkt", und die Märkte in Dresden, Leipzig, Dortmund oder Berlin, usw. immer noch Weihnachtsmarkt. In Kreuzberg gibt es einen Wintermarkt, na und?

Dieser gefährliche PEGIDA-Unsinn resultiert doch aus einer deutschen Flüchtlings- und Ausländer-Politik, die in den Grundzügen xenophob ist. Ein Land dessen traditionelle Bevölkerung sich nicht mehr reproduziert, sollte froh sein, wenn es mit Leuten aus aller Herren und Damen Länder aufgefüllt wird.


Am 16. Dezember 2014 schrieb Frank Moor:

Wenn das Wort Weihnachtsmarkt in Wintermarkt geändert werden muss, nur damit Anhänger nicht-christlicher Religionen zufrieden sind, dann sind Gruppen wie PEGIDA mehr als notwendig. Leider.


Am 16. Dezember 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Lieber Aleksander von Korty!

Ein bisschen Kritik in der Vorweihnachtszeit: Einen Philosophen zu zitieren, der einer der übelsten (und hochgradig neurotischen) Elite-Beschwörer seiner Zeit war und heute wohl Mitglied der Friedrich von Hayek-Gesellschaft und/oder der FDP wäre, würde mir persönlich auch um des besten Bonmots Willen nicht zum Zitat taugen. Ich wüsste keinen weiteren seines Rangs und Epoche zu nennen, dessen Abneigung gegenüber allem Staatlichen, Geregelten, Gelenkten und damit vor allem auch Sozialen, Kollektiven und Parlamentarischen abgrundtiefer war als der von Nietzsche. Ok, Sie mögen ihn auch nicht so… Zumindest aber teilen Sie hoffentlich seine Religionskritik.

Ach ja, eben… Zum wiederholten Male lassen Sie uns alle wissen, dass Sie auf der Seite der Aufgeklärten und Nicht-Dummen stehen, also ein „überzeugter Atheist“ sind. D’accord. Dass Sie damit aber über fünf Milliarden Mitbewohnern dieses Globus gleichzeitig attestieren, einer „erschreckenden Form menschlicher Dummheit“ aufzusitzen, stört Sie dabei offenbar nicht. Ich jedenfalls finde eine solche chauvinistische (jawohl!) Überheblichkeit krass, leider aber typisch für Teile des vielgesichtigen marxistischen Kosmos mit seinen oft allwissenden Engelscharen.
Nicht missverstehen bitte: Als andächtige Leserin und Verehrerin von Karlheinz Deschner teile ich Ihre - alle abrahamitischen Religionen umfassende Religionskritik - natürlich in vollem Umfang. Aber dann die eigenen Überzeugungen diffamierend (und das ist ein solcher Satz von der „erschreckenden Form menschlicher Dummheit“) über jeden (abrahamitisch-)religiösen Menschen zu stellen, das ist schon starker Tobak, wie ich finde.
Und wenn ich sowas lese, dann sehne ich mich tief einatmend nach dem vergleichsweise geradezu rebellisch anti-chauvinistischen und anti-dogmatischen Odem eines Ernesto Cardenal oder Leonardo Boff, und in diesem konkreten Zusammenhang selbstverständlich auch dem von Fidel Castro und Hugo Chávez.

Und mit dieser – wiederum genialen – Überleitung komme ich zum letzten Punkt, eher einer Empfehlung: Reisen Sie bitte nie nach Kuba oder Venezuela, Bolivien oder Ecuador! Der in allen diesen Ländern, vornehmlich auf Kuba aus jedem Quadratzentimeter Staatserde herausdampfende Patriotismus würde Sie erschlagen! Internationalismus und Patriotismus ergänzen einander natürlich perfekt. Eigentlich sollten Sie das als Marxist wissen und ich verstehe nicht, warum Sie den Internationalismus und den Patriotismus ohne jede Differenzierung zum Gegensatzpaar erklären. Auch wenn Sie natürlich die braun-dumpfe Seite des Patriotismus meinen.


Am 15. Dezember 2014 schrieb Benny Thomas Olieni:

Auf der Heide blüht ein Blümelein,
und das heißt - I - M - Erika.

; - )


Am 15. Dezember 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Die Tageszeitung "junge Welt" erinnert am heutigen Montag, dem 15. Dezember 2014, an ein Gedicht, das Erich Kästner einst im Hinblick auf die ersten Jahre der Bundesrepublik Deutschland schrieb.
Dass der Text heute noch Gültigkeit hat, führt uns Uli Gellermanns Erinnerungs- und Gegenwartsportal allwöchentlich mehrfach vor Augen: heute mit seinem Essay "Was uns blüht, ist Erika".
Möge der RATIONALGALERIE noch ein langes Leben beschieden sein.
Hier die Erich-Kästner-Zeilen:

Die große Freiheit ist es nicht geworden.
Es hat beim besten Willen nicht gereicht.
Aus Traum und Sehnsucht ist Verzicht geworden.
Aus Sternenglanz ist Neonlicht geworden.
Die Angst ist erste Bürgerpflicht geworden -
die kleine Freiheit - vielleicht!


Am 15. Dezember 2014 schrieb Aleksander von Korty:


Auf deutscher Heide blüht die Erika und nicht die Menschenrechte
 
Dem staatenlosen Philologen Friedrich Nietzsche verdanken wir die tiefschürfende Erkenntnis: "Beim Nationalismus handelt es sich  um die schlechte Ausdünstung von Leuten, die nichts anderes als ihre Herden-Eigenschaften haben, um darauf stolz zu sein!"
 
Nun bin ich zwar kein Nietzschianer, sondern Marxist, aber wo er Recht hat hat er Recht, der Nietzsche. Mensch kann es auch so formulieren: Der Pesthauch des Nationalismus stinkt deshalb so gewaltig, weil er von millionen Leichen verströmt wird, die seinen Weg pflastern. Patriotismus und Nationalismus sind die Synonyme für den Begriff des IDIOTISMUS. Nichts ist dümmer als der Nationalstolz der wildgewordenen Kleinbürger, die mit ihrem Nationalbewußtsein ihren eklatanten Mangel an Selbstbewußtsein kompensieren. Denn wer formuliert, dass er `stolz darauf ist, ein Deutscher zu sein´, beweist damit nur, dass er ein besonders dummer Deutscher ist, der nicht einmal seine Muttersprache versteht, denn das deutsche Wort `Stolz´ impliziert zwangsläufig eine ursächliche, eigene Leistung. So kann also jeder Mensch stolz sein auf eine eigene vollbrachte Leistung. Der Sportler auf seine Goldmedaille, der Künstler auf sein Werk, der Arbeiter auf seine Arbeit. Eltern können stolz sein auf ihre Kinder und wenn sie sie darüber hinaus auch noch zu anständigen und selbstständig denkenden Menschen erzogen haben, so können sie selbstverständlich zu Recht  auch darauf stolz sein.
 
Aber niemand kann stolz darauf sein, einer bestimmten Nation oder einem bestimmten Volk anzugehören, da dieser Umstand nackter Zufall und nicht sein persönlicher Verdienst ist. So gibt es also ausreichend Grund für die CSU dafür zu werben, dass der deutschen Muttersprache mehr Respekt und Beachtung entgegen gebracht wird. Nachhilfeunterricht in DEUTSCH für diese wildgewordenen, spießigen, kleinbürgerlichen PEGIDA-Demonstranten erscheint also dringlich angeraten.  Da eröffnet sich ein weites Tätigkeitsfeld für diese selbsternannten Deutschpädagogen von der CSU. Und mensch kann ihnen für diese Aufgabe im Kampf gegen die schlimmsten PISA-Auswirkungen nur viel Erfolg wünschen.
 
Nun bin ich als Marxist selbstverständlich nicht nur kein PatrIDIOT, sondern Internationalist, aber darüber hinaus auch aus tiefer, philosophischer Überzeugung Atheist. Somit ist mir jede Form von Religiösität genauso suspekt, wie jede Form von Patriotismus. Der Glaube an eine imaginäre Welt und einen Schöpfer ist eine ebenso erschreckende Form menschlicher Dummheit und alle großen Religionen der Weltgeschichte haben immer wieder furchtbares Unheil über die Menschheit gebracht. Da unterscheidet sich nicht das Christentum vom Islam. Und in ihrer über tausenddreihundertjährigen, gemeinsamen Geschichte haben sich die verblendeten Anhänger dieser beiden Weltreligionen  häufig genug gegenseitig ihre bornierten Schädel eingeschlagen, obwohl sie doch Beide den gleichen GOTT verehren, den Gott Abrahams. Das allerdings darf nicht verwundern, denn bereits im Alten Testament ist dokumentiert, dass der erste Mord der Menscheitsgeschichte ein Brudermord war, der zwischen Kain und Abel.
 
Und so wird langfristig nur menschliche Vernunft und der Rückgang des Einflusses der Religionen ein Garant dafür sein können, dass solcher Wahnsinn irgendwann ein Ende findet. Allerdings sollte mensch begreifen, dass jedem AberGLAUBEN nicht erfolgreich mit Gewalt begegnet werden kann, sondern nur mit steter Aufklärung. Und so bleibt das im GrundGesetz Artikel 4 garantierte Recht auf religiöse und weltanschauliche Freiheit ein hohes, kostbares Gut, dass es verdient, vehement verteidigt zu zu werden. Das aber gilt für alle Menschen und für alle Religionen, auch den Islam. Und ob mich Sonntags morgens die Kirchenglocken aus dem Schlaf reissen, oder der Ruf des Muezzins macht keinen Unterschied. Ruhestörender in deutschen Landen ist da nur dass völlig hirnlose Geplapper einer Erika Steinbach, die in ihrer betriebsbedingten Vertriebenenverblendung immer nur die Verletzungen von Menschenrechten in anderen Ländern erkennen kann. Aber auch das erklärt sich durch ein Bibelzitat: `Sie sieht zwar den Splitter im Auge des Anderen, aber erkennt nicht den Balken im Eigenen.´ Und daher ist die ERIKA dass dümmste Blümelein, welches auf deutscher Heide blüht!
 


Am 15. Dezember 2014 schrieb Manfred Ebel:

Die 4000 Berliner Demonstranten der bundesweit konzertierten Aktion "Friedenswinter 2013/14" haben sich übrigens unter lautem Beifall von PEGIDA distanziert. Diese Demo aber ist der ARD eine Kurzmeldung in den Wochennachrichten auf ihrer Webseite (rbb) wert: "Verschwörungstheoretiker demonstrieren in Berlin". Diese `Verschwörungstheoretiker´ trafen sich unter dem Motto "Verantwortung für unser Land heißt: Nein zu Krieg und Konfrontation" vor dem Gauck-Schloss. Das mal zu "Verantwortung".
Die folgenden Friedens-Aktionen sind übrigens zu Ostern und am 9. Mai. Liebe Leser, reihen Sie sich ein in die Volksfront für Frieden und gegen Krieg!



Am 15. Dezember 2014 schrieb Hans Jon:

Es wird höchste Zeit zu "erwachen" gemäß "Wacht auf Verdummte dieser Erde"! Seit Beginn der sog. "ZIVILISATION" vor ca. 10T.J. verloren die BÜRGER (ZIVIS) ihre dereinst natürlichen MENSCHENRECHTE! Seitdem "kämpfen" einzelne ENTRECHTETE für die "MENSCHENRECHTE", für das "Verlorene Paradies der Menschenrechte". Leider sind die "HERREN der ZIVILISATION" niemals bereit "ihren ZIVIS" wahre Menschenrechte zu gewähren! Diese Welt zu verbessern ist offenbar eine der vielen zivilisatorischen Sehn-SÜCHTE, und SÜCHTE sind bekanntlich unstillbar und selbst- und fremdzerstörerisch! "KAMPF" um MENSCHENRECHTE wie "FREIHEIT-GLEICHHEIT-MENSCHLICHKEIT" endeten u.a. mit Hexenverbrennungen, mit Napoleon, mit Kolonialismus, mit Stalinismus und mit dem verlogenen kapitalistischen "KAMPF gegen den TERRORISMUS".


Am 15. Dezember 2014 schrieb Ernst Grobschmied:

Prostituierte sprechen Deutsch. Zwangsprostituierte sollten aufwachen und sich anders artikulieren.
".....
Es scheint so ? aber es ist nicht so; vielmehr hat man in langsamer, trügerischer, systematischer Vergewaltigung jeden einzelnen in ein geistiges Gefängnis gesteckt, und erst als er darin gefesselt lag, wurde er sich des Verhängnisses bewußt. Wenige nur erkannten das drohende Verderben ?
Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein. Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnlichen System des absoluten Staates. Leistet passiven Widerstand ? Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen ? Vergeßt nicht, daß ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt! "
Die Weiße Rose, 23. Juli 1942


Am 15. Dezember 2014 schrieb curti curti:

Letzten Freitag im EDEKA-Markt. Zur vollen Stunde wird das "verkaufsfördernde" Gedudel unterbrochen und ein Radiosprecher verliest Nachrichten, zitiert einen amerikanischen Offiziellen zu den Foltervorwürfen. Komprimiert hörte sich das wie folgt an: "Man mag Grenzen überschritten haben, entscheidend sei aber das dadurch wertvolle Informationen im Kampf gegen den Teror generiert werden konnten".

"Der Zweck heiligt die Mittel", exakt so wird es abgehandelt von den Amis und im Rektum durch die devoten Vasallen weltweit nachgeplappert und als Endprodujt unter den Tisch gekehrt. Egal wie bestialisch und völlig widersprüchlich die Taten sind, egal wie oft sie sich wiederholen und weiter potenzieren - unter dem Banner der "Wertegemeinschaft" verkehren sie sich unmittelbar ins Gegenteil, in das "Notwendige, die Alternativlosigkeit", per saldo das "Gute".

Die Woche über war man bis zum gestrigen Presseclub und Jauch aber emsig bemüht die deutschen Mittelstandsfaschos zu filetieren in ein Grüppchen eigenartiger Radelsführer und eine Vielzahl von Leuten, die man durchaus verstehen kann. Auch eine Möglichkeit abzulenken, Angst und Hass auf den Islam weiter zu schüren und wie bei Jauch sogar noch eine connection zu Rußland zu schlagen, denn schließlich waren Demo-Teilnehmer nur gegenüber RT bereit gewesen Interviews zu geben (gem. dem grenzdebilen Nepp der heute-show). Von den wahren "Werten" der "Wertegemeinschaft" hingegen keine Rede.

Einige reklamieren, mucken dagegen auf, ein paar unter ihnen auch öffentlich vernehmbar. Im Gegenzug werden sie kurzerhand abgeschaltet oder vom politischen und medialen mainstream als "Spinner" degradiert, als irrelevant abgehandelt. Die Karawane zieht indessen weiter zu neuen, wertvollen Missetaten.

Wie streut Hagen Rether fortwährend ein: " Ich bin so froh das ich bei den Guten bin". Ein Prosit auf die vorherrschende Narrenfreiheit!


Am 15. Dezember 2014 schrieb Svenja Ritter:

Angesichts der von der CDU gedeckten Steinbach-Pläne muss man sich über PEGIDA nicht wundern. Wer Menschenrechte nur im Ausland kennt, der muss in Deutschland den Flüchtlingen das Leben schwer machen.


Am 15. Dezember 2014 schrieb Illona Jablonski:

Das verstehen Sie nicht Herr Gellermann, es handelt sich um Tradition. Wer über Generationen die "Erika" singt, der dem ist das Recht der Menschen unter den Stiefel gekommen.


Am 15. Dezember 2014 schrieb Klaus Madersbacher:

Wo soll in einer Heimat, in der kleine Blümelein und weinende Mägdelein und strammer Marschtritt den Großteil des amtlich genehmigten Denkvermögens beanspruchen, noch groß Platz für Menschenrechte sein?
Abgesehen davon - was brauchen weinende Mägdelein Menschenrechte? Kleine Blümelein und Tränelein - wirst wohl zufrieden sein, Mägdelein?!

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