Wähler-Führerschein kommt

Wahl-O-Mat Die Frage macht die Antwort

Autor: U. Gellermann
Datum: 04. September 2017

Glaubte man den TV-Spots der Parteien und der allgemeinen Mediendebatte, dann hätten wir eine spannende Bundestagswahl am 24. September 2017 vor uns. Doch auch der Laie kann an den routinierten Stellungnahmen der Spitzenkandidaten ablesen, dass die Wahl längst gelaufen ist. Professionelle Wahlbeobachter wissen: Höchstwahrscheinlich gibt es wieder eine GroKo aus CDU und SPD: 63,3 Prozent der Wähler sind heute schon dafür. Wenn für die Wahlmanager in den etablierten Parteien und den Medienzentralen wirklich noch was schief gegen sollte, dann wäre da noch die Jamaika-Koalition (CDU + FDP + Grüne), dafür könnten sich zur Zeit 55,3 Prozent der Wähler erwärmen. Angela Merkel, Winfried Kretschmann und Christian Lindner wären die Gesichter einer Koalition, in der dann die Frage ventiliert würde, ob es denn ein Bisschen mehr asoziale Marktwirtschaft sein dürfte. Während die pure GroKo diese Frage mit „mal sehen, äh“ beantworten würde, könnte man von den Jamaikanern ein eindeutiges „na klar“ erwarten. Welch eine einschläfernde Perspektive. Im Notfall stünde die AfD noch bereit. Um in den Schoß der CDU zurück zu kriechen aus der die Mehrheit ihrer Kader gekrochen war.

Während der Kanzlerschaft von Frau Merkel – gefühlte 30 Jahre – gab es nur zwei echte Überraschungen: Das war zum einen die Wende in der Atompolitik nach dem GAU in Fukushima. Und es war zum anderen das berühmte „wir schaffen das“ am Beginn der Flüchtlingskrise. Beide Entscheidungen hatten mit Wahlen wenig zu tun.

Nun könnte man ja auf die Idee kommen, die Physikerin Merkel hätte lange nachgedacht und ihr sei dann plötzlich die Idee gekommen, dass Atomkraft irgendwie gefährlich sein könnte. Weit gefehlt. Sowohl Merkel als auch die Atomkraft gab es zur Zeit des Paradigmen-Wechsels schon länger. Neu waren, im Ergebnis der Fukushima-Katastrophe, ernstzunehmende Volksbewegungen: Am 26. März 2011 kam es zu den größten Anti-AKW-Demonstrationen überhaupt mit deutschlandweit 250.000 Teilnehmern. Allein in Berlin gingen 120.000 Atomkraftgegner auf die Straße, in Hamburg folgten 50.000 Menschen den Protestaufrufen, in Köln und München jeweils 40.000. Und ein Ende war nicht abzusehen. Und es drohten Wahlen: In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sahen die Umfragewerte für die CDU mies aus. Und zum ersten und bisher letzten Mal ging die Merkel einen Schritt ohne vorher mit der Industrie zu reden.

Als die Kanzlerin im Dezember 2015 ohne jeden Plan ihren berühmten Satz „wir schaffen das“ in die Welt setzte, waren die Volksbewegungen in anderen Ländern unterwegs: Im Jahr 2015 beantragten 1.322.825 Menschen in den Ländern der Europäischen Union Asyl. Weltweit befanden sich nach Angaben des UNHCR 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht. Im selben Jahr flüchteten mehr als eine Million Menschen über das Mittelmeer in die EU. Dabei starben etwa 3.735 Menschen. Selbst der nicht sonderlich begabten Eurokratie war klar, dass diese Völkerwanderung nur mit Waffengewalt hätte aufgehalten werden können. Doch in dieser Zeit war der AfD-Schießbefehl noch nicht konsensfähig. Wahlen, das wird an diesen Beispielen überdeutlich, bewegen wenig. Nur Bewegungen bewegen viel.

Aber das Kostüm demokratischer Wahlentscheidungen muss unbedingt fleckenlos zur Aufführung der nächsten Bundestagswahlen getragen werden können. Für solche Schnellreinigungen gibt es unter anderem den „Wal-O-Mat“. Eine Einrichtung der Bundeszentrale für Politische Bildung im Netz, die vor der letzten Wahl immerhin 13,3 Millionen Mal aufgerufen wurde. Was aussieht wie ein freundlicher Themen-Abgleich: Sage mir was Du gern hättest und der Automat sagt Dir, welche Partei Deinen Wünschen am nächsten kommt, ist eine knallharte Ideologie-Maschine. Denn wer die Fragen macht, der bestimmt die Skala der Antworten. Zum Beispiel wird zum beliebten Diesel-Thema nach der Besteuerung von Pkw-Diesel gefragt, also bereits in der Frage die Verantwortung dem Konsumenten zugeschoben. Die Autokonzerne in die Verantwortung für ihren umweltschädlichen Betrug zu nehmen, ist gar nicht erst im Angebot.
Auch die Abgleich-Position „Der Bund soll mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen“ wird vom Gesamt-Etat abgekoppelt. Möglich wäre die Suche nach dieser Partei-Meinung: „Der Bund soll weniger für die Rüstung und mehr für den Wohnungsbau (die Bildung, das Gesundheitswesen) ausgeben“. Bloss nicht anbieten, der Wähler könnte ja ins Denken geraten. Besonders aktuell und putzig ist dieser Abgleich: „Betreiber von Internetseiten sollen gesetzlich dazu verpflichtet sein, Falschinformationen ("Fake News") zu löschen, auf die sie hingewiesen wurden“. Fake-Produzenten wie der Innenminister, der einen Waffenfund fälscht, um eine Internetseite zu verbieten und die Medien, die diese Fälschung verbreiten, sind in der streng begrenzten Fantasie der Bundeszentrale für Politische Bildung einfach nicht vorgesehen.

Uns so verlässt der User den Wahl-O-Mat nach Gebrauch mit der seligen Vorstellung, der Computer habe zutiefst demokratisch seine Meinung ermittelt und sie mit den Programmen diverser Parteien verglichen, um ihm einen echten Überblick zu verschaffen. Nicht einmal Frauen mit Hochschulbildung – drei Viertel aller Wahl-O-Mat-Nutzer besitzen einen Universitäts-/Hochschulabschluss, Abitur oder die Fachhochschulreife – soll bei folgendem Unterschlagungs-Abgleich das Kotzen gekommen sein: „Die Frauenquote für die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen soll abgeschafft werden“. Dass dieser Posten für eine elitäre Minderheit nur die gravierende Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit überspielt, macht erneut den völlig asozialen Charakter des Wahlbeeinflussungs-Automaten deutlich.

Dringend angeraten wäre, die elektronische Wähler-Führerscheinprüfung einzuführen: Nur wer Fragen wie „Halten Sie Auslandseinsätze der Bundeswehr für verfassungswidrig? - Verstösst die Politik der Bundesregierung in der Ukraine gegen das Friedensgebot des Grundgesetzes? - Sollte die Rettung der Banken und anderer Konzerne auf Staatskosten verboten werden? - Müssen die öffentlich-rechtlichen Medien einer demokratischen Kontrolle unterworfen werden?“ mit einem klaren JA beantwortet, dürfte dann zu Wahlen zugelassen werden.

Und während der Abfrage sollte aus dem Off eine dröhnende Stimme diese Merksätze mehrfach wiederholen: „Gib Deine Stimme nicht ab, erhebe sie laut und nachdrücklich, sonst bekommst Du sie nie wieder. Nur wer sich erhebt bleibt nicht sitzen!“

DAS WAHRE WORT ZUM WAHLTAG
WER SIND SPRINGERS ERBEN?

Rund 50 Jahre nach der Kampagne gegen den Springer-Verlag wollen Arnulf Rating (Kabarettist), Albrecht von Lucke (Blätter für deutsche und internationale Politik) und Uli Gellermann (Rationalgalerie) die Frage nach den Erben des Springer-Verlags beantworten.

Am Dienstag, 19. September 2017, 20.30 Uhr

Berliner Buchhändlerkeller

Carmerstraße 1, 10623 Berlin


Es kann eng werden

Plätze reservieren:

info@buchhaendlerkeller-berlin.de



Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 10. September 2017 schrieb Simone Birgersson:

Da lob ich mir doch den guten alten analogen Zigarett-O-mat. Da stecke ich statt Daten bloß Geld rein und weiß schon vorher, womit ich mich hinterher vergifte.
Einen Führerschein besitze ich auch schon, sogar einen Taxischein. Also kann ich belegtermaßen meinen Weg alleine finden. Auch ganz ohne Navi. Ein solcher ? politischer ? Wahl-O-Navi kommt bestimmt auch noch als Pflichtveranstaltung. Nur das Ziel eingeben, den Weg dorthin findet der Wahlzettel ann dvon ganz allein. Das wäre doch die Alternative für Deutschlandwahlen.

Danke übrigens @ Uli Gellermann für die Aufmunterung, den Weg von Hamburg nach Berlin zu wagen. Leider (oder vielleicht derzeit auch glücklicherweise) bin ich nicht motorisiert, müßte mir also im Falle meines Kommens die Nacht per Bus oder Bahn um die Ohren hauen, da ich am nächsten Morgen pünktlich auf der Matte stehen soll. Das wäre natürlich anders, hätten wir schon den Hyperloop Hamburg-Berlin. Dem sehe ich übrigens mit Zuversicht entgegen: im Vakuum nicht nur zu leben sondern auch noch zu reisen wäre auch ein Gewinn an Realitätsflucht.

Zu der Veranstaltung selbst habe ich die Frage (oder den Vorschlag), ob das ganze vielleicht aufgenommen wird und später als Video wenigstens im Internet abrufbar ist. Wäre ja für diejenigen, die nicht dabei sein können, ein kleiner Ersatz.

@ O. Bismark
Bei diesem Lucke hat man ja den Eindruck, er habe allein schon durch sein Geburtsjahr ? 1967 ? ein langanhaltendes Trauma an linker Politik erlitten, dem er nicht mehr entkommen kann. So wie er die Tatsachen verdreht, verkürzt und mit Halbwahrheiten würzt provoziert er glatt die Frage, aus welchen Medien er denn sein Wissen bezieht. Das wäre am Ende am richtigen Ort die richtige Frage. Ob sie eine Wirkung bei ihm erzielt sei mal dahingestellt.


Am 07. September 2017 schrieb Karola Schramm:

Aus Jux und Dollerei habe ich auch schon mal diesen hier vorgestellten Wahl-O-Mat gefragt - wobei ich sowieso wusste - welche Partei ich wählen werde. Jedenfalls kam die Partei dabei heraus, die meine Stimme sowieso bekommen hätte: die Linkspartei. Fragen, die mir nicht passten habe ich einfach entsprechend mit Nein beantwortet oder mit Ja, je nachdem. Habe auch ein wenig damit herum gespielt und andere Antworten gegeben und bekam natürlich auch ein anderes Ergebnis.Tragisch fand ich das nicht und finde dieses Gerät jetzt auch nicht so, dass ich für seine Abschaffung plädieren könnte.

Natürlich wünsche ich mir jetzt, dass die CDU so richtig in den Keller rutscht, die CSU als kleine Schwester und Dauer-Anhängsel zur Selbsterneuerung gleich mit und diese, gemeinsam mit der SPD auf die Oppositionsbänke kommen und die anderen sollen konstruktiv sehen, dass sie eine Regierung bilden. Mal ganz anders als gewohnt. Und der Bundeskanzler - bitte erst mal keine Frau mehr - wird dann ausgelost. Was Merkel kann, können andere auch. Da Neulinge immer besser sein wollen, als die Altlinge werden sie sich Mühe geben, Vieles anders zu machen und im Grunde sind sie in einzelnen Themen gar nicht so weit auseinander. Themenorierte Poltik kann man organisieren und Erfolge erzielen.

Jedenfalls würde dieses Modell endlich SPD-CDU/CSU zwingen, in der Opposition Demut zu lernen und die anderen hätten die Chance, zu zeigen, wie sie Demokratie und Sozialstaat zu neuem Leben erwecken.


Am 07. September 2017 schrieb Otto Bismark:

Sehr geehrter Herr Gellermann,
Ihrer Ankündigung habe ich entnommen, daß Sie am 19. September im Berliner Buchhändlerkeller mit Herrn Albrecht von Lucke zum Thema "Wer sind Springers Erben?" auf dem Podium sitzen. In den Ihnen sicher auch gut bekannten "Nachdenkseiten" fand ich heute eine Verlinkung zu einem Aufsatz des Herrn von Lucke in den Blättern für deutsche und internationale Politik, der sich anhand der Ereignisse um den G 20-Gipfel in Hamburg mit sogenannter linker Gewalt auseinandersetzt. Es fällt auf, daß dieser Beitrag doch recht unreflektiert die Geschehnisse in Hamburg zum Anlaß nimmt, linke Kräfte und man kann natürlich zu dem Begriff "links" stehen wie man will, unter den Generalverdacht beabsichtigter Gewaltanwendung stellt. Kein Bezug auf die Realität dieser Ereignisse, kaum ein Bezug auf das Ausmaß der Gewalt bei den Polizeikräften und auch keinerlei Bezug auf die doch nicht auszuschließende Möglichkeit der Gewaltprovokation durch bestellte, in keiner Weise mit linkem Gedankengut infizierte Kräfte. So einfach kann und vor allem sollte man es sich nun doch nicht machen, denn allein der Titel des Beitrags "Die neue Linke und die alte Gewaltfrage" suggeriert geradezu zwanghaft die Schlußfolgerung, es sei bereits aus historischen Gründen nun an der Linken, den politischen Mißständen, die im Zusammenhang mit den Protesten gegen G 20 überdeutlich zutage getreten sind abzuhelfen. Noch nicht der leiseste Gedanke daran, daß das Ganze durchaus einem Drehbuch entstammen könnte, welches die Diskreditierung der Protestierenden zum Ziel haben könnte. Mit der von Herrn von Lucke geäußerten Ansicht wird im Sinne der herrschenden Politik die politische Linke zum Buhmann gemacht an einer Stelle wo sie es nun gerade nicht verdient hat. Im für G 20 geschriebenen Drehbuch wurde nach meiner Ansicht damit das letzte Kapitel aufgeschlagen. Sehe ich das zu drastisch? Und noch was ohne politische Himmelsrichtung: Sollte der Ruf "Keine Gewalt" nicht auch für die Diener der Staatsmacht gelten, so wie 1989 von den staatlichen Kräften in der DDR verlangt?

Antwort von U. Gellermann:

Podien gewinnen manchmal ach durch unterschiedliche Positionen. Während in der Aktion die Einheit notwenig ist, müssen vor der Aktion die kontroversen Standpunkte im Gespräch geklärt werden.


Am 05. September 2017 schrieb Anke Zimmermann:

Die Macher haben von den Meinungsforschern gelernt. Die haben von den Marktforschern gelernt. Die arbeiten für die Reichen. So ein Wahlodings wäre überflüssig in einem Land, in der ein unabhängiger Journalismus eine große Reichweite hat. Hamwar aber nich.....
Aber eine Demokratieabgabe, darf man nicht weiter drüber nachdenken, am Ende fühlt man sich verarsch...t.


Am 05. September 2017 schrieb marie becker:

Der Schlagabtausch der "Kleinen" hatte erheblich mehr Pfiff und meiner Sicht nach vor allem durch Bartsch, den Vertreter der Linken.
Bartsch und Wagenknecht fielen auch heute in der BT Debatte auf durch klare Aussagen , vor allem im Hinblick auf BW-Einsatz, "Wehretat", Waffenexport...etc...also friedenspolitische Ansätze im Gegensatz zur NATOPOLITIK, in die die deutsche "Verteidigungspolitik" seit langem eintaucht und über ganze Regionen UNHEIL bringt


Am 05. September 2017 schrieb Marc Britz:

@ altes Fachbuch

Natuerlich haben Sie wieder recht. Mein Wahl-O-Mat schlug zuerst die DKP vor. Dann die Linkspartei. Da ich politisch gesehen aber total in Sarah verschossen bin, tendiere ich zum Zweitvorschlag. Wissen, Algoryhtmen und Gefuehle: Wann werden Sie zusammen gehn? :-)

Zu ihrem Vorschlag mit der Wahlpflicht: Haette da was besseres zu bieten: Keine Regierungslegimitation ohne mindestens 95 % freiwilliger Wahlbeteiligung der Bevoelkerung (nicht nur des Volkes). Das waer ein Spass: Ich wette wir haetten die gleichen politischen Verhaeltnisse wie jetzt. :-)


Am 05. September 2017 schrieb Paulo H. Bruder:

Macht die Opposition stark! Und jetzt die Jauch-Frage: Welche Partei kann damit gemeint sein? Bestimmt nicht die Dreitagebart-FDP, nicht die Olivgrünen, nicht die Alt-für-Deutschen. Da bleibt dann keine große Wahl mehr ...


Am 05. September 2017 schrieb Michael Iwoleit :

Vermutlich wird bald jegliche Aktivität einen Führerschein erfordern: Essen, Trinken, Atmen, Telefonieren, Websurfen, Computerspielen, Hunde- und Kinderhaltung, Beischlaf, Vermehrung, Inanspruchnahme demokratischer Grundrechte etc. etc.

Das erklärt dann wohl auch, warum so viele Schwachköpfe in der Politik landen - der einzige Bereich, in dem man auch in absehbarer Zukunft ohne nachgewiesene Kompetenzen (außer Arschrkiechen vielleicht) weit kommen kann.


Am 05. September 2017 schrieb altes Fachbuch:

@lieber herr britz,
ich kann nicht mit lob umgehen;)
deshalb stimme ich IHNEN zu, dass das format dieses "duells" schwachsinn ist, weil sich keine oppponenten treffen!
übrigens bekamen sie ein ergebnis in % auf die 100stel kommastelle genau: sie können also nicht dazwischen liegen!! :)

@den lieben galeristen,
1.
sollte nicht nur der mitdiskutieren, der den wahl-o-mat getestet hat?? einmal wegen dem prozedure, und zweitens weil bei jedem der hier ständig präsenten kommentatoren das gleiche ergebnis wie bei herrn britz raus käme : links von der PdL, die aber immer noch mit abstand prozentual eine bessere übereinstimmungsquote bringt, als die etablierten!!
2.
braucht es keinen wähler-führerschein!! ich plädiere für die wahlpflicht!!!
dies würde richtig bewegung in den flipperautomaten bringen. betrachtet man die nichtwähler und die jetzige opposition zusammen, verbietet sich die anmaßung der cdu, sie würden die gesellschaft abbilden oder die mehrheit repräsentieren!! wer nicht wählt, sollte auch einbüßen: keine besuche bei DFB-heimspiele, keine dt. flagge im garten, und fresse halten, keinen schreibenden zugang zu foren und social media!!
20 mio adac-mitgliedern ist wichtiger, dass im winter deren karren anspringen!

kriegt irgendwer 20 mio deutsche hinter sich, für was sinnvolles???
nicht solange über 40 mio in der mitte baden!!
jamaika?? hört sich gut an;)


Am 04. September 2017 schrieb Gideon Rugai:

Traurig aber wahr : Warum sollte es in Sachen Rundfunkrat anders sein als in jeder durchschnittlich deutschen Betriebsklitsche, Vereinsmeierei, auf Elternabenden oder in Internetforen?

Eine dafür bestimmte oder selbsternannte Gruppe (bisweilen das was man gemeinhin als "Kontrollfreaks" bezeichnet) nistet sich mit rundem Hintern und saturiertem Gemüt ein, übernimmt Deutungshoheit und Wortführung, ignoriert oder wälzt ab was nicht in den Deutungsrahmen passt, generiert sich als überlegen Sub-elitär (was geübten Mitläufern und Dünnbrettbohrern locker von der Hand geht wenn sich gut geschmierte Darnwindungen-zwecks bedeutungsvoller Selbstbeweihräucherung- zur Penetration anbieten) und entgleitet so sanft sinnvoller aber lästiger Bodenhaftung.
Bodenhaftung, die dann gern als Bodensatz fehlinterpretiert wird um sich in Pipi Langstrumpfs Takatuka-Land gemütlich einzurichten und allen mal zu zeigen wo es langgeht, wenn man (pro forma) kräftig in die Hände spuckt und die dann ungeniert am Nächsten abwischt .
Es gab mal ein hübsches Lied von "Wir sind Helden" mit dem bezaubernden Titel "Müssen nur wollen"...das bringt es auf angenehm ironische Art und Weise und in diesem Kontext auf den Punkt...

https://www.youtube.com/watch?v=2UMI0YXcV-A


Am 04. September 2017 schrieb Marc Britz:

Stimme dem alten Fachbuch in allen Punkten zu. Bin nach Wahl-O-Mat-Benutzung auch direkt zwischen DKP und Linkspartei gelandet. Also da, wo ich meiner Meinung nach auch hingehoere. Das ist aber wahrscheinlich nur so, weil ich durch fleissiges Rationalgalerie-lesen entsprechend gut konditioniert bin die Fangfragen zu entschluesseln. Der Wahl-O-Mat ist im Guten wie im Schlechten eine mediale Echo-Kammer, die bereits bestehende Urteile und Vorurteile verstaerkt. Leider will das bei der derzeitigen oeffentlichen Meinungsmache nun gar nichts Gutes bedeuten! Es bleibt daher nur zu hoffen, dass die mit Sicherheit nach der Wahl kommende Mischung aus Stagnation und Verschaerfung der politischen Situation allmaehlich zu einer jener Massenbewegungen fuehrt, denen Uli Gellermann ja richtigerweise das einzige tiefgreifende Veraenderungspotential zuschreibt.
Noch etwas zum von mir zugegebenermassen nicht gesehenen Schurkel-TV-Duell: Ist es nicht allein schon eine Farce, dass uns zwei Vertreter der Regierungskoalition quasi als Regierung und Opposition verkauft werden? Sollte in so einem Gespraech ueber die politische Zukunft des Landes nicht die eigentliche Regierung gegen die wirkliche Opposition antreten? Es sollte ja um Verbesserung gehen, und da muessten die bisher Verantwortlichen doch eigentlich den Regierungsaspiranten aus der bisherigen Opposition schon auch Rechenschaft ueber ihr bisheriges Tun ablegen. Und die Aspiranten sollten dann doch auch die Chance bekommen darzulegen wie sie die Sache denn besser machen wuerden. Wenn schon nicht die Kanzlerkandidaten aller Parteien am Gespreach teilnehmen duerfen, was in einer Demokratie eigentlich angebracht waere, haette das eigentliche "Duell" streng genommen zwischen Merkel (Regierungsfuehrung) und Wagenknecht/Bartsch (Oppositionsfuehrung) stattfinden muessen. Da waers dann vielleicht mal spannend geworden!


Am 04. September 2017 schrieb Ernst Blutig:

Der Wahl-O-Mat, allein der Name ist ja schon Hohn, ist Ausdruck dafür, daß weite Teile der Gesellschaft nicht mehr in der Lage sind - und offensichtlich auch nicht sein sollen - Fragen selbstständig zu formulieren. Da darf es nicht wundern, wenn auch die Antworten nur noch als Massenware konsumiert werden.

Das Problem einer Gesellschaft voller Denkkretins wird sein: Woher kommen dann wirkliche Innovation, Erfindung, Kreativität, neue Ideen, geniale Leistungen?
Die Antwort: Von Nirgendwo. Eine Gesellschafft, die Individualität und Individuen derartig aggressiv ihrem genormten Arbeits- und Konsumwahn opfert, wird scheitern in jeder Beziehung.


Am 04. September 2017 schrieb Lutz Jahoda:

OB MIT ODER OHNE,
INTERESSIERT NICHT DIE BOHNE

Es braucht nicht viel Kopfarbeit, um zu erkennen,
wohin das Verdummungsmanöver läuft.
Es wird auch kein Igel- und Hasenrennen.
Wir könnten in Ruhe die Wahl verpennen.
Es wird dabei bleiben, dass Reichtum sich häuft.
Ob mit oder ohne Wahlautomat:
Es bleibt beim Ochsenmaulgurkensalat.


Am 04. September 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Da ist aus dem Kaugummiautomaten sinnvolleres rausgekommen...... Das es noch möglich ist, den Schwachsinn differenziert und nachdenklich zu präsentieren, und die Wichtigkeit der schleichenden Verdummung und Verblödung dem Leser und Schreiber näher zu bringen, und zwar so, dass das womit man sich eigentlich nicht beschäftigen will, ratz fatz im Oberstübchen landet, und der Verstand sich in Bewegung setzt, macht den Inhalt des Artikels aus.
Uli Gellermann ist ein Ausnahmejournalist, und die GALERIE ist unverzichtbar.
Zum Thema:
Wir leben in Zeiten, die nach Veränderung schreien. Das Land der Dichter und Denker, ist wohl ein frommer Gedanke in neoliberaler Zeit.
Individualisierung marschiert immer weiter in die Herzen und Köpfe des Volkes, und der Verstand soll ausgeschaltet werden, weil die Gewinnung an Erkenntnis für ein solches System bedrohlich werden kann. Der Automat mit O soll es richten. Nur nicht selbständig denken, und die Fragen stellen. die gestellt werden müssen: Welche Partei ist wählbar ? Eine Partei, die die Interessen gesamtgesellschaftlich vertritt kann aus meiner Sicht nur eine kommunistische Partei sein.
Das Niveau saust in den Keller, und der Gedanke von Mitgefühl, Solidarität, von Humanität und der Würde des Menschen, aller Menschen muss vernichtet werden im Neoliberalismus, weil Konkurrenz und Wettbewerb der übelsten Sorte dieses System am Leben erhält. Und die Verflachung und Oberflächlichkeit trägt seltsame Blüten, und das, was viele Menschen im Land bewegt, soll unter dem roten Teppich, auf dem wandelt lustwandelt verschwinden:
Altersarmut, Niedriglohnsektor, katastrophale Zustände in nicht wenigen Pflegeheimen, vereinsamte alte, und oftmals kranke Menschen, die alleine leben und wohnen. Personalmangel, die Qualität der Ausbildung ist runtergefahren worden, unbegleitete geflüchtete Kinder- und Jugendliche, die in Deutschland Menschenhändlern u.a. ausgesetzt sind. Die Politik ist dafür verantwortlich. Ganz verlässliche Zahlen über obdachlose Menschen indm Land gibt es nicht, weil sie nicht gezählt werden. Den Schätzungen waren es 2010 250 000. 2016 335 000. Im Jahr 2017 sollen es annähernd 1 Million sein. Und sie reden wirklich davon, dass es Deutschland gut geht. Das es Deutschland gut geht, mag ja sein, nur ob es einem nicht unbeträchtlichem Teil der Mitmenschen gut geht sei mehr als dahin gestellt.-- Vor einigen Jahren wurde das Tafelsilber verschleudert, und das was die Nachkriegsgeneration aufgebaut hat, hat man ihnen gestohlen, um den Spekulanten zu dienen, und um zu verschleiern, dass sie durch katastrophale Fehlentscheidungen von seiten der Politk, sich von den Banken haben düber den Tisch ziehen lassen, und um jetzt wieder fast bei Null anzufangen. Wie oft soll das Volk denn noch bezahlen, wofür es schon bezahlt hat ?
Heute fehlen Hundertausende Wohnungen, die bezahlbar sein müssen, und nicht solche, die für den "traurigen Kapitalisten" gebaut, saniert, umgebaut werden müssen, damit die Schmarotzer und Parasiten die gestohlene Knete noch investieren können. Ncht Wenige werden oftmals mit mafiosen Methoden aus ihrer Bleibe, wo sie viele Jahre sich ein Zuhause aufgebaut und eingerichtet haben, herausgeekelt. So kann es weiter gehen, und das sogenannte Duell war die Vorbereitung, für die Groko. Was für ein langweiliger Haufen, der sich da präsentiert hat. Merkel in Europa blau, aalglatt, einstudiert, peinlich undifferenziert und mechanisch. Schulz das Würseler Würstchen machte auf staatsmännisch, allerdings nur so, dass Merkel durchaus zufrieden war, mit seiner schauspielerischen Leistung. Armes Deutschland. "Denk ich an Deutschland in der Nacht....." (Heinrich Heine)


Am 04. September 2017 schrieb Manfred Caesar:

Aber ,aber mein lieber Uli ,da haben Sie sich aber gewaltig vertan :
"Nur wer Fragen wie .....? mit einem klaren JA beantwortet, dürfte dann zu Wahlen zugelassen werde."
Nur wer diese Fragen mit einem eindeutigen NEIN beantwortet kann zu Wahlen zugelassen werden.Alle anderen sind systemschädlich.Das sind sogar mögliche Umstürzler. Diese müssen sogar sorgfältig unter Kontrolle gehalten werden.Wir hatten das schon zweimal.
Daß ein Wahlführerschein kommt halte ich für ziemlich wahrscheinlich, denn nur wer richtig wählt kann zur Wahl zugelassen werden.Falschwähler verlieren dann vielleicht sogar ihren Autoführerschein.


Am 04. September 2017 schrieb altes Fachbuch:

ich habe mir den wahl-o-mat mal angetan:
- richtig ist, dass man sich vergleichsweise 8 parteien auswählen kann. ignoriere ich mal die npd (erstaunlich, dass die dabei sind!!!), dann war mein wahlschein abgebildet!! und die sogen. kleinen parteien sind dabei!
- richtig ist, dass die fragestellungen/thesen alternativ formuliert werden: ja/nein/neutral
- selbst wenn keine systemfrage oder die welt erklärende oder in zweifel stellende gefragt werden, kommt man dennoch zu eindeutigen empfehlungen. und genau das soll der wahl-o-mat! entscheidend ist, dass der teilnehmende bei der parteienauswahl seine favoriten kennt/ahnt
- sorgen mache ich mir um den datenschutz?? (ergebnis+IP=feind)
- in den berufsvorbereitenden bildungsmaßnahmen haben wir die jungwähler den wahl-o-mat durchaus nutzen lassen: deren testergebnisse und ihr sonstiges geschreie unterschieden sich frappierend. außerdem konnten wir unsererseits auf die "richtigen" kleinen hinweisen;)

die kritik an den "abgleich-positionen" teile ich nur eingeschränkt. einmal kann man "neutral" anklicken, wenn einem die frage zu blöd ist. und zweitens ist mir wurscht, ob einer sachzusammenhänge kennt: hauptsache er geht wählen, und wählt gegen krieg und für soziales!

dann stimmt zwar das ergebnis, und dennoch wird nix anders;)


Am 04. September 2017 schrieb Ute Plass:

Diese wichtige Anregung habe ich sogleich
an die Bundeszentrale für politische Bildung weiter geleitet. ;-)


Am 04. September 2017 schrieb Pat Hall:

Hallo Uli,auch ich möchte mich bei Dir für diese messerscharfe Analyse bedanken. Da fragt marie becker "Was war das denn "?
Für mich ist der Vergleich von gleichgeschalteten Hütchenspielern passend.
Hier ein Klops und dort ein Hütchen und dann ätsch war doch der Klops doch ganz woanders gelegen ?
Wer anregungen zu unserer Politik & Zukunft finden möchte,sollte sich mal mit R.David Precht´s Ansichten beschäftigen.
Politische Hütchenspieler wie die GroKo & deren Anhängselparteien sind absolut nicht Wählbar.
Hier im Link,
© ZDF Mit Richard David Precht, Josef Kraus, Seyran Ates und Falk Stirkat.
https://www.youtube.com/watch?v=s1A-ssdU6rY


Am 04. September 2017 schrieb Bob Hansmann:

Bester Enthüllungs-Journalismus durch schlichtes Nachdenken. Ein publizistischer Leckerbissen. Aber was soll ich nur wählen?

Antwort von U. Gellermann:

Zähneknirschend Linkspartei.


Am 04. September 2017 schrieb Britta Schneidereit:

Den Wahlführerschein hat schon länger der sehr gute Arnulf Rating gefordert:
https://www.youtube.com/watch?v=UE-VKTINhLk
Aber mit dem sitzen Sie ja bald auf einem Podium. Viel Glück bei "Springers Erben".


Am 04. September 2017 schrieb Vera Bender:

Alle schreiben über das völlig blöde Gespräch zwischen Mulz und Scherkel. Sie liefern statt dessen eine messerscharfe Analayse der politischen Realität. Und wie immer: Super formuliert. Danke!


Am 04. September 2017 schrieb Andreas Schell:

Das haben Sie sehr sauber analysiert. Die "Bundeszentrale für politische Bildung" macht sich nachweislich zum Handlanger des Establishments. Nichts Neues wird es geben, das ist das Ziel und dafür ist gesorgt.
Der Wahl-o-mat, den der ach-so-gestresste, Deutsche zum Feinschliff seiner Wahlentscheidung nützt, nennt alle Parteien. Es kommen aber nur ein Paar der Parteien in Frage, und wer der Feind ist, ist klar. Die anderen werden von vorne herein vom zwangsgeführten Nutzer selbst (!) aus der Analyse getilgt. Die kleinen Parteien, deren Angebot man mit einem solchen Tool kennenlernen könnte, werden ausgeschlossen. Man darf sich nur acht aussuchen (vergleiche die riesigen Wahlzettel).Das ist statistisch und logisch alles andere als sauber. Dazu stellt der "endliche Automat" knappe vierzig Fragen, die im öffentlichen Diskurs zugelassen sind.
Diese Fragen sind nicht relevant für das Leben der Reichen. Gewichten darf der abhängig Beschäftigte Verbraucher entlang seiner politischne Bildung, die vom Staatsfunk über Jahre sauber präpariert wurde. Der Wahl-o-mat trifft dann mit einer Scheingenauigkeit von zwei Nachkommastellen eine Entscheidung, die der Benutzer bestenfalls als Bestätigung seiner bereits vorgefassten Meinung erfährt. Die Leere, die man als kritischer Mensch nach der Benutzung der Software empfindet, verfliegt wieder. Vergeben ist die Chance, sich mit dem Angebot des Parteienspektrums auseinanderzusetzen. Vergeben ist auch noch eine viel wichtigere Chance. Wichtige, zukunftsrelevante Fragen gehen im Rauschen unter. Der Wahl-o-mat macht ein gutes Gewissen, und es ist nicht mal klar, wer denn da rüstet, Waffen exportieren wird, Flüchtlinge ins Meer treibt und sie dort verrecken lässt, die Energiewende verzögert, die Bundeswehr in ferne Länder schickt, der Jugend die Bildung verweigert und den Auto- Energie- Waffen- und Pharma- Lobbyisten Büros und rote Teppiche statt einer zünftigen Tracht Prügel anbietet.
Wir wählen also Merkel. Die zugelassene Alternative (AfD) ist trotz des Namens keine, und von den kleinen Parteien war nicht mehr die Rede.
Die Inder und Chinesen werden unser schräges Völkchen überleben, und wenn keiner ein Backup unserer Kulturbeigaben auf YouTube (i.d.R. Konsumempfehlungen) macht, auch vergessen.


Am 04. September 2017 schrieb marie becker:

passt vielleicht hierher, Uli. Was war das gestern Abend?

ein Duell in Sachen wichtiger Angelegenheiten oder ein Duett der Nichtigkeiten, der Spielereien, der Verunglimpfung der Wähler ???

Antwort von U. Gellermann:

Ein Duell unter Freunden: Schiesst Du nicht schiess ich auch nicht, lass uns lieber die Wähler erschiessen.

Dran bleiben...

Schlagzeilen

Wenn Sie sich für die Artikel der Rationalgalerie interessieren und immer erfahren wollen, wenn es Neuigkeiten gibt, können Sie unseren RSS-Feed abonnieren:
RSS-Feed abonnieren

Kürzlich...

21. November 2017

Jamaika: Wählen bringt nichts

Nur selber handeln macht klug
Artikel lesen

20. November 2017

Spanien spricht

Als die Tagesschau mal mit ganz Spanien sprach
Artikel lesen

20. November 2017

LINKE gegen Zensur

Senator Lederer gegen Rosa Luxemburg
Artikel lesen

20. November 2017

Gefühlte Freiheit

EU-Gipfel spottet über Armut
Artikel lesen

16. November 2017

Wagenknecht und Gabriel: Abrüsten!

Der Aufruf zur Abrüstung nimmt Fahrt auf
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen