Vorfahrt für Deutschland

Daimler Partei-Spende gibt Gas

Autor: U. Gellermann
Datum: 25. April 2014

Geiz ist geil, scheint der schwäbische Daimler-Konzern gedacht zu haben, als er in diesen Tagen die fällige jährliche Parteienspende von insgesamt nur 320.000 Euro an CDU-CSU-SPD-FDP-GRÜNE überwiesen hat. Gemessen an den acht Milliarden Euro Daimler-Gewinn des letzten Jahres sind die paar Polit-Cents tatsächlich Almosen. Für das bisschen Geld kann man nicht mal einen Mercedes G 63 AMG 6x6 erwerben, der immerhin 451.010 Euro kostet. Gefragt, warum denn die Linkspartei keinen einzigen Cent erhalten hat, soll der Finanzvorstand des Unternehmens gesagt haben: Trabbi-Fahrer kriegen nix.

Angesichts der tatkräftigen Hilfe von Frau Merkel, die einen europäischen Kompromiss über die Klimaschutzregeln für neue, dicke Autos platzen ließ, wären eigentlich Boni für die beteiligten Parteien fällig. Gerade weil die Quandt-Sippe (BMW) der CDU schon eine Sonderzahlung von 690.000 Euro zugesteckt hat, sollte sich der älteste deutsche Automobilkonzern nicht lumpen lassen. Denkbar wäre, dass Daimler die Kosten für einen eigenen Hintereingang ins Bundeskanzleramt übernehmen würde. Immerhin wurden die Lobbyisten der Automobilindustrie in der letzten Legislaturperiode im Monatstakt von Merkel empfangen Da wäre es sinnvoll, wenn man beim ständigen Rein-Raus der Auto-Dealer nicht immer wieder auf Leute der Finanzkonzerne oder der Waffenindustrie treffen würde, es könnte sonst zu Staus und langen Wartezeiten kommen.

Als diskrete Einflussnahme sind auch Lobby-Warften für ausgewählte Bundestagsabgeordnete im Flachland denkbar, jene aufgeschütteten Siedlungshügel, die man von der Nordseeküste kennt, und die aus den Fluten der Klimakatastrophe wenigsten jene retten könnten, denen wir alle die Rettung der deutschen Automobil-Industrie vor irren Umweltschützern und wirtschaftsfeindlichen EU-Regelungen zu verdanken haben. Nicht schlecht wären auch ehrenvolle Auszeichnungen, wie der goldene Mercedes-Stern mit gekreuzten Scheibenwischern und Brillanten, der so tapferen Männern wie Thorsten Albig, dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, verliehen werden sollte. Weil er einen Schlagloch-Soli von den Autofahrern einfordert, statt die Automobilindustrie zur Kasse zu bitten oder den öffentlichen Nahverkehr zu fördern. Ganz vorne auf der Liste der Ausgezeichneten müsste auch Barbara Hendricks, die Umweltministerin von der SPD, stehen. Sie schlägt angesichts des Klimawandels vor: Heizung aus, Pullover an! Auch wenn der anerkannte Rassist Sarrazin ein Copyright für diesen Vorschlag besitzt - er hatte diese Klima-Lösung den Hartz-Vierern empfohlen - gebührt doch Frau Hendricks der goldene Stern für die dicke Masche mit der sie uns alle bestricken will.

Auf all diese eigentlich sinnvollen Vorschläge reagieren die Daimler-Vorstände nur mit einem mitleidigen Lächeln. Wozu Extra-Kosten? Hat man doch vor ein paar Jahren den damaligen Bundesverkehrsminister, Matthias Wissmann, eingekauft und zum Präsidenten des Verbands der Autoindustrie (VDA) gemacht. Der saß mit der Merkel, damals noch Umweltministerin, im Kabinett Kohl und kann jetzt im Notfall Briefe schreiben, die mit "Liebe Angela" beginnen und davor warnen die deutsche Automobilindustrie "kaputt regulieren (zu) lassen". Das ist das schöne an der Demokratie: Demnächst kann der ehemalige Verkehrsminister und heutige Daimler-Beauftragte Wissman gemeinsam mit dem ehemaligen Kanzleramts-Chef Pofalla im Vorstand der Deutschen Bahn darüber befinden, wie der private Verkehr gegenüber dem öffentlichen begünstigt werden kann, damit derweil der Merkel-Mannschaft genug Zeit bleibt, die Demokratie in der Ukraine oder in Afghanistan zu entwickeln. Auch so kann jene Vorfahrt für Deutschland hergestellt werden, die im Mund von Gauck und anderen zu "mehr Verantwortung für Deutschland" geronnen ist. Gib Gas, Deutschland! Überall in der Welt.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 27. April 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

SORRY LEUTE1 Von ganzem Herzen schließe ich mich den Ausführungen von Heidi Schmid an: dieses M i ß v e r h äl t n i s ! - die Schere öffnet sich rasant immer weiter.

Dies verursacht bei mir bloß noch BRECHREIZ (punktgenau erklärt von U. Gellermann!) - Betrachtet man die Dinge wachen Auges/Verstandes , existiert auf der einen Seite ein ab-sur-der Reichtum... Auf der anderen Seite die Massen, die neuerdings durch die "Globalisierung" enorme Konkurrenz durch billiger arbeitende Arbeits-Sklaven erhalten haben - weltweit - und die vor allem - weltweit - auf Dauer ausgeschlossen bleiben sollen.

Menschen, die nur noch mit Zweit- und Drittjobs ihr Leben bestreiten können! (Jeder kennt bestimmt persönlich prekär bezahlte Leute in seinem Umfeld).
Die aber dennoch weiterhin blechen + bluten sollen, zunehmend ihrer Rechte beraubt werden - und im übrigen das Maul halten sollen. Und ständig werden gerade sie weiter von schamlosen Volksvertretern zum Auslöffeln der Suppe bzw. zum Gürtel-enger-Schnallen aufgefordert!!!!

Gierige Profiteure und ihre raffgierigen Helfershelfer in der Politik lachen sich derweil eins ins Fäustchen!
(W a n n werden sie denn endlich einmal u n s e r e Fäuste sehen - bzw. WANN ist es mal g e n u g mit der duldenden Zurückhaltung?)


Am 26. April 2014 schrieb Sophie Grotekamp:

Vom Daimler-Geldsegen bekommen die GRÜNEN auch 40.000 ab. Damit hat sich ihre Oppositionsrolle wohl erledigt: Vorfahrt für Umwelt-Dreck.


Am 26. April 2014 schrieb Lisa Härtling:

Zum Leserbrief von Marion Szymanski

Sie schreiben: "In einer Zeit, in der in der Ukraine ein Krieg auf der Tagesordnung steht, finde ich Ihre aktuelle Satire schlicht frivol und überflüssig." Die Satire zur Parteienspende deckt Machtverhältnisse auf. Das ist, vor allem dieser bissigen Form, ein Beitrag zur Debatte auch um den Ukrainekonflikt. Und wird auch im Fazit schön deutlich. "Gib Gas, Deutschland! Überall in der Welt."


Am 26. April 2014 schrieb Joe Bildstein:

Daimler, der gleiche Laden der jahrelang Eichmann und andere Genossen in Argentinien versteckte. Ich empfehle folgendes in einer ruhigen Stunde zu lesen:

http://www.gabyweber.com/dwnld/ebooks/daimler_connection_ebook.pdf.
Danach sieht man die Mutti-Daimler Allianz mit noch anderen Augen.

Hier ein etwas kuerzeres Dokument zu Eichmann & Mercedes Benz
http://1.asset.soup.io/asset/1819/5809_e8be.pdf

Absolut lesenswert


Am 25. April 2014 schrieb Heinrich Triebstein:

Hans Eichel wohnt im Bereich des SPD-Ortsvereins, dem ich auch angehöre. Hans Eichel hatte im November 2011 davon gesprochen, dass man die Finanzierung der öffentlichen Ausfgaben den privaten Banken entziehen und sie europaweit einem System von Genossenschaftsbanken und Sparkassen übertragen solle. Deren Erträge flössen der öffentlichen Hand zu und nicht zum Zocken an die Börsen.

Im Dezember 2012 kam seine Idee bei einem Vortrag im Ortsverein nicht mehr vor.

Meine Nachfrage im Frühjahr 2013 (man hat ja so seine Erfahrungen) ergab: Missverständnis. Klartext: Der Zuhörer ist blöd.

Weitere Nachfrage im Frühjahr 2014 im Evangelischen Forum: Nebelkerze.

In seinem Geburtstagswunsch zu meinem 77. sagt er: "Bei dem Missverständnis zwischen uns geht es um Nuancen, die aber für Kenner wichtig sind, sonst wäre ich naiv."

Ich will ihn locken mit einem Wort von G.B.Shaw: "Hütet euch vor alten Leuten. Sie haben nichts zu verlieren." Und mit dem Hinweis auf des Kaisers neue Kleider. Es war der naive kleine Junge, der aussprach, was die Erwachsenen sich nicht trauten.
Und quälen werde ich ihn mit dem Hinweis auf Holger Börner, der 2005 die Kasseler Attac-Aktion "Unser Wasser gehört uns" öffentlich unterstützt hat, nachdem er intern angedroht hatte, aus der Partei auszutreten, sollten sich seine Genossen trauen, das Wasser zu privatisieren.


Am 25. April 2014 schrieb Wolfgang Blaschka:

Darf ich Deinen "Vorfahrt-für Deutschland-Artikel" öffentlich auf dem Marienplatz verlesen und ein bisschen Werbung für die Rationalgalerie machen? Ich soll am 16. Mai den europaweiten Aktionstag "Blockupy" moderieren.

Antwort von U. Gellermann:

Ich wüsste niemanden, der das besser machen könnte.


Am 25. April 2014 schrieb Dirk Winning:

Soweit ich weiss, nähme die Linke auch keinen Cent Spende von Konzernen...
was doch gut ist!


Am 25. April 2014 schrieb Marion Szymanski:

In einer Zeit, in der in der Ukraine ein Krieg auf der Tagesordnung steht, finde ich Ihre aktuelle Satire schlicht frivol und überflüssig.


Am 25. April 2014 schrieb Heidi Schmid:

Ich bin entsetzt über die Zahlen...wer in aller Welt gibt soviel Geld für ein Auto?
Und aus Umweltsicht ist ja nichts falsch daran, weniger zu heizen und durch Kleidung
auszugleichen, aber da wieder Hartz4-Bezieher beispielhaft heranzuziehen, spottet
aller Menschlichkeit. Genügend Rentenempfänger stehen vor dem gleichen Problem,
Essen oder Frieren, solange wir so eine ungerechte Verteilung der vorhandenen Güter
dulden, kaufen sich Einzelne Automobile, die kein Mensch braucht. Und die Firma mit
dem Stern platzt vor Reichtum und saugt die Mitarbeiter aus bis aufs Blut.
Eine Schande für Jeden, der diese Politik unterstützt, politisch wie wirtschaftlich.


Am 25. April 2014 schrieb Rainer Gebhardt:

Das nenne ich eine gelungene, bissige Satire auf die Scheindemokratie: Die Demokratie der großen Scheine.

Dran bleiben...

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