TTIP: Lügen haben dicke Backen

Gut 250.000 Menschen haben Gabriel geantwortet

Autor: U. Gellermann
Datum: 12. Oktober 2015

Vielleicht hat Sigmar Gabriel ja auch kurze Beine. Den Mund hatte er jedenfalls am Tag der Anti-TTIP-Demonstration in Berlin ganz schön voll genommen. In ganzseitigen, schweineteuren Anzeigen verschwendete der Wirtschaftsminister Atem und Steuergeld, um zu behaupten, dass "es in TTIP keine privaten Schiedsgerichte mehr geben darf". Aber alles was die EU und ihre Handelskommissarin Cecilia Malmström zu diesem Thema vorgelegt hat, ist flauer Konjunktiv: Man sollte, könnte . . . Beschlossen ist nichts. Und selbst die angedachte "Alternative" ist immer noch nichts anderes als ein Sonderrecht für ausländische Konzerne.

In der zweiten Lüge fabuliert Gabriel darüber, dass es "Keine Absenkung der in Deutschland und Europa erreichten Umwelt- Sozial- und Verbraucherstandards geben kann". Das Wort heißt KANN. Und die Wahrheit ist: Gabriel kann heute so und morgen so. Selbst wohlmeinende SPD-Genossen nennen ihn Zick-Zack-Siggi. Wer mal so oder mal so kann, der kann in Wahrheit nichts, was mit ehrlicher Politik zu tun hätte.

Die dickste und unverschämteste Lüge aber lässt der Mann in seiner Anzeige ab, wenn er behauptet, ein Zwang zur Privatisierung sei nicht vorgesehen. Munter verhandeln seit 2012 von ihm beauftragte Leute mit den USA über das "Trade in Services Agreement" (TiSA). Natürlich wieder mal geheim. Über ein US-Handelsdiktat, das "Handelshemmnisse im Sektor Dienstleistungen beseitigen" soll. Handelshemmnisse wie "Öffentliche Dienstleistungen zur Gesundheits-, Wasser- und Energieversorgung, bei der Bildung, im Finanzsektor". Und natürlich soll TiSA die "Rückübernahme von privatisierten Energie- und Wasserunternehmen (Rekommunalisierung)" unbedingt ausschließen.

Gabriel, der kleine Kläffer an der kurzen Leine der USA, will ja nicht mal deutschen Abgeordneten den Zugang zu TTIP-Akten verschaffen, die in der US-Botschaft liegen. Immer noch bekommen Abgeordnete des Deutschen Bundestages – wenn sie nicht auf einer limitierten Liste stehen – keinen Einblick in die Akten- und Faktenlage. Wer sich so sklavisch dem Diktat der USA unterwirft, der kann nur lügen, um seine letzten Wahlprozente zu sichern.

Berüchtigte Schützenhilfe erhielt der Minister für EU-US-Abkommen vom SPIEGEL. Der entdeckte in seiner Online-Ausgabe pünktlich am Morgen der Anti-TTIP-Demonstration, dass es eigentlich Nazis sind, die diese Gegenwehr grundieren: "Die Kampagne gegen den Freihandel ist wie auf dem braunen Mist gewachsen". Dieser Versuch, demokratische Bewegungen als "rechts" zu diffamieren, ist im letzten Jahr gegen die Friedensbewegung wunderbar gelungen. Aber diesmal hat sich niemand in der Linken zum trojanischen Esel machen lassen – wahrscheinlich war Jutta Ditfurth, die immer mal wieder Antisemiten entdeckt wenn es gegen die "Hochfinanz", "die Konzerne" und "das Kapital" geht, gerade in Urlaub.

Sie kamen mit fünf Sonderzügen und mehr als 600 Bussen nach Berlin. Und sie verbreiteten jene gute Laune, die aus dem Widerstand kommt. Die rund 250.000 Menschen der Anti-TTIP-Aktion in Berlin. Wann immer man die Streifen und Sterne der US-Flagge auf Plakaten sah, waren Slogans des fröhlichen Anti-Amerikanismus zu lesen. Und wer an den geparkten Bussen vorbei wanderte, der konnte Autokennzeichen aus der ganzen Republik erkennen: Wir sind viele, erzählte diese Aktion, und wir werden mehr . . . Und: Gabriel, Du lügst.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. Oktober 2015 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

YES YES YES!!
Siechmar Gabriel kann in Wahrheit nichts, was mit ehrlicher Politik zu tun hat -
außer die Pausbacken blähen:
Also bei mir ist hängen geblieben daß Sigmar G. erst ein vehementer TTIP-Gegner war- doch dann, oh Wunder, hat es ihn plötzlich ins andere Lager verschlagen. Zick-Zack-Siggi (genau!) ist ein Leisetreter, der nichts tut außer "die Menschen" zu verarschen. Vor allem tut er alles um unserer US-Marionette zu gefallen....
die SPD = CDU - und umgekehrt, eine unappetitliche Einheitssoße. Doch wer wollte es dem Siechmar verübeln - wohnt es sich doch so wohlig warm
im Darmtrakt der Först Lady....
"Die Menschen" indes haben derweil die wachsweiche Dickbacke an der Backe und die Schnauze voll - denn sonst wäre diese Viertelmillion am Samstag 10.10. doch nie und nimmer mals zustande gekommen.
.
Apropos Lügen - freilich wie immer bei solchen Veranstaltungen wurde von
offizieller Seite : die gewaltige Zahl von 250.000 "Menschen" an der
Anti-TTIP/CETA-Demo locker um 100.000 heruntergespielt.


Am 15. Oktober 2015 schrieb Volker Ritter:

Liebe KollegInnen,

einer PM 090 des DGB entnehme ich heute, dass sich eben dieser DGB zusammen mit mit dem Trägerkreis der Anti-TTIP-Demo von einer symbolischen Guillotine auf eben dieser Demo distanziert. Dabei würde der DGB jede Gewalt und Androhnung der Gewalt verurteilen.

Nun zählt zu den liebsten Autoren meiner Jugendzeit der Soziologe Sven Papcke (zuletzt Professor an der Uni Münster). Der hatte in „Progressive Gewalt, Studien zum sozialen Widerstandsrecht“ (Fischer, F/aM 1972) noch zwischen systemimmanenter, systemterhaltender und systemverändernder Gewalt unterschieden. Wenn der DGB nun gegen jede Gewalt ist, könnte man darin einen partiellen Fortschritt sehen. Der DGB wäre dann gegen Geldstrafen für Schwarzfahrer zur Durchsetzung der Kapitalinteressen eines Beförderungsunternehmens. Der DGB wäre plötzlich gegen Saktionen in Hartz IV zur Durchsetzung eines Niedriglohnangebots (was bei einer Anhöhrung des Bundestagssozialausschuss im Sommer noch nicht erkennbar war). Leider wäre der DGB auch gegen Streiks, als kollektive Gegengewalt zur systemimmanenten Gewalt der Eigentümerrechte.

Auch als Gegner der Todesstrafe, die ja ausserhalb revolutionärer Situatuionen systemerhaltend eingesetzt wird, bleibt mir nur festzustellen, dass es ohne die französische Revolution und die Guillotine die aktuelle bürgerliche Klassenherrschaft nicht geben würde.

Mit einer Betrachtung zum Zweck der Gewalt muss ich nicht einmal zwischen den humanitären Ansätzen des französischen Arztes Guilliotin und den archaischen Galgen einer Pegida-Demonstration unterscheiden. Tatsächlich entscheidet das Ziel und nicht die Mittel.

Nebenbei haben doch einige Betroffene nach dem DDR-Anschluss autoagressiv beim Auftauchen von Erben preussischer Junker den Suizid gewählt. 1789 bis 1793 hat in Frankreich die Guillotine das Auftauchen solcher Erben verhindert.

Der DGB hat mich aber dazu gebracht, noch einen Ausflug zur aktuellen website von Sven Papcke zu machen. Von diesem Ausflug bringe ich ein Zitat mit:



Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus –

und kehrt nie wieder zurück.

Gabriel Laub



Mit freundlichem Gruß

Volker Ritter, Mitglied im ver.di-Erwerbslosenausschuss Hannover-Leine-Weser


Am 14. Oktober 2015 schrieb Kostas Kipuros:

Machen wir doch mal ein kleines Gedankenexperiment: Angenommen, 1989 hätten nicht 250 000, sondern nur 2500 Menschen in der DDR gegen eine engere wirtschaftliche Anbindung an die Sowjetunion demonstriert, weil ein entsprechendes Abkommen den Parteiführungen beider Staaten, insbesondere aber jener in Moskau, noch mehr Vollmachten garantiert hätte, zum offensichtlichen Schaden der Bevölkerung Staatsbetrieben Gewinn zuzuschanzen? Wie wäre wohl die Reaktion in Bonn ausgefallen? Richtig!


Am 13. Oktober 2015 schrieb elizabeth macek:

Endlich wachen etliche auf.
3.263.922 Unterschriften -
250.000 Demonstranten - das können diese
Polithanseln wohl nicht mehr so leicht igno- rieren oder unter den rechten Teppich kehren.
Falls doch, hoffe ich ich dass endlich mal das
Schachbrettsystem zum Tragen kommt.
Also bitte nicht nachlassen. Wenn erstmal
5 Millionen auf den Straßen sind, sollte sich
Frau Dittfurt mal nach einem anderen Posten
umsehen, wie die meisten ihrer Kollegen wohl auch.
Ehrlich währt am längsten. Das sollte auch für oder gerade für Politiker gelten.
Unsere westlichen Werte, Demokratie, Menschen- u. Völkerrecht wo sind sie geblieben?? Weg mit dem ganzen Lügenpack.


Am 13. Oktober 2015 schrieb Eva Bredthauer:

Mich erstaunt immer wieder, mit welcher Überzeugung in unsere Medien andere Länder als undemokratisch bezeichnet werden. TTIP wird die Zukunft unseres Landes wesentlich bestimmen, aber die gewählten Abgeordneten dürfen dürfen die Verhandlungsakten nicht einsehen. Auch für eine medienöffentliche Auswertung sind die Unterlagen nicht verfügbar. Zudem lagern diese Alten geradezu symbolisch in der US-Botschaft, nicht im Parlament nicht im Wirtschaftsministerium oder in einer öffentlichem Bibliothek. Sondern in der Botschaft jenes Landes, dass sich offenkundig Vorteile von diesem Abkommen verspricht. Diese koloniale Herrschaftsgeste wird von all den Marktschreiern der Demokratie ohne großes Mucken hingenommen und stattdessen mit langen Zeigefingern auf andere Länder gewiesen, die undemokratisch seien. Und es ist den Marktschreiern nicht einmal peinlich.


Am 13. Oktober 2015 schrieb Ewald Dieter Tünderligeti:

Mir tut es unendlich Leid das ich nicht dabei sein konnte ,aber es freut mich das so viele mitgemacht haben.
Gabriel und seine Gefolgschaft sind nur noch ein Mitleid erregender Rest von dem was mal SPD hieß .
Wie sollen solche Leute über Diktatoren reden ohne das sie dabei rot werden.
Die EU die größte Demokratie die die Welt je gesehen hat (Ironie aus) verheimlicht ihren Bürger über was sie mit den Amis verhandelt ! Wenn man dem dicken Sigi zuhört kommt man unweigerlich zu dem Ergebnis das es vollkommen egal ist was die Leute wollen. Die Leute sind nur zu dumm um zu merken das der Sigi und die Mutti doch nur das beste für uns möchte,die frage ist nur wer ist mit uns gemeint.


Am 13. Oktober 2015 schrieb Lutz Jahoda:

STRICKANLEITUNG
NOCH IMMER VERSCHOLLEN

"Zwei Glatt. zwei Verkehrt,
zwei Glatt, zwei Verkehrt -
Obama strickt Deutschland ein Jackerl ..."

Die liebliche Weise wird älteren Freundinnen und Freunden österreichischer Heimatfilme noch in Erinnerung sein. Im Originaltext soll einem "Hansi" das Jackerl passen. Im Gegenwartsfall sollen wir alle in Europa die "Hanseln" sein, die umstrickt für blöd verkauft werden sollen.

Hier mein Reimkonstrukt - ohne Musik:
Noch sind die Stahlglieder rosa umstrickt,
die Deutschland an Nordamerika ketten.
Die Freihandelszone ist abgenickt,
fast hätte Obama Frau Merkel - gedrückt.
Die Kanzlerin wusste sich lächelnd zu retten.

Es wird noch schmerzhaft werden. Und klar, dass sich US-Konzerne vor Schmerzkrämpfen schützen wollen, die gegenwärtig den VW-Konzern beuteln.
Doch ebenso verständlich, wenn wir "kleinen Hanseln" nicht die kühlende Schmerzsalbe sein möchten.
Die "Informations"- und "Dialog"-Offensive, die in Kürze anrollen wird, dürfen wir getrost als "Gegengift" bezeichnen, wie eigentlich alles mit äußerster Vorsicht zu betrachten sein wird, was uns "helfen" soll.
Unter dieser "Barmherzigkeit" lösen sich die Maschen von selber auf.
Prost, Salzsäure!


Am 12. Oktober 2015 schrieb Heinz Schneider:

Berlin hat in beeindruckender Weise gezeigt, dass die gegen TTIP aktiven Menschen weiter denken als unsere Regierenden. Sie haben erkannt, dass man TTIP auch ablehnen müsste, wenn man einen Nutzen für die Menschen in Europa und den USA unterstellt. Weil TTIP nämlich auch dann ein Vertrag zu Lasten Dritter ist. Die Ablehnung wäre dagegen ein erster Schritt zur wirksamen Bekämpfung der gerade viel zitierten, meist aber nicht verstandenen Fluchtursachen! Der Kampf für ein gerechtes Welthandelssystem ist die logische Fortsetzung dieses Kampfes.
In der Sozialdemokratie wird TTIP nach meiner Wahrnehmung an der Basis klar abgelehnt. In England konnten wir gerade sehen, das sich die Gräben zwischen Basis und Führung einer Partei auch einmal jenseits des Basta-Prinzips schließen können. Ich habe Hoffnung.


Am 12. Oktober 2015 schrieb Timitrios Baihl:

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmar_Gabriel

interessant die Verbindung zu "Atlantik-Brücke"


Am 12. Oktober 2015 schrieb Andreas Buntrock:

"Und: Gabriel, Du lügst. "
--------------------------------------------

Bei diesem Herrn Gabriel als Vorsitzendem seiner(!?!?) Partei, dürfte es eigentlich KEINEN EINZIGEN überzeugten Sozialdemokraten mehr in der SPD geben, der sich nicht schon früh am Morgen am Waschtisch, für sein eigenes Spiegelbild schämt.
Wenn es nach G. Schröder noch eines weiteren eindeutigen Beweises bedurft hätte, dass Macht korrumpiert, mit diesem sPD-Vorsitzenden, wäre er erneut erbracht.

Nur wer sich, leidgeprüft oder abgestumpft oder oft auch beides, im politischen Intrigenspiel innerhalb sozialdemokratischer Ortsvereine auskennt weiß, WIE und WARUM, sich ausgerechnet ein S. Gabriel an der Spitze dieser zu einer Partei von Wasserträgern mutierten Vereinigung(!) halten kann.
Und die Oppermanns, Münteferings und Steinmeiers, sind der lebende Beweis für die obige Behauptung.


Am 12. Oktober 2015 schrieb Irene Kober:

Dieser Satz der Frau Ditfurth 
"Es zählte wohl nur die Zahl der Mitläufer*innen. Nur Quantität, nicht Qualität" zeigt die Herrenmenschin: Da machen sich Leute gegen TTIP auf und die Dame selektiert sie nach "Qualität". Und wenn das in Berlin versammelte Menschenmaterial ihr nicht passt, dann kann es sich nur um "Mitläufer" handeln. Schade, dass sie auf der Demo keiner erkannt und rausgeworfen hat. Dann hätten wir den Beleg dafür, dass wir NAZIssen an demokratischen Aktionen nicht teilnehmen lassen.


Am 12. Oktober 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Wenn der dicke Erzenkel Gabriel von der Radieschen- und Verräter-SPD mal nur Steuergeld für verlogene Anzeigen verschwenden würde.
Er ist ein Quisling. Er betrügt und belügt uns nach Strich und Faden im Auftrag von Auftraggebern, die sich im verborgenen halten,
zu denen aber offensichtlich die Machthaber hinter dem Washingtoner Regime zählen.
Deshalb sein vorauseilender Gehorsam bei TTIP, TiSA und der Masseneinwanderung aus zuvor anglo-amerikanisch kaputt-gebombten Staaten.
Das läßt sich nicht allein mit seinem VW-Lobbyismus erklären.
- Was den unsäglichen "Spiegel", das transatlantische Schmierblatt, betrifft, so habe ich für den einen trefflichen Namen gelesen:
Bild am Montag.
Wer kauft solchen amoralischen, antidemokratischen Dünnschiß eigentlich?
- 250.000 friedlich-bunte Demonstranten in Berlin trotz der massiven Gegen-Propaganda der organisierten Presstitution - was für ein Zeichen!


Am 12. Oktober 2015 schrieb Doris Pumphrey:

Das habe ich auf Facebook von Frau Ditfurth zur TTIP-Demo gefunden:

"Viel schlimmer jedoch: Nazis, völkische Nationalist*innen, Endgame, Pegida, NPD, AfD, Rassist*innen, Antisemit*innen, rechte Künstler*innen durften zur Demo-Teilnahme aufrufen. Niemand verwahrte sich dagegen. Nicht nur das: sie durften teilnehmen. 
Sie wurden nicht ausdrücklich ausgeladen. 
Man distanzierte sich erst auf der Demo ein bisschen von ihnen, als ein negativer Kommentar (ein schlechter Beitrag bei Spiegel online) erschienen, die Sache also öffentlich geworden war. 
Niemand warf die Rechten und Völkischen, soweit erkennbar, aus der Demo. 
Es zählte wohl nur die Zahl der Mitläufer*innen. Nur Quantität, nicht Qualität. 
Das bringt Nachrichten, das bringt nicht nur Campact Spenden.
In diesen Zeiten der größten antisemitischen und rassistischen Aufmärsche seit 1945 gibt es in dieser TTIP-und CETA-Opposition offensichtlich keine Wachsamkeit, kein politisches Bewusstsein mehr gegen Rechts. Man ist so "stolz", Flüchtlingen geholfen zu haben, will von anderen Konflikten nichts wissen, fühlt sich vielleicht wieder ganz als "ein Volk"? 
Und dann, genau dann, wird es in Deutschland oft gefährlich."

Antwort von U. Gellermann:

Frau Ditfurth - die ich nicht auf der TTIP-Aktion gesehen habe - vielleicht halluziniert sie nur, vielleicht ist sie auch nur sauer, dass sie nicht zum Reden eingeladen war, glaubt unter den 250.000 Teilnehmern Rechte gefunden zu haben. Ich habe keine gesehen. Wie auch? Doch nehmen wir an, es waren welche dabei. Wie hätten sie entfernt werden sollen? Das schlägt sie nicht vor, statt dessen kotzt sie den infamen Satz auf die größte demokratische Aktion dieses Jahres, vom allgemeinen Volksgefühl und von der spendenorientierten Gier auf "Mitläufer". Das zeugt nur vom Neid auf die Mobilisierungsfähigkeit anderer, von der Angst vor der politischen Bedeutungslosigkeit und dem Nachlassen intellektueller Qualitäten, die sie einst besass.


Am 12. Oktober 2015 schrieb H.C. Hoffer:

18 Stunden im Bus ...
wahrlich kein Zuckerschlecken.
Aber wir wurden ja sowas von belohnt: 250 000 x "Weg mit TTIP/CETA/TISA" -

Ähnliches habe ich vor genau 34 Jahren auf dem Bonner Hofgarten erlebt:
Damals wider die Nachrüstungslüge,
heute gegen die Freihandelslüge !

(* am 15. März 2003 - als es wider die Massenvernichtungswaffenlüge des
G.W.Bush ging - war ich leider nicht in Börlin!)


Am 12. Oktober 2015 schrieb Hans Rebell-Ion:

Mein heißer TIPP: NIETTIP!!! ... oder: Kein TRIP zu TTIP!!!


Am 12. Oktober 2015 schrieb Wera Blanke:

Guter Artikel, auch ohne den überflüssigen "Kleinen Kläffer".
Wunderbare Groß-Demo, die Hoffnung macht!
Dennoch: alle Argumente gegen TTIP & Consorten sind richtig, greifen aber m.E. zu kurz.
Meine Meinung: "Freihandelsabkommen" sind grundsätzlich kontraproduktiv. Sie müssen sich immer, quasi naturgemäß, gegen Dritte richten.
Zwischen den beiden stärksten Wirtschaftsmächten des Globus geschlossen, können sie (bestenfalls!) diese Stärksten weiter stärken - und müssen damit zwangsläufig alle Schwächeren weiter schwächen, letztlich bis zu deren Bankrott.
Damit sind sie , unvermeidlich, eine der Ursachen für die Flüchtlingsströme, die aus zerstörten Heimaten in die Länder drängen, wo ihrer Meinung nach Milch und Honig fließen.
Warum werden diese Zusammenhänge nicht erkannt und benannt?


Am 12. Oktober 2015 schrieb Cornelia Staudacher:

Es war beeindruckend - die 250000. Und schön, wie Du darüber schreibst.
Das Schlimme an Gauck-Jauch ist ja, dass sie so prachtvoll zu den Deutschen passen. Das ist das ganze Übel - auch wenn man am Samstag mal kurz Hoffnung schnappen konnte. Überwältigend.


Am 12. Oktober 2015 schrieb Steffen Thomas:

Ich lese eigentlich gerne die Rationalgalerie. Aber gerade was TTIP betrifft, weiß ich nicht so genau, was wirklich Sache ist. Und Dank der völligen Intransparenz bei den Verhandlungen gibt es wohl nur sehr Wenige, die wirklich über das Thema Bescheid wissen. So ist es auch nicht verwunderlich, das ich eben einen Artikel gelesen habe, dessen Tenor ein ganz anderer ist: http://tapferimnirgendwo.com/2015/10/11/massenpsychose-ttip-widerstand/

Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. (Goethe)

Antwort von U. Gellermann:

Ein wenig erhellen wirken könnte dieser Artikel:

http://www.rationalgalerie.de/home/das-neue-jahr-ist-das-alte%C2%A0.html


Am 12. Oktober 2015 schrieb Harry Popow:

Impression vom "Probe-Aufstand"

Unvergesslicher 10. Oktober 2015: Stoppt TTIP, TTIP ohne uns, bremst die Macht
der Konzerne. Flaggen, Fahnen, Spruchbänder, Trommelwirbel, Trompeten, Transparente - ein farbenfrohes Bild, ein großes Gedränge bereits am Berliner Hauptbahnhof. Lachende Gesichter, Einmütigkeit bei Menschen allen Alters, Familien mit Kindern. Vor uns ein junges Ehepaar. Sie führt einen etwa fünfjährigen Jungen an der Hand. Er schräg hinter ihr. Auf dem Arm ein Kleinkind. Sie dreht sich immerfort nach ihrem Mann um, ein unsagbar liebes Lächeln im Gesicht. Sie strahlt ihn an. Eine stille und wunderschöne Szene. Ruhige Gewissheit in schrillender Umgebung. Im Interesse des Lebens, nur darum geht es. Welch ein Bild... Fröhlichkeit gegen dumpfes Gebaren der USA, das Freihandelsabkommen durchsetzen zu wollen. Ein endlos scheinender Demonstrationszug bewegt sich vom Bahnhof durch die Innenstadt in Richtung Siegessäule. Langsam, ganz langsam geht es vorwärts. Laute Musik, wieder Trommeln. Eine tolle Stimmung wie schon lange nicht mehr.
Meine Gedanken schweifen zurück. 11. Oktober 1949: Mit Fackeln, mit Trommeln und Trompeten - die Gründung der Republik wird gefeiert. Auf dem Marx-Engels-Platz. Großes Hoffen, große Erwartungen an ein humanistisches Deutschland. Dann der sich anbahnende Abbruch großen Bemühens - der 4. November 1989. Meine Frau und ich wieder dabei, auf dem Alex. Für eine bessere Politik der DDR. Gute Worte am Rednerpult. Alles ohne Gewalt. Doch die Kapitalkeule zerschlägt jegliche Bürgerinitiativen für eine andere und bessere DDR. Jahrzehnte später, in den Jahren nach 2013 bis 2015: Demos gegen Fluglärm in Friedrichshagen. Wieder sind wir dabei. Und heute bei dieser größten Demo seit Jahren in Berlin. Die Macher sprechen von 250.000 Teilnehmern, die Polizei nur von 150.000. Ganz doofe beschränken sich auf nur 100.000 Teilnehmern.
Ein Aufruf, ein Nein, ein Wille einer Masse von Bürgern, die mit über 600 Bussen und mit Sonderzügen aus allen Teilen Deutschlands angereist kamen. Die im Neoliberalismus zu Einzelkämpfern abgestempelten und unter der Flagge der Vielfalt zu allen Meinungen zugelassen Bürgern finden hier und heute zu einem großartigen WIR zusammen. Man fühlt sich mitgerissen, in eins mit der Einsicht: Wir lassen uns vom US-Kapital im Bündnis mit dem in der BRD nicht in die Suppe spucken. Aber was tun, wenn die Obrigkeit sich nicht zuckt? Auf einem Schild lese ich: Aufstand. Das wärs, denke ich. Wem sollte da der Schreck in die Glieder fahren? Am anderen Ufer der Spree sehen die friedlich demonstrierenden Volksmassen das Regierungsviertel. Nach nicht bestätigten Augenzeugenberichten baut man dort bereits eine Mauer um den Sitz der Regierung und des Parlaments. Man tüftelt darüber, wie man sich ein neues Volk wählen könne...
Achtung: In Stellung gebracht wurden indessen rings um das Regierungsviertel - und nicht nur dort - die berüchtigten vom Kapital ausgehaltenen Medienkanonen mit den hochbezahlten Flachzangen, den Medienkanonieren. Einer von ihnen ist Alexander Neubacher. Er reitet wie Münchhausen im SPIEGELONLINE vom 10.10.2015 u.a. folgende Attacke: "Die dümmsten Parolen auf den Anti-TTIP-Plakaten bedienen dabei genau jene Ressentiments, mit denen in rechten Kreisen schon immer gegen "die Hochfinanz", "die Konzerne" und "das Kapital" gehetzt wurde. Dass bei diesen "Konzernen" in Deutschland einige Millionen Menschen beschäftigt sind, die wiederum ihre Arbeitsplätze zu einem wesentlichen Teil dem Handel mit anderen Ländern verdanken, scheint keine Rolle zu spielen."


Am 12. Oktober 2015 schrieb Doris Pumphrey:

Danke, dass du das auch mit der Kampagne gegen die Friedensbewegung zusammengebracht hast, genau daran mussten wir denken, als wir viele die Plakate sahen, denn da waren offensichtlich Leute dabei, die den Schreiern von der "antideutschen" Tribüne nicht koscher sein konnten..so viel Antiamerikanismus, so viel höchstverdächtiges "Merkel verkauft unser Volk"....


Am 12. Oktober 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

Ich war dort in Berlin.
Die Stimmung war so frisch wie das kühl-sonnige Wetter, die Vorträge leidenschaftlich und engagiert und die Zuhörer ganz dabei, als z.B. die "Welle" des Widerstandes dargestellt wurde.
Lediglich zeitweise wurde es auf dem Bahnhofplatz ein bisschen eng, weil so viele aus den Zügen nachströmten. Ich glaube nie und nimmer, dass wir nur 150 000 Teilnehmer waren, wie ich nach der Rückkehr in den Medien hörte.
Auch musikalisch wurde alles bestens begleitet, dazu genossen die kulinarischen Köstlichkeiten am Wegesrand, hätte man die Demo zeitweise für ein Volksfest halten können.
Aber dann verkündeten wieder die Wortbeiträge und zahlreiche Infostände den sehr ernsthaften Hintergrund. Vor allem an den Ständen kamen auch andere wichtige Themen, wie Klimaschutz etc. zur Sprache.

Und, ich hatte es nach der Meidung des Themas bei Blockupy in Frankfurt kaum zu hoffen gewagt, zumindest an einem Stand (des ISW - Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung) auch die geopolitischen Hintergründe einschl. der Ukraine-Krise und der weltweiten Rolle der USA.
TTIP bezeichnen ISW als einen Zweig der Nato-Politik: die Sicherung der amerikanischen Vorherrschaft in Konkurrenz vor allem zu den BRIC-STaaten, und sie hatten etliche große Schaubilder aufgestellt um das anschaulich darzustellen, eines zeigte auch die Rolle der großen Finanzmagnaten, Rothschild, die FED usw....

- also voll "verschwörungstheoretisch" , sollte Jutta Ditfurth gerade schön umweltfreundlich am Berliner Hauptbahnhof aus ihrem Urlaubszug gestiegen und ein bisschen Richtung Siegessäule geschlendert sein, hat sie sicher ein Trauma erlitten angesichts solchem "Antisemitismus".


Am 12. Oktober 2015 schrieb Werner Köpp:

Vielen Dank wieder einmal für die aktuelle und in der Essenz zutreffende Fakten-Zusammenstellung deiner Rationalgalerie. Deine Mitteilungen finde ich so und so ziemlich gut, aber das ist nicht der Grund, weswegen ich heute schreibe. Ich will dich und uns alle, die wir kritisch sind, warnen. Du schreibst:
"Gabriel, der kleine Kläffer an der kurzen Leine der USA, will ja nicht mal deutschen Abgeordneten den Zugang zu TTIP-Akten verschaffen, die in der US-Botschaft liegen. Immer noch bekommen Abgeordnete des Deutschen Bundestages – wenn sie nicht auf einer limitierten Liste stehen – keinen Einblick in die Akten- und Faktenlage."
Ich habe bei mir selber gemerkt, dass die starke Metapher vom kleinen Kläffer an einer kurzen Leine emotional und dann auch kognitiv zentral meine Aufmerksamkeit bahnt. Es kann – muss natürlich nicht zwingend – anderen auch so gehen und das viel wichtigere Argument, das dann folgt (Geheimhaltung vor Abgeordneten) geht hinter diesem starken biologischen Bild ein bisschen in den Schatten. Außerdem habe ich vor Biologismen prinzipiell Angst, weil sie auch von den Nazis verwendet wurden (zum Beispiel „der Parasit am Volkskörper“). Diese bildhafte Form der biologisch-bildhaften Entwertung hast du überhaupt nicht nötig, weil deine Sachargumente kräftig genug sind!
Herzliche Grüße und nochmals vielen Dank,


Am 12. Oktober 2015 schrieb Inken Hammacher:

"Trojanische Esel" welch eine treffende Bezeichnung für die unsägliche Koalition aus Ditfuhrth, Antideutschen und Junge Welt. Danke für die Formulierungshilfe.


Am 12. Oktober 2015 schrieb Manfred Ebel:

Hallo Uli und Freunde, nun wundere ich mich nicht mehr, dass wir uns nicht persönlich begrüßen konnten. Dieses Ausmaß hatte ich nicht erwartet. Ich hätte mich schon über 50 000 gefreut. Aber diese Massen ... Wir erhalten damit auch Antworten auf Fragen, die hier öfter auftauchen. Klar sind sie nicht schlüssig beantwortet, aber Zuversicht kann doch ganz schön wachsen, oder?! Das war eine Volksfront und sie haben sich auf einen Nenner geeinigt! Die Meinungen stimmen auch wirklich sehr weit überein: Unzufriedenheit mit der voranschreitenden Entrechtung der Massen, Hauptverantwortung der US-Politik für internationale politische und wirtschaftliche Verformungen, Kriegstreiberei und deren zunehmende Ablehnung, massivere Ablehung der ö.-r. Massenmedien, Sorge um eine friedliche, gesunde Zukunft und auch Ablehnung der derzeitigen EU-Politik und der deutschen Polithanseln.
Sehr gut auch, dass immer mehr junge Leute teilnehmen.
Vielleicht doch noch einmal deutlich gesagt: TTIP, CETA, TiSA gehören gestrichen, nicht modifiziert. Man braucht keine Verträge, wenn nicht einer den anderen austricksen, übers Ohr hauen wollte oder wenn einer diese Absicht beim anderen aus Erfahrung vermutet.
Kleiner Wehrmutstropfen: Schade, dass DIE LINKE so sehr unterrepräsentiert war.


Am 12. Oktober 2015 schrieb S. Hauptkorn:

Die Demo war gigantisch und einfach großartig.

Wenn die Volksvertreter die Sorgen und Ablehnung dieser Bürgerbewegung übergehen, dann wird es m.M.n. einen Aufstand geben.

Ja, der Spiegel-Artikel war eine reine Frechheit. Daran erkennt man wie "ihnen" der (sorry für die Ausdrucksweise) Arsch auf Grundeis geht.
Immerhin gab es noch eine "Antwort" einer Kollegin dieses einfältigen Herren auf der selben Plattform.

Dran bleiben...

Schlagzeilen

Wenn Sie sich für die Artikel der Rationalgalerie interessieren und immer erfahren wollen, wenn es Neuigkeiten gibt, können Sie unseren RSS-Feed abonnieren:
RSS-Feed abonnieren

Kürzlich...

25. Juli 2016

Der Verfall deutscher Redaktionen

Husch, husch ins Maulkörbchen, Heribert Prantl!
Artikel lesen

25. Juli 2016

Ikone Jesse Owens

Der Film „Zeit für Legenden“
Artikel lesen

22. Juli 2016

Frieden bringt keinen Gewinn

NDR-Intendant fragt nach dem Cashflow in der Ukraine
Artikel lesen

22. Juli 2016

Frankreichs Terror gegen Syrien

Deutsche Medien schweigen dröhnend 
Artikel lesen

19. Juli 2016

ARD: Die USA haben immer Recht!

Gniffke: Ein Gerichts-Hof? Da sage ich doch Mahlzeit!
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen

DIE WAFFEN NIEDER!

Kooperation statt NATO-Konfrontation - Abrüstung statt Sozialabbau

DEMONSTRATION IN BERLIN

8. Oktober 2016
Auftakt: 12.00 Uhr

Alexanderplatz/Ecke Otto-Braun-Straße


www.friedensdemo.org
Bundesausschuss Friedensratschlag | Kooperation für den Frieden | ViSdP: Laura von Wimmersperg, Friedenskoordination Berlin