Tod und Spiele

Die befreundete Diktatur Katar

Autor: U. Gellermann
Datum: 29. September 2013

Katar ist ein ehrenwertes Land. Sonst würde eine so demokratische Organisation wie der Weltfußball-Verband (FIFA) dort nicht die Weltmeisterschaft im Jahr 2022 ausgetragen. Katar ist ein ehrenwertes Land, sonst würde das demokratische Deutschland nicht Waffen dorthin liefern. Katar muss ein ehrenwertes Land sein, sonst würden die höchst demokratischen USA nie und nimmer dort ihr militärisches Hauptquartier im Nahen Osten haben.

Rund eine halbe Million "Gastarbeiter" sind zur Zeit auf den Baustellen für die Fußball-WM in Katar beschäftigt. Die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) Sharan Burrow nennt die Arbeitsbedingungen "moderne Sklaverei" und fürchtet, dass die WM "mit 4000 toten Arbeitern bezahlt wird". Der Bau der WM-Stadien wird etwa vier Milliarden Dollar kosten. Die Gesamtinvestitionen für die Weltmeisterschaft sollen bei 50 Milliarden liegen. Bei solchen Summen kann für die Arbeiter nicht viel übrig bleiben. Die Planung der Bauten liegt in den Händen des deutschen Architekten-Büros Albert Speer. Schon dessen Vater hat Großprojekte für den "Führer" entwickelt. Speer Juniors Motto lautet: "Das Leben ist Risiko". Das können die Sklaven auf den Baustellen in Katar nur bestätigen.

Dem Auswärtigen Amt fällt auf seiner Website zu Katar nur Lob ein: "Die politischen Beziehungen Katars zur Bundesrepublik Deutschland sind traditionell gut und haben sich durch eine stetige hochrangige Besuchsdiplomatie noch intensiviert (u.a. Bundeskanzlerin Merkel im ersten Halbjahr 2010 in Doha, in der zweiten Jahreshälfte Staatsbesuch des Emirs in Deutschland, zuletzt Bundesaußenminister Westerwelle im Juni 2013 zum vierten Mal in Katar)." Das Wort "Regime" ist dort nicht zu finden, auch nicht das Wort "Diktatur".

Es gäbe gute Gründe den Emir von Katar einen Diktator zu nennen: Es gibt keine Parlament, keine politischen Parteien, keine Gewerkschaften. Die Justiz erschöpft sich weitgehend in der Scharia. Gotteslästerung, was auch immer das ist, kann mit sieben Jahren Gefängnis bestraft werden. Homosexualität ist bei Strafe verboten. So etwas wie Meinungsfreiheit kennt man in Katar nicht. Peitschenhiebe gelten dort immer noch als übliche Strafen.

Das Deutsch-Katarische Verhältnis ist ausgezeichnet. Der Emir investiert bei VW, bei Siemens und Hochtief. Vor allem aber kauft er in Deutschland ein: Jede Menge Kampfpanzer und Panzerhaubitzen. Das bringt der deutschen Rüstungsindustrie Milliarden. Wer will da schon über Menschenrechte reden? Zumal Katar auch ein Partner der "freien Welt" im Kampf gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad ist. Der Emir zahlt einem Teil der Rebellen den Sold und kauft für sie Waffen ein. In diesem Kampf geht es dem Emir nur vorgeblich um Freiheit. In Wahrheit geht es um eine Gas-Pipeline, die von Katar aus über syrisches Gebiet bis zur Türkei reichen soll.

Katar ist ein Land ohne Fussballtraditionen. Die Liga besteht wesentlich aus zusammengekauften Legionären. Auch der jetzige Bayern-Trainer, Pep Guardiola, hat sich dort schon ein schönes Gehalt abgeholt. Zur Zeit der geplanten WM werden die Tagestemperaturen bei 50 Grad liegen. Kein vernünftiger Mensch würde dort eine Fußballweltmeisterschaft austragen. Außer Sepp Blatter, der Emir der FIFA, des Fußballweltverbandes. Viel Geld ist vor der Vergabe der WM an Katar in Richtung FIFA geflossen. Viel Geld wird bis zu den Spielen noch zu verdienen sein. So wird Katar zu einem ehrenwerten Land.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 02. Oktober 2013 schrieb Heidi Schmid:

Non Katar las ich heute, die Leute müssten ihre eigenen Gräber schaufeln...klingt sehr makaber. Und wie war das gleich beim Bau der Pyramiden? Wieviele Sklaven verloren ihr Leben? Und x andere vergleichbare Großbauten weltweit... wie passend, das Speer jr. die Pläne zeichnet. Hauptsache wir beteiligen uns dran, könnte ja sonst der Kuchen ohne uns gegessen werden.


Am 01. Oktober 2013 schrieb Marina Vennekamp:

Das ist Zitat von der Webseite des Außenministeriums ist unterirdisch. Es entlarvt das Gerede von Freiheit und Demokratie als reine Mimikry zum Zwecke der Übertölpelung der Bevölkerung.


Am 30. September 2013 schrieb Michael Tellmann:

Nicht schlecht das neue Layout und die schöne Type. Für die schweren Themen eine leichte Grafk.


Am 30. September 2013 schrieb Pat Hall:

Da fällt mit ein Bericht vom Deuschlandfunk ein?
Hier ein Ausschnit,
Der Bauboom im Emirat Katar am Persischen Golf hat zu einer katastrophalen Lage vor allem der nepalesischen Gastarbeiter geführt. Das jedenfalls berichtet die englische Tageszeitung "Guardian". Allein in den vergangenen zwei Monaten sind demnach 40 Arbeiter auf den WM-Baustellen gestorben. Und bis zum Beginn der WM im Jahr 2022, so schätzen es Gewerkschaftsexperten, könnten 4000 Menschen für das Fußballfest ihr Leben verloren haben.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/2268579/
da plakkern sich die Sklaven ab bis zum Umfallen ???


Am 30. September 2013 schrieb Thomas Nippe:

Zu Katar: die Vergabe der WM 2022 kann nur als Skandal bezeichnet werden. Da ist eine Menge Geld an die FIFA geflossen! Du liegst völlig richtig: 50 Grad Celsius, man fässt sich an die "Birne". Was die politische.Situation angeht, stimme ich Dir voll zu. Internationaler Gewerkschaftsdruck muß zunehmen, sonst liegen unter dem Fußballrasen bald Arbeiter.


Am 30. September 2013 schrieb Rudolf Steinmetz:

Bedauernswerter Weise sind auch A-Blogger nicht immer up-to-Date, sonst würden in diesem lesenswerten Beitrag nicht wichtige Hinweise fehlen:
a) die hier zu Recht monierte Ausbeutung von Muslimen (Gastarbeitern) durch sogenannte Muslime (Kataris) ist in SÄMTLICHEN (!) Öl-Scheichtümern eine üble Praxis; Katar wird nur deshalb angeprangert wegen seines kürzlichen Regimewechsels und der stornierten Unterstützung der Muslimbrüder
b) diese Sklaverei ist aus 2 Gründen gemäss Scharia verbotswidrig, dennder Koran fordert 1. jedem seine Rechte zu geben (die Gastarbeiter sind faktisch rechtlos!) und 2. fordert der Koran, dass die Bodenschätze ALLEN Menschen gleichermassen gehören (die Kataris sehen das natürlich diametral anders. Last but not least gilt das bayerische Sprichwort: zwischen eine Kuh und einer Kuh liegen Welten. D.h. jene Scharia der von Kataris, Wahabiten oder Salafiten benutzten oder z.B. jener der mörderischen NATO-Rebellen in Syrien hat rein garnichts zu tun mit der eigentlichen, siehe: Mathias Rohe, Eine westliche Fehlinterpretation, Die Scharia ist ein vielfältig auslegbares Normenbündel: http://de.qantara.de/Eine-westliche-Fehlinterpretation/17880c18506i1p144/index.html SOWIE: Peter Heine, Der Begriff "Scharia" provoziert ständige Missverständnisse: http://www.herder-korrespondenz.de/aktuelle_ausgabe/special/details?k_beitrag=3189831&newsletter=hk/20111128 NOTABENE: in einem Hadith (original überlieferter Ausspruch des Propheten Muhammad SAS. heisst es: Frag die, welche etwas von einer Sache verstehen.


Am 30. September 2013 schrieb zuvielnachdenker rodin:

Wer ordentlich und pünktlich zahlt,wird gelobt,das war schon immer so.
Wer dann noch ganze Weltorganisationen einfach kaufen kann,ist natürlich klar im Vorteil.
Man beisst nie die Hand,die einen füttert,bezahlt,oder so....
Das wissen Hunde seit Jahrtausenden,auch Blatter,die UEFA,die FIFA,das IOC,Thomas Bach,einfach Alle.......




Am 30. September 2013 schrieb Roman Heidsieck:

Es ist doch ein Milchmädchenglaube anzunehmen, Deutschland könnte ohne internationale Beziehungen zu Ländern wie Katar auskommen. An solchen Beziehungen hängen Arbeitsplätze und Energieversorgung.


Am 30. September 2013 schrieb Jens Grosser:

Angesichts der guten Beziehungen zwischen Deutschland und Katar kann die Bundesregierung ihr Geschwätz von Freiheit und Menschenrechten wirklich einstellen.

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