Seid umschlungen Millionen!

Ein Trauermarsch für die Europäische Union

Autor: U. Gellermann
Datum: 13. März 2017

Die Kinderchöre proben schon. Denn in wenigen Wochen will die Europäische Union ihren 60. Geburtstag feiern. Da muss die Euro-Hymne sitzen: „Alle Menschen werden Brüder“, so klingt die gesungene Hoffnung. Der Subtext aber heißt: Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein. – Ganz sicher würde die polnische Regierungs-Chefin Beata Szydlo das gern mit ihrer Amts-Schwester Angela Merkel machen. Denn die deutsche Kanzlerin, glaubt man dem polnischen Strippenzieher Jaroslaw Kaczyński, ist dafür verantwortlich, dass der Pole Donald Tusk erneut zum EU-Ratspräsidenten gewählt wurde. Gegen den Willen der polnischen Regierung. Denn die hatte einen Gegenkandidaten zu Tusk nominiert: Einen polnischen Europa-Abgeordneten aus der dritten Reihe.

Aber es gibt keine Hoffnung auf den Austritt Polens aus der EU. Denn auch in Polen singen die Chöre: Seid umschlungen Milli-o-nen! Die Profiteure wissen wovon sie singen: Denn in den zehn Jahren nach dem EU-Beitritt steckte das Land etwa 80 Milliarden Euro aus dem Brüsseler Förderfonds ein. Und die Eurokratie rechnet mit: Denn die 38 Millionen Einwohner Polens erweitern den Absatzmarkt beträchtlich. Von „Humankapital“ wird in der Hymne nicht direkt gesungen. Doch geringe Lohnkosten in Polen sind die hymnischen „Götterfunken“ der europäischen Investoren. Und Sonderwirtschaftszonen, Förderprogramme der Regierung, Steuerbefreiungen oder Steuererleichterungen sind dem Investor schließlich das in der Hymne besungene Elysium, das vollkommene Glück.

Das große Glückslos haben all die Unternehmen gezogen, die sich in Irland ansiedeln können. Das sehen auch die zur Zeit fusionierenden Unternehmen Linde und Praxair so. Rund 30 Milliarden Euro Umsatz will das deutsch-amerikanische Unternehmen in Irland versteuern. Apple und Facebook sind schon da. Denn in Irland zahlen die Konzerne nur etwa zwölf Prozent an Unternehmensteuern. In Deutschland wären es 30 Prozent. Da weiß das Kapital doch, wo es seine Milli-a-rden parkt. Doch neidvoll sehen die Vorstände Linde und Praxair nach Luxemburg. Dort hat man US-Firmen wie Amazon oder McDonald's durch diskrete Deals Steuersätze von weniger als einem Prozent offeriert. Da ist es nur logisch, dass der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, aus Luxemburg kommt.

Der arme Friedrich Schiller, dem der Text zur EU-Hymne aus der Feder geflossen ist – nicht wissend was aus ihr werden würde – der fabulierte noch „Freude heißt die starke Feder - Freude, Freude treibt die Räder“. Bei den Griechen kommt keinesfalls Freude auf. Denn im Ergebnis der internationalen Banken-Krise im Jahr 2008 wird das Land ausgeraubt. In der Folge der EU-Beschlüsse wird dem griechischen Staat alles weggenommen, was dem Land Einnahmen bringt. An die deutsche Fraport AG mussten 14 griechische Regionalflughäfen verschleudert werden. Unternehmen, die dem Staatshaushalt gutes Geld eingebracht hatten. Das galt natürlich auch für den Hafen von Piräus, der an einen chinesischen Staatskonzern verkauft wurde. Und gefreut hat sich auch das tschechisch-griechische Konsortium Emma Delta, das die staatliche Lotteriegesellschaft OPAP unter Marktwert erwerben konnte. Geradezu Jubel soll bei den italienischen Staatsbahnen ausgebrochen sein, als sie für die Betriebsgesellschaft der griechischen Bahn TRAI-NOSE den Zuschlag erhielten: Ein weiters Monopolunternehmen, das schuldenfrei für kleines Geld den Besitzer wechselte. „Profit, Profit, treibt die Räder“ hätte Schiller texten sollen. Und Beethoven hätte dann einen populären Hip-Hop-Song komponieren können.

„Deine Neigung zu diesem Gedicht“ schrieb Schiller an Christian Gottfried Körner, mag sich auf die Epoche seiner Entstehung gründen: Aber dies gibt ihm auch den einzigen Wert, den es hat, und auch nur für uns und nicht für die Welt, noch für die Dichtkunst.“ Heute liegt der Wert der Hymne in den reinen Kinderchören, die den schmutzigen Deals der Europäischen Union einen Klangteppich verschaffen, unter den die Eurokratie hofft, alles kehren zu können: Die Entstehung der Union ohne die Zustimmung ihrer Insassen. Die völlig ungleiche Sozialpolitik der beteiligten Staaten. Und die Gier nach Markt- und Macht-Ausdehnung, bestens im Fall der Ukraine zu beobachten. – In einer früheren Fassung schien Schiller die wirkliche Lage der EU-Bürger vorausgeahnt zu haben: „Duldet mutig Millionen! - Duldet für die beßre Welt!“ Ein Text der gut zu einem Trauermarsch passen würde und dessen dumpfe Trommeln die Union der Profiteure auf dem Weg zu ihrer verdienten Gruft begleiten sollte.


Die Macht um acht.
15 Minuten Tagesschau
Uli Gellermann, Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam.
Ein Veranstaltung des Berliner Buchändlerkellers
Am 28-03-2017 - um 20:30 Uhr
Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 15. März 2017 schrieb Albrecht Storz:

Zu der umfassenden Aufzählung von Hella-Maria Schier würde ich noch folgende Person hinzufügen, die in meinen Augen wie keine Andere dafür steht, dass die EU antidemokratisch, antisolidarisch, antifreiheitlich ist (wenn man als Ziel der Politik den Menschen, und nicht etwa die Konzerne, sieht):

Steuervermeiderhelfer

Jean-Claude Juncker

"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." - in Die Brüsseler Republik, Der Spiegel, 27. Dezember 1999.

"Wenn es ernst wird, muss man lügen." - auf einer Abendveranstaltung zur Euro-Krise in Brüssel im April 2011 dapd, zitiert nach spiegel.de

https://de.wikiquote.org/wiki/Jean-Claude_Juncker

Kennt wahrscheinlich jeder hier, möchte ich aber "der Vollständigkeit halber" der Aufzählung von Frau Schier hinzustellen.

Die Tatsache, dass solche Figuren, die solche Aussagen gemacht haben, die öffentlich bekannt Politik für Konzerne, Reiche und Asoziale (reiche Steuervermeider) gemacht haben, als oberster Kopf und Gesicht der EU gilt, ist entlarvend und enttäuschend zugleich.
Dass uns ein Buddy von Juncker, der Schulz, nun als Sozialreformer verkauft wird, tut ein übriges.

Was ist der Grund für diese Fäkalien-Politik? Wie ist so etwas möglich?
Es sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten und die "Leitmedien" ohne die eine solche permanente Leuteverarschung undenkbar wäre.


Am 14. März 2017 schrieb altes Fachbuch:

„Duldet mutig Millionen! - Duldet für die beßre Welt!2
könnte schiller damit tatsächlich unsere heutige lage beschreiben wollen??
oder lese ich daraus einen IMPERATIV, alles umwälzende, alles grundsätzlich verändernde sein zu lassen - die "beßre welt" kommt mit viel gott- und obrigkeitsvertrauen sowie moralischer und humanistischer reinheit von allein!?
auch im glockengießerlied durchzieht sich dieser gedanke: überall ein bissel rumkritteln, um es dann sich aber doch nicht mit den brötchengebern zu verscherzen, oder den aufruhr anzustacheln. auch in der damaligen epoche war ein bisschen kontra opportun:)
seit luther wird reformiert. und auch der war feind alles revolutionären! zwischen luther und schiller lagen schon 250 jahre, nun haben wir 500.jahrestag und reformieren immer noch!

dennoch sind mir schiller und beethoven alle mal genehmer, als die eu!!

für genießer: https://www.youtube.com/watch?v=X6s6YKlTpfw
10.000 japaner singen die ode!! das bekommt die eu nicht gebacken:(


Am 14. März 2017 schrieb Hans Rebell-Ion:

SCHILLERS Sehn-SUCHT:
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum!
Deine Zauber binden wieder
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Seid umschlungen Millionen!
Seid umschlungen Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.

REBELL-IONs Erkenntnis:
Freude, schöner Sehn-Suchtfunken,
Tochter aus Delirium,
Wir betreten sehnsuchttrunken,
Lockende, dein Unheiltum!
Deine Zauber binden leider
Was Natur einst frei geeint;
Alle Menschen werden Sklaven,
Wo dein böser Flügel weilt.
Seid ver-schlungen Millionen!
Seid ver-schlungen Millionen!
Diesen Stuss der ganzen Welt?
Sklaven, unterm Sehn-Suchtzelt
muß ein böser Teufel wohnen!


Am 13. März 2017 schrieb Michael Kohle:

Wir sollten dankbar sein für "beßre Welt"!
Was hat der "Apparat zu Brüssel" uns nicht alles Gutes zukommen lassen:
den erträglichen Krümmungsgrad der gemeinen Salatgurke, den flächendeckenden Ersatz der in die Jahre gekommenen Glühbirne durch LED, den IBAN, der uns nur noch eine Ziffer merken lässt und nicht mehr zwei, die Tumor-Selfies auf den Suchtschachteln.
Nur um mal das Wichtigste zu nennen.
Das ist doch was!


Am 13. März 2017 schrieb Benny Thomas Olieni:

Einen Trauermarsch für die Europäische Union werden wir bei jedem Schritt deren stufenweisen Absterbens benötigen.
Auch, wenn nach deren endgültiger BRDigung der gewaltige soziale, kulturelle und wirtschaftliche Schaden offenbar wird, den dieses Projekt einer dekadenten Machthaber-Gruppe mit sich bringt.
Volksmund:
Wie gehen Reiche wie die EU unter?
E rst ganz langsam.
U nd dann ganz plötzlich.


Am 13. März 2017 schrieb Manfred Caesar:

Die Überschrift muß richtig heißen :

"Seid v e r schlungen Millionen!"


Am 13. März 2017 schrieb ines janke-kleiner:

Das "Böse vor acht" wird diese Sendung seit Jahren in unserer Familie genannt, auch, damit die Kinder sich von diesen vollkommen überflüssigen Nachrichten distanzieren.....


Am 13. März 2017 schrieb Karola Schramm:


Ich möchte meine Zustimmung geben zu dem Kommentar von Ulrike Spurgat, der mir sehr gut gefällt. Auch in den Aufruf:"Proletarier aller Länder vereinigt Euch" möchte ich voll einstimmen. Doch fürchte ich, er geht ins Leere, denn wer sieht sich heute noch gerne als Proletarier und kennt den Stolz der einstigen Arbeiterbewegung? Es ist politisch viel dafür getan worden, dass es keine Arbeiter mehr gibt. Sie sind eingebunden in Arbeitnehmer und gelten als Angestellte. Woher also soll dieser "Stolz des Arbeiters" kommen, wenn Gewerkschaften und Politiker, ganz besonders auffallend die zwei, die selber aus einer Arbeiterfamilie kommen, Gerhard Schröder und J. Fischer, der Arbeiterschaft über die Agenda 2010 und die Parola "sozial ist, was Arbeit schafft" das "Gnick gebrochen"gebrochen haben? Arbeit und Arbeiter gab es genug - man wollte sie nur nicht gut bezahlen.

An einer Autobahnbrücke von Herne nach Dortmund konnte man früher vom Zug aus lesen mit weißer Farbe ganz groß geschrieben:" Alle Räder stehen still, wenn der Arbeiter es will."

Sie müssen und werden es wollen, damit diese sinnlosen Tode aufhören, wie der des jungen Mannes, der hier geschildert wird und viele andere auch, die nicht öffentlichlich gemacht werden. Dazu zählen auch die, die in Bergwerken und Nähfabriken wegen Vernachlässigung völlig unzureichender Sicherheitsvorkehrungen immer wieder zu Tode kommen.


Am 13. März 2017 schrieb Ernst Grobschmied:

Zu Reformen, die die EU-Vorderen Anderen abverlangen, sind sie selbst nicht im Stande.
Denn das würde nicht nur private Finanzmärkte beunruhigen, sondern sich selbst.
Wer seit der Bankenkrise 2008 das Eurosystem nicht weiterentwickelt mit digitalen nationalen flexiblen Parallelwährungen zum starren Verrechnungssystem Euro und stattdessen nichts macht um Bankenmacht auf Null zu fahren, braucht sich nicht wundern, dass alles sich auflösen muss - nur um mit einer EU neu beginnen zu können.


Am 13. März 2017 schrieb Lutz Jahoda:

KAMPFRUF
AUF ENDLOSSCHLEIFE !
MÖGE ER NÜTZEN !

(Darf auf die Melodie des vierten Satzes
von Beethovens Neunter gesungen werden. Mein Namensvetter Ludwig würde es schmunzelnd dulden)

Machtkonstrukt der Profiteure,
schlau entwickelt, kalt durchdacht,
Kopfprodukt der Geldmonteure:
Gut erfunden - schlecht gemacht!
Teilen - Herrschen, diese Mittel
haben Völker längst durchschaut.
Auch die Waffen unterm Kittel.
Nichts gibts, wovor Brüssel graut!

So muss bald ein Ende haben,
was der Popanz hingebaut:
Uns die Krümel, ihm die Gaben!
Schluss mit Lustig, Schluss mit Laben!
Zu viel hat sich aufgestaut!
Mammons Fessel, niemals wieder!
Fort mit diesem Gelddiktat!
Alle Menschen werden Brüder!
Erst mit Worten, dann durch Tat!


Am 13. März 2017 schrieb Heinrich Triebstein:

Dieter Hildebrandt: "Politik ist der Spielraum, den Wirtschaft ihr lässt."
Daniela Dahn zitiert in "Wir sind der Staat. Warum Volk sein nicht genügt"
Kurt Tucholsky mit dem Wort: "Politik kann man in diesem Land definieren als die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen mit Hilfe der Gesetzgebung."
Publik-Forum Nr. 2/2015 bringt eine Karikatur: Der Dampfer Wirtschaft befördert das Boot Politik. Von der Brücke schallt es: "Kurs halten, Frau Bundeskanzlerin!!!"
George Bernard Shaw (1856-1950) "Gesetze sind schon an der Wurzel dadurch vergiftet, dass sie von reichen Leuten gemacht werden."
CETA, TTIP, TISA und Konsorten zielen darauf ab, die Beeinflussung der Gesetzgebenden - die Personalkosten verursacht - durch unkündbare Verträge zu ersetzen.
Die Gründungsväter des usanischen Staatswesens standen 1776 vor der Frage: Demokratie oder Republik? Sie haben sich für die Republik entschieden, damit die Besitzenden die Kontrolle behielten. Wenn wir nicht weiter der "Zerstörung von Gemeinschaft, der Zerstörung der IDEE von Gemeinschaft, der millionenfachen
Zerstörung von Leben, der Zerstörung von kultureller und zivilisatorischer Substanz - vor allem in der Dritten Welt - und der Zerstörung unserer ökologischen Grundlagen" (Rainer Mausfeld in "Die Angst der Machteliten vor dem Volk") zuschauen wollen, sollten wir den letzten Sätzen aus Mausfelds Vortrag näher treten: "Die Nutznießer dieser Zerstörung haben keinen Grund, diesen Weg der Zerstörung zu ändern. Die dazu notwendige Veränderungsenergie kann nur von unten kommen - von uns. Das ist unsere Aufgabe und das ist unsere Verantwortung."
Publik-Forum 5 | 2017 veröffentlicht unter dem Titel "Müssen wir den Kapitalismus überwinden" einen Artikel von Bernd Winkelmann und Norbert Bernholdt. Die Autoren fragen am Ende: "Gibt es eine Alternative zum Kapitalismus? Auch hier ein klares Ja. Sicher, der Mensch hat auch egoistische, materialistische und aggressive Anlagen. Aber wie die alten Weisheiten, die Religionen, die neuere neurobiologische Forschung, die Glücks- und Sozialforschungen deutlich zeigen, lebt der Mensch vielmehr von den Fähigkeiten der Empathie, der Solidarität und der Kooperation und wird erst durch die Entfaltung dieser Gaben glücklich und lebensfähig. Auf dieser Grundlage könnten durchaus eine Geld- und Eigentumsordnung, eine Unternehmensverfassung und ein Einkommenssystem aufgebaut werden, in denen sich nicht die private Bereicherung einiger weniger, sondern eine solidarische, kooperative und gemeinwohlorientierte Ökonomie entfaltet.
Der Ausstieg aus der kapitalistischen Wirtschaftsweise hat in den verschiedensten Bewegungen längst begonnen. Die Transformation in eine postkapitalistische Wirtschaftsweise wird gelingen, wenn eine genügende Zahl von Menschen deren Notwendigkeit und Chance erkennt und die sich zuspitzende Krisenentwicklung keinen anderen Ausweg mehr zulässt."
Hilfreich dabei könnte das Wort eines großen Präsidenten, Abraham Lincoln, sein: "Demokratie ist Regierung des Volkes für das Volk durch das Volk."


Am 13. März 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Da ist dir mal wieder ein journalistischer Streich gelungen, und die Ode an die Freude kann einem, wenn die Arbeits- und Lebensverhältnisse bei einigen Völkern in der EU ins Bewusstsein von dir gerückt werden, nur noch solidarisch schlecht werden. Danke, lieber Uli, für deinen Artikel, und da schließe ich mich sehr gerne @ Rena Weber an.
Das Interesse, besonders der USA konnte nur, nach 1945, folgerichtig alle Möglichkeiten zu nutzen, kommunistische Bestrebungen im Keim zu ersticken.
Churchills Ziel war eindeutig nach 1945:
Man will den westlichen Teil stabilisieren und die kommunistische Ansteckung verhindern.
Am 8. Mai 1946 wird die gemeinsame Position von London und Washington vom ehemaligen Berater der polnisch faschistischen Regierung im Exil, erläutert, Joseph H. Retinger, der Agent der des Geheimdienstes seiner Majestät geworden ist..Churchill hat demnach die Position, die "Vereinigten Staaten von Europa" propagiert.---
Am 5 Januar 1949 wird das ACUE Das Amerikanische Komitee für ein Vereintes Europa) am Sitz der Woodrow-Wilson-Stiftung in New York gegründet, ohne besondere Geheimhaltung.u, und die Namen auf der Liste des Verwaltungsrates lässt keine Wünsche offen. U.a.: Allen W.Dulles früher OSS, dann Präsident des CFR und künftig Direktor der CIA ). Churchill sagt in seiner Einweihungsrede am 29.3.1949: "Es kann keinen dauerhaften Frieden geben, weil zehn Hauptstädte des östlichen Europas in den Händen der koimmunistischen Sowjetregierung sind. Wir haben unsere Beziehungen zu den Nationen hinter dem Eisernen Vorhang. Sie haben ihre Delegierten zu unserer Versammlung geschickt und wir wissen um ihre Gefühle und wie sehr sie sich wünschen, sich dem neuen vereinten Europa anzuschließen. Wir müssen daher als Ziel und als Ideal nichts Geringeres als die Einheit Europas in seiner Ganzheit nehmen."
Am 4. April 1949 unterzeichneten die USA, Kanada und Frankreich den Nordatlantikpakt. (NATO). Zur Erinnerung: Die Gründung des Warschauer Paktes war dann die Antwort im Jahr 1955.
Damit lässt sich doch zumindest eine Regierungsunanhängigkeit der CIA vermuten. Die CIA ist bis zum heutigen Tage immer und überall an Putschen, (Chile beschäftigt mich immer noch), beteiligt. Die wirkliche Aufgabe der CIA ist, die heimliche Finanzierung aller föderalistischen Vereinigungen, nach 1945. An der Grundausrichtung der aggressiven Politik der USA mit dem CIA hat sich nichts geändert. Nach und nach legen sie Welt in Schutt und Asche. Und Europa ? Die Völker Europas wollen in friedlicher Koexistenz mit ihren Nachbarn, besonders mit den russischen Völkern leben, und diese Blutsauer, Ausbeuter, Piraten und Kriegsverbrecher, die den Völkern, die Luft zum Atmen nehmen, ihnen die Grundlage für menschlich und gesellschaftliche Entwicklung nehmen, gehören auf den Müllhaufen der Geschichte.
Italien liegt, ähnlich wie das griechische geknechtete und geknebelte Volk am Boden. "In der nordostitalienischen Region Friaul nahm sich vor kurzem ein Dreißigjähriger das Leben, und seine Eltern veröffentlichten seinen Abschiedsbrief. Sie erklärten: "Das Prekariat hat unseren Sohn getötet-"
Weiterhin heißt es darin: " ......Ich gehöre zu einer verlorenen Generation.......Ich bin es leid, sinnlose Bewerbungsgespräche für einen Job als Grafiker zu führen.....Man darf keinen Arbeitsplatz verlangen, man darf sich keine Liebe erhoffen, man darf keine Anerkennung erwarten, man darf nicht verlangen, Sicherheit zu fordern, und man darf auch kein stabiles Umfeld verlangen......bald werdet ihr nicht einmal mehr; Nahrung, Strom oder fließendes Wasser verlangen können." (WSWS Web Sit)
Das treibt einem die Tränen in die Augen, und verlangt nach der Forderung:
"Proletarier aller Länder vereinigt euch."


Am 13. März 2017 schrieb Andreas Schell:

Das haben Sie sehr gut gemacht. Allen drei Beiträgen der Rationalgalerie-Montagsausgabe ist nichts hinzuzufügen. Eine Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft, der medialen und politischen, oder besser konzerngeführten Organisationsstrukturen, die aus tiefstem Verständnis für die aktuellen Geschehnisse eben nicht die stereotypen Feindbilder füttert (Trump - Erdogan - hier nicht aber sonst fast überall Putin), sondern Struktur und Zusammenhänge aufzeigt. Warum ich das so besonders gut finde? Weil die tumbe Eskalation, die beispielsweise aktuell aus dem Verhalten der Holländischen Administration der türkischen Regierung gegenüber folgt, egal ob berechtigt oder nicht, offensichtlich kontraproduktiv ist. Was Sie hier vorführen ist die Sorte Journalismus, Information, Kommentar, die uns in eine bessere Welt bringen kann, wenn der komplexe Inhalt verstanden und vom politischen Bürger internalisiert wird. Dieses Niveau, das Sie hier kostenlos zur Verfügung stellen, sollten wir vom teuren öffentlichen Rundfunk mit seinen riesigen Möglichkeiten einfordern, statt uns täglich einseifen zu lassen. Wir brauchen nämlich eine tiefe Diskussion über die eigene Saat, die wir in den nächsten Jahren ausbringen wollen. Die Saat bestimmt, was wir ernten. Momentan schmeckt's schon nicht, also ändern wir doch einfach mal etwas? Weiter so, absolute Pflichtlektüre, danke.


Am 13. März 2017 schrieb Marc Britz:

@Jochen Scholz

Und was kann sich der von der Eu entrechtete griechische Hafenarbeiter im Piräus zum Leben kaufen nachdem das eine Imperium das andere abgewechselt hat? Genauso viel wie vorher: nämlich nichts.


Am 13. März 2017 schrieb Marc Britz:

In meiner erweiterten griechischen Familie gibt es eine ältere Dame, die als junges Mädchen, ein Kind noch, als Botengängerin für den Widerstand gegen die Nazi-Besetzung in den ipirotischen Bergen täglich ihr Leben riskierte. Sie hat miterlebt - wie so viele Rentner in meiner Familie - wie ihr ganzes Dorf und damit ihre Lebensgrundlage von deutschen Soldaten als Vergeltungsmassnahme gegen den Widerstand buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht wurde. Diese Frau hat mich - den Deutschen in ihrem Land - vom ersten Moment unserer Bekanntschaft wie einen besonders geliebten Sohn behandelt. Dieser Wille zur völkerverbindenden Freundschaft ist Europa. Dass diese Frau nun im Alter im wahrsten Sinne "ausgerechnet" und "massgeblich" durch deutschen Druck ihrer Rente und damit einen würdevollen Lebensabend verloren hat, kann nicht mehr nur ironisch genannt werden: Diesen zynischen Betrug an der Würde der Menschen nennt man besser EU. Es gibt also einen himmelweiten Unterschied zwischen Europa und der EU. Man sollte ersteres zur Motivation nehmen um letzteres mit aller zu Macht zu bekämpfen - auch wenn einem dafür das Dorf angezündet wird.


Am 13. März 2017 schrieb Rena Weber:

Dass man scharfe politische Kritik in eine poetische Sprache verpacken kann ist eine Wohltat. Danke.


Am 13. März 2017 schrieb Ronald Wolf:

Eine wunderbare Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation. Nutznießer der EU und des Freihandels sind die Konzerne, die schamlos Steuerschlupflöcher und Geringlöhne ausnutzen. Danke für den Spitzenartikel !


Am 13. März 2017 schrieb Hella-Maria Schier:

Der linke italienische Journalist Fulvio Grimaldi hat mal bei KenFM Positionen geäußert, die EU sei von Anfang an ein Konstrukt von Konzern- und Bankeninteressen gewesen und auch ein Projekt der CIA. Das klingt nicht sehr romantisch und er erntete auch Widerspruch, bestand aber darauf, hier besser Bescheid zu wissen.
Sicher war auch nie beabsichtigt, Russland darin aufzunehmen, hingegen ist die EU an die Nato gebunden.
Durch Demokratie zeichnet sich die EU nicht sonderlich aus und sie macht auch nicht den Eindruck, überhaupt in diese Richtung zu streben, ganz im Gegenteil. Angela Merkel sagte in einem Interview, sie würde ihre Vorstellung von Europa auch gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen. Gauck sagte, die Bevölkerungen, nicht die Eliten seien das Problem, und Schäuble äußerte, über Krisen nicht unglücklich zu sein, denn man könne dann viel leichter gewünschte Veränderungen durchsetzen. Welche genau, dem sollte man mal nachgehen.
Währendessen werden weiterhin all diejenigen, die, auch angesichts solcher Aussichten, diesem Europa skeptisch gegenüber stehen oder es gar verlassen wollen, als Rechtspopulisten gebrandmarkt, denn das ist ja, pfui, nationalistisch. Da es die größte Sorge der real existierenden Linken ist, evtl. Schnittpunkte mit den Rechten zu haben, eine ewige Achillesferse, halten sie sich daraufhin mit EU-Kritik zurück. Und was macht nun der EU-unzufriedene Bürger? Links ist keiner, der für ihn spricht, für die heutigen Linken ist jeder Widerstand gegen dieses Europa "völkisch".
Also resigniert der schändlich besorgte Bürger entweder oder sucht seine Interessensvertreter bei den Rechten. Wenn man schon dahin geschickt wird... Nun gehört er plötzlich zu jenen Leuten, über die Jutta Ditfurth mahnt, dass man mit ihnen nicht reden dürfe ohne eine dafür geschulte Unterstützung - wie die ihre.
Es hat schon seine Logik, wenn Linke wichtige und eigentlich auch linke Themen, wie EU-Kritik, den Rechten überlassen und dann diese Themen von sich weisen, mit dem Argument diese seien "rechts". Und Deutschlands Verhalten in der EU und vor allem gegenüber Südeuropa, sein Führungsanspruch und das Beharren auf Sparpolitik und Exportüberschüssen, sowie die offene Ambition als Kriegsmacht ist auch rechts und von nationalen Interessen geprägt (natürlich nur denjenigen der Machtelite),das ist rechter, als die Provinz-Omi, die sich vor ungewohntem Zustrom zu vieler "Fremder" auf einmal fürchtet.
Die Eliten sollen an verschiedenen Ländern Europas verschiedene Dinge erproben. An Griechenland die Armut und Enteignung, in Schweden die Reaktion auf Überwachungselektronik und Chips, bei uns die Reaktion auf viel Zustrom anderer Kulturen, in Spanien auf undemokratische Maßnahmen, wie Demonstrationsverbote, Interneteinschränkung, das sog. "Maulkorbgesetz" von Rajoy.
Es hatte mich gewundert, dass von diesen Unterdrückungsmaßnahmen in Spanien fast nirgendwo die Rede war, wo man hingegen von der Türkei da schon immer viel sprach. Spanien ist aber ein EU-Land, es hätte doch nicht nur dort, sondern auch z.B. bei uns Protest geben müssen, angesichts so massiver Einschränkungen der Meinungsfreiheit, aber noch nicht mal für die alternativen Medien schien es ein interessantes Thema zu sein, ebenso wenig wie der Ausgang der letzten Wahl dort und die Umstände, wie man ein Linksbündnis verhinderte. Denn es war ganz klar, dass Brüssel und Berlin, sowie die USA einen Sieg der Linken in Spanien auf jeden Fall hatten verhindern wollen. und dass jetzt wieder Rajoy an die Macht gekommen ist, habe ich damals irgend wo jemanden einen "parlamentarischen Putsch" nennen hören. Aber es war davon viel weniger die Rede, als von dem in Brasilien z. B. Es hätte mich schon interessiert.

Antwort von U. Gellermann:

Es gibt auch und vor allem in der Beurteilung der EU, sehr unterschiedliche Positionen in der Linkspartei. Sahra Wagenknecht z. B. sagte: „Die EU ist ein Hebel zur Zerstörung der Demokratie“. Dem kann ich mich anschließen.


Am 13. März 2017 schrieb Jochen Scholz:

Soviel Hoffnungsglück grünte immerhin beim Verkauf des Hafens von Piräus an eine chinesische Firma: vom Hafen wird eine Bahnlinie über Belgrad nach Budapest gebaut, die dann an die Hochgeschwindigkeits-Güterbahn von Südchina nach Duisburg (2014 war der chinesische Staatspräsident dort, um die Ankunft eines Güterzugs nach 16 Tagen Fahrt zu begrüßen) und Rotterdam im Rahmen von "One Belt, One Road" , vulgo Neue Seidenstraße, anschließt. Piräus wird damit eine völlig neue Bedeutung erlangen, und das Gesamtprojekt ist der Hauptsargnagel für den amerikanischen globalen Hegemonieanspruch.

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