Politik ist Glücksache

Fast jedes Los ein Treffer

Autor: U. Gellermann
Datum: 04. August 2014

Hereinspaziert, hereinspaziert sollen die Chefs des Deutschen Lottoblocks gesagt haben. Und während für den Millionengewinn, die sechs Richtigen mit Zusatzzahl, die Chance nur bei 1: 140 Millionen liegt, ist der Ex-Polit-Profi beim Lotto-Block immer richtig. Die Zusatzzahl ergibt sich aus der Nummer seines Parteibuches. Der Martin Stadelmaier von der SPD zum Beispiel, lange beim rheinlandpfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck Staatssekretär, kam jüngst zufällig an der Lottobude vorbei und wurde gekidnappt. Da traf er dann auf Ole von Beust, CDU. Den hätten die Lotto-Herren bei eBay günstig erworben, sagen sie. Jedenfalls gehören die beiden zu einer ganzen Reihe von Ausrangierten, die jetzt beim Lotto die Weichen in Richtung Politik stellen. Seinen alten Chef kann Stadelmaier nicht an der Lostrommel treffen, Kurt Beck berät den Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. Von dem bisschen Pension, soll der Ex-Ministerpräsident gesagt haben, kann ich mir doch keinen Schoppen zum Saumagen leisten!

In der selben Branche wäre beinahe der Ex-MP von Baden-Württemberg, Stefan Mappus, gelandet: Der sollte zum Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck. Da hätten die beiden ehemaligen Ministerpräsidenten konkurrieren können, beinahe wie damals, als der eine in der SPD und der andere bei der CDU noch Demokratie spielten. Wahrscheinlicher wäre eine gemütliche Große Koalition zustande gekommen: Absprachen über dies und das, gemeinsame Strategien zu diesem oder jenem, alles wie früher. Von diesen Elder Statesmen kann der Roland Pofalla, einst Darling bei Angela Merkel, sicher lernen: Geld einstreichen, schlau gucken und die richtigen Leute anrufen, das kann doch einen Profi nicht erschüttern. Nach dem was Frau Merkel eine Schamfrist nennt, geht Pofalla im kommenden Jahr schamlos zum Taschenfüllen und Strippenziehen zur Deutschen Bahn. Endlich, endlich soll der arme Mann geseufzt haben, endlich kann ich mir die dritte Scheidung leisten und den ersten Bentley.

Die Merkel hat ihre Leute überall sitzen. Nicht, weil sie selbst das Job-Feld sondieren will, sondern damit sie ihrem Lieblings-Sport, dem Simsen nachgehen kann: Eckart von Klaeden, früher Staatsminister im Kanzleramt, heute bei Daimler, schickt ihr diese SMS: "Muss die hohe Auto-Abgasnorm sein, Angela?" Merkel simst zurü: "Nein". So schnell geht Politik. Hildegard Müller, die war vor von Klaeden Staatsministerin im Bundeskanzleramt und sitzt ihre Zeit heute als Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft ab: "Brauchen wir diese Energie-Reform, Angela?" SMS zurück: "Nein, Merkel." Da soll doch noch mal einer sagen, die Kanzlerin sei nicht entscheidungsfreudig. - Wer sich jetzt Sorgen um die GRÜNEN macht, ob die denn auch ein wenig Geld verdienen können und mitmischen dürfen, soll sofort damit aufhören. Der GRÜNE Rezzo Schlauch zum Beispiel, ist fast ohne Umwege von der Anti-AKW-Barrikade zum Atomkonzern EnBW gewechselt. Er hat sich schon ein Ständchen verdient: "Weist du wo die GRÜNEN sind? Zittern ganz verwelkt im Wind. Ist eklig anzusehn, ist eklig anzusehn."

Doch der Master of the Universe des Seiten-Wechsels ist Joschka Fischer. Schön, wenn der Erfinder des Polit-Turnschuhs sein Gnadenbrot bei Addidas verzehren würde, aber der Mann, der gemeinsam mit seiner amerikanischen Amtskollegin Madeleine Albright dem Staat Kosovo mit Bomben zur Geburt geholfen hat, führt heut mit eben dieser Dame die Lobby-Akten der DAX-Unternehmen Siemens, BMW und des Energieversorgers RWE. Wer jetzt "Schröder!" in den Wald reinruft und Gazprom raus schallen hört, der sollte sich keine Korruptions-Gedanken machen. Der Gerhard trinkt gerne einen und wo gibt es schon besseren Wodka als in Moskau: "Hol mir ma ne Flasche her!"

Schon heute wird der kluge Politiker über seine Anschlussverwendung nachdenken. Der Steinmeier zum Beispiel hat absolut eine Zukunft als Markt-Schreier: Erst jüngst auf dem Kiewer Maidan hat er den Ukrainern eine Regierungskiste voll fauler Nazi-Äpfel als neue Euro-Norm verkauft. Ursula van der Leyens Perspektive liegt im Marketing: Wer es schafft, die Bundeswehr als Institut zur Familien-Therapie unter die Leute zu bringen und Drohnen als die Fortsetzung der Rohrpost mit anderen Mitteln zu preisen, der kann als Kanzlerin künftiger Kriege das militärische Treiben jederzeit zum sportlichen Wettbewerb erklären. Dabei sein ist alles. Der Große Gauck hat seine neue Rolle als Chef des "Deutschen Verantwortungs-Verbandes" schon gefunden. Die unter diesem originellen Namen auftretende Vereinigung deutscher Waffenschieber wird mit dem Slogan "Nicht länger heucheln, jetzt endlich meucheln" die Deutschen herrlichen Zeiten entgegenführen.

Politik ist Glücksverheißung. Auch deshalb sollten die Parlamentswahlen künftig vom Deutschen Lottoblock durchgeführt werden. Um die Verantwortung der Wähler zu erhöhen, dürfen nur jene teilnehmen, die einen Mindesteinsatz leisten. Soldaten zahlen die Hälfte. Rentner das Doppelte. In einer großen Lostrommel warten die Namen diverser Politiker dann darauf, dass sie gezogen werden. Wer kein Amt abkriegt, darf sofort in die Wirtschaft. Statt der sonst üblichen Nieten werden Millionen Arbeits-Lose ausgegeben. Wer wirklich nur Treffer erzielen will, muss gleich zur Bundeswehr. Wer betrügt und dabei erwischt wird, kann leider nicht Journalist werden. Wer sich nicht erwischen lässt, darf sich Hoffnung auf einen Chefredakteursposten machen. Die Ziehung findet unter Kontrolle geprüfter Steuerhinterzieher statt.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 05. August 2014 schrieb Vera Langner:

Wie schön aber auch, dass unser dicker Gabriel noch nicht in die Wirtschaft gewechselt ist. Deshalb kann er jetzt kühn die Auslieferung des "Gefechts-Übungszentrum" an die Russen verhindern. Und ganz sicher wird er bald auch die Auslieferung des nächsten U-Bootes an Israel stoppen. Oder?

Antwort von U. Gellermann:

Oder eher nicht.


Am 04. August 2014 schrieb Ralf Thielken:

...und die RATIONALGALERIE ist ein Glücksfall. Wahrlich reich an Meisterwerken gebührt diesem hier ein besonderer Platz. Danke!


Am 04. August 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Was für eine bitter-süß-entsetzliche Beschreibung des Ist-Zustands was so ein Politiker-Dasein ausmacht!
"Erst Heucheln - dann Meucheln" - Hauptsache der Rubel rollt! Im übrigen: Aggressoren wie Israel ewige Treue schwören - ansonsten keine Position einnehmen u n d weiter überallhin Waffen liefern. Im übrigen vornehm stillgehalten bzw. das Maul, wenn denn die Meuchelei wie im Fall Israel voll im Gange ist.
Zum IRRE werden!

Diese "Leck-mich-am-Arsch-Mentalität" deutscher PolitikerInnen ist übrigens auch im neuen Buch von Roger Willemsen "Das hohe Haus" trefflich beschrieben...


Am 04. August 2014 schrieb Ingrid Böhm-Duwe:

Nun darf man sich wirklich nicht wegen der Versorgungen für Politiker schlaflose Nächte bereiten, so sie von der politischen Bildfläche verschwinden. Hatte man sich doch gerade an gar manche gewöhnt - so als täglichen Adrenalinschub beim ärgern, ärgern, ärgern - und dann: Weg ist der feiste Mappus und der Po-Falla, der mit so unvergessen launigen Weisheiten nach seiner US-Reise vor den Kameras aufwartete. Unterstützt von dem Mr. Impotenzio der deutschen Innenpolitik, der Mann mit den unsichtbaren Ärmelschonern, dem Hang zum Datensammeln und den von Sach- und Fachunkenntnis geprägten Ansprachen, mit Blindheit für die Farbe "braun" geschlagen und stets mit der Todsünde der Eitelkeit bei offensichtlicher Selbstüberschätzung geschlagen. Schuld hatten die anderen, wäre er doch besser schon früher da gewesen… Hans-Peter „Dumbo“ war sein Name. Wo ist er verblieben, nachdem er bei der Edathy-Affäre einigen zu schwatzhaft war? Wo man doch Edathy unbedingt weg haben wollte? Leitete doch dieser den NSU-Untersuchungsausschuss und war nicht pflegeleicht? Tja, so geht das, auch einem wackeren Friedrich, der sich mit Bauernopfern bei Schuldzuweisungen auch gut auskannte. Offensichtlich ist er nirgendwo gut und teuer untergekommen. Wollte man ihn etwa nicht? So muss er wohl sein Dasein in den hinteren Parteireihen fristen?

Da hat es doch Annette Schavan besser angetroffen. In ihrer grenzenlosen Güte erklärte sie sich am 3.2.2014 doch bereit deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl in Rom zu werden. Na ja, was Anforderungen an Moral und Anstand anbelangt, da nimmt man es ja bekannter weise nur via Lippenbekenntnissen bei der Institution „Feuerstuhl“ dort genau. Dass sie in dieser Position eigentlich lt. Auswärtigem Amt mangels ihrer Bildungsvoraussetzungen - wie z.B. ein mit einem Master abgeschlossenes Hochschulstudium - vorweisen kann, ist wohl nur als Herumnörgelei an Merkels Ex best friend zu sehen. Wenn es denn doch nichts auf Dauer in (schein)heiligen Landen wird, man weiß ja nie, dann sollte sie mal Rezzo Schlauch darum bitten, ein gutes Wort für sie beim EnBW einzulegen. Denn wie man weiß, plädierte Frau Schavan schon immer für die Ausweitung der Atomkraft.

Und wenn es denn auch später nichts werden sollte mit dem „großen Zampano“ beim Deutschen Verantwortungs-Verband, dann muss er nur noch flugs konvertieren. Mit „Wende“ kennt er sich ja auch aus, der Bürgerrechtler, den keiner als solchen kannte und der nie einer war. Möglicherweise kann er dann beim „römischen Franzl“ eine Stelle finden als Berater für Ehe- und Familienrecht. Und als neue Wohnstatt soll ja die „van Elst Burg“ frei sein. Dahinein passt dann auch noch mehr frauliches Lehr-Material. Wär doch „schadt drum“…


Am 04. August 2014 schrieb Lutz Jahoda:

KEIN GRUND, SICH ZU SCHÄMEN
BEIM GEBEN UND NEHMEN!
So unsauber wie dieser Reim, ist nun einmal das Prozedere unserer Staatenlenker. Die Mehrheit hat so gewählt, also muss die Mehrheit damit leben.
Trüber Wochenbeginn, aber wohltuend erhellend, dieser Beitrag!
Danke, Uli Gellermann!


Am 04. August 2014 schrieb Ulrich Fiege:

Ein erfrischender Artikel über den >IST< Zustand der Arbeitnehmer aus der Politik innerhalb unseres Landes, Danke dafür! Wie es in Europa läuft ist dem Link zu entnehmen, bedienen Sie sich und anfügen möchte ich noch die Anfänge und ein Sprichwort: ?ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich doch ganz ungeniert?

Externer Sachverstand nannte der ehemalige Bundeskanzler Schröder die Beratertätigkeiten.

Gerhard Schröder wurde quasi über Nacht zum Gazprom-Gerd und am Tag seines Ausscheidens aus der Politik Berater für den Medienriesen Ringier, etwas später und etwa ab 2006 stellte ihn dann die Rothschild Investmentbank als Berater ein.

1. November 2003, der Vorstand der Volkswagen AG beschließt laut Protokoll einen Beratervertrag mit der Firma CoNeS GbR, am 1. November 2003 stieg Ministerpräsident Gabriel als Gesellschafter und Geschäftsführer bei CoNeS GbR ein.

In Niedersachsen flossen in 8 Jahren SPD-Regierung 28 Millionen Euro Beraterhonorare, davon rund 85 Prozent ebenfalls ohne vorherige Ausschreibung. Auffällig oft bekam Roland Berger den Zuschlag wenn es etwas zu beraten gab. Der Straßenbau in NRW als ein Beispiel, in 2004 wurden 70 Millionen Euro in den Landesstraßenbau gesteckt aber über 80 Millionen Euro für Gutachten ausgeben und die schafften 400 000 neue Arbeitsplätze in der Gutachten und Beraterbranche, Sozial ist also immer noch was Arbeit schafft.

Aber es gibt auch Positives zu berichten, zumindest optisch zeigt sich das am Prachtbau des Innenministeriums in Berlin, im rechten Turm des Zwillingsbaus ist das Innenministerium untergebracht. Im linken Turm residiert ein Unternehmensberater, ob Roland Berger nach der Verurteilung des Straftäters Hans-Peter Hartz oder erst nachdem ihm die EZB ein eigenes Rating-Unternehmen in Europa verweigerte kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ein (Ab) Bild aus dem aktuellen Europa:
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/127577/griechenland-ist-gefallen-spanien-und-portugal-werden-gehalten.


Am 04. August 2014 schrieb Gaby Friedrichs:

Hllfe! Das ist bester satirischer Stoff. Danke für die Morgen-Dusche.


Am 04. August 2014 schrieb curti curti:

Zumindest läßt in diesem munteren Treiben hoffen, daß Politiker sich nun auch mittels Lotto saturieren. Vielleicht setzen sie dort endlich um was sie in der Politik mittels Worthülsen als erledigt betrachten. Denn gemessen an der praktischen Umsetzung der Politik ist es zunehmend wie in der Lotterie - alle können mitmachen aber nur Wenige gewinnen. Der Rest zahlt entweder mit Vollverlust oder sozialem Abstieg in einem fortlaufend inhumaneren Umfeld.

Spielen die Verlierer jetzt alle Lotto, kommen die ausrangierten Politiker vielleicht zum Zug und lassen die Zahl der Gewinner exponentiell ansteigen. Ist zwar nur Geld, aber immerhin etwas. Und wie man Räder richtig zu drehen und schmieren hat, davon verstehen Politiker unzweifelhaft eine Menge, davon auf jeden Fall.

Ob´s klappt mit dem Lotto- denke eine Wette ist diese Theorie nicht wert!


Am 04. August 2014 schrieb Armin Gröpler:

Politik ist Glücksverheißung" U. Gellermann -
Köstlich! Muss dringend auf die deutsche Aphorismenseite!!!

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