Panzer vor, noch ein Tor

Gute Geschäfte mit deutscher Verantwortung

Autor: U. Gellermann
Datum: 03. Juli 2014

"Es rasseln die Ketten - Es dröhnt der Motor - Panzer rollen in Afrika vor" sangen die Truppen von Hitlers Wehrmacht anfangs ganz fröhlich - das Ende ist bekannt. Wenn in diesen Tagen die Grundlagen einer neuen "Panzerschmiede" geschaffen werden, wird nicht gerasselt sondern eher geschlichen: Die erfolgreiche deutsche Krauss-Maffei Wegmann (KMW) Panzerproduktion will sich mit der NEXTER SA, dem französischen Staatskonzern für Panzer, Raketenwerfer und Gewehre zusammentun. Wer sich an die mehr als zehn ehemaligen französischen Kolonien in Afrika erinnert, der weiß, dass es sich nicht nur um eine Rationalisierungsfusion handelt, sondern auch um eine Marketingmaßnahme: Gute alte Kontakte, die der deutsch-französischen Freundschaft schon eine anhaltende Bürgerkriegsbeteiligung in Mali verschafft haben, sollen den Umsatz ankurbeln, das Tor nach Afrika weiter öffnen.

Die angestrebte Fusion der beiden Mordsunternehmen - KMW erzielte einen Gewinn von 80 Millionen Euro, NEXTER machte 74 Millionen Euro - hat auch Gründe in der Euro-Krise: Länder wie Spanien oder Griechenland verteilen keine Großaufträge mehr. Die an Griechenland gelieferten 170 Kampfpanzer vom Typ Leopard im Wert von 1,7 Milliarden Euro, sollen immer noch nicht ganz abgestottert sein. Auch wegen solcher Ausfälle wird die anvisierte EU-Erweiterung um die Ukraine, Georgien und Moldawien eine bedeutende Export-Erleichterung bedeuten. Immerhin kämpften georgische Truppen 2008 im Krieg gegen Russland mit Raketenwerfern, die auf Lastwagen vom Typ Mercedes Actros 3341 montiert waren. Ohne die Fahrzeuge aus Deutschland hätten die Georgier ihre Geschütze nicht an die Front bringen können. Die Raketenwerfer vom Typ LAR-160 stammten aus Israel und können die von Deutschland geächtete Streumunition verschießen - was Georgien im Krieg gegen Russland auch tat. So kommt selbst die von Angela Merkel angemahnte Staatsräson gegenüber Israel zu ihrem Recht: Deutschland liefert die Lafetten, Israel die Werfer, die Russen sind der Feind.

Schon lange wurde über ein Zusammengehen der Konkurrenten KMW und Rheinmetall (vormals Reichswerke Hermann Göring) spekuliert. Doch der Düsseldorfer Rüstungskonzern (Entwicklung von Drohnen, Luftabwehrgeräten und Kettenfahrzeugen) hat seinen eigenen Marketingschritt unternommen: Der einstige Entwicklungsminister Dirk Niebel wurde als Cheflobbyist eingekauft, mal gerade ein halbes Jahr nachdem Niebel aus der Regierung ausgeschieden ist. Niebel hatte sich schon in seiner damaligen Postion erfolgreich für den Export deutscher Panzer nach Saudi Arabien eingesetzt. Sein neuer Arbeitgeber erwartet von ihm nicht nur gute Kontakte zum deutschen Regierungsgeflecht sondern vor allem zu den vielen Ländern, in denen der frühere Minister deutsche Wohltaten verteilte. Insofern wird sich auch sein Augenmerk auf Afrika richten: In Somalia, Südsudan, Mali, Zentralafrika und dem Kongo dauern die Bürgerkriege an. Diese schwere, neue Aufgabe fasste die Rheinmetall Pressestelle wie folgt zusammen: Niebel werde "vom kommenden Jahr an die Mitglieder des Konzernvorstands von Rheinmetall in allen Fragen und Aufgaben der internationalen Strategieentwicklung und beim Ausbau der globalen Regierungsbeziehungen unterstützen".

Die neue deutsche Militärstrategie - bereits in der Lieferung einer kompletten Panzerfabrik nach Algerien transparent geworden - ist der Krieg aus der Distanz: Man kämpft nicht mehr selbst sondern lässt deutsche Waffen mit deutscher Initiative kämpfen. Das verringert deutlich die Verluste und verschleiert die gewachsene Aggressivität deutscher Aussenpolitik beträchtlich. Auch die von der Kriegsministerin van der Leyen favorisierte Bewaffnung der Bundeswehr mit Drohnen ist dem Krieg auf Distanz gewidmet: So kann der Feind, wo immer er gerade verortet wird, über tausende Kilometer hinweg vernichtet werden. - Während es im Wehrmachtslied noch heißt: "In Afrika da kämpfen im glutheißen Sand - Deutsche Panzer für ihr Volk und Vaterland", vermeidet der neue deutsch-französische Rüstungskonzern - Arbeitstitel "New Co SA" - seine vaterländische Steuerpflicht. Wie schon der Luftwaffenkonzern Airbus Group, früher EADS, wird auch die "New Co" ihren zentralen Firmensitz in den Niederlanden haben und dort zwischen wenig und keinen Steuern zahlen. So erfüllt sich ein europäischer Traum der Rüstungskonzerne: Marktvergrößerung durch neue EU-Mitgliedstaaten, Markteroberung durch Fusion und alles ohne Steuern zu zahlen. Selbstverständlich wird die Regierung Merkel diesem Traum nicht im Wege stehen. So wird die "gewachsene deutsche Verantwortung" auch zu einem gut wachsenden Geschäft.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 05. Juli 2014 schrieb Jason Priestley:

@Hannes Schwertfeger:

Ja, vor fast 70 wurde die "Hitlerzeit" - übrigens eine meines Erachtens ziemlich unzulässige, wenn auch recht gebräuchliche (warum wohl ?) Beschränkung / Euphemisierung der vom damaligen Weimarer Establishment gezielt herbeigeführten NS-Barbarei auf eine (!) Person (die dazu noch nicht mal Karate, Kung-Fu oder auch nur "Mikado oder Halma" konnte.........) - gewaltsam (gottlob) beendet, und zwar beschämender Weise, bis auf relative "Randerscheinungen" (welche umso mehr Respekt und Bewunderung verdienen), beileibe nicht durch die tätige Entschlossenheit und den Mut von Deutschen !! :-(

Herr Gellermann `reduziert´ allerdings die neoimperialen, offen wiedererwachten Begehrlichkeiten der neudeutsch-schnodderigen, `wiedervereinigten´ Wirtschaftshegemonie nicht auf `diese Zeit´, sondern sieht & zieht - fast immer gekonnt, wie ich meine - legitime analoge Parallelen zwischen den fatalen "Ambitionen" `jener Zeit´ und............."unserer Zeit" !

"Wir" beteiligen uns - seit dem völkerrechtswidrigen NATO-Angriffskrieg auf dem Balkan 1999, den sogar (!) der damalige Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder heute offen als solchen bezeichnet (!) - sehr wohl seitdem an Kriegen in Afrika und Asien - und durch illegale, durchsichtige, stets gänzlich ungeahndete (!) Waffen-Verschiebereien "unserer" Rüstungs-`Gröfaze´ noch ganz woanders, z. B. in Mittelamerika - , bei denen es absolut nicht um "Brunnenbohren für Dorfgemeinschaften" oder "Mädchenschulen für alle" etc. usw. geht ! ;-o(

Und Sie würden sich wundern bzw. angewidert erschauern und Ihre Einstellung / Einschätzung zweifellos gleichzeitig revidieren = überdenken, wenn Sie wüßten (!), welch grausige, entsetzliche und dem Nazi-Gedankengut in nichts nachstehende (!) (neu kreierte...........) Lieder Bundeswehr-Soldaten in den neokolonialen `Einsatzgebieten´ in Wahrheit singen !!

"Modern" mag diese neoliberale, skrupellos marktradikale Casino-Zocker- und `Heuschrecken´-"Neuaufteilung der Welt" (NWO) vielleicht schlimmer Weise (!) sein, aber "friedlich" ist die Neo-B.R.D.igte, grundgesetzwidrige (!) "Auch-was-vom-ganz-großen-"Kuchen"-Abkriegen" - Strategie keinesfalls...........!!!

Die militante Pastoren-Tochter (fremdschäm) Merkel und der unchristliche Bundes-Gauckler-Pfarrer (sic !) sind sicher nicht "Hitler & Hindenburg", verfügen aber über ungleich effizientere Kriegsführungs- und Propaganda-Mittel als diese noch dazumal.........!! 
 


Am 04. Juli 2014 schrieb Hannes Schwertfeger:

Fast 70 Jahre ist die Hitlerzeit nun vorbei. Aber sie können es nicht lassen, die Bundesrepublik immer wieder auf diese Zeit zu reduzieren. Weder führen wir einen Krieg in Afrika noch wollen wir einen Krieg in Afrika führen noch singen Einheiten der Bundeswehr das von Ihnen zitierte Lied. Sie holen der großen Nazi-Knüppel raus, um die moderne, friedliche Bundesrepublik klein zu halten und zu diffamieren. Merkel ist nicht Hitler und Gauck ist nicht Hindenburg.


Am 03. Juli 2014 schrieb Herr Wurzelzwerg:

So ist es, Herr Gellermann. Und die Ossietzkys sind leider nicht nachgewachsen. Ich vermute, die besseren Kreise hierzulande freuen sich schon mal auf einen richtigen, tollen Atomkrieg.


Am 03. Juli 2014 schrieb Rainald Irmscher:

Es ist schon erschreckend, wie viel hinzunehmen wir gewöhnt sind !

Ich bin dankbar dafür, hier in der rationalgalerie die Fakten dazu zu bekommen, was mir vom Prinzip schon lange klar ist. Die Realität, die damit verbunden ist, ist brutal.

Die Panzer, die aus Deutschland geliefert werden, sollen stärker sein als die Menschen, gegen die sie eingesetzt werden. Und so werden sie niederwalzen, töten, demolieren, die Städte und Menschen, die nichts lieber wollten als in Frieden zu leben.

Ich habe dieser Tage dazu den Ausspruch von Albert Einstein grafisch gestaltet: "Wir sollten unser Leben dem Austrocknen der Kriegsquellen widmen - der Rüstungsindustrie."

Ich würde mich freuen, wenn dieses Bild auf diese Weise möglichst oft weitergegeben wird und damit dieser Gedanke.

http://www.pachizefalos.de/bilder/Austrocknen-der-Ruestungsindustrie.JPG


Am 03. Juli 2014 schrieb Anna Schneider:

Dieser Satz aus Ihrem Artikel "Wenn in diesen Tagen die Grundlagen einer neuen "Panzerschmiede" geschaffen werden, wird nicht gerasselt sondern eher geschlichen" gilt für das gesamte schleichende Elend: Hier mal ein bisschen Auslandseinsatz, da mal ein wenig "mehr Verantwortung" und dort eben eine neue Panzerschmiede". Man merkt kaum und Leist (Sie sind eine Ausnahme) fast nirgends, dass der Krieg ins Haus steht. Nicht heute, vielleicht auch nicht morgen, aber bei Gelegenheit.


Am 03. Juli 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Ein Lob der deutschen Regierung 2014. Denn vor hundert Jahren hatten sieben Millionen deutsche Männer unter Waffen noch des deutschen Kaisers Hirn vernebeln können, allerdings schon damals der Kriegswirtschaft ungeheure Gewinne gebracht. Ohne Stahlhelm, nur mit den lächerlichen Pickelhauben auf den Köpfen, waren in den ersten beiden Kriegsjahren die armen todgeweihten Burschen bedenkenlos in den Kampf geschickt worden. Mit Gottes Segen sogar. Natürlich nicht zum lizensierten Mord. Da waren auch die studierten Diener Gottes rege in der Erfindung von Umschreibungen. Ob mit Weihwasser oder schlichtem Handauflegen auf Haubitzen und Karabiner, wurde Kraft herbeigewünscht auf die immer perfider werdende Technik zum schnellen Töten. Doch weil man letztlich auch Gutes tun sollte, hatte die Kriegswirtschaft 1916 zum Schutz der Soldatenköpfe einen Helm mit der Kennzeichnung M1916 ausgeliefert, gefertigt aus heißgepresstem Silizium-Nickelstahl. - Nun haben sich die Feinde von einst zusammengetan, auch wieder einig im Streben nach Profit, doch inzwischen menschlicher denkend, wenn es um die eigenen Leute geht und lassen Algorithmen und Maschinen dienen in zuverlässigem Sicherheitsabstand über Ländergrenzen hinweg. - Welch ein Gewinn in pekuniärem wie auch humanitärem Sinne. - Deutschland hat gelernt, und ich liefere gern die erste Textzeile zum aktuellen Lied der militanten Friedenstifter: Lasst uns die Drohnen preisen: der Herrgott ist auf Reisen!


Am 03. Juli 2014 schrieb Lisa Mannheimer:

. . . und die Merkel verspricht zeitgleich der NATO mehr Geld. Der gewöhnliche Wahnsinn greift um sich.


Am 03. Juli 2014 schrieb Rosa Henrich:

Der Medienmainstream lebt vom wegschauen, Gellermann von genauester Recherche, das ernährt die Leserin. Danke.


Am 03. Juli 2014 schrieb Jörg Köhler:

Ich lese oft Ihre Kommentare, die doch dann und wann sehr lesenswert sind - keine Frage. Die letzten Tage allerdings habe ich dem noch etwas hinzuzufügen. 0-Euro Jobs, Waffenexporte, Niebel, Gauck, Ursula haben mich veranlasst, die Tod der Republik bekannt zu geben:
Mit großer Trauer müssen wir mitteilen,
dass die Bundesrepublik Deutschland
verstorben ist.
Der Termin der Trauerfeier findet statt, sobald die Liste der teilnehmenden Gäste, also der Zerstörer dieses bisher angeblichen demokratischen und sozialen Staates, erstellt ist.
Vor allem die Abstimmung mit Altkanzler Schröder, der gerade in Russland weilt, gestaltet sich schwierig.
Wir bitten um zahlreiche bundesweite Zusammenkünfte, um den Abschied gebührend zu würdigen, der Republik, die nun wieder mit Säbelrasseln, Drohnen und riesigen Waffengeschäften von sich reden machte, ein letztes Gedenken zu geben.
Einer Republik, die nun Sozialhilfeempfängern 0 Euro Jobs anbieten will, um diese Menschen noch mehr zu entwürdigen.
Berlin, Wiesbaden, Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf, Bremen, Potsdam,
Dresden, Schwerin, Erfurt, Magdeburg, Hannover, Mainz, Saarbrücken, Kiel

Im Namen aller Betroffenen, Joachim Gauck, noch Bundespräsident(ehemals evang. Pfarrer, künftig Feldherr in einem noch zu findenden afrikanischen Staat.


Am 03. Juli 2014 schrieb HMA Tornow:

Brilliante Rückblende auf die wirtschaftlichen Strategien der deutschen Kriegsgeräte-Hersteller und dem Seitenhieb auf die, mir immer schon ungeliebte, Gauleiter-Partei.

Unserer Verteidigungsministerin sei in ihre Agenda geschrieben, sie möge sich in den Reihen der öffentlichen Verwaltungen des Bundes und der Länder umsehen. Dort sitzen Drohnen zuhauf und sind bereits von der deutschen Bevölkerung geleast; dazu sind die auch kampferprobt, durch die ständige Sicherung der eigenen Pfründe!


Am 03. Juli 2014 schrieb Martin Lechky:

Ich huldige, normalerweise, niemanden. Aber; Ihre Treffergenauigkeit ist fast schon biblisch. Das hätte selbst der Redenschreiber von Hr. Gauck nicht besser formulieren können.

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