Merkel denkt weiter

Panzerfabrik für die Ukraine

Autor: U. Gellermann
Datum: 23. Juni 2014

Das ist ein schöner Deal für die deutsche Kriegsindustrie: "Rheinmetall" soll, will und wird eine komplette Panzerfabrik in Algerien bauen. Pro Jahr sollen dort 120 Fuchs-Panzer produziert werden. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro. Und weil es hie und da leise Zweifel an dem politischen Sinn dieses Geschäftes gab, weil dumme Fragen aufkamen wie "gegen wen soll Algerien denn Krieg führen?" oder auch "könnte es der Krieg gegen die eigene Bevölkerung sein?" hat die große und weise Kanzlerin Deutschlands, deren Umfeld ja den Deal genehmigen muss, eine Erklärung nachgeschoben: "Ohne jetzt auf Einzelheiten einzugehen, ist heute noch einmal deutlich geworden, welche wichtige Rolle auch Algerien in der Region spielt." Algerien grenzt an Marokko, Tunesien, Libyen, Niger, Mali und Mauretanien. Von einer Aggression dieser Länder gegen Algerien kann keine Rede sein. Deshalb erinnert die Bundeskanzlerin an die Bedeutung Algeriens im Kampf gegen "Extremisten".

Zur Zeit ist auch die Ukraine in einen schweren Kampf gegen "Extremisten" verwickelt. Rund 70.000 russischsprachige ukrainische Bürger weigern sich ganz extrem in der Ukraine zu bleiben. Sie entziehen sich dem frisch gewählten Präsidenten durch Flucht. Zwar behaupten Extremisten wie die aus der Ost-Ukraine geflohene Irina Jarmosch gegenüber der DEUTSCHEN WELLE "Die bringen uns um", und meint die Kiewer Regierung. Und ergänzt sogar, die ukrainische Armee würde seit Mitte April Hubschrauber einsetzen, schwere Artillerie und Phosphorbomben. Ganze Häuser seien zerstört, sogar ein Kinderkrankenhaus sei beschossen worden. Aber das kann kaum stimmen. Denn in den deutschen Mehrheitsmedien gibt es davon keinerlei Bilder, kaum einen Kommentar dazu. Offenkundig entziehen sich die prorussischen Kräfte bewusst und böswillig ihrer Verpflichtung, die ostukrainischen Industriebetriebe am Laufen zu halten. Wer weiß, dass sich in den grenznahen Regionen der Ukraine zu Russland rund 400.000 ukrainische Flüchtlinge aufhalten, dem wird das ganze Ausmaß an terroristischer Sabotage deutlich.

Auch in Algerien versuchen sich immer wieder Leute der Arbeit im Land zu entziehen und nach Europa zu gelangen. Deren Vorwände zählt "Amnesty International" auf: "Personen, die der Unterstützung des Terrorismus verdächtigt sind, werden ohne Zugang zur Außenwelt an geheimen Orten festgehalten und gefoltert. Kritik an hohen Amtsträgern und an den Sicherheitskräften ist unter Strafe gestellt. Personen, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, werden eingeschüchtert. Im Familienrecht sind Frauen gegenüber Männern rechtlich benachteiligt." Natürlich ist Homosexualität in Algerien gesellschaftlich geächtet und dort nach geltendem Recht illegal. In den vergangenen Jahren kam es zu mehreren tödlichen Übergriffen auf Homosexuelle und auch zu einer öffentlichen Steinigung. Falls also Homosexuelle sich zusammenrotten sollten, könnten deutsche Panzer zum Schutz des Staates gegen sie eingesetzt werden.

Natürlich haben auch die Oppositionellen in der Ukraine menschenrechtliche Vorwände für ihre Arbeitsverweigerung. Petitessen wie das Verbot der Kommunistischen Partei, das faktische Verbot der oppositionellen Wochenzeitschrift "2000", das Verschwinden von Oppositionellen nachdem sie vom ukrainischen Geheimdienst (BSU) festgehalten wurden wie auch deren Folterung, dienen ebenso als vorgeschobene Begründung für separatistische Fluchtbewegungen wie die Kollateral-Schäden im Antiterrorkampf der ukrainischen Armee. In einer solchen Situation könnten Angela Merkels Überlegungen, mit der Ukraine einen Deal ähnlich dem mit Algerien einzufädeln, nur sinnvoll sein. Vor allem der bewährte Spähpanzer Fuchs, mit 12 Mann Besatzung und drei Maschinengewehren auf Lafetten ist zur Aufstandsbekämpfung bestens geeignet. Der Panzer kann schnell von Widerstandsnest zu Widerstandsnest bewegt und wenn der Gegner mit schweren Waffen operiert, auch mit einer 20-Millimeter-Kanone ausgerüstet werden.

Zudem wäre der Aufbau einer deutschen Panzer-Fabrik in der Ost-Ukraine ein Schlag gegen die dort gefertigte russische Rüstungstechnik. Denn wenn die Ukraine jemals ihre Schulden beim "Internationalen Währungsfonds" zurück zahlen können will, dann muss sie ihren achten Platz auf der Liste internationaler Rüstungsexporteure verteidigen und ausbauen. Und mit solider deutscher Waffentechnik und billigem ukrainischem Personal dürfte das wohl gelingen. Zumal die Ukraine ihre Waffen auch bisher schon gern in Spannungsgebiete und an Systeme geliefert hat, die in der deutschen Öffentlichkeit eher Unbehagen auslösen. So könnte der Merkel-Panzer-Deal Teil einer Umgehungsstrategie sein. - Einen letzten sachdienlichen Hinweis gab der Kurs der Rheinmetall-Aktie, die sich nach der Algerien-Entscheidung mit einem Plus von zeitweise bis zu 3,6 Prozent an die MDax-Spitze setzte: Eine weitere Panzerfabrik würde dem Aktien-Hoch Stabilität verleihen, der russischen Konkurrenz mal zeigen was deutsche Rüstung wert ist und die schwierige Lage der Ukraine stabilisieren. Und das alles verdanken wir dann der zu Recht hochgelobten Kanzlerin. Jener großartigen Frau, die weiter denkt und auch weiter schießen lässt.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Juni 2014 schrieb Carola Hofbauer:

In all dem Nebel im Mainstream zum Ukraine-Bürgerkrieg ein einziger Lichtblick: Die Nationalgalerie. In der Tradition der Aufklärung im doppelten Sinne. Enthüllen und erklären.


Am 23. Juni 2014 schrieb Heimfried Rüster:

Für ein entwicklungspolitisch-wehrwirtschaftliches Engagement in der Ukraine unter dem Banner der Herdermedaillen-Trägerin spräche noch ein Argument: Dort gibt es reichlich Manganerz; das hat schon von 1941 bis 43 den grossdeutschen Gesamtbedarf zu 88,6 Prozent gedeckt.



Am 23. Juni 2014 schrieb Rainald Irmscher:

Ja, es ist zum Heulen und Zähneklappen, wie unsere sogenannte Regierung verkommt zu einem Haufen von Waffenlobbyisten und wie Mainstream-Medien mit Angstmacherei und Fehlinformationen große Teile der Bevölkerung manipulieren zur Kriegsbereitschaft und damit den Boden vorbereiten zu immer neuen Kriegen.

Als hätten sie Hermann Göring verinnerlicht, der sagte:
"Das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land."

In der Situation kann es nicht unser Interesse sein, hier auf dieser Seite über Recht oder Unrecht der einen oder der anderen Partei zu streiten.

Wer schießt, hat immer Unrecht!

Es gibt keine Gerechtigkeit durch Krieg. Jeder Krieg hinterlässt unendlich viel mehr Elend als die Kriegstreiber vorher versprochen hatten. Weil mit Waffen einzig und allein das "Recht" des Stärkeren durchgesetzt wird, wird die Spirale von Gewalt und Gegengewalt weiter voran getrieben und sonst nichts.

Und die menschenverachtende "Logik", dass Kriege neues Wachstum ermöglichen und daher gut sind für unsere Wirtschaft, wird so ehrlich selten vertreten, steht aber hinter all dem Säbelgerassel und den ständig angezettelten kleineren Kriegen, die den großen Weltkrieg zur Rettung der Finanzwirtschaft ersetzen sollen.

Unser Interesse kann nur die Einführung eines anderen Geldsystems sein, das diese Scheiße so lächerlich erscheinen lässt, wie sie eigentlich schon immer war.


Am 23. Juni 2014 schrieb curti curti:

Ein solches, überaus realistisch beschriebenes Szenario, erinnert spontan an die Werbung früherer Tage. In einem Spot zu Zigarretten hieß es damals "Greife lieber zur HB, dann geht alles wie selbst. Und der Konsumrausch wurde feilgeboten mittels "Neckermann macht´s möglich".

Heutzutage, benebelt vom farbenfrohen Dunst grenzdebiler talkshows und im Würgegriff anderer "Qualitätsmedien", greifen/klammern sich viele an Merkel, bei ihr geht scheinbar alles wie von selbst und sie ist auch diejenige, die alles möglich und wunschlos glücklos macht. Laut Umfragen ist Politik Mist, aber Merkel klasse und so vermag sie und ihre Putztruppe auch das Unvorstellbare realisierbar und vor allem als "voll normal" verkaufen, allerdings ohne Gewährleistung, versteht sich.

Manchmal aber verrät sich auch das Merkel selbst, dann z.B. wenn sie selbst von all ihrem Dunst benebelt zu sein scheint und Aussagen fallen wie die von der "marktkonformen Demokratie", quasi der Offenbarungseid, der Sprung vom Schein zum Sein. Wie gut das es nur wenige sind die diesen Spuk zu erkennen vermögen, denkt sich das Merkel. Wenn das mal "gut" geht!


Am 23. Juni 2014 schrieb Thomas Steinberg:

Sehr gut.


Am 23. Juni 2014 schrieb Katrin Lerner:

@ Rüdiger Mannhardt

Zitiert nach Florian Rötzer, Telepolis:

"Wenn der ukrainische Präsident Poroschenko sagt, der Staat sei verpflichtet, die Bürger vor "Terroristen und bewaffneten Banden" zu schützen, aber gleichzeitig privat finanzierte und nicht dem Verteidigungsministerium unterstellte Milizen, gerne "Bataillons" genannt, zu legitimieren, wird sein Friedensplan ebenso zur Farce wie die Genfer Erklärung, die nach Meinung von Kiew ausschließlich die Separatisten in der Ostukraine, aber nicht die Militanten in der Westukraine betreffen sollte."


Am 23. Juni 2014 schrieb Joe Bildstein:

Blutige Gewinnmaximierung!!!


Am 23. Juni 2014 schrieb Rüdiger Mannhardt:

In Ihrem Artikel steht kein Wort von den Russen und deren imperialen Interessen. Und vor allem verschweigen Sie das Friedensangebot von Poroshenko. Wenn die pro-russischen Milizen darauf eingingen, wäre der Bürgerkrieg beendet.

Antwort von U. Gellermann:

Die russischen Interessen sind nicht ohne die der USA-EU zu betrachten. Der "Friedensplan" sieht keine Verhandlung mit den Separatisten vor. Ihnen ausschließlich anzubieten, sie mögen das Land verlassen ist ethnische Säuberung.

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