Merkel an Erdogan

Prima Panzer on the rocks

Autor: U. Gellermann
Datum: 24. Juli 2017

Durch einen Zufall geriet ein vertraulicher Brief von Kanzlerin Angela Merkel in die Hände der RATIONALGALERIE. Offenkundig ist die Botschaft das Gegenstück zu jenem Brief des Bundesaußenministers Sigmar Gabriel an türkischstämmige Bürger in Deutschland, den er in der BILD-Zeitung veröffentlichte. Gabriel hat seinen Brief "Sie gehören zu uns" überschrieben. Angela Merkel setzt über den ihren an den türkischen Staatspräsidenten die zarte Zeile „Du gehörst zu mir“. Auch wenn es ein Bruch des Briefgeheimnisses bedeutet, sieht es die RATIONALGALERIE doch als ihre staatsbürgerliche Pflicht an, das ungewöhnliche Dokument der Öffentlichkeit zu übergeben.

Du gehörst zu mir!

Lieber Erdi,

mach Dir keine Sorgen. Zwar sieht es in der deutschen Öffentlichkeit so aus, als ob wir uns über Deine Sicherheitsmaßnahmen heftig aufregen würden. Aber wegen so einem Bisschen Diktatur hat unsere Beziehung bisher nicht gelitten und das sollte sie auch in Zukunft nicht. Mein Ziehvater, der unvergessene Helmut Kohl, hat in seiner Kanzlerzeit die Militärdiktatur der 80er Jahre in Eurem Land mit solidarischem Stillschweigen quittiert, und so sollten wir uns heute auch verhalten. Zumal Dein Kampf gegen den Terror in Deinem Land doch sogar von einer zivilen Regierung geführt wird.

Natürlich hat sich diese diplomatische Zurückhaltung damals ausgezahlt: Zu keiner Zeit wurde die NATO-Mitgliedschaft der Türkei infrage gestellt. Brav blieb die Türkei in all den Jahren Mitglied der westlichen Wertegemeinschaft. Bis heute ist auf Euch Verlass: Im Afghanistankrieg seid Ihr tapfer dabei und Eure Unterstützung der Rebellen in Syrien bleibt unvergessen. Auch im Kampf gegen das internationale Flüchtlingsunwesen seid ihr vorbildlich: Energisch ist Eure Marine in der Ägäis an der Front beim Aufklärungseinsatz, den die NATO-Verteidigungsminister jüngst beschlossen haben.

Jetzt schlagen die Medien-Wellen hoch, weil meine Regierung angeblich geplante und bereits bestehende Rüstungsprojekte mit der Türkei vorläufig auf Eis gelegt hätte. Ja glaubst Du denn, das ließen die Leute von Rheinmetall mit sich machen? Da ist doch noch der milliardenschwere Auftrag über das Schutzsystem für die Leopard-Panzer in der Pipeline, von denen Ihr Hunderte bei uns gekauft habt. Da wollen wir nicht wortbrüchig werden. Und die 54 Waffenlieferungen im Wert von rund 21,8 Millionen Euro, die wir in diesem Jahr längst genehmigt haben, sind der Beweis: Wir lassen einen NATO-Bruder doch nicht hängen. Und wenn Deine Regierung schnell grünes Licht für die Kooperation zwischen Eurem staatlichen Rüstungsunternehmen MKEK und unserer Rheinmetall AG gibt, dann mangelt es Euch nie mehr an Munition und auch diese bürokratischen Exportgenehmigungen fallen weg: Wir produzieren das Zeug einfach direkt bei Euch. Dass wir Euren neuen Panzer „Altay“ mit deutschen Dieselmotoren von MTU aus Friedrichshafen ausrüsten versteht sich ebenso wie die Lieferung der guten Rheinmetall 120-mm-Glattrohrkanone für Euer Projekt.

Sieh mal Erdi,

der Gabriel hat in seinem Brief geschrieben: „Die Freundschaft zwischen Deutschen und Türken ist ein großer Schatz.“ Und gesagt hat er auch: Die Türkei „verlässt den Boden europäischer Werte“. Das muss man nur richtig verstehen. Zum einen ist Wahlkampf. Zum anderen geht es bei den Waffen-Lieferungen ja wirklich um echte Werte. Und dass Du mein Schatz bist, habe ich ja wohl schon in der ärgerlichen Böhmermann-Gedicht-Affäre bewiesen: Da war mir Deine Ehre allemal wertvoller als die deutsche Meinungsfreiheit.

Lieber Erdi,

nicht nur Du hast eine Ehre, ich habe schließlich auch eine. Hatte ich doch mal geschworen Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Ja, sind denn die Bundesbürgschaften für diverse Türkei-Geschäfte vergessen? Allein im letzten Halbjahr haben wir Garantien von 680 Millionen Euro zugesagt. Sollen die jetzt etwa platzen? Der Schaden für die deutsche Wirtschaft wäre erheblich. Das wende ich ab!

Mir wäre allerdings sehr lieb wenn Du mit diesen Nazi-Beschimpfungen aufhören könntest. Darüber regen sich bei uns alle auf. Über Deine Foltergefängnisse und Deine Kurden-Morde kann man hinwegsehen, aber wenn Du, ausgerechnet im Wahlkampf, wieder das Nazi-Wort benutzen würdest, muss ich vielleicht eine echte Reisewarnung aussprechen: Wenn es so weiter geht könnte ich mal selbst nach Antalya reisen. Oder mir wie im letzten Jahr in Eurem Flüchtlingslager an der syrischen Grenze Blümchen schenken lassen.

Lieber Erdi,

so lange Du in der NATO bleibst, ist unsere Freundschaft ungetrübt. Und die Rüstungsprojekte, die wir auf Eis gelegt haben sollen, die musst Du Dir einfach on the rocks vorstellen.

Prost, Deine Angela

Der Text der Startseite wurde von Angelika Kettelhack lektoriert.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Juli 2017 schrieb Hans Rebell-Ion:

"Unglaublich"! ... der ULI kann die Gedanken von ANGELA "lesen" (lesen = aufnehmen!) ...
es wäre "schwarzer Humor", wenn es nicht faktisch so wahr wäre!


Am 24. Juli 2017 schrieb Andreas Buntrock:

Was irgendwann einmal in der Postmerkelära kommt weiß noch keiner.

Nicht in Berlin und nicht in Ankara.

Was uns allerdings von dieser Dame an politischem Anstand hinterlassen werden wird dürfte ungefähr so klingen:

"Prost, Eure Angela!"


Am 24. Juli 2017 schrieb Lutz Jahoda:

NÄCHTLICHES
SCHMONZETTENSTÄNDCHEN
BERLIN-ANKARA
Heimlicher Mitschnitt, leider unvollständig, da maasgerecht unterbrochen.

"Du gehörst zu mir,
So wie ich zu Dir!
Dir gehört mein Herz,
So wie Deins zu mir!
Schweig darüber still,
Treib es nicht zu arg:
Was Du hier zertrittst,
Ist unser beider Quark ...."

NSA-Kommentar: "It sounds like Angie!"


Am 24. Juli 2017 schrieb marie becker:

auweia, klein Angela schreibt Liiiebesbriefchen.
Es wär zu schön, wenn man sie nur so nehmen könnte ! Langsam glaube ich, dass sie gefährlicher ist als man glaubt.


Am 24. Juli 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

.....ein Knaller !
Zum Kringeln, zum Piepen, und zum Heulen; alles zusammen.
Da ist dir etwas gelungen, was mich beeindruckt hat: Ein journalistischer Streich, allererster Güte.
Mit Leichtigkeit, Eleganz, Witz, Schmerz,inhaltlicher Tiefe, und einer, wie immer sauberen, nachvollziehbaren Recherche.
Aufdeckend, aufklärend, beim Namen nennend, und den Leser in den Bann ziehen, sich einzulassen, und in der Flut von Informationen, von Lügen, von auf der Oberfläche bleibend, von Ablenken, von dem, um was es wirklich geht, lässt mich weiterhin hoffen, dass Bewusstsein sich verändert, und Konditionierungen hinterfragt, reflektiert, und eingeordnet werden. Unverzichtbar, die RATIONALGALERIE, in einer Zeit, wo der Kampf ums Bewusstsein, in der die Reizüberflutung, soviel Kappes, Mist und Dummheit produziert, dass die wirklichen Inhalte, die echten Interessen des Landes, nämlich in Frieden und Freundschaft mit allen Völkern in der Welt, kaum eine Beachtung findet, weil es den Pressefuzzis, so einigen mehr daran gelegen ist, der Bundesregierung den roten Teppich auszulegen, und bei der weiteren Verdummung sehr konkret behilflich zu sein, und die Pressefreiheit ist selbstverständlich für die Schreiberlinge, die Freiheit der Unternehmen, und deren Interessen, wie z. B. die Auflagen, und da ist doch passend, was Brecht geschrieben hat: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing." B. Brecht
Zurückgekämpft, und zur Höchst Tour aufgelaufen. und nicht aufgegeben, lässt zu, dir weiterhin Kraft, Mut und Hoffnung zu wünschen, denn Hoffnung muss es immer geben, besonders in dunkler werdenden Zeiten, und da ist, und bleibt die GALERIE ein Stern am Medienhimmel.


Am 24. Juli 2017 schrieb Roland Kapp:

leider haben Sie den Nachsatz vergessen zu veröffentlichen !
Lieber Eerdi
sage mir noch Bescheid , wenn Du noch ein paar Millionen Euro benötigst , um die Flüchtlinge so lang abzuhalten , bis ich die Wahl am 24.9. gewonnen habe !


Am 24. Juli 2017 schrieb Manfred Sauer:

Aber Deutschland ist doch über die Staatsfirma VW selbst in Folterungen verwickelt. Warum soll sich da jemand über die Türkei aufregen? Nur keine schlafenden Hinde wecken!


Am 24. Juli 2017 schrieb Lea Heinemann:

Ich konnte den Mädchen-Ton aus den Zeilen des Merkel-Briefs geradezu hören. Ein satirischer Genuss. Sie haben bei Tucholsky gelernt. Das merkt man.


Am 24. Juli 2017 schrieb Gerd Petersen:

Was zur Zeit in den deutschen Medien und der Politik für Aufregung sorgt sind die Verhaftungen von Deutschen. Wir haben Wahlkampf, da muß man sich öffentlich aufregen. Die vielen verhafteten Türken und Kurden interessiert keiner. Die kann man auf das Freundschaftskonto "Nato" buchen.

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