Man redet Deutsch in Europa

Kauder-Deutsch auch für Deutsche

Autor: U. Gellermann
Datum: 13. Juli 2015

Ja, die griechische Regierung ist scheinbar eingeknickt: Sie hat dem immensen Druck der Deutschen und ihrer Kohorten in der EU zumindest teilweise nachgegeben, nachgeben müssen. Es war Volker Kauder, der Stramme Max der Merkel, der schon 2011 auf dem CDU-Parteitag voller Häme verkündete: "Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen." Fast ohne Wehrmacht und ohne den rechten Arm in die Luft zu recken wurde das "Modell Deutschland" vielen anderen europäischen Ländern aufgezwungen. Das Modell, das der verhungernden Kuh eine Fastenkur zur Gesundung empfiehlt. Ein Modell, dass nicht den Bauern reich macht, nur dessen Bank. Ein Modell, das auch in Deutschland selbst zu kaputten Straßen und Schulen geführt hat und dessen Folgen für ein kränkelndes Gesundheitssystem in jedem Wartezimmer zu spüren sind.

"Nein, an Kinder ist nicht zu denken", sagt Candela aus Madrid, die nicht will, dass man ihren vollen Namen nennt. Die 33-jährige Juristin hat fünf Jahre lang studiert, um in einem Job zu landen, der früher, bevor in Spanien Deutsch gesprochen wurde, mindestens 1.500 Euro monatlich brachte. Jetzt gibt es nur noch 800 Euro. Da ist eine Familiengründung nicht drin. Spanien, das ist das Musterland der Merkels und der Kauders, das ist das Land, das den "faulen" Griechen immer als gutes Beispiel vorgehalten wurde. Man nennt sie "Generación Perdida", die verlorene Generation, jene unter 35-jährigen Spanier, von denen 3,5 Millionen seit 2008 ihren Arbeitsplatz verloren haben.Tatsächlich verzeichnet Spanien dennoch einen leichten wirtschaftlichen Aufschwung.

Und wie im deutsche Modellland auch, geht der wirtschaftliche Aufschwung in Spanien über die Leichen der sozial Ausgegrenzten: Mehr als 5,4 Millionen Spanier sind offiziell arbeitslos gemeldet. Mit 23,7 Prozent ist die Arbeitslosenquote weit höher als in Botswana oder Bangladesch. Wie im deutschen Europa üblich mussten Banken gerettet werden, nicht Menschen: Allein 41 Milliarden Euro hat die Rettung der Großbanken rund um die Schrottbank "Bankia" den spanischen Steuerzahler gekostet. Immer schön dem deutschen Vorbild folgend haben auch die spanischen Banken-Retter viele Arbeitslose in die Hunger-Jobs gerettet: "Trabajos de basura", Mülljobs, nennen Spanier wie Candela die Mini-Jobs. Befristete Arbeitsverhältnisse, die durchschnittlich gerade einmal 53 Tage halten. Auch deshalb verdient mehr als ein Drittel der spanischen Beschäftigten weniger als 600 Euro pro Monat.

Als die spanischen Linken bei den letzten Kommunal-Wahlen viele Rathäuser eroberten, fuhren noch in der Wahl-Nacht Kolonnen von Lastkraftwagen auf Mülldeponien und zu den großen Reißwölfen: Tonnen von Akten der bisherigen Rathausbesitzer – der CDU-Schwesterpartei Partido Popular – mussten entsorgt werden. Spanien ist ein wenig altmodisch: Hier hinterlässt die Korruption noch Spuren auf Papier. Im deutschen Musterland gilt der Wechsel vom alten Amt in den neuen Job im selben Fachgebiet nicht als Korruption. Wo soll es Spuren geben, wenn doch diese Sorte der Korruption ganz legal ist.

Als legal gilt es auch, dass zwei Drittel der "Rettungsgelder" für Griechenland an internationale Gläubiger gegangen sind. So teilt es der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard lapidar mit. Und weiter weiß er zu sagen: "Die Finanzierung für Griechenland wurde benutzt, um ausländische Banken zu bezahlen". Kaum 10 Prozent der Hilfsgelder sind bei den griechischen Regierungen gelandet. Und weil es die korrupten sozialdemokratischen und konservativen Regierungen waren, die mit dem Rest – den die Banken nicht geschluckt haben – gefüttert wurden, weiß man, wo das Geld gelandet ist: In deren Taschen und nicht bei den normalen Griechen. Doch den deutschen Finanz-Sturmtrupp-Führer Wolfgang Schäuble macht das nicht irre in seiner Meinung: Er schlägt einen auf fünf Jahre befristeten Grexit vor. Einen Austritt aus dem Euro, der auch jene Griechen zu Hungerleidern machen würde, die noch nicht so richtig darben. Damit aber die linke griechische Regierung komplett und auf Jahre hinaus diskredidiert ist, sollen die Griechen vorher noch Vermögenswerte in Höhe von 50 Milliarden Euro an einen Treuhandfonds übertragen und damit die Schulden tilgen. Ob die Akropolis einen neuen Platz in Schwaben finden soll, mochte das Finanzministerium bisher nicht mitteilen.

Am linken deutschen Rand hält sich eine wirre Diskussion, die der griechischen Linkspartei, der SYRIZA, Verrat vorwirft: Sie hätte der Euro-Gruppe keinen neuen Vorschlag machen dürfen. Leider begleiten die Kritiker ihr Mäkeln nicht mit eigenen Vorschlägen: Soll es der Hunger-Grexit sein, den Schäuble vorschlägt? Hätte es eine solide Revolution alten Stils sein sollen? All den SYRIZA-Kritikern ist gemein, dass sie im eigenen Land kaum Leute mobilisieren. Ihnen folgen auch jene deutschen Massen nicht, die in der andauernden offenen oder verdeckten Arbeitslosigkeit verharren, die immer noch bei den rund sechs Millionen Hartz-IV-Empfängern zu finden ist. Denn man spricht auch in Deutschland Kauder-Deutsch. Zu hoffen, dass die Griechen und die Spanier die deutschen Probleme lösen, ist fast so dumm-dreist-deutsch wie der Kauder aus der Merkelei.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 14. Juli 2015 schrieb Theaterkritiker Goe:

Hier ein interessantes Interview mit Varoufakis
vom 13.07.2015 (in D übersetzt:
http://vineyardsaker.de/analyse/unsere-schlacht-griechenland-zu-retten-interview-mit-varoufakis/
und hier der Link eines Kommentators zu einem Artikel, in dem Varoufakis nachgwiesen werden soll, dass er ein trojanisches Pferd von Soros sei. Auf den ersten Blick hört sich das schlüssig an.
Ich mag das nicht weiter recherchieren - mir ist übel!
http://www.strategic-culture.org/news/2015/01/29/a-soros-trojan-horse-inside-the-new-greek-government.html


Am 14. Juli 2015 schrieb Goetz Burré:

Sehr geehrter Herr Gellermann,

ich hatte vor langer Zeit einen Artikel über die AfD bei Ihnen gelesen und kannte Ihren Schreibstil nicht. Daraufhin habe ich energisch protestiert und Sie wohl auch etwas angegriffen. Ich fand, dass Sie Herrn Lucke äußerst negativ darstellten. Sie hatten Ihre Meinung, ich meine, wie das halt so ist.

Seitdem lese ich aber die Rationalgalerie recht oft und lernte Ihren, Sie verzeihen, etwas „polemischen“ Schreibstil durchaus zu schätzen. Also ehrlich gesagt lese ich Sie wirklich sehr gerne, weil Sie die Sache immer auf den Punkt bringen – und dass meist durchaus unterhaltsam.

Nachdem ich nunmehr nach dem AfD-Parteitag und allem damit zusammenhängenden Gedöns meine Meinung vom Demokraten Lucke durchaus revidieren muss, möchte ich mich nachträglich entschuldigen. Nicht dass ich jetzt glaube Lucke wäre ein Rechtspopulist; aber er ist ein solcher Wischi-waschi-Typ, der sich m.E. nicht mit demokratischen Formen auseinandersetzt oder diesen leben möchte, dass es sich nicht lohnt für ihn Partei zu ergreifen. Also sorry!

Zum Kauder-Deutsch habe ich aber eine Frage: man liest immer wieder, dass die Rettungsgelder ja nicht dem griechischen Volke zugute kommen, sondern den Banken. Was ich mich dabei immer frage ist, wo sind die Darlehen der Banken den hingekommen? Wenn man z.B. 180 Mrd. € Schulden hat, dann hat man doch auch 180 Mrd. € erhalten (Zinsen mal außen vorgelassen). Nun gibt Griechenland viel Geld für Verteidigung aus, ich weiß. Aber sicherlich sind auch bestimmte soziale Leistungen (Renten?) darüber finanziert worden. Wenn dem so ist, kann man dann wirklich kritisieren, dass die Banken dass von ihnen geliehene Geld zurückerhalten? Dass man Mrd. in Griechenland investieren muss/ müsste ist klar, aber m.E. wieder eine andere Frage.

Abschließend darf ich Ihnen zur Rationalgalerie und zu dem Ihnen mitgegebenen Talent des Formulierens und Fabulierens gratulieren. Machen Sie weiter so. Und nehmen Sie mir den Lucke-fauxpas nicht mehr übel, selbst ich bin nun schlauer!


Am 14. Juli 2015 schrieb Jürgen Gardiewski::

Ihr Buchvorschlag, werter @K.Madersbacher, ist leider nur allzu hellsichtig und zutreffend. Sollte jemand aufjaulen "Wie kann man dieses Buch überhaupt nur in einem Atemzug mit >Griechenland< empfehlen "!!?, der kann gleich weiterlesen in Zygmunt Baumans "Dialektik der Ordnung".


Am 14. Juli 2015 schrieb Manfred Ebel:

Danke für den Lesetipp "Deklaration von Delphi". Einer der wichtigen Wortbeiträge. Auch der soll nicht als Wortgeprassel verhallen.
Wir verzetteln uns hier, wer wem was vorwerfen kann. Es geht vordergründig um Griechenland und dann das Europa der Völker.
Mir will es nicht ins Herz und den Verstand, dass das griechische Volk als das kleinere Übel sich dem Ultimatum einer Hand voll Diktatoren unterwerfen soll. Mir gefällt auch nicht die dauernde Nachtrabpolitik linker Kräfte. Andere Völker haben sich auch anders entschieden. Siehe Ukraine, siehe Mittelamerika, siehe Südafrika. Wenn gilt, dass es immer mehr als eine Alternative gibt, dann gilt das auch in diesem Fall.
In diesen Ländern waren es auch keine spontanen Breitenbewegungen, sondern deren Aufgeklärteste haben zur Aktion gerufen.
Was heißt denn "... unsere völlige, vorbehaltlose Solidaridät zum Ausdruck bringen"? Mausklick und gut?
Die eine Hand an die Stirn und die andere aufs Herz!: Wie ist es, wenn in diesen Tagen bundesweit Demonstrationen organisiert werden. Wer ist tatsächlich dabei?
Ein echtes und wirksames Zeichen der Solidarität ist die europaweite (!) Beteiligung am griechischen Generalstreik morgen, Mittwoch!
Ruft dazu auf! Verbreitet es in den Netzwerken!
Auch wenn es anfangs naiv erscheint.


Am 14. Juli 2015 schrieb Theaterkritiker:

NACHTRAG:
hier die Deutsche Version der DEKLARATION VON DELPHI, beschlossen mit vielen internationalen Unterzeichnern bei der Konferenz der Delphi-Initiative am 22.06.2015:
www.voltairenet.org/article188114.html


Am 14. Juli 2015 schrieb Markus Schmitz:

@Reinhard Sichert

von welchem Kompromiss sprechen Sie? Tsipras hat kapituliert, ohne nur einen Hauch eines Kompromisses zu erreichen. Die ganzen Monate des Kampfes hätte man sich sparen können. Ebenso ein Referendum, an das man sich dann sowieso nicht hält. Das war doch alles nur ein Schauspiel der Syriza. Hätte man sich gleich unterworfen wäre wenigstens das vorherige Hilfsprogramm nicht ausgelaufen und man hätte die 7 Milliarden noch mitnehmen können. Nein, für den Kursschwenk von Tsipras habe ich null Verständniss! Ja ich meine Grexit und ich sage es, weil es für die Griechen eine Alternative, höchstwahrscheinlich eine Bessere gewesen wäre, als unter der Knechtschaft der EU-Diktatur weiter dahin zu siechen. Griechenland seines Stolzes beraubt, gedemütigt und "ausgeschlachtet". Für den ein oder anderen hier im Forum mag das eine gute Alternative sein, für mich ist sie es nicht!

Antwort von U. Gellermann:

Wenn die Griechen den Grexit wollen, werden sie das unmissverständlich äußern. Ihre sonderbare Form von Solidarität hatten Sie ja bereits in Ihrer erste Zuschrift formuliert: "Ein Grexit hingegen würde das Leiden möglicherweise nicht vermindern, aber die Leidensdauer verkürzen.“ Sie sind leider nur die Kehrseite der Kauder-Medaille.


Am 14. Juli 2015 schrieb Michael Kohle:

Auch ein uneingeschränktes Lob ist ein Kommentar. Ein Lob dem Artikel, ein Lob den Kommentaren zu Kommentaren. Danke auch dafür, dass er diese Wirrköpfe, die Verrat und Dolchstöße wittern, in den Senkel gestellt hat. Nur einem möchte ich widersprechen, dieser wirre Rand ist alles andere als links, nur dumm, schlimmer noch, dümmlich. Wer heute Morgen Tsipras Gesicht gesehen hat, muß doch begreifen.


Am 13. Juli 2015 schrieb Lutz Jahoda:

Das Elend der deutschen Dummheit ist groß.
Der Schaden lässt sich nicht leimen.
So werde auch ich das Gefühl nicht los:
Die Dummheit spricht deutsch.
Was mach ich bloß?
Und weiß darauf nichts mehr zu reimen.


Am 13. Juli 2015 schrieb Paul-Wilhelm Hermsen:

Sind die Griechen auf Koks?
Mir kommen ernsthaft Zweifel an den Fähigkeiten der derzeitigen griechischen Regierung. Wenn es Ernst wird, knickt das Parlament ein und setzt sich über das Ergebnis des Referendums hinweg - oder verstehe ich da etwas nicht?
Ist Varoufakis nicht mehr dabei, weil er wußte, was da passieren würde?
Und das Volk lässt dies tatsächlich zu?
Verko(r)kstes Durcheinander.
Oder hat einer der ganz großen Geldsäcke aus Übersee plötzlich seine Schatulle geöffnet und weit mehr auf den Tisch gelegt, um der City doch noch auf Dauer den Zugang zum Hafen von Soudas zu sichern?
Da dürfte ja tatsächlich mal Geld aus der Hochfinanz zurück geflossen sein, nach Griechenland, in die Taschen von wem auch immer.
So wird es wahrscheinlich sein.
Was ist ein Referendum wert, wenn da einfach der braune Onkel aus Übersee dezent aus dem Hintergrund braun drauf scheißen kann?
Ich bin platt - und tief enttäuscht.
Das völlig falsche Signal in Europa.
Warren Buffet wird wohl seinen Spruch erneuern können, indem er süffisant feststellte: "Wenn wir hier einen Krieg Arm gegen Reich führen, dann ist meine Klasse gerade dabei, ihn zu gewinnen."
Da sieht man mal wieder, wozu die Kaste der Politikdarsteller fähig ist.
Ab jetzt lasse ich die Sektkorken nur noch bei privaten Anlässen knallen.


Am 13. Juli 2015 schrieb Hannelore Blättermann:

Mir gefällt die Art nicht, wie Sie argumentieren, und der letzte Absatz Ihres Beitrags lässt zumindest darauf schließen, dass Sie mit Linken Ihre Schwierigkeiten haben, um es mal so auszudrücken. Sie disqualifizieren sich mit dieser Antwort, Herr Gellermann.

Antwort von U. Gellermann:

Da ich selbst links bin interpretieren Sie den Absatz falsch. Ansonsten hätte es mich gefreut ein Argument zu lesen.


Am 13. Juli 2015 schrieb Heinz Schneider:

Klar ist, dass Alexis Tsipras gestern nur die Wahl zwischen einem ungeordneten und fremdbestimmten Grexit und der Annahme des Spardiktats hatte. Er konnte, auch angesichts der klaren Haltung der Griechen, nicht anders entscheiden.



Klar ist auch, dass der gestrige Tag der Anfang vom Ende des Euros war. Die Demokraten Europas können nicht dulden, dass die Menschenwürde nunmehr unter Finanzierungsvorbehalt steht, die Jugend Südeuropas zugunsten der Rettung verzockter Finanzanlagen abgeschrieben wird und das Bestehen auf Volksentscheiden künftig als Drohung verstanden und mit dem Verlust der `Glaubwürdigkeit´ bestraft wird.



Beschämend, dass die vernünftigen Teile der europäischen Sozialdemokratie Ihren Widerstand aufgeben mussten, auch weil die SPD "von heute an voll auf Linie steht" (Wolfang Münchau, Kolumnist der Financial Times, in Spiegel online). Weiter schreibt Münchau: "Eine derartige Inkompetenz habe ich in der SPD-Führung noch nie erlebt"



Ich, SPD-Mitglied, stimme ihm ausdrücklich zu!



Nebenbei wird diese Inkompetenz direkt in die nächste Finanzkrise führen - wenn die übrige Welt keinen Weg findet, die europäischen Geisterfahrer aufzuhalten. Das feste Verschließen der Augen vor den nicht nur für Griechenland nicht tragbaren Schulden ist jedenfalls nicht klüger als das Verhalten eines Vogel Strauß in Gefahrensituationen, sondern schlimmer. Es signalisiert denjenigen, die gerade derart tatkräftig mit dem weiteren Aufpumpen der Vermögens- und Schuldenblasen beschäftigt sind, dass sie zum Nachdenken über den Herdentrieb keine Zeit mehr haben, nur folgendes: Dieses Europa wird lieber noch mehr Menschen in Perspektivlosigkeit und Hunger treiben, als euch beim nächsten Crash allein zu lassen. Moral hazard mit Ansage.



Ironie der Geschichte ist, dass wieder der Finanzminister, der den gangbaren Weg aus der Misere aufgezeigt hat, nämlich eine europäische Schuldenkonferenz , die Ausgliederung der nicht tragbaren Schulden sowie deren Streckung und Tilgung durch zu erhebende Vermögensabgaben oder Kapitalsteuern, zurücktreten musste.

Ein Deja-vu eben. Es war Oskar Lafontaine, der seine Forderung nach Regulierung der Finanzmärkte 1999 nicht im Amt überstehen konnte. Zu sicher waren sich (fast) alle anderen, das diese Forderung abwegig, ja gefährlich sei.



Und das die Crux: Dieses komplette Poltikversagen müssen weder die Banken und Anleger, sondern diejenigen ausbaden, die absolut nichts dafür können. Besonders die Jugend.

Die Folge: es wird weitergezockt, beim nächsten Mal heißt es wieder: "Staatssozialismus für die Reichen, Neoliberalismus für die Armen" (Ulrich Beck).


Am 13. Juli 2015 schrieb Herr Wurzelzwerg:

Wenn ich Ihre Bemerkung auf meinen Kommentar richtig verstehe, so gefällt es Ihnen, dass sich das griechische Volk von Tsipras jetzt erst recht ins unbeschreiblichste Elend hat zementieren lassen?

Antwort von U. Gellermann:

Da bin ich von Herzen froh dass Sie alles recht verstehen: Jemand, der Sie fragt ob Sie den Grexit wünschen, dem wird von Ihnen unterstellt, dass ihm das Elend des griechischen Volk gefällt. Zwar gibt mein Text diese Interpretation an keiner Stelle her, aber macht nix, sie wissen es sicher irgendwie besser.

Und auch, dass Sie genau wissen, "dass es dem durchschnittlichen Griechen egal ist, welches Hoheitszeichen sein Geld trägt" finde ich total toll und sachkundig. Denn der Grieche wird sicher von Ihnen Hilfe erfahren, wenn er demnächst Energie für Industrie und Haushalte in Drachmen einkaufen muss. Wahrscheinlich werden Sie dann persönlich die Drachmen in Euro oder Dollar eintauschen und die Energielieferanten zum Liefern bringen. Aber es hülfe vielleicht auch, wenn Sie ersatzweise das leere Stroh das Sie dreschen anbieten: Brennt bestimmt gut.


Am 13. Juli 2015 schrieb Klaus Madersbacher:

"So etwas gab es noch nicht in der Geschichte der Bundesrepublik," las ich vor kurzem.
Nun, in der Geschichte der Bundesrepublik nicht, aber doch in der Geschichte Deutschlands? Wer Goetz Alys "Die Vordenker der Vernichtung" noch nicht kennt, sollte sich mit diesem Buch beschäftigen, damit er/sie auch mitkriegt, was es geschlagen hat,


Am 13. Juli 2015 schrieb Achim Kessel:

Man redet Deutsch in Europa,

man spricht die Sprache des Kapitals, die ist beliebig. Hauptsächlich englisch aber auch immer öfter deutsch mit kernigem Ausdruck und schwäbischem Akzent.Das diese Leute keine Freunde von Sozialisten sind dürfte Jedem klar sein. Das man Linkssozialdemokraten, wie sie nun mal Syria darstellt, politisch keine Chance lässt wenn sie im Interesse ihrer Wähler handeln und demokratisch legitimiert sind, interessiert das die Büttel eben dieses internationalen Kapitals herzlich wenig. Wenn Tsipras nur einen Schritt offen in Richtung BRICS geht ist er entweder ein toter Mann oder wir haben eine zweite Ukraine. Der Welthegemon wird nie zulassen, dass Griechenland mit seiner strategischen Bedeutung aus der NATO ausbricht. Die Verwaltung unter einem Treuhandfond ist das aller Wahrscheinlichste.
Der oberste Schuldenverwalter Deutschlands hat dabei reichlich Erfahrung gesammelt und wird das Zubrot das beim verhökern staatlicher Einrichtungen Griechenlands entstehen noch als Kosten darstellen. Hatten wir schon.


Am 13. Juli 2015 schrieb Franz K.:

Endlich mal ein brillanter (pro-Bevölkerung engagierter) Artikel.
Vor allem der letzte Absatz, hat mir super gefallen. Bleibt zu hoffen, dass Syriza das korrupte griechische Pack erfolgreich die Zeche bezahlen lässt. Ich höre aber schon jetzt das Freiheits-Gezeter von Schäuble und co


Am 13. Juli 2015 schrieb Ulrich Fiege:


Hallo Herr Markus Schmitz:
"Das bedeutet, sollte auch das griechische Parlament zustimmen, dass der Ausverkauf Griechenlands beginnen kann. Die Kindes -Kinder der Griechen werden noch an den Schulden abbezahlen ganz egal, ob es dann noch eine EU und den Euro gibt oder nicht."

Das muss aber auf die gesamte EU übertragen werden, wir sind ja noch lange nicht durch wie Herr Gellermann wieder Eindrucksvoll beschrieben hat. Die Altersarmut und deren Folgen, den Bildungsrückstand samt Folgen, die Krisen und Kriege an denen wir uns beteiligen, die Ukraine als Brandherd vor der Tür und jetzt kommt TTIP durch die Hintertür und die großen Konzerne haben vorgesorgt und wollen eben wegen dem G7 Klima-Gipfel, die genauen Ziele definiert wissen und Gleichzeitig schießen die Kohlekraftwerke wie Pilze aus dem Boden, die Anteilseigner sitzen in den USA denn es sind ja nur Klima-Ziele die über TTIP zur Makulatur verkommen, alte Kraftwerke dürfen wegen der Systemrelevanz, gar nicht abgeschaltet werden meint die Bundesregierung und in der Summe gesehen, wird Europa gerade abgezockt. Von den Medien unbemerkt, die größten Dreckschleudern stehen im schönen Deutschland: https://sandbag.org.uk/blog/2015/apr/1/first-time-4-out-5-largest-eu-emitters-are-german-/ und wir können nur hoffen das es diesmal Unblutig enden wird auf diesem Kontinent und Verstand die Politik demnächst wieder mitbestimmt. Unter Punkt 1. finden Sie die Fossil-thermische Kraftwerke und welche durch ein Gesetzt der Bundesregierung nicht abgeschaltet wurden: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Kraftwerke#cite_note-1
gezählt habe ich 135 dieser Fossil-thermische Kraftwerke, wir sind noch lange nicht durch! Freundlichst, Ulrich Fiege


Am 13. Juli 2015 schrieb Reinhard Sichert:

Für mich ist Alexis Tsipras alles andere als ein Verräter, denn keiner von denen, die ihn jetzt vollmundig des Verrats bezichtigen, war bei der Marathonsitzung in Brüssel dabei und kennt die Zwänge, denen er sich ausgesetzt sah. Schließlich musste er in gewagter Gratwanderung die Interessen des gesamten griechischen Volkes vertreten, also auch die der knapp 39 Prozent Griechen, die im Referendum mit JA gestimmt hatten. Dies scheint oftmals geflissentlich übersehen zu werden. Außerdem war er gezwungen, im Sinne des ihm vom griechischen Parlament erteilten Mandats zu handeln. Dass er trotz des teils offenen Hasses, der ihm seitens der meisten Regierungschefs der Euroländer entgegenschlug, nicht einknickte und zu Kreuze kroch, sondern zumindest einen Kompromiss erkämpfte, mit denen seine Landsleute angesichts der kritischen Situation zu leben lernen müssen, zeugt eher von Mut und Standhaftigkeit und dem unbeugsamen Willen, unter widrigsten Umständen das Machbare für die Griechen herauszuholen. Denn offensichtlich war von vornherein ein Kotau der griechischen Verhandlungsdelegation erwartet und von der Mehrheit der EURO-Finanzministern am Tag zuvor in entwürdigender Weise gefordert worden. Dies war vor allem dem Syriza- und Linken-Hasser Schäuble zu verdanken, der gezielt auf das Scheitern der Gespräche hingearbeitet hatte, aber dann mit seinem entwürdigenden 5-Jahre-Grexit-Vorschlag eine klassische Bruchlandung hinlegte und sich vor aller Welt blamierte. Dies hielt unsere `Leitmedien´ jedoch nicht davon ab, sich sofort untertänigst zu befleißigen, ihn als unbeugsamen Verfechter der Interessen der aufgrund propagandistischen Trommelfeuers mehrheitlich anti-griechisch gepolten deutschen Bevölkerung zu glorifizieren und stolz darauf zu verweisen, dass er auf der Beliebtheitsskala der deutschen Politiker erneut zugelegt hab


Am 13. Juli 2015 schrieb Herr Wurzelzwerg:

Überraschend für mich nur die Diskrepanz zwischen den 61 Prozent am 5. Juli und der heutigen Devotheit gegenüber der EU. Hier nicht von Verrat zu sprechen, wäre doch wohl ein bisschen viel verlangt. Tsipras braucht Geld und wird von der EU erpresst, aber ich hätte nicht gedacht, dass er so buckeln würde. Ich war sowieso der Ansicht, dass die Trennung von der EU dem griechischen Volk ganz gut tun würde, jedenfalls besser, als wenn es sich unter den Knüppel der EU ducken muss. Und ich denke, obwohl die Legende von den 80 Prozent durch die Medien geistert, die den Euro behalten wollen, dass es dem durchschnittlichen Griechen egal ist, welches Hoheitszeichen sein Geld trägt, wichtig ist doch, dass er mit diesem Geld die Dinge kaufen kann, die er zum Leben braucht. Und wenn Merkel tönt, die Vorteile der gestrigen Beschlüsse der EU (für das Kapital) würden die Nachteile überwiegen, dann sollte es keinen Zweifel geben, was mit Griechenland und vor allem mit der griechischen Bevölkerung beabsichtigt ist, nämlich eine noch dagesehene Ausplünderung nationaler Güter und dem Lebensrecht einer ganzen Nation.

Antwort von U. Gellermann:

Wer Grexit meint soll Grexit sagen.


Am 13. Juli 2015 schrieb Günther Verhulst:

@ Markus Schmitz

In Ihren beiden Zuschriften finde ich das Wesen von Kauder & Co. nur auf links: Wer den Grexit meint - es ist die einzige Alternative zur EU - soll es auch deutlich sagen. Der soll dann aber auch mitverantworten, wen die EZB den Geldhahn zudreht, wenn die Schlangen vor den Banken zu langen Schlangen vor den Suppenküchen werden, wenn die Griechen nicht mal mehr konvertierbares Geld zur Investition haben. Oder denken Sie, dass man Maschinen und Ausrüstungen für Drachmen bekommt?


Am 13. Juli 2015 schrieb Manfred Ebel:

Herr Moritz bringt die Bewertung auf den Punkt: Die nackten Tatsachen sind das, was den Kapitalismus auszeichnet. Gegenseitige Erpressung und Übernahme von Staatseigentum - egal wessen. In Griechenland stehen jetzt schon Maersk und Deutsche Telekom mit Übernahme-Forderungen griechischen Eigentums bereit.
Nackte Tatsachen sind auch, dass Eigentümer und deren Politkasperle sich untereinander immer wieder ins Bekriegen kommen und wie im Konkreten nicht mal mehr das gilt, was sie selbst forderten.
Es gehört weiter zu den nackten Tatsachen, dass linke Kräfte keine Regierungsverantwortung im Kapitalismus übernehmen können, weil sie ohne das System zu ändern sich selbst und ihre Wähler verraten. Kapitalismus ist nicht reformierbar.
Historisch ist auch nackte Tatsache, dass Linke sich immer wieder auch organisatorisch und ideologisch von sozialdemokratischem Einfluss trennen müssen. Konsequent links und glaubwürdig heißt marxistisch-leninistisch und Weiterentwicklung auf konsequent diesen Grundlagen.
Syriza kann sich, wenn sie Syriza bleiben will, nur zu einem linken Programm entscheiden. M.E. bedeutet das radikale Abkehr von der EU. Egal, welcher Weg sonst eingeschlagen wird, endet der mit dem Elend der Massen.
Von der EU und den Mitgliedsstaaten ist nur noch die Umverteilung unter der Politkaste= Kapitalistenlobby übrig, sonst nichts! Deren einziger Zweck besteht darin, das möglichst unumkehrbar zu machen. Für die Massen hat das alles keinerlei Lebenswert.
Und , Uli, den Massen in Griechenland ist egal, ob sie Euro oder Drachmen abheben. Sie brauchen etwas zu essen und Lebenszuversicht. Die sind mit Kapitalismus niemals dauerhaft zu haben.
Bei allem Abwägen - mit EU kann es (auch) für die griechischen Massen nur noch schlechter kommen.
Unmäßige, unregulierbare Verschuldungen sind kein griechisches Problem. Sie sind das Problem des Kapitalismus und damit ein weltweites Problem, das er selbst nicht lösen kann und dessen Platzen eine Frage der Zeit ist.
Beide Entscheidungsrichtungen Griechenlands haben extreme Wirkungen auf die Massen weltweit: Resignation oder Aufbruch.


Am 13. Juli 2015 schrieb nora schmitz-gharbi:

Wie wahr ! Du schreibest: "All den SYRIZA-Kritikern ist gemein, dass sie im eigenen Land kaum Leute mobilisieren. Ihnen folgen auch jene deutschen Massen nicht, die in der andauernden offenen oder verdeckten Arbeitslosigkeit verharren, die immer noch bei den rund sechs Millionen Hartz-IV-Empfängern zu finden ist. "


Warum ist das so? Wir leben in einem Zeitalter der Manipulation durch Orwellsche Rhetorik. Sie wird eingesetzt um die Bevölkerung zu täuschen: So werden z.B. die Namen für Richtlinien so gewählt, dass sie auf den ersten Blick gut klingen. Dabei verlässt sich die Regierung auf die Ignoranz der Bevölkerung, gar nicht so genau wissen zu wollen, was sich wirklich hinter der Richtlinie verbirgt. Ergebnisse von Studien deuten darauf hin, dass die Fähigkeit der Bevölkerung zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden abnimmt, umso gefährlicher die Bevölkerung die Lage der Welt einschätzt. Gefühle von Unsicherheit breiten sich speziell in Zeiten wirtschaftlicher Krisen rasant aus und die Abhängigkeit von Sozialleistungen der Regierung nimmt zu. Dadurch nimmt die Zahl der Menschen ab, die noch in der Lage sind die Lügen der Regierung als solche zu erkennen.In Spanien trat z.B. das `Gesetz zum Schutz der Bürger´ in Kraft,das jedoch in Kontrast zu seinem Namen bürgerliche Grundrechte, wie das Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung, erheblich einschränkt.

Nein das ist kein Angriff auf fundamentale Rechte! Im Gegenteil verbessere es `die freie Ausübung dieser fundamentalen Rechte´. Unter den EU-Regierungschefs völliges Schweigen angesichts des in Spanien erfolgten Angriffs auf bürgerliche Grundrechte. Auffällig auch das Schweigen der Massenmedien, denen die Einführung des Knebelgesetzes kaum eine Meldung wert ist.Die Einführung des Polizeistaates in Spanien dient jedoch der weiteren Umsetzung der Sparpolitik, der Ausschröpfung der Bevölkerung zugunsten des Finanzsektors, mithin der Stabilisierung des Euro - also den wahren europäischen Werten. Somit `bussines as usual´, das in marktkonformen Demokratien keiner Schlagzeile bedarf.


Am 13. Juli 2015 schrieb Markus Schmitz:

@Antwort Uli Gellermann:

Lieber Uli, alles auch richtig, was Sie schreiben. Das Problem ist, dass eine Mehrheit der Deutschen der Meinung ist, dass wir Deutsche überhaupt keine Probleme hätten! ...
Wie ich gerade lese, hat man sich in Brüssel geeinigt und Tsipras hat bedingungslos kapituliert.
Das bedeutet, sollte auch das griechische Parlament zustimmen, dass der Ausverkauf Griechenlands beginnen kann. Die Kindes -Kinder der Griechen werden noch an den Schulden abbezahlen ganz egal, ob es dann noch eine EU und den Euro gibt oder nicht. Das ist das einzig Schlimme und darüber so glaube ich sind wir uns beide einig! Es gibt eben keine echte Solidarität, Solidarität oder was man so bezeichnet gibt es nur, wenn neokapitalisten damit Geld verdienen können.


Am 13. Juli 2015 schrieb Reyes Carrillo:

Ich sitze gepudert und mit weißer Bluse vorm leeren Blatt: Aufrecht, gerader Rücken, Brust raus, fesch das gegelte Haar zurückgekämmt, die Stirn in ernste Denkerfalten gelegt, die intellektuelle Weite in mir mit leichter Gänsehaut genießend: Ich übe „Besonnenheit und Tiefgang“. Also die Kunst der Abstraktion. Dann lese ich deinen Artikel nochmals – und reiße mir den Pulsmesser vom Handgelenk: Diese dreckigen Hunde, diese Erpresser, diese verdammten Kolonialisten, dieses dreiknöpfige große, fette, hässliche Arschloch (BUFFy) und ihr sein persönliches, hartes Schicksal an Schwächeren rächendes, ideologisch perforiertes Finanzoberarschloch!

Es ist der absolute Irrsinn, was da gerade in Brüssel passiert. Auch wenn ich nicht der Generation Twitter angehöre: Unter dem Hashtag „ThisIsACoup“ empören sich gegenwärtig weltweit Hunderttausende vor allem über den deutschen, kolonialen Umgang mit Griechenland. Der keynesianische Nobelpreisträger Krugmann ist einer davon. In der New York Times kritisiert er das deutsche „Moral-Getue“ und schreibt: „Die Forderungen der Eurogruppe sind der Wahnsinn und die Einschätzung ist absolut richtig, dass dahinter nur Staatsstreich-Gedanken stecken könnten. Die Forderungen der Eurogruppe sind vielleicht als Angebot gemeint, das Griechenland nicht annehmen kann; aber selbst dann ist es ein grotesker Betrug, für den das europäische Projekt niemals hat stehen sollen". So isset.

Danke für deine Zeilen über Spanien, lieber Uli! Es ist eine sehr kluge Strategie von dir, das spanische Drama peu a peu in den Fokus zu schieben. Es ist die ideale Zeit dafür. Du schreibst von dem bleiernen Land, wie ich es – verstört – kenne. Unterschätzt allerdings hatte ja ich noch vergangenes Jahr die Kraft der Spanier, der Diktatur einen wohlfeilen Arschtritt zu verpassen, hunderttausendfach auf die Straße zu gehen und der neoliberal-rechtskonservativen Marionette Rajoy ein wütendes, political incorrectes, unüberhörbares ¡Podemos! entgegenzuschmettern. (Und trotzdem fürchte ich mich vor November!)

Ich lasse mich ja zu Vielem hinreißen, aber über Alexis Tsipras zu urteilen gehört nicht dazu. Ich muss es Gott sei Dank ja auch nicht. Andere müssen das. Vor allem die Tsipras-Fahnenschwenker von letzter Woche. Ach Scheiße, ich mach’s doch: Ich bin und bleibe Tsipraistin! Punkt. Ich vertraue diesem Typen. Pest oder Cholera – wer wollte und könnte da die reine Lehre exerzieren und zelebrieren, hä? Ihr scheiß Klugscheißer aller Ecken und Rundungen! Andererseits: Vielleicht fehlt es dem Mann einfach nur an Besonnenheit und Tiefgang?


Am 13. Juli 2015 schrieb Georg Moritz:

Hoffentlich geht das Kalkül von Tsipras auf. Er hat sich den Rückhalt der Bevölkerung und der Opposition geholt; nun schlägt er selber vor, was ihm vorgeschlagen wurde, aber nicht ganz, so daß seine Vorschläge auf Ablehnung stoßen, gibt nicht klein bei - solange, bis die nackte Wahrheit zutage tritt, bis auch den anderen Staatschefs der Eurogruppe dämmert, daß es nicht um die "Rettung" Griechenlands geht oder um "Einhalten von Regeln" - Schäuble hat mit seinem Vorschlag einer "Treuhandanstalt" ja dankenswerterweise die Katze aus dem Sack gelassen: es geht um Ausplünderung Griechenlands nach dem Vorbild Ostdeutschlands im Zuge der "Wiedervereinigung".


Am 13. Juli 2015 schrieb Dario Vo:

In Europa wird die deutsche Sprache sicher eher von der Deutschen Bank vertreten, als von Sachsen, Bayern oder Schwaben. Macht aber nix, da die BR Deutschland jenseits imperialistischer Vorstellungen keine andere Existenzberechtigung hat, als die BR Jugoslawien oder Israel,
Wesentlich wäre da schon eine genauere Betrachtung der offenkundigen Machtkämpfe in SYRIZA. Wobei deren linker Flügel dann nicht einmal Marx, sondern Keynes aus der Tasche zieht. Ein Europa des Kapitals läßt sich leider nicht mit Sozialdemokratie bekämpfen. Da gibt SYRIZA wohl einen Ausblick auf Vizekanzler wie Katja Kiping oder Bodo Ramelow. In Spanien haben wir wenigstens noch die CNT, aber in Osteuropa meist aus den USA importierte Milliardäre. Gelegentlich auch Monarchen, die der Guillotine entkommen sind.
Kein Wunder, wenn muslimische Puritaner dann die Rolle von Luther oder Cromwell übernehmen. Eine sozialistische Perspektive schwächelt an der Sozialpartnerschaft mit dem Kapital.
Dabei wäre es mir völlig egal, ob ich meine Miete in Euro, D-Mark oder Rimimbi bezahle. Die in China gehaltene Staatsverschuldung der USA ist ja auch von keiner Wirtschaftsleistung gedeckt.


Am 13. Juli 2015 schrieb Markus Schmitz:

Sollte Tsipras und mit Ihm seine Syriza noch einen Funken Würde und Stolz in sich tragen, dann kann er das erneute Spardiktat der EU-Finanzminister nicht annehmen. Nicht nur, dass er sich damit komplett gegen den Wähler-, sprich Bürgerwillen der Mehrheit einer griechischen Bevölkerung stellen würde, auch die eigene tiefe Überzeugung und alles wofür Syriza gekämpft und geworben hat wäre verraten! Das Volk wäre erneut verraten worden, von der eigenen Regierung. All die Monate des Kampfes gegen die EU-Diktatoren wäre vergeblich gewesen. Dann hätte man sich auch gleich und von Anfang an bedingungslos unterwerfen können.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Grexit für das Volk nicht schlimmer sein würde, als die nun aufgestellten Forderungen der EU-Finanzminister. Leiden wird das Volk ohnehin müssen. Die Frage ist, wie sich dieses Leiden gestalten wird. Geht es nach den EU-Diktatoren, so wird sich dieses Leiden über Jahrzehnte hinweg erstrecken, unter dem Ausverkauf des griechischen Staatseigentums. Wirtschaftlicher Aufschwung, Produktivität und Arbeitsplätze ? ungewiss.

Ein Grexit hingegen würde das Leiden möglicherweise nicht vermindern, aber die Leidensdauer verkürzen. Mit einer neuen, eigenen Währung könnte Griechenland flexibler auf Produktion und Wirtschaft reagieren und der griechische Staat hätte sein Selbstbestimmungsrecht gewahrt.

Ich bin gewiss kein Finanzfachmann, oder Wirtschaftswissenschaftler. Doch ich liebe den Blick in die Geschichte, denn daraus kann man durchaus lernen, wenn man will. Diese Geschichte zeigt, dass eine Deflation immer gefürchtet wurde wie das Weihwasser vom Teufel. Denn Deflationen, also die Auflösung von Schulden auf einen Schlag und damit einhergehende Staatsbankrotte waren immer brutal und radikal in ihrer Auswirkung auf die Bürger und Staaten. Doch im Gegensatz zur schleichenden und von Staatslenkern immer bevorzugten Inflationierung, also den Abbau von Staatsschulden über einen langen Zeitraum durch ?wertlos Machung? des Geldes, erholten sich Staaten nach einem deflationären Staatsbankrott wirtschaftlich schneller. Man fängt einfach wieder bei null an. Alle, auch Banken fangen wieder bei null an! Bei der Inflation wird das Leiden immer über einen langen Zeitraum gestreckt, die Wirtschaft und auch die Menschen siechen dahin, das Ergebnis war meist ungewiss, ungenügend und unbefriedigend. Oft sind auch diese Experimente gescheitert. Der Blick in die Geschichte, so ist auch festzustellen zeigt, dass Staatsbankrotte mit Währungsreformen in unserem kapitalistischen System ohnehin unvermeidlich sind, ja sich gerade zu bedingen.

Was könnten also Szenarien sein, die auf uns zukommen?

Wenn Tsipras auf die Forderung der EU-Diktatoren eingeht, könnte das zu Aufständen in Griechenland führen, spätestens dann, wenn das Spardiktat weiter auf das Volk durchlägt; -und das wird es! Die Mehrheit des griechischen Volkes dürfte sich von der eigenen gewählten Regierung extrem hintergangen fühlen! Wenn man selbst der eigenen Regierung nicht mehr vertraut, dann ist der nächste Schritt der Volksaufstand. Dies dürfte nicht nur in Griechenland selbst zu extremen Problemen führen, sondern auch die Fliehkräfte innerhalb der EU verstärken. Ausgang eines solchen Unternehmens? - wenigstens ungewiss.

Wenn Tsipras die Forderungen der EU-Diktatoren ablehnt, ist ein Grexit unausweichlich. Die Bevölkerung wird auch hier weiter leiden. Es wird eine neue Währung, oder zumindest eine Parallelwährung zum Euro geben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wirtschaft und Produktivität jedoch schneller erholen, weil der Staat durch das Drucken der eigenen Währung flexibler auf seine Wirtschaft reagieren kann, ist sehr hoch! Auch die Dauer des Leidensdrucks auf die Bevölkerung dürfte kürzer sein. Die Mehrheit der Bevölkerung würde einen Grexit wohl akzeptieren, weil sie selbst ja auch dafür stimmte, einem Spardiktat nicht zuzustimmen.

Die Fliehkräfte auf die EU wären jedoch ebenfalls extrem, da das Spardiktat mit dem Austritt, wenn auch nur einem vorübergehenden Griechenlands, gescheitert wäre. Staaten wie Italien und Frankreich und Spanien dürften die Führungsrolle Deutschlands innerhalb der EU nicht mehr so bedingungslos hinnehmen wie bisher. Der neoliberale Wirtschaftskurs der EU stünde in Frage.

Egal, wie es auch kommt, machen wir uns nichts vor! An den Grundfesten der EU ist schon jetzt kräftig geruckelt, die Fliehkräfte werden weiter zunehmen. Unsere "Freunde", die USA und Großbritannien werden alles dafür tun, damit das auch weiterhin so bleibt. Denn auch das lehrt uns die Geschichte. Die USA und ganz besonders Großbritannien hatten noch nie ein Interesse an einem einheitlichen und starken Europa! Am allerwenigsten an einem von Deutschland angeführten! Leider scheint das immer noch nicht bei unseren Politikern angekommen zu sein.

Ein weitaus verlässlicherer Partner dürfte sich im Osten und in Asien befinden, aber mit dieser Meinung stehe ich möglicherweise ziemlich alleine da. Macht nichts, im Zweifel hilft immer ein Blick in die Geschichte, um daraus zu lernen, wenn man denn will!

Antwort von U. Gellermann:

Eine Mehrheit der der Griechen hat nicht NEIN zum Euro gesagt. Im Gegenteil haben sie bei ihren Banken abgehoben was abzuheben war. Zurück zur Drachme wird nicht zu mehr verkauften griechischen Produkten führen, höchsten zu mehr Tourismus, auch hier sind die Kapazitäten schnell erschöpft. Aber alles was Griechenland in anderen Währungen kaufen muss wird teurer, macht das Land ärmer. Auch die Schulden bleiben, die natürlich von denen, die sie eintreiben wollen, nicht gestrichen werden.

Ein Satz wie „Leiden wird das Volk ohnehin müssen“, impliziert, dass es dann ja auch noch mehr leiden kann. Solch ein Denken ist mir fremd. "Ein Grexit hingegen würde das Leiden möglicherweise nicht vermindern, aber die Leidensdauer verkürzen.“, klingt mir nach Sterbehilfe. Für die bin ich in Griechenland nicht zuständig.

Woran es den Griechen mangelt, ist nicht die Bereitschaft zum Widerstand. Es mangelt an internationaler Solidarität. Sehen wir uns unsere Deutschen an, für die wir ja ein gewisses Maß an Verantwortung haben: Sie finden in ihrer Mehrheit auch, dass die Griechen selbst Schuld sind. Uns aus dem Elend der deutschen Dummheit zu erlösen können nur wir selber tun. Die Griechen werden unsere Probleme nicht lösen.


Am 13. Juli 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

Nicht nur soll beim Einwanderer zuhause deutsch gesprochen werden, sondern auch in ganz Europa. Der ordentlichsten Nation der Welt außer vielleicht Singapur, entkommt man nicht so leicht, hat sie einmal den Besen in der Hand - wer hat ihr den nur gegeben?? Scheint, die Geister, die man rief, wird man nun nicht los und die Not ist groß.. Ich wünsche mir, dass die anderen Länder Europas Deutschland endlich nachdrücklich von der Alternativlosigkeit seiner Zwangsneurose befreien. Auch eine optische Behandlung gegen den Tunnelblick stünde an, der vor allem von der Besessenheit rührt, auf keinen Fall nach links zu blicken. "Augen zu und durch" hört man Frau Merkel förmlich sagen. In der Ferne winkt die Vision von der Großmacht Deutschland. Siehe z.B. Steinmeiers Rede an die deutsche Wirtschaft im Dezember 2014 http://www.wsws.org/de/articles/2014/12/05/stein-d05.html
und die Strategie, mit einem großen Medienapparat die leider zu friedliebenden deutschen Bürger von der Notwendigkeit vieler künftiger deutscher Kriegseinsätze zu überzeugen. Selbstverständlich für die westlichen Werte, die Demokratie, sagt man uns bisher.
Da man da aber schon bei Spaniens gegenwärtiger Abschaffung demokratischer Freiheiten beginnen müsste und demnächst vielleicht bei ähnlichen Zuständen in anderen EU-Ländern, heißt es vielleicht bald ebenso offen wie in Steinmeiers Rede: für unsere Notwendigkeiten als Exportnation, weil wir sonst unseren way of life nicht halten können - und wenn der angesichts von Niedriglöhnen, Sozialabbau und kaputter Infrastruktur auch nicht mehr so recht definierbar ist, dann waren die schuld, die die Alternativlosigkeit der neoliberalen Politik mit allem drum und dran nicht einsehen wollten. Die Linken. Zur gleichnamigen Partie fällt mir ein, dass auch von ihr ein Vertreter das Strategiepapier über "Deutschlands neue Verantwortung in der Welt" unterzeichnet hat. Damit ist dann wohl die Alternativlosigkeit besiegelt. Keine demokratische Entscheidungsmöglichkeit der Bevölkerung bei einer Frage, die das (Über-)Leben aller Bürger bestimmt. Fängt so der Export westlicher Demokratie an? Uns hat man nicht gefragt. Wir sind immer noch mehrheitlich zu friedliebend. Laut einem gefundenen Zitat stellte Rühe das schon 1992 fest. Dabei ging es doch Staaten, die sich aus kriegerischen Konflikten heraushielten gar nicht schlecht dabei, siehe z.B. Schweden und Schweiz. Aber das Volk ist eben zu dumm, wir blicken eben nicht genug durch um über unsere Lebensperspektive und Zukunft entschieden zu können, dass wir das offenbar auch nicht sollen, lässt ja allein schon Zweifel an den Zielen der Eliten aufkommen. Das Papier "Neue Macht,neue Verantwortung" http://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/projekt_papiere/DeutAussenSicherhpol_SWP_GMF_2013.pdf, stellt den westlichen Weg als den einzig akzeptablen für die ganze Welt hin , wie zuvor das Christentum. Und der Westen verstößt gegen seine propagierten Werte auch ebenso wie das Christentum. So kann man sich nicht gut verkaufen. Aber zu demokratisch soll es ja auch nicht sein, denn dann hätten am Ende noch wirklich die Menschen die Macht.


Am 13. Juli 2015 schrieb Hannes Stütz::

Warum stimmen die nicht für den Anschluß wie einst die zerfallene DDR ? Da ist doch alles gut gegangen. Stures Mittelmeer.

Antwort von U. Gellermann:

Um die Ironie zu verlängern: Die Treuhand hat Schäuble schon ins Spiel gebracht.


Am 13. Juli 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Danke für den Klartext!

Was jetzt in der EU geschieht, ist wahrlich kauderbar.
Die Großbankiers schwarzbrauner Geistigkeit und die ihnen befreundeten Familien bauen mit Hilfe von Gestalten wie Merkel, Schäuble, Gabriel und Kauder das politisch und geistig von zwei Weltkriegen noch nicht genesene, ausgehöhlte, scheinselbständige Konstrukt "Deutschland" nun zum dritten Mal als Haßfigur auf.
Aufgeladen mit der aberwitzigen Neocon-Ideologie aus dem Hexenkessel Chicago, handeln diese "Volksverträter" am anglo-amerikanischen Gängelband in der unseligen Tradition des `häßlichen Deutsche´ - Empathie-gestört, Oberlehrer-haft, rücksichtslos, kaltschnäuzig - aus vielen Ländern Europas sind Stimmen zu hören, die diese Schicht des deutschen Wesens mit dem in Beziehung setzen, was aus dem letzten tausendjährigen Reich an Bildern überkommen ist.
- Europa spricht `wieder´ Deutsch?
Horribile dictum!
Die Geschichte droht sich ein drittes Mal zu "reimen".
 

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