Kurz vor Krieg in der Euro-Manege

Daniel Cohn-Bendit, Rebecca Harms und die Nazis

KRIM-Bevölkerung mit Mehrheit für Anschluss an Russland*

Autor: U. Gellermann
Datum: 17. März 2014

Da saßen sie vor ein paar Tagen in der Plenartagung des Europäischen Parlamentes, all die Vertreter von Staaten, die sich der ekligen Flecken auf ihren frisch gebügelten Freiheits-Westen nicht bewusst sein wollten: Nahezu alle dort versammelten Staaten hatten sich mal widerrechtlich in Afghanistan rumgetrieben oder treiben es dort immer noch. Nicht wenige von ihnen hatten den Tod in den Irak getragen. Um die 50.000 Menschen wurden von Engländern und Franzosen in Libyen umgebracht. Einige von ihnen waren schon tapfer in Jugoslawien dabei gewesen, als Belgrad munter bombardiert wurde. Als sie gemeinsam mit der durch Drogenschmuggel finanzierten UCK (`Befreiungsarmee des Kosovo´) den Staat Kosovo ausriefen, dessen Autonomie nicht mal durch eine Volksabstimmung gedeckt war.

Jetzt aber ging es im EU-Parlament darum, einer Volksabstimmung schon vorab jede Legitimität abzusprechen: Der Abstimmung der Krim-Bevölkerung darüber, wie sie ihre alte Autonomie wiedererlangen könnte. Es ist jene Autonomie, die bereits in der Krim-Verfassung von 1992 garantiert und in einem Referendum 1994 von gut zwei Dritteln der Bevölkerung bestätigt wurde. Nun wird sie erneut von einer erkennbaren Mehrheit verlangt. Demokratie? Referendum? Wegen solch demokratischer Anstrengungen wurde schon mal ein griechischer Ministeräsident von der EU zurückgetreten, bevor die Griechen das Wort Volksabstimmung auch nur hätten aussprechen können. Und jetzt wollten die Krim-Russen das Veto der EU einfach ignorieren? Nein, schrie das EU-Parlament, das sei ja "die Aggression Russlands in Form der Invasion der Krim", und das Vorgehen Russlands stelle eine Bedrohung für die Sicherheit der EU dar. Merke: Wenn eine Bevölkerung abstimmen will, wird die Sicherheit der EU bedroht. Deshalb müsse das Krim-Referendum als "illegal" gewertet werden.

Schaum brandete auf vor den Mündern der Parlamentsmehrheit. Wenn jetzt der Putin in der Parlaments-Manege gewesen wäre, Löwen hätten sie losgelassen, dann hätte er mal sehen können, der neue Zar, wie echte Demokraten zubeissen können. Statt der Löwen kamen die grünen Clowns des EU-Parlamentes: Sie stolperten, fielen wieder hin, standen auf, wedelten mit kleine Tröten in den Händen. Die Rebcca Harms hatte eine rote Nase, der weißgeschminkte Dany Cohn-Bendit trug eine dieser absolut komischen Glatzen-Perücken. Sie hielten sich an den Händen und sangen: "Putin ist doof, Schröder aber auch, Putin ist doof, und der Schröder auch." Auf den Rängen des EU-Parlamentes ging das Entsetzen um. Zwei Irre sprachen das aus, was die Mehrheit denkt und will: Einen Maulkorb für Schröder. Der soll nicht mehr sagen dürfen, dass Deutschland im Verein mit den USA im Kosovo-Fall das Völkerrecht gebrochen hat. Klammheimlich darf man das denken. Aber sagen? Da geht doch der ganze Lack von Meinungsfreiheit und Demokratie ab! Vorhang! Vorhang!

Und während die Clowns in Brüssel noch Purzelbäume schlugen, organisierte Andrij Wolodymyrowytsch Parubij in Kiew die neue "Nationalgarde". Parubij ist der Mitbegründer der rechtsextremen Sozial-Nationalen Partei der Ukraine, des Vorläufers der heutigen Swoboda-Partei. Er ist als "Kommandeur des Maidan" bekannt und ein guter Freud des "Rechten Nazi-Sektors". Nun also soll neben der regulären Armee, eine private, paramilitärische Truppe von bis zu 60.000 Mann formiert werden. Parubij ist Chef des ukrainischen "Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates" und seine neue "Nationalgarde" ist natürlich ein Instrument des Bürgerkrieges. Denn in der regulären ukrainischen Armee gibt es Soldaten mit Zweifeln an der Legitimität der Putschregierung. Derweil drängen die US-amerikanischen Republikaner auf Waffenlieferungen an die Ukraine. Das Muster ist bekannt. Mit dieser Privatarmee lassen sich die Großdemonstrationen für Autonomie in der Ostukraine, in Charkow, Odessa und Donezk niederschlagen. Zumindest der Bürgerkrieg wird vorbereitet. Und wo ein Bürgerkrieg ist, das weiß man spätestens aus Libyen, da ist die NATO nicht weit.

*MELDUNGEN VON DER KRIM

Am Referendum auf der Krim nahmen mehr als 80 Prozent der wahlberechtigten Krim-Einwohner teil. Nach vorläufigen Angaben sprachen sich 93 Prozent der Teilnehmer am Referendum für einen Anschluss der Krim an Russland aus. - Wenn sich das Ergebnis erhärtet, haben nicht nur die Russen der Krim sondern auch Wähler aus den Minderheiten der Krim-Ukrainer und Krim-Tataren für den Anschluss an Russland gestimmt.

Entgegen irreführender anderslautender Meldungen deutscher Mehrheitsmedien gab es natürlich auch die Möglichkeit gegen einen Beitritt zu Russland zu stimmen, der nur nicht den Status vor der Unabhängigkeitserklärung, sondern eine Rückkehr zu einer früheren Verfassung bedeutet hätte – ebenfalls mit größerer Autonomie der Halbinsel.

Die Ukraine will in den nächsten Tagen Tausende Menschen zur Nationalgarde einberufen, teilte der Interims-Innenminister Arsen Awakow (Inhaber der "Basis-Bank" und diverser regionaler TV-Sender) mit.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 19. März 2014 schrieb Justus Trautmann:

Lieber Herr Gellermann,

Ich bekomme seit einiger Zeit Ihre Artikel als Email. Ich muss gestehen, dass ich sie aus Zeitgründen nicht immer und nicht alle lese, aber jetzt möchte ich die Gelegenheit nuten, Ihnen einmal zu antworten.
Zunächst freue ich mich, dass es offensichtlich doch noch ein paar Freigeister in unserer Republik gibt, die sich nicht von den Halbwahrheiten unserer ach so gerühmten freien Presse beeindrucken lassen, sondern sich das Recht herausnehmen, selbst zu denken und die Wellt selbst zu deuten!
Ich möchte mich hier nicht als Freund Putins outen, denn in der Tat finde ich Putins Politik in vielerlei Hinsicht schrecklich, bedenklich und inakzeptabel. Aber man muss die Dinge von einander Trennen können. Meine Ablehnung auf der einen Seite bedeutet eben nicht, dass daraus resultiert, dass alles was Herr Putin macht nur deshalb falsch ist, weil es Putin ist (das selbe gilt übrigens auch für Schröder, Cohn-Bendit, Harms etc.)
Was die Ukraine angeht, so halten wir zunächst doch einmal fest, dass die Krim von einem Staat, nämlich der SU, den wir als Unrechtsregime wahrgenommen und rezipiert haben, aus verwaltungstechnischen Gründen an die Ukraine angeschlossen wurde. Entsprach des denn dem Völkerrecht? Warum „gehört“ uns dann Österreich heute eigentlich nicht mehr?
Sodann betrachten wir das zurückdrängen der russischen Sicherheitsinteressen seit dem die SU implodiert ist.
Warum ist uns – also dem Westen – die Krim als Teil der Ukraine, notfalls auch gegen den Willen der Krim-Bewohner, so wichtig? Es kann dafür im Grunde nur geo-strategische Antworten geben, militärischer und energiepolitischer Natur. Einerseits als militärischer Stützpunkt, der sich gegen Russland richtet, andererseits als Basis mit Nähe zum zentralasiatischen Gasbecken. Beides vielleicht verständlich, aber eben nicht nur aus westlicher, sondern auch aus russischer Sicht!
Historisch und kulturell hat die Krim mit der Ukraine kaum etwas zu tun. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte die Krim zum russischen Zarenreich – bis in die Zeit zur sowjetischen Verwaltungsreform zu Russland – und die Mehrheit der Krim-Bewohner fühlt sich als Russen. Wozu also sollten wir künstlich einen Konfliktherd im Osten Europas etablieren, aus dem nichts Gutes resultieren kann? Wenn die Mehrheit der Krim-Bewohner nach Russland will, warum lassen wir sie dann nicht nach Russland? Mit anderen Worten: Sind mehr oder weniger demokratische Entscheidungen nur dann legitim, wenn sie in unser politisches und wirtschaftliches Weltbild passen? Darf man sich also von Russland abspalten aber nicht an Russland anschießen?
Ohne Frage ist Putins Vorgehen dennoch völkerrechtlich bedenklich, vielleicht aber auch ungeschickt. Sein größter Faustpfand wäre es gewesen, die Abstimmung international überwachen zu lassen. Dann hätte der Westen zwar immer noch das Argument des Verfassungsbruches gehabt, moralisch wäre ein Anschluss an Russland aber einwandfrei gewesen. Man muss schon sehen, dass Russland an dieser Stelle versucht, mit den Emotionen der Bevölkerung zu spielen und Zeit – die für ein international überwachtes Referendum nötig gewesen wäre – ist für Emotionen immer nachteilig. Genau das Gegenteil passiert übrigens gerade in Kiew. Hier will man möglichst viel Zeit bis zu den Wahlen haben, nicht allerdings um Emotionen auszuschalten, sondern um Tatsachen schaffen zu können. Hier benötigt insbesondere der „Rechte Block“ Zeit, um sich in den politischen Strukturen etablieren und festsetzen zu können und dann auch bei einem (hoffentlich) schlechten Wahlergebnis aus diesen Strukturen heraus weiter agieren zu können.
Wem aber nützt die gegenwärtige Eskalation auf der Krim und eventuelle Wirtschaftssanktionen gegen Russland? Man mag es schon gar nicht mehr sagen, weil es immer das Gleiche ist, aber deshalb nicht unrichtiger wird: Eine Reihe von us-Konzernen würde sehr gerne die ausbleibenden Gaslieferungen ersetzen – selbstverständlich zu einem entsprechenden, nämlich zu ihrem Preis und Europa braucht das Gas als Energieträger dringend. Als nächstes steht dann das umstrittene Freihandelsabkommen mit den USA auf dem Plan – selbstverständlich inklusive der Beseitigung der insbesondere von us-Konzernen als hinderlich empfundenen europäischen politischen Einmischung. Denn die Freiheit – die immer mehr und zunehmend als Freiheit des Kapitals gedeutet wird – braucht keine Beschränkungen und offensichtlich auch keine Regeln durch die Politik.
Wie dumm muss Europa sein, sich sehenden Auges in eine solche Vasallenknechtschaft zu begeben, nur um des Prestiges einer in der Tat (noch?) nicht demokratisch legitimierten Regierung in Kiew wegen?
Oder ist der Plan doch der, dass die Ukraine inklusive der Krim Teil der EU und dann auch Teil der NATO werden soll. Wem wundert da noch das Vorgehen Russlands?
Wundern kann man sich eigentlich nur noch über das Agieren und die Verlautbarungen der deutschen „neuen Linken“ aus Grünen und Teilen der SPD. In diesem Sinne muss man schon sehr froh sein, dass das Versagen der „neuen Linken“ heute durch die „alte Linke“ in Form der Linkspartei als öffentliches Korrektiv in nicht ganz bedeutungslosen Umfang zumindest Teilweise revidiert wird. Auch hier gilt natürlich, dass nicht alles, was die Linkspartei sagt und tut unumstritten und richtig ist. Zu einer Demokratie gehört immer auch der Diskurs und der Widerspruch, auch und vor allem der innerparteiliche.
Ich fürchte nur, dass wir es wie immer erleben müssen, dass das Thema Krim von den Medien dazu genutzt werden wird, gegen die Linke zu wettern, wo immer es geht und mit Methoden, die mit einem sachlichen Diskurs nichts mehr zu tun haben werden. Das hat ja schon begonnen, indem man Sahra Wagenknecht und anderen vorwirft, Putin zu verteidigen, nur weil sie es wagen, sich eine andere Weltsicht zu erlauben, eine Weltsicht, die nicht der Cohn-Bendits und Harms´ entspricht und die von keinem Kapitalisten der Welt finanziert wird, weil sie viel zu unabhängig von der öffentlichen Deutungshoheit interessierter Kreise ist und sich nirgendwo auf der Welt versilbern lässt! – Wie gut das bald Europawahlen sind!


Am 19. März 2014 schrieb Rüdiger Becker:

Wenn Gellermann ein Putin-Knecht ist, will ich auch so genannt werden.


Am 18. März 2014 schrieb Reyes Carrillo:

„Ihre Parteinahme wird Ihnen noch leid tun, Sie Putin-Knecht!“. Also, ich glaube, dass dieser geradezu göttliche Satz einmal zu einem Klassiker in Ihrer Galerie werden wird, lieber Herr Gellermann! Ich jedenfalls habe hier noch nichts Vergleichbares an satirischer Substanz bei gleichzeitiger griffiger Kürze gelesen. Ein absolutes Kleinod unter Ihrer Leserkritik. Bewahren und pflegen Sie es gut! Das meine ich übrigens völlig ernst.

Völlig ernst meine ich es auch, dass mir der den Titelhelden Ihres Artikels gewidmete Absatz wie süffiger Krim-Sekt die trockene Kehle hinab rann und meine darniederliegende politische Stimmung sogleich aufhellte: „…und wedelten mit kleinen Tröten“ – zum Hinknien! Überhaupt endlich auch mal wieder ein Thema, das geeignet war, Ihrer hauseigenen Ironie den Hahn zu öffnen.

Dass die Grünen einmal zu den ganz ekeligen, dummdreisten russophoben Hetzern gehören würden, das hat mich zumal in dieser Dimension überrascht. Die frühen Grünen, die öko- und noch friedensbewegten Aufmischer der deutschen Politik kenne ich leider nur aus Erzählungen. Aber Fischer und dann natürlich auch Schily und Cohn-Bendit hatten es schon vorgemacht, zu welch erschreckenden Transformationen olivgrüne Geister fähig sind. Und ja, ich beichte, ich fand früher mal die Petra Roth nicht gaaanz sooo schlecht. Moment, bitte, gleich wieder da… (Sie kennen das ja von mir, wenn’s mir plötzlich den Magen umdreht) …. So, zurück, ja genau, wenn ich deren Gequatsche heute höre und lese, dann muss ich einfach kotzen. Wobei die Schröder-Geschichte natürlich schon ein ganz besonderes Leckerli ist.

Über den Ausgang des Krim-Referendums freue ich mich - in nachgerade sprichwörtlicher Klammheimlichkeit - sehr! Gut so. Bei der Krim-Debatte letzte Woche im Bundestag sah man Ihren Freund Wolfgang Gehrke während der Rede seines Obergenossen Gysi versteinert und ermattet in seinem Stuhl hängen – ich konnte ihn mehr als verstehen! Den Völkerrechtsbruch beim Kosovo mit dem Krim-Referendum gleichzusetzen, das stößt auch bei mir auf größtes Befremden. Nebenbei bemerkt war es übrigens derselbe Gehrke, der die bisher klarsten Worte zu den Grünen gefunden hatte.

Und abschließend eine Bitte: Lieber Herr Neumann, ich will mich, wie der böse Uli, auch einen Putin-Knecht, also eine Putin-Knechtin rühmen dürfen! Darf ich? Bitte, bitte!


Am 17. März 2014 schrieb Ulrich Fiege:

Auf Hajo Neumann: "Ihre Parteinahme wird Ihnen noch leid tun, Sie Putin-Knecht!"

Das war, - nein muss Satire gewesen sein denn mitten in Europa sieht es so aus, Zitat: "Nachrichtensperre kurz vor der Europawahl: ?Verschwiegenes? Referendum mitten im Herzen der EU!" Die Adresse dieser Ungeheuerlichkeit liegt hier:

http://guidograndt.wordpress.com/2014/03/17/nachrichtensperre-kurz-vor-der-europawahl-verschwiegenes-referendum-mitten-im-herzen-der-eu/

BBC und ORF sind Berichterstatter dieser Politik aber durch ARD und ZDF sieht der Knecht auf beiden Augen nichts!


Am 17. März 2014 schrieb Pat Hall:

HA HA HA ,es wollen einige die Wahrheit nicht fassen ?
Gerne ausloggen und bleibt der verlogenen Presse Treu !
Folgt weiter dieser EU, die Rentner in die Armut treibt und 1 Euro-Jobs als Arbeitsplätze anbietet.
Wo Mieten nicht mehr bezahlbar sind und Menschen unter Brücken schlafen müssen weil z.T. das ersparte Geld für die Altersvorsorge vom Staat konfisziert wurde ?
Wer noch ein wenig Grips im Kopp hat wird Putin´s Entscheidung begreifen können !
Anders die Foren-Trolle die anderer Ansicht sind.
 


Am 17. März 2014 schrieb Moyra Mangold:

Wieder ein gelungener und sehr informativer Artikel. Danke. Nach der Durchsicht neuester Infos stellt sich bei mir etwas Schadenfreude ein. Diese EU-Platzbirnen rudern allmählich zurück und das Geschrei nach Sanktionen ist mittlerweile leiser geworden. Illegales Referendum? Das Volk entscheidet was es möchte und das ist illegal? Das hat schon eine gewisse Logik denn hier ist es legal, dass das Volk nicht entscheiden darf. In Übersee kracht hingegen die Enttäuschung über die fuck you Europäer aus allen Nähten und kanalisiert sich über den Politclown Mc Cain der wörtlich meinte: "Russland ist kein Land sondern eine Tankstelle", sehr ansprechend (hüstel), liegt aber bei mir noch auf Platz zwei. Nur das "Kinn des Erfolgs-Kerry" konnte das bisher mit seiner Aussage über zivilisiertes Benehmen toppen. Heute abend trinke ich einen gepflegten Wodka.




Am 17. März 2014 schrieb Detlev Matthias Daniel:

Allein der Umstand, daß dieser Beitrag als Parteinahme für Putin verstanden wird, sollte zu denken geben. Freilich sind in einer derart polarisierten Stimmung immer nur zwei Positionen sichtbar: schwarz und weiß. Vordringlichste Aufgabe wäre demnach zu entpolarisieren. Das erreicht man aber nicht mit solchen Beiträgen.

Ich schlage vor, noch deutlicher herauszustellen, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Auf der einen Seite der böse Putin, der die Krim okkupiert und die Leute vor Ort nach seiner Pfeife tanzen läßt (dazu gehört die Forderung, daß ER das Referendum abblasen sollte), - auf der anderen Seite "das unbeugsame Volk" auf dem Maidan, das seinen eigenen Willen durchsetzt und sich natürlich von niemandem bestimmen läßt, auch nicht von einem von den eigenen Repräsentanten ausgehandeltem Abkommen.

Dabei ist die Frage natürlich nicht unproblematisch: Wem gehört das Land? Wo kämen wir hin, wenn überall die reicheren, entwickelteren Regionen sich aus ihren Staaten verabschieden würden, um nicht teilen zu müssen? Andererseits, welchen Wert hat Demokratie, wenn der Souverän, das Volk nicht einmal über sich selbst befinden darf? So einfach ist die Antwort nicht. Ich prognostiziere, sie werden Beweise finden müssen, daß das Referendumsergebnis manipuliert wurde, sonst können die westlichen Meinungsfabrikanten ihre Produktlinie nicht weiter verkaufen.

Dazu gehört auch die Diskussion um das Völkerrecht, das ja nicht unbedingt dazu geschaffen wurde, Demokratie und Menschenrechte zu schützen. Wenn diejenigen, die die formaldemokratisch konstituierten Verhältnisse gewaltsam umgestürzt haben, sich jetzt lauthals auf das Völkerrecht berufen, ist das schon reichlich bizarr. Sie, die demokratisch nicht legitimierte Übergangsregierung will jetzt so schnell wie möglich vollendete Tatsachen schaffen und die Westbindung der Ukraine völkerrechtlich festschreiben, bevor eine gewählte Regierung noch einmal in die Suppe spucken könnte. Oder sind es Merkel und Co, die ihre Vasallen in Kiew hüpfen lassen, um ihrer Okkupation einen völkerrechtlich einwandfreien Anstrich zu geben?


Am 17. März 2014 schrieb Hatto Fischer:

Erstmals möchte ich etwas zu Daniel Cohn Bendit und Rebecca sagen da Du ihre Namen im Titel ankündigst, aber im Artikel selber folgt nichts dazu.. Zu erwarten wäre, Du würdest etwas zu beiden sagen, da sie im Europäischen Parlament einen Antrag einbrachten, der Schröder verbieten sollte etwas zum Verhältnis EU - Ukraine zu sagen. Statt Redeverbot wäre eine offene Debatte eher angebracht. 

Ein zweiter Punkt sei zu erwähnen: nicht dem griechischen Präsidenten, sondern Premierminister wurde von seiten der EU klar gemacht, er würde das bereits beschlossene Rettungspacket für Griechenland gefährden, wenn er ein Referendum abhalten würde. Jorgios Papandreou nahm dann seinen eigenen Vorstoss zurück. Wie das politisch ausgelegt wird, hat also mit EU Entscheidungsvorgängen zu tun, aber die Art und Weise wie Du das darstellst, entstellt vollkommen den Vorgang.

Was aber Deine insgesamte Argumentation betrifft, so kann das als eine eindeutige Partei-nahme zugunsten der Russischen Vorgehensweise interpretiert werden. Schuld hat der Westen, und ferner der Westen ist in moralischen Widersprüchen verstrickt, nicht aber Russland (so als wäre Russland auch niemals in Afghanistan gewesen). 

Deine Sichtweise und Argumentation begeht, philosophisch und ethisch gesagt, einen grundsätzlichen Fehler. Du kannst einfach nicht begangenens Unrecht auf der Seite des Westen benutzen, um die Vorgehensweise der russischen Seite `unkritisch´ darzustellen, so als sei das eine Selbstverständlichkeit. Praktisch bin ich schockiert von Deinem Versuch die russische Vorgehensweise in einem unschuldigen Licht darzustellen, wenn etwas ungeheuerliches geschieht. Dies nicht bei seinem wirklichen Namen zu benennen, gibt Deinem Artikel eher den Beigeschmack einer `Hetze´ gegen den Westen. 
Andreas Papandreou schrieb einmal zum Junta Putsch in Griechenland ein Buch mit dem Titel "Democracy under gun point". Ähnliches geschah gestern als das Referendum unter ganz besonderen Ausnahmebedingungen geschah, um dann ein 96% Zustimmungsquote zu vermelden, so als wäre das ein glaubwürdiges Ergebnis. Folglich ist Deine politische Argumentationsweise nicht nur naiv, sondern eine Abrede der Grundvoraussetzung für was doch auch Putin für wichtig erachtet, und zwar eine moralische Legitimation. Die kann aber nicht per Waffengewalt erzwungen werden.

Antwort von U. Gellermann:

Die Passage über Harms und Bendit ist, zugegeben, ein wenig poetisch formuliert. Aber sie sind die Clowns von denen ich erzähle und der Satz: "Zwei Irre sprachen das aus, was die Mehrheit denkt und will: Einen Maulkorb für Schröder" schien mir ziemlich unmissverständlich.

Der Rücktritt von Papandreou wurde damals in allen deutschen Medien (von rechts bis links) und auch von den griechischen Stimmen die bei uns zu hören waren als Folge des angekündigten Referendums gewertet. Ich bin sehr gespannt was ein anderer Grund sein könnte.

Während in Kiew mit der Waffengewalt der Nazis (und der Verletzung des Völkerrechts durch drei EU-Außenminister) eine illegitime Regierung installiert wurde (keine Einhaltung der ukrainischen Verfassung, Druck von der EU und NATO) sehe ich aus der Krim im deutschen öffentlich-rechtlichen TV nur fröhliche Leute (und Du kannst mir glauben, sie haben sich Mühe gegeben andere Bilder zu finden).

Wenn Du doch zu der von Dir geglaubten `Hetze gegen den Westen´ auch nur ein einziges Argument anfügen würdest - kannst Du meine Fakten widerlegen z. B. - wäre ich Dir dankbar. Denn zu puren Behauptungen fällt mir einfach nichts ein.

Das Krim und Ukraine-Problem ist - neben seiner subjektiven, menschlichen Dimension - wesentlich geostrategisch. Da leuchtet es mir ein, dass Russland nicht noch weiter von der NATO eingekreist werden will.


Am 17. März 2014 schrieb Dario Vo:

Verteidigung eines sozialistischen Genossen von einem Anarchisten
Wir Anarchisten lieben keine Staaten. Wir sehen auch nicht, dass Referenden eine permanente, demokratische Rätestruktur mit imperativen Mandaten ersetzen kann. Auch Parlamente können dies nicht.
Aber auch Anarchisten kennen die gängigen Imperialismustheorien und die Geschichte der Arbeiterbewegung. Hier insbesondere die Frage einer Unterstützung für nationale Interessen, die 1914 von der SPD mit der Zustimmung zu Kaisers Kriegskrediten beantwortet wurde.
Schon damals war nicht erkennbar wie denn ein Krieg den Interessen der Lohnabhängigen dienen soll. Ob Frankreich oder Deutschland Erzgruben im Elsass ausbeuten, kann Minenarbeitern egal sein.
Lange Zeit konnte die Wirtschaft der UdSSR nicht imperialistisch sein. Dort gab es kein Paradies der Lohnabhängigen oder gar der Bauern. Aber wenigstens blieb der erwirtschafte Gewinn im Land. Seit 1989 erst gehört Russland wieder ins Konzert des Imperialismus. Dabei geht es um Mitgliedschaften in G8 oder WTO und nicht um den Säufer Jelzin oder den Technokraten Putin.
Es ist auch leicht, gegen Schwulenhasser wie Robert Mugabe oder Wladimir Putin zu polemisieren. Nur beantwortet es nicht die Frage von Lohnabhängigen.
Müsste ich in Moskau leben, würde ich bei Pussy Riot nachfragen, wie ich denn gesellschaftliche Veränderungen unterstützen kann. Als Bürger der EU kann ich nur danach fragen, wie sich die Ukraine dem Griff eines Europas des Kapitals entziehen kann. Auffällig ist nur, das lediglich die Ostukraine mit den Rohstoffen aus dem Donezkbecken IWF-Krediten bezahlen kann. Ruinen wie Tschernobyl taugen dafür nicht.
Der Rationalgalerie danke ich für die wesentlichen Fragen und auch für Infos. Wenn Uli Gellermann heute als Putin-Freund beschimpft wird, dann wäre er 1914 ein Franzosenfreund gewesen und ich achte ihn sehr.


Am 17. März 2014 schrieb Friedemann Wehr:

Die Rolle der GRÜNEN ist da viel zu humoresk dargestellt. In der Liste fehlen noch einige Pappnasen: Da ist noch so ein merkwürdiger Abgeordneter, namens Werner Schulz, den eigentlich keiner kennt, der regelmäßig die trüben Tassen, bekannt unter "Pussy Riot", für den Sacharow-Preis und Luther Preis vorgeschlagen hat.

Auf der Website von Rebecca Harms berichtet diese stolz, dass sie mit Werner in Charkiw Julia Timoschenko im Krankenhaus besuchen durfte. Sogar der CDU-Mißfelder hat Timoschenko als Kriminelle bezeichnet.

Zu diesem europäischen Trio Infernal stößt noch die Spezialistin für Betroffenheit und Bestürzung, Claudia Roth, die den IOC-Präsidenten Thomas Bach scharf kritisiert hat: "Dass Bach jetzt als Herr des IOC bei der Eröffnung der Paralympics mit Putin Champagner trinkt, das ist für mich unerträglich", sagte die Grünen-Politikerin der "Saarbrücker Zeitung" und sprach von einer "Verhöhnung der Opfer auf dem Maidan. Und auch der Menschen, die weltweit in der jetzigen Situation Angst haben".

Antje Vollmer hat über Rebbecca Harms in der Berliner Zeitung geschrieben: Sie hat zweifellos seit den Zeiten von Tschernobyl enge Freunde in Kiew. Die Zuspitzung der grünen Position durch sie und Marie-Louise Beck (die hat den anderen Strolch Chodorkowski im Adlon besucht - Anmerkung von mir) halte ich jedoch für verheerend. Plötzlich finden sich die Grünen rechts von Egon Bahr, Henry Kissinger und Helmut Kohl. Grüne Politik begann immer damit, Bomben und Feindbilder im eigenen Kopf zu entschärfen und Auswege aus Konfrontationen zu suchen, die die andere Seite auch realistisch gehen kann.

Ich schlage vor, die GRÜNEN zum Schmock des Jahrzehnts zu benennen.


Am 17. März 2014 schrieb Harry Popow:

Lieber Autor, Sie schreiben so toll, mit einem klaren Standpunkt, den man bei westlichen Kriminellen vergeblich suchen sollte. Wie recht auch Max Kinski hat mit seiner Meinung zu Herrn Neumann. Ein BILD-Gestörter kann nicht argumentieren, das ist erwiesen. Im Übrigen: Wer sich nicht einmal bemüht, nach mehr Wahrheit zu forschen, ist selbst ein Opfer der kriminellen Handlungen der westlichen Welt. Ist es wieder soweit, dass geistig amputierte Leute jubelnd - wie damals vor dem Überfall auf die Sowjetunion - in den Krieg ziehen würden? Gellermann und zahlreiche linke Medien - die man natürlich oft nur online lesen kann - schreiben gegen die zunehmende Verdummung an. Neumann ermutigt, auch mich: Weiter so!!!


Am 17. März 2014 schrieb Max Kinski:

@Hajo Neumann:
Derartige Drohungen sprechen ja für sich, Herr Neumann. Und sie zeigen, wes Geistes Kind Sie sind. Argumentieren Sie doch einfach! Oder ist das zu anstrengend?


Am 17. März 2014 schrieb Dirk Görtz:

Super Kommentar ! Kann mich nur vollständig anschließen.
Wenn ich Rationalgalerie lese, wird mir immer sehr schön klar, wie sehr wir doch offiziell eingenordet werden sollen, eine bestimmte Suchtweise einzunehmen, nämlich die geopolitische Sicht der USA.


Am 17. März 2014 schrieb Eva Jablonski:

Lieber Herr Dr. Kühl, es ist immer schwer erträglich mit der Wahrheit zu leben.


Am 17. März 2014 schrieb Dr. Hans Ulrich Kühl:

Bitte löschen Sie mich von Ihrer Liste der Abo-Leser. Ihre Positionen sind mir zumTeil unerträglich.


Am 17. März 2014 schrieb Jenny Oberhaus:

Ich kann Herrn Schönberg nur Recht geben: Vom 16. bis 21. März findet in der Region Venetien ein Referendum über die Abspaltung von Italien statt. Die Bürger sollen auf die einzige Frage antworten: „Willst du, dass die Region Venetien eine unabhängige und souveräne Republik wird?“ Marschiert dort jetzt die NATO ein?


Am 17. März 2014 schrieb Tilo Schönberg:

Hmmm... und unsere glorreichen "Demokratie-Vereidigungs-Dingens" schauen in die völlig falsche Richtung! Südlich von uns "schmiert" gerade Venedig ab! Ist aber wohl nicht weiter wichtig - Unsere "Qualitätsmedien" berichten darüber gar nicht!
Ciao Venezia !!!


Am 17. März 2014 schrieb Hajo Neumann:

Ihre Parteinahme wird Ihnen noch leid tun, Sie Putin-Knecht!

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