Kobane retten - Mit Syrien reden

Die IS-Debatte: Zwischen Heuchelei und Schlaubergerei

Autor: U. Gellermann
Datum: 16. Oktober 2014

Mach mal Türkei: Das ist eine der gängigen Forderungen deutscher Medien zur Rettung der vom "Islamischen Staat" bedrohten Kurden im syrischen Grenzort Kobane. Mach mal UNO, lautet die Forderung der GRÜNEN-Chefin Göring Eckardt, wenn es um den Kampf gegen den IS und die Verteidigung der Stadt Kobane geht. Dieser bestenfalls naiven Forderung haben sich Abgeordnete der Linkspartei angeschlossen. Dass Kobane in Syrien liegt, dass dort immer noch eine Regierung im Amt ist, die man mal fragen müsste, wenn man militärisch auf ihrem Gebiet agiert. Dass es zur Rettung der Menschen in Kobane und anderswo sinnvoll wäre mit dieser Regierung zumindest zeitweilig zu kooperieren, mag nur den scheinbaren Moralisten nicht einfallen.

Mach mal Türkei: Es sind die selben deutschen Politiker, die heute auf die Türkei setzen, die sich seit Jahrzehnten der türkischen Sprachregelung angeschlossen haben, nach der die PKK (Kurdische Arbeiterpartei) - die aktivste, schlagkräftigste der kurdischen Oppositionsgruppen - terroristisch sei. Kein Wort dieser Heuchler zur erneuten Bombardierung von PKK-Kräften durch die türkische Armee. Keine Rücknahme des Terrorismus-Verdiktes. Auch nur wenige Worte darüber, dass die Türkei eine neo-osmanische Politik gegenüber Syrien betreibt. Herr Erdogan will den Sturz Assads, um sich mindestes ein Stück aus Syrien rauszuschneiden, wenn nicht gar das ganze Land zum Einflussbereich des NATO-Partners Türkei zu erklären.

Der deutsche NATO-Partner schweigt auch deshalb so finster, weil er selbst am Regime-Change in Syrien beteiligt ist: Hatte doch der notorische Think-Tank der Bundesregierung, die "Stiftung Wissenschaft und Politik", schon im Juli 2012 rund 50 syrische Oppositionelle nach Berlin eingeladen, um den "Day After" zu beraten, den Tag nach dem Sturz des syrischen Präsidenten Assad. Die Opposition der PKK galt und gilt der Bundesregierung als böse. Die syrische Opposition, weitgehend islamistisch und in ihren bewaffneten Formationen kaum vom IS zu unterscheiden, galt und gilt als gut. Auch deshalb empfand die Merkel jüngst den Chef-Diktator von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, als "glaubwürdig" und als Verbündeten im Kampf gegen den "Islamischen Staat". Nur zu Erinnerung: Es ist das selbe Katar, dass seit Jahr und Tag, mit freundlicher Unterstützung der USA, brutale islamistische Milizen aller Art in Syrien mit Waffen und Geld versorgt.

Mach mal UNO: Das hört sich doch gut an. Die Völkergemeinschaft wendet sich gegen den Völkerfeind IS und dann ist Frieden und wir alle singen irgendeinen Choral. Mag sich diese oder jener doch bitte erinnern, dass es ein UNO-Ticket war, mit dem die USA in Libyen einen Regime-Change exekutierten, der 50.000 Tote und ein kaputtes Land hinterließ. Auch in Syrien geht es den USA und ihren dumm-gefährlichen deutschen Verbündeten um einen Machtwechsel und darum, den letzten russischen Militärstützpunkt außerhalb des alten sowjetischen Gebietes zu liquidieren. Und natürlich auch um Öl und Gas und überhaupt. Wer die UNO als Schutzschild vor seine Interessen hält, der hält sich für besonders schlau und setzt auf die Vergesslichkeit der Medien-Konsumenten.

Diese Schlaumeierei muss auch jene 14 Abgeordnete und Funktionsträger der Linkspartei angetrieben haben, die - hinter dem Rücken der Fraktionsmehrheit und im Bündnis mit der Chefredaktion des "Neuen Deutschland" - einen Aufruf für einen Militäreinsatz in Syrien mit einem UNO-Mandat veröffentlicht haben. Unterschrieben haben die üblichen Verdächtigen vom rechten Rand der linken Partei: Bartsch, Liebig, Pau und wer sonst noch gerade ein taktisches Schlupfloch für die "Regierungsfähigkeit" gefunden und seinen Verstand verloren hatte. Als Oskar Lafontaine in einem Interview die Linkspartei-Schlauberger unmissverständlich an das Programm der Partei und ihre Traditionen als Friedenspartei erinnerte, keimte Hoffnung auf: Die LINKE verbiegt sich doch nicht, dachte man. Um kurze Zeit später vom Geschäftsführer der LINKEN, Matthias Höhn, dieser Hoffnung beraubt zu werden. In einer ebenso dummen wie dreisten Erwiderung auf Lafontaine fiel dem ein: "Wir haben dazugelernt und die Mehrheit der Mitglieder will diesen Stil nicht mehr, sondern eine problemorientierte Debatte". Das majestätische WIR soll verbergen, dass Höhn noch keine Mehrheit hat. Und auch, dass er kaum die Geschäfte der Partei führt, sondern nur die seines unbändigen Ehrgeizes.

Einfache Lösungen in der Nord-Irak-Syrien-IS-Frage verbieten sich: Nur nach mehr Waffen zu rufen führt nur zu mehr Toten. Auch der Ableger der kurdischen PKK in Kobane (die PYD/ Demokratische Union und ihre "Volksverteidigungs-Einheiten"/ YPG) ist nicht frei von Verantwortung für das Desaster, in dem sich die Menschen der kurdisch-syrischen Grenzregion befinden: Im Rahmen des US-geführten Versuches eines Regime-Change in Syrien war Kobane bereits im Juli 2012 die erste kurdische Stadt in Syrien, aus der die syrische Armee vollständig vertrieben wurde. Noch bis vor kurzem hätte man im Bündnis mit der syrischen Armee dem IS erfolgreich entgegentreten können. Statt dessen gingen die syrischen Kurden ein Bündnis mit der Islamischen Front (IF) ein. Das sind jene islamistischen Anti-Assad Gruppen, die nach der Meinung der USA "moderat" sind und bewaffnet werden sollen. Human Rights Watch beschuldigt diese "moderaten" Kräfte organisierter Massaker an der syrischen Zivilbevölkerung. - Nichts ist einfach in dieser Gegend der Welt. Wer den "Islamischen Staat" schlagen und Kobane retten will, der wird mit dem syrischen Präsidenten Assad reden müssen. Schnell.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 19. Oktober 2014 schrieb Pat Hall:

Ihre Gedanken ließen mir keine Ruh und möchte Ihre Hoffnung wegen der UNO bestärken.
Man kann mit einem Hammer Nägel als auch Köpfe einschlagen, wie Uli es beschreibt, es kommt nur darauf an wer den Stiel in der Hand hat .
Nachdem nun Venezuela für 2 Jahre als Mitglied im UN-Sicherheitsrat gewählt wurde,hier ein Ausschnitt:

Anfang diesen Jahres hatte sich Lateinamerika auf dem zweiten Gipfel der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) in Havanna unter Anwesenheit von 33 Staats- und Regierungschefs der Region zur "Friedenszone" erklärt, die Konflikte ohne Waffen und ohne äußere Einmischung lösen will. Der politische Analyst Ernesto Wong erklärte gegenüber dem Nachrichtensender Telesur: "Diese Vision der `Friedenszone´ trägt Venezuela jetzt in die Welt, in der es die Vision der USA gibt, die von einer Sache sprechen und dabei töten, bombardiern und in Länder einmarschieren.

https://amerika21.de/2014/10/108545/venezuela-weltsicherheitsrat


Wer Frieden will,kann ihn doch schaffen,oder ?
Und was ist hier in Europa mit der UNO ?


Am 18. Oktober 2014 schrieb Ingrid Böhm-Duwe:

Am 16. Oktober 2014 schrieb Heiner Grabowski:

"Das ist der Versuch den Diktator gesellschaftsfähig zu machen!"

Nachdem ich nun den wohl für Nachdenker und nicht Davorblicker untadeligen Artikel von Uli Gellermann gelesen habe und die darauf folgenden qualifizierten Äußerungen und das Eingehen auf dessen Text stieß ich zuletzt auf Ihren etwas “schlicht Gearteten, der als erste „Antwort“ zu sehen ist. Nun zeigt sich hier mal wieder, wie unsinnig solche Bibelsprüche wie: Die Letzten werden die Ersten sein – oder so, sein können. Denn, bezogen auf Ihre Anmerkung bleibt es beim „Allerletzten“.

Um der Fairness natürlich Genüge zu schaffen, stellte ich mir die Frage: Was will denn der Heini Grabowski mit diesem Satz sagen? Wen meint er? Putin kann das doch nicht sein. Hat nicht Schröder diesem bescheinigt, „ein lupenreiner Demokrat“ zu sein? Nennt nicht sein zu ihm ausgewanderter Freund Depardieu ihn gar einen „mystisch“ Veranlagten? Wird nicht Edward Snowden ihn einen Menschenfreund nennen?

Nun betrachte man hier einmal die reinen Fakten, ohne die Hintergedanken resp. Eigeninteressen der Betreffenden zu durchleuchten. Warum sollte ein solcher Mann wie Putin „gesellschaftsfähig“ gemacht werden müssen? Sicherlich schätzt er gewisse „Gesellschaften“ sowieso nicht sonderlich. Was um alles in der Welt soll ihn denn zu einem „Diktator“ machen? Ach ja, verstehe, es sind die Mainstream Meinungsbildner. Die voneinander abschreiben. Der Dummheit Vorschub leisten.

Nachdem ich dieses Fazit gezogen habe, dass Sie ja unmöglich Herrn Putin meinen können, da ich Sie ungern für einen Mitläufer von Vorgesagtem halten möchte, komme ich unweigerlich auf Putins Gegenpart. Der Mann, der sich damit brüstet, "so gut töten zu können". Der Mann, der als MeinungsDIKTATOR fungiert und die UNO-„Zinnsoldaten“ erfolgreich manipuliert. Wohin des Wegs? Nun, dorthin, wo dieser sie „friedenstiftend“ hin entsendet. Bush ist sicher stolz auf ihn, so als gedanklicher Ziehvater. Damit nichts austrocknet und alles schön „ölig“, Sprechweise „menschlich“ bleibt“. Aber das ist natürlich recht hart von Ihnen, Obama einen „Diktator“ zu nennen. Und der braucht doch auch nicht gesellschaftsfähig gemacht zu werden. Die Dame „Merk(el)würden steckt doch ganz tief drin in dessen Allerwertesten.


Am 17. Oktober 2014 schrieb Reyes Carrillo:

@Manfred Ebel

Zunächst einmal irren Sie: Natürlich „durften“ Sie. Ich hatte es ausdrücklich in Ihre Hände gelegt.
Spaß beiseite. Wir werden uns gegenseitig freilich nicht überzeugen können. Noch nicht. Dass Sie innerhalb von einer oder zwei Stunden Kubas oder Venezuelas Verhältnis zur UNO im Allgemeinen und Besonderen studieren könnten, habe ich freilich nicht erwartet gehabt. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Von Ihnen mit dem Verhalten deutscher Wähler gleichgesetzt zu werden muss ich allerdings zurückweisen, was Sie mir hoffentlich nachsehen werden.


Am 17. Oktober 2014 schrieb Martin Lechky:

Lieber Herr Manfred Ebel,

wie bereits die liebe Reyes Carrillo schrieb, die UNO ist zu allerst Hoffnung, sie eint die Hoffnungen vieler Menschen in vielen Staaten darauf einmal mit allen Menschen dieser Welt in einem friedlichen Konsens zusammen zu leben. Abschaffen wäre somit die falscheste aller falschen Entscheidungen. Zudem treffen sich dort regelmässig Gesandte verschiedenster Intressen welches zu dieser Zeit eher als gut zu bewerten ist, auch wenn diese von allen möglichen Geheimdiensten überwacht werden.

Das Abschaffen ist nicht das kleinere Übel es wäre das grössere.

Zu Ihrer Initiative http://mir-frieden-paix-peace.net, gestartet am 2014-08-21(Domain-Register), die UNO existiert seit 1945 und hat bis heute 193 Mitglieder. Sie haben also noch einen weiten weiten Weg und einen noch längeren Atem, um es anders und besser zu machen, vor sich. Ich wollte Sie nicht deprimieren, machen Sie gerne weiter - wir brauchen mehr Friedens-Initiativen und wenn Ihre dabei hilft eine bessere Welt zu schaffen, ist sie, zumindest mir, willkommen.


Am 17. Oktober 2014 schrieb Manfred Ebel:

Lieber Reyes Carrillo,
vielen Dank für die Anregung.
Ich bin nicht berufen, Sie dürfen zu lassen und auch nicht zur letzten Antwort. Als Beitrag und im Eingeständnis, nicht alle konkreten Informationen kennen und aufnehmen zu können, versuche ich das Wesen einer Sache zu ergründen um mir Orientierung zu verschaffen. In ihrem Wesen ist die UNO ein Machtinstrument hegemonialen Strebens der USA. Damit ist sie grundsätzlich ungeeignet, den Völkern ihr Recht zu erklären oder gar es zu gestalten. So liegt nahe, dass wer auf die UNO setzt, aufs falsche Pferd setzt.
Also ja: Abschaffen oder mindestens nicht zum Maßstab machen und es anders besser machen. Leider bin ich auch nicht der Barrikadenkämpfer.
Ihren Entscheidungsweg teile ich nicht. Er ist der des deutschen Wählers: "Ich kann ja doch nichts tun und wähle lieber das kleinere Übel." Die Hand auf dem Herzen sage ich "dann lieber gar nicht." Mit Ihnen ja, mit denen nicht.
Mein Vorschlag: http://mir-frieden-paix-peace.net - auch in Spanisch
:-)

Antwort von U. Gellermann:

Mit den politischen Instrumenten ist es wie mit anderen Werkzeugen auch: Man kann mit einem Hammer ebenso Nägel wie Köpfe einschlagen. Die Frage ist immer, wer den Stiel in der Hand hat.


Am 17. Oktober 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Liebe Mitstreiter Manfred Ebel und Gerhard Gust,

da ich von Ihnen indirekt angesprochen bin, möchte ich doch die Frage stellen dürfen: Wer oder was bitte möge die sicherlich nur Wimpernschlag kurze Zeitspanne bis hin zum postkapitalistisch-postimperialen Weltfrieden und dem Überflüssigwerden irgendwelcher UNOs als wenn auch noch so behinderter, verarschter Wächter des Völkerrechts übernehmen? Ihre Argumentationen und Analysen in allen Ehren, aber Hand aufs Herz: Wer soll’s machen? Einfach abschaffen?
Warum aber bemühte sich dann Venezuela so sehr um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat? Und warum hält ausgerechnet die Kubanische Regierung seit Jahrzehnten die UNO für (natürlich: noch) unersetzlich? Und Ecuador? Und Bolivien? Bloß weil es sie gibt? Natürlich nicht. Die Beschäftigung mit den Vorstellungen, Ideen und Hoffnungen dieser Länder hinsichtlich der UNO könnte Ihnen vielleicht Anregungen zur Vertiefung resp. Reflexion Ihrer Positionen geben.


Am 17. Oktober 2014 schrieb Pat Hall:

Wer die UNO als Schutzschild vor seine Interessen hält, der hält sich für besonders schlau und setzt auf die Vergesslichkeit der Medien-Konsumenten.

Dazu ein Link zu den Nachdenkseiten...

Heute hat der Kampf gegen den IS-Terror Priorität, morgen wieder die Ukrainekrise. Die Medien helfen dabei, dass die Salamitaktik funktioniert: Die Deutschen werden sich nur scheibchenweise darüber klar, wie der Feuerbogen entlang der afrikanischen Mittelmeerküste und im Nahen Osten sich in Richtung Kaukasusländer ? also in Partnerländer, die sie alle sind ? ausweitet und Deutschland bereits gegen die IS und in der Ukraine mit steigendem Einsatz am Kampfgeschehen als williger Koalitionär beteiligt ist. -
http://www.nachdenkseiten.de/?p=23617#more-23617


Am 17. Oktober 2014 schrieb Manfred Ebel:

Lieber Gerhard Gust,

"Mach mal UNO" hatte sich eingehakt. Die Ironie verursachte aber aufsteigende Magensäure.
Ich stimme Ihnen sehr zu! Nur halte ich den einen wie den anderen Vorschlag für vorläufig unrealistisch. Ehrlich gesagt, schwanke ich selbst zwischen völliger Resignation und "trotz alledem". Ich sehe und höre ja auch meine Nachbarn und Familie. Danach wäre Resignation folgerichtig. Erfreulicherweise aber gibt es Sie und Uli und viele Gleichgesonnene.
Zumindest aber soll angeregt sein, die UNO als das zu klassifizieren, was sie ist und sich gegen Wunschdenken zu wappnen.
Zwar weiß ich auch keinen besseren Weg als Uli ihn nennt, meine aber, dass Gespräche oft und hier besonders vertane Zeit sind. Mit notorisch-programmatischen Lügnern, Dieben und Mördern ist nicht zu reden. Da favorisiere ich mehr Zussammenschluss aller Gegenkräfte und Grenzen setzen.
... und freue mich auf Ihre weiteren Kommentare.


Am 17. Oktober 2014 schrieb Pat Hall:

Die Zerstörungen im Nahen Osten sind nicht wieder gut zu machen.Museen sind geplündert und unser aller Erbe liegt bereits in Schutt & Asche .
Alle Länder sind atomar verseucht und der Boden Blut getränkt,doch weiter hin will man mit dem Finger am Abzug für "Ordnung" sorgen ?
Weniger barbarisch als die Methoden der IS sind dieses Kriegsgemetzel sicher nicht !


Am 17. Oktober 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

@HANS JON:

Wunderbar Ihre Ausführungen, sie gefallen mir ganz prima!
Vielen Dank, Sie haben mir aus der Seele gesprochen!
Hierzu paßt auch eine heutige Meldung, daß unter Siegmar Gabriel deutsche Waffenlieferungen im vergangenen Zeitraum nur geringfügig reduziert worden seien.... alles also wie gehabt!

@RENATE MÜLLER:

Vor 3 1/2 Jahren begann das Desaster, Sie werden sich doch entsinnen? Für einen Großteil der syrischen Bevölkerung hat damit ein barbarischer Krieg, Zerstörung aller Lebensgrundlagen, Flucht, Vertreibung angefangen. Es wird inzwischen von mehr als 200.000 Opfern gemunkelt.
Und alles, weil Schulkinder damals die Forderung nach der Absetzung Assads auf eine Mauer gesprüht hatten!

Erbarmungsloses Gemetzel, das sich immer mehr wie ein Krebsgeschwür ausweitet.
Am Ende bleiben nur noch pure Anarchie und Verwüstung - ähnlich wie in Somalia.
So denken jedenfalls diejenigen Syrer, mit denen ich befreundet bin. Sie sind also nicht die Einzige, die Kontakte zu Syrern im Ausland hat.
Wollen Sie denn wirklich behaupten, daß es in Syrien sowas wie ordentliche demokratische Wahlen gibt? Das ist gerade im Fall Syriens zu Recht zu bezweifeln. Denn es kommt in jedem Fall auf den Standpunkt und Sichtweise jedes Einzelnen bzw. jeder religiösen Gruppierung an. Dabei spielen die verschiedensten Interessen eine gewichtige Rolle.
Und ganz vor allem - interessengeleitet - wer wen am meisten mit Geld und Waffen versorgt.
Es ist und bleibt jedoch eine Tatsache, daß Ihr sogenannter "Politiker" Assad ein grausamer Schlächter ist, genau wie zuvor sein Vater Hafez al Assad
(Tausende tote "Regimegegner" speziell in Hama/Homs). Inzwischen sind jedoch die Dinge so unentwirrbar und aus dem Ruder gelaufen, so daß sich kein denkender Mensch mehr irgendeine befriedigende Lösung vorzustellen vermag.


Am 17. Oktober 2014 schrieb Gerhard Gust:

Lieber Martin Ebel,

die Frage ist nicht: UNO NEIN oder JA! Abschaffen oder verändern, auch nicht. Denn sie ist auch nichts anderes, als ein Kind dieser kapitalistisch-imperialistischen Welt. Sie wird also immer eine Politik betreiben, die den Interessen des Imperiums nicht zuwider läuft. Die Aufgabe lautet also nicht das Instrument diesere imperialen Welt zu ändern, sondern den Imperialismus zu beseitigen. Erst dann kann und wird eine Weltorganisation vergleichbarer Art das Instrument im Interesse der Völker sein zu können.


Am 16. Oktober 2014 schrieb Manfred Ebel:

Mein Kommentar zu den Kommentaren, gewissermaßen zum Weiterdenken:
- Was bitte ist an Kanzler a.D. Schröder "altehrwürdig"? Mir missfällt, dass er jetzt desöfteren zitiert wird, das Morden seitens der NATO im Kosovo sei ohne UNO-Mandat geschehen. Wer aber in persona hat das veranlasst, gut geheißen oder sich nicht vehement widersetzt?
- Was halten die geschätzten Mitstreiter davon, die UNO abzuschaffen? Es ist immerhin und unverändert die Organisation (ein Verein!) der vereinten, nach nordamerikanischem Verständnis "vereinigten" Staaten, die Deutschland den Krieg erklärten. Und die USA haben diesen Verein ins Leben gerufen, sich selbst unanfechtbar an die Spitze gesetzt und NULL Interesse daran, dass der status quo jemals geändert wird. Auch nicht der Deutschlands.
Gerechtes Völkerrecht ist unvereinbar mit Hegemoniestreben. Es ist keins. Die UNO ist Mittel zum Zweck.


Am 16. Oktober 2014 schrieb El Gordo:

`Geschichte wiederholt sich nicht´, hat mal jemand behauptet. Das ist wohl auch zutreffend. Allerdings gibt es mitunter Erscheinungen, die an Parallelen denken lassen und wo sich Vergleiche gerade zu aufdrängen.
Es ist nun genau 100 Jahre her, dass aus der einstigen revolutionären, Deutschen Sozialdemokratischen Partei des alten Papa Bebel, ein völlig verkommener Haufen von gemeingefährlichen Arbeiterverrätern wurde. Und wie geschah dies nun??? Es vollzog sich durch ihre Hinwendung zur Kriegspolitik des deutschen Kaiser Wilhelm II. Damit übernahm diese Partei die Mitverantwortung für Millionen im Krieg ermordete Menschen ihrer eigenen Klasse. Und das hat sich seither nicht mehr geändert, Man denke nur an ihre Mörder und Verbrecher vom Schlage eines Noske, Zörgiebel oder Struck!
Der Verrat entschied sich also an der Frage von Militarismus oder Frieden. Und das ist dann wohl auch heutzutage so. Der (noch in der Planungsphase befindliche) Verrat der LINKEN an den Menschen im Lände, entscheidet sich auch diesmal wieder an der Frage der Haltung zum Militarismus und zum Frieden. Wer inzwischen nicht mehr die gesellschaftlich verändernde Politik im Interesse der Ausgebeuteten, sondern die Beteiligung an der Regierungsmacht mit ihren Pfründen und fetten Fleischtöpfen im Sinne hat, der verbiegt sich zum PatrIDIOTEN und wendet sich den Profit trächtigen Interessen der Nato, den Rüstungskonzernen und der Waffenlobby zu. Selbstverständlich, wie Herr Matthias Höhn, unter dem hübschen DECKmäntelchen des Humanismus, denn mensch will ja nicht die eigene Wählerklientel vor den Kopf stoßen, sondern ihn einer korrigierenden Gehirnwäsche unterziehen, damit er auch weiterhin in `Treue fest´ zur Partei steht und sie wählt und damit den Weg in die Regierungsmitbeteiligung ermöglicht.


Am 16. Oktober 2014 schrieb Renate Möller:

@ Heiner Grabowski:
Präsident Assad ist durchaus gesellschaftsfähig. Möglicherweise ist Ihnen entgangen, dass er im Frühsommer des Jahres mit 88,7 % zum Präsidenten Syriens gewählt wurde. Da ich kontinuierliche Kontakte nach Syrien habe und auch zu Syrern im Ausland, kann ich Ihnen sagen, dass die Wahlbeteiligung keineswegs erzwungen war. Im ach so demokratischen Deutschland wurde den Exil-Syrern die Teilnahme an der Wahl allerdings verweigert. Aus anderen Ländern weiß ich, dass die Syrer teilweise lange Fahrten auf sich nahmen, um in den Botschaften an den Wahlen teilzunehmen.
Ich empfehle Ihnen, die im Netz veröffentlichten Reden und Interviews Assads der letzten 2, 3 Jahre nachzulesen. Das ist immerhin eine Möglichkeit, sich über diesen Politiker direkter zu informieren, als über vorgekaute Meinungen.


Am 16. Oktober 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Lieber Ulrich Fiege,

meine Absicht nach Uli Gellermanns mich nicht ganz glücklich machender UNO-„Abrechnung“ im Falle Libyens war, darauf hinzuweisen, dass es trotzdem nur diese UNO sein kann, die einst jenseits imperialer Veto-Spiele über das Völkerrecht wachen wird. Ob dieser Hinweis überflüssig war oder nicht, mein Gott; ich bin jedenfalls eine unverbesserliche UNO-Träumerin. Und nachdem weiters ausgesprochene wie vor allem fehlende UNO-Mandate in diesen letzten zwei kriegerischen Dekaden von jeweils interessierter Seite gerade Hochkonjunktur feiern und peinlich genau zitiert werden, wollte ich doch schon noch leise dazwischenflüstern, dass es im Falle Libyens ein Mandat für die Schaffung einer Flugverbotszone, aber natürlich kein Regime-Change-Mandat seitens der UNO gab. Bei diesem Punkt könnte vielleicht auch an die damalige Stimmenthaltung Russlands, also dessen Durchwinken dieses Mandats, gedacht werden...
Dass Sie den Ausgang der Geschichte, verehrter Herr Fiege, Herr Gellermann und in aller Bescheidenheit auch ich natürlich vorher wussten und Uli Gellermann insoweit mit der Formulierung dieser Passagen selbstverständlich völlig Recht hat, das ist wie gesagt unbestritten. Ach ja, und unterschlagen Sie bitte auch nicht meine postulierte Mädchenpensionatsperspektive…
Ihre Auffassungen teile ich so oder so ähnlich sowieso, compañero Fiege.


Am 16. Oktober 2014 schrieb Det Feldner:

Ihre persönliche Rüpelei gegen Herrn Höhn finde ich ungehörig. Auf mich macht er einen kompetenten Eindruck. Was er sagt erscheint mir völlig richtig.

Antwort von U. Gellermann:

Mein Ruhrgebiets-Großvater pflegte in solchen Fällen zu sagen: Guck´se nich auf´n Mund, guck´se auffe Finger.


Am 16. Oktober 2014 schrieb Ako Hawleri:

Es ist leider genau so wie Sie schreiben: Der von mir durchaus geschätzte PKK-Ableger in Kobane hat sich verspekuliert: Statt mit der syrischen Regierung zu kooperieren, mit der die Kurden vor dem Bürgerkrieg besser leben konnten als mit der türkischen, paktieren sie mit den Banden der IF/FSA.

http://uk.reuters.com/video/2014/09/27/kurdish-fighters-and-free-syrian-army-cl?videoId=345217896&videoChannel=75


Am 16. Oktober 2014 schrieb Ulrich Fiege:

Brillant und Hallo Reyes Carrillo, bezüglich des UN Mandats zur Flugverbotszone über Libyen wurde ein drei viertel Jahr vorher, also "Zeitnah", - die Bombardierung Libyens durch die US-Luftwaffe in Italien geprobt und dann erst wurde es ernst für Libyen, soviel zum jeweiligen Mandat und deren Träger aber es ging und geht in Libyen nicht nur ums Öl, die Amerikaner hatten mit Gaddafi noch eine Rechnung zu begleichen, zwar ist keine Rede mehr davon das vor den Anschlägen von Lockerbie US-Bomber Tripolis und Bengasi bzw. Teile davon dem Erdboden gleich machten und darauf erst erfolgte der Anschlag auf den PanAm Jumbo, aber die Destabilisierungen im nahen und fernen Osten durch die Amerikaner ist deren Form von Geo-Politik, die können gar nicht mehr anders und die UNO ist ihr Erfüllungsgehilfe. Kapital regiert und Gesetze sowie die Zivilisation bzw. die erreichten Standards verschwinden zusehends und nach Jugoslawien sprach unser altehrwürdiger Kanzler a.D. Schröder vom Bruch des Völkerrechts durch die NATO bei diesem Krieg, heute sind wir schon einen Schritt weiter.

Die Amerikaner spinnen und der Rest der westlichen Wertegemeinschaft spinnt mit und alle zusammen brechen das Völkerrecht, die Türkei hat dabei nie die Hoffnung aufgegeben sich das Osmanische Reich zumindest in Teilen zurück zu holen, die neuen Grenzen die nach dem 1 Weltkrieg gezogen wurden erfüllten dabei gleich mehrere Zwecke, die vom Westen eingesetzten Machthaber müssen jetzt weg um an das ÖL zu kommen, während die streitbaren verschiedenen Gruppierungen da unten vor 100 Jahren das Engagement der "Weißen" für ihre Wüste mit Kopfschütteln betrachteten, wussten Rockefeller und Konsorten als eigentlicher Staat im Staat sehr genau welche Werte im Sand verborgen liegen. Wenn aber zufällig jemand ein schickes Auto erfindet das mit Wasser fährt, möchte ich nicht in der Haut des Erfinders stecken und jetzt wird´s Hypothetisch, sollte die Entwicklungsabteilung der Linken so ein Auto erfinden, wäre DIE LINKE Geschichte, nur die genannten im Artikel von Uli Gellermann sind über das Stöckchen gesprungen und "sitzen jetzt im selben Boot", es geht über Destabilisierung nur ums Geschäft und das ist Waffen-gewaltig geworden aber immer Ölig, zur Türkisch-Syrischen Frage ein Link, Herr Gellermann verzeihen Sie mir aber der Original-Link ist Kostenpflichtig geworden, 

http://faceyeu.eu/?p=622


Am 16. Oktober 2014 schrieb Hans Jon:

"Früher" standen sich Bewaffnete hautnah gegenüber beim gegenseitigen "Schlachten"!
Heute wird "dank moderner Waffen" der "Feind" in großer Entfernung "unsichtbar" geschlachtet, samt Frauen, Kindern & Zivilisten! Die Kriegs-Lawine rollt um die ganze Erde, denn erst der "Fortschritt" der Waffen-Konzerne macht´s möglich! Schöne neue Welt des "Homo sapiens", der ist nicht der sog. "Weise Mensch"! 
"Feste Jungs, macht nur weiter so, ihr bekommt schon alles kaputt!"
 


Am 16. Oktober 2014 schrieb Tim C.:

Man könnte auch einfach dafür sorgen, dass die Probleme im Nahen Osten bleiben und warten bis die kriegerischen Stämme er dortigen Eingeborenen sich gegenseitig die Schädel eingeschlagen haben.


Am 16. Oktober 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Alles Wichtige + Notwendige + X gesagt in deinem klugen Artikel, lieber Uli. Besonders heftig gehen auch mir die „üblichen Verdächtigen vom rechten Rand“ der Linken auf den Keks! Mit dem unverhandelbaren Pazifismus (auch wenn dieser Begriff nicht deiner ist) steht und fällt diese Partei.
Deine Passage zur UNO ist in ihren Göring-Eckart-Zusammenhängen und ihrer allgemeinen heutigen Verfasstheit (der UNO) natürlich völlig unstrittig. Trotzdem macht mich das nicht ganz glücklich. Denn es wird natürlich eines sehr fernen Tages diese/eine erneuerte UNO sein werden und müssen, die das Völkerrecht überwacht. Und auch wenn ich freilich nicht gerade aus dem Mädchenpensionat komme, so ging es im UNO-Mandat 2011 bezüglich Libyens um die Errichtung einer Flugverbotszone und um kein von der UNO abgesegnetes Ticket zum Regime-Change. Aber wie gesagt, das Mädchenpensionat lässt natürlich grüßen…


Am 16. Oktober 2014 schrieb Walter Bornholdt:

Wie man IS-Salafisten bekämpft zeigt gerade die Gruppe
» weißes Leichentuch» die in Syrien jeden IS Kämpfer abschlachtet.

http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_71408220/guerilla-truppe-weisses-leichentuch-macht-wohl-jagd-auf-is.html

In vielen Berichten werden diese Kämpfer als Hoffnungsträger benannt. Bin gespannt was mit denen wird wenn der Krieg irgendwann vorbei ist. Die nächste Terrorgruppe?


Am 16. Oktober 2014 schrieb Renate Müller:

Danke für diesen Beitrag!


Am 16. Oktober 2014 schrieb Heiner Grabowski:

Das ist der Versuch den Diktator gesellschaftsfähig zu machen!

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8. Oktober 2016
Auftakt: 12.00 Uhr

Alexanderplatz/Ecke Otto-Braun-Straße


www.friedensdemo.org
Bundesausschuss Friedensratschlag | Kooperation für den Frieden | ViSdP: Laura von Wimmersperg, Friedenskoordination Berlin