Kleiner Mann, große Frau

Ein Dilemma der Linkspartei

Autor: U. Gellermann
Datum: 09. März 2015

Gregor Gysi ist ein höchst intelligenter Mann. Ihm ist eine verführerische Intelligenz zu eigen, die mit blendendem Charme geziert ist. Dieser Tendenz zum Genialen kann nicht mal Gysi selbst widerstehen: Weil er so gescheit ist, hält er die meisten anderen für blöd. Erst neulich wieder im Bundestag. Die LINKE-Fraktion hatte sich mehrheitlich für die Zustimmung der "Verlängerung der Griechenlandhilfe" entschieden. Dieser Antrag der Regierung hörte sich gut an: Frisches Geld für die armen Griechen, da kann man doch nicht Nein sagen. Sahra Wagenknecht konnte. Denn der scheinbar karitative Zug der Regierung sieht neben dem neuen Geld nur alten Unsinn vor: Die Verlängerung all jener Maßnahmen, die den Griechen mehr Elend und weniger Zahlungsfähigkeit beschert hatten. Darüber wollte Frau Wagenknecht in ihrer Fraktion reden. Aber die Fraktion ließ ausgerechnet die Frau aus ihren Reihen, die den meisten ökonomischen Sachverstand mitbringt, nicht zu Wort kommen. In der Links-Fraktion, das weiß man, gilt das Wort von Gregor Gysi. Mit ihm ist vieles möglich, gegen ihn sehr wenig. Und der hielt einen Wagenknecht-Beitrag nun mal für unmöglich.

Wer jetzt so blöd ist, ausschließlich an eine inhaltliche Entscheidung gegen Wagenknecht zu glauben, der ist so blöd wie Gysi das gerne hätte. Denn hinter dieser Ohrfeige für Sahra Wagenknecht wabert die seit langem verdrängte Frage nach der "Doppelspitze" der Bundestagsfraktion. Ein Parteitag hatte sich für eine Doppelspitze ausgesprochen und auch eine Bundesausschuss-Tagung der Partei forderte eine Frau neben einem Mann an der Spitze der Fraktion. Und die wahrscheinlichste Frau neben dem Fraktions-Chef Gysi wäre eben Frau Wagenknecht. Das wäre doch nicht schlecht, sagt sich der Laie: Die Frau hat Ahnung, kann gut auftreten, zeigt in jeder Talk-Show jene Nervenstärke, die ein Beweis von Wissen ist. Und sie wäre zudem ein kluges Beispiel dafür, wie nützlich eine Frauenquote sein kann. Aber der professionelle Gysi weiß, dass der Laie blöd ist. Er wäre tödlich beleidigt, wenn seiner überwölbenden Intelligenz widersprochen würde. Und weil die Links-Fraktion wiederum weiß, was ein beleidigter Gysi anrichten kann, steht sie nicht gegen ihn auf wenn er einmal "Sitz!" gerufen hat.

Auch als der Linkspartei einmal von außen eine Antisemitismus-Debatte angetragen wurde, fiel dem brillanten Gregor Gysi als Reaktion sein geniales "Sitz!" ein. Mit einer Rückzugsdrohung setzte er in der Bundestagsfraktion einen Beschluss durch, nach dem Kritik an Israel mit Antisemitismus und Rechtsextremismus gleichgesetzt wurde. Während der interessierte Laie gedacht hätte, dass ein Stöckchen, das der Linkspartei von den Mainstream-Medien hingehalten wird, ignoriert werden sollte, hatte der professionelle Chef der LINKEN entschieden doch drüber zu springen. Dem dummen Laien wäre die Frage eingefallen, ob denn israelische Kritiker an Israel auch Antisemiten wären. Noch dümmer wäre sicher die Frage gewesen, ob die Mehrheit der Bundestagsfraktion, die von ihren Mitarbeitern verlangte die gleiche Haltung einzunehmen, nicht brutal gegen die Meinungsfreiheit verstossen hatte, aber solche Fragen mussten schweigen. Denn Gregor der Allwissende und Alleinseligmachende hatte mal wieder sein bestes und klügstes Argument eingesetzt: Den Rücktritt.

Inzwischen weiß die Mehrheit der Linksfraktion schon: Falls sie irren sollte, wird Gysi erneut sein stärkstes Argument einsetzen, und da sitzt sie schon lieber vorauseilend stramm. In Vorbereitung der letzten Europa-Wahlen wollte die Linkspartei einen Satz aus dem Parteiprogramm in das Europa-Wahl-Programm übernehmen: Die EU sei eine "neoliberale, militaristische und weithin undemokratische Macht". Da denkt der Laie unbefangen: Ein Parteitag ist das höchste Gremium einer Partei, also kann doch so ein demokratisch erarbeiteter Satz problemlos übernommen werden. Aber draussen, in der professionellen Wirklichkeit tobte ein echter Mediensturm: Die arme EU, so könne man die doch nicht diffamieren, die habe doch total demokratische Rettungsschirme aufgespannt. Sie plane zwar eine militärische Eingreiftruppe, aber nur zu Friedenszwecken und neoliberal . . . ja gut, aber nur ein bisschen. Wie gut, dass die Linkspartei ihren Gregor hat. Der suchte sich gleich ein paar Kameras und sagte: "Für uns linke Internationalisten gibt es kein Zurück zum früheren Nationalstaat. Wir müssen Befürworter der europäischen Integration sein." Zwar hatte keiner seiner Genossen gegen die europäische Integration geredet, aber es war doch eine wirklich schöne Ecke, in die sie gestellt wurden. Gysi und Kameras: das ist eine Macht. Und schwupps wurde die Formulierung geändert. So geht innerparteiliche Demokratie, schnell und einfach.

Die Sahra Wagenknecht ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Nicht durch höhere Absätze, sondern durch gewachsene Intelligenz. Durch häufiges Bücken vor dem Mainstream ist Gregor Gysi geschrumpft. Jetzt wird die große Frau nicht für den gleichberechtigten Platz an der Fraktionsspitze kandidieren. Der kleine Mann hat gewonnen. Die antiken Griechen nannten das einen Pyrrhos-Sieg, nach jenem König, der von Sieg zu Sieg in die Niederlage eilte. Das ist das Dilemma der LINKEN.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. März 2015 schrieb Knut Schottstädt:

`In die Nationalstaatsecke gestellt´
... eine Ecke vor allem, in der Gysi z.B. bei der Podiumsdiskussion anlässlich des 100. jahrestages des Beginns des 1. Weltkrieges im Bundestag auf für mich ziemlich erschreckende Weise, ganz aus freien Stücken, selbst stand, als er u.a. neben ein paar anderen für mich ziemlich befremdlichen Zungenschlägen, mit leuchtenden Augen von seiner tollen "Vision" bezüglich eines eigenen Staates für Sinti und Roma - seine Vorstellungen von einer Patentlösung für Probleme, Minderheiten betreffend? - schwärmte.


Am 11. März 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

Mir gefällt Sahra (warum steht eigentlich das "h" an so ungewohnter Stelle?) Wagenknecht auch am besten unter unseren gegenwärtigen Politikern.
- Ich habe ja noch nie so recht verstanden, was Politiker dazu treibt um jeden Preis eine hohe Position zu bekommen, auch dann, wenn sie ihren Vorstellungen als Preis dafür immer untreuer werden müssen. Das macht doch keine Freude....Noch weniger verstehe ich, dass sie auf Teufel komm raus wiedergewählt werden wollen, auch wenn sie wenig bis nichts ihrer eigentlichen Vorstellungen durchsetzen können. Ist es denn nicht möglich solche kindlich bis pubertären Bedürfnisse nach reiner Macht und Bewunderung, sowie auch Zocken und finanzielle Raffsucht in Sandkasten, Jugendclique bei "Monopoly" und Pokerrunde...auszuleben und dann erwachsen zu werden?? Sollte Vorraussetzung sein für ein politisches Amt...

Am allerunbegreiflichsten ist mir, dass dann auch noch fast alle Politiker angeblich lieber sterben, als abgewählt zu werden - ich weiß leider nicht mehr, wo ich das las. Ich finde dafür leben noch erstaunlich viele Ex-Größen, haben es vielleicht als Buße "auf sich genommen".
Angela Merkel dürfte dann wohl noch lange nicht mit dem Tod liebäugeln und im Einklang mit sich selbst leben...ich müsste auch mit der Lupe suchen, ob ich da Prinzipien sehe, die man hätte verraten können. Außer natürlich die "marktkonforme Demokratie" und das Spardogma.
Aber das verlangt ja bisher niemand von ihr, höchstens die Gegner aus Griechenland und vielleicht bald aus Spanien. Nur zu.


Am 10. März 2015 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Sahra Wagenknecht for "President" - d a s wärs!


Am 10. März 2015 schrieb Ralf Thielken:

Ich nehme an, Herr Hans Heppe meint den Herrn Lutz Jahoda. Wenn nicht, ist das nicht schlimm. Ich möchte auch niemanden etwas zubilligen. Dafür fehlt mir jegliche Legitimation.
Aber folgendes möchte ich loswerden, ganz bewusst an dieser Stelle:
Born in the GDR, Jahrgang 54, als Sohn Schlager-begeisterter Eltern (keine Wertung, weder für Schlager noch Eltern), da war der Name Lutz Jahoda präsent. Nun, die Begeisterung übertrug sich nicht auf den Sohn, aber das ist eine andere Geschichte. So geriet der Lutz Jahoda für mich in Vergessenheit. Das ist wieder eine andere Geschichte aber wesentlich meine Schuld.

Nun lese ich diesen Namen seit einiger Zeit in der Rationalgalerie und dachte anfangs, nee, kann nicht sein (Beim Festival des Politischen Liedes ist er dir nicht aufge-fallen, Augenzwinker).
Aber als ich kürzlich in einer Zuschrift persönliche Angaben lesen konnte war klar: Das isser.

Lieber Herr Lutz Jahoda, ich wünsche Ihnen eine lange, glückliche Lebenszeit.

Ein großes Dankeschön an den Galeristen für sein unermüdliches Schaffen. Mehr davon wäre schön, aber ein Weiterso wäre -

großartig!

So, genug geschleimt.


Am 10. März 2015 schrieb Hans Heppe:

Sehr geehrter Herr Jagoda,

Ihren Kommentaren billige ich die gleiche brilliante Schärfe zu, wie den Artikeln des Herrn Gellermann.

Beides ein wahrhaftiger Gehirnschmaus.


Am 10. März 2015 schrieb Marionetta Slomka:

Lieber Herr Gellermann,
ich bedanke mich bei Ihnen für diesen wieder einmal höchst gelungenen Beitrag. Es ist so erfrischend, heute noch intelligente und gleichzeitig amüsante Wortmeldungen zu politisch brisanten Themen zu lesen..

Bei all dem Müll, den man täglich durch Presse und Rundfunk vorgesetzt bekommt, gelingt es Ihnen immer wieder, mir ein Lächeln in´s Gesicht zu schreiben. Das läßt mich hoffen, und mir sagt "Du bist nicht allein!"
Schön, daß es Ihren Blog gibt. Bleiben Sie gesund - und machen Sie weiter so.


Am 10. März 2015 schrieb Wera Blanke:

Danke für dies wirklich strahlend-brillante Geschenk zum Frauentag!
Und dass die "große Frau" der selben Generation angehört, wie die knackigen Jungs aus Athen läßt mich hoffen, dass es doch noch ein Leben geben könnte jenseits der grauen Alternativlosigkeit der sprechenden Anzüge in Brüssel!


Am 10. März 2015 schrieb Klaus Madersbacher:

Links ist also Gisy? Oder doch Wagenknecht? Oder sonst irgendwas, wie alles andere auch in diesem Zirkus der Belanglosigkeiten.
Na macht nix - Hauptsache man ist nicht rechts!
Wichtig dabei: nicht velwechsert werden!


Am 09. März 2015 schrieb Aleksander von Korty:

Wer, wie Sahra Wagenknecht, solche Genossen vom Schlage dieses Gregor Gysi hat, braucht keine politischen Gegner!

Dumme Gegner sind nicht gefährlich, sondern Intelligente, das gilt auch in den eigenen Reihen, zumal besonders dann, wenn sie grenzenlos eitel und ehrgeizig sind.

Da auch Sahra Wagenknecht sehr intelligent ist, mache ich mir um sie keine politischen Sorgen. Aber um die Partei in der zur Zeit noch Beide sind.

Sahra Wagenknecht wurde ab und an mit Rosa Luxemburg verglichen..Ich halte solche Vergleiche für unsinnig.

Aber wenn DIE LINKE unter der Fuchtel dieses Revisionisten Gysi den Weg hin zu einer zweiten Sozialdemokratie einschlägt, sollte sich Sahra an Rosa und ihr Handeln am 31. Dez. 1918 erinnern, damit auch sie sagen kann:"Wir sind wieder bei Marx!"


Am 09. März 2015 schrieb Robert Heumann:

Sie haben gut reden aber leider keine Ahnung. Mir wurde gesagt, dass Gregor Gysi von Alexis Tsipras mit der dringenden Bitte angerufen worden ist nur ja dem Regierungsentwurf zuzustimmen, um eine Pleite Griechlands zu vermeiden.

Antwort von U. Gellermann:

Meine Ahnung reicht aus die beiden genannten nicht für dumm zu halten: Vor der Abstimmung war auch Gysi und Tsipras klar, dass die Regierung ihren Entwurf mit solider Mehrheit durchbekommen würde. Ohne Linkspartei.


Am 09. März 2015 schrieb André Burguete:

@Ralf Thielken

Zitat:
"Ich habe da so eine ulkige Vision: die klugen Köpfe aller Parteien, die es ernst meinen mit dem Volkswohl, befreien sich von den Zwängen, schließen sich zusammen zu einer Freien Assoziation (mit dem Proletariat wird es ja wohl auf absehbare Zeit nix). Mensch, jemand muss doch mit dem Kram anfangen, gedacht, gesagt und geschrieben ist doch alles, es muss jemand MACHEN, ihr könntet es, geht mit gutem Beispiel voran."

Das ist - lieber Herr Thielken - gar nicht so abgefahren, wie Sie befürchten und auch nicht ohne historische Parallele. Mit Sicherheit wäre eine solche "Räte-Republik" - bestehend aus Menschen, die nicht ausschliesslich auf die Ausübung eines politischen Amtes als Existenzgrundlage angewiesen sind, in jeder Hinsicht effizienter und volksnäher als unsere gegenwärtigen, durch pure Selbsterhaltungsreflexe, Schranzentum und Fraktionszwang gelähmten Feudaldemokratien.


Am 09. März 2015 schrieb Ralf Thielken:

Ja, ja, alle Parteien haben Probleme mit ihren Prominenten.-


Es gibt Menschen die sagen, Parteien lösen keine Probleme, sie sind Teil derselben. Das sehe ich auch so. Die Wirklichkeit gibt mir täglich die Bestätigung. Ich vergleiche Parteien immer (und Vergleiche hinken natürlich) mit der Gesellschaft, so eine Art Mini-Gesellschaft also. Da gibt es ein Fußvolk, die fleißigen Parteiarbeiter, die treu und brav ihre Steuern, äh, Beiträge zahlen und bei der Stange gehalten werden müssen. Deren Träume und Wünsche, auch Interessen genannt, vertreten dann die
Typen, die sich aus den unterschiedlichsten, vorgeblich immer aus zutiefst humanistischen Motiven heraus zu Führern herauf "gearbeitet" haben. Die haben natürlich auch Interessen und nun kommen die Zwänge und Drücke ins Spiel, die zu alternativlosem Handeln zwingen. Koalitionen hier, Fraktionszwang dort, Demokratie WO? Kasperletheater, lächerlich.
Ich habe da so eine ulkige Vision:


Die klugen Köpfe aller Parteien, die es ernst meinen mit dem Volkswohl, befreien sich von den Zwängen, schließen sich zusammen zu einer Freien Assoziation (mit dem Proletariat wird es ja wohl auf absehbare Zeit nix). Mensch, jemand muss doch mit dem Kram anfangen, gedacht, gesagt und geschrieben ist doch alles, es muss jemand MACHEN, ihr könntet es, geht mit gutem Beispiel voran.


Die Karrieristen, Tritt- und Sprungbrettakrobaten dürfen derweil neue Parteien gründen, ist ja mitunter auch ganz lustig.


Am 09. März 2015 schrieb Gerhard Wirth:

Gregor Gysi träumt von einer Rot/Rot/Grünen Koalition im Bundestag, um am Ende seiner Politkarriere vielleicht auch mal in dem Genuss eines Ministeramtes zu kommen. Er kann sich keine negativen Äußerungen zur EU erlauben, sonst spielen SPD und Grüne nicht mit. Sahra Wagenknecht sagt noch was sie denkt und betreibt lieber `ehrliche Politik? als Postengeschacher. Politiker haben bereits im Volk das Ansehen eines Provisionsverkäufers, denn für ihre persönlichen Vorteile werden die eigenen Werte und Ansichten verkauft. Wenn heute ein Politiker oder Politikerin, in diesem Fall Sarah Wagenknecht, für die eigenen Ansichten und Werte auf Posten verzichtet, so hat sie meine volle Hochachtung.


Am 09. März 2015 schrieb Hartmut C. Hoffer:

Gregor Gysi hat im Bundestag in den letzten Jahren große Reden gehalten (Snowden - Austeritätspolitik - Ukraine u.a.! ) Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Aber der hell strahlende Gysi wirft auch mächtige Schatten. Du nennst die `Antisemitismus-Debatte´und die `EU- Programmformulierung`.
Ich erinnere an das Gespräch Gysis mit dem US-Botschafter Murphy, in dem er anbiedernd darüber schwadronierte, dass er für die Auflösung der Nato eintrete und nicht für den Austritt Deutschlands aus der Nato, weil ersteres bedeute, dass dies wohl erst am St.Nimmerleinstag geschehen werde. -

Dass er sich mit DIESEM Mann trifft und in dieser Weise über linke Politik und seine Absichten spricht, empfinde ich als Verrat an allen Genossinnen und Genossen, der ganzen Partei und dem Programm.

( Was hat US-Botschafter Murphy - laut WikiLeaks ... - Luftpost
www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP01111_180111.pdf)

Dieses Gespräch hat für mich zu einem großen, bleibenden Misstrauen gegenüber Gysi geführt.


Am 09. März 2015 schrieb André Burguete:

Der Monopolkapitalismus hat in der Praxis, der Kommunismus in der Theorie globale Ambitionen. Beide sind natürliche Feinde jeder nationalen Selbstbestimmung, autonomen Wirtschaftens und regionaler Selbstverwaltung. Überaus bezeichnend ist ihr gemeinsames, brutales Vorgehen gegen basisdemokratische Wirtschaftsmodelle wie die der spanischen Anarchisten im Jahre 1938.

Frau Wagenknecht, die in einem TV-Tribunal auf die Frage des etwas zurückgebliebenen Grossinquisitors Markus Lanz "Wollen Sie Europa?" souverän antwortete: "Ja, aber nicht dieses!" scheint weit besser als der kleine Monarch ihrer Partei verstanden zu haben, wohin die alternativlos eingeforderte Unterstützung der Nato-Nachgeburt EU samt deren Vasallen-Währung uns alle noch bringen wird.
Ralf Dahrendorfs Warnung von 1995 bezüglich der negativen Folgen einer nur aus politischen Gründen erzwungenen, unter dem Direktorat einer Zentralbank stehenden Einheitswährung ist heute aktueller, denn je:

"Die Währungsunion ist ein großer Irrtum, ein abenteuerliches, waghalsiges und verfehltes Ziel, das Europa nicht eint, sondern spaltet."

(das vollständige, überaus lesenswerte Interview finden Sie hier: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9247341.html

Wer sich über die "demokratische Legitimation" unserer "EU-Führungseliten" und deren Weisungsgeber etwas ausführlicher als der "linke Internationalist" und Wohlfühleuropäer Gysi informieren möchte, schaue bitte hier:

http://www.voltairenet.org/article171339.html


Am 09. März 2015 schrieb Lutz Jahoda:

Schon vor zwei Jahren etwa, in einem Artikel für die "Deutsche Rundschau, Canada", verlieh ich Sahra Wagenknecht das Prädikat "das schönste Gesicht des Kommunismus", und kürzlich erst machte ich mir über Facebook Luft, als ich am Freitag, dem 27. Februar 2015 schrieb: Die einzige Lichgestalt mit unbequemen Wahrheiten inmitten der Maybrit-Illner-Gesprächsrunde vom 26. II. 2015 im ZDF war Frau Wagenknecht. - Immer wenn sie mit beweisbaren Fakten aufwartete, die Frau Illner und einigen Anwesenden in der Runde unangenehm waren, warf sich sofort Frau Illner unfair quer in Wagenknechts Rede, vehement unterstützt von der sich gleich zu Beginn des Gesprächs verschwurbelt süßlich aufgesetzt gebende Grüne-Politikerin Marieluise Beck, die es im Lauf des Abends schaffte, sich bis zur bösen Königin steigernd, die volle Palette meiner Märchenerinnerungen zu beleben, so dass ich jeden Augenblick auf den vergifteten Apfel wartete. - Schneewittchen Wagenknecht war einmalig süß inmitten der bösen Illner-Gesellschaft. Ihr gebührt mein aufrichtiger Beifall - stehend natürlich.

Und nun diese Enttäuschung aus den eigenen Reihen! - Die Erklärung ist eindeutig: Gregor Gysi möchte endlich mitregieren und folgt damit einem Teil der Linken im Bundestag. Ob das hilfreich sein wird? Keinesfalls dem griechischen Volk in seiner augenblicklichen Lage. - Sahra Wagenknecht blickt weiter: sie möchte ein neues Europa, wendet sich gegen die gegenwärtig immer noch anhaltende räuberische Praxis und hofft auf die weitere Sturheit in Brüssel, die möglicherweise doch noch den Ausstieg Griechenlands zur Folge haben könnte und eine Hinwendung der Griechen zu Russland und China.

Es wird ein heißer Sommer werden, mit weiteren Drohgebärden seitens der NATO. Aber es wird möglicherweise gar nicht so lange dauern, um zu erkennen, wessen Schachzug die verfahrene Lage aufrütteln wird. - Europa hat sich ein Parkett zurechtgebohnert, auf dem ich Gregor Gysi höchst ungern als tragische Figur ausrutschend sehen möchte.


Am 09. März 2015 schrieb Manfred Ebel:

Bei den LINKEN (im Bundestag) sind wenigstens noch authentische Persönlichkeiten zu erkennen, nicht nur Funktionsabbilder. Aber die unappetitlichen Innereien werden nach außen getragen, weil sie intern nicht geheilt werden und v.a. weil sie gegenüber der Idee der LINKEN an Bedeutung gewinnen.


Das wenige gravierend Negative schadet mehr als das viele Positive an Nutzen bringt. Eine Wiederholung der Geschichte auch der linken organisierten Kräfte? Selbstüberschätzung, Autokratie: Die kennen wir doch auch schon und wir wissen, dass die maßgeblich der kommunistische Idee geschadet haben.
Die kleinen Männer gewinnen und die LINKE Bewegung verliert. Die kleinen Männer schrumpfen durch häufiges Bücken vor sich selbst.
Es heißt übrigens `die Avantgarde´ und nicht `der Avantgarde´, Herr Gysi.


Uli, das "höchst" im ersten Satz wollte ich streichen. Es widerspricht der Koketterie und der Neigung, dem eigenen Charme zu unterliegen. Wenn DIE LINKEN einen Rat wollten, sollten sie das "stärkste Argument" annehmen. Es gibt erkennbar genug profilierte Persönlichkeiten in der linken Fraktion, die dann auch deutlicher erscheinen und wirken.


Die Wirkung, dass die Innereienschau DER LINKEN durch Ereignisse überholt wird und DIE LINKE zur Bedeutungslosigkeit führt , zeigt sich ja jetzt schon wieder in den Absichten zur "EU-Armee".


Am 09. März 2015 schrieb Svenja Zeidler:

Ich halte es letztlich für Frauenfeindlich wie Frau Wagenknecht in ihrer Fraktion abgebürstet wurde. Will aber nicht ausschliessen, dass bei Herrn Gysi auch der Sexualneid eine Rolle spielt.


Am 09. März 2015 schrieb hans jon:

"INTERNATIONALISMUS" --- eine unstillbare paradiesische "ROTE SehnSUCHT" ... und das gleiche Wort auf "kapitalistisch" heißt: TURBO-KAPITALISMUS! ... alias "GLOBALISIERUNG".
GYSI irrt, wenn er glaubt, daß seine EU-SehnSUCHT sog. "INTERNATIONALISMUS" wäre! Die EU ist eine hoch-kapitalistische "LUFTNUMMER"! Übrigens, hinter allen "INTERNATIONALISMEN" lauert der MACHTANSPRUCH von RELIGIONEN und IDEOLOGIEN: WELT-HERRSCHAFT!!!


Am 09. März 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

"Gregor Gysi ist ein höchst intelligenter Mann. Ihm ist eine verführerische Intelligenz zu eigen, die mit blendendem Charme geziert ist. Dieser Tendenz zum Genialen kann nicht mal Gysi selbst widerstehen: Weil er so gescheit ist, hält er die meisten anderen für blöd."
-
Das ist eine in ihrer Kürze geradezu genial formulierte Charakterisierung des "Kleinen".
-
Leider geht für mein Empfinden mit der Tatsache, daß Herr Gysi seinem eigenen Charme nicht gewachsen ist einher, daß er sich auch ein grundlegend charmant-gestörtes Verhältnis zur inneren Wahrhaftigkeit und einen charmant-überzogenen Willen zur Allein-Herrschaft über die "Blöden" genehmigt. - So wird er ein wahrhaft charmant-schleimiger "kleiner Manipu".
-
Ein großes, scheiterndes Talent.
-
Tragisch, daß dieser "Kleine" die "große" Sarah Wagenknecht, "klein" macht!
-
Danke, lieber Herr Gellermann, für Ihre erhellende Darstellung - ein weiterer Lichtblick, eine echte Rarität in der gegenwärtigen geistigen Medien-Monokultur.


Am 09. März 2015 schrieb Eckhard Dietz:

Jede Partei - und nicht nur diese - haben ihre Probleme mit ihren Prominenten. Die Probleme werden nicht kleiner mit wachsender Qualifikation der Prominenten. Alle üben den Druck nach innen mit der Drohung aus "macht ihr nicht, was ich will, dann schmeiß ich hin". Ein auch weiter unten beliebtes Argument. Unfähige sprechen es leider nicht aus.


Dieses Dilemma mit den Prominenten - es wird nicht besser, wenn es mehrere Platzhirsche und -hirschinnen (-kühe ist nicht pc) gibt und alle hochqualifiziert und/oder beliebt sind - kann man politisch an die große Glocke hängen, wenn es einer zu doll treibt. Insofern kann ich den Artikel akzeptieren.


Das Kuschen der Fraktion ist der Preis für eine Außendarstellung, die andernfalls - beim Aufbegehren - öffentlich mit Begeisterung als Selbstzerlegung gefeiert würde. Wer legt den Maximalpreis fest? Jeder für sich. Die Fraktion liegt in vielen Fällen schon nahe an diesen Grenzen - und arbeitet, den Umständen angemessen, sehr gut.


Wichtiger sind mir weiterhin die politischen Recherchen und ihre knallharte bis knallige Präsentation in der Rationalgalerie.


Am 09. März 2015 schrieb curti curti:

@ Kurt Bergholz

"Star" hat was von Schauspieler. Und Kadavergehorsam ist gerade das was die Linke tunlichst vermeiden sollte!


Am 09. März 2015 schrieb Kurt Bergholz:

Ich finde es einfach unsolidarisch diese Innereien der Linken öffentlich auszubreiten. Nach wie vor ist sie die einzige Partei, die sich gegen Auslandseinsätze einsetzt. Gysi ist außerdem nach wie vor ein Star in der öffentlichen Auseinandersetzung, die Linke wir ihn noch lange brauchen. Ihn derart zu beschädigen wie Sie das tun schadet auch den Linken außerhalb der linken Partei.

Antwort von U. Gellermann:

Gregor Gysi beschädigt sich selbst. Ich referiere nur seine Abbrucharbeiten.


Am 09. März 2015 schrieb curti curti:

Die Größe von Sahra Wagenknecht ergibt sich neben Intelligenz und Erfahrung auch und insbesondere daraus, bei sich und damit ihren Überzeugungen geblieben zu sein.

Das kann man dem koketten Gernegroß -mittlerweile zweifelsfrei- nicht attestieren. Alarmstufe Rot!

Ad hoc fällt mir zu dieser Misere und dem Hinweis auf "Mediensturm" ein kurzes Gedicht zu Vierbeinern ein, das ich wie folgt abändere:

Das mir die Wagenknecht politisch das Liebste sei sagt Du oh Linke sei Sünde,
die Wagenknecht bleibt mir im Sturme treu, der Gysi noch nicht einmal im Winde.

Applaus für Uli Gellermann, auch Bereiche zu thematisieren die andere auszuklammern bemüht sind!

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