Immer der Sache nach

Die besondere Schläue des Thomas de Maizière

Autor: U. Gellermann
Datum: 06. August 2012

"Der Sache nach ist eine Drohne doch nichts anderes als ein Flugzeug ohne Pilot", erklärt der Minister de Maizière der deutschen Öffentlichkeit und will die fliegende Waffe für den Mord an Menschen außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik möglichst bald für die Bundeswehr ordern. Wir wollen versuchen seiner außerordentlich schlauen Argumentation zu folgen:

Raketen werden auch zu Neujahr verschossen, der de Maizièreschen Sache nach sind sie also eher Lustbarkeiten, auch wenn sie etwas größer sind und Bomben tragen. Der Sache nach ist eine Gasmaske nur eine Schutzmassnahme, zumeist gegen den eigenen Giftgas-Einsatz. Und Giftgas ist nach diesem Verständnis auch nur die Modernisierung von Niespulver. Zumindest rein sachlich betrachtet. Gern wird die Übung des Aus- und Anziehens von Gasmasken bei den diversen Armeen als "Maskenball" bezeichnet, was sicher ähnlich fröhlich sein wird wie der Raketenbeschuss. Selbst das Maschinengewehr ist, wie der Name schon sagt, nur eine Maschine. Und die Maschine ist dem Menschen eine große Hilfe. Beim Maschinengewehr wird die Hilfsfrage danach entschieden, ob man sich hinter oder vor dem Maschinengewehr aufhält. So ist das Maschinengewehr sogar mit einer großen sach-philosophischen Frage verbunden: Dem Davor oder dem Dahinter.

Was sollte, der Sache nach, ein Panzer anderes sein als ein Schutzmassnahme, eine Panzerung eben. Und ist der Schutz des Menschen nicht unser aller Aufgabe? Auch wenn die Handgranate nicht vom Granat-Apfelbaum fällt, ist sie doch mit der Hand eines Menschen verbunden, also zutiefst menschlich. So ist denn der Granatwerfer der Sache nach nichts anderes als die Handgranate ohne Hand: Man muss die Granate also nicht selbst werfen. Wer aber wollte einer Entwicklung der Technik im Wege stehen? Ähnlich ist es auch mit der Kanone: Ihr Name leitet sich vom lateinischen "canna" ab, was nichts anderes als "Rohr" bedeutet, im Plural sicher "Röhricht". Und wer im "Feldgeschütz" richtigerweise eine Kanonenart erkennt, der weiß, wie sehr die Kanone mit Feld, Wald und Flur verbunden ist. Den Gebildeten unter uns wird die Nähe der Kanone zum "Kanon" aufgefallen sein, eine Nähe, die eher an lustige Lieder denn an heiteres Beschiessen erinnert.

Bei den Drohnen ist auf ihre natürliche Herkunft zu achten: Ursprünglich ist der Drohn nichts anderes als eine männliche Honigbiene, die keinen Honig erzeugt, aber die Bienenkönigin begattet. Seine militärische Weiterentwicklung, die Drohne, erzeugt auch keinen Honig, aber sie fickt alles was ihr in den Weg kommt. Zumeist mit letalem Ausgang. Auch in der Natur stirbt der Drohn. Na, also. Ganz natürlich ist auch der Jäger: Er hegt und pflegt das Wild, manchmal stirbt es dabei. So ist es auch beim Düsenjäger. Der jagt nur schneller. Selbst der manchmal schlechtgeredete Düsenbomber ist letztlich nur die eilige Weiterentwicklung der Granate, die aber hatten wir schon, weiter oben. Und rein sachlich: Sparen wir uns in den beiden Düsen-Fällen den Piloten, dann sind wir nicht nur einen wichtigen Rationalisierung-Schritt gegangen, sondern vergeuden auch weniger Menschenmaterial, eigenes versteht sich.

Wer also sachorientiert denkt, dem wird auffallen, dass die Atombombe nichts weiter bedeutet als ein paar Hekatomben Sprengkraft mehr als bei gewöhnlichem Dynamit frei wird. Eine Negation der Atombombe ist also eindeutig eine Negation des Fortschrittes. Während biochemische Waffen, wie Anthrax zum Beispiel, garantiert bio sind. Anthrax verursacht Milzbrand und wird über Sporen verbreitet. Das ist wie bei Pilzen. Was uns auch an den lustigen Pilz am Ende der Atom-Explosion erinnert. Letztlich ist der Tod - auch und gerade im Krieg - immer organisch mit dem Leben verbunden, also in Wahrheit lebensnotwendig. Der Sache nach.

Noch wichtiger aber ist ein weiteres Wort des Ministers zur Drohne: "Ethisch ist eine Waffe stets als neutral zu betrachten". So ist es: Unser bewaffneter Aufenthalt in Afghanistan ist völlig neutral. Eigentlich gegen niemanden so direkt gerichtet. Kommt uns aber irgendwo ein dahergelaufner Afghane in den Weg, dann verpflichtet uns das höchst ethische Prinzip der Selbstverteidigung zur bewaffneten Gegenwehr. Überall auf der Welt: Von der Etsch bis an die Memel, vom Hindukusch bis nach Somalia. Über alles auf der Welt.

Rein sachlich: Kriegsminister Thomas de Maizière ist ein ein hoch gefährliches, aggressives und verfassungswidriges Arschloch.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 07. August 2012 schrieb Rita E. Groda:

Das haben Sie jetzt aber sehr schön gesagt!!

Ich kann Ihnen beim besten Willen nicht widersprechen.


Am 07. August 2012 schrieb Wolfgang Blaschka:

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ist der Sache nach kein Arschloch, auch wenn er eines hat, vielleicht sogar ein offenes (was ihm aus medizinischen Gründen zu wünschen wäre, ansonsten: Handgranate!). Er ist der Sachlage nach ein nachdenklicher und kritischer Kriegsminister, der sich für Nachdenklichkeit über Nazibräute ins Zeug schmeißt und die in die Sportfördergruppe der Bundeswehr integriert sehen möchte, mit anderen Worten: Er ist der kritische Kriegsherr einer freiheitlich-demokratischen Parlaments-Truppe, die möglichst in Ruhe eine wegen NS-Kontakten aus dem Polizeidienst ent­fernte Nazi-Sympathisantin rekrutieren soll, wenn es nach ihm ginge, das zumindest vorbehaltlos prüfen soll. Aber bitte „nicht in der Atmosphäre der letzten Tage“. Schließlich sei ihr Freund ja aus der NPD ausgetre­ten. Selbst wenn nicht – unerheb­lich: Der Sache nach sind Nazis ja auch nur Menschen. Und der Sachlage nach ist der Militärminister eben umso menschli­cher, je nachdenklicher und kritischer er dem Menschen und der Menschin gegenübertritt. Völlig unvorein­genommen. Neutral wie ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan so sein sollte, beinahe schon neutralisiert. Also eigentlich hart an der Grenze zum Nichtvorhandensein. Shakespear'sche Grenzfragen geradezu – in der dünnen Luft am Hindukusch, jenseits des Olymp.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich am Montag nachdenklich und warf kritische Fragen auf. „Wo liegen eigentlich die Grenzen? Steht es uns als Öffentlichkeit wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen und zu gucken, was da los ist? Müssen wir von ihnen verlangen, offenzulegen, mit wem sie befreundet sind, was sie denken?“ Wenn der Fall Drygalla Anlass sei, etwas behutsamer mit dem Privatleben von Sportlern umzugehen, sagte de Maiziere, „wäre das eine gute Mahnung“. (Hamburger Abendblatt)

Behutsamkeit sollte auch beim Minister angesagt sein: Hut nehmen und gehen! Ab ins ungescreente Privatleben! (Das nicht nur als Mahnung, sondern als Forderung!) Ich möchte gar nicht wissen, mit wem der Mann privat befreundet ist. Und was er sonst noch so denkt. Es reicht allemal für seine Demission.

Der Minister sagte, wenn es von Drygalla einen Antrag auf Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr gäbe, würde man ihn prüfen. „Aber in Ruhe. Und nicht in der Atmosphäre der letzten Tage“, fügte der CDU-Politiker hinzu.

Jaja, die Ruhe! – Ruhet in Frieden! – In der Ruhe liegt die Kraft. – Kraft durch Freude. – Freude, Friede, Eierkuchen! Nein-nein-nein: Man darf einen Menschen nicht auf ein Arschloch reduzieren! Er ist deutlich mehr. Der Schoß ist furchtbar fruchtbar noch ...


Am 07. August 2012 schrieb Friedhelm Bluhm:

Na Bravo, endlich schließen wir dann weiter zur Weltspitze vor. Mit dem Joystick in ferne Länder und einfach rumballern ohne die lästigen Leichensäcke der eigenen Krieger. Die Zustimmung von der SPD für dieses Projekt ist bestimmt nur dann sicher, wenn Langzeitarbeitslose an der Bedienungskonsole sitzen dürfen. Die GRÜNEN verlangen bestimmt, dass die Drohnen aus receiclingfähigem Material gefertigt werden müssen.
Nach meinem Ratingsystem bekommt der Herr Minister ein Triple A:
Arrogantes-Agressives-Arschloch


Am 06. August 2012 schrieb Klaus-Jürgen Bruder:

Einfach genial!!:

Rein sachlich: Kriegsminister Thomas de Maizière ist ein ein hoch gefährliches, aggressives und verfassungswidriges Arschloch.


Am 06. August 2012 schrieb Manfred Mayer:

Tatbestand: Beleidigung des Verteidigungsministers. Was bringt das für Uli Gellermann? Wahrscheinlich den Einsatz einer Drohne im Luftraum über Wilmersdorf


Am 06. August 2012 schrieb Prof.Dr.Heidemarie Salevsky:

vielen Dank für Ihre letzten Interpretationen zu Freiheit und Demokratie, Blankoschecks und Blindflügen, den schönen neuen Kleidern, zum "gläubigen" Thomas und dem Aufruf zur Befreiung von "Wir sind das Volk" aus dem Museum.
Ich bezweifle, dass die Befreiung erfolgt, solange wir den Krieg nicht vor der eigenen Haustür haben. Die Präventivkriegsthese hatten wir doch schon...


Am 06. August 2012 schrieb Johannes M. Becker, PD Dr:

...ja, das begann (in der jüngsten Vergangenheit) mit "friedenschaffenden" und "friedenerhaltenden" Einsätzen unter dem Außenminister Joseph F.
Wer hat etwas gegen den Frieden?

Es ist in der Tat zum Kotzen.
Und Verfassungsfeide sind sie alle, das ist wichtig zu schreiben.


Am 06. August 2012 schrieb Franz Hamburger:

der text hat mir einmal mehr auf unterhaltsame weise eingeleuchtet. wäre ich thomas de maiziere, ich überlegte, ob ich dich als spezialist für verharmlosungen aller art engagierte.


Am 06. August 2012 schrieb Gil Kattelbach:

Früher gab es im Sommer-LOCH immer das wieder auftauchende Ungeheuer LOCH Ness, heute gibt es jeden Sommer wieder ein ArschLOCH nach dem anderen in der Politik wie auch in den Medien.


Am 06. August 2012 schrieb Rudolf Breitendörfer:

Selbst wenn Ihre politische Aussage richtig sein sollte, Ihre Obszönitäten sind es keinesfalls.

Antwort von U. Gellermann:

Obszöne ist die mörderische Sprache des de Maizière.

Dran bleiben...

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