Grüne: Total immun

Mutti & Jürgen zum Koalitions-Altar

Autor: U. Gellermann
Datum: 12. November 2012

Noch waren die Spitzenkandidaten der GRÜNEN zur Bundestagswahl 2013 nicht gewählt, da gab es einen sachdienlichen Hinweise darauf, wohin der Weg der Partei im kommenden Jahr führen wird. Denn im Immunitätsausschuss des Bundestages gaben auch die GRÜNEN die Strafverfolgung von vier Abgeordneten der Linkspartei frei. Die hatten im Herbst 2010, gemeinsam mit rund 1.500 anderen, einen Aufruf zum "Schottern" unterschrieben. Schottern, das war damals die neue Aktionsform gegen die Castor-Transporte, jene widersinnige Reise von Atom-Müll in Endläger, die es nicht gibt. Das hinderte die Staatsanwaltschaft Lüneburg nicht daran, die Unterzeichner strafrechtlich zu verfolgen. Weil man aber die Abgeordneten Diether Dehm, Inge Höger, Sevim Dağdelen und Jan van Aken nur belangen konnte, wenn man ihre Immunität aufheben würde, tagte der Ausschuss: Mit den Stimmen der GRÜNEN dürfen die LINKEN jetzt verfolgt werden. Mehr an Kurswechsel bei den GRÜNEN - von der Anti-AKW-Organisation zur Pro-Castor-Partei - ist kaum denkbar.

Als die Stimmen zur Wahl der GRÜNEN Spitzenkandidaten für das kommende Wahljahr ausgezählt waren, wurde mit Jürgen Trittin eine wirklich bewährte Kraft aufgestellt: Längst hat der Mann aus Bremen mit seinen maoistischen Jugendschwärmereien abgeschlossen. Von der GRÜNEN Landtagsfraktion in Niedersachsen, über den Job als Europaminister hangelte sich der gelernte Sozialwirt bis zum Amt des Bundesumweltministers in der Agenda-Regierung von Gerhard Schröder. Trittins langer Marsch durch die Institutionen hatte sich gelohnt. Zwar trug Minister Trittin sowohl den Afghanistankrieg wie die sozialen Grausamkeiten der rot-grünen Regierung brav mit, aber er machte sich mit der "Trittin-Rente" doch einen Namen als Anwalt der sozial Schwachen: Sein damals eingeführtes Flaschenpfand von 25 Cent erzeugt bis heute die rührenden Bilder von jenen Ausgegrenzten, die in den Müllkübeln wühlen, um sich mit den gefundenen Flaschen die Sozialhilfe aufzubessern.

Auch die bigotte Katrin Göring-Eckardt, die zweite Kandidatin, darf man zu den tradierten grünen Kräften zählen. Weiß doch die Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland: "Der Rückbezug auf die Bibel öffnet ganz neue Wege in die Zukunft." Solche Rückbezüglichkeiten führen die grüne Spitzenkraft geradewegs in die Fünfziger Jahre: "Für mich persönlich, als Christin, kommt Abtreibung nicht in Frage." Das ist zwar frontal gegen die GRÜNE Frauenpolitik gewandt und eher am rechten Rand der CDU angesiedelt, aber da nach Göring-Eckardt Schwangerschaftsabbrüche "in unserem Land nicht erlaubt" sind, bewegt sich die Frau vorgeblich streng nach dem Gesetz und ihrem Gewissen, von dem Bundestagsabgeordnete ja mehr haben als normale Menschen.

Während bei der Wahl zu den GRÜNEN Spitzenkandidaten die neue Bürgerlichkeit siegte, macht sich ein anderer Star der neuen GRÜNEN Gedanken über die Zukunft. Winfried Kretschmann, einst Verehrer von Pol Pot, jetzt schwäbischer Landesfürst, sieht neuerdings zwischen der CDU und den GRÜNEN keine "unüberbrückbaren Differenzen mehr". Denn mit linker Politik, so sagt der Ministerpräsident, weiter "kann man weder in Baden-Württemberg noch im Bund eine Mehrheit gewinnen." Recht hat er, das Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken, es geht darum Wahlen zu gewinnen! Da sind Inhalte, erst recht linke, wirklich störend.

So haben die GRÜNEN im Verlauf der Jahre eine gewisse Immunität entwickelt: Immun sind sie gegen ihre eigene Vergangenheit als Friedenspartei, als Kind der ökologischen und der Frauenbewegung. Und angesichts der kränkelnden FDP kann sich Angela Merkel nur über die robuste Gesundheit der GRÜNEN nur freuen. Wenn sie dann im nächsten Jahr mit Jürgen Trittin zum Koalitions-Altar treten sollte, darf sie mit Jubel-Chören aus beiden christlichen Konfessionen rechnen. Es soll bei geneigten Gebrauchsmusikern schon ein Lied mit dem Refrain Immuni-Täterä-Täterä-Täterä in Auftrag gegeben worden sein. Mit einem Freudenfest, ausgerichtet von den Unternehmer-Verbänden, ist zu rechnen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 19. November 2012 schrieb Susanne Zaman:

Heute habe ich eine E-Mail an Herrn Ralph Boes und die Partei: Bündnis 90/Die Grünen abgeschickt. Darin habe ich einen Text von Ihnen verarbeitet. Jetzt bin ich mir sehr unsicher, ob das überhaupt rechtens war und ist?! Ihren Text habe ich 1zu1 übernommen.

Antwort von U. Gellermann:

Klauen Sie bei mir so viel Sie wollen: Meine Texte sollten ruhig Steinbrüche sein, aus denen Sie (und andere) sich bedienen können, um Ihrer Wut (die ich teile) Ausdruck zu verleihen.


Am 13. November 2012 schrieb Lisa Füllenbach:

Was bitte ist das Dienstwagen-Syndrom?

Antwort von U. Gellermann:

Dem erliegen Politiker gern, wenn sie nach dem Aufstieg über bisher kaum gekannte Ressourcen verfügen: Dienstwägen, Diäten, kalt Büffets und Dreiteiler von Armani. Das wollen sie jetzt immer haben. Koste es an Kompromiss was es wolle.


Am 13. November 2012 schrieb Rudi Decker:

Warum heben Sie denn so penetrant die maoistischen Wurzeln von Trittin und Kretschmann heraus? das ist doch alles Schnee von gestern, die beiden haben längst andere Wege eingeschlagen.

Antwort von U. Gellermann:

Sie haben mit dem gestrigen Schnee natürlich recht. Aber die GRÜNEN denunzieren die Linkspartei gern als "SED-Nachfolgepartei". Dieser Schnee scheint nicht geschmolzen. Da kann es nur pädagogisch sein, die GRÜNEN an eigene Erblasten zu erinnern.


Am 12. November 2012 schrieb Lisa Füllenbach:

Es scheint geradezu notorisch zu sein: Politische Gruppen steigen mit Bewegungen auf, dann steigen sie aus der Bewegung aus und werden zu staatstragenden Kräften. Woran mag das liegen?

Antwort von U. Gellermann:

Am Dienstwagen-Syndrom.


Am 12. November 2012 schrieb Jürgen Rennert:

Danke für die rechtzeitige An- und Aussprache vor dem politischen Polterabend, der uns im Herbst 2013 todsicher ins Haus steht! Aus dem Umfeld geneigter Liedermacher erreichen mich soeben zwei Strophen eines Textentwurfs für die hochzeitlichen Jubelchöre. Für seine Verwendung spricht der traditionsbewusste Rückgriff auf die erste Strophe eines pommerschen Volkslieds:

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider,
Grün, grün, grün ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles was so grün ist,
Weil mein Schatz ein Jäger, Jäger ist.

Rot, rot, rot sind alle meine Kleider,
Rot vom Blute, das ich nicht mehr hab.
Umweltfreundlich schießt der grüne Jäger
Mich ins längst schon ausgehobne Grab...

Dran bleiben...

Schlagzeilen

Wenn Sie sich für die Artikel der Rationalgalerie interessieren und immer erfahren wollen, wenn es Neuigkeiten gibt, können Sie unseren RSS-Feed abonnieren:
RSS-Feed abonnieren

Kürzlich...

29. September 2016

Weiße Helme, blauer Dunst

Die TAGESSCHAU wirbt für Katar-Kombattanten
Artikel lesen

29. September 2016

Der Geheimdienst wirft Blasen

Mehr Wasser für den Sumpf durch BND-Müller
Artikel lesen

29. September 2016

Wiesn hinter Gittern

Doch die Gefährdung kam von oben
Artikel lesen

26. September 2016

Massaker-Marketing

Wie die TAGESSCHAU mit Blut Meinung macht
Artikel lesen

26. September 2016

Leyen die Frontfrau

Wahlkampf-Reise in den Irak
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen

DIE WAFFEN NIEDER!

Kooperation statt NATO-Konfrontation - Abrüstung statt Sozialabbau

DEMONSTRATION IN BERLIN

8. Oktober 2016
Auftakt: 12.00 Uhr

Alexanderplatz/Ecke Otto-Braun-Straße


www.friedensdemo.org
Bundesausschuss Friedensratschlag | Kooperation für den Frieden | ViSdP: Laura von Wimmersperg, Friedenskoordination Berlin