Griechenland: Weiter so!

Mehr Merkel, mehr Schulden

Autor: U. Gellermann
Datum: 14. April 2014

Pünktlich zur Vorbereitung der Wahlen in Griechenland besuchte die Zuchtmeisterin der Europäischen Union, Angela Merkel, Griechenland. Und damit niemand nachfragt, ob die Merkel denn nur zur Wahlkampf-Unterstützung für den griechischen Ministerpräsidenten kommt oder die ausstehenden Raten für die an Griechenland gelieferte U-Boot-Technik abholen will, platzt in Athen am Tag vor Merkel die Schulden-Bombe: Eine neue Staatsanleihe hat weitere drei Milliarden zu dem bereits vorhandenen 240-Milliarden-Minus addiert. Und während normale Gläubiger sich angesichts der griechischen Schieflage Sorgen machen würden, knallen bei den Hedgefonds die Champagner-Korken: Man ist sicher, dass die Europäische Union Griechenland nicht fallen lässt: Was auch mit den Griechen geschieht, das Geld der Spekulanten gilt als gut und sicher in der aktuellen Staatsanleihe angelegt.

Nichts ist gut in Griechenland: Dank der von Merkel & Co befohlenen Sparpolitik leben rund 30 Prozent der Griechen an der Armutsgrenze, zwischen 2009 und 2013 gingen 904.200 Arbeitsplätze verloren (-19,9%). Ungefähr 75.600 Unternehmen (30%) mussten schließen, zwischen 2010 – 2013 sanken die realen durchschnittlichen Bruttobezüge um 25,2% und die Einschätzung der Griechischen Bank ist, dass 2013 die durchschnittlichen Bezüge um 7,4% und 2014 um 1,5% sanken bzw. sinken werden. Aber in den deutschen Medien hallt der Jubel über die neuen Schulden heftig nach: Das Land sei wieder kreditfähig. Auch für die EU-Wahlen klingt die Nachricht gut: Weiter so mit Angela Merkel heißt die Botschaft. Nur wenige fragen wie das zusammenpasst: Privatanlegern fünf Prozent Rendite versprechen und die öffentlichen Gläubiger um Aufschub bitten. Weiter so mit Hunger und Selbstmord in Griechenland, weiter so mit staatlichem Selbstbetrug und dem künstlich schön gerechneten griechischen Staatshaushalt, damit die Merkel Stimmen für die EU-Wahlen sammeln kann.

Als der Chef des griechischen Gewerkschaftsverbands (GSEE), Yiannis Panagopoulos, mal bei Angela Merkel zu Besuch war, stellte er die schlichte Frage: "Ist es richtig, dass unsere Regierung Deutschland so viele Waffen abkauft, obwohl sie offensichtlich überhaupt kein Geld für solche Geschäfte hat und deshalb Löhne und Renten kürzt?“ Die Dame Merkel erwiderte umgehend: "Wir haben Sie nicht darum gebeten, einen so großen Teil Ihres BIP für die Verteidigung auszugeben.“ Dann kam sie auf die ausstehenden Zahlungen für U-Boote zu sprechen, auf die Deutschland schon über zehn Jahre warte.- Im August des letzten Jahres hat die Staatsanwaltschaft Bremen die Ermittlungen gegen die Rüstungsunternehmen Rheinmetall-Defence-Electronics und Atlas Elektonik aufgenommen, die sollen bei U-Boot-Deals mit Griechenland griechische Regierungsmitglieder bestochen haben - von Schmiergeldern in Höhe von jeweils etwa neun Millionen Euro ist die Rede. Steuerhinterziehung wird ebenfalls vermutet. Die Ermittlungen dauern an.

An der Spitze der aktuellen griechischen Regierung steht mit Antonis Samaras ein Vertreter jener alten, korrupten Eliten, die Griechenland ins Elend gestürzt haben. Samaras war schon mehrere Jahre Wirtschafts- und Außenminister zweier konservativer Regierungen und gilt als nationalistischer Hardliner, der bis heute der ehemals jugoslawischen Teil-Republik Mazedonien ihren Namen streitig macht und die griechische Hochrüstung gegen den NATO-Partner Türkei - trotz des kaputten Staatshaushaltes - immer billigte. Dieses Muster an konservativer Idiotie erhielt bei den Parlamentswahlen erstklassige Hilfe von Merkel, Hollande, Monti und anderen europäischen Banken-Rettern, die damit drohten Griechenland aus der Euro-Zone zu werfen, falls die linke Partei Syriza die Wahlen gewinnen sollte.

Erst kürzlich erklärte die Stimme seiner Herrin, der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert, die Kanzlerin bewundere den griechischen Weg. Es ist jener abschüssige Pfad, der in den vergangenen vier Jahren zu einem Rückgang des verfügbaren Einkommens um mehr als 30 Prozent führte, den privaten Konsum um 20 Prozent drückte und die Investitionen in den Jahren 2010 – 2013 um 51 Prozent senkte. Das ist der Weg in den Abgrund, begleitet vom Mantra des Weiter-So. Es ist die mit neuen Schulden gepflasterte Straße ins wirtschaftliche und soziale Nirwana, die von der Merkel "bewundert" und gefördert wird.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 15. April 2014 schrieb Rainald Irmscher:

Zu Katarina Vulgaropoulos.

Hallo Frau Vulgaropoulos,

den Namen Silvio Gesell verbinden Sie mit Dingen, die der Mann wohl auch geschrieben hat, die teilweise aus heutiger Sicht schrecklich sind. Kann es sein, dass Sie den Beitrag über Silvio Gesell bei Wikipedia gelesen haben? Die von Ihnen gebrachten Zitate stehen dort unter Kritik. Allerdings steht dort auch noch viel mehr über Silvio Gesell, so auch der Satz von Erich Mühsam:

"Der Weg der Menschheit zur anständigen Gemeinschaft wird mit mancher Fuhre Erde aus dem Garten Silvio Gesells gestampft sein."

Es ist bitter an der Zeit, dass die Gedanken von Gesell über Freiland und Freigeld umgesetzt werden in die Realität.


Am 15. April 2014 schrieb Roger Fahrenhorst:

Respekt: Fakten gestützte Analyse in gute Spreche verpackt. Davon kann ich gar nicht genug bekommen!


Am 14. April 2014 schrieb Wolfgang Oedingen:

Hier wird der Marionette Merkel zuviel Ehre angetan.Dass ihr politisches Agieren unsäglich ist - nicht nur gegenüber Griechenland - dürfte außer Frage stehen. Im übrigen exekutiert sie nur die Politik derer, denen der Laden gehört. Da halte ich den Verweis auf Ackermann doch für wesentlicher.


Am 14. April 2014 schrieb Katarina Vulgaropoulos:

ZU HATTO FISCHER UND RAINALD IRMSCHER

Herr Fischer hat eine Meinung, Herr Fischer hat einen entschiedenen Oberlehrer-Ton. Was hat Herr Fischer nicht? Ahnung. Er schreibt "die arme Merkel, sie wird zum Sündenbock". Merkel hat sich natürlich selbst versündigt, sie exportiert seit Jahr und Tag das asoziale Schröder-System in diverse europäische Länder, sie senkt im Schröder-Gefolge die sozialen Standards in Deutschland, um die Nachbarn mit Billig-Exporten kirre zu machen. Aber Herr Fischer vergibt der "armen Merkel", großzügig. In wessen Namen? In seinem. Toll.

Und dann entdeckt Herr Fischer "das arme Griechenland", dem man ständig Waffen aufgezwungen hat. Wer die bestellt hat, wer die Korruptionsgelder eingesteckt hat, das alles weiß Herr Fischer nicht. Und so verzeiht er auch dem "armen" Griechenland, verwischt jede Spur, jede Verantwortung. Großartig.

Jetzt ist Uli Gellermann dran: "Da machst Du es Dir zu einfach", schreibt Oberlehrer Fischer, "denn die größte Problematik die Griechenland momentan hat, sind die Schulden die Leute selber bei den Banken haben." Fischer hat auch von Ökonomie keine Ahnung. Denn Millionen Griechen haben gar keine Bankschulden, weil sie viel zu arm waren/sind um Kredite bei den Banken zu bekommen. Angesichts der Milliarden Staatsschulden sind ihm die viel geringeren privaten Bankschulden "die größte Problematik". Heilige Einfalt. Fischer schwafelt. Auf niedrigem Niveau.

Und Herr Irmscher? Der dankt Herrn Fischer. Letztlich im Namen von Silvio Gesell, der so schöne Sachen formuliert hat wie die "Hochzucht des Menschengeschlechts“, vom „Zuchtwahlrecht der Frauen“ redet oder der „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet“ ist quatscht. Vulgärer Darwinismus wird als Alternative angeboten. Peinlich. Es fragt sich, warum solch ein Zeug in der RATIONALGALERIE veröffentlicht wird.


Am 14. April 2014 schrieb Rainald Irmscher:

ZU HATTO FISCHER

"Darum sind alle derzeitigen Maßnahmen Scheinlösungen, aber wir leben halt in einer spekulativen Welt die seit Friedman im Produzieren von nur noch mehr Geld ohne reallen Wert verfangen ist. Diesen Mechanism aber mal frei von Schuldzuweisungen zu erläutern, wäre meines Erachtens eine viel wichtigere Aufgabe als immer nur der Merkel die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben."

Dem kann ich nur zustimmen!
Es ist Unsinn, sich darüber aufzuregen, dass Löwen Zebras töten um sie zu fressen!

So lange wir ein Geldsystem tolerieren, dass auf ständigem (krebsartigem) Wachstum der Geldmenge und der Schulden basiert, werden "demokratische" Scheinregierungen installiert mit Figuren wie Frau Merkel.

Ja, es ist auch wichtig, als Gegengewicht zu der Propaganda der Mainstream-Medien die schrecklichen Auswirkungen zu berichten, aber es ist auch super, wenn in den Kommentaren dazu nach Alternativen gefragt wird, die seit Silvio Gesell schließlich bekannt sind.
Danke Hatto Fischer!

siehe z.B. hier:
http://www.pachizefalos.de/forum/thread.php?board=13&thread=1


Am 14. April 2014 schrieb Hatto Fischer:

Wie Du weisst, lebe ich in Athen seit 1988. Was also kann zu Deinem Artikel zu Griechenland heute gesagt werden.
Erstmals, die arme Merkel, sie wird zum Sündenbock gemacht. Dabei reduziert das eine insgesamte Politik auf eine Person die angeblich so viel Einfluss wie kein anderer Mensch hat. Es wird das Phantom der Übermacht aufgebaut. Nietzsche lässt grüßen.
Es werden einige Beispiele zum Beweis immer wieder heran gezogen z.B. jetzt der U-Boot Verkauf. Es handelt sich dabei um drei U-Boote wobei eines nicht funktionsfähig ist. Ja, es gab diese Bestechungen u.a. bei Siemens über 20 Jahre.
All das bestätigt wieder nur einmal daß das arme Griechenland so sehr bedrängt wurde, um Konsument von nicht nur deutschen Rüstungsgütern zu werden.
Was bei solch einer Beschreibung auffällt, es ist eine Analyse die nur die Schuldigen identifiziert, aber selten einen Ansatz für eine alternative Politik zu Wort kommen lässt.
Die Rechnung geht dann auf: moralische Anklage bedeutet gleichsam für einen selber die moralische Reinheit, politisch als auch menschlich verstanden.
Was ich bei Deinen Berichten bezüglich der Ukraine als einseitige Partei-nahme kritisierte, wird im Fall von Griechenland noch kritischer, weil es ja zugunsten der Syriza Partei hinausläuft.
Diese Partei ist intern enorm zerstritten und es dürfte ihr nicht leicht fallen irgend eine Lösung für die von Dir genannten Probleme, angefangen mit der Arbeitslosigkeit und nicht zuletzt bei der Selbstmordrate Frage was tut sich im Lande wenn zuvor es nicht so viele Selbstmorde gab, politisch anzugehen.
Kurzum halte ich solch eine Kritik die ständig Schuld für den Zustand personifiziert, zugleich aber ein Machtsystem konstruiert worin die einzelne Figur wie ein Diktator agieren kann, abkömmlich. Wir leben schließlich in einer etwas komplexeren Welt, genauso wie die Schulden Griechenlands nicht alleine nur einer korrupten Elite zu verdanken ist. Da machst Du es Dir zu einfach denn die größte Problematik die Griechenland momentan hat, sind die Schulden die Leute selber bei den Banken haben, denn dieser Schuldenberg ist allemal größer als das Kapital der fünf Banken. Darum sind alle derzeitigen Maßnahmen Scheinlösungen, aber wir leben halt in einer spekulativen Welt die seit Friedman im Produzieren von nur noch mehr Geld ohne reallen Wert verfangen ist. Diesen Mechanism aber mal frei von Schuldzuweisungen zu erläutern, wäre meines Erachtens eine viel wichtigere Aufgabe als immer nur der Merkel die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben. Da machst Du es Dir und Deinen Lesern zu einfach und verdeckt im selben Atemzug welch eine Gleichgültigkeit dabei entsteht gegenüber allen ernsthaften Bemühungen eine Lösung zu finden.. Kritik verstehe ich als eine Benennung wichtiger Ansatzpunkte um dann noch weiteres am Positiven hervorzuholen. Ansonsten kannst Du diesen negativen politischen Ansatz vergessen, weil er einfach nur eine Lösung hat: sämtliche Schuldigen ins Gefängnis! So hörte ich man will sogar jetzt Gorbatschov in Russland dafür anklagen, daß er die Soviet Union aufgelöst hat.

Antwort von U. Gellermann:

Ich bin Journalist. Eines meiner Haupt-Themen ist die einseitige Berichterstattung z. B. über Griechenland. Mein Job ist es nicht Alternativen aufzuzeigen, sondern zu enthüllen. Merkel ist das Symbol des Systems und das zitierte Gespräch mit dem griechischen Gewerkschafter hat stattgefunden, wie auch alle anderen Fakten in meinem Artikel stimmen. Die Syriza erwähne ich in Zusammenhang mit den Drohungen europäischer Politiker. Was Du daraus machst ist schlichtweg manipulativ. Last but not least: Die neue Bestechung ist die neue Bestechung, nicht die alte. Und: Schon ein "Weiter-So" anzuklagen ist eine Alternative. Niemand hindert Dich mehr zu tuen.


Am 14. April 2014 schrieb Herr Wurzelzwerg:

Bei alledem, was man liest und hört, habe ich die vielleicht nicht ganz überflüssige Befürchtung, dass genau dies, was der griechischen Bevölkerung vom Merkel-Regime angetan wird, auch der deutschen Bevölkerung blühen wird. Denn noch haben sie ja nicht alles "reformiert".


Am 14. April 2014 schrieb Katja Antoni:

Vor lauter Ukraine-Sorgen wird gern vergessen mit wem wir es zu tun haben: Mit einem System, das gern auch über Leichen geht. Von daher ist es gut daran zu erinnern, dass man die wachsende Zahl von Selbstmorden in Griechenland billigend in Kauf nimmt, wenn nur die Rüstungsprofite stimmen. Kollateral-Schäden - in in Athen oder Kiew - müssen nun mal sein.


Am 14. April 2014 schrieb Joe Bildstein:

Wir leben in einer Phase der Geschichte in der der Spruch "Geld regiert die Welt" woertlich zu nehmen ist. Wenn Ackermann um 3 in der Frueh bei Mutti anruft und sagt: du, mach mal 20 Liegestuetze, dann macht Mutti das. Und der Seibert sieht dabei kiffend zu.

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