Fast Frackingverbot

Fast tot, fast schwanger, fast göttlich

Autor: U. Gellermann
Datum: 07. April 2015

Hallelujah Brüder und Schwestern, jetzt wackelt der Untergrund, jetzt kommt die Energie direkt aus dem Brunnen, jetzt wird dem schwarzen Schiefer die reine Flamme abgepresst werden: Fracking, so der neue Regierungsentwurf, ist "fast" verboten. Irret Euch nicht, der Fortschritt spricht auch aus dem Mund der Bundesumweltministerin, selbst wenn wir sie selten haben schreiten sehen! Fast verboten, Brüder und Schwestern, ist auch daneben! So predigt es Barbara Hendricks im neuen Fracking-Gesetzesentwurf: "Dem unkonventionellen Fracking zu wirtschaftlichen Zwecken wird damit ein klarer Riegel vorgeschoben". Wo kämen wir denn auch dahin, wenn wir das konventionelle Fracking gleich mitverriegeln würden: Alles ab einer Tiefe von 3.000 Metern goes, liebe Gemeinde, geradezu anything, sagt der Gesetzesentwurf und macht einen weiteren Schritt zum Altar des TTIP und der US-Fracking-Industrie.

Lasset jede Menge Chemie in den Untergrund gepresst werden, spricht der Herr - welcher auch immer - denn es schadet dem Russen und was dem Russen schadet, das ist wohlgetan. Soll der Iwan doch an seinem Gas ersticken. Jetzt kann die kühne Fracking-Industrie dem Fortschritt die Sporen geben. Wie damals, als eine deutsche Regierung nach der anderen der Atom-Industrie Entwicklungshilfe gegeben hat. Was hieß das schon, Luft oder Wasser gehöre allen, das könne man doch nicht privat verseuchen, wenn es damals wie heute um die Energiesicherheit geht und ging! Und wieder stehen wir an einer Wendemarke technischer Entwicklung, liebe Brüder und Schwestern: "Allerdings ist es nicht unser Ziel, eine neue Technologie für immer zu verbieten", verkündet die Frau Ministerin. Nicht, dass die Erde, der Untergrund gar allen gehöre, spricht der Herr. Der Untergrund gehört nach dem deutschen Bergbaurecht für immer dem, der da bohret!

Hatte der Herr nicht damals gesagt: Macht Euch die Erde untertan? Doch, hat er. An solch göttliche Gebote sollte sich zumindest der Untertan halten. Und da es der heilige Markt fordert, der längst Gottes Stellvertreter auf Erden geworden ist, sollen alle in der Gemeinde schweigen, so sie denn warme Wohnzimmer haben wollen. Ja, wir widerstehen der Versuchung, auch oberhalb der Tiefe von 3.000 Metern zu bohren. Genauer: Wir werden diese Bohrung nur zu "Versuchszwecken" zulassen. Denn: "Ob Fracking jemals umweltverträglich hinzubekommen ist, muss sich erst zeigen", so spricht die Ministerin. Und wie soll man das Hinzubekommende denn zeigen können, wenn wir es nicht mal versuchen können?

Wenn nun demnächst beim Fracking-Verfahren Millionen Liter Wasser versetzt mit Sand und Chemikalien in den Untergrund gepresst werden, um das Schiefergestein aufzusprengen, ist unsere Umwelt in Gottes Hand. Und weil das so ist, muss der Gottesbezug allüberall verstärkt werden. Ein Anfang ist gemacht. Versuchen doch die beiden ehemaligen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein - Björn Engholm und Harry Carstensen - gerade der dortigen Landesverfassung einen heiligen Schein zu verleihen: "Gott in der Verfassung nützte allen", mahnt Engholm und ist dem Herrn ein Wohlgefallen: "Es geht um so etwas wie den Halt im Absoluten". Da hat er absolut Recht, auch weil man dem übertriebenen Umweltschutz Ein-Halt gebieten muss. Und wer jetzt das Wort "Abgefrackt" in die Stille der Besinnung wirft, dem sei kalt auf immer, bis ins letzte Glied.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 11. April 2015 schrieb Daniel L.:

Abgesehen von den Umweltrisiken des Fracking´s, wundert es mich dass sich keiner Gedanken über die direkten Gefahren macht. Wir lassen also z.B unter einem Wohngebiet fracken weil sich dort ein konventioneller Vorrat befindet, natürlich "nur" zu Testzwecken. Und jetzt pumpen wir munter Wasser mit Sand und Chemikalien unter grossem "DRUCK" unter das Gebiet. Wir fördern das Gas. Wenn die Blase leer ist, ist da ein "Hohlraum" und der Druck der das ganze vorher gehalten hat, ist weg. Wenn das nicht zu Problemen führt ....

Abgesehen davon, haben wir in dem Gebiet das Wasser verseucht oder postiv ausgedrückt "mit chemischen Zusätzen optimiert", was zu den vielen schon vorhandenen Zusätzen und den Keimen ja auch wieder als "Bereicherung" gesehen werden kann und das nur weil unsere Abneigung dem Russen gegenüber in dieser Art und Weisse ausdrücken ? Das wird der sich dann sicherlich merken und uns auf Knien darum anbetteln, sein Gas gratis liefern zu dürfen. Auf der anderen Seite nehmen wir ja "nur" unsere eigene Verseuchung in Kauf. Ist es das wert ? Und wieder fällt mir nur das Zitat von George Carlin ein: "and nobody seem´s to notice, nobody seem´s to care.


Am 09. April 2015 schrieb stefan westermann:

Ja, es ist wirklich unglaublich. Während in der USA die Frackingindustrie zusammenbricht, auch das schon bevor der niedrige Erdölpreis ihr den Todesstoß verpaßt hat, wackeln unsere "Politiker" ihren Lobbyisten hinterher.


Am 08. April 2015 schrieb Eard Wulf:

Die zu erwartende Ausbeute, "Rein rechnerisch würde die Menge ausreichen, um den heutigen Gasverbrauch für etwa eine Dekade zu sichern.", reicht gerade einmal für 10 Jahre - die Vergiftung wird länger anhalten.
http://www.taz.de/!156143/

Fracken, ge`crack´t wird die Demokratie, denn dieser Beschluss, "Ich bezweifle, dass es einen Bedarf für Fracking in Deutschland gibt", wird von der Mehrheit der Bürger nicht getragen, mit welcher Legitimation wird dieses Gesetz durchgepeitscht?


Am 07. April 2015 schrieb André Burguete:

Sehr lesenswertes Interview der serbischen Zeitschrift ?Geopolitika? mit Ernst Wolff über die Rolle des IWF bei der Ausplünderung der Ressourcen der Länder:

Auszug:

Geopolitika: Der IWF hat etwa 2600 Mitarbeiter aus 142 Staaten. Sein Unwesen konnte der IWF nicht ohne Erlaubnis der Regierungen der Staaten und mithilfe seiner Mitarbeiter verursachen. Wie findet man so schnell Verräter in so vielen Ländern?

Ernst Wolff: Die Welt wird seit mehreren Jahrzehnten komplett von der Finanzindustrie beherrscht. Keine Regierung kann auf Dauer existieren, ohne sich der Macht der globalen Finanzinstitutionen zu unterwerfen. In den meisten Fällen werden Politiker bereits im Wahlkampf von Geldgebern finanziert. Wegen dieser Abhängigkeit vom großen Geld zieht der Beruf des Politikers vor allem Opportunisten und Karrieristen an. Für den IWF sind diese Menschen ideale Partner, denn sie sind käuflich und haben kein Gewissen.

Geopolitika: Bei solch einem umfassenden Raubzug durch die Länder sollte es auch Schuldige geben. Wie heissen Sie?

Ernst Wolff: Die Schuldigen sind zuerst einmal gewissenlose Banker, die hemmungslos und ohne Rücksicht auf die sozialen Folgen ihres Tuns an den Finanzmärkten spekuliert haben. Zweitens sind es die den Bankern hörigen Politiker, die die Folgen missglückter Spekulation auf die arbeitende Bevölkerung abwälzen. Drittens sind es die führenden Mitglieder von Organisationen wie dem IWF, die den Raub an der arbeitenden Bevölkerung auf Anweisung der Politiker im Einzelnen organisieren.

Im Grunde müssten alle drei Gruppen für ihre schweren Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen und vor Gericht gestellt werden.

Quelle:

http://antikrieg.com/aktuell/2015_04_06_interview.htm


Am 07. April 2015 schrieb Ingrid Böhm-Duwe:

Nicht alles, was machbar ist, sollte man auch machen. Wissenschaft und Forschung sind gut, wenn sie ein natürliches „Stop“-Schild eingebaut haben. Wo dann zwar nichts unmöglich ist, aber von Moral und Ratio her gesehen unmöglich sein sollte, etwas auszuführen, so es das Wertvollste verletzen und schädigen kann: Unseren Lebensraum, unsere Erde, unser Leben.

Der ehemalige Forschungschef von Hoffmann-La –Roche meinte seinerzeit, dass eine Neubestimmung der gesellschaftlichen Werte sich daraus ergeben würde „was wir technisch machen und beherrschen können.“

Schöne neue Huxley-Welt. Wie sprach vormals Ronald Reagan? „Ich führe keinen Atomkrieg, weil er nicht zu gewinnen ist“. Wie ist der Umkehrschluss? „Ich würde ihn führen, wenn er zu gewinnen wäre …“?


Am 07. April 2015 schrieb Hans Jon:

Ich verfluche alle FRACK-Säcke: Mögen sie abfracken!!! ... von der Erde verschwinden!!!
Am besten selber in 3km Tiefe unter der Erde
begraben werden, damit sie gar nimmer wieder auftauchen!
LEO TOLSTOI vor 100J.: " Wir wissen die unnachahmliche Schönheit von Lebewesen nicht zu schätzen und vernichten sie bedenkenlos - nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere und Menschen. Es gibt ja so viele davon.
Kultur - Zivilisation ist nichts anderes als die Vernichtung dieser Schönheiten und ihre Ersetzung durch Übel!
Wir zerstören Millionen Blüten, um Schlösser und elektrisch beleuchtete Theater zu errichten, dabei ist eine einzige Distelblüte wertvoller aus tausend Schlösser."


Am 07. April 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Fracking zu ermöglichen ist eine geistige und sittliche Bankrott-Erklärung in etwa von der Dimension, wie sie der Bau und Betrieb von Atom-Anlagen darstellt
-
Die Selbstzerstörung der Menschheit zu betreiben auf eine solche Weise - nur Schwachsinnige oder Wahnsinnige handeln so.
Oder "Geld- und Geltungs-Süchtige", abhängige Politiker und abhängige Manager / Bankster.
Da möge bitte der "Donnerkeil" reinfahren, bei Zeus!


Am 07. April 2015 schrieb Lutz Jahoda:

Abgefuckt und abgefrackt: die Unsauberkeit im Reim passt wie maßgeschneidert auf die unsaubere Angelegenheit im Großen wie im Kleinen.


Am 07. April 2015 schrieb Manfred Ebel:

Ha!, lieber Herr Burguete, nun weiß ich ja, dass Sie es so nicht meinen. Ich aber!: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Ihre Anregung dient mehr als dem intellektuellen Vergnügen. So sei Ihnen und Uli gedankt mit der guten Aussicht auf weitere Aufklärung.
Kennen Sie die Initiativstrafe? Wer es vorschlägt, muss es machen. Und Sie können es ja.


Am 07. April 2015 schrieb Regina Bergmann:

Ich dachte schon: Jetzt macht er aber eine lange Pause, der Herr Gellermann und dann drei Artikel auf einen Streich! Einer gemeiner als der andere. Und gemein gut formuliert. Wenn doch deren Sinn Gemeingut werden würde. Danke!


Am 07. April 2015 schrieb André Burguete:

Die beiden neuesten Artikel sind brillant. Schade, dass es Ihre Seite nur auf Deutsch gibt, Franzosen würden Sie sehr mögen. Wäre die FAZ nicht zur Nato-Hauspostille degeneriert, stünden Ihre wöchentlichen Kolumnen dort am richtigen Platz und wären ein Segen für den noch lesenden Teil der Nation.


Am 07. April 2015 schrieb Manfred Ebel:

Die Gierde des Mensch hat der Natur nichts als Schaden zugefügt.
Der Mensch vernichtet seine Lebensgrundlagen.

Diese und ähnliche Sätze sind seit längerem unbestrittenes Allgemeingut.
Es gibt auch eine maßgebliche und nicht überhör und -sehbare Masse an Menschen, die dagegen aufstehen und ihre Stimme erheben. Dennoch tun die "gewählten Volksvertreter", als gäbe es diese Massen nicht. Lieber Herr Hansen, wie lange noch geben sich Menschen mit solcherart Volksvertretern und Maximalprofiteuren zufrieden? Tätigkeit ist es allemal - und zwar eine nachhaltige. Warum lassen sich Menschen von Volksverdummern und nicht vom Allgemeingut leiten?

Lieber Uli, nur in einem melde ich Widerspruch an: Gott ist zum Stellvertreter des Marktes geworden. Er hat immer seine Dienste zu leisten, wenn die Marktmacher es wünschen.
Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Gabriel fragt: "Wer ist schon Gott?"


Am 07. April 2015 schrieb Werner Hansen:

Man fragt sich, wie lange die Bürger dieses Vortäuschung von Tätigkeit noch hinnehmen wollen. Ihren Artikel werden ich vielen anderen senden. Danke.

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