Die EU auf der Flucht

Die geschminkte Leiche zappelt noch

Autor: U. Gellermann
Datum: 07. September 2015

Jeden Tag, an dem in Griechenland ein unsinniges Programm zur Sanierung der Gläubiger und zur Knechtung der Griechen abgewickelt wird, ist das Scheitern der Europäischen Union sichtbarer. Und an jedem Tag, an dem Flüchtlinge aus dem Nahen Osten sich auf den Weg in die EU machen, wird dieses Scheitern bekräftigt. In Griechenland stirbt die ohnehin kranke Idee, mit immer mehr sozialen Kürzungen ein Land wirtschaftlich gesunden zu lassen. Und an den Grenzen westeuropäischer Länder stirbt die Schimäre von einer europäischen Einheit über die gemeinsame Anbetung des Marktes hinaus. Der Tod der EU ist lange schon eingeläutet. Doch wird der sieche, zappelnde Körper immer gut geschminkt.

Schon als die USA in Afghanistan 2001 unter der falsche Flagge der Terrorbekämpfung ihren Feldzug begannen, schlossen sich die Länder der Europäischen Union und ihre Satelliten mehrheitlich einem "friedenserzwingenden" Gefecht an, das bis heute nur den weiteren Krieg erzwingt. Dass die EU damals, eindeutig wie selten zuvor, ihre selbstständige Außenpolitik zu Grabe trug, fiel nicht weiter auf. Als im Jahr 2003 die USA von grausiger, imperialer Gier getrieben, den Irak mit Krieg überzogen, waren erneut Staaten wie Lettland, Estland, Litauen, Polen, Tschechien und Ungarn dabei. Mit der Zerstörung des Iraks schossen sich die osteuropäischen Kombattanten ihre Freikarte zum wenig später erfolgten Eintritt in die EU. Dass es ausgerechnet die Regierungen dieser Länder sind, die heute ihre Grenzen vor den Flüchtlingen schließen, ist kein Zufall. Wer eine Reisefreiheit anhimmelt, die sich in diesen Ländern nur reiche Leute und Arbeitsemigranten leisten können, der nimmt sich gern die Freiheit die lästigen Reisenden aus der Kriegs-Not zurückzuweisen.

Der britische Premierminister David Cameron hat jetzt die Aufnahme von „mehreren tausend“ syrischen Flüchtlingen in Großbritannien angekündigt. Man will sie geradezu persönlich aus UN-Camps an der syrischen Grenze abholen und nach England bringen. Gälte das Verursacherprinzip, dann müsste Großbritannien fast so viele irakische und afghanische Flüchtlinge aufnehmen wie die USA. Denn in den Kriegen Nordamerikas stellten die Briten immer brav das zweitgrösste Truppenkontingent – nach der US-Armee versteht sich. Aber da die USA gar keine Flüchtlinge aus den von ihr verursachten Kriegen aufnehmen, müssen die Engländer anscheinend auch weniger als vergleichbare europäische Nationen übernehmen. Bisher waren es ganze 216 Vertriebene aus dem syrischen Krieg.

Bis 2019, sagt die schlaue Arbeitsministerin Andrea Nahles, werden allein die Flüchtlinge in Deutschland neun Milliarden Euro kosten. Da rechnet sie die sogenannten "Sozialkosten" zusammen. Weder will sie damit rechnen, dass mancher Flüchtling Arbeit findet, noch damit, dass er in seine Heimat zurückkehrt. Offenkundig hat niemand Lust, die Kosten der Flüchtlingsrettung an den Kosten der Bankenrettung zu messen: Rund 600 Milliarden Euro wandten die EU-Staaten allein 2008/2009 zur Stabilisierung der Banken auf. In der Eurokrise, 2010, kaufte die Europäische Zentralbank im Rahmen ihres "Securities Markets Programme" nochmal für 210 Milliarden Euro Anleihen auf dem Finanzmarkt. Dafür könnten viele Flüchtlinge mühelos gerettet werden. Was in der Rechnerei immer fehlt: Die Pro-Kopf-Rüstungskosten zur Herstellung eines Flüchtlings. Billig ist das nicht.

"Wenn wir wollen, können wir schnell handeln" verkündet EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in Vorbereitung eines EU-Flüchtling-Gipfels. Dort werden die EU-Staaten Quoten aushandeln. Polen und Balten wird man zwingen, ein paar Alibi-Flüchtlinge aufzunehmen. Und der begabte Herr Schulz weiß auch schon wie: "Solidarität ist keine Einbahnstraße", meint er. Denn die mittel- und osteuropäischen Staaten verlangten nun mal, dass auf ihre besondere Bedrohungslage in der Nähe zu Russland Rücksicht genommen werde. "Dann müssen diese Länder aber auch – im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit – Solidarleistungen bei anderen europäischen Herausforderungen erbringen." So geht EU-Solidarität immer längs der Kriege: Die Flüchtenden aus den aktuellen Kriegen werden gegen die aus den potentiellen aufgerechnet. Die Kriege in Afghanistan, Syrien und dem Irak sind noch nicht beendet, da plant die Europäische Union schon für den nächsten an der Ostflanke der NATO. Auch parfümierte Leichen stinken.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 09. September 2015 schrieb Michael Kohle:

Geht es nur mir so? Ich kann die Beiträge zur aktuellen Situation - und das sind nicht nur die zu den Flüchtlingen nebst aufreizend drapierten Kinderleichen - nicht mehr ertragen. Seien sie auch noch so eingängig wie bspw. der von Gellermann hier. Es ist doch längst nur noch das "Große Warten" auf die nächste 180°- oder besser Kopfwende unserer Erdenmutter. Sollten wir nicht langsam mal schauen, was sie sonst noch so alles als alternativlos, als "das geht ja gar nicht" verkauft hat in früheren Jahren? Lassen wir es besser bleiben. Jetzt, wo die Krönung ansteht, zu was auch immer, am besten alles auf ein Mal. Friedenspreis des Buchhandels, Friedensnobelpreis, Heiligsprechung durch den Papst, alle Orden die im Capital zu Washington verliehen werden können (Vorsicht: einen hat sie schon!). Der einzige Schwenk, der mich und manch anderen, nicht nur froh sondern geradezu glücklich machen würde, den werden wir nicht vermelden dürfen. "Das Maß ist voll!" in Sachen NATO-Kreuzzügen zu hören, "Es reicht, ein für allemal" zum blitzeschleudernden Imperator wäre noch besser als ein "Mach doch deinen Sch.... alleine!" Also, Gelegenheiten gäbe es schon sich abzuheben von den transatlantischen Schafherden.

Bestimmt kommen jetzt besonders Wehrhafte hier, die mir vorwerfen, dass das alles nichts mit dem Not und dem Elend der Flüchtlinge zu tun habe. Ach was? Für mich ist alles, was derzeit läuft ein einziges Ablenkungsmanöver. 24/7-Berichterstattung über das Flüchtlingsdrama lässt keinen Platz und keine Zeit, die bedrohlichen Anzeichen am Himmel und anderswo auch mal kurz zu erwähnen.

Auf counterpunch war gestern mal wieder ein schüchterner Versuch dazu. "'Tis is the saison auf selling war!" So ist es, die Zutaten zu diesem köstlichen, jetzt angepriesenen Gericht sind alle schon zusammengetragen.
Sofern es dann überhaupt noch möglich sein wird, werden wir - oder ein paar Versprengte von uns - mal ein zynisches, irres Kichern nicht verkneifen können, wie einfältig wir im Spätsommer 2015 so waren.


Am 08. September 2015 schrieb Georg Moritz:

@m.sastre

Mit dem Verb "zerstören" outen Sie sich als ziemlich konservativ. Veränderung Europas und unserer Lebensweise? Aber herzlich gerne! Es kann ja so nicht weitergehen. Daß die hier satt selbstbezogen vor sich hin Lebenden eine Veränderung aus eigener Kraft herbeiführen halte ich für nahezu ausgeschlossen. Aber hier irre ich mich gerne.

Wir werden 4-5 Flüchtlingskinder ("unbetreute Jugendliche" im Jugendamtsjargon) bei uns aufnehmen. Ich bin gespannt auf die Veränderungen in unserem Leben, die damit zwangsläufig einhergehen werden. Gut so!

Im übrigen: wer Wind sät, wird Sturm ernten. Der Flüchtlingsstrom ist Sauer, Heckler & Koch und Krauss-Maffei-Wegemannmäßig aber auch sowas von verdient.


Am 08. September 2015 schrieb Silke Hauptkorn:

@ m. sastre:

Und was schlagen Sie konkret vor? Eine Mauer um "Ihr" Europa zu errichten und die Menschen, die vor Elend und Tod flüchten, alle ersaufen zu lassen?
Gehen Sie doch lieber auf die Straße und fordern Sie eine soziale, gerechte und friedliche Politik, die nicht wegschaut oder gar daran beteiligt ist, wenn die Länder, aus denen die Menschen flüchten, zerstört und ausgeblutet werden.


Am 08. September 2015 schrieb Peter Becker:

@ m. sastre

Der kommende Zusammenbruch der EU ist ebenso wie die derzeitigen Flüchtlingsströme und die sie auslösenden Kriege Ausdruck einer viel größeren Krise:
Unser schicker Kapitalismus funktioniert nicht mehr, unabhängig davon, was alle rinken und lechten Apologeten noch so meinen.

- Die Rohstoffe können offensichtlich nur noch mit Kriegen gesichert werden, und dann selbstverständlich nur noch für einen recht kleinen Teil der Weltbevölkerung. Der Rest darf sehen, wo er bleibt, oder eben `Flüchtlingsstrom´ spielen.

- Die Verwertung der Ware Arbeitskraft funktioniert weltweit ebenfalls nicht mehr ausreichend. In den sogenannten Entwicklungsländern ist das inzwischen schon recht lange bitter sichtbar, und inzwischen ist das auch in den `marktwirtschaftlichen´ Zentren nicht mehr zu übersehen. Das ist keine zyklische Erscheinung, sondern das baut sich seit mindestens drei Jahrzehnten kontinuierlich auf. Das wird auch nicht mehr besser, denn es ist `systematisch´: Immer mehr Krempel wird mit immer weniger Menschen produziert, und weil dafür in Summe immer weniger Lohn ausgereicht wird, wird dieser Krempel, der immer mehr wird, von immer weniger Leuten nachgefragt. Das System funktioniert nicht mehr, weltweit nicht.
Immer weniger Leute haben noch Erwerbsarbeit, und die konzentrieren sich in immer weniger Ländern. Der Rest darf sehen, wo er bleibt, oder eben `Flüchtlingsstrom´ spielen.

Sie können das nicht mehr aufhalten, mit noch so tollen Argumenten nicht. Nur noch mit Waffen und der festen Absicht, diejenigen umzubringen, die ihr letztes Heil in der Flucht suchen. Dieser Tatsache müssen wir langsam mal ins trübe Auge blicken.

Die Vermutung, diese aktuellen `Flüchtlingsströme´ seien von den USA gesteuert, habe ich anderswo auch schon gelesen. Das mag stimmen oder auch nicht. Es ist unerheblich.


Am 08. September 2015 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

WAFFENEXPORT
BRINGT GELD.

DIE OPFER AUFNEHMEN
KOSTET GELD.

JE WENIGER FLÜCHTLINGE
WIR AUFNEHMEN,
DESTO HÖHER DER PROFIT.

Nicht das Asylrecht wird mißbraucht -
mißbraucht werden Flüchtlinge!

(Mülheimer Flüchtlingsrat &
Die Ruhrkanaker)


Am 07. September 2015 schrieb m. sastre:

So sehr ich ihre ansonsten scharfe und unbequeme Rhetorik schätze, so sehr fällt es mir auf, daß sie im Bezug auf die Zuwanderungsproblematik leider absoluter Mainstream sind. Und gerade hier zeigt sich, ob ein Kommentator bereit ist, aus einer allgemein anerkannten bzw. abgesicherten Position lediglich spitze Pfeile abzuschiessen oder ob die Bereitschaft besteht, fundamentale Fehlentwicklungen anzuprangern.
Der kommende Zusammenbruch der EU wird Europa viel weniger verändern als die derzeit laufende Masseneinwanderung! Es müsste doch eigentlich jedem vernunftbegabten Menschen klar sein, daß es sich hier um eine (gesteuerte?) Völkerwanderung handelt, die das Wesen Europas nachhaltig verändern und unsere derzeitige Lebensweise binnen weniger Jahre zerstören wird. Anstatt dies auch nur zu diskutieren, werden wir Bürger einem medialen Dauerfeuer ausgesetzt, das nur gute und hochqualifizierte Flüchtlinge kennt und nur böse (weil rechte) Einwanderungskritiker. Uns wird gegen den Mehrheitswillen eine Willkommenskultur aufgedrückt und die Bundeskanzlerin, die vor einigen Jahren von einem Scheitern der Zuwanderung und der Integration sprach, kann heute gar nicht genug zuwanderungsfreundliche Signale absondern - oft unter Einschluß des üblichen Rechtsbruches, den sich die Politik mittlerweile zur Gewohnheit gemacht hat.
Ich möchte hier dem Kommentator Dr. Matthias Weisser ausdrücklich beipflichten und auch auf die immensen Kosten der Massenimmigration hinweisen. Statt der von ihm genannten 1500 Migranten, die täglich am Münchener Hbf ankommen sind es aber laut Behördenangaben
(Quelle: http://www.n-tv.de/politik/13-00-Fluechtlings-Soli-gewinnt-an-Zustimmung-article15853416.html) 20 000 am vergangenen WE und wahrscheinlich 11 000 am heutigen Montag. Die von den Verantwortlichen genannten Kosten sind aber allenthalben zu niedrig gegriffen und entweder einer unvollständigen Erhebung geschuldet oder einer weltanschaulich motivierten Falschberechnung. Wenn man alleine bedenkt, das alle Antragsteller nach 15 Monaten, egal ob anerkannt, abgelehnt aber geduldet oder noch im Verfahren befindlich, automatisch in das allgemeine bundesrepublikanische Sozialsystem übernommen werden und diese Kosten dann nicht mehr als Asylkosten gerechnet werden, zeigt, wie unrealistisch die Kostenrechnung zustande kommt.
Der Verweis auf die Bankenrettung oder die durch die USA und die NATO-Staaten angezettelten Kriege im Nahen und Mittleren Osten sind zwar richtig, sofern sie das Faktum ihrer Existenz und Entstehung beschreiben, nicht jedoch als Rechtfertigung oder kausale Ursache der jetzigen Flüchtlingsströme. Die Bankenrettung war ein schwerer ordnungspolitischer Fehler, dessen Ursache in der Kontrolle der Politik durch das Finanzwesen zu suchen ist und dessen letztendliche Konsequenzen wir noch zu spüren bekommen werden. Die Kriege im arabischen Raum alleine können nicht als Ursache der Destabilisierung Europas ausgemacht werden, da 1. Kriege dort leider quasi an der Tagesordnung sind und 2. die Anzahl kriegerischer Konflikte weltweit nach den einschlägigen Untersuchungen hierzu seit Jahren relativ konstant ist.
Was also unterscheidet die Situation heute von den früherer Krisen? Es ist die höhere Mobilität der Migranten, ihr erkennbar höherer Organisationsgrad und die mehr oder minder deutliche Einladung der Europäischen Politik und insbesondere der Bundesregierung und eines mittlerweile offenkundig dementen Bundespräsidenten, jeder könne kommen und würde versorgt.
Was die Mobilität und den Organisationsgrad der Migranten angeht, so sei darauf verwiesen, das die Destabilisierung und Gefügigmachung anderer Länder durch den Einsatz von Migration als Waffe in den USA sowohl in der Politik als auch an den Universitäten ein viel diskutiertes und bearbeitetes Thema ist, das längst aus dem Nebel ein Verschwörungstheorie herausgetreten ist. Interessant hierzu auch das Buch "Blueprint for Action" von Thomas Barnett und die Arbeit von Kelly M. Greenhill "Weapons of Mass Migration: Forced Displacement as an Instrument of Coercion", die haargenau das Szenario beschreiben, welches wir derzeit beobachten können. Die Motivation europäischer Politiker, die nationalen oder gesamteuropäischen Interessen regelrecht zu verraten, ist mir indes immer noch nicht ganz klar. Entweder ist es die totale emotionale Abhängigkeit vom transatlantischen "Partner", die intellektuelle Unfähigkeit eigene Positionen zu entwickeln oder das fatalistische Eingeständnis doch nichts mehr verändern zu können und deshalb den Ausnahmezustand zum gewünschten Normalfall zu erklären. Wahrscheinlich spielen alle vermuteten Motive eine Rolle.

Werden sie bitte nicht zum Kaffeehausliteraten, dessen Artikel durch die Wohlfeile ihrer Kritik in der Masse untergehen. Es gibt zu viele Kritiker, deren Kritik gerade dort aufhört, wo die eigene Wohlfühlzone beginnt und die Grundlagen der eigenen, meist wirtschaftlichen Existenz in Frage gestellt werden.
Ansonsten haben sie eine ganze Reihe möglicher Bruchlinien der EU aufgezeigt und es bleibt abzuwarten, an welcher dieser sich der endgültige Riss auftun wird.

Antwort von U. Gellermann:

Ganz sicher schreibt der Mainstream nichts vom Auseinanderbrechen der EU und auch nicht von der schuldhaften Verstrickung der EU in die Kriege, die für viele Flüchtlinge verantwortlich sind.


Am 07. September 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Lieber Uli Gellermann,

die EU als lebende Leiche, als Zombie, auf der Flucht - das Bild ist zutreffend, auch aus meiner Sicht.
Die EU ist seelisch-geistig betrachtet ohnehin eine Totgeburt - sie wird statt von warmem Blut und konstruktiver Arbeit durch kalte Geldströme und Außensteuerung künstlich vor der völligen Verwesung bewahrt, stinkt aber schon, was auch das beste Deodorant und die grellste Schminke nicht mehr verbergen kann.
- Europa ist ein Kontinent bunter kultureller, sprachlicher, weltanschaulicher Vielfalt.
Er könnte ein vielstimmiges Orchester freier Individualitäten werden oder ein ebensolcher Chor. Das wäre ein Ziel, das auch zum kulturellen und geistigen Reichtum des Globus einen Beitrag beinhalten würde.
Weder eine geistige noch eine wirtschaftliche noch eine sprachliche noch eine organisatorische Gleichschaltung Europas ist wünschenswert. Sie wäre auch wohl kaum durchsetzbar, jedenfalls nicht ohne einen Überwachungsstaat mit Tendenz zum Polizeistaat...
In einem Orchester können sich die Musiker sehr wohl gegenseitig unterstützen ("Solidarität", "Brüderlichkeit", "Geschwisterlichkeit" der Menschen im Wirtschafts-Bereich, im Mitmenschlichen) ohne daß alle das gleiche Instrument spielen müßten!
- An dieser Stelle scheint mir das Mißverständnis von Franz Witsch angesiedelt zu sein.
Die EU ist von ihrer Konzeption her auf Machtkalküle und einen antidemokratischen Filz aus schwarzbraunen Seilschaften, Konzern- und Banken-Interessen aufgebaut worden, "Anbetung des Marktes" nennt dies treffend Uli Gellermann, "Anbetung des Mammon" wäre ein anderes zutreffendes Bild.
Ergebnis ist ein Bürokraten-Filz, korrupt und unfähig bis über den Scheitel, sklerotisch wie ein Bilderbuch-Politbüro.
Dieses Zombie-Gebilde geht nun daran, Kulturen und Gesellschaften wie die griechische tumb und taub zu zerstören - und nebenbei beteiligt es sich noch an solchen Verbrechen wie denen in Afghanistan, Libyen, der Ukraine, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.
- Inwiefern ist jemand, der diese Dinge ausspricht "Nationalist" oder brütet derartiges?
Was steckt hinter diesem an den Haaren herbeigezogenen Vorwurf wirklich?
Ratlosigkeit?


Am 07. September 2015 schrieb Lutz Jahoda:

REFUGEE CAMP GERMANY

Angela Merkels Staatsräson
tritt Deutschland in die Hacken.
Zur sommerlichen Nachsaison
hat sie uns was gebacken

Die wiederentdeckte Empathie!
Wie lange wird sie wohl halten?
In Oberbayern sieht man sie
rapide schon wieder erkalten.

Deutschland verhalte sich superfein,
lobt New York, und es klingt sogar ehrlich.
Ich entgegne lupenrein:
Mit Washington liiert zu sein,
war schon immer gefährlich.


Am 07. September 2015 schrieb Franz Witsch:

Ich denke, dass der Text "Die EU auf der Flucht" nationalistisches Denken zwar nicht unmittelbar vertritt, aber ausbrütet, wie ein Kommentar richtig anmerkt. Das bedeutet nicht, dass ich deshalb Gysi oder Wagenknecht folge.

Ich glaube, viele Deiner Texte kranken daran, dass sie, wie die Argumente von Wagenknecht und Gysi, rein moralisch (nur sozial) und nicht die Spur ökonomisch im Sinne von "anti-kapitalistisch" orientiert sind. Obschon die Flüchtlingsproblematik eindrucksvoll zeigt, wie wichtig es ist, anti-kapitalistische Theorie einzulassen in die Analyse sozial-ökonomischer Strukturen (vgl. http://film-und-politik.de/K06.pdf), um nationalistischen, ja rechtspopulistischen Tendenzen von vornherein das Wasser abzugraben.
Sätze wie "Anbetung des Marktes" sind in dieser Hinsicht kontraproduktiv. Du plapperst da nur etwas nach, was alle sagen.

Antwort von U. Gellermann:

Wenn ich doch nur ein einziges Argument entdecken könnte, viel Meinung, wenig Substanz. Schade.


Am 07. September 2015 schrieb Manfred Ebel:

Herr Kocks, ich bin dafür, die Verursacher zu zerteilen. Das mag hart klingen. Haben die nicht aber genug Schuld auf sich geladen? Reichts nun nicht mal?!
Im Artikel konzentriert sich Uli auf die akuten Folgen der akuten Kriege. Zu Recht!
Die gnadenlose wirtschaftliche und militärische Knechtung dieser und vieler weiterer Länder führt langfristig und immer stärker zu Völkerwanderungen. Dieser jetzige Prozess ist ein irreversibeler und erst der Anfang.
Im Wesen ist gleich, ob Länder wie Griechenland ökonomisch zum Ausverkauf erpresst oder die vielen Länder militärisch auseinandergerissen werden. Es ist imperialistische Politik.
Leben auf Kosten anderer rächt sich. Die fetten, behaglichen, beschaulichen Jahre sind vorbei.
Und das, wenn es noch nicht aufgefallen ist, rapide seit `89.
Das sind doch wirklich einfach zu erkennende Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Ich verstehe immer weniger, wie man da drumherumschwafeln kann und dem Schweinekapitalismus noch irgend etwas Gutes abgewinnen will. Es sei denn, man wettet wie Börsenfuzzis in verantwortungsloser Weise auf den Niedergang und füllt in seinem letzten Hemd die nicht vorhandenen Taschen.


Am 07. September 2015 schrieb Hans-Werner Röder:

Ihr Flüchtlings-Litanei führt doch nur zum Ende der EU und den alten Nationalstaaten zurück. Diese Lafontaine-Wagenknecht-Linie ist letztlich nationalistisch. Da hat Gysi schon Recht. Der gerade einen Gegenbeschluss zur Wagenknecht Euro-Politik durchsetzen will. In seinem Antrag mit dem Titel "Auftreten statt Austreten", der am Montag dem Fraktionsvorstand vorgelegt werden soll, fordert Gysi ein Festhalten am Euro und den Verbleib in der EU.

Antwort von U. Gellermann:

Wie üblich schreibt Gysi schneller als er denkt. Zudem hat Wagenknecht kein "Austreten" gefordert sondern über ein Möglichkeit flexibler Wechselkurse nachgedacht. Aber davon hat Gysi einfach keine Ahnung. Wahrscheinlich hat er deshalb die BILD-Zeitung genutzt, um der LINKS-Fraktion seinen Antrag zur Kenntnis zu bringen: Auch dort sind wirkliche Kenntnisse nicht zu finden.


Am 07. September 2015 schrieb dario vo:

Hier nur ein Auszug eines Kommentars, den ich gerade für Erwerbslosenzusammenhänge verfasst habe:
Die meisten Flüchtlinge aus DDR-Gebiet gab es nach der Einverleibung durch die alte BRD unter dem Regime der Treuhand. Auch nach und wegen der Zerschlagung Jugoslawiens durch EU und NATO blieb vielen nur die Flucht. Eine russische Ingenieurin, der unter der kapitalistischen Transformation von Boris Jelzin nur ein Job als Hure blieb, wäre dumm, wenn sie nicht nach Westeuropa geflüchtet wäre. Selbst Landfrauen verdienen in diesem neuen Job eben mehr.
Die anderen Kriege zur Durchsetzung des Neoliberalismus hat Uli Gellermann schon erwähnt. Vergessen hat er indische Bauern, die von Monsanto ruiniert wurden und sich dann lieber selbst umbringen, statt nach Europa oder anderen kapitalistischen Metropolen zu flüchten.
Doch, wir können viele Probleme der Welt lösen, wenn wir den Kapitalismus abschaffen. Das geht nur nicht, wenn wir uns wie Hunde um die Knochen balgen. Wir müssen schon die Küche stürmen!


Am 07. September 2015 schrieb Alexander Kocks:

Ich bin strikt dafür die Flüchtlinge nach dem Verursacherprinzip zu verteilen. Demnach
sollten folgende Verteilerschlüssel gelten:


Afghanistan: 
USA 50 %, UK 25 % und die restlichen 25 %teilen sich Australien, Canada, Neuseeland und die EU-Staaten

Irak:
 gleicher Verteiler allerdings sollten hier die
Anteile Spaniens und der osteuropäischen
Staaten höher liegen.

Libyen: USA 50 %, Frankreich 40%, den Rest teilen sie die anderen EU-Staaten.


Syrien: USA 50 % Frankreich 30%, UK 10 %, den Rest teilt sich wiederum Resteuropa.


Saudi Arabien kann leider nicht in die Verteilerliste aufgenommen werden, da man keinem Syrer das Leben dort zumuten kann.

Es gibt wohl kein anderes Land welches Syrer mehr verachten als Saudi Arabien.

 


Am 07. September 2015 schrieb Silke Hauptkorn:

Wie hoch ist gleich nochmal das Rüstungsetat dieses Jahr? Glaube um die 30(!) Milliarden. Wobei hier die Grenze noch lange nicht erreicht ist - die nächsten Jahre geht es steil bergauf.
Ach ja, klar, ist doch für "unsere" Verteidigung!


Am 07. September 2015 schrieb Dr. Matthias Weisser:

Dies ist eine Aussage:

"Bis 2019, sagt die schlaue Arbeitsministerin Andrea Nahles, werden allein die Flüchtlinge in Deutschland neun Milliarden Euro kosten. Da rechnet sie die sogenannten "Sozialkosten" zusammen. Weder will sie damit rechnen, dass mancher Flüchtling Arbeit findet, noch damit, dass er in seine Heimat zurückkehrt."

Dies sind andere Aussagen:

Jeden Tag 1500 Flüchtlinge alleine am Münchner Hauptbahnhof.
Das sind dann wohl mindestens 10000 in der gesamten BRD - pro Tag !
Damit errechnen sich 3.56 Mio Flüchtlinge pro Jahr !
abgeschoben sollen worden sein 8000 im 1. Halbjahr 2015, also fast niemand !

Einer kostet laut de Maiziere 12000.- pro Jahr.
1 Mio kostet also 12 Mrd pro Jahr.
10 Mio kosten 120 Mrd pro Jahr !

und trotzdem wird noch immer behauptet alles sei
mühelos zu stemmen, wir nehmen alle auf, alle sollen kommen !

Das Ganze erscheint gesteuert - woher die teuren Luxushandys !
Woher das viele Geld für Flucht und Schleuser?

Antwort von U. Gellermann:

Sie machen den selben Fehler wie Frau Nahles und schreiben den Ist-Stand linear fort (bei Ihnen ist es nur noch teurer). Das blockiert das Nachdenken darüber, wie denn die Kriege deretwegen die Flüchtlinge fliehen, beendet werden können und den Flüchtenden so eine Rückkehr ermöglicht wird. Und es verhindert Überlegungen, wie denn Arbeit für die Leute zu schaffen sei. - Zu den „Luxushandys": Aus Syrien z. B, flieht die gebildete Schicht, die in Syrien relativ gut verdient hat. Nur diese Schicht kann das Geld für die Schlepper aufbringen. Natürlich besitzt diese Schicht Smart-Phones (jene Sorte, die sie in so ziemlich jeder deutschen Schule beobachten können). Und: Nicht selten legt die gesamte Großfamilie zusammen, um wenigstens einem, meist einem jungen Mann, die Flicht zu ermöglichen.

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