Die Banken-Revolution

Ein Jackpot will geknackt werden

Autor: U. Gellermann
Datum: 19. Dezember 2013

Es war schon dunkel in Brüssel als sich die 28 Verschwörer in einem der hinteren EU-Räume die Hände rieben und Wolfgang Schäuble das Ergebnis ihrer geheimen Beratung zusammenfasste: "Wir revolutionieren den Finanzsektor", rief der deutsche Kassenverwalter in die Runde. Kaum unterdrückte Erregung prägte seine Stimme. Einzelne Bravorufe der versammelten europäischen Finanzminister stimmten dem Mann aus Berlin zu. Am anderen Tag sollten die europäischen Regierungschef dem revolutionären Aufruf des 28er Rates nur noch zustimmen müssen. Lange genug hatte man gewartet, vor den deutschen Wahlen sollte niemand beunruhigt werden. Aber jetzt, jetzt kommt sie schon, die Revolution.

Wer nun gedacht hatte, die Verschworenen hätten - schwarze Fahnen in der Hand - ein paar Banken besetzt oder geschlossen oder ein wenig angezündet, der sah sich enttäuscht. Man will einen "Fond" gründen. In diesen Topf sollen die europäischen Banken dann mehr als 50 Milliarden einzahlen. Und wenn dann wieder eine Bank pleite geht, dann möchte man schon aus diesem Topf, wenn er denn mal gefüllt sein wird, die kaputte Bank sanieren. Und damit nur ja keine revolutionäre Hast ausbricht, wird der Topf, Euro-Tröpfchen für Euro-Tröpfchen, in zehn Jahren gefüllt sein. Bis dahin geht natürlich keine Bank pleite. Aber im Jahr 2024, wenn Schäuble und die anderen Revolutionäre längst die Tantiemen ihres Aufstandes gegen die Macht der Banken verzehren, dann geht es los mit dem Revolutions-Topf.

Nicht nur, dass die geplante Banken-Eigenrettung in eine ferne Zukunft geschoben wird. Im Banken-Jackpot wird dann auch gerade mal so viel Geld sein, um zwei mittlere irische Banken zu retten. Und wenn doch eine Bank vorher Geld haben will, oder wenn es deren drei oder vier sind? Dann tritt der bewährte Europäische Rettungsschirm in Kraft oder die Europäische Zentralbank als Retter auf. Also der Steuerzahler. Wie schön, dass die Revolutionsminister gleich auch einen neuen Rat gegründet haben: Ein Gremium aus nationalen Bankaufsehern und EU-Vertretern wird künftig über die Vergabe der Topfmittel entscheiden. So wird die EU unvermittelt zur europäischen Räterepublik. Im sechsten Jahr nach Lehman Brothers: Fürchtet euch, Bank-Konzerne!

So viel revolutionäre Energie! Und alles nur, weil im Mai die Wahlen zum Europa-Parlament abgehalten werden. Soll der blöde Wähler doch denken, die Bankenkrise sei gelöst. Die Fahne der von Schäuble ausgerufenen Revolution soll zudem all das Elend überdecken, das die Bankenrettung vor allem im Süden Europas ausgelöst hat: Selbstmorde, Obdachlosigkeit, Krankheit. Es wäre an der Zeit jene Revolution zu erwägen, die den eigentlichen Jackpot knackt. Die den Banken die Macht der Spekulation nimmt, die Ihre Gewinne dem öffentlichen Wohl zuführt und das Zocken beendet. Aber solange Wähler nichts tun als wählen, solange sie sich mit Ersatz-Revolutionen abspeisen lassen, solange wird die Verschwörung zugunsten der Banken ihren Lauf nehmen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 20. Dezember 2013 schrieb Johannes M. Becker:

Danke, lieber Uli, und: Du hast Recht:
solange Wähler nichts tun als wählen, solange sie sich mit Ersatz-Revolutionen abspeisen lassen, solange wird die Verschwörung zugunsten der Banken ihren Lauf nehmen.
Wir werden dieser Bande nur auf der Straße Herr und Frau werden...
Lasst Euch, liebe Mit-KommentatorInnen, dennoch nicht den guten Wein verderben: Er mag uns hinaustreiben, dereinst, aus unserem Verharren und Schweigen.


Am 20. Dezember 2013 schrieb Reyes Carrillo:

Oh ja, die Stimmung im „Brüsseler EU-Hinterzimmer“ war in der Tat sehr ähnlich wie die, die Sie hier beschreiben. Aber nur am Anfang. Dann wurde sie zunehmend noch besser. Auch war es kein Hinterzimmer, sondern man traf sich unten im Wellness-Bereich des Hauses, wo auch das Schwimmbad ist. Ich war ja als „Chefhostess“ geladen. Komisch, meine Mädels mussten so farbige Armbändchen ums Handgelenk tragen... - ich glaub’, die kamen aus Budapest. Da fällt mir gerade ein: Kennen Sie eigentlich den Film „Caligula“...?
Als „Standard&Poors“ in einer internen Mitteilung eilig verlauten ließ: „Neue EU-Richtlinie erlaubt, Banken mit Steuergeldern zu retten!“ knallten auch dort die Champagnerkorken und lustig-farbige Armbändchen wurden an zum Arbeitseinsatz geladene junge Damen verteilt, wie mir eine Freundin, die nun dort dabei war, am Telefon erzählte.

Ach, verehrter Herr Gellermann, es ist wieder einmal zum Irrewerden, wie weit diese neoliberale Massenverarschung geht! Einfach nicht zu fassen! Dieser ferne Abwicklungsfond (ab 2016) zur Eigenrettung, den Sie völlig zu Recht lächerlich machen, soll ja dann, zehn Jahre später diese niedlichen 50 - 55 Milliardchen enthalten. Gottchen, wie süß! Diesen steht die nur unbedeutend größere Summe von 4.500 Milliarden (4.500.000.000.000) gegenüber, die allein die gegenwärtige noch andauernde Bankenrettung bisher seit dem Jahr 2008 den Steuerzahler gekostet hat. Man muss es sich wirklich wie einen feinen Wein auf der Zunge zergehen lassen: Pi mal Daumen ein Hundertstel (!!!) soll dann der gewaltige, Ehrfurcht einflößende Eigenschutzschild der Banken gegenüber jedem Crash-Szenario der Zukunft sein! Also ich finde, das hinterlässt ein doch eher adstringierendes Bukett mit eindeutig fuchsigem Abgang! Finden Sie nicht auch? Man reiche mir bitte ein großes Taschentuch!
Im Moment dümpeln übrigens (also noch ein paar Tage vor den geplanten „Tröpfchen“-Einzahlungen in diesen Fond) – von keiner Seite widersprochen – immer noch ca. 1 Billiarde (1.000.000.000.000) an faulen Krediten in den Bilanzen europäischer Banken! Haha!
Die zukünftige Rettungshierarchie von der Eigentümer- und Aktionärshaftung bis schließlich zum Steuerzahler ist zudem löchrig wie ein Schweizer Käse mit Schlupflöchern und Ausnahmeregelungen. Aber das Beste kommt freilich zum Schluss: Chefaufpasser über diesen Abwicklungsfond in spe wird allen kabarettistischen Ernstes – richtig, Goldman-Sachs-Genosse Mario Draghi! Was mir allerdings dann doch sehr zu Herzen gegangen ist und meine Augen dezent feuchtete war, als ein erschütteter Draghi jetzt bekannte, wie schmerzlich er Jörg Asmussen vermissen wird. Eine wahrhaft berechtigte Trauer!

Vielen Dank für diesen – einmal mehr - wunderbar intonierten Artikel, der das kalte Grausen wenigstens mit Ihrem wütend-wärmenden Witz verschmelzen lässt. Aber der macht’s ja umso schlimmer – und das wissen Sie!


Am 20. Dezember 2013 schrieb Folker Hoffmann:

Apropos Banken-Revolution:
(Der schwarze Bürgerrechtler) Frederick Douglass hat einmal gesagt:

"Diejenigen, die Freiheit predigen, aber Aufstände verurteilen, sind Leute, die ernten wollen, ohne zu pflügen. Sie wollen Regen ohne Donner und Blitz. Sie wollen den Ozean ohne das schreckliche Tosen der Wellen. Unser Kampf kann aus moralischen Appellen oder physischen Handlungen bestehen oder beides beinhalten, es muss aber ein Kampf sein. Die Mächtigen geben nichts freiwillig her. Das haben sie noch niemals getan, und das werden sie auch in Zukunft nicht tun."


Am 20. Dezember 2013 schrieb Peter Schäuble:

Die Banken bzw. Banker haben sich nie wirklich zurückgenommen. Der Sekt floss immer in Strömen, und sie haben - unberührt von der empörten Öffentlichkeit - immer weiter ihr großes Rad gedreht. Lieber Uli - das Lesen deiner Zeilen hilft mir regelmäßig über meine Empörung(szustände) hinweg. Sonst müsste ich jede Woche meinen gesamten Vorrat an Betablockern wegputzen. Bei den Anonymen Cholerikern bin ich schon längst Mitglied...


Am 20. Dezember 2013 schrieb Michael Tellmann:

Die EZB- pumpt doch seit langem Geld in den Markt, weil sich die Banken nach wie vor untereinander wegen der unbekannten alten Risiken in ihren Büchern nicht trauen. (Ganz zu schweigen von den Krediten, die derzeit mit überbewerteten Aktien und Immobilien gesichert sind)
Das Risikovolumen dürfte EU-weit an die Billionengrenze herankommen. Der neue EU-Deckungsfond soll 55 Milliarden betragen - aber erst in 10 Jahren.
Das Bail-in soll maximal acht Prozent der Bilanzsumme abdecken. Und wer zahlt den Rest?

Nach wie vor nehmen also die privaten Großbanken die Gesellschaften als Geisel für ihre bewiesenermaßen manipulierten Geschäfte: der Staat wird zum stabilisierenden Vertrauenskredit gezwungen , um den Bankrun abzuwenden - die Menschen müssen mit ihren Steuern oder durch Abbau ehemals staatlicher Leistungen und sozialer Standards die Zeche zahlen.
Wo ist der Fortschritt für wen? Ist etwas über den Sektkonsum der Großbanker bekannt?


Am 19. Dezember 2013 schrieb Dirculez:

Ein kleines Sparschwein, na wenn da nicht vorher der Hammer kommt? :) Wenn solche Menschen sich treffen dann muß das Treffen einen dicken Braten bedeuten, umsonst kommt kein Logenbruder hinter dem warmen Ofen vor
Spekulanten, Berater und tolle Redner? Nun wer sind diese Menschen die immer so schön gekleidet sind, narzistische Maßstäbe prägen, Kunst verzerren und Künstler und Fürsprecher einkaufen, am besten einwickeln können, einen hoch kompetenten Eindruck miemen, dein Geld leihen und pippi machen lassen, es füttern und pflegen, damit das Zinseszinskonzept sich wie Königswasser weiter durch die Natur aller Dinge fressen und ätzen kann und die alte Ideologie perfektionieren, die alles Gute was sie nicht anzapfen kann, zerschlägt! Und sich hinter jeder besseren Lösung tarnt, sich wie Ungeziefer durch die Matratze der Zufriedenheit und Stabilität frißt, bis wir trotz härtester Bemühungen, auf dem harten Boden der fortlaufenden Enteignung schlafen. Die vermeintlichen Herren sind Leute die sauber aussehen, aber den größten Dreck hinter sich her ziehen, die dafür sorgen das die Erde im Müll versinkt, die uns zwingen den 100mal längeren Weg zur Lösung zu gehen, nur um an jeder unserer Gegenbewegungen zu verdienen, uns am besten im Hamsterrad bis zur Erschöpfung treiben, damit wir irgendwas sinnloses tun und produzieren, was edel aber knapp gehalten werden muß, damit ein Marktschreier, ein Menschenhändler, ein redender Clown, unsere Güter für das Kaspertheater "Kapitalismus" neongelb anmalt!
Alles was früher da war muß eine neue Farbe bekommen und je wichtiger es ist, umso mehr müssen wir verstehen das wir ein UPGRADE von allem brauchen, der verbrannte Toast ist für den kleinen Mann, aber der perfekte Toast darf nicht billig sein, am besten nahezu unbezahlbar, auch wenn es nur ungesunder Müll ist, die Assoziation zählt! Dort hat sich der Degenerierte längst dem pawlowschen Hund untergeordnet und böse Banken bieten Kaffees an und im EC-Terminalraum ist immer die Heizung auf 5 gedreht, also sind Banken was gutes. Wir müssen verstehen das das Gewinnkonzept eckige Räder erfinden mußte, damit wir mit unserer degenerierten Wahrnehmung einen natürlichen Mangel empfinden und davon träumen, wie wohltuend ein rundes Rad am Karren ist und das der Mann der es verkauft ein Gott sein muß! Der Gott der uns die Intelligenz des Lebens, als Baukastensystem, jeden Tag NEU verkaufen muß!
Und so kaufen wir buntes Plastik, um keine graue Maus zu sein, ein Überraschungsei am Automaten, ein Handy mit dem wir Nichtigkeiten teilen und wir verlieren den Sinn (von Zeitdieben gestohlen) und die Mitsprache daran, unser Leben zu gestalten, wir versinken in Ersatzbefriedigung und können uns die Freude des kreativen gemeinsamen Erschaffens nicht mehr vorstellen und pflegen psychosomatische Krankheiten mit Schokolade.
Und so baut man Ecken und Kanten und Bruchstellen ein, würde gerne das Fach Mathematik verbieten, damit der Verkäufer selber in dein Portemonaie greift und sich einen Betrag ausdenkt, der seine narzistische Tagesstimmung wiederspiegelt!
Billiganbieter und Wucher, Knebel und Täuschung, als Labyrinth im Schauglas: Wird der Hamster frei, oder verschuldet er sich endlos?
Diese Herrscher möchten nach Laune bezahlt werden, dort wo weiße "Hab-mich-Lieb-Jacken" wichtiger wären, als die Tagesbilianz, dort stehen die Resignierten ungläubig davor und feiern den Schrottplatz des schiefen Denkens.
Das Effektive ist der Todfeind dieser glitzernden Insekten, weil sie die Leute von der Nachhaltigkeit und Sparsamkeit weg manipulieren müssen, weil sie aus der Evolution ein Dixieklo machen und den Menschen damit noch auf den Kopf stellen.
Er muß nur permanent beschäftigt sein und kein kluger Gedanke reift mehr in ihm heran, es muß piepsen, blinken, seine Triebe abmelken und schon kannst du den Menschen von seinem Geburtsrecht abnabeln. Auf Ländereien und Äcker bauen wir Vergnügungsparks und weil die Menschen sich nicht mögen und keine Herdentiere mehr sind, bekommt jeder Gewinner sein eigenes Riesenrad! Sinnlos, läuft nicht rund, war auch nur zum Angucken gedacht!
Gewinnkonzepte bauen in jeden Fleiß die zigfache Vergänglichkeit ein und dann fragt man sich wo kommt die große Depression am Rande unten her? Inselbegabte, schon fast auf jeglichem anderen Gebiet, schwachsinnige, High End - Wirtschaftstitanten, zwingen dem universellen Leben ihren eigenen vergifteten Sinn auf.
Sieht man den Mensch mit Zwingersyndrom, von niedrigen harten Tätigkeiten geschädigt, so hört man den Härtefall sagen: Ich gönne mir was, ich schmeiße zwei mal im Jahr meine komplette Einrichtung weg, ich kaufe nur das beste, wenn es auf dem Karton steht, oder wenn es jemand kennt der wichtig ist, ich hebe nix mehr auf, auch kein unnützes Gramm Hirn und wenn ich mal aus dem System raus falle, dann kommt nur noch das lange lethargische Bedauern, das kann ich dann in Luxusbier ertränken, oder die Pharmakonzerne können noch ihre Produkte an mir testen. Wo immer eine arme Wurst auch hin geht, sie wird serviert, gegessen, verwurstet oder kompostiert, hauptsache man bindet ihr die Hände auf den Rücken, das sie sich beim Fall nicht abstützen kann denn Aussteigen während der Fahrt ist verboten!
Erst wenn sich auf dem Planet kein eckiges Rad mehr dreht, dann schließen auch die Logen, dann werden die Ferngläser die dein Leben kontrollierten auch hin gelegt sein!



Am 19. Dezember 2013 schrieb Ulrich Wilke:

Ich danke Ihnen für diesen augenöffnenden Artikel.


Am 19. Dezember 2013 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Da denkt man sich als Laie, wenn man "Banken-Revolution" vernimmt, zunächst mal an den längst überfälligen großen positiven Durchbruch, obwohl man ja aus Erfahrung bereits weiß, daß das eher unwahrscheinlich ist.
Danke Uli - Du bringst doch immer wieder Licht ins Dunkel,
wie es sich in Wirklichkeit verhält!
Einzig der bittere Beigeschmack - daß sich die Banker genau wie vorher ins Fäustchen lachen - der hat Bestand.


Am 19. Dezember 2013 schrieb Hans-Günther Dicks:

Echt knackig!

Dran bleiben...

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