Die ARD fälscht den Trend

Die Deutschen müssen kriegsreif gequatscht werden

Autor: U. Gellermann
Datum: 03. März 2014

Letzte Woche gab es mal wieder den monatlichen ARD-Deutschland-Trend, jene Umfrage, die in Deutschland Themen setzt und Meinung macht. Denn genau das ist die "Arbeitsgemeinschaft Rundfunkanstalten in Deutschland": Eine Macht. Sie verfügt über 11 TV-Anstalten, 55 Radios, erreichen zum Beispiel mit der "Tagesschau" einen Marktanteil von über 30 Prozent und verfügen über ein Geschäftsvolumen von 6,3 Milliarden Euro jährlich. Glaubt man dem Rundfunkstaatsvertrag, dann sind sie "Unparteilich". Im vorigen Monat hatte die neue Kriegsministerin gefordert: "Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen". Und meinte Afrika, und meinte Militär. Damals fragte die ARD den Deutschlandtrend ab: Da waren noch glatte 61 Prozent der Befragten gegen Frau von der Leyen. Nur 30 Prozent dafür. Eine stabile Mehrheit gegen Auslandseinsätze, wie seit Jahren in fast allen Umfragen. Der neueste Trend ist scheinbar umgekehrt: Irre 74 Prozent sind nun für "Mehr deutsche Verantwortung bei internationalen Krisen". Schäbige 23 Prozent sind nur noch dagegen.

Was mag sich in diesem einem Monat bei den Deutschen geändert haben? Nichts. Außer der Frage-Technik bei der ARD. Zuerst fällt auf, dass die Antworten zusammen fast die 100 Prozent ergeben. Das gibt es natürlich nie im wirklichen Leben. Und wie stellt die ARD das her? Die übliche dritte Frage, die für die Nichtwisser, für Unentschlossen, fällt weg. Und natürlich fragt man vornehm nach "deutscher Verantwortung". Was das ist, das hatte Frau von der Leyen zwar gerade erklärt, aber so lange kann der normale Zuschauer wirklich nichts behalten. Aber eine weitere Frage im Trend-Theater führt auf die Spur: Soll sich die EU an Finanzhilfen für die Ukraine beteiligen? Da sagen Ja: 62 Prozent und Nein: 33 Prozent. Hätte die ARD ehrlich gefragt: Soll der deutsche Steuerzahler finanziell in die Ukraine investieren? Und: Sollen wir einen Krieg mit Russland riskieren? da hätten die Nein-Werte gut über 90 Prozent gelegen. Aber so viel brutale Ehrlichkeit verträgt der Trend nicht. Da ist die Anstalt zart besaitet. - Die ARD weiß zur Zeit viel von einer "russischen Besetzung der Krim" zu erzählen. Dass es sich bisher nur um Territorien handelt, die in einem noch fast 25 Jahre gültigen Stationierungsvertrag zwischen der Ukraine und Russland festgelegt wurden, ist nicht mal am Rande zu finden. Die Deutschen können den Russen eben nicht jene 27 Millionen Sowjetbürger verzeihen, die von der Wehrmacht und der SS umgebracht wurden.

Was hat sich im Verlauf eines Monats, von der einen zur anderen Umfrage geändert? Zum einen hatte die ARD tagelang Bilder aus der Ukraine geliefert, die nur eine Seite des Konflikts zeigten: Die bösen Russlandfreunde einerseits und die guten Timoschenko-Freunde auf der anderen Seite. Zwischentöne waren nicht erwünscht. Grassierender Antisemitismus bei den "Freiheitskämpfern" und faschistische Schlägergarden gab es zwar, aber die Deutschen sollten sie besser nicht sehen. Zum anderen hatte Gauck, der Hochtöner im falschen Amt, in einer Blut-Rede in München klargemacht, dass die Deutschen schon für Kriege reif sein müssen: "Manchmal kann auch der Einsatz von Soldaten erforderlich sein. Eines haben wir gerade in Afghanistan gelernt: Der Einsatz der Bundeswehr war notwendig." Wie bitte? Nach rund 12 Jahren Krieg dessen einziger "Erfolg" in 100.000 toten Afghanen bestand? Der Mann gehört weggesperrt. Auch für diesen Satz: "Ich muss wohl sehen, dass es bei uns - neben aufrichtigen Pazifisten - jene gibt, die Deutschlands historische Schuld benutzen, um dahinter Weltabgewandtheit oder Bequemlichkeit zu verstecken". Wer keine verfassungswidrigen Auslands-Einsätze will, der ist von der Welt abgewandt. Wer Fetzen von Fleisch nach Drohneneinsätze nicht schätzt, der ist bequem. Wer friedliche Vernunft fordert, der versteckt sich nur.

Einer von denen, die nach Gauck einfach zu bequem sind ihren Arsch für den Rohstoffhunger und die Herrschaftsansprüche der USA zu riskieren, war früher schon mal in Afghanistan. Im Kampf gegen die Sowjetunion, auf der Seite der Afghanen: Jürgen Todenhöfer. Fast 20 Jahre für die CDU im Bundestag, rund 10 Jahre in der Leitung des Burda-Konzerns. Nach bundesrepublikanischen Maßstäben ein seriöser Mann. Der schreibt dem Gauck einen offenen Brief zu seiner Brandstifter-Rede. Der fragt den Bundespräsidenten-Darsteller, ob er denn weiß wovon er redet. Der empfiehlt ihm, doch mal in den Krankenhäusern Pakistans, Somalias oder des Yemen die unschuldigen Opfer amerikanischer Drohnenangriffe zu besuchen. Dieser Brief war in kaum einem wichtigen Medium zu lesen oder zu hören. Der ist wahrscheinlich zu seriös, denn der kennt das Land und die Leute über die der Herr Redakteur sich in sicherem Abstand äußert. In das die Frau Redakteurin nie ihren Sohn schicken würde. Vom zweisprachigen Gymnasium nach Afghanistan? Aber ich bitte Sie?!

Öffentlich geächtet auch Willy Wimmer. Der war von 1976 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Und von April 1985 bis Dezember 1988 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verteidigungspolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Der versteht was vom Krieg, sollte man meinen. Aber Wimmer hat den schweren Fehler begangen sich damals gegen den Fischer-Scharping-Krieg in Jugoslawien zu wenden. Seit der Zeit gilt er, im Gegensatz zu den vorgeblichen Antikriegs-Spinnern von der LINKEN, eben als konservativer Spinner. Der auch aussenpolitisch erfahrene Wimmer, immerhin war er sechs Jahre lang Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, hat jüngst ein längeres Interview zur Lage in der Ukraine und der US-Strategie "den Krieg nach Europa zurück zu bringen" gegeben. Konnte man es in der FAZ oder der ZEIT oder dem SPIEGEL lesen, im ERSTEN oder im ZDF sehen? Nein, der Mann war im deutschsprachigen Iranischen Radio zu hören. Also unter Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit.

Wir sind dem Vernehmen nach ein freies Land mit freien Medien. Und natürlich erscheinen andere Stimmen als die der Regierung auch immer irgendwo. Dass Jürgen Todenhöfer auf den NACHDENKSEITEN im Netz zu lesen war, ist dann die totale Freiheit. In Zeiten einer überwältigend großen Koalition, in Zeiten, wo die Opposition täglich gründlich über den Tisch gezogen wird, hätten die vorgeblich freien Medien eine besondere Rolle in der Kontrolle des Regierungshandelns. Hätten. Aber so viel Mut beweisen? Den können doch lieber die anderen aufbringen, die den Damen und Herren in den Redaktionen die Rohstoff-Kastanien aus dem Feuer holen sollen. Das ist der Deutschland-Trend.

Hier ist Willy Wimmer (CDU) zu hören:

www.youtube.com/watch?v=O3fNWgefjz0


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 04. März 2014 schrieb Joe Bildstein:

Es gab mal einen Helden Namens Slatko, der wurde damals von der ARD "Umfrage" zu den 100 wichtigsten Deutschen gezaehlt. Ich war 12 damals, das war das letzte Mal das ich Aussagen des ARD D-Trend ueberhaupt gelesen habe.
Michelle Muentefering sitzt allerdings im Parlament, das ist Nepotismuss in seiner reinsten Form.....das sind Dinge die mir richtig Angst machen. Unsere "Demokratie" ist es nicht wert das Wort in den Mund zu nehmen


Am 04. März 2014 schrieb Hein Eckel:

Brief an die TAGESSCHAU

Danke, danke und nochmals danke für Ihren wiederum hervorragenden Brennpunkt zur Ukraine, mit dem ebenso hervorragenden Herrn Schönenborn und einem wirklich nochmals herausragenden Vertreter der "Stiftung Wissenschaft und Politik".

"Putin will die Ukraine destabilisieren" hatte uns der letztgenannte Herr dort zu sagen, und das gleich 2x.

Ja, geht´s noch? Sehen Sie selbst nicht einmal die eigenen, schon weitestgehend zensierten Videos, beispielsweise vom Majdan, wo Rechtsradikale und Faschisten mit Steinen, Gewehren und Molotowcocktails die Ukraine - ja was denn? in Ihrer Lesart vermutlich "stabilisiert" haben? Wo diese gewalttätigen Elemente Regierungs- und Gewerkschaftsbüros angegriffen, besetzt oder zerstört haben und das Feuer (im wörtlichen und übertragenen Sinne) auf Polizisten eröffnet haben? Und das Ganze mit Finanzierung und logistischer wie propagandistischer Unterstützung "unserer" westlichen Politiker, sodass sich Herr Klitschko selbst sogar (in einer seiner inzwischen gehackten Emails) rühmen konnte, die Ukraine destabilisiert zu haben?

Wundert es Sie, dass in einer solchen, vom Westen maßgeblich mit herbeigeführten Situation die Menschen in der Ost- und Südukraine Russland um Hilfe bitten? Und dass diese Hilfe dann auch - vielleicht nicht ganz uneigennützig, das wäre angesichts der Verhältnisse auch zu viel verlangt - gewährt wird? Oder ärgern Sie sich bloß darüber, dass der vom Westen erwünschte und betriebene Anschluss der Ukraine an NATO und EU nicht so reibungslos funktioniert, wie man sich das dort (und anscheinend auch bei Ihnen) erhofft hat?

Für wie blöde halten Sie Ihre Zuschauer/innen eigentlich? (Merke: man sollte niemanden für so blöde halten, wie man selbst ist).

Ich fordere Sie auf, unsere Rundfunkgebühren in Zukunft sinnvoller und angemessener zu verwenden - auch dadurch, dass Sie wirklich Sachkundige und nicht etwa sogenannte "Experten" eher dubioser Provenienz zu Ihren Informations- und Diskussionssendungen einladen, und zwar auch von den Seiten, die Ihrer Meinung vielleicht nicht entsprechen.


Am 04. März 2014 schrieb Petr Dehn:

Man stelle sich folgende Meldung vor:

Aufgrund von Diskriminierungen der dänischen Minderheit in Norddeutschland ruft der Vorsitzende der Dänenpartei SSW die dänische Regierung um Hilfe an. Diese lässt Standorte der Polizei, Bundespolizei und Bundeswehr sowie Bürgermeistereien in Schleswig-Holstein militärisch besetzen ...

Dänischstämmige Polizisten und Soldaten laufen über ... Die Kantinen der Marinestützpunkte in Glücksburg und Rendsburg reichen zum Mittag Pölser aus
... Rundfunksender werden besetzt, in den Regionalfenstern von Sat1, RTL und im ARD-Vorabend werden Sondernachrichten aus DK eingeklinkt ...


Am 04. März 2014 schrieb Tor Habita:

Wer Frieden fürchtet, der will wohl Krieg ...
Danke! - dafür, dass du den Fälschern auf der Spur bist und in der Hoffnung, dass ich zukünftig nur ein Exemplar der Startseite: erhalte, sowie den Todenhöfer-Brief an Hr. Gauck (kann der Mitgezeichnet werden?) und das Willy Wimmer-Interview - (angelsächsisches Faustrecht!- nichts ist schlimmer als eine friedliche Beisetzung von Auseinandersetzungen - die UN wird aus den Angeln gehoben - Stellvertreterkrieg in der Ukraine - der kleine Patzer des Ausflusses (gelungen) - Interesse am Wohle des eigenen Volkes ...).
Deutschland ist wohl wieder soweit, um zum Kriegstreiber zu werden. Vielleicht kann mir da jemand helfen, die dt. Waffenexporte werden doch überwiegend ausserhalb der EU geliefert - trotz der U-Boote an Griechenland (Sicherheit: Rohstoffe?) ... also soll der Krieg doch nicht in Europa stattfinden, oder?
Wenn man schon Drohnen hat, die in Deutschland nicht starten und landen dürfen; ganz zu schweigen vom überfliegen, dann müßen die doch im Ausland, also an den Grenzen der EU, in Mali oder über Somalia eingesetzt werden - denn wenn sie am Boden bleiben können sie ja keinen Schaden anrichten. Wer die Achtung eines Menschen von seiner Entfernung zu ihm abhänig macht, sollte sein System rebooten (nicht nur das Finanzsystem).
Ein Umwidmen der Drohnen zu Aufklärern über Fangflotten und Meeresverseuchern, die es andern Ländern nicht nur in Afrika, aber natürlich auch wieder Somalia, ermöglicht eine Fischindustrie zu betreiben, auch um die Piraterie nicht als einziges Liebesmodell (zur Ernährung seiner Nächsten) zu haben. Wenn der Bundespräsident im Angesicht der Opfer des Drohnenkrieges eine Schweigeminute oder einen um die Menschen zu trauern Tag einrichten würde - hätte er zumindest in dieser Minute kein Unheil über `sein´ Volk gebracht - geschweige denn über Europa - bei vollem Lohnausgleich wäre das sogar eine Lohnerhöhung. Auch könnte für die Opfer im Kampf um die Rohstoffe ....
Wer als Oberbefehlshaber fordert, in anderen Ländern für Ordnung zu sorgen, sollte das vielleicht auch auf Standorten der Bundeswehr fordern und aufklären warum Waffen und Munition einfach so, vom Militär (also dem Diener Deutschlands) bewacht, gestohlen werden konnten; und vor allem, ob dieses das neue Modell von Waffenexporten darstellen soll. Aus Bundeswehrlagern im Ausland gestohlen von Friedensfürsten, die sich die Waffenexporte sonst nicht leisten könnten, direkt finanziert vom Mehrwehrtsteuerzahler, da dieser, ebenso wie der nun mit deutschen Waffen bewaffnete Friedensfürst, noch nicht über die Rohstoffquellen verfügt, die eigentlich wem gehören?, ...
JaJa, der Deutschlandtrend - welcher D.E.P.P. von POPOlitiker hat nochmal gesagt: "Traue nur der Statistik die du selbst gefälscht hast."
Welche Nachrichtenagentur wurde ihre eigene Seite zu heiß. Doch wohl nicht etwa der Tagesschau mit ihrem damaligen Tagesschau-Forum, dort wo man sich nicht einfach mit den Meldungen begnügte, sondern auch zuerst noch selbst bestimmen konnte worüber es sich zu reden in Deutschland lohnt - daraus ja sogar Meldungen wurden, die es in die 20-Uhr-Ausgabe schafften. Das ging natürlich nicht - politisch nicht kontrollierbar - dann doch lieber so eine (*****ß*) wie heute auf den Foren der Tagesschau.
Den öffentlichen Medien trauen? Selten so lange gelacht, seit dem Koch und Beck dem GEZahler sein Eigentum nahmen und keine Klage wegen der Enteignung - denn die von den Zwangs-Anstaltlern bezahlten Beiträge, Reportagen und Dokumentationen kommen ja den meisten POPOs ungelegen - kam. Wo es Transparenz gibt lässt es sich schlecht mauscheln. Es stehen Wahlen an, da darf der Trend schon garnicht transparent sein. Da darf nicht gefragt werden: Soll von deutschen Boden wieder Krieg aus gehn?, oder: Sollen die (in Deutschland lebenden) Menschen eine Demokratiepauschale erhalten?, oder gar: Bedeutet Steuergerechtigkeit für sie, das ... , evt. noch: Wollen sie Chlor-Hühner essen?.
Wohl möglich sogar: Würden sie auch für unparteiliche Meinung GEZ bezahlen?


Am 04. März 2014 schrieb Christian Harde:


Westliche Politik und Mainstream-Medien werfen Moskau Säbelrasseln und eine Verschärfung der Lage in der Ukraine vor. Die LINKE scheint in diesen Chor einzustimmen, doch sollte wenigstens sie in dieser Situation eine klare Position haben. Nachdem eine ähnlich lautende Erklärung von Matthias Höhn, dem Bundesgeschäftsführer, von letzter Woche offenbar wieder vom Netz genommen wurde, ist die Erklärung von Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi zur Lage in der Ukraine
http://www.die-linke.de/nc/presse/presseerklaerungen/detail/zurueck/presseerklaerungen/artikel/ein-neuer-krieg-in-europa-muss-verhindert-werden/
in mehrfacher Hinsicht problematisch. Die fortschreitende Entwicklung bestätigt die Bedenken.

So richtig und unterstützenswert die Hauptaussage ist, daß ein neuer Krieg in Europa verhindert werden muß, richtet sich der Appell doch in erster Linie an Moskau und tut so, als handle es sich im wesentlichen um einen Streit zwischen der Ukraine und Rußland. Ein Friedensappell, nicht nur der LINKEN, muß sich jedoch zuallererst an die eigene, in diesem Falle also an die Bundesregierung richten. Denn auch dieser Konflikt wurde von Anfang an durch westliche Regierungen, allen voran die deutsche und US-amerikanische, durch EU und NATO geschürt. Westliche Politik und Medien haben sich nicht erst seit Herbst 2013 massiv in die inneren Angelegenheiten der Ukraine eingemischt und zur Eskalation beigetragen.

Von einer "Übergangsregierung" in Kiew zu sprechen, ist eine eklatante Verharmlosung. Es handelt sich um ein rechtes Marionettenregime, das sich nur mit westlicher Hilfe und gestützt auf Schlägerbanden, Ultranationalisten, Faschisten und Antisemiten hatte an die Macht putschen können.

So zu tun, als ob Moskau zurück zur Diplomatie gerufen werden müßte, ignoriert, welche Erfahrungen die russische Seite mit westlicher `Diplomatie´ nicht nur in dieser Krise machen mußte. Die Reihe von Regime changes, bei denen der Westen Regie führte, ist lang. Erinnert sei nur an den Jugoslawien-/Kosovo-Krieg, Libyen 2011 und die Düpierung der UNO durch die USA in Genf, wo entscheidende Akteure zur Beilegung des syrischen Konflikts fehlen. So waren denn auch die Unterschriften unter dem maßgeblich von Steinmeier eingefädelten Abkommen mit Janukowitsch noch nicht trocken, als die ukrainischen Nationalisten ihren Staatsstreich durchführten. Von den eben noch in Aussicht gestellten westlichen Garantien war keine Rede mehr.

Nun den Gasmann Schröder ins Spiel zu bringen oder nach Kofi Annan zu rufen, wirkt einigermaßen kopflos. Offensichtlich scheut sich die Parteiführung, klare und eindeutige Kritik an der verheerenden Rolle westlicher Regierungen und Institutionen zu üben, ohne die sich die ukrainische Krise nicht oder zumindest nicht dermaßen fatal entwickelt hätte. Die Kriegsgefahr geht von der westlichen Politik und der vom Westen gestützten Kiewer Clique aus.

Hier zeigt sich, wohin es führt, wenn man keinen Begriff mehr davon haben will, wie neoliberal, militaristisch und undemokratisch die EU nun einmal ist: ein militärischer Konflikt mit Rußland nicht ausgeschlossen.

Nachdem auf dem Hamburger Europaparteitag nicht einmal ein Kandidat der Friedens-/Antikriegsbewegung aufgestellt wurde, droht nun größtes Unheil. Die Ukraine hat die NATO um Beistand gebeten. So, wie die Parteiführung der LINKEN momentan gestrickt ist -- und dafür spricht diese Presseerklärung -- , fehlt nicht mehr viel, und sie stimmt auch einem "humanitären Einsatz" der Bundeswehr in der Ukraine zu. Der Liebichsche Europäismus würde das geradezu erfordern.

Nachtrag: Zwar schlägt die Erklärung von Bernd Riexinger "Logik der Eskalation muss durchbrochen werden" vom 3. März 2014 (unter http://www.die-linke.de/nc/mediathek/audios/) etwas andere Töne an, doch liegt sie im wesentlichen auf derselben Linie. Immerhin wird inzwischen vermerkt, daß die EU als Vermittler ausscheidet, da sie Partei ist. Von einer klaren Benennung der westlichen Regime-change-Praktiken aber keine Spur. Davon hat man im Karl-Liebknecht-Haus noch nichts gehört, sonst würde man nicht darauf hoffen, daß die Regierung Merkel das "besondere deutsche Gewicht" gegen einen Nato-Beistand einsetzen möge. Spürbar ist das Bemühen der LINKEN, in der antirussisch gestimmten Öffentlichkeit bloß nicht anzuecken. Einige verständnisvolle Worte in Richtung Moskau machen das nicht wett. Aber noch so gut gemeinte Äquidistanz schützt nicht davor, den Planern des Regime change in die Hände zu spielen.

Welche Haltung es einzunehmen gälte, zeigt Wolfgang Gehrcke: http://linksfraktion.de/pressemitteilungen/ukraine-kriegsrhetorik-muss-aufhoeren/


Am 03. März 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Mir geht es wie fast allen Ihrer Kommentatoren: Vielen, herzlichen Dank für dieses Stück Aufklärung! Ich mag mich täuschen, aber was den Anteil gezielter Desinformationspolitik und Propaganda, Säbelgerassel und der noch unglaublicheren als eh unglaublichen Symbiose von Regierungs- und Medienmeinung anbetrifft, dürfte mit dem Beginn der gezielten, kontinuierlichen Diabolisierung Wladimir Putins bis hin zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten der souveränen Ukraine und der weiteren medialen Begleitung der Eskalation sein Pendant nur mühsam finden. Vor allem, was eine fassungslos machende Verantwortungslosigkeit und das hochgefährliche Zündeln am Pulverfass angeht.
Was für überaus harte Zeiten mit geballter Faust in der Tasche für jeden halbwegs an der Wahrheit interessierten Menschen! Dieses Deutschland ist ganz sicher das grottenbeschissenste Deutschland, das es je gab nach dem Zweiten Weltkrieg! Pfui Teufel!


Am 03. März 2014 schrieb Wolfgang Ringel:

"Jetzt zeigt Gerhard Schröders lupenreiner Demokrat Wladimir Putin der ganzen Welt, was er un­ter Demokratie versteht!“, schreiben die Medien. Dazu ist zu sagen, das Gesicht, das Putin hier zeigt, ist auch das Gesicht von Frau Merkel, Hollande, von Barrack Obama  ebenso wie von alle an anderen  kapitalistischen Politikern.  Alle  Politiker sind   Wirtschaftsgesteuert.- Und die wichtigsten  Ziele heißen  Rohstoffe und Energieträger. Deshalb steckt in den EU-Machtkämpfen sehr viel menschheitsgefährdender politischer Sprengstoff.  Es kann sich  zu einer  europäischen  "Kuba-Krise“ ausweiten. Die Folgen  für die gesamte Menschheit wären verheerend. Egal, wie Putin gesehen wird; ihn  wird es nicht auf dem Regierungssessel halten, wenn  vor seiner Haustür Putschisten und Faschisten das ukrainische Volk terrorisieren und morden. Die  bürgerliche Presse sollte mal die Wahrheit über die Ukraine berichten. Und das der bisherige ukrainische Präsident  lieber flüchtet, als sich  vor Ort lynchen zu lassen; das kann ich auch verstehen.
 
Die Ukraine ist nur ein Problem in Europa.  Der Kontinent ist  heute ein Hefeteig,  vom Ural im Osten bis zum Atlantik im Westen! Nach dem  Nordafrikanischen Frühling kommt 2014 der  Europäische Lenz! Im Jugoslawien heißt es  heute: "Zurück zum Marxismus". Selbst die Anarchisten ziehen das sozialistische Jugoslawien dem heutigen vor.  Die  Titanic, die Kapitalismus heißt, wird bald sinken. In Tuzla, aber auch in anderen Städten Bosniens und Herzegowinas explodiert die  Wut. In Bosnien breiten sich Proteste aus. Der zunehmende Leidensdruck und die Wut  über Arbeitslosigkeit, dubiose Privatisierungen und die Machenschaften der  Parteifürsten treiben die Menschen auf die Straße. Das Beispiel Bosnien zeigt den Weg, den auch die Ukraine hätte beschreiten müssen!
Es gärt heute der Hefeteig Europa,  auch wenn es uns die bürgerlichen Medien verschweigen!


Am 03. März 2014 schrieb Gudrun Hofer:

Danke für diesen Beitrag. Können sie mir einen Link geben, unter dem der offene Brief Todenhöfers an den Bellevue-Wahlautomaten zu finden ist?

Antwort von U. Gellermann:

Der Leser Dirk Hagendorf hat ihn freundlicherweise heute als Leserbrief geschickt.


Am 03. März 2014 schrieb Katrin Arendt:

Danke, Danke, Danke für diesen Artikel zur Ukraine!


Am 03. März 2014 schrieb Artur Aschmoneit:

Ich kann es ja nicht immer schreiben: Mal wieder sehr gut!


Am 03. März 2014 schrieb Cornelia Staudacher:

1. Danke für die klaren Worte und die Hinweise, und 2. warum kann man nirgends sonst solche Dinge lesen? Wo leben wir in diesem Land? Wer liest schon die Rationalgalerie oder die Nachdenkseiten? Wer kennt schon den famosen Jürgen Todenhöfer oder, erst recht, Willy Wimmer? Also bleibt das Land im Zustand dumpfer Unaufgeklärtheit!! Na, toll!!


Am 03. März 2014 schrieb Ulrich Fiege:

"Die ARD fälscht den Trend", ein wichtiger Artikel Herr Gellermann. Wie anderswo gefälscht wird möchte ich kurz darstellen!

NWZonline macht mit der Schlagzeile in Fettschrift auf:
"Opposition: mehr als 300 Festnahmen bei Anti-Putin-Protest in Moskau"

Im Artikel steht dann das 1500 Menschen in Moskau gegen einen russischen Militäreinsatz in der Ukraine protestierten, gleichzeitig demonstrierten jedoch 20.000 Menschen in Moskau für Putin, das Verhältnis passt nicht mit der Überschrift überein, finde ich!


Am 03. März 2014 schrieb Dirk Hagendorf:

Herr Gellermann, vielen Dank auch für diesen Beitrag!
Für Herrn Weise: hier der Todenhöfer-Brief an Hr. Gauck:
LIEBER HERR BUNDESPRÄSIDENT, Sie fordern, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernimmt. Auch militärisch. Wissen Sie wirklich, wovon Sie reden? Ich bezweifle es und habe daher vier Vorschläge:

1. Ein Besuch im syrischen Aleppo oder in Homs. Damit Sie einmal persönlich erleben, was Krieg bedeutet.
2.Vier Wochen Patrouillenfahrt mit unseren Soldaten in afghanischen Kampfgebieten. Sie dürfen auch Ihre Kinder oder Enkel schicken.
3. Ein Besuch eines Krankenhauses in Pakistan, Somalia oder im Yemen - bei unschuldigen Opfern amerikanischer Drohnenangriffe.
4. Ein Besuch des deutschen Soldatenfriedhofes El Alamein in Ägypten. Dort liegen seit 70 Jahren 4.800 deutsche Soldaten begraben. Manche waren erst 17. Kein Bundespräsident hat sie je besucht.

Nach unserem Grundgesetz haben Sie "dem Frieden zu dienen". Angriffskriege sind nach Artikel 26 verfassungswidrig und strafbar. Krieg ist grundsätzlich nur zur Verteidigung zulässig. Sagen Sie jetzt nicht, unsere Sicherheit werde auch in Afrika verteidigt. So etwas ähnliches hatten wir schon mal. 100.000 Afghanen haben diesen Unsinn mit dem Leben bezahlt.

Wie kommt es, dass ausgerechnet Sie als Bundespräsident nach all den Kriegstragödien unseres Landes schon wieder deutsche Militäreinsätze fordern? Es stimmt, wir müssen mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Aber doch nicht für Kriege, sondern für den Frieden! Als ehrlicher Makler. Das sollte unsere Rolle sein. Und auch Ihre.

Ihr Jürgen Todenhöfer


Am 03. März 2014 schrieb Jan Karl-Heinz Bihy:

Sehr geehrter Herr Gellermann,

ich habe gerade Ihren sehr guten Artikel "Die ARD fälscht den Trend - Die Deutschen müssen kriegsreif gequatscht werden" gefunden und würde den Artikel gerne auf www.yoice.net und www.jungle-drum.de erneut publizieren.

Über eine Genehmigung würde ich mich sehr freuen.

Backlink und Autorennennung sind selbstverständlich.

Kleiner Hinweis: Wir zeichnen am Freitag ein Interview von Lars Schall mit Willy Wimmer in englisch auf, um auch internationalen Publikum, die Aussagen aus dem Iranischen Radio zugänglich zu machen.


Am 03. März 2014 schrieb Schock:

Ihren Artikel kann ich unterschreiben.
Jedoch vergaßen Sie zu erwähnen, dass die Westalliierten nach 1990/91 einen Vertrag mit Russland unterschrieben haben, demzufolge kein ehemaliger UDSSR-Sateltenstaat je in die NATO aufgenommen werden darf.
Dieser Vertrag ist kaltblütig gebrochen worden. Russland ist eingezingelt worden.
Wem es bisher noch nicht klar war: Verträge mit dem englischsprachigen Raum sind absolut wertlos !


Am 03. März 2014 schrieb Herr Weise:

Ich gehöre sicher zu den top-informierten Bürgern aber vom Todenhöfer Brief und von dem Wimmer Interview habe ich auch nichts gesehen, nirgends.


Am 03. März 2014 schrieb Max Mustermann:

Schade, hatte gehofft mal einen fundierten Artikel abseits der Mainstreampresse zu lesen, welcher ohne Manipulation auskommt. Durfte dann bei dem Gauck Zitat aber feststellen, das nicht korrekt zitiert wurde und die zweite Hälfte des Satzes einfach abgeschnitten wurde. Es liest sich dann nämlich weitaus weniger dramatisch...
Also auch nur die selbe Lügenpresse hier!

Antwort von U. Gellermann:

Hier das komplette Zitat: "Der Einsatz der Bundeswehr war notwendig, konnte aber nur ein Element einer Gesamtstrategie sein." Was soll der zweite Teil des Satzes am Inhalt des ersten ändern? Wie schön, dass der Krieg nur ein Element der deutschen Strategie ist.


Am 03. März 2014 schrieb Irene Wagner:

Der Satz, den Bert Schulz hervorhebt, ist mir auch besonders aufgefallen. Allerdings finde ich die Formulierung etwas unglücklich, da nicht eindeutig daraus hervorgeht, daß die Deutschen die Täter waren.


Am 03. März 2014 schrieb Heinrich Böll:

Lieber Bert Schulz,
Da hast Du Dich bestimmt verlesen. Es muß natürlich heißen "NATO fürchtet Frieden in Europa". Da hat sich bei Dir wohl der Fehlerteufel eingeschlichen - in Form eines kleinen, überflüssigen "um" .


Am 03. März 2014 schrieb Heinrich Böll:

Jawohl Frau von der Lügen. Recht so!
Deutschland sollte wirklich mehr Verantwortung übernehmen. Man schaue sich das unterentwickelte Ausland nur mal an. Ein wahrer Sündenpfuhl. Kaum auszudenken was geschehen würde, überließe man politische Entscheidungen den Eingeborenen. Ganz ohne deutsche Ordnung und Reinlichkeit ? Pfui deibel.
Die Welt sollte sich allgemein viel öfter an echten Deutschen Werten und Charakterzügen orientieren. Fleiß, Integrität, Tapferkeit, Zähigkeit und unbedingten Gehorsam gegenüber dem herrschenden Staatsorgan. Den Charakter haben und Deutsch sein ist zweifellos ein und dasselbe !
- sarkasmus aus.


Am 03. März 2014 schrieb Bert Schulz:

Neben vielen anderen blöden und gefährlichen Schlagzeilen ist es heute morgen die SZ, die den Vogel abgeschossen hat: "NATO fürchtet um Frieden in Europa", schreibt sie auf der Titelseite. Natürlich erwähnt sie nicht, dass die NATO seit Jahr und Tag die Spannungen verschärft, in dem sie alles versucht die Ukraine in die NATO zu holen. Ihr fällt auch nicht auf, dass die NATO sich in Libyen als Kriegstreiber hervorgetan hat und seit 12 Jahren Krieg in Afghanistan führt. Die SZ hat eben keinen Sinn für grausige Komik.

Übrigens, diesen Satz bei Ihnen fand´ich besonders gut: "Die Deutschen können den Russen eben nicht verzeihen, 27 Millionen Sowjetbürger umgebracht zu haben, darunter 7 Millionen Zivilisten." Sie bringen es auf den Punkt.


Am 03. März 2014 schrieb Angelika Kamps:

Dass Sie sich in der jetzigen Situation solch klare Worte trauen finde ich toll. Die RATIONALGALERIE gehört zu den wenigen Quellen denen man trauen kann!

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