Der NATO-Terror hat Tradition

Darf es ein bisschen Krieg mehr sein?

Autor: U. Gellermann
Datum: 23. März 2017

Der NATO-Gipfel im Mai naht, und ein wirres Gefasel beherrscht die deutschen Medien: Zwei Prozent vom Brutto-Inlandsprodukt, nur zwei Prozent! Dürfen es ein paar Waffen mehr sein? schreit es auf dem Medienmarkt. Ganz besonders laut und ganz besonders penetrant greint die SÜDDEUTSCHE: Von einer „wehrlosen Wehr“ barmt Jochachim Käppner, der Mann, der dem Krieg als solchen schon mal eine prima Zukunft attestierte: Der „deutsche Beitrag sei, wie in vielen NATO-Ländern, einfach zu klein geworden.“ Andere, wie der einstige Absolvent der Adolf-Hitler-Schule und Chefredakteur der ZEIT Theo Sommer, will mit Donald Trump, der lieber etwas mehr hätte, feilschen: Kann es nicht auch ein paar Promille weniger sein?

Da sei die Kanzlerin vor. Noch neulich, auf einem CDU-Parteitag in Stralsund, stand sie in Treue fest zur NATO: „Sicherheit und Sicherung sind notwendig“. Und zu den zwei Prozent: „Verpflichtungen müssen schon erfüllt werden. Und das werden andere auf der Welt von uns auch einfordern“. So die deutsche Musterschülerin auf dem Weg zu Trump dem Haarigen. Denn der kommt auch zum NATO-Gipfel. Deshalb mahnte der NATO-Generalsekretär Stoltenberg: „Wenn Deutschland seine Verteidigungsausgaben erhöht, dann wird das gut für Europa, für die Europäische Union und für die Nato sein.“

Hat jemand das Wort Verteidigungsausgaben aus dem Gebetsmühlen-Text des Sekretärs aufmerksam gelesen? Gegen wen soll die NATO uns denn verteidigen? Bitte nicht schon wieder gegen den Russen. Seit ihrer Gründung vor fast 70 Jahren wartet die NATO auf den Russen. Und dieser unzuverlässige Partner will einfach nicht die nächste NATO-Grenze überschreiten und den nächstbesten Bündnis-Staat überfallen. Im Gegenteil, hat doch Putin jüngst sogar heimtückisch die Militärausgaben der Russischen Föderation um 25,5 Prozent für das Jahr 2017 gekürzt.

Wenn einer der debattierenden Zwei-Prozenter ehrlich wäre, müsste er, analog zu den Russen, über Rüstungskürzungen reden. Aber wer will schon die Rüstungsindustrie enttäuschen? Jedenfalls nicht Martin Jesus Schulz: Zwar sagte er in der ARD-Sendung "Farbe bekennen“, er wolle keine 20 Milliarden in jedem Jahr mehr für Rüstungsausgaben, aber „einen Aufwuchs bei den Militärausgaben“ müsse es schon geben. Was mag das für eine Farbe sein, zu der er sich da bekannt hat? NATO-Oliv offensichtlich.

Das berühmte Verteidigungsbündnis verteidigt seit bald 16 Jahren irgendwie irgendwas in Afghanistan und hat bei dieser aufopferungsvollen Arbeit 2,7 Millionen Flüchtlinge erzeugt. Über das kaputt gebombte Libyen sind im letzten Jahr 181.000 Menschen nach Europa geflohen. Auch an der Zerstörung staatlicher Strukturen in Libyen war die NATO führend und erfolgreich beteiligt. Was wurde da noch mal verteidigt? Richtig: Die Freiheit. Die Freiheit westlicher Staaten die Rohstoffe Libyens auszubeuten. Und sicher sind NATO-Truppen primär in Polen und um Polen herum, weil dort die Meinungsfreiheit gefährdet ist.

US-Präsident Trump sei erfreut, teilte das Weiße Haus in Vorbereitung des NATO-Gipfels mit, „sich mit seinen Gegenübern von der NATO zu treffen, um unser starkes Bekenntnis zur NATO zu bekräftigen und Themen zu diskutieren, die für das Bündnis entscheidend sind“. Und, fügte er hinzu: „besonders das Teilen von Verantwortung unter Verbündeten und die Rolle der Nato im Kampf gegen den Terrorismus.“ Es war George W. Bush, der den Krieg gegen den Terror erfunden hat. Gegen jenen Terror, den die USA selbst nachhaltig erzeugte. Da kann man über Donald Trump sagen was man will. Aber manche Traditionen pflegt er doch liebevoll.

Die Macht um acht.

15 Minuten Tagesschau

Aus dem Alltag eines Regierungs-Senders

Uli Gellermann


Ein Veranstaltung des Berliner Buchändlerkellers

Am 28-03-2017 - um 20:30 Uhr

Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg



Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 23. März 2017 schrieb antares56:

Wieder mal Danke für ihren Kommentar!
Es ist auch schon erschreckend, wie u.a. SPON oder SZ zu kriegsgeilen Medien, scheinbar im Auftrag des Merkel-Regimes, werden.


Am 23. März 2017 schrieb Marc Britz:

Sehr geehrte Frau Schreiber,

wer sich auf der anti-imperialistischen Seite bei irgendeinem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten noch irgendwelche Hoffnungen macht, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Clinton wurde im Wahlkampf immer als die personifizierte Güte stilisiert - auch und besonders hier in Deutschland. Dabei ist Clinton eine verlogene, korrupte, geld- und machtgeile, völkerrechtsbrechende Kriegsverbrecherin mit mehren tausend Toten auf dem Konto. Die von Clintons Kriegen ausgelösten Flüchtlingsströme mit den sie begleitenden Dramen sind nicht eingerechnet.
Trump hatte demgegenüber "keine aussenpolitische Erfahrung" und sich bis zur Amtseinführung relativ kriegskritisch geäussert. Wohl auch weil ein nicht unbeträchtlicher Teil seiner Klientele sich von der Obama-Regierung als ungerecht behandelt fühlende Veteranen sind.
Da Trump medial als das Böse schlechthin stilisiert wurde um von der Mordlust Clintons abzulenken, war es aus strategischen Gründen auch für die Linke wichtig auf Trumps bisherige relative Friedfertigkeit im Vergleich mit seiner Gegnerin hinzuweisen.
Dabei hatte niemand irgendwelche Hoffnungen - es war doch klar dass der "Deep State" ihn schon auf Kurs bringen würde - es ging lediglich darum Clinton mit Hilfe Trumps zu demaskieren. Der Feind meines Feindes ist noch lange nicht mein Freund - auch wenn er sich im Kampf kurzfristig als nützlich erweist.


Am 23. März 2017 schrieb Lea Schreiber:

Es gab doch jede Menge Leute, die Hoffnungen in Donal Trump setzten. Diese Hoffnungen habe sich offenkundig zerschlagen und von diesen Leuten hört man nichts mehr. Schade, denn mich hätte es interessiert wie diese Hoffnungen verarbeitet wurden.


Am 23. März 2017 schrieb Ronald Wolf:

Superbeitrag ! Die Elite mit ihren Hetzmedien und Staatsfernsehen wird dem deutschen Michel schon einreden, dass er dringend mehr Rüstung und noch mehr "Einsätze" braucht. Es gibt übrigens nur eine Partei die Auslandskriege ablehnt.


Am 23. März 2017 schrieb Paulo H. Bruder:

Die einzige Lehre, die unsere beknackte Politikerkaste aus Weltkrieg Zwo zu ziehen hätte, wären zwo Prozent für die Kinder in Armut und ihre Eltern! Einer angeblichen Verantwortung durch mehr Waffen, Rüstungsexporte und Kriegseinsätze gerecht zu werden, ist fieseste Heuchelei. Verantwortung für den Frieden und einen glücklichen Planeten sieht anders aus.


Am 23. März 2017 schrieb Engelbert Volks:

Es ist höchste Zeit, dass in Deutschland eine grundsätzliche Debatte über die Sicherheits- und Verteidigungspolitik geführt wird!
Statt zu diskutieren, bis wann das Zwei-Prozent-Ziel für Rüstungsausgaben erreicht werden soll, wie die EU eine militärische Komponente bekommen kann und ob Deutschland nicht auch Atomwaffen besitzen sollte (Panorama, FAZ und Zeit), muss doch zumindest die Frage erörtert werden, für welche Ziele und Zwecke denn die zusätzlichen Rüstungsausgaben verwendet werden sollen. Doch dazu ist von den vielen Rüstungsanhängern wenig bis nichts zu hören, außer diffusen Hinweisen auf den "Terror" oder die "russische Aggression". Es ist ja auch schwierig, denn ein sachlicher Blick auf die weltweiten Militäretats zeigt, dass die NATO anderen Staaten wie Russland oder China schon heute um ein Vielfaches überlegen ist.
Und deshalb muss das Getwittere eines Donald Trump als Begründung herhalten, also die Drohungen des Imperiums gegenüber seinen Vasallenstaaten.
Und die Politik wie auch die Mainstreammedien tun ihr Bestes, um eine grundlegende öffentliche Debatte über deutsche Interessen und deutsche wie europäische Sicherheitspolitik erst gar nicht aufkommen zu lassen.
Sie sprechen von der NATO immer noch als einem "Verteidigungsbündnis" und sie nennen Kriege nicht Kriege, sondern "Einsätze", "Missionen" oder auch "Interventionen".
Und sie basteln unentwegt am Feindbild Russland, denn ohne ein emotionales Feindbild, das lehren alle Kriege der Vergangenheit, lassen sich Aufrüstung und neue Kriege der Bevölkerung nicht verkaufen.


Am 23. März 2017 schrieb Andreas Schell:

Ein sehr guter Beitrag! Danke!

Ja! Hurra! Zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts! Das Bruttoinlandsprodukt ist nicht der Bundeshaushalt, der beträgt nur ein Zehntel davon, also über 300.000.000.000 (dreihundert Milliarden). Das BIP liegt bei über 3.000.000.000.000 (3 Billionen). Der größte verfügbare Betrag muss her, denn zwei Prozent davon sind dann richtig satte 60.000.000.000 (sechzig Milliarden) Euro. Wir reden über ein Fünftel, also 20 Prozent des Bundeshaushalts! Schon heute ist der Verteidigungsetat das Doppelte des Bildungsetats und der zweitgrößte Etat des Bundeshaushalts. In den Schulen riesen Klassen und noch immer zu wenig Lehrer, obwohl wir kaum Kinder haben und gute Bildung eine Schlüsselinvestition ist! Aaaaaber! Wenn wir diesen riesen Haufen Geld für unsere Bewaffnung ausgeben, dann passiert so was wie gestern in London oder auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin nicht mehr. Das erzählt man uns allen Ernstes! Die NATO verteidigt uns ja schließlich gegen den globalen Terror. Wenn wir das Geld aber nicht ausgeben, dann schwappt der globale Terror über unser Land und wir werden alle auf offener Straße überfahren oder, falls ein Täter tatsächlich mal eine Knarre haben sollte, erschossen. So sehen das zumindest blindwütige Kriegsgazetten wie die Süddeutsche oder der Spiegel und ihre Redakteure, die zu Gewehrläufen und dicken Panzerkanonen offensichtlich ein erotisches Verhältnis haben, aber leider nicht zu Logik oder Grundrechenarten. Diese nicht nur geistig, sondern offenbar auch körperlich ärmsten der Armen verdienen unser Mitleid. Gut zu 'nem Abo kann ich mich irgendwie einfach trotzdem nicht mehr entschließen, und 'ne gewerbliche Anzeige in einer Militärzeitung? Na ja.

Frau Bundeskanzlerin Merkel steht heute mal wieder "in dieser schweren Stunde an der Seite der" (diesmal) Briten. An der Seite der Briten steht sie, die zur friedlichen Teilnahme am vereinten Europa unter anderem wegen Frau Merkels Politik nicht mehr bereit sind. Aber alle reden von Terror, der eint uns! Den Terror erkennt man daran, dass ein Verrückter auf frischer Tat erschossen wurde, vielleicht seinen Ausweis bei sich hatte. Irgend eine Behörde weiß nach der Tat dann sicher ganz genau, dass dieser nicht mehr vernehmbare Täter ein seit Jahren fanatisierter Schläfer war, den man nur nicht genau genug beobachtet hat. Da hilft doch nur noch mehr Geld für den Polizei- und Militärstaat! Dann sind wir sicher! Auaaa!!!

Europa geht. Die NATO verteidigt das, was übrig ist gegen irgendjemand Bösen für das Geld, das Europa vielleicht zusammen gehalten hätte. Man könnte weinen. Ich nicht. Ich habe nur eine riesen Wut auf die Arschöcher und ihre Lakaien, die uns in diesen offensichtlichen Blödsinn vorsätzlich, korrupt und wissend immer tiefer hinein manövrieren.

Zuletzt: ja, die Russen senken (!) die Militärausgaben drastisch. Spürt jemand meine Schmerzen bei der Vorstellung, wie viel klüger als "wir" die Russen sind? Weiß noch jemand, dass russische Kinder quasi schon immer Mathe so richtig viel besser als unsere können? Heute bleibt mir nur bewundernder Applaus und ein freundlich-friedlich-nachbarschaftlicher Gruß nach Moskau. Keine Sorge: wir radieren uns bald selber weg, dann habt Ihr ein Problem weniger.


Am 23. März 2017 schrieb Marc Britz:

Wie können Sie nur so herablassend und verniedlichend über die Terrorgefahr schreiben! Hat doch erst gestern wieder so ein Islamist in London vier unschuldige Menschen - Zivilisten - mit Auto und Messer getötet. Dass es sich beim Terroristen um einen vom "internationalen Terror Inspirierten" handelte, weiss die Londoner Polizei vermutlich aus dem Ausweis des erschossenen Täters. Zum Glück haben die Bobbies erst zwei Tage vorher eine Anti-Terror-Übung in London durchgeführt. Sonst wäre noch mehr passiert mit dem Messer und dem Auto.
Verschweigen wir doch einfach mal dass bei diesem Terroranschlag weniger Menschen ums Leben kamen als bei einem lumpenproletarisch-typischen Joy-Ride-Unfall in den Suburbs oder bei einer "armutsinspirierten" Messerstecherei im öffentlichen Nahverkehr Londons. Beides sind alltägliche Phänomene in denen die vom britischen Establishment so erfolgreich ausgegrenzten unterprivilegierten, vorwiegend muslimischen Jugendlichen die Opfer sind. Wie dem auch sei - Dieser Terror - also der in der Innenstadt - müsste sofort mit einem Drohnenschlag beantwortet werden, in Pakistan oder so, ganz egal woher der Täter kommt - Blackpool, Liverpool? Scheissegal.
Und vor allem ganz egal dass bei einem einzigen dieser Verteidigungsschläge ein Vielfaches von pakistanischen Unschuldigen und Zivilisten umkommt. Vielfaches von was? Ein Vielfaches von jenen europäischen Zivilisten die seit der Ausrufung des Kriegs gegen den Terrorismus durch den Terrorismus getötet worden sind.
Aber, Angriffe mit Autos und Messer, wo kommen wir denn da hin? Deswegen: Drohnen und Hellfire-Raketen zur Verteidigung! Und jetzt wo sich Theresa und Donald so gut verstehen - bei ihr gab es ja Händchenhalten - müsste sich da ja was machen lassen.

PS:
Ich glaube übrigens auch voraussagen zu können wann es keinen Moslem-Terror geben wird: Kurz vor den Wahlen in Frankreich, denn da würde er Le Pen nützen. Wer sich's leisten kann, auf nach Paris in den Kurzurlaub! Banlieue-Bewohner und Hartz-IV-Empfänger müssen leider zu Hause bleiben...


Am 23. März 2017 schrieb Spargel Tarzan:

Bei der Rüstungsindustrie ist es wie bei der übrigen Industrie, es sind Bedürfnisse und Begehrlichkeiten zu decken, die vorher geweckt wurden. Es gibt so viele Produkte, bei denen der Verbraucher vorher gar nicht wußte wie nötig er sie hat. Und dann natürlich auch das Bedürfnis von allem immer ausreichend Reserven zu haben, falls mal etwas kaputt geht. Und man glaubt es nicht, was alles so kaputt gehen kann
.
All das Kriegsspielzeug dient ja auch nur dazu unsere Freiheit zu verteidigen. Eine Freiheit die ohne Atom nicht mehr denkbar ist. Reichte die Bekämpfung der Freiheit unserer Großväter noch von der Etsch bis an den Belt und von der Maaß bis an die Memel, so sind heute Fernreisen bis an den Hindukusch, im Programmheft der Pauschalkriegsanbieter. Auch Nordafrika und sein Hinterland sind gefragte Reiseziele und überall werden Touristenhochburgen errichtet, auf deren Zinnen die Hellebarden4.0 im Licht des untergehenden Abendlandes erstrahlen.

Dran bleiben...

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