Der Kriegs-Gauck

Auf Heinrich Lübkes Spuren an der "Führer-Akademie"

Autor: U. Gellermann
Datum: 13. Juni 2012

"Ich habe mich", sagte der unvermeidliche Bundespräsident Gauck bei seinem Besuch an der Führungsakademie der Bundeswehr, "auf meinen Antrittsbesuch . . . gefreut" Und er sei, fuhr er fort, gern an die Akademie gekommen. Um dann ein wenig später zu erzählen, "Unsere Bundeswehr hat sich von unseligen militärischen Traditionen gelöst." Weiß er wo er das erzählt hat? In einem Laden, der im August 1957 mit Ludwig Heinrich „Heinz“ Gaedcke erstmalig von einem Ex- Generalmajor der Wehrmacht kommandiert wurde, um dann in die Hände eines weiteren Generalmajors der Nazi-Armee zu geraten, dem dann alle paar Jahre Generalstabsmitglieder der Wehrmacht folgten, um dann 1974 mit Rudolf Jenett, den letzten Generalstabsoffizier einer Nazi-Fliegerformation zu erleben: Langsam wurden die Hitler-Offiziere zu alt für den aktiven Dienst. In Bundeswehrkreisen hieß die Akademie damals "Führer-Akademie", weil all ihre Kommandeure ihren Eid auf den "Führer" geleistet und natürlich auch gehalten hatten. Dass dann 1995 der bekannte Holocaustleugner Manfred Roeder dort seinen Vortrag zum Thema "Die Übersiedlung von Rußlanddeutschen in den Raum Königsberg" halten konnte, zeigt nur, wie virulent die "unseligen militärischen Traditionen" an dieser Akademie sind. Für den Gauck sind sie leider nicht sichtbar.

Nun hätte der seltsame Präsident ja in der Akademie auch etwas zum Verfassungsauftrag der Bundeswehr, unser Land zu verteidigen, sagen können. Das ist ihm wohl gerade nicht eingefallen. Statt dessen lobte er militärische Gewalt, die sinnvoll sei, "um ihrerseits Gewalt zu überwinden." Um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, preist er die "lieben Soldatinnen und Soldaten" dafür, dass sie ihren Job "auch über die Grenzen unseres Landes hinaus" verrichten und freut sich unbändig, dass er weiß, wo die Soldaten schon überall waren: "Die Bundeswehr auf dem Balkan, am Hindukusch und vor dem Horn von Afrika, im Einsatz gegen Terror und Piraten - wer hätte so etwas vor zwanzig Jahren für möglich gehalten?" Wer hätte es, könnte einem einfallen, der am Grundgesetz festhält, vor zwanzig Jahren für möglich gehalten, dass ein Bundespräsident dem Verfassungsbruch Beifall zollt? Da musste erst der Gauck kommen.

Und natürlich macht er sich auch Sorgen, das verbogene präsidiale Verfassungsorgan, Sorgen, dass die neue Interventionsarmee im öffentlichen Bewusstsein "nicht sehr präsent" sei. Das läge sicher daran, weil der Zivilist sich einfach die "Entbehrungen" nicht vorstellen könne, denen die armen Soldaten für doppelten Sold im "Feldlager" ausgesetzt seien. Mit den Entbehrungen hat er recht: Der arme Bundeswehrsoldat, sitzt da in seinem dicken Panzer in Afghanistan und die Ziegenhirten halten nicht einmal ordentlich still wenn er Granaten auf sie abfeuert. Das entbehrt einfach jeder Kooperation zwischen Opfer und Täter. Wohl deshalb nennt Gauck die Bundeswehr eine "Armee des Volkes, im besten, im eigentlichen Sinne." Nur das Volk scheint zu doof zu sein, sich mit den Auslandskriegen dieser Armee zu identifizieren.

Wenn der Mann die Bundeswehr einen "Friedensmotor" nennt gerät er nicht ins Stottern, auch nicht, wenn er in fader Anspielung auf die Stuttgarter "Wutbüger" von den "Mut-Bürgern in Uniform" schwätzt, die offenkundig all ihren Mut aufbringen müssen, um von ihren fetten Fregatten mit Maschinenkanonen auf "Piraten" zu schießen. Als er den versammelten Offizieren dann auch noch "Gottvertrauen" wünscht, wartet man atemlos darauf, dass er endlich "Helm ab zum Gebet" kommandiert und ist ein wenig enttäuscht als der Befehl nicht kommt: Von einem deutschen Pastor hätte man mehr erwartet. Viele Erwartungen richten sich auch darauf, wie GRÜNE und SPD, die den Mann schon früh gesponsert haben, sich aus diesem Ritterkreuz-Gerede rauswinden werden.

"Der Soldat der Bundeswehr kann in die Lage kommen, einmal gegen eigene Landsleute kämpfen zu müssen. Mit diesem Problem ist ein Gefühls- und Gewissenskonflikt angesprochen, die nur Menschen mit einer festen inneren Bindung an die politische Idee der westlichen Welt und damit auch unserer Bundesrepublik lösen können." Nein, das ist nicht die nächste, noch geheime Gauck-Rede zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Das ist der O-Ton von Heinrich Lübke, der 1961 vor der selben Akademie die Offiziere auf den Kampf gegen die Soldaten der DDR einstimmte. Aber der Präsident Lübke - der, als wir noch einen richtigen Krieg führten, für seine Baustelle in Peenemünde gern KZ-Häftlinge anforderte - konnte immerhin auf seine fortgeschrittene Zerebralsklerose verweisen. Was Gauck zu seiner Entschuldigung vorweisen kann, ist ungewiss. Vielleicht eine feste innere Bindung an ein Wertesystem, in dem Kriege, von Vietnam bis zum Irak, immer nur in allerbester Absicht geführt worden sind.

PS
Der Ungeheuerlichkeiten nicht genug, mochte der furchtbare Pfarrer, vom offiziellen Srikpt abweichend, mündlich noch hinzufügen:

"Und dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen."

Wer also keine Gefallenen ertragen will, der ist glücksüchtig, will uns der Mann sagen. Unerträglich ist ein Bluthund an der Spitze des Staates.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 20. Juni 2012 schrieb F. B. Habel:

Der Gauck-Artikel ist wieder besonders gut gelungen!


Am 15. Juni 2012 schrieb Wolfgang Blaschka:

Als wäre sie vom Antrittsbesuch des obersten Bundespastors inspiriert und ermuntert, tritt nun die Bundes­wehr an die Öffentlichkeit mit einem "Beförderungsappell" am 29. Juni im Münchner Hofgarten, wo 573 Offi­ziersanwärter von Militärminister de Maizière persönlich zum Leutnant zur See befördert werden sollen. Um 15 Uhr ökumenischer Gottesdienst, Theatinerkirche; von 17 bis 18.30 Uhr Beför­derungsappell im Hofgarten. Mit antimilitaristischen Protesten ist zu rechnen.

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer wird antreten. Seehofer habe mit der Staatsregierung großen Anteil am Zustandekommen des Appells in der Münchner Innenstadt. „Der Beförderungsappell im Hofgarten, an zentraler und hervorgehobener Stelle in der Landeshauptstadt, ist ein klares öffentliches Bekenntnis zu unseren Streit­kräften, das mir am Herzen liegt“, lässt sich Seehofer zitieren.

Sehr zur Freude von Merith Niehuss, Präsidentin der Universität der Bundeswehr München. „Wir freuen uns sehr, dass wir diese feierliche Veranstaltung im Zentrum von München ausrichten können. Der Hofgarten ist ein würdiger Rahmen für die emotional wichtigste Beförderung innerhalb der Offizierlaufbahn“, sagt sie. Die Bundeswehr als Parlamentsarmee sei kein Staat im Staate und habe es nicht verdient, sich verstecken zu müssen. Es gebe zahlreiche historisch belastete Plätze in der Münchner Innenstadt. "Auch diese Orte müs­sen einer demokratischen Nutzung zugeführt werden."

Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker hat sich in einem offenen Brief an die Präsidentin der Bundeswehr-Universität gewandt und bittet um die Verlegung an einen anderen Ort, am besten den Bw-Uni-Campus in Neubiberg. Die Aufstellung von Offiziersanwärtern rund um das nach dem Ersten Weltkrieg errichtete Kriegerdenkmal sei "historisch bedenklich" - eine Einschätzung, die allerdings bei SPD und CSU auf völliges Unverständnis stößt. Benker lehnt eine "Militarisierung des öffentlichen Raums" jedoch schon aus grund­sätz­lichen Erwägungen ab. Besonders unglücklich sei die Entscheidung für den Hofgarten - schließlich habe das im Dezember 1924 eingeweihte Kriegerdenkmal stets als "Ort des politischen Revanchismus" gedient. Später seien dort nationalistische wie nationalsozialistische Organisationen aufmarschiert. Da das Monu­ment nach 1945 zum Denkmal für die toten Soldaten des Zweiten Weltkriegs erklärt wurde, stelle sich die Bundeswehr mit ihrer Ortswahl "in eine Reihe mit den Gefallenen der Wehrmacht".

Die beiden großen Fraktionen SPD und CSU können die Argumente der Grünen nicht nachvollziehen. Offen­bar suche Benker eine "Gelegenheit, seinen sozialistischen Grundansatz in der Öffentlichkeit zu schärfen", poltert CSU-Fraktionsvize Hans Podiuk. Es sei "heuchlerisch", den Soldaten stets zu erklären, dass sie Teil der de­mo­kratischen Gesellschaft seien - und ihnen dann zu verwehren, in die Öffentlichkeit zu gehen. Zumal das Mo­nument im Hofgarten nicht der Verherrlichung des Soldatenlebens diene, sondern als Mahnung, Kriege unbe­dingt zu vermeiden. Auch der SPD-Fraktionschef Alexander Reissl interpretiert das Mahnmal im Hofgarten hinter der Staatskanzlei völ­lig anders als der grüne Koalitionspartner. Es komme immer auf die Gedanken des Betrachters an, findet Reissl - und die seien bei Benker wohl anders als bei ihm selbst.

Auch Reissl betont, dass sich eine Parlamentsarmee nicht verstecken müsse. Offenbar habe der Veranstal­tungshinweis der Bundeswehr-Universität bei den Grünen einen "Pawlowschen Reflex" ausgelöst. Dabei sei die Bundeswehr optisch kaum präsent, obwohl in München immerhin noch 6000 Soldaten stationiert sind. Wann die zum Töten und zum Sterben auf die Weltmeere, in unwegsame Gebirgsregionen oder in die Wüs­te ge­schickt werden, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt. Morituri te salutant – Todgeweihte grüßen Sie, Herr Gauck. Mit Ihrem Segen werden sie noch viel Unheil anrichten.

Antwort von U. Gellermann:

Gut wäre es, wenn es eine eigene Veranstaltung für veteranierende Gefreite gäbe, dann könnte ich mitmachen.


Am 13. Juni 2012 schrieb Georg Braun:

Können Sie diese Ungeheuerlichkeiten, die Sie über den Bundespräsidenten behaupten, beweisen?

Antwort von U. Gellermann:

Aber sicher, folgen Sie diesem Link:

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2012/06/120612-Bundeswehr.html


Am 13. Juni 2012 schrieb Thomas Nippe:

Kommentar überflüssig. Das Schlimme ist, daß er vermutlich vielen aus dem Herzen spricht. Ein totaler Paradigmenwechsel der Politik, nach innen und nach außen.


Am 13. Juni 2012 schrieb Dagmar Friedrichs:

Sie wissen aber schon, dass eine Verunglimpfung von Amt oder Ausfüller als Gefährung des demokatischen Rechtsstaats analog zur Majestätsbeleidigung geahndet wird?
Da hilft wenig, wenn ziemlich viele Leute meinten, Sie hätten die Dinge ganz richtig und eher zurückhaltend kommentiert. Deshalb sollten Sie besser auch unterlassen zu behaupten, ehrbare Bundespräsidenten seien einst - Ihrer Meinung nach - im Ergebnis gar zu offenherziger Plauderei über die Bedeutung des Militärischen für Rohstoff-Sicherungsstrategien aus gutem Grund zurückgetreten.


Am 13. Juni 2012 schrieb Dr. Gaby Schmitt:

Danke, daß man über diesen Irrsinn dank Ihrer treffenden formulierungen auch mal herzlich lachen kann. kommt nicht allzuoft vor. sind viele politiker mehr als korrupt oder hohl? bitte schreiben Sie weiter.warum formieren sich nicht Leute wie Sie zu einer durchdringenen Kraft. wir brauchen das gerade jetzt. nochmals danke.


Am 13. Juni 2012 schrieb Andrée Fischer Marum::

Mir fehlen an Ihrem Beitrag auch einige Worte darüber, dass dieser Mann auch einmal dafür eingetreten ist, man könne Frieden schaffen ohne Waffen bzw. man solle Schwerter zu Pflugscharen machen. Was ist von einer sog. Ost-Friedensbewegung geblieben (er ist nicht der einzige, der sich seiner damaligen Worte nicht mehr erinnert)?

Antwort von U. Gellermann:

Sie haben recht: Man hätte ihn an seine Friedens-Vergangenheit erinnern sollen. Aber er würde sagen, dass er nur Frieden wollte weil ihm das in seinen Krieg gegen die DDR in den Kram passte.


Am 13. Juni 2012 schrieb Friedemann Wehr:

Ich habe folgenden Brief an den Gaukler geschrieben:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
falls diese Äußerung von Ihnen: "Und dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glückssüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen" richtig ist, dann finde ich das eine Ungeheuerlichkeit. Ich fühle mich angesprochen, denn ich will mich nicht an deutsche Gefallene gewöhnen und mich dann indirekt als glückssüchtig zu bezeichen, ist eine maßlose Unverschämtheit, die ich zurückweise. So einen Bundespräsidenten brauch ich nicht und ich empfinde Verachtung.

Antwort von U. Gellermann:

Dieser perverse Satz ist tatsächlich gefallen.


Am 13. Juni 2012 schrieb Renatus Schneider:

Wie kommen Sie dazu, dem Bundespräsidenten Verfassungswidrigkeit zu unterstellen, wenn Sie ihn ein "verbogenes präsidiales Verfassungsorgan" nennen?

Antwort von U. Gellermann:

Weil es den Artikel 26 [Verbot der Vorbereitung eines AngriffsKrieges; Kriegswaffenkontrolle] GG gibt:

"(1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines AngriffsKrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen."

Und weil Kriege, wie der in Afghanistan, die nicht der Landesverteidigung dienen, Angriffskriege sind.


Am 13. Juni 2012 schrieb Jürgen Rennert:

OFFENER BRIEF AN DEN BUNDESPRÄSIDENTEN

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

etliche Ihrer bislang in den Medien zitierten Sätze aus Ihrer heutigen Rede vor der Führungsakademie der Bundeswehr halte ich für kriegsbrandgefährlich. Mich verstört, dass sie in Geist und Inhalt nahezu wortgenau der DDR-Militärdoktrin "Der Friede muss bewaffnet sein" entsprechen. Und ebenso beklage ich, wie fahrlässig Sie sich der Begriffe des "Gefallenen", der "Parlamentsarmee", der "Stütze der Gesellschaft" usw. bedienen. Es sind - wie Sie gut wissen - Begriffe aus dem Wörterbuch der Demagogie. Was waren das für Zeiten, als einige der Oberen in den - stets für notwendig erklärten Schlachten - den Unteren noch voranstarben?!

Mit freundlichem Gruß
Jürgen Rennert

Dran bleiben...

Schlagzeilen

Wenn Sie sich für die Artikel der Rationalgalerie interessieren und immer erfahren wollen, wenn es Neuigkeiten gibt, können Sie unseren RSS-Feed abonnieren:
RSS-Feed abonnieren

Kürzlich...

22. Mai 2017

Heisst es – so geht ARD-Nachricht

Neues TAGESSCHAU-Wording soll Sprachpreis erhalten
Artikel lesen

22. Mai 2017

Russland regiert bald die USA

Deutsche Medien warnen vor der Gefahr
Artikel lesen

14. Mai 2017

Nur Würfeln bewegt mehr

Wahlen in Nordrhein-Westfalen
Artikel lesen

10. Mai 2017

Dr. Gniffke: Wo Rauch ist, ist auch Gift

Testis unus, testis nullus. Ein Zeuge ist kein Zeuge
Artikel lesen

10. Mai 2017

Macron macht Schulz

Für den touristischen Billig-Internationalismus
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen