Der Exodus der Rüstungs-Industrie

Bei der Flucht bitte die Lobbyisten mitnehmen

Autor: U. Gellermann
Datum: 25. September 2014

Schwer klingen die ersten Takte des Trauermarsches von Frédéric Chopin auf. Ein langer Zug von Panzern schleppt sich die Autobahn entlang. Auf Tiefladern folgen Geschütze, Flugzeuge, Maschinengewehre. Am Ende der schier endlosen Kolonne, auf großen Lastkraftwagen, Maschinen aller Art: Die Deutsche Rüstungsindustrie verlässt das Land. Am Autobahnrand Menschen in Dreiteilern, Trauerflore am Arm, Hüte in der Hand: Lobbyisten und Politiker zollen dem Auszug der Mordbranche ihren Respekt. Überall im Land ist halbmast geflaggt. So wird es sein, folgte man den Worten von Armin Papperger. Der Chef des Rüstungsverbandes (BDSV) hatte jüngst in der SÜDDEUTSCHEN damit gedroht, die Waffenindustrie würde Deutschland verlassen, wenn der Export weiterhin erschwert und die Abnahme von Rüstungsgütern in Deutschland nicht verbessert werden könne.

Dabei hatte es für die internationale Rüstungsindustrie nach der Ausrufung des Krieges gegen den Terror so gut angefangen: Fast überall auf der Welt stieg der Umsatz in Mordmaschinen. Deutschland erklomm den Platz drei der Rüstungs-Export-Nationen. Die Zahl der unerklärten Kriege wie im Grenzgebiet von Pakistan zu Afghanistan, der Bürgerkriege wie in vielen Teilen Afrikas und der Regime-Change-Kriege wie in Libyen wuchs stetig. Dann plötzlich, aus einem Himmel voller Granatwerfer und Kanonen, das Verbot Siegmar Gabriels ein "Gefechsübungszentrum" nach Russland zu liefern. Die Russen standen im Verdacht in diesem 135 Millionen teuren Zentrum den Krieg gegen die Ukraine zu üben, mit simulierender Lasertechnik. Zwar wäre in diesem Zentrum keiner zu Tode gekommen, so wie die Menschen in der Ost-Ukraine nach dem Bombardement durch Regierungstruppen. Aber den Russen ist eben alles zuzutrauen.

Doch die Firma Rheinmetall, vormals "Reichswerke Hermann Göring", hatte schon vor dem Verbot der Lieferung nach Russland einen vorgeblich neuen Weg des Rüstungs-Exports gefunden: Man liefert demnächst, begleitet vom Wohlwollen der Kanzlerin, eine ordentliche neue Panzerfabrik nach Algerien. Dort können dann, schön nah an den afrikanischen Kriegsschauplätzen für 30 Millionen Euro prima Panzer montiert werden. Auch Ägypten ist an solch einer Fabrik interessiert, um "Islamisten im Sinai" zu bekämpfen. So hat jeder seinen Feind und die Waffenindustrie kann direkt vor Ort die Liquidationsgeräte herstellen. Wozu Exportregeln, wenn es um internationale Geschäfte geht.

Waffen sind neutral, sagt die Industrie und hat in gewissem Maße recht. Die Waffen, die den Taliban im Kampf gegen die Sowjetunion geliefert wurden, werden heute gegen die USA benutzt. Die Waffen, die von internationalen Rüstungskonzernen an die libyschen Streitkräfte zur Gaddafi-Zeit verkauft wurden, sollten etwas später gegen die Kräfte des internationalen Militäreinsatzes unter Führung der USA verwendet, um danach vom CIA in den syrischen Bürgerkrieg transportiert zu werden. Heute sind sie bei den Truppen des "Islamischen Staat" gegen Verbündete der USA im Einsatz. Es ist im wahrsten Sinne ein stabiler Blutkreislauf, der allerdings nur die Gesundung der Rüstungsindustrie sichert. Viele andere sterben daran.

Manchmal sitzt man beisammen, die deutschen Waffenschieber und die Politik. Zum Beispiel jüngst beim "Zweiten Caféhaus-Gespräch" des Rüstungsverbandes in Berlin, um über den Schutz "Kritischer Infrastrukturen" zu sprechen. Neben dem Mann von Airbus findet sich dann Nina Warken von der CDU. Die ist in jenem Parlamentsgremium, das die Unverletzlichkeit der Wohnung schützen soll. Da kann nur jede Waffe recht sein. Auch der Gerold Reichenbach, SPD, war dabei. Der ist im Bundestagsausschuss für humanitäre Hilfe. Die muss notfalls eben mit Panzern durchgesetzt werden. Irene Mihalic von den GRÜNEN vertrat den Ausschuss für Innere Sicherheit: Die wird letztlich nur von der Waffen-Industrie gesichert. Wem die Anwesenheit von Prof. Dr. Emil Reisinger (Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Rostock) Rätsel aufgibt, der sei daran erinnert, dass Reisinger für Tropenmedizin zuständig ist. Wer weiß, wohin es unsere tapferen Soldaten auf dem Weg der deutschen Verantwortung noch verschlägt.

Noch während die Takte des Trauermarsches in den deutschen Himmel wabern rätselt das Land über den Ort des Exodus: Luxemburg, der niedrigen Steuern wegen? Frankreich, der geringen Export-Bremsen wegen? Nach Usbekistan, wo die Diktatur des Islom Karimov seit 1991 für stabile Verhältnisse sorgt und der mit 13 Millionen jährlich alimentierte Bundeswehr-Stützpunkt Termiz eine solide Infrastruktur sichert? Oder doch lieber gleich nach Saudi Arabien, einem Großabnehmer deutscher Rüstungsgüter, wo regelmäßig öffentliche Enthauptungen für ein unerreicht hermetisches Klima der Sicherheit sorgen? Fragen über Fragen, die von einer kleinen Bitte begleitet werden: Nehmt die Warkens, die Reichenbachs und die Mihalics mit, jene Schicht von Politikern, die von Sicherheit reden und damit nur die unerschütterliche Selbstsicherheit ihres kleinen Horizontes meinen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 30. September 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

@Gerhard Bauer

Tut mir Leid, aber ich konnte mir keinen schlüssigen Reim darauf machen,
was Sie eigentlich mit Ihrem Kommentar genau meinten, werter Herr Gerhard Bauer.


Am 27. September 2014 schrieb Ingrid Böhm-Duwe:

Na ja, Herr Bauer, so richtig stimmig sind Ihre Ausführungen nicht. Liest sich zum Teil etwas „verschwurbelt“.

Nehmen wir den Satz: "Anfangs muss man sich durch einen Verhau durchkämpfen, den Ihr vom Duden unerlaubt freier Umgang mit der Modalität verursacht. “Respekt” zollt sich eigentlich einer Branche, mag die auch mit Kriegsgerät ihren Reibach machen. Und nicht ihrem Abzug.”

Was das rückbezügliche Fürwort beim “zollen” ausdrücken soll – besonders im Hinblick auf Ihre Einstellung – ist mir nicht klar. Dass sich die Rüstungsbranche selbst als respektabel betrachtet, bedeutet nicht zwangsläufig, dass „man“ im Sinne der normalen Bürger denkt. Denn viele finden diese Branche einfach verabscheuungswürdig. Und im Hinblick auf die Drohung eines Wegzugs, die ganz schlicht und einfach und ohne wenn und würde und ob und wann und überhaupt ausgesprochen wurde und nicht interpretationswürdig ist, sagen viele der „Nichtliebhaber“ und Nichtlobbyisten: Reisende soll man nicht aufhalten.

Die Verwendung der Worte „eigentlich“ oder „mag die auch“ mit dem Fazit im letzten Satz lässt mich vermuten, dass Sie zu den Sympathisanten der Mordinstrumenteherstellungsindustrie (steht übrigens auch nicht im Duden) gehören.

Ich finde die Satiren von Uli Gellermann immer hervorragend. Na ja, Geschmäcker sind verschieden und die Ansprüche. So hat zum Beispiel – um mal einen Vergleich zu bringen - ein sprichwörtlicher Bauer mit den dicksten Kartoffeln keinen Hang zu feiner Ironie und könnte sicherlich nicht verstehen, dass man ihm ein Adjektiv zuordnet.

So habe ich bei Ihrer „Kritik“ eine Assoziation von „Herr Lehrer, ich weiß was“. Oder anders: Ich sehe vor meinem geistigen Auge einen Lehrer vor dem Korrigieren von Heften. Einen der altbackenen Art. Man sagt auch Korinthenkacker dazu. Die das große Ganze nicht sehen. Sorry, wenn ich falsch liege. Aber es gibt überall ja solche und solche. Und irren ist ja nicht nur männlich. Lach.

Wenn es um „politische Bildung“ geht, dann steht Uli Gellermann mit seinen Artikeln durchaus vor „trockenem“ Stoff. Man liest lieber seine gekonnten Satiren mit gut recherchiertem Hintergrund als eben z.B. die Ausführungen in dem Link, den Herr Fiege einstellte.

Und last but not least: Ihr „Bericht“ oder wie man es benennen soll: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ endet mit dem mächtigen Satz: „Übrig bleibt die Bestätigung einer politischen Meinung. Die Sie aber auch schon öfter geäußert haben, die hier nicht zwingend geboten war. „

Das nun schließt auf Vermessenheit hin. Somit erscheint es mir aus meiner Sicht auch als „ein Gebot der Stunde“ Ihnen – seien Sie ganz tapfer – sagen zu müssen, dass ich keinerlei Bereicherung in Ihren Vielzeilen sehe. Entbehrlich!


Am 27. September 2014 schrieb Ulrich Fiege:

Hallo Herr Gerhard Bauer, für kriegerische Auseinandersetzungen benötigt man doch immer mindestens 2 Parteien und damit wäre der kausale Zusammenhang doch hergestellt? Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt es weniger Satirisch! Gruß, Ulrich Fiege:

http://www.bpb.de/internationales/europa/polen/186764/analyse-die-polnische-aussenpolitik-im-spiegel-der-ukraine-krise


Am 26. September 2014 schrieb Gerhard Bauer:

Manchmal schreiben Sie zu fix, lieber Herr Gellermann.

Der Genuss an Ihrer Satire auf die Rüstungsindustrie hält nur bei der ersten Lektüre, wenn die so flüchtig ist, wie Sie offenbar zu schreiben beliebten.
Wenn man dabei stutzig geworden ist und noch mal nachliest, stimmt manches nicht zu manchem.
Anfangs muss man sich durch einen Verhau durchkämpfen, den Ihr vom Duden unerlaubt freier Umgang mit der Modalität verursacht. “Respekt” zollt sich eigentlich einer Branche, mag die auch mit Kriegsgerät ihren Reibach machen. Und nicht ihrem Abzug. Danach erweist sich die Wunschvision – aber nicht Ihre; Sie und die sonstige darunter leidende Bevölkerung kommen gar nicht vor. Soll es die der trauernden Hinterbliebenen sein? Pervers wie die sind, wäre ihnen ja auch das zuzutrauen – als Vorhersage einer Zukunft. Die aber wird noch im gleichen Satz in den Irrealis überführt, von “wird” zu “würde”. Ganz irreal kann es aber nicht sein, denn der Rüstungsverband hat gedroht, den sollte man ernst nehmen. Ihm ist es aber nicht ganz ernst: er droht im Konjunktivus irrealis. Er droht auch eigentlich nur zur Eintreibung eines Wunsches. Der aber in sich gespalten oder verdreht ist, denn das Abzuwendende, die Exporterschwernis, muss sich mit dem Gewünschten, der Steigerung des Inlandskonsums, das gleiche Stück Hilfsverb teilen.

Hat man sich da mal hindurchgewunden, landet man in den Gedankengängen der Rüstungsindustrie.
Aber auch die sind irgendwie zerstreut:
erst die Drohung: sonst machen wir uns davon.
dann die kreative Lösung durch Umgehung: es geht auch ohne Export.
dann die Begütigung des lieben Stimmviehs: Waffen sind doch nicht so schlimm.
dann die Prozeduren der gewöhnlichen Absegnung oder ihrer Vorbereitung.
schließlich die “kleine Bitte”: nehmt auch diese eure Sponsoren mit! Die steht freilich schon in der Unterüberschrift, ist also fast schon verschenkt.

Der entscheidende Bruch unterläuft Ihnen – oder haben Sie ihn etwa geplant?? - in Ihrem zweiten Absatz. An sich ist der im gleichen Ton des satirischen Abstands gehalten: So reden die eben, koste es, was es wolle (nämlich immer die anderen). Auch wenn es hier auf zwei Seiten, zwei Parteien verteilt ist, die hier aufgespießte Rüstungsindustrie und den Wirtschaftsminister von der SPD mit seinem aufstörenden “Verdacht”. Aber im vorletzten Satz siegt Ihre Parteinahme über den kühlen Stilisten, ja über die Kühle, den Abstand der Satire selbst. Sie wissen, welches im Konflikt um die Ukraine die gerechte Seite ist, also wird die Beschwichtigungsformel: so ein hübsches Gefechtsübungszentrum ist ja nicht gleich tödlich, verknüpft mit einem Partikel Realität, wie Sie sie sehen: In der Ost-Ukraine sterben Menschen wirklich, und das liegt am Bombardement durch Regierungstruppen. Bei sonstiger Beobachtung der Realität wissen wir, Kausalität ist einigermaßen komplex, besonders in kriegerischen Auseinandersetzungen. Aber für diesen Krieg soll das nicht gelten. Hier gehen die Toten klar auf das Konto der einen Seite. Lesen Sie einfach den Satz nochmal, und nochmal. In diesem Satz geht die Konstruktion der Satire zu Bruch. Übrig bleibt die Bestätigung einer politischen Meinung. Die Sie aber auch schon öfter geäußert haben, die hier nicht zwingend geboten war.

Ich schätze Sie und Ihre Rationalgalerie darum nicht weniger. Aber in Sachen Satire und was sie verlangt können Sie noch etwas lernen.


Am 25. September 2014 schrieb Jan Fürstenberg, Gefr. d. R.:

Bei der Verabschiedung würde ich gern applaudieren. Bitte rechtzeitig über Ort und Stellzeit informieren!


Am 25. September 2014 schrieb Gideon Rugai:

Na da passt doch die Aufzeichnung der letzten Folge der "Anstalt" vom 23.September wie die Faust aufs Auge. Sollte man gesehen haben.

https://www.youtube.com/watch?v=fbb3HinQqVU

Insbesondere dem durchgehend zustimmend-johlenden und klatschenden Publikum ist deutlich anzumerken, dass es die andauernde Kriegshetze, Propaganda und Desinformation einfach nicht mehr hinzunehmen bereit ist. Ebenso die ewige Mär von der achso beliebten Kanzlerin und ihren Knallchargen. Endlich darf man mal ungeschminkt Wahres bejubeln, ohne das endlos quatschende Bezahlexperten aus den Differenzierungs- und Verifizierungs(Folter-)kammern unserer Büttelrepublik wieder mal erfolgreich verwässern können was eigentlich glasklar ins Auge sticht.

Zitat: "Wann wird der Neo-Liberalismus auch bei uns Zustände zum Fliehen schaffen und wo verdammt sollen wir dann hin?"

Eine verdammt kluge Frage in einem Kommentar der zur exakten Benennung von Roß und Reiter mahnt.
Ich glaube genau das ist der Punkt der inzwischen immer mehr Bewohnern dieses Planeten klar wird : Aussteigen im Sinne von "ich zieh jetzt nach Neuseeland (oder wohin auch immer), mach da Permakultur und ihr könnt mich alle mal !" (nichts gegen Permakultur und naturverbundenes Leben )funktioniert so nicht mehr, weil langsam durchsickert, dass wir nur diesen einen Planeten haben und dieser wird allmählich und in der Tat zu einem "Prison Planet" umfunktioniert (wenn er es nicht schon immer war)...man verzeihe mir die Übernahme der Jonesschen/Infowar Wortschöpfung, aber der Schreihals aus Texas hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Und unsere leidkulturellen Eliten propagieren auch noch den Aufbruch ins All frei nach dem Motto : Planet kaputt ? Na und ? Suchen wir uns einen anderen. Wir haben ja noch 7 Milliarden langsam (seelisch wie physisch) dahinsiechendes Fussvolk Zeit und mit all den hoch"intelligenten" Harald Leschs dieser Welt können wir uns dann z.B nach Alpha Centauri absetzen, nicht ?
Nur noch komplett schizoide, verbogene und hochgradig in kognitiver Dissonanz versunkene Mitmenschen können vor diesem Zuständen im Tollhaus Erde die Augen verschiessen.


Am 25. September 2014 schrieb Ulrich Fiege:

Der ganz "normale Blutkreislauf", die UN-Resolution als Marschmusik für den nächsten Angriffskrieg?, Zitat Obama, "diese historische Resolution die wir gerade angenommen haben verpflichtet uns, das wir uns der Herausforderung stellen, es gelten nun neue Verpflichtungen die die Länder einhalten müssen, vor allem müssen die Länder die Rekrutierung verhindern und unterdrücken, ebenso das Organisieren, Transportieren, und Ausrüsten der ausländischen Kämpfer sowie die Finanzierung ihrer Reisen und Aktivitäten." aus den Nachrichten der ARD und der russische Außenminister sprach davon das der IS Terror nicht die einzige Bedrohung wäre, das sehe ich auch so denn diese Resolution ist eine Drohung und Kriegserklärung für unbeliebte Länder.

Die Rolle der Türkei und vom deutschen Inlandsgeheimdienst in Teilen bestätigt, Zitat: "So kam beispielsweise das Genfer Forschungsprojekt "Small Arms Survey" im April dieses Jahres zu dem Schluss, "alle kämpfenden Gruppen" in Syrien, "insbesondere der ISIS", könnten sich auf feste Netzwerke stützen, die die Einreise auswärtiger Kämpfer aus der Türkei nach Syrien organisierten. Dies könne je nach Wunsch "legal oder heimlich" geschehen. Unter Bezug auf einen syrischen Journalisten hieß es etwa, ein "ISIS-Logistiker" aus dem türkischen Antakya habe im Juli 2013 rund 300 Al Qaida-Kämpfer nach Syrien geschmuggelt. Zuletzt hätten die ISIS-Aktivitäten an der Grenze zu Syrien deutlich zugenommen."

schreibt "German-Foreign-Policy" unter "Öl ins Feuer" und ich bedanke mich bei Ihnen Herr Gellermann für diesen Artikel,


Am 25. September 2014 schrieb Detlev Matthias Daniel:

@Rudolf Steinmetz/U.Gellermann

Menschenfeindlich sind die Rüstungsgeschäfte. Der Begriff "Asylantenflut" ist es dann, wenn man ihn mit entsprechenden Assoziationen belädt. Das freilich liegt nahe, wenn man den Kontext hier betrachtet. Das Problem ist aber doch wohl weniger die Menschenfeindlichkeit, denn die ergibt sich hier wie meistenorts aus einem mangelernährten Bewußtsein. Die fehlende "Nahrung" hinsichtlich der Flüchtlinge hat Uli Gellermann bereits nachgereicht, wobei ergänzend zu erwähnen wäre, daß die Menschen, die wirklich überhaupt keine Perspektive, keine Existenzgrundlage haben, auch keine Chancen haben, hierher zu kommen. Die Flucht der Flüchtenden geht wohl letztlich noch über die Leiber jener hinweg, denen nichts übrig bleibt, als sich ergeben in ihr Schicksal zu fügen. Wer diese Umstände allerdings zur Delegitimierung der Motive der Asylanten verwenden will, sollte sich wirklich mal auf die Suche nach seiner eigenen Nase begeben.

Was dann noch fehlt, ist der gesellschaftliche Hintergrund hierzulande. Wo jeder nur auf seinen eigenen Nutzen und Vorteil schaut, muß die Zuweisung der Immigranten "von oben" als Zumutung empfunden werden. Und so wie jeder gerne diese Menschen woanders hinschieben würde, so auch die Lasten und die Kosten. Daß sich in dem Ergebnis letztlich die realen Macht- und Herrschaftsverhältnisse ausdrücken, weckt natürlich den Widerstand, aber für eine herrschaftsfreie Gesellschaft sind die Menschen offensichtlich noch nicht reif.


Am 25. September 2014 schrieb Matthias Brendel:

Mit den zur Zeit auf der Erde vorhandenen Waffen lässt sich der Planet mehrfach in Schutt und Asche legen. Wir geben für diese Aktivitäten etwa das Hundertfache aus, wie für Friedensforschung.
Gerade werden wir vom grossen, untergehenden Hegemon in einen dritten Weltkrieg getrieben und unsere Politik Darsteller marschieren mal wieder fröhlich voran. Von Exodus der Waffen Industrie kann daher keine Rede sein, die machen sich gerade warm für den nächsten grossen Waffengang. Da wir schon zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr haben diese Entwicklung durch Wahlen zu stoppen, immerhin geschieht in unserem Parlament alles in grosser Einstimmigkeit der herrschenden Block Parteien, sehe ich schwarz, das grosse Geld wird sich wieder einmal durchsetzen

Eines haben Sie in Ihrem Artikel wunderbar heraus kristallisiert:An diesen Cafehaus Gesprächen sind immer Menschen beteiligt, gute Christenmenschen und Partei Gänger der gerechten Sache, die sich in ihrer Bigotterie nicht scheuen, jederzeit dafür zu sorgen, dass der Waffen Export sich stets weiter ausdehnt, wir sollten nicht aufhören, diese öffentlichkeitsscheuen Wesen beim Namen zu nennen, schliesslich verdienen sie unsere Aufmerksamkeit, da sie es ja sind, die überall auf der Welt für "Demokratie und Rechtsstaatlichkeit" sorgen, und dabei stets verbrannte Erde und grosses Leid hinterlassen.


Am 25. September 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Der Rationalgalerie - diesem obersten Rang im Welttheater für ein von Vernunft bestimmtes Publikum - ist es wieder einmal meisterhaft geglückt, zwei unterschiedliche Beiträge passend zusammenzubringen: den "Exodus der Rüstungsindustrie" und "Die kaputte Welt der Wikinger".
Assimilation und Assoziation stellen sich unverzüglich ein: Angleichung und Vorstellungsverknüpfung marschieren unter den Zeilen künftiger Geschichtsbetrachter, und ich lese: "USA, die Geißel des 21. Jahrhunderts" und "Die kaputte Welt der europäischen Wertebeschaffer".


Am 25. September 2014 schrieb Gerhard Gust:

Mit der Bronzemedaille wird sich ein Germanischer Recke niemals zufrieden geben. Das Qualitätsmerkmal `Made in German´ ist allemal GOLD wert. Darunter geht es nicht. An "deutschen Waffen soll die Welt genesen". Und wenn "Good Old Germany" schon Exportweltmeister ist , dann muss es das aber allemal in der Waffenexportdisziplin auch noch werden. Das wäre doch gelacht, wenn wir diese dilletantischen Russen und Gringos auf dem Gebiet nicht aus dem Feld schlagen könnten. Wunderwaffen zu produzieren für den Endsieg, war schon immer germanische Stärke und da lassen sich deutsche Rüstungskonzerne auch nicht durch solch einen kleinkarierten Erzengel Gabriel von abhalten ! ! ! Schließlich hat es Krupp´sche Tradition, dass deutsche Rüstungskonzerne schon immer Freund und Feind beliefert haben. Dafür, dass mit Krup´scher Munition auch auf deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg geschossen wurde, hat der Kaiser Willem Zwo, dieser patriotischen Familie den Adelstitel zuerkannt ! ! !


Am 25. September 2014 schrieb Hans Jon:

Der selbsternannte "Führer" OBAMA ruft "die Weltgemeinschaft zum kollektiven Kampf (=KRIEG!) gegen den Terror" auf! ... als FRIEDENS-Nobeller zum "FRIEDENS-KAMPF"! WAHNSINN!!!
Wer bisher noch schlief, der sollte endlich erwachen und nun den offiziell von der USA vor der UNO erklärten Beginn des III. WELTKRIEGES bemerken! Deutschland produziert und liefert dazu "vorerst mal nur" die WAFFEN! Wer und was im III. WELTKRIEG "TERRORIST bzw. TERRORISMUS" ist, "das kann von der "führenden" USA befohlen werden"! Deutschlands "Macht-Eliten" hören auf OBAMAS un-heimliches Rufen gemäss der altbekannten Parole: "Führer befiehl, wir folgen dir!" Die Knochen der 60 Millionen TOTEN des II. WELTKRIEGES
sind nicht mal verrottet, da sollen schon wieder Millionen Menschen "verrotten"!? Wie schnell doch des Vergessen grassiert ... vergessen sind die vernünftigen deutschen Schwüre nach dem II. WELTKRIEG: "Nie wieder Krieg!" ... " das nie wieder eine Mutter mehr ihren Sohn beweint!" ... " die WAFFEN nieder!" Traurig, aber wahr: Der "KRIEGEN"-WAHN regiert die Welt ... in der Maske von "RELIGIONS- & IDEOLOGIE-KRIEGEN"!



Am 25. September 2014 schrieb Julie Engel:

Es ist äußerst lobenswert, dass der Kommentar von Rudolf Steinmetz veröffentlicht wurde - vielen Dank!. Und die Antwort darauf ist einfach nur wunderbar. Danke, Uli Gellermann!

Ohne die Rationalgalerie wäre das www um sehr viel ärmer. Danke, Uli Gellerman - ich bewundere Sie und Ihre Einstellung. Das, was Sie zu sagen haben, geht mir jedes Mal unter die Haut.


Am 25. September 2014 schrieb Rudolf Steinmetz:

Und wieder einmal bestätigt sich Platons Kritik an der Demokratie, die sich rasch verwandelt in eine Dämokratie, und dann in eine Tyrannei. Wäre dem nicht so, und hätten wir in der Politik unsabhängige (!) Leute mit Sachverstand und Charakter, dann würden sie von jedem Unternehmen, welches das Land verlässt, sämtliche Forschungssubventionen zurück verlangen. Aber lieber lässt man die Rentner verhungern und erfrieren, pfui Deibel! Diese Berufspolitiker ohne jegliche Erfahrungen im wahren Leben, die inzwischen bedenkenlos Gemeinden mit Asylantenfluten in den Ruin treiben, sind dem HERRN ein Gräul.

Antwort von U. Gellermann:

Ich habe gezögert diese Zuschrift zu veröffentlichen. Wenn sie nun doch in der RATIONALGALERIE steht, dann nur weil sie ein Beispiel gedankenloser und unangenehmer Sprachschluderei ist. Der Begriff "Asylantenflut" ist menschenfeindlich. Die Leute, die aus unterschiedlichen Ländern zu uns kommen sind keine "Flut". Sie sind geflohen weil sie Hunger haben, weil sie keine Zukunft sehen, weil sie gefährdet sind. Nicht selten sind sie im Ergebnis von Kolonialismus und Rohstoffjägerei in solchen Lagen. Sie folgen häufig nur den Profiten, die von den Unternehmen des Westens aus ihren Heimatländern herausgepresst wurden. Oder sie fliehen, wie die Sinti und Roma, aus ehemals sozialistischen Ländern, weil der dort von der EU verordnete Neo-Liberalismus zu einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb auf dem sogenannten Arbeitsmarkt führt. Insbesondere diese Flüchtlinge werfen zwei Fragen auf, die des Nachdenkens, nicht des Schluderns wert wären: 1. warum konnte der deutlich ärmere Realsozialimus diesen Menschen eine Heimat bieten, während die reichen EU-Länder sie wegsperren wollen, 2. Wann wird der Neo-Liberalismus auch bei uns Zustände zum Fliehen schaffen und wo verdammt sollen wir dann hin?


Am 25. September 2014 schrieb Lena Berger:

Sie verkennen die Friedensbemühungen der Rüstungsindustrie: Flugzeuge steigen nicht auf, Hubschrauber haben Risse, Panzer bleiben liegen: Das hat viel Arbeit und Geld gekostet das Gerät so zu bauen, dass es selbst den Einsatz verweigert. Diese Haltung sollten sie loben und nicht satirisch abstrafen!


Am 25. September 2014 schrieb Hans Dampf:

Das sollte der Bundesregierung doch recht sein.
Ohne heimische Rüstungsindustrie können sie richtig ausschreiben und die Waffen und Geräte kaufen die auch funktionieren. Erfahrungsgemäß bedeutet das bessere Qualität zu niedrigeren Preisen und eventuell sogar pünktlich geliefert. Wäre auch ökologisch sinnvoller die Waffen dort zu produzieren wo sie gebraucht werden und nicht aufwändig erst hin zu transportieren. Die Soldaten kann man ja man mit DHL- overnight schicken.

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