Das Terror-Gen

Einer koalitionären, herrlichen Zukunft entgegen

Autor: U. Gellermann
Datum: 02. Dezember 2013

Eine schreckliche Ungerechtigkeit wabert durch das Land: Der Koalitionsvertrag von CDU & SPD sei, so mäkeln die Medien, kein großer Wurf. Ja, soll denn der Vertrag geworfen werden? Und auf wen? Der Vertrag, so greinen die Gazetten, sei pures Weiter-So. Wäre denen denn ein So-oder-So lieber gewesen? Ein französisch-schlampiges Laissez-faire statt eines kerndeutschen Auf-der-Stelle-Trampelns? - Medien wollen Sensationen, können aber nicht lesen. Denn wer das Kleingedruckte im Koalitionsvertrag liest, der findet kühne, revolutionäre Sätze. Wie diesen: "Zur Aufklärung von Sexual- und Gewaltverbrechen sollen bei Massen-Gentests auch sogenannte Beinahetreffer verwertet werden können."

Die Sexualtäter zu verfolgen ist das eine: Rübe ab, Schwanz ab, Bart ab. Ein Altbekannter Pogrom-Text. Aber GEWALT-TÄTER! Das verspricht ein neues, weites Feld der Aufklärung. Denn was ist der Gipfel der Gewalt? Der Terror! Und dem könnte jetzt massenhaft ein Gen-Riegel vorgeschoben werden. Zum Beispiel: Gäbe es einen Terroranschlag auf den Lotto-Kiosk an der Ecke, könnte die Gen-Recherche-Brigade massenhaft Stammtische und Lotto-Tipp-Gemeinschaften in der Umgebung auf jene DNA untersuchen, die am Tatort gefunden wurde.

Hätte der Anschlag einer Döner-Bude gegolten, wäre der Fall eindeutig. Nach bewährtem Verfassungsschutzmuster wären jetzt die Verwandten des Döner-Buden-Besitzers dran. Und genau hier greift der kristalline Begriff des "Beinahetreffers" aus dem großen Vertragswerk. "Beinahe" meint die große Ähnlichkeit des DNA-Musters unter Verwandten. Findet man beim Onkel etwas, das dem Gen-Material vom Tatort ähnlich ist, dann findet man auf Dauer auch den Täter-Neffen dritten Grades, oder den Enkel des Halbbruders zur linken Hand. Man weiß ja wie groß die Sippen der Kopftuch-Leute sind. So kann dann die Sippe haften, wenn sie nur beinahe genug getroffen wird.

Doch wäre die Große Koalition nicht wirklich GROSS, wenn sie beim einfachen Gene-Zählen stehen bliebe. Wir dürfen sicher sein, dass sie sich einen ordentlichen Gen-Vorrat anschaffen wird. Wo gestern noch Park-Bänke das Bild der Städte prägten, werden es morgen Gen-Daten-Bänke sein: Schlichte, aber elegante Speicher, in denen das Erbgut ganzer Viertel, Städte, Landstriche gelagert sein wird. In den frühen Morgenstunden werden Herren vor den Türen stehen, Wattestäbchen in der Hand: Mund auf, der Abstrich kommt, werden sie sagen und wir werden vor Staunen das Maul nicht mehr zukriegen.

Und weil die Ab-Stricher Freunde haben, geht es später ans Teilen: Ein paar Millionen Speicheltröpfchen für die NSA, der Rest geht an den britischen GCHQ. Gleichzeitig werden unsere Dienste an den Forschungsergebnissen der Verbündeten partizipieren. Im ersten Schritt sollten Cluster, Bündelungen, gefunden werden: Besonders viel Terror-Spucke pakistanischer Herkunft ist denkbar. Terror-Rotz aus Afghanistan wird zum Mitbringsel unserer dort verbliebenen Freiheits-Soldaten für die lieben Dienste daheim. Obwohl auch Kotze, nicht selten aus US-Gefangenen herausgeprügelt, ebenfalls genetische Auskünfte geben kann, ist sie in den Speichern nicht gern gesehen: Sie ist dem Sammel-Personal zu authentisch.

Wer lesen kann, der liest: Das Vertragswerk dient fraglos der Freiheit des Einzelnen, seiner Selbstbespeichelung im Kampf gegen den Terror. Solch hehre Gedanken beherrschen das komplette Übereinkommen. Auch und gerade in Sätzen wie diesem "Verbraucher sollen selbstbestimmt entscheiden können", blitzt der Gedanke der Autonomie, der Libertinage auf. Und so, wie im Werk als bedeutendes Ziel formuliert wird "das Vertrauen zwischen Wirtschaft und Verbrauchern zu stärken", so dürfen wir sicher sein, dass es den Koalitionären um das Vertrauen zwischen Herrschenden und Beherrschten geht, zwischen Überwachenden und Überwachten, zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten. Mit der Großen Koalition gehen wir einer großen Zukunft entgegen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 02. Dezember 2013 schrieb Svenja Dräger:

Aus der Schärfe des Gedankens entspringt die Schärfe der Sprache.


Am 02. Dezember 2013 schrieb Kalle Schroedder:

Schöne neue Welt ebend,.ich freue mich drauf...


Am 02. Dezember 2013 schrieb Udo Pahl:

ZUM LESERBRIEF VON JÖRG HANSEN
Tja, Jörg Hansen, dann will ich mal versuchen, brühwarm zu schreiben - sozusagen als Ausgleich für von Ihnen nicht verstandene tlw. satirische Betrachtungsweisen des Artiklers.

Ich im Übrigen betrachte es als sozialen Terrorismus, dass in diesem Koalitions-Fetzen nichts Wesentliches von den Errorungenschaften unseres Sozialstaates steht. Die Armen künftiger Generationen werden rein statistisch abgehandelt. Und wieder einmal wird einiges finanziert durch Griff in die Rentenkasse. Das hatten wir schon einmal - durch den Ehrenwortgeber. Der Politik der sogenannten grossen Volksparteien sind die jetzigen und kommenden Armen scheissegal; denn (noch) wehren die sich nur verhalten. In diesem Zusammenhang werbe ich für die Petition von Inge Hannemann:
http://www.demokratisch-links.de/petition-gegen-hartz-iv

Und überhaupt: Woher nehmen diese pseudochristlichen Parteien und die anti-soziale Partei Deutschlands überhaupt das Ansinnen auf, die Schlappe der "S"PD als "Wählerauftrag" für eine Grosskotzaliation zu interpretieren??? Das ist für mich der absolute Hammer! Das Volk wollte diese Schröder-Partei eigentlich nicht mehr. Aber es ist heute so, wie beim letzten Mal: Der Wähler wird verkauft von diesen sogenannten Volksvertretern und von der Marionette der BILDERBERGER sowieso: "Mit mir wird es keine PKW-Maut geben." Es ist schon bemerkenswert, wie leicht "Honeckers Rache" diese Lüge über die Lippen ging.

Alles Wahrheiten in unserer BRD, wobei das "B" immer sicherer für BANANE steht - dem "Relikt" aus der DDR, welches es dort nicht gab und deswegen von der (aus)sitzfleischbesitzenden Pastorentochter immer mehr als Adlerersatz in der Flagge gesehen wird. War´s warm genug?
 


Am 02. Dezember 2013 schrieb Olaf Teßmann:

Schade, daß ich auch bei einer meiner beiden
Lieblingsseiten den fatalen Begriff Koalitions"vertrag" lesen muß. Schön wäre auch hier Aufklärung: nämlich, daß es sich natürlich um keinen "Vertrag" handelt, weder im juristischen noch im inhaltlichen Sinne. Bestenfalls ist um eine ziemlich unverbindliche Vereinbarung die Rede. Nichts ist einklagbar, weder von den Koalitionären noch von den Wählern.


Am 02. Dezember 2013 schrieb Heidi Schmid:

...meiner Ansicht nach wird die große Koalition jeden erdenklichen Grund anführen, um uns alle unserer Privatsphäre zu berauben. Und sollte es mal keinen plausiblen Grund geben, werden sie einen konstruieren. Frei nach : Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Vorratsdatenspeicher wo man hinschaut.
Freiheit des Einzelnen, da bleibt mir das Lachen im Halse stecken... von welcher Freiheit reden die denn?


Am 02. Dezember 2013 schrieb Jörg Hansen:

Sie schreiben eiskalt und ohne jedes Gefühl. Das mag ja elegant sein, aber es ist zugleich verantwortungslos. Denn Sie schreiben ohne jede Alternative. Aber die Menschen wollen Alternativen, auch wenn sie, wie im Fall der SPD, nicht besonders attraktiv sind. Sie werden sehen, dass sich die Sozialdemokraten mehrheitlich für den Koalitionsvertrag entscheiden!

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