Das Reich ist reich

Jeder Deutsche hat 112 000 Euro

Autor: U. Gellermann
Datum: 30. Juni 2014

Endlich ist sie erschienen, die Schätzung des Bundesverband deutscher Banken (BdB). Auf den deutschen Parkbänken brach Jubel aus. In den Bahnhofsmissionen wurde rhythmisch geklatscht, so manchem Flaschentaucher fiel die 25-Cent-Flasche vor Freude aus der Hand: Über zehn Billionen Euro beträgt inzwischen das Geld- und Immobilienvermögen der privaten Haushalte in Deutschland! Nach Abzug der Schulden bleibt den Deutschen immer noch neun Billionen. Die ersten Schuldnerberatungen schlossen ihre Büros. Auch die 333.000 deutschen Wohnungslosen warfen ihre Plastik-Tüten weg: Denn das Immobilien-Vermögen der Deutschen wuchs binnen zweier Jahre um 500 Milliarden auf 5,5 Billionen. Da wird sich doch sicher ein nettes Plätzchen für die Obdachlosen finden.

Etwas säuerlich kommentiert der Bankenverband, dass nur sechs Prozent dieses überbordenden Vermögens in Aktien angelegt sind. Hat doch die wunderbare Sendung auf der ARD "Börse vor Acht", früher "Börse im Ersten", die seit dem Jahr 2000 täglich auf die deutschen Hirne eindrischt das Volk immer noch nicht in Massen an die Geldvernichtungs-Maschine geführt. Aber Geduld, sagt sich Jürgen Fitschen - der nicht nur einer der Deutsche Bank-Chefs ist sondern auch Präsident des Bankenverband - das wird noch kommen. Für ihn persönlich ist alles längst gekommen: Er hat im letzten Jahr mit 7,5 Millionen Euro - deutlich mehr als 2012 verdient, obwohl die Deutsche Bank nach einer Reihe von Skandalen miese Zahlen präsentieren musste. Aber Fitschen weist mit einem langen Finger auf den VW-Boss Martin Winterkorn dessen Jahresgehalt bei 15 Millionen Euro liegt, obwohl der Gewinn vor Steuern bei VW stagniert.

Wenn man das Immobilienvermögen "der" Deutschen aus dem Gesamtvermögen rausrechnet, hat statistisch noch jeder 64.000 Euro auf der hohen Kante. Das reicht leider nicht, um sich eine wirkliche Spitzenuhr zu leisten, zum Bespiel die Hublot "Big Bang $ 5 Million". Die heißt nicht nur so, die kostet auch so viel weil sie mit mehr als 1.200 Diamanten besetzt ist. Das würde aber schön glitzern, wenn der statistische Deutsche mit dem dicken Ding am Arm am Normal-Bettler an seinem Lieblings-Supermarkt vorbei ginge. Geben kann er leider nichts, man kommt nicht zu so viel Geld wenn man gibt, man nimmt lieber. Ausgeben aber kann die deutsche Fettschicht ganz gut, wie uns die Unternehmensberatung Roland Berger in seiner Studie zum deutschen Luxusmarkt schon 2012 freudestrahlend berichtete: "Uhren, Schmuck sowie Mode und Accessoires wuchsen von 2010 bis 2011 jeweils um mehr als 20 Prozent."

Wenn jetzt der Statistik-Deutsche auf seinen Arm schaut und nur die Uhr von Woolworth sieht, dann gehört er wahrscheinlich zu den 28 Prozent der deutschen Bevölkerung, die keinen Euro gespart haben oder sogar verschuldet sind. Und der trübe Blick wird klarer, wenn er dann auch noch weiß, dass die reichsten 10 Prozent in Deutschland durchschnittlich 217.000 Euro besitzen. Angehörige des reichsten Prozents der deutschen Bevölkerung verfügten durchschnittlich sogar über 800.000 Euro. Besonders die Ost-Deutschen, die man erfolgreich heim ins Reich geholt hatte, müssen sich mit einem Blick in die Röhre begnügen: Sie haben nur die Hälfte von dem was der Westdeutsche hat, dafür sind ihre durchschnittlichen Schulden aber höher. Natürlich sind die Armen selbst schuld. Sagen die Reichen. Und haben in gewissem Maße recht. Denn bei deutschen Durchschnitt hat sich immer noch nicht rumgesprochen, dass man den Reichen nehmen muss wenn man den Armen geben will.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 30. Juni 2014 schrieb Rainald Irmscher:

Schöne Zahlen präsentierst du uns da! Werden ja sonst lieber vertuscht! Und die Gesetzmäßigkeit, dass es gar nicht anders sein kann bei einem Schuldsystem mit Zins und Zinseszinsen, wird selbst von unseren Volkswirtschaftlern ignoriert. Sie raffen es nicht einmal, dass ihre Krisen dabei hausgemacht sind und deshalb ganz und gar verzichtbar.

Deshalb hatte der alte Henry Ford bereits gesagt: "Es ist gut, dass die Leute unser Bank- und Geldsystem nicht verstehen, denn wenn sie es täten, hätten wir wohl eine Revolution vor morgen früh."

Aber auch dieser Erzkapitalist, ging davon aus, dass es eine Revolution gäbe, wenn die Leute dahinter kämen, wie bei uns Geld von den Privatbanken gemacht wird aus dem Nichts mit ihren verlängerten Krediten, und wie das Zins-und Zinseszins-System dafür sorgt, dass automatisch die großen Vermögen exponentiell wachsen, während die Ärmsten nicht einmal genug zum Essen haben.

Weil die Mächtigen also wussten, dass die Ungleichheit Zorn erzeugt und Menschen dann gewalttätig werden können, haben sie die Polizei schwer bewaffnet und dazu das Militär bis zum Gehtnichtmehr, damit jeder Volksaufstand blutig bekämpft werden kann. Sie warten mit ihrem Konkurrenzdenken geradezu darauf.

Sie zetteln ja auch überall auf der Welt ständig lokal begrenzte Kriege an, damit die alten Waffen zerstört werden und scheinbar neues Wachstum durch Wiederaufbau möglich wird.
Volksaufstände können nach dieser "Logik" nur wünschenswert sein für "Die Märkte".

Wir täten ihnen einen "Gefallen " wenn wir denn beginnen wollten, den Reichen etwas wegzunehmen.

Unsere Chance ist es, eben die heute Mächtigen davon zu überzeugen, dass ein vernünftiges Geldsystem den Wachstumswahn dadurch beenden kann, dass die Geldmenge begrenzt wird durch eine Vergänglichkeit des Geldes. Und dass ein solches System gut wäre für alle, also auch für sie.

In der Schweiz läuft derzeit eine Unterschriftensammlung für eine Volksabstimmung zur tiefgreifenden Reform des Geldwesens, die sogenannte Vollgeld-Initiative. http://www.krisenvorsorge.com/geldreform-die-schweiz-macht-ernst/

Es gibt durchaus noch andere Ansätze zu Geldreform, die zum Teil auch noch viel weiter gehen, aber die Tatsache, dass hier in einem europäischen Land ein Volksentscheid zu diesen Thema angestrebt wird, um die Macht der Banken einzuschränken, ist ein wichtiges Signal und eine Chance, dass diese Gedanken auf breiter Ebene diskutiert werden.

http://www.pachizefalos.de/forum/thread.php?board=13&thread=1


Am 30. Juni 2014 schrieb Frank Frank:

Im Durchschnitt war der See 1 Meter tief, dennoch ist die Kuh ertrunken.


Am 30. Juni 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Wertvoller Tipp an Herrn Gust:
Versuchen Sie es doch einfach direktemang beim Bundesverband deutscher Banken (BdB), dort wird man Ihnen bestimmt sagen können, wo genau sich IHRE Kohle befindet.
Und wenn Sie schon an der richtigen Adresse sind - bitte, könnten Sie dann nicht auch gleich mal für m i c h mitfragen??? Viiiiiiielen Dank im Voraus!


Am 30. Juni 2014 schrieb Brigitte Vennekamp:

Wenn es nicht zum Heulen wäre könnte man lachen: Bis zum Erbrechen. Über die reichen Deutschen. Einen von denen treffe ich jeden Tag vor dem Supermarkt. Und weil der so reich ist und die Reiche es soo schwer haben, gebe ich ihm ein paar Cent.


Am 30. Juni 2014 schrieb Hartmut C. Hoffer:

Fracking-Wahn, Drohnen-Dreck, TTIP-Müll, Ukraine-Krieg, .... was kümmert´s mich, hab´ 64 Mille auf der hohen Kante und mir sinn´ im Viertelfinale, wenn wir die, die, die da, aus, aus, gegenüber Spanien ... na ihr wisst schon ... in die Wüste gemüllert haben.


Am 30. Juni 2014 schrieb Pat Hall:

Auch ich bin mit 65 schon vergesslich geworden Herr Gust.
Deswegen Male ich mir abends vorm zu Bett gehen 112 000 Euro in Farbe auf ein Plakat,damit ich beim Erwachen es auch wiederfinde,ist nicht schwer,oder ?


Am 30. Juni 2014 schrieb Wolfgang Ringel:

warum so bescheiden mit dem deutschen Reichtum? Zu noch DM-Zeiten erzählte eine Frau, die in evangelischer Mission am Anfang des III. Jahrtausends zwei Jahre in Argentinien war, folgendes: Die Argentinier sahen die Deutschen auch als reich an. Aber es waren 2 Millionen DM, die jeder Deutsche besitzen sollte. Und dass hat sich im Laufe der Zeit bestimmt um einen kräftigen Betrag erhöht. Vielleicht sehen es die Südamerikaner mit dem Geld wie mit den Kartoffel, die ja aus Amerika stammen. Und die Leute denken, alles, was wächst, das vermehrt sich auch.

Also bitte nicht so bescheiden, Herr Gellermann!


Am 30. Juni 2014 schrieb Ingo Engbert:

Danke für die schöne Nachricht am Montagmorgen. Habe ich natürlich gleich weitererzählt.


Am 30. Juni 2014 schrieb Arnulf Rating:

Danke für diesen Bericht. Das erklärt wieder mal, warum die Deutschen so zufrieden sind: Die Mühe, die jeder von uns täglich auf sich nimmt, lohnt sich irgendwie doch. Wieso kriegen die das in Griechenland oder Brasilien nicht so hin?
Kein Wunder, dass sie sich aus Afrika in allen möglichen und unmöglichen Booten bereits auf den Weg zu uns machen.


Am 30. Juni 2014 schrieb Gerd Gust:

Sei doch mal so nett und hilf mir, mich plagt offenkundig schon im relativ frühen Alter von bislang nur 64 Lenzen die schönste Krankheit der Welt (ALZHEIMER - jeden Tasg neue Leute kennen lernen). Ich hab zum verrecken vergessen, wo ich meine 112.000 Euro hingelegt habe. Suche schon seit Tagen erfolglos. Vielleicht hast Du ja eine Idee, wie ich diese Suche systematisieren und zum Erfolg führen kann.

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