BUNDESWEHR Aktiengesellschaft

Die Rüstungsindustrie übernimmt von der Leyen

Autor: U. Gellermann
Datum: 10. September 2015

Schon bald wird Frau von der Leyen von ihrem knappen Ministergehalt, kaum 15.000 Euro, befreit sein. Denn der bisher staatliche Kriegs-Laden wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden müssen. Der Kriegs-Markt boomt, das weiß ein jeder. Nur die Bundeswehr ist an diesem Boom unzureichend beteiligt. Und während die Rüstungsindustrie ordentliche Gewinne einstreicht, kostet die staatliche Armee nur. Das muss anders werden. Schon seit Jahren bereitet sich das Profit-Center in Feldgrau auf seine Privatisierung vor. Längst sind Teile der Armee outgesourct. In Afghanistan zum Beispiel fliegt die beliebte Drohne Heron nur, wenn Airbus Defence & Space Airborne Solutions GmbH die israelische Entwicklung ordentlich pflegt.

Zwar ist die Drohne noch irgendwie in der staatlichen Obhut des Aufklärungsgeschwaders 51 "Immelmann“, aber ohne die Techniker von Airbus läuft gar nichts. Pro Jahr bekommt das Unternehmen dafür 30 Millionen Euro. Der Afghanistan-Krieg ist ein schönes Beispiel für die zunehmende Privatisierung der deutschen Armee: Nur wenn die Mitarbeiter von Rheinmetall den Schützenpanzer "Wiesel" warten und die Soldaten auf Patrouillenfahrten dafür schulen, kann der Sieg unser sein. Auch wenn Afghanistan dafür kein so ganz gutes Beispiel ist: Die Bundeswehr als Verkaufsförderungsabteilung der deutschen Rüstungsindustrie ist vorläufig unersetzlich.

Unsere Rüstungsvertreter in Uniform bildeten zum Beispiel die Marine von Algerien und Australien aus, damit der Rüstungskonzern Thyssen-Krupp seine Kriegsschiffe an diese Länder verkaufen konnte. Die solide Drohne Luna vom Hersteller EMT im bayerischen Penzberg konnte nur an Saudi-Arabien verkauft werden, weil die Bundeswehr die Saudis trainiert. Und ohne einen Wüstentest des Kampfpanzers Leopard 2 unter Leitung der Bundeswehr, wäre das teure Gerät nie an die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft worden. Ein Geschäft vom zwei Milliarden Euro, dessen Rendite zur Zeit im Jemen-Krieg eingefahren wird.

Was der Bundeswehr bisher fehlt, ist ein ordentliches Geschäftsmodell. Der faktischen Übernahme der deutschen Armee durch die Rüstungsindustrie muss endlich auch die Börsennotierung folgen. Eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft entspräche nicht nur der Wirklichkeit, sondern könnte auch die Kriegsziele neu definieren. Was sollen solche teuren und nutzlosen Kriege wie in Afghanistan? Im andauernden libyschen Bürgerkrieg warten Öl-Quellen auf eine Neuverteilung! Die Gaspipeline in der Ukraine braucht dringend eine militärische Schutzmacht, die nicht nur mit dem Säbel rasselt, sondern auch die Kasse klingeln lässt.

Zur Zeit sind mit den jungen Männern aus Syrien jede Menge Billiglöhner nach Deutschland unterwegs. Sie könnten die Personalkosten der Bundeswehr AG drastisch senken und in einer bewaffneten Heimführungsaktion den letzten russischen Auslandsstützpunkt im syrischen Tartus übernehmen, um der Firma "Thyssen-Krupp Marine Systems" einen guten Standort im Mittelmeer zu verschaffen. Die Wartung der gerade für 430 Millionen Euro an Israel verkauften Korvetten wären so auf Jahre hinaus im syrischen Kriegshafen gesichert.

Falls das neue, private Auslandsengagement der Bundeswehr AG wider Erwarten doch floppen sollte, bleibt immer noch die bewährte Sozialisierung der Verluste durch Rück-Verstaatlichung, wie sie zur Zeit bei der Kleiderkammer der Armee zu erleben ist. Die im Jahr 2002 unter der Führung des damaligen Verteidigungsministers Rudolf Scharping (SPD) erfolgte Privatisierung der Uniformbeschaffung durch die Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft mbH (LHBw), wird jetzt durch den Staat mit fast 40 Millionen Euro vor der Insolvenz gerettet. Denn selbst bei den anvisierten warmen Wüstenkämpfen wird die Bundeswehr eine angemessene Bekleidung brauchen. Erst recht trifft das auf die harten Winter in der Ukraine und Russland zu.

Um Ursula von der Leyen, die als Chief Executive Officer der Bundeswehr AG demnächst an deren Spitze stünde, müsste man sich Fall der Insolvenz keine großen Sorgen machen. Als Chefin des Erlebnis-Parks "Schnöggersburg" in der Letzlinger Heide hätte sie immer noch eine Zukunft. Denn auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes in Sachsen Anhalt wird zur Zeit vom "Rheinmetall Dienstleistungszentrum Altmark GmbH" an einem urbanen Nahkampf-Zentrum gebaut, dessen Autobahn, Müllkippe, Wasserwerk, Stadion und der einzigen U-Bahn Sachsen-Anhalts sicher den lieben Kleinen zu jener Wehr-Ertüchtigung verhelfen könnte, die der neuen "deutschen Verantwortung" gerecht würde und den Nachwuchs auf jene Rolle vorbereiten könnte, die dann die neue Aktiengesellschaft von der Insolvenz geradewegs zum Endsieg führen würde.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 11. September 2015 schrieb Antje Leetz:

Lieber Uli Gellermann,
ich danke Ihnen sehr für die Tiefeninformation. Da stockt einem der Atem. Und ich habe mich schon gewundert, warum in unserer Asylantenunterkunft - dem Kaulsdorfer Schlosshotel - nur junge Männer aus Syrien wohnen, die hochmodern angezogen sind und auch die modernsten Frisuren haben. Sollten sie etwa zu der syrischen Elitetruppe gehören, die bewaffnet und militärisch ausgebildet wieder nach Syrien zurückzieht? Die ganze Zeit schon kam mir die Geschichte bundeswehrisch vor. Aber vielleicht liege ich ja falsch. Aber das dort keine Frauen und Kinder wohnen, ist doch merkwürdig.

Antwort von U. Gellermann:

Herzlichen Dank für das freundliche Lob. Für die Flucht der jungen Syrer legt eine ganze Großfamilie zusammen: Wenigsten einer aus der Familie soll ins sichere Europa. Leisten kann sich das nur die syrische Mittelschicht, daher die teuren Handys.


Am 11. September 2015 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

Dazu an Rainer HOFFELD:

Dir kann ich mich voll anschließen - weil ich es ebenso empfinde:
JAA - Die RATIONALGALERIE ist schon ein Kleinod und hebt sich
wohltuend ab vom zensierten (?!) regierungskonformen Medien-Eintopf .
JAA - sie ist somit ein Musterbeispiel an seriöser Recherche!
JAA - Uli Gellermann übertrifft sich derzeit sowieso selbst - oder?
(schreibt sich die Seele aus dem Leib) - ist besser denn je!


Am 10. September 2015 schrieb Alexander Schröpfer:

Firma Bundeswehr auf upik.de
Trefferliste zur UPIK® Suche
https://www.upik.de/05f3cee5831f98cbe782dc0859ec65b1/upik_suche.cgi?advanced=1&fromEupdate=&BUSNAME=bundeswehr&PHYSADDR=&POST_CODE=&CITY=&PRIM_GEO_AREA=AL&PRIM_GEO_AREA_KAN=AB&CTRY_CD=DE&advancedButton=Finden


Am 10. September 2015 schrieb Ernst Grobschmied:

Selbst beim Baumarkt "Hornbach" ist das Projekt "Zukunft" schon eingeleitet. Mit einem 3D-Drucker wird es bald jedem möglich sein, -mit entsprechender Software und Antrieb, seine eigenen "Projekte" wie z.B. eigene private Drohnen zu drucken und über die Welt zu schicken.

https://www.hornbach.de/shop/3D-Drucker-Dremel-Idea-Builder/5813278/artikel.html?hb_ak=1

Die veraltete private v.d.Leyen Kriegs-Drohnen-AG zur weiterentwickelten individuel-privaten Drohnen-Ich-AG wird doch noch die Welt in eine gelebte neoliberale paranodide Schizophrenie verwandeln können, wäre doch gelacht.
Zur Not drucken wir uns eine neue, bessere Welt in 3D aus.
"Beeilt Euch zu handeln, bevor es zu spät ist zu bereuen" (Willy Brandt / Oslo) möchte man jedem Kriegstreiber hinterherrufen. Doch die verstehen das anders.


Am 10. September 2015 schrieb Hans Ion:

Zu der "scharfen Munition", der bitter-wahren Satire von ULI fällt einem nur noch ein: US-NATO-SPEERSPITZE bedeutet KRIEG!!! Die "spielen das LETZTE GEFECHT"!!!


Am 10. September 2015 schrieb Ulrich Fiege:

Da kann ich mich dem ersten Satz von Herrn Rainer Hoffeld nur anschließen, denn das Empfinde ich genau so, die Recherchen von Herrn Gellermann sind nicht nur sehr Präzise, die Artikel haben den gewichtigen Schwung und verfehlen niemals ihr Ziel. Im Gegensatz zum unpräzisen Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch, dem fehlt die Zielsicherheit als Medienkampagne von Spiegel, Bild und co gestreut, aber warum streuen diese Journalisten eine Kampagne gegen den eigenen deutschen Rüstungskonzern? Das Fragen die Nachdenkseiten und es scheint nicht nur so als das es sich um gut getarnte Journalisten handelt, die dann über eine transatlantische Brücke zu uns gekommen sind, denn diese Journalisten wurden enttarnt und es gibt einige US-Konzerne die sehr gerne dieses Qualitätsprodukt und den deutschen Hersteller, Heckler & Koch übernehmen wollen. Obwohl eindeutig Bewiesen ist das es dass beste Sturmgewehr der Welt ist und dort Natürlich auch im Einsatz. "Die Story hinter der Story" Das Sturmgewehr G36 mit Vertraulich eingestuften Dokumenten aus dem Bundesverteidigungsministerium im Link erhältlich:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=27496

Das wir und sollte es wieder nach Stalingrad gehen und irgend ein Paulus wird sich immer finden, ein bei jeder Witterung präzises Sturmgewehr benötigen, darüber sind sich auch die Personen einig die auf der richtigen Atlantikbrücke stehen und wer dort steht um überhaupt eine Meinung zu haben bzw. die Meinung zu führen, wird im Netz fündig und dank der Vereinigten Staaten wird uns dass dann Endlich zum Endsieg führen als Ziel oder einfach mal Google betätigen, Eingabe: Krieg in Europa, Deutschland und Russland das Ziel. Dabei bedanke ich mich Herr Gellermann für Ihren Artikel und der Fülle an Informationen, denn durch die Presse wird man Irritiert statt Informiert,


Am 10. September 2015 schrieb Manfred Ebel:

Dieser Artikel im Satiremagazin RG kommt so ziemlich ohne Lachpotenzial daher. Warum? Weil er die Realität, das IST beschreibt. Nimmt man es genau, sogar ziemlich emotionslos. Blackwater und andere Privatarmeen weltweit und besonders jetzt in der Ukraine, die kürzlich beschriebenen polnischen privaten Armeen, ... bis hin zu den faktischen privaten Polizeieinheiten (auch) in Deutschland sind doch Beleg genug! Irgendwie können deren Auftraggeber sich auch an parlamentarisch beschränkenden Notwendigkeiten vorbeimogeln.
Das ist Militärisch-Industrieller Komplex auf der finanziellen, organisatorischen, personellen, und technischen Ebene. `Finanziell´ steht mit Absicht an erster Stelle - der Herrschaft des Finanzkapitals wegen.
Stellvertreterkriege, Hybridkriege und wie sie benannt werden mögen, es ist egal! Hauptsache Krieg! Nur darum geht es.
Die ökonomischen und politischen Krisen in der kapitalisitschen Welt sind keine Krisen, sondern ihr Wesen und diese friedlich unlösbaren Widersprüche führen nur und immer wieder zu Krieg.
Die rasante, ungeheuere weltweite Militarisierung ist unübersehbar.


Am 10. September 2015 schrieb Rainer Hoffeld:

Die RATIONALGALERIE ist ein Muster an guter Recherche. Diese Qualität ist dem deutschen Mainstream-Journalismus verloren gegangen, wenn er sie jemals besessen hat. Aber die Kurve, die Gellermann diesmal nimmt, von der schleichenden Privatisierung der Bundeswehr hin zu ihrem jüngsten Flop, die ist schon herausragend steil.


Am 10. September 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Thyssen-Krupp?
Sind das nicht zwei Namen aus dem 1. und 2. Weltkrieg? Die scheinen auch eher lernunfähig zu sein, was die ethische Dimension des Lebens angeht. Nun sind sie also schon wieder dabei. Und das im Bunde mit "Drei-Weltkrieg-Taft"...
Das riecht nach der endgültigen Zerstörung von "Deutschland und Umgebung".

Für die, die den dritten Weltkrieg inspirieren und organisieren, und für deren Quislinge in Berlin wäre das wohl wirklich der "Endsieg". Zumindest arbeiten sie daran, bis zum Üben des Häuserkampfes, falls irgend jemand im tausendjährigen Reich nicht kuschen sollte.

Danke an den Autor für die Detail-Information!

- Es wird Zeit, einen Apfelbaum zu pflanzen.


Am 10. September 2015 schrieb joe bildstein:

Nicht umsonst hat Ursi jetzt eine McKinsey Tante an Ihrer Seite, Krieg ist und war immer eines der ertragsreichen Geschaefte... die Familie Krupp, Thyssen kann davon erzaehlen...... ich empfehle noch einmal "WHY WE FIGHT" a BBC documentary on the business of war......
http://www.youtube.com/watch?v=TO7-GBRx1xM

ekelhafte Entwicklung in einem Land das so viel Uebel ueber die Menschheit gebracht hat. Die Alten Junker Clans sind alle wieder an den Hebeln der Macht.


Am 10. September 2015 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

"Daß der Kriegsmarkt boomt und es um Gier, Macht, Profitsteigerung "statt um Menschen - es verschlägt einem mehrmals täglich glatt die Sprache....
Mein Kopf istviel zu klein, als daß er all die im RG-Artikel beschriebenen Details
zB über Börsen, die schmutzigen Schiebereien + Machenschaften - sei es in Politik und oder Wirtschaft im Einzelnen je begreifen könnte...
Bisher aber hat sich gezeigt, daß einfach a l l e n Informationen,
jeder einzelnen Meldung aus der Feder Uli Gellermanns bzw. RationalGalerie bedenkenlos zu vertrauen ist. Eins zu Eins, weil gut recherchiert - DANKE!
Das will viel heißen in diesen verlogenen Zeiten, wo einem das Wesentliche stets vorenthalten bleibt! Immerhin hat man so auch ganz andere Argumente an der Hand, auch eine große Sicherheit, endlich RICHTRIG INFORMIERT zu sein.

Dran bleiben...

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