BLÖD erklärt V-Fall

Die Botschaft zum Antikriegstag

Autor: Wolfgang Blaschka
Datum: 04. September 2014

Jetzt ist es heraus: "Putin greift nach Europa". Ein schauerlicher Verdacht bestätigt sich. Denn "erste EU-Politiker sprechen es aus: Russland führt Krieg gegen Europa", weiß das Blatt mit den großen Buchstaben passend zum Antikriegstag zu berichten. "Zurückgeschossen" wird anscheinend noch nicht, jedenfalls war um 5.45 Uhr noch alles ruhig, denn Europa will wohl seinen Friedensnobelpreis nicht aufs Spiel setzen. Obwohl ziemlich klar sein dürfte: In 48 Stunden steht "der Russe" an der Oder, in weiteren 48 Stunden dann am Rhein. Das weiß man seit dem Kalten Krieg. Wenn nichts dazwischen kommt, schlürft Putin nach weiteren 48 Stunden an den Champs Elyssee seinen Café au lait. Dann war´s das mit dem freien Westen.
 
Aber sonst sind alle gesund, bis auf den BILD-Kolumnisten, der sich in seinem launigen Brief an ein "liebes Paradies Deutschland" darüber auslässt, wie schön es ist Geburtstage zu feiern, während anderswo Krieg herrscht. Und welche Werte über den Jordan gehen würden oder über die Oder oder über den Rhein: "Unsere Werte sind, sich zu umarmen, menschlich zu sein und sich miteinander zu betrinken". Klar, da würden die Russen gern und locker mithalten. Aber doch bitte nicht die Prorussen aus dem Donbass! Hätte er nüchtern auf der Titelseite derselben Ausgabe nachgelesen, wie es um das "Paradies" steht, wäre ihm nicht entgangen, dass die Arbeitslosen von dem Jobwunder, das er bejubelt, nicht viel mitbekommen, denn "freie Stellen werden vor allem von Zuwanderern und aus der sogenannten stillen Reserve besetzt: Menschen, die zuvor nicht arbeitslos gemeldet waren". Nicht gerade paradiesisch für Betroffene. Aushaltbar nur für Journalisten, deren "Werte" in Trinken liegen.
 
Aber "wir" sind ja zum Glück nicht direkt betroffen: "Wir sind wie auf einer Insel des Glücks", und liefern daher aus mittelbarer Besoffenheit 16.000 Sturmgewehre an die Kurden im Nordirak: 8000 alte G3 mit 2 Millionen Schuss und 8000 moderne G36 mit doppelt soviel Schuss Munition, dazu 40 Maschinengewehre MG3 mit 1 Million Schuss sowie 8000 Pistolen P1 mit 1 Million Schuss. Dazu 500 Panzer-Abwehrraketen "Milan", 200 leichte und 40 schwere Panzefäuste mit 2500 bzw. 1000 Schuss. Ein Volltreffer gegen das Kriegswaffen-Kontrollgesetz. Soll es doch andere treffen! Das Parlament nickt den Kabinettsbeschluss mit großkoalitionärer Mehrheit brav ab, gegen den Protest und Restverstand der LINKEn und einiger Grüner, als wäre es Business as usual. Ist es auch, doch in neuer Qualität. Praktisch gedacht - das alte Gerödel muss raus: 10.000 Handgranaten, auch 5 Dingo-Transportpanzer, sogar ein Tanklastwagen, der bei Kunduz offenbar nicht bombardiert werden konnte, 40 Unimogs und 20 teilgepanzerte LKW "Wolf", kurz alles, was die Bundeswehr irgendwie erübrigen kann. Und später nagelneu ersetzt bekommt.
 
Ein rundes Paket für 70 Millionen Euro an die halbfeudalen Kurden-Clans im Nordirak, während die Kurden weiter westlich vom NATO-Staat Türkei drangsaliert werden, und die im syrischen Rojava von ebenjenen sunnitischen IS-Leuten akut bedroht sind, die die USA, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar gerade freigiebigst mit Mordwerkzeug hochgepäppelt hatten gegen Assad. Bei all der Verwirrung über die wild durcheinander geratenen Fronten im Mittleren Osten scheint der Blick auf den hauseigenen Tabubruch, Waffen aus Deutschland in Spannungs- und Kriegsgebiete zu liefern, glorios umwölkt. Ist ja für einen "guten Zweck"; es sind immerhin 25 Feldküchen dabei, Ferngläser, 4000 Gefechtshelme und 4000 Schutzwesten, rein defensiv, fast humanitär.
 
Bei soviel Ermunterung an die Leserschar dann die schlechte Nachricht: Ein neues Wort aus Putins Mund: "Novorossia"! "Das gefährlichste Wort unserer Zeit"! "Es steht für Landgewinn. Es steht für Krieg", säbelrasselt das Springer-Blatt, und man fragt sich: Kann Putin mit den Zähnen schießen? Er kann, und BLÖD hat's getroffen: "Jetzt spricht sogar Russlands Präsident Wladimir Putin (61) das Wort öffentlich aus". Ja, ist es denn die Possibility!? "Denn er will die Ukraine teilen! Er will einen neuen Staat! Er will Novorossia!" Auch wenn dagegen Putins Pressesprecher Dmitri Peskow zitiert wird: "Die Ostukraine soll selbstverständlich Teil der Ukraine bleiben", ficht das BLÖD nicht an. Das "selbstverständlich" wird im Zitat selbstverständlich in Anführungszeichen gesetzt. Anführungszeichen sind nämlich eine der schärfsten Angriffswaffen im medialen Verblödungsgeschäft. Man erinnere sich nur an die "DDR"-Zeiten. Der Kalte Krieg kehrt zurück, die NATO verstärkt ihre Truppenpräsenz in früheren Warschauer-Vertrags-Staaten, eine Aufrüstungsspirale kommt in Gang. Klar doch: Um das westliche Paradies ostwärts zu erweitern.
 
Arbeitslose aufgemerkt: Da werden bald Leute gesucht zum Panzergrabenbau. Denn "immer mehr Panzer rollen Richtung Westen". Wo genau, steht nicht geschrieben. Aber "rrrollen" klingt bedrohlich. Da schwingt zwischen den Rädern ein bisschen "Sieg" mit. Nur die Richtung stimmt noch nicht, die müsste umgekehrt laufen, das Rollback der Geschichte: Richtung Osten. Dazu muss dieser zunächst dämonisiert werden, um ihn dann zu erlösen. Man spricht von Separatisten statt von Föderalisten. Was müssen die auch von Autonomie reden und russisch sprechen wollen! Und nun Putin auch noch von Verhandlungen über staatliche Strukturen! Als bedeutete bayerische oder sächsische "Freistaatlichkeit" das Ende der Bundesrepublik Deutschland. BLÖDer geht´s kaum. Doch dient es dem Ziel die Ukraine so schnell wie möglich in die NATO einzugliedern. Aber dann ...
 
War man bisher der altmodischen Ansicht, dass der Bundestag mit Zweidrittelmehrheit den Verteidigungsfall feststellt, gilt es im Medienzeitalter umzudenken: Da genügt eine BLÖDe Schlagzeile, und nichts ist passiert, außer dass Putin ein Wort in den Mund nahm. Das Wort! Das böse N-Wort: Und schon ist Krieg. Nur die Kanzlerin hat´s noch nicht gemerkelt, liefert (noch) keine Waffen nach Kiew. So geht Journalismus mittlerweile. Blöderweise ist der atombombensichere Regierungs-Bunker in der Eifel eingemottet. Wahrscheinlich hätten die Telefone dort auch noch Wählscheiben. Bleibt die Frage: Wohin mit Merkel? Nicht dass Putin sie noch anruft und in lupenreinem Deutsch anfragt, ob auf der Insel der Seligen ein Plätzchen für Snowden frei wäre.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 06. September 2014 schrieb Ernst Grobschmied:

Die Verrenkungen der westlichen Volksvertreter grenzen an Schizophrenie.

Wenn man einem Landesteil wie den der Ost-Ukraine, - die eigene Sprache verbietet, aufruft zum Mord und Vertreibung, ihre Häuser bombardiert -, dann ist es mehr als verwunderlich, dass Politiker nicht das selbe anstreben wie im KOSOVO.
Der Wunsch nach einer föderativen Lösung innerhalb der Ukraine ist nun, - nach all den Bluttaten, nur schwer durchzusetzen.

Frau Merkel: setzen sie sich doch so ein, wie es ihr Vorgänger Schröder tat. Für einen souveränen Staat der Ost-Ukraine. Mal ehrlich, was ist daran falsch ?

Oder regiert uns gar die Schizophrenie ?? Dann bitte ohne mich.


Am 04. September 2014 schrieb König-Schland:

Hoch lebe der Teilungsvertrag zur Ukraine
- zwischen den USA und Russland
- war ein Gedanke, der uns kam.


Am 04. September 2014 schrieb T Meyer:

Auch an dem Krieg in Syrien und im Irak gegen die Bürger durch sogenannte "Seperatisten", in diesem Fall Assad und die IS, ist der bei Ihnen so beliebte und unschuldige Putin mit seinem sturen und uneinsichtigen Handeln verantwortlich. Er zündelt wo er nur kann, ob in Georgien, in Tschetschenien oder der Ukraine, er ist einfach ein Mann aus dem letzten Jahrtausend.
Im aktuellen Stern ist zu diesem Verhalten ein sehr aufschlussreicher und interessanter Artikel der Russland Expertin Bettina Sengling, lohnt sich zu lesen!

Antwort von U. Gellermann:

Würde man Ihnen folgen, dann war Putin auch für die beiden Weltkriege verantwortlich. Versuchen sie im Fall Irak einfach mal an Bush jr. und das Giftgas zu denken und bei Syrien daran, dass der IS (finanziell und mit Waffen von den USA und deren Freunden unterstützt) die Rolle der Separatisten einnahm und einnimmt. Na, klingelt was?


Am 04. September 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Herzspezialisten, mit gesunder Sicht aufs politische Zeitgeschehen, empfehlen seit geraumer Zeit ihren Patienten mit niedrigem Blutdruck die Nachrichten der Fernsehsender und das Lesen konzerngelenkter Tageszeitungen.
Obschon mir eher Abstinenz empfohlen wurde, kam ich nicht umhin, am gestrigen Mittwoch, dem 3. September 2014, mir den Kommentar von Rolf-Dieter Krause anzuhören. Na gut, der Mann ist Leiter des ARD-Studios Brüssel und kann wohl nicht anders. Die Tragik: ihm war anzusehen, dass er anders könnte und ihm das Ablesen seines selbstverfassten Textes Unwohlsein bereitete. Es war sein journalistisches Ich, das sich von ihm unkontrolliert im Unbewussten regte, "Krause, mach mal Pause" rief und sich in Krauses Gesichtszügen widerspiegelte.
Wie gut, lieber Wolfgang Blaschka, dass Sie sich mit derlei Irritationen nicht herumzuquälen brauchen.
Ihrem Herzen weiterhin einen wohlausgewogen gleichmäßig gesunden Rhythmus wünschend und zu Ihrem Über-Ich ein weiterhin anonym gutes Verhältnis.


Am 04. September 2014 schrieb Georg Hansen:

Lieber Herr Blaschka, mit irrem letzten Artikel haben sie die Haderthauer verschwinden lassen. Hoffentlich klappt das jetzt mit BLÖD auch!


Am 04. September 2014 schrieb Pat Hall:

Normal ist,wenn man über Satire lachen kann,aber Du beschriebst die traurige Wahrheit...alles richtig.
Doch es gibt anlass zur Hoffnung und sende Dir daher diese Mail als zum Nachlesen.
Ale ehemaliger Seemann sage ich : der Tampen des politischen geschehens geht zu block´s und wird verklemmen durch den Knoten den man selbst eingebaut hat.
Dann geht wohl aber die ganz große Satire ab,oder ?
http://www.ipg-journal.de/kommentar/artikel/putin-reagiert-560/

PUTIN REAGIERT

WARUM DER WESTEN AN DER UKRAINE-KRISE SCHULD IST.


Am 04. September 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Au weia !
das klingt ja nun nicht einmal mehr nur nach bitterböser Satire (wunderbar, Herr Blaschka!) - sondern ebenso nach ziemlich ekelerregender, weil ernst gemeinter Kriegspropaganda. Die meisten werden sich doch noch ganz gut erinnern:

Vor 11 Jahren, kurz vor Beginn der US-Invasion 2003 im IRAK, konnte man in Großaufnahme auf den Titelseiten der Springer-Presse und anderen Hetzblättern sehe: Das finster dreinschauende Gesicht von Saddam Hussein. Mit Furcht einflößendem schwarzen Schnäuzer und schwarzen Augen - Saddam - zum Leibhaftigen hochstilisiert!
Folge: ob er nun wollte oder nicht - der Ami m u ß t e den Irak vernichten, da Saddam - angeblich - Massenvernichtungswaffen versteckt hielt!
Der ganze Krieg auf Basis einer Propaganda-Lüge!

Ja, und genauso mutet das jetzt hier an - es IST die Pussybility!
Wladimir - der Leibhaftige! man kriegt richtig Muffensausen, sieht, liest oder hört man die aktuellen Nachrichten. Zusammen mit dem kürzlich erschienenen
Uli-Gellermann-Artikel "Wirtschaftskrieg gegen Russland"(?) ergibt sich daraus aber ein höchst plausibles Gesamtbild: Es geht hier einzig wieder mal um amerikanische monetäre Interessen, und wieder werden faustdicke Lügen serviert!

BLÖD - eh dafür bekannt/berüchtigt (wie auch all die anderen Verdummungs-Blätter samt taz, die manipulativ und einlullend allesamt ins gleiche Horn stoßen), sind allesamt das Papier nicht wert, auf denen sie gedruckt sind.

Laut BLÖD steht uns dieses Mal ein anderer Erzfeind, nämlich DER RUSSE ins Haus - w e n n nicht bald etwas dagegen unternommen wird!
Und Gauck segnet derweil die Waffen. Es ist zum Heulen!


Am 04. September 2014 schrieb Hans Jon:

Mal diese bitter-ernste Satire beseite, mit OBAMA und seinen NATO-Vasallen ist nicht mehr"zu spaßen", denn OBAMA verkündete gerade heute seine MILITÄRISCHEN AUFMARSCHPLÄNE gegen RUSSIA, genau 75 J. nach Beginn des II. WELTKRIEGES! Der "Ritt gen Osten" wird dieses Mal "natürlich" von einem "FRIEDENS"-Nobeller angeführt! Völker hört die Signale! - ehe es wieder kracht!!!

Dran bleiben...

Schlagzeilen

Wenn Sie sich für die Artikel der Rationalgalerie interessieren und immer erfahren wollen, wenn es Neuigkeiten gibt, können Sie unseren RSS-Feed abonnieren:
RSS-Feed abonnieren

Kürzlich...

25. Juli 2016

Der Verfall deutscher Redaktionen

Husch, husch ins Maulkörbchen, Heribert Prantl!
Artikel lesen

25. Juli 2016

Ikone Jesse Owens

Der Film „Zeit für Legenden“
Artikel lesen

22. Juli 2016

Frieden bringt keinen Gewinn

NDR-Intendant fragt nach dem Cashflow in der Ukraine
Artikel lesen

22. Juli 2016

Frankreichs Terror gegen Syrien

Deutsche Medien schweigen dröhnend 
Artikel lesen

19. Juli 2016

ARD: Die USA haben immer Recht!

Gniffke: Ein Gerichts-Hof? Da sage ich doch Mahlzeit!
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen